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Aufgabe 2

Aufgaben
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Textgebundene Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
Erörtere den Text.
#textgebundeneerörterung#erörtern

Iris Radisch (geb. 1959):
Der ganz normale Nulltext

Im Dauergequassel der Gegenwart regieren Denkverbote und ein diffuses Klima der zwanghaften
Selbstbegeisterung. Ein paar offene Worte.
$\,$
Es gibt ja keine Stille mehr. Das lastende Schweigen am Familientisch und in den Ehen,
das in alten Romanen hier und da noch erwähnt wird, ist inzwischen eine ähnlich anti-
quierte Kulturtechnik wie das Telefonieren am Münzfernsprecher oder das Häkeln von
Toilettenpapierhüten. Das muss man nicht bedauern. Zu groß waren die Nachteile der
5
reglementierten und hierarchisierten Kommunikation in der alten Kontrollgesellschaft, in
der man sich noch bequem mit einer Handvoll Floskeln und strapazierfähiger Rede-
wendungen durchs Leben schweigen konnte. Und zu verlockend ist das feie Dauerge-
quassel aller mit allen in der neuen Überinformationsgesellschaft, für das es nirgends in
der Geschichte ein Vorbild gibt.
10
Doch die neue Redefreiheit hat einen Preis. Und der ist nicht unbedingt kleiner als jener,
den man in Zeiten der stabilen rhetorischen Machtverhältnisse bezahlte. Er ist nicht
direkt mit Händen zu greifen und auch nicht in Tonendiagrammen zu erfassen. Er betrifft
eher ein gesellschaftliches Klima als eine Zahlenkurve. ist eher eine Frage der Stimmung
als des Faktenchecks. Sagen wir es so: Obwohl inzwischen ununterbrochen geredet wird.
15
darf man nichts mehr sagen. Bei der unendlichen Vervielfältigung des Redens scheint
sein eigentlicher Zweck abhandenzukommen.
Man hält das angesichts der schieren Masse des Kommentierens kaum für möglich: Aber
nicht erst seitdem die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ihre Sendungen in panischer
Angst vor ihren Zuschauern zensieren und vorübergehend aus dem Verkehr ziehen, fällt
20
auf, dass die Redefreiheit mit der schieren Vermehrung des Redens nicht etwa größer.
sondern kleiner wird. Und dass der alte Normierungsdruck nicht verschwindet, sondern
nur seine Gestalt verändert. Und auch seine Reichweite. die nicht weniger unübersicht-
lich ist als die neuen Wege der Kommunikation. Er ist plötzlich überall.
Das macht es so schwer. ihn zu greifen, denn so wie man das Wetter nicht an jeder Wol-
25
ke ablesen kann. ist er in keinem Einzelbeispiel ganz enthalten. In der alten Sprich-nur-
wenn-du-gefragt-wirst-Gesellschaft waren Absender und Adresse der Disziplinierung
namentlich bekannt. Schuld an der Verengung des Diskurses waren wahlweise der Ob-
rigkeitsstaat. das Patriarchat. die Kirchen. die totaliüiren Parteien und noch ein paar an-
dere mächtige Großkontrolleure. Bei Nichtbefolgen der Redeordnung drohten Gefängnis,
30
Irrenhaus, Scheiterhaufen, Gulag1 oder Fegefeuer. Allenfalls unterhalb des Radars der
Macht gab es Nischen einer undressierten Kommunikation. Noch heute schwärmen DDR-
Veteranen von der herzlichen und aufrichtigen Atmosphäre in den unbeobachteten
Winkeln des Spitzelstaates, in denen unzensiertes Sprechen möglich war.
Seitdem Normierung und Kontrolle aber nicht mehr von oben eingefordert, sondern von
35
jedem Einzelnen freiwillig an sich selbst verübt werden. ergießt sich das uneigentliche
und heuchlerische Sprechen wie der siiße Brei im Grimmschen Märchen bis in die letzten
Winkel der Gesellschaft. Zugbegleiter der Deutschen Bahn versuchen sich am Bordmikro
als Supergeil-Star Liechtenstein2, Verliebte reden über ihre Liebe wie Kreditberater über
eine Immobilienfinanzierung. während die Kreditberater sich aufführen, als seien sie
40
Freizeitanimateure in einem Mittelklassehotel. Alles scheint möglich im freien Spiel des
dressierten Gequatsches, nur eines nicht: das Spiel zu verlassen. den Zugbegleiter um
Ruhe, den Kreditberater um Nüchternheit, den Geliebten um Aufrichtigkeit zu bitten, den
Voraussetzungen des unechten Geredes zu widersprechen. Früher hätte man gesagt: die
Systemfrage zu stellen.
