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Aufgabe 1

Aufgaben
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Materialgestützte Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
In einem Neubaugebiet deiner Stadt soll der Bedeutung expressionistischer Künstler dadurch Rechnung getragen werden, dass man Straßen nach ihnen benennt. In der öffentlich geführten Diskussion ist dabei Georg Heym (1887 - 1912) - einer der Lyriker des frühen literarischen Expressionismus - in die Kritik geraten. In einigen seiner Gedichte werde der Krieg herbeigesehnt. Dies lasse seine Eignung als Namensgeber fragwürdig erscheinen.
Verfasse auf Grundlage der Materialien 1 bis 9 und deiner fachlichen Kenntnisse einen Offenen Brief (siehe dazu Material 8) an die Lokalzeitung, in dem du dich begründet zu der Frage positionierst, ob eine Straße nach Georg Heym benannt werden sollte.
#materialgestützteerörterung#literarischemoderne#expressionismus#leserbrief#zentraleraufgabenpool

Material 1

Reiner Pöppinghege
Wege des Erinnerns. Was Straßennamen über das deutsche Geschichtsbewusstsein aussagen (2007)
[…] Betrachtet man den vorhandenen Straßennamenkorpus in deutschen Gemeinden, dann ergibt sich ein heterogenes Gesamtbild. Dichter und Denker neben Forschern und Firmenlenkern - so stellt man sich das deutsche Selbstverständnis gemeinhin vor. Dazu kommen Traditionsnamen aus vergangenen Epochen. […]
Ich plädiere für die genaue Einzelfallprüfung. Zur Orientierung könnte man berücksichtigen, ob ein Namenspatron beispielsweise eine Diktatur aktiv unterstützt hat und ob er persönlich Menschen Gewalt angetan hat. Ist sein Handeln auch vor dem Hintergrund zeitgenössischer Moral- und Rechtsprinzipien als verbrecherisch zu betrachten? […]
Aus: Pöppinghege, Reiner: Wege des Erinnerns. Was Straßennamen über das deutsche Geschichtsbewusstsein aussagen. agenda Verlag, Münster 2007, S.114 und 117.

Material 2

Georg Heym
Tagebucheintrag (6. Juli 1910)
[…] Es ist immer das gleiche, so langweilig, langweilig, langweilig. Es geschieht nichts, nichts, nichts. Wenn doch einmal etwas geschehen wollte, was nicht diesen faden Geschmack von Alltäglichkeit hinterlässt. […]
Geschähe doch einmal etwas. Würden einmal wieder Barrikaden gebaut. Ich wäre der erste, der sich darauf stellte, ich wollte mit der Kugel im Herzen den Rausch der Begeisterung spüren. Oder sei es auch nur, daß man einen Krieg begänne, er kann ungerecht sein. Dieser Frieden ist so faul ölig und schmierig wie eine Leimpolitur auf alten Möbeln.
Was haben wir auch für eine jammervolle Regierung, einen Kaiser, der sich in jedem Zirkus als Harlekin sehen lassen könnte. Staatsmänner, die besser als Spucknapfhalter ihren Zweck erfüllen, denn als Männer, die das Vertrauen des Volkes tragen sollten. […]
Aus: Heym, Georg: Tagebucheintrag vom 6. Juli 1910. In: Schneider, K. L. (Hrsg.): Georg Heym. Dichtungen und Schriften. Band 3. Tagebücher, Träume, Briefe. Verlag C.H. Beck, München 1986, S. 138 f.