45
Man könnte das Problem auch so beschreiben: Während man in der autoritären Gesell-
schaft nur zu gehorchen brauchte, muss man heute gehorchen und das auch noch gut
finden. Die Konditionierung sell.l sich bis ins Innerste fort. Die neue Zeit will den Men-
schen ganz. Sie will seine Zustimmung. Der Berliner Philosoph Byung-Chul Han
attestiert der postautoritären Gesellschaft deshalb eine „Hyperaktivität“ des zwanghaften
50
Einverstandenseins mit sich selbst. Dieses „Übermaß an Positivität“, das aus der „Über-
produktion, Überleistung oder Überkommunikation“ komme, schließe jede echte Nach-
frage aus, bedrohe unsere Abwehrkräfte, mache uns krank und sei aber in unserem
geschwächten Immunsystem nur schwer zu lokalisieren. Wie in einem perfekt passenden
Schuh, den wir kaum spüren, sitzen wir auf diese Weise in den Weltbildern unserer Zeit
55
fest, deren Borniertheit erst spätere Generationen ganz ermessen werden.
Vergleichsweise leicht fällt es da noch, über die Grenzen des politischen Redens zu spre-
chen. In jeder Saison gibt es einen Messias, der in irgendeinem Buch die Tabus ans Licht
zerrt, vor denen die „politische Mitte“ zurückschreckt oder in denen es sich der „linke
Mainstream“ gemütlich macht. Thilo Sarrazin, Udo Ulfkotte. Henryk M. Broder und
60
viele andere Berufsprovokateure sind auf das Tabubrechergeschäft spezialisiert, das die
unausgesprochenen Vorannahmen der politischen und medialen Leitkultur einreißen will.
Und immer häufiger begegnen uns Journalisten Gesprächsparrner. die an unserer Tole-
ranz zweifeln und uns an den Kopf werfen: „Was ich Ihnen sage. werden Sie nie
drucken“ Und manchmal haben sie damit sogar recht. Nicht nur die ARD hat Angst vor
65
ihrem Publikum. Nicht nur dort siegt gelegentlich die Public Correctness über die
Meinungsfreiheit.
Die Schriftsteller sind besonders aufmerksame Seismografen dieses gesellschaftlichen
Klimawandel. Es sei ganz schrecklich, was man alles nicht mehr sagen dürfe, klagt der
ranzösische Starautor Michel Houellebecq. Selbst Nietzsche, Schopenhauer oder Spinoza
70
gingen heute nicht mehr durch. Unsere auf Schmerz- und Konfliktvermeidung getrimmte
Gegenwart sei der hochfahrenden Übermensch-Philosophie. der unerbittlichen Misogy-
nie oder der rücksichtslosen Religion,kritik solcher Geister nicht mehr gewachsen. Das
gesamte Gesprächsgelände sei inzwischen vermint. echte Unbeugsamkeit ausgemerzt,
die Verfestigung der Lebensanschauungen total. Schuld daran ist vor allem: der vollstän-
75
dig austauschbare ßürobleichling, der auf allen sozialen Bühnen den Ton angibt und
dabei vermessen genug ist. sein vorgestanztes Zustimmungsgelaber für originell und sich
selbst für unverwechselbar 1.u halten. Obwohl es ihm doch nur um eines geht: sein Denk-
und Lebensrisiko maximal zul minimieren. Dem deutschen Schriftsteller Leif Randt
verdanken wir ein herrliches Porträt einer solchen Wohlfühl-Diktatur des Common Sense.
80
In seinem Roman Schimmernder Dunst über Coby County erfindet er ein Land, das so
vernünftig und so toll ist, dass alle, die in ihm leben, sich und überhaupt alles einfach nur
noch so richtig. richtig super finden „Genau“ - die aktuelle Lieblingsvokabel der jungen
Kreativwirtschaftsangehörigen passt, ja eben: genau zu diesem Lebensgefühl des voraus-
eilenden und allumfassenden Einverstandenseins. […]

1 Gulag: Netz von Arbeitslagern in der ehemaligen Sowjetunion.
2 Supergeil: Musikvideo des deutschen Musikers Friedrich Liechtenstein, das 2014 auch als Werbevideo für eine Supermarktkette eingesetzt wurde.