Material 3

Klaus Vondung
Die Apokalypse in Deutschland (1988)
18. „Käme der Krieg! oh, ob dann nicht ein Höheres -“ : Visionen vom neuen Menschen
In den letzten Jahren vor 1914 häuften sich die literarischen Visionen von Tod und Untergang. Die meisten stammten nun von einer jüngeren Generation von Schriftstellern, die fast alle dem Frühexpressionismus zugerechnet werden können […]. Während die Gewaltphantasien der Décadence1 sich noch überwiegend an historischen und mythischen Getsalten wie Heliogabal2 oder Elektra3 entzündeten, sich in Träumen und phantastischen Szenarien sich entfalteten, wiesen die neueren Untergangsvisionen stärkeren Bezug zur Gegenwart auf. Zwar gebrauchten auch sie, wie alle Visionen umfassender, apokalyptischer Vernichtung, Bilder von Naturgewalten, aber die Art und Weise, wie diese Bilder montiert und mit Fragmenten der modernen Zivilisation in paradoxen Zusammenhang gebracht wurden, war neu. […]
Und noch in anderer Hinsicht gewannen die frühexpressionistischen Untergangsvisionen an Schärfe. War es in den Gewaltphantasien der literarischen Décadence bei bloßen Assoziationen zu kriegerischer Zerstörung geblieben, so wurde nun der Krieg zum Thema. Die jüngeren Schriftsteller beschäftigten sich in so auffälliger Weise mit diesem Thema, daß schon 1916 Hanns Johst von der „Vorahnung des Krieges“ in der Literatur sprach […]. Am berühmtesten geworden ist wohl Georg Heyms Gedicht „Der Krieg I“ aus dem Jahre 1911 […].
Aus: Vondung, Klaus: Die Apokalypse in Deutschland. Deutscher Taschenbuch Verlag, dtv, München 1988, S. 360 f.


1 Décadence: Sammelbezeichnung für eine Vielzahl an literarischen Strömungen und Einzelwerken um 1900, für die unter anderem die Bejahung von Verfall sowie die subjektive Distanzierung von bürgerlichen Werten typisch ist.
2 Heliogabal: römischer Kaiser (202 - 222), der durch sein rücksichtsloses Verhalten lange als Sinnbild der Lasterhaftigkeit galt.
3 Elektra: Figur der griechischen Mythologie, die als Rache für die Ermordung ihres geliebten Vaters ihre Mutter und deren Liebhaber tötet.

Material 4

Georg Heym
Der Krieg I (1911)
(Entwurf)
Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
In der Dämmerung steht er, groß und unerkannt,
Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.
In den Abendlärm der städte fällt es weit,
Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit,
Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis,
Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.
In den Gassen faßt es ihre Schulter leicht.
Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht.
In der Ferne „wimmert“ ein Geläute dünn
Und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.
Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an
Und er schreit: Ihr Krieger alle, auf und an.
Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt,
Drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.
Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,
Wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut.
Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,
Von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.
Über runder Mauern blauem Flammenschwall
Steht er, über schwarzer Gassen Waffenschall.
„Über Toren, wo die Wächter liegen quer,
Über Brücken, die von Bergen Toten schwer.“
In die Nacht er jagt das Feuer querfeldein
Einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein.
Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt,
Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.
Und mit tausend roten Zipfelmützen weit
Sind die finstren Ebnen flackend überstreut,
Und was unten auf den Straßen wimmelt hin und her,
„Fegt er in die Feuerhaufen, daß die Flamme brenne mehr.“
Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald,
Gelbe Fledermäuse zackig in das Laub gekrallt.
Seine Stange haut er wie ein Köhlerknecht
In die Bäume, daß das Feuer brause recht.
Eine große Stadt versank in gelbem Rauch,
Warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.
Aber riesig über glühenden Trümmern steht
Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht,
Über sturmzerfetzter Wolken Widerschein,
In des toten Dunkels kalten Wüstenein,
Daß er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
Pech und Feuer träufet unten auf Gomorrh.
Aus: Heym, Georg: Der Krieg I. In: Schneider, K. L. (Hrsg.): Georg Heym. Dichtungen und Schriften. Band 1. Lyrik. Verlag Heinrich Ellermann, Hamburg und München 1964, S. 360.

Material 5

Georg Heym
Der Krieg II (1911)
Hingeworfen weit in das brennende Land
Über Schluchten und Hügel die Leiber gemäht
In verlassener Felder Furchen gesät
Unter regnenden Himmeln und dunkelndem Brand,
Ferner Abends über den Winden kalt,
Der leuchtet in ihr zerschlagenes Haus,
Sie zittern noch einmal und strecken sich aus,
Ihre Augen werden sonderbar alt.
Die Nebel in frierende Bäume zerstreut,
In herbstlichen Wäldern irren die Seelen allein
Tief in die Wildnis und kühles Dunkel hinein,
Sich zu verbergen vor „dem“ Lebenden weit.
Aber riesig schreitet über dem Untergang
Blutiger Tage groß wie ein Schatten der Tod,
Und feurig tönet aus fernen Ebenen rot
Noch der Sterbenden Schreien und Lobgesang.
Aus: Heym, Georg: Der Krieg II. In: Schneider, K. L. (Hrsg.): Georg Heym. Dichtungen und Schriften. Band 1. Lyrik. Verlag Heinrich Ellermann, Hamburg und München 1964, S. 360.

Material 6a

Kurt Pinthus
Zuvor. Vorwort zum Erscheinen der Sammlung (1919)
[…]Doch schon fühlten die gereizten und überempfindlichen Nerven und Seelen dieser Dichter deutlich auf der einen Seite das dumpfe Heranrücken der liebe- und freudeberaubten proletarischen Massen, von dern andern Seite heranrollenden Zusammenbruch einer Menschheit, die ebenso hochmütig wie gleichgültig war. Aus der strotzdenden Blüte der Zivilisation stank ihnen der Hauch des Verfalls entgegen, und ihre ahnenden Augen sahen bereits als Ruinen eine wertlos aufgedunsene Kultur und eine ganz auf dem Mechanischen und Konventionellen aufgetürmte Menschheitsordnung. Ein ungeheurer Schmerz schwoll empor - und am frühesten und klarsten denen, die in dieser Zeit, an dieser Zeit starben: HEYM hämmerte (nach RIMBAUDS und BAUDELAIRES strengem Vorbild) Visionen des Todes, des Grauens, der Verwesung in zermalmenden Strophen […].
Aus: Pinthus, Kurt: Menschheitsdämmerung. Ein Dokument des Expressionismus. Ernst Rowohlt Verag, berlin 2013, S. 26 f.

Material 6b

Kurt Pinthus
Nach 40 Jahren. Vorwort zur Auflage der Sammlung (1959)
[…] Die Humanitäts-Melodie kann als das messianische Hauptmotiv des Expressionismus bezeichnet werden. Und damit trifft man auf einen merkwürdigen Zusammenhang der bisher nirgends angedeutet worden ist. In dem in Holland erschienenen Buch „Im Schatten des Nihilismus1“ wird nachzuweisen versucht, daß der deutsche Expressionismus, bis auf ganz wenige Ausnahmen, eine nihilistische Bewegung gewesen sei, die durch Zerstörung aller Werte und Formen den Nazismus vorbereitet habe. Diese Behauptung ist vielfach ausgestellt und wiederholt worden, und ein Student schrieb mir klipp und klar, er wolle in seiner Dissertatoin nachweisen, daß die „Menschheitsdämmerung“ ein Werk des Teufels sei.
Aus: Pinthus, Kurt: Menschheitsdämmerung. Ein Dokument des Expressionismus. Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 2013, S. 14.