Aus: Der ganz normale Nulltext.
In: DIE ZEIT, Nr. 36/2015, 03.09.2015. http://www.zeit.de.
Thilo Sarrazin (geb. 1945): deutscher Volkswirt, ehemaliger Politiker der SPD, Buchautor
Udo Konstantin Uljkotte (geb. 1960): Politikwissenschaftler, ehemaliger Journalist, Buchautor
Hemyk Marein Broder (geb. 1946): deutscher Publizist und Buchautor
Michel Houellebecq (geb. 26. Februar 1956): Buchautor
Friedrich Wilhelm Nietzsche ( 1844-1900): deutscher klassischer Philologe und Philosoph
Arthur Schopenhauer ( l 788-1860): deutscher Philosoph, Autor und Hochschullehrer
Baruch de Spinoza ( 1632-1677): niederländischer Philosoph
#zeitungsartikel
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Textgebundene Erörterung

Aufgabenstellung:
$\blacktriangleright\;$ Erörtere den Text.
Im ersten Teil der Aufgabe geht es darum, zu zeigen, dass du den Kommentar von Iris Radisch verstanden hast. Nachdem du dir den Text mehrmals durchgelesen hast, solltest du also in der Lage sein, den Sachverhalt in eigenen Worten wiederzugeben und die Argumentation Radischs aufzuzeigen. Damit du dich hierbei auf die wesentlichen Kernthesen konzentrierst, ist es am besten, wenn du während des Lesens die wichtigsten Argumente und Belege farbig markierst.
Worauf du besonders achten solltest, ist, dass dein Sprachstil sachlich und objektiv bleibt. Erst in der zweiten Aufgabenhälfte ist deine eigene Meinung gefragt. Vermeide außerdem unbedingt eine bloße Inhaltsangabe des Textes und setze dich auch mit der stilistischen Gestaltung (Sprache, Stilmittel etc.) auseinander.
Außerdem solltest du darauf achten, die Gedanken der Autorin indirekt im Konjunktiv oder direkt als Zitat wiederzugeben.
Ein mögliches Vorgehen, wenn du die Aufgabe im Abi vorgelegt bekommst, kann zum Beispiel so aussehen:
Du liest den Text mehrmals aufmerksam durch.
Hierbei kannst du mit der Drei-Schritt-Lesemethode arbeiten:
Im ersten Lesedurchgang kannst du erst einmal versuchen, den Plot (also den groben Inhalt) zu erfassen. Beim zweiten Mal Lesen bietet es sich an, die Kernaussagen der Autorin und die wichtigsten Begriffe zu markieren. Wenn du den Text schon besser verstanden hast und ihn nun zum dritten Mal liest, kannst du dir die jeweiligen Abschnitte rechts oder links am Rand zusammenfassen.
Überlege dir eine Struktur für deinen Text. Am besten gehst du chronologisch vor (d.h. du folgst dem Text der Reihe nach von oben nach unten). Schreibe deine Zusammenfassung kurz und prägnant. Fasse dabei die wichtigsten Aussagen zusammen, stelle Thesen und Argumente vor. Vergiss nicht, wichtige Textstellen als Zitat in deinen Text einzubauen und diese mit einer Zeilenangabe (z.B. Z.16 bei direkten Zitaten) oder einer vergleichenden Zeilenangabe (z.B. vgl. Z.21 bei indirekten Zitaten) zu versehen.
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$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
Erörtere den Text.
Tipp
Im ersten Teil der Aufgabe geht es darum, zu zeigen, dass du den Kommentar von Iris Radisch verstanden hast. Nachdem du dir den Text mehrmals durchgelesen hast, solltest du also in der Lage sein, den Sachverhalt in eigenen Worten wiederzugeben und die Argumentation Radischs aufzuzeigen. Damit du dich hierbei auf die wesentlichen Kernthesen konzentrierst, ist es am besten, wenn du während des Lesens die wichtigsten Argumente und Belege farbig markierst.
Worauf du besonders achten solltest, ist, dass dein Sprachstil sachlich und objektiv bleibt. Erst in der zweiten Aufgabenhälfte ist deine eigene Meinung gefragt. Vermeide außerdem unbedingt eine bloße Inhaltsangabe des Textes und setze dich auch mit der stilistischen Gestaltung (Sprache, Stilmittel etc.) auseinander.