1 Nihilismus (lat. nihil, „nichts“): Weltsicht, die alles Bestehende (Normen, Werte, Religion usw.) als nichtig ansieht.

Material 7

Gunter Martens
Einführung in das Werk Georg Heyms (Nachwort) (2006)
Georg Heym gilt heute als einer der entscheidenden Wegbereiter der literarischen Moderne in Deutschland. Rilke sprach von ihm voll „großer Bewunderung“, Benn fand unter seinen Versen „das schönste Gedicht“ des 20. Jahrhunderts, und Spuren einer intensiven Beschäftigung mit der Lyrik Georg Heyms sind in den Gedichten Paul Celans vielfach nachzuweisen. Schon seine Zeitgenossen erkannten - nach zunächst reservierter Aufnahme seiner ersten öffentlichen Auftritte im Neopathetischen Cabaret - sehr bald den außerordentlichen Rang seiner poetischen Sprache. Kurt Hiller, der als erster für die neue Bewegung in der Literatur den Begriff Expressionismus prägte, reichte kein Superlativ aus, um die Leistung des neuentdeckten Lyrikers mit Ohren zerreißendem „Drommetenschall“ zu verkünden: „Georg Heym ist der wuchtigste, riesenhafteste; der dämonischste […] unter den Dichtern dieser Tage.“ […]
Aus: Martens, Gunter: Einführung in das Werk Georg Heyms (Nachwort). In: Martens, Gunter (Hrsg.): Georg Heym: Werke. Stuttgart 2006, S. 362.
#literarischemoderne

Material 8

Definition (Autorentext)
Offener Brief
Offene Briefe sind zur Veröffentlichung bestimmte Texte, die übliche Briefcharakteristika aufweisen (Aufbau aus Anrede, Text und Schlussformel, Namen und/oder Unterschrift des Verfassers, Angaben zu Ort und Datum des Verfassens). Sie stellen fast immer Forderungen. Bei den behandelten Themen wird davon ausgegangen, dass sie von einem breiteren gesellschaftlichen Interesse sind. Dieses Interesse kann aber durch den Offenen Brief auch erst geweckt oder in Szene gesetzt werden. Dabei sind sowohl Zustimmung als auch Ablehung bezüglich einer zuvor öffentlich geäußerten Meinung möglich. Die allgemeine Zugänglichkeit, d. h. das Mitlesen der Öffentlichkeit, ist ein Wesensmerkmal des Offenen Briefes. Zumeist soll so der Adressat zu einer öffentlichen Stellungnahme oder zum öffentlichkeitswirksamen Handeln bewegt werden.

Material 9

Quelle (bearbeitet): Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Ein Gedächtnis der Stadt. Nach Frauen und Männern benannte Straßen, Plätze, Brücken in Hamburg. Band 1: Überblick und Analyse. Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 2015, S. 42.
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Materialgestützte Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Benennung von Straße nach Georg Heym.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Verfasse einen Offenen Brief an die Lokalzeitung.