Außerdem solltest du darauf achten, die Gedanken der Autorin indirekt im Konjunktiv oder direkt als Zitat wiederzugeben.
Ein mögliches Vorgehen, wenn du die Aufgabe im Abi vorgelegt bekommst, kann zum Beispiel so aussehen:
Du liest den Text mehrmals aufmerksam durch.
Hierbei kannst du mit der Drei-Schritt-Lesemethode arbeiten:
Im ersten Lesedurchgang kannst du erst einmal versuchen, den Plot (also den groben Inhalt) zu erfassen. Beim zweiten Mal Lesen bietet es sich an, die Kernaussagen der Autorin und die wichtigsten Begriffe zu markieren. Wenn du den Text schon besser verstanden hast und ihn nun zum dritten Mal liest, kannst du dir die jeweiligen Abschnitte rechts oder links am Rand zusammenfassen.
Überlege dir eine Struktur für deinen Text. Am besten gehst du chronologisch vor (d.h. du folgst dem Text der Reihe nach von oben nach unten). Schreibe deine Zusammenfassung kurz und prägnant. Fasse dabei die wichtigsten Aussagen zusammen, stelle Thesen und Argumente vor. Vergiss nicht, wichtige Textstellen als Zitat in deinen Text einzubauen und diese mit einer Zeilenangabe (z.B. Z.16 bei direkten Zitaten) oder einer vergleichenden Zeilenangabe (z.B. vgl. Z.21 bei indirekten Zitaten) zu versehen.
Tipp
Im ersten Teil der Aufgabe geht es darum, zu zeigen, dass du den Kommentar von Iris Radisch verstanden hast. Nachdem du dir den Text mehrmals durchgelesen hast, solltest du also in der Lage sein, den Sachverhalt in eigenen Worten wiederzugeben und die Argumentation Radischs aufzuzeigen. Damit du dich hierbei auf die wesentlichen Kernthesen konzentrierst, ist es am besten, wenn du während des Lesens die wichtigsten Argumente und Belege farbig markierst.
Worauf du besonders achten solltest, ist, dass dein Sprachstil sachlich und objektiv bleibt. Erst in der zweiten Aufgabenhälfte ist deine eigene Meinung gefragt. Vermeide außerdem unbedingt eine bloße Inhaltsangabe des Textes und setze dich auch mit der stilistischen Gestaltung (Sprache, Stilmittel etc.) auseinander.
Außerdem solltest du darauf achten, die Gedanken der Autorin indirekt im Konjunktiv oder direkt als Zitat wiederzugeben.
Ein mögliches Vorgehen, wenn du die Aufgabe im Abi vorgelegt bekommst, kann zum Beispiel so aussehen:
Du liest den Text mehrmals aufmerksam durch.
Hierbei kannst du mit der Drei-Schritt-Lesemethode arbeiten:
Im ersten Lesedurchgang kannst du erst einmal versuchen, den Plot (also den groben Inhalt) zu erfassen. Beim zweiten Mal Lesen bietet es sich an, die Kernaussagen der Autorin und die wichtigsten Begriffe zu markieren. Wenn du den Text schon besser verstanden hast und ihn nun zum dritten Mal liest, kannst du dir die jeweiligen Abschnitte rechts oder links am Rand zusammenfassen.
Überlege dir eine Struktur für deinen Text. Am besten gehst du chronologisch vor (d.h. du folgst dem Text der Reihe nach von oben nach unten). Schreibe deine Zusammenfassung kurz und prägnant. Fasse dabei die wichtigsten Aussagen zusammen, stelle Thesen und Argumente vor. Vergiss nicht, wichtige Textstellen als Zitat in deinen Text einzubauen und diese mit einer Zeilenangabe (z.B. Z.16 bei direkten Zitaten) oder einer vergleichenden Zeilenangabe (z.B. vgl. Z.21 bei indirekten Zitaten) zu versehen.
Die Veränderungen in der Kommunikationskultur des 21. Jahrhunderts haben auch Auswirkungen auf unsere Gesprächsgewohnheiten. Iris Radisch veröffentlichte hierzu 2015 in der ZEIT einen Beitrag mit dem Titel „Der ganz normale Nulltext“.