Vorarbeit

Bevor du beginnst, gehe alle Materialien durch und mache dir dazu Notizen. Dein Offener Brief setzt sich aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss zusammen. Achte dabei auf eine höfliche Wortwahl - du schreibst schließlich an eine Lokalzeitung - und eine korrekte Rechtschreibung und Grammatik.
Material 1 (M1)
  • Einzelfallprüfungen bei Vergabe von Straßennamen
  • Überprüfung von historischen Handlungen der Namensträger (Unterstützung von Nationalsozialisten / Diktatur ? )
  • Überprüfung, ob frühere Taten vor heutigem Rechtssystem als verbrecherisch gelten
Material 2 (M2)
  • Tagebucheintrag von Georg Heym über langweiligen Alltag
  • will Alltag entfliehen
  • würde dafür sogar in einem ungerechten Krieg kämpfen
  • Kritik / Unzufriedenheit mit Regierung
  • kein Vertrauen des Volks in Regierung
Material 3 (M3)
  • Wandel der Gewaltphantasien verschiedener literarischer Strömungen zu konkreten Kriegsvisionen im Frühexpressionismus
  • vor allem junge Schriftsteller beschäftigten sich mit Krieg
  • erschufen so die Vision von einem neuen Menschen der weder Angst vor Industrialisierung, noch vor Krieg hat
Material 4 (M4)
  • Das von Georg Heym 1911 geschriebene Gedicht „Der Krieg I“ besteht aus 11 Strophen und kann grundsätzlich in drei Teile unterteilt werden.
  • Erster Teil (Strophe 1-4): Heym beschreibt den Krieg als monströses Ungeheuer und wie dieses Ungeheuer in der Dämmerung erwacht
  • Zweiter Teil (Strophe 5-9): das zuvor beschriebene Ungeheuer zerstört eine Stadt und eine wahre Apokalypse bricht über die Stadt herein
  • Dritter Teil (Strophe 10-11): das eigentliche Kriegsschauspiel ist vorbei, die Stadt ist völlig zerstört/verloren und der Krieg, welcher von den Menschen selbstverschuldet war, geht als Sieger hervor.
  • Personifizierung des Kriegs im ganzen Gedicht $\rightarrow$ Krieg ist greifbar und real
Material 5 (M5)
  • Zweites Gedicht „Der Krieg II“ handelt, wie der Name schon sagt, auch vom Krieg
  • Kriegvisionen werden noch weiter verschärft und der Krieg auch verherrlicht durch Worte wie „riesig“ (V. 13) oder „Lobgesang“ (V. 16)
  • Die Nachkriegszeit wird immernoch von dem monströsen Ungeheuer Krieg überschattet und wirkt trostlos
Material 6a (M6a)
  • Kurt Pinthus beschreibt das Menschenbild im Expressionismus und die Sicht der Arbeiterklasse, die von den Maschinen ersetzt wird
  • Menschen fühlen sich von den Maschinen bedroht, können in der Anonymität der Großstadt aber nichts dagegen tun und nur hilflos zusehen, wie die Gefahr näher rückt
  • Maschinen enthumanisieren die Gesellschaft und es werden Ideale gelehrt, die nicht mit der Realität übereinstimmen
  • Vision von einem neuen Menschen entsteht, der dem Neuen ungeachtet der damit verbundenen Gefahren entgegen geht
Material 6b (M6b)
  • Humanitätsideal als das Hauptmotiv des Expressionismus
  • Humanitätsideal beschreibt die Idealvorstellung von der Achtung des Menschen und dessen Würde
  • Jedoch wird versucht, dieses Bild zu beeinflussen, durch die Behauptung, dass der Expressionismus eine nihilistische Bewegung gewesen sei, die sogar den Nazismus verbreitet hätte
Material 7 (M7)
  • Gunter Martens beschreibt Einfluss Heyms in der deutschen Literatur
  • Heym als der entscheidende Wegbereiter der literarischen Moderne in Deutschland
  • Viele berühmte Schriftsteller und Dichter wie Rilke, Benn und Paul Celan bewundern Heym für seine Werke und ließen sich von ihm beeinflussen.
Material 8 (M8)
  • Offener Brief: Forderung, die das öffentliche Interesse wecken und den Adressat zu einer öffentlichen Stellungnahme bewegen soll
Material 9 (M9)
  • In der Karrikatur der Landeszentrale für politische Bildung ist abgebildet, welche Ämter bzw. Berufe Männer und Frauen ausgeübt haben, nach denen Straßen benannt wurden und in welcher Abstufung von Platz 1-3 diese Berufe stehen.

Einleitung

Beginne die Einleitung deines Offenen Briefes mit einer Anrede der Leserinnen und Leser und trage kurz den Anlass deines Schreibens vor. Dabei kann dir die kurze Einleitung der Aufgabenstellung auf dem Aufgabenblatt helfen. Anschließend kannst du zum Beispiel Bezug nehmen auf:
  • deine Beschäftigung im Unterricht mit dem literarischen Frühexpressionismus und Georg Heym
  • die Präsenz von Schriftstellern und Schriftstellerinnen bei der Vergabe von Straßennamen (M9)