Ihr Kritikpunkt, vor lauter Kommunikation über viele verschiedene Medien und der Möglichkeit scheinbar alles überall äußern zu können, erteilen wir uns selbst ein Denkverbot, zensieren unsere Meinungsfreiheit.
Einleitung
Sie greift in ihrer Argumentation häufig auf Vergleiche zu vergangenen Zeiten zurück. Außerdem nutzt sie aktiv Bezüge zu Schriftstellern und Wissenschaftlern, um ihre Position scheinbar fundiert zu untermauern.
Textstruktur
Im ersten Abschnitt wird der Gegensatz zwischen fürher und heute dargestellt. Während früher noch „Schweigen am Familientisch“ (Z. 1) herrschen konnte, weil eine „reglementierte und hierarchisierte Kommunikation“ (Z. 5) solche Situationen aktiv hervorrief, gibt es heute „Dauergequassel“ (Z. 8) und eine „Überinformationsgesellschaft“ (Z. 8). Beide Zeiten bewertet die Autorin nicht positiv und stellt sie gegenüber. Eine Texteinleitung, die den Leser mit offenen Fragen zurücklässt.
1. Abschnitt
„Die neue Redefreiheit hat einen Preis“ (Z. 10), der allerdings nicht faktisch greifbar sondern eher im gesellschaftlichen Gefüge zu spüren ist. Dies stellt die Autorin durch mehrere Negierungen dar (vgl. Z. 10-13). Ihre Aussage, man rede permanent, wobei aber der Zweck des Redens verloren gehe, bildet die Grundlage für die folgende Argumentation.
2. Abschnitt
Die „Masse des Kommentierens“ (Z. 17) verhindert nicht, dass die „Redefreiheit mit der schieren Vermehrung des Redens […] kleiner wird“ (Z. 20f.). Verdeutlicht wird das, indem dargestellt wird, wie selbst öffentliche-rechtliche Fernsehsender ihre Sendungen aus eigener Initiative zensieren (vgl. Z. 17-19). Der Normierungsdruck ist immer noch da, vielfältiger und vielschichtiger.
3. Abschnitt
Parallel zum ersten Abschnitt wird erneut der Bezug zu früher hergestellt. Die „Sprich-nur-wenn-du-gefragt-wirst-Gesellschaft“ (Z. 25f.) früher, wo Reglementierung von oben kam, wird beispielhaft dargestellt. Aufzählungen von Hierarchieinstitutionen und möglichen Sanktionen verdeutlichen die Absurdität dieser Reglementierung. Überspitzt wird das durch die Idealisierung von vermeintlichen Freiräumen in der DDR (vgl. Z. 31).
4. Abschnitt
Heute sei die Reglementierung nicht mehr durch auferlegte Normen, sondern jeder reglementiere sich selbst. Sie stellt diese Gesellschaftsstruktur satirisch dar, denn es „ergießt sich das uneigentliche und heuchlerische Sprechen wie der süße Brei im Grimmschen Märchen bis in die letzten Winkel der Gesellschaft“ (Z. 35-37). Dieser Vergleich unterstellt den Aussagen der Menschen Unwahrheit und Beschönigung.
Beosnders deutlich wird dies durch die Beispiele von Zugbegleitern, Kreditberatern und Geliebten. Zunächst wird beispielhaft das Ist beschrieben (vgl. Z. 37-39) und darauffolgend das Soll (vgl. Z. 40-44), ebenfalls beispielhaft und somit für den Leser alltagsnah. Ehrlichkeit ist aus Sicht der Autorin angebracht und der Gegensatz vom „freien Spiel des dressierten Gequatsches“ (Z. 40f.) bringt ihre Ansicht auf den Punkt.
5. Abschnitt
Heute muss man „gehorchen und das auch noch gut finden“ (Z. 46f.). Die Autorin unterstützt ihre These, indem sie Zitate des Philosophen Byung-Chul Han einbaut und somit Wissenschaftlichkeit suggeriert. Auch er ist der Meinung, das „zwanghafte Einverstandensein[…]“ (Z. 50) führe zu fatalen Folgen in der Zukunft. Anschaulich dargestellt wird dies über den Bildbereich einer Krankheit, etwas, wovor sich die Leser fürchten, was sich immer weiter ausbreitet. Es ist die Rede von geschwächtem Immunsystem, bedrohten Abwehrkräften und der Folge, Positivität mache krank (vgl. Z. 52f.).
6. Abschnitt
Nun wechselt die Autorin das Thema, nachdem sie festgehalten hat, die Bevölkerung sei gehorche stellt sie mit einem Neologismus die Gruppe der „Berufsprovokateure“ (Z. 60) vor. Sie ironisiert hier allerdings die Meinungsäußerungen der sogenannten Provokateuere als „Tabubrechergeschäft“ (Z. 60). Erneut ein Neologismus der zeigen soll, dass diese Entwicklungen so neu sind, dass es noch nicht die richtigen Worte gibt, um sie zu beschreiben.
Diesen Provokateuren, die Geld mit Meinungen verdienen, die sich andere nicht mehr trauen auszusprechen, stellt die Autorin nun seriöse Journalisten gegenüber. Mit der Wiederholung „[n]icht nur“ (Z. 64 + Z. 66) werden zwei Szenarien beispielhaft genannt, die der Meinung der Autorin nach „Public Correctness über die Meinungsfreiheit“ (Z. 65f.) stellen. Der Leser wird zum Nachdenken angeregt und fragt sich, wer noch?
7. Abschnitt
Um diese Entwicklung in der Gesellschaft zu charakterisieren, erfindet die Autorin den Neologismus der „Wohlfühl-Diktatur“ (Z. 79) und verweist auf den Autor Leif Randt. Sie nutzt also erneut andere Referenzen, um ihre Ansicht zu verdeutlichen. Die Aufzählung weiterer Philosophen und Schriftsteller der Vergangenheit, deren Meinungen heute wohl nicht mehr öffentlich genannt würden, verdeutlicht das Ausmaß der Entwicklung in ihren Augen.
Sie schließt ihre Argumentation mit der Empfehlung eines Romans, der von einer Zukunft erzählt, die die Folgen dieser Entwicklungen vorführt. Ihre abschließende Kritik an den - von ihr so benannten „Kreativwirtschaftsangehörigen“ (Z. 83) - ist das Lebensgefühl des „vorauseilenden und allumfassenden Einverstandenseins“ (Z. 84).
8. Abschnitt
Iris Radisch zeichnet in ihrem Text ein negativ geprägtes Bild der Kommunikation heute aber auch aus früheren Zeiten. Die Entwicklung und die Frage, ob wir unsere Meinungsfreiheit für unser Harmoniebedürfnis aufgeben, wird im Folgenden erörtert. Hat sie Recht mit ihrer Behauptung, wir würden ein Kommunikationsspiel spielen und seien für den Verlust unserer Kommunikationsfähigkeit selbst verantwortlich?
Erörterung
Mehrmals stellt die Autorin den Gegensatz zwischen dem Früher, wo ein „Nichtbefolgen der Redeordnung“ (Z. 29) bestraft wurde und dem Jetzt, wo „Kontrolle[n] […] von jedem Einzelnen freiwillig an sich selbst verübt werden“ (Z. 34f.).
Doch was zwischen diesem Früher und dem Jetzt in der Kommunikation passiert ist, lässt die Autorin offen. Gab es nicht im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts eine Zeit, in der die Menschen unbequem wurden, ihre Meinungen gegen Vorgesetzte und Institutionen äußerten und für Meinungsfreiheit kämpften? Damit erreichten sie genau die Luxussituation, das wir heute, theoretisch und rein rechtlich, alles sagen können, was wir möchten.
Dass das heute nicht mehr gewürdigt wird, sondern das „Dauergequassel“ (Z. 8) dazu führt, dass wir unsere Meinungsfreiheit einschränken, ist nicht auf alle Bereiche zu übertragen. Zwar sind wir heute, vielleicht mehr als je zuvor, darauf angewiesen, in Schule und Beruf ins System zu passen, ohne anzuecken mit perfekt ausgebildeten Soft Skills, doch stellen wir nicht im Privaten unsere (Meinungs-)freiheit nicht mehr in den Fokus? Das „Schweigen am Familientisch“ (Z. 1) gibt es nicht mehr, dahingegen werden wichtige Themen am Essenstisch besprochen, ob nach diesen auch gehandelt wird, bleibt offen.