Hauptteil

Im Hauptteil musst du nun Stellung nehmen zu der möglichen Benennung einer Straße nach Georg Heym. Positioniere dich zu Beginn deines Hauptteils zu eben diesem Thema mit einem kurzen Statement, welches du anschließend begründest und belegst.
Pro-Argumente
  • Erinnerung an die große literarische Bedeutung Georg Heyms im Frühexpressionismus als Visionär und bedeutender Dichter (M7)
  • Würdigung der visionären und modernen Ideen des Frühexpressionismus (M6a, M7)
  • fehlende Anhaltspunkte für einen wahrscheinlichen Missbrauch von kriegsverherrlichender Literatur Heyms (M6b)
Kontra-Argumente
  • eindeutig artikulierte Sehnsucht nach einem Krieg, auch nach einem „ungerecht[en] Krieg“ (M2)
  • verharmlosende Darstellung des Krieges in Georg Heyms Gedichten und in seinem Tagebucheintrag (M2,M4,M5)
  • nicht eindeutige Haltung Georg Heyms zu Krieg
Des Weiteren solltest du dich im Hauptteil deines Offenen Briefes mit den kriegsverherrlichenden Tendenzen im literarischen Frühexpressionismus und bei Georg Heym auseinandersetzen.
Das kannst du einerseits tun, indem du das Vorherrschen von Kriegssehnsucht und Kriegsbegeisterung im Umfeld des Kriegsausbruchs von 1914 bestätigst durch
  • die Deutung des Krieges als mögliche Katharsis (Reinigung der Seele durch Beschäftigung mit Krieg) (M2)
  • die Vision von einem neuen Menschen der dem Neuen (Industrie, Maschinen) ungeachtet der Gefahren entgegengehen soll (M3,M4,M5,M6)
  • die Visionen realer kriegerischer Zerstörung bei den Frühexpressionisten (M2,M3,M4,M5,M6)
  • die Ästhetisierung des Kriegs in den verschiedenen Versionen von Georg Heyms „Der Krieg I“ und „Der Krieg II“ mit Tendenzen zu euphemistischer Darstellung (M4, M5)
  • den aus Gefühl existentieller Leere oder gesellschaftlichen Stillstands resultierenden Wunsch nach radikaler Veränderung durch einen, auch ungerechten Krieg (M2)
Andererseits kannst du die Kriegsbegeisterung auch relativieren, zum Beispiel durch Hinweise auf
  • die Kriegsbegeisterung expressionistischer Künstler als nur kurzzeitiges Phänomen des Frühexpressionismus (M3)
  • die Idealvorstellung von der Achtung der menschlichen Würde als zentrales frühexpressionistisches Motiv (M6b)
  • den starken Glauben an Neubeginn in der Kunst, im Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft (M2, M6a)
  • keine Beweise für nazistischen Denkens (M6b)
  • die Bestätigung der Größe des Werks Georg Heyms durch andere Künstler wie Rilke und seine heutige Bedeutung für die literarische Moderne(M7)
Vergiss nicht in deinen Offenen Brief auch deine Kenntnisse und dein Vorwissen zum literarischen Expressionismus, welches du im Unterricht erworben hast, miteinzubeziehen. Auch persönliche Erfahrungen mit Straßennamen können deine These unterstützen.

Schluss

Am Besten wäre es, wenn du am Ende deines Briefs nochmal alles in 2 bis 3 Sätzen zusammenfasst und einen Ausblick gibst, wie in der Diskussion um Georg Heym verfahren werden sollte. Im Schluss eines Offenen Briefes sollte es auf jeden Fall auch noch einen kurzen Appell an die Leser geben, welcher sie zum Handeln und Nachdenken auffordert. Der Appell sollte höflich und kurz sein, jedoch gut verständlich und sich in den Köpfen der Leser festsetzen.
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Aufgabe 1