Möglich ist, dass es uns in unserer Gesellschaft ökonomisch zu gut geht und wir aus diesem Grund nicht mehr provozieren und unsere Lebenssituation verändern wollen. Außerdem werden in der „Überinformationsgesellschaft“ (Z. 8) die Komplexität und Vielschichtigkeit von politischen und gesellschaftlichen Problemen nicht mehr greifbar. Eine klare Äußerung im Sinne der Meinungsfreiheit ist da nicht mehr zufriedenstellend und man überlässt dies lieber Experten.
Entwicklung:
fürher vs. heute
Und genau an dieser Stelle liefert auch Iris Radisch eine These: Provokateure übernähmen die Meinungsäußerung und erhielten Ruhm im „Tabubrechergeschäft“ (Z. 60), während Verantwortliche im öffentlichen Journalismus die Meinungsfreiheit aus „Angst vor ihrem Publikum“ (Z. 64f.) hinter „Public Correctness“ (Z. 65) zurückstellen würden.
Vielleicht erfüllen diese sogenannten Provokateure tatssächlich unser Bedürfnis danach, komplexe Zusammenhänge, die nicht mehr greifbar sind, ohne dass man sich mehrere Wochen in die Materie einliest, runterzubrechen und einen festen Standpunkt zu beziehen. Dem kann man dann zustimmen oder ihn ablehnen. Ob diese Positionierung dann einer Meinungsbekundung nahe kommt oder doch nur Bequemlichkeit ist, bleibt offen. Ein Beispiel ist der Rettungsschirm für Griechenland. Hier hat kaum noch ein normaler Bürger die politischen, sozialen und finanziellen Zusammenhänge erschließen können. Teilweise hatte man das Gefühl, selbst die Politiker in den entsprechenden Gremien seien überfordert. Da kommt ein Provokateure, der einen festen Standpunkt vertritt genau richtig. Hier kann man zustimmen oder ablehnen, ohne den Gesamtzusammenhang zu erfassen. Das allerdings erscheint mir zu einfach.
Widersprechen möchte ich allerdings in dem Punkt, dass Journalisten und öffentlich rechtliche Fernsehsender aus Angst vor dem Publikum Meinungsäußerungen scheuen. Das klingt so, als sei es die Aufgabe der Nachrichtensender Meinungen zu machen. Das finde ich nicht korrekt. Sie sollten eine Plattform der guten und differenzierten Informationsbeschaffung sein. Sie sollten es möglich machen, dass wir komplexe und vielschichtige Probleme der Gesellschaft begreifen und uns dazu selbst eine Meinung bilden können. Hierzu braucht es Journalisten, die bestimmte Seiten stärker beleuchten oder auch Meinungen vertreten, die unangenehm sind. Aber die gibt es auch, man muss nur die Augen auf machen und in der Masse der Informationsmedien die entsprechenden Zugänge finden.
Provokateure und Medien
Es gibt neben diesen Aspekten noch weitere, die zu dem Bild, dass die Autorin zeichnet passen oder ihm entgegenstehen. Unsrer Kommunikation ist vielfältiger geworden. Schnell verschwinden geäußerte Meinungen aus dem Netz und fast genauso schnell aus dem Gedächtnis. Es ist nicht mehr wie früher, wo große Reden und Statements noch Wochen später in Erinnerung blieben. Ein Eindruck wird vom nächsten abgelöst und das Überangebot an Kommunikations- und Informationskanälen erschwert die Bildung einer eigenen Meinung. Außerdem ist das Bedürfnis nach Harmonie so hoch, dass Meinungsäußerungen nur dann gemacht werden, wenn sie unumgänglich und fundiert sind.
Es liegt also an uns allen, uns aus diesem Überangebot an Kommunikations- und Informationangeboten gute Quellen herauszunehmen, uns ein Bild zu machen und dann unsere Meinung auch zu äußern. Das erfordert Mut. Wir sollten die Möglichkeit der Meinungsfreiheit in unserer Gesellschaft mehr zu schätzen wissen und mehr nutzen. Nicht breit gefächert via Gießkannenprinzip, sondern gezielt und fundiert. Freie Meinungsäußerung ist ein Privileg, das es nicht in allen Ländern dieser Welt gibt, das sollte man sich bewusst machen und danach handeln. Sich selbst zu reglementieren, um nicht unangenehm aufzufallen, funktioniert ein Stück weit, aber am Ende wird man so nicht der Verantwortung sich selbst und der Gesellschaft gegenüber gerecht.
Schlussbetrachtung
Unsere Verantwortung
#argument#these#argumentationsstruktur#beleg
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