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$\blacktriangleright\;$ Thema:
Benennung von Straße nach Georg Heym.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Verfasse einen Offenen Brief an die Lokalzeitung.
Sehr geehrte Leser,
kürzlich entbrannte eine leidenschaftliche Diskussion über die Frage, ob eine Straße in Erfurt nach dem frühexpressionistischen Schriftsteller Georg Heym benannt werden darf. Grundannahme dieser Fragestellung ist die Tatsache, dass Heym vermeintlich eindeutig seine Sehnsucht nach Krieg, oder gar nach einem ungerechten Krieg artikulierte und den Krieg verharmlost darstellte. Doch kann dies tatsächlich als Grund angesehen werden, Heym die Ehrung in einem Straßennamen zu verwehren?
Zuerst einmal sollte untersucht werden, inwiefern Heym tatsächlich den Krieg als solchen unterstützt hat. Denn oftmals stimmen auch die literarischen Werke nicht mit der eigentlichen Denkweise oder Einstellung des Schriftstellers oder Dichters überein. Wenn man so denken sollte, dann dürfte man demnach ja auch keinerlei Krimis oder Thriller lesen und müsste deren Autoren vor ein Tribunal stellen! Diese Denkweise ist einfach nur veraltet und gestaltet sich als äußerst eindimensional. Natürlich gibt es den einen oder anderen, der sich jetzt auf den Tagebucheintrag Heyms oder auch seine Kriegs-Gedichte beruft, die den Krieg als Katharsis, als Reinigung der Seele, erkennen und die diesen durchaus ästhetisieren und euphemistisch darstellen. Betrachtet man besagten Tagebucheintrag genauer, so wird deutlich, dass Heym in den Krieg ziehen will als Folge einer extrem schwachen und unzuverlässigen Regierung. So äußert er eher eine Kritik an der Politik, als dass er den Krieg hochlobt. Zudem spiegelt er wider, dass das Volk kein Vertrauen in die Regierung hatte - er spricht also nicht nur für sich, sondern spricht vom Volk als Gesamtheit. In seinem Gedicht „Krieg I“ beschreibt er außerdem den Krieg als Monstrum, das alles zerstört und nichts als grausame Trauer hinterlässt. Der Krieg wird also nicht verherrlicht, sondern als realistisch dargestellt und als eine Lösung der gesellschaftlichen und politischen Probleme erklärt. Kann man diese Haltung - die wohlgemerkt damals generell über alle Gesellschaftsschichten verbreitet war - dann tatsächlich verurteilen und gar verdammen?
Man sollte Heym als Dichter und Denker würdigen, denn dies ist es, was ihn tatsächlich ausmacht. So wird er von Gunter Martens beispielsweise als einer der einflussreichsten Schriftsteller in der deutschen Literatur betitelt. Durch seine äußerst außergewöhnliche poetische Sprache gilt Heym als der entscheidende Wegbereiter der literarischen Moderne in Deutschland. Des Weiteren ließen sich viele berühmte Schrifteller und Dichter wie Rilke, Benn oder Celan von Georg Heym beeinflussen - Celan webte sogar Referenzen zu Heym in seine Werke ein. Wenn doch schon bekannte und erfolgreiche Dichter Heym würdigen und ihn ehren, warum können wir dies nicht auch tun? Bestätigen doch ebenjene Künstler die Größe von Georg Heyms Werk und seine heutige Bedeutung für die literarische Moderne. Zudem gilt doch die Kriegsbegeisterung expressionistischer Künstler als nur kurzzeitiges Phänomen des Frühexpressionismus. Spätere Werke haben wiederum andere Themen wie den Zerfall des Ichs, die Industrialisierung und die Großstadt. Das zentrale frühexpressionistische Motiv war jedoch die Idealvorstellung von der Achtung der menschlichen Würde. Dies geht auch aus dem besagten Tagebucheintrag hervor, denn Heym ist hier hauptsächlich daran interessiert, der unbefriedigenden gesellschaftlichen Situation zu entfliehen.
Ich denke nicht, dass wir - basierend auf Annahmen, die schlichtweg falsch sind und die auch nichts mit der literarischen Leistung des Autors zu tun haben - es ablehnen sollten, eine Straße nach Georg Heym zu benennen, zumal wir eigentlich stolz darauf sein sollten, so viele, berühmte und wichtige Schriftsteller zu haben, um Schulen, Straßen oder ähnliches nach ihnen zu benennen! Lasst uns keine falschen, irrelevanten Rückschlüsse ziehen, sondern das Lebenswerk dieser bedeutenden Personen anerkennen und auch für die Nachwelt sichtbar machen!
Mit besten Grüßen
Sophie Becker
Erfurt, 06.07.2017
#expressionismus#materialgestützteerörterung
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