Inhalt
Smarter Learning!
Inhalt
Bundesland, Schulart & Klasse
Bundesland, Schulart & Klasse
TH, Gesamtschule
Baden-Württemberg
Berufl. Gymnasium (AG)
Berufl. Gymnasium (BTG)
Berufl. Gymnasium (EG)
Berufl. Gymnasium (SGG)
Berufl. Gymnasium (TG)
Berufl. Gymnasium (WG)
Berufskolleg - FH
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Hauptschule
Realschule
Werkrealschule
Bayern
Fachoberschule
Gymnasium
Mittelschule
Realschule
Berlin
Gymnasium
Integrierte Sekundarschule
Brandenburg
Gesamtschule
Gymnasium
Oberschule
Bremen
Gymnasium (G8)
Oberschule (G9)
Hamburg
Gymnasium
Stadtteilschule
Hessen
Berufl. Gymnasium
Gesamtschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Haupt- und Realschule
Hauptschule
Realschule
Mecklenburg-Vorpommern
Gesamtschule
Gymnasium
Niedersachsen
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Integrierte Gesamtschule
Kooperative Gesamtschule
Oberschule
Realschule
NRW
Gesamtschule
Gymnasium
Hauptschule
Realschule
Sekundarschule
Rheinland-Pfalz
Gesamtschule
Gymnasium
Saarland
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Realschule
Sachsen
Gymnasium
Oberschule
Sachsen-Anhalt
Fachgymnasium
Gesamtschule
Gymnasium
Sekundarschule
Schleswig-Holstein
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Thüringen
Berufl. Gymnasium
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Regelschule
Klasse 13
Klasse 13
Klasse 12
Klasse 11
Klasse 10
Klasse 9
Klasse 8
Klasse 7
Klasse 6
Klasse 5
Fach & Lernbereich
Fachauswahl: Deutsch
Mathe
Deutsch
Englisch
Bio
Chemie
Physik
Geschichte
Geo
Lernbereich
Lektürehilfen
Digitales Schulbuch
Abitur
BLF
Realschulabschluss
Qualifizierender Hauptsch...
Kompetenztest 8 E-Kurs
Kompetenztest 8 G-Kurs
Abitur
Prüfung
wechseln
Abitur
BLF
Realschulabschluss
Qualifizierender Hauptschulabschluss
Kompetenztest 8 E-Kurs
Kompetenztest 8 G-Kurs
Smarter Learning!
Schneller lernen mit deinem SchulLV-Zugang
  • Zugang zu über 1.000 Original-Prüfungsaufgaben mit Lösungen von 2004-2019
  • Alle Bundesländer und Schularten, empfohlen von über 2.300 Schulen in Deutschland
  • Digitales Schulbuch: Über 1.700 Themen mit Aufgaben und Lösungen
  • Monatlich kündbar, lerne solange du möchtest
Jetzt Zugang freischalten!

Aufgabe 2

Aufgaben
Download als Dokument:PDF

Textgebundene Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema : Robert Walser (1878 - 1956): Basta
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
Analysiere den Prosatext und erörtere auf der Grundlage deiner Arbeitsergebnisse deine Vorstellung vom „guten Bürger“ in unserer Gegenwart.
#kurzprosa#textgebundeneerörterung
Robert Walser
Basta
$\,$
Ich kam dann und dann zur Welt, wurde dort und dort erzogen, ging ordentlich zur Schule,
bin das und das und heiße so und so und denke nicht viel. Geschlechtswegen bin ich ein
Mann, staateswegen bin ich ein guter Bürger und rangeshalber gehöre ich zur besseren
Gesellschaft. Ich bin ein säuberliches, stilles nettes Mitglied der menschlichen Gesellschaft,
5
ein sogenannter guter Bürger, trinke gern mein Glas Bier in aller Vernunft und denke nicht
viel. Auf der Hand liegt, daß ich mit Vorliebe gut esse, und ebenso liegt auf der Hand, daß
mir Ideen fern liegen. Scharfes Denken liegt mir nämlich fern; Ideen liegen mir vollständig
fern, und deshalb bin ich ein guter Bürger, den ein guter Bürger denkt nicht viel. Ein guter
Bürger ißt sein Essen… und damit basta!
10
Den Kopf strenge ich nicht sonderlich an, ich überlasse das andern Leuten. Wer den Kopf
anstrengt, macht sich verhaßt; wer viel denkt, gilt als ungemütlicher Mensch. Schon Julius
Cäsar deutete mit dem dicken Finger auf den mageren hohläugigen Cassius, vor dem er sich
fürchtete, weil er Ideen bei ihm vermutete. Ein guter Bürger darf nicht Furcht und Verdacht
einflößen; vieles Denken ist nicht seine Sache. Wer viel denkt, macht sich unbeliebt, und es
15
ist vollständig überflüssig, sich beliebt zu machen. Schnarchen und Schlafen ist besser
als Dichten und Denken. Ich kam dann und dann zur Welt, ging dort und dort zur Schule, lese
gelegentlich die und die Zeitung, treibe den und den Beruf, bin so und so alt, scheine ein guter
Bürger zu sein und scheine gern gut zu essen. Den Kopf strenge ich nicht sonderlich an, da
ich das andern Leuten überlasse. Vieles Kopfzerbrechen ist nicht meine Sache, denn wer viel
20
denkt, dem tut der Kopf weh, und Kopfweh ist vollständig überflüssig. Schlafen und
Schnarchen ist besser als Kopfzerbrechen, und ein Glas Bier in aller Vernunft ist weitaus
besser als Dichten und Denken. Ideen liegen mir vollständig fern, und den Kopf will ich mir
unter keinen Umständen zerbrechen, ich überlasse das leitenden Staatsmännern. Dafür bin ich
ja ein guter Bürger, damit ich Ruhe habe, damit ich den Kopf nicht anzustrengen brauche,
25
damit mir Ideen völlig fern liegen und damit ich mich vor zu vielem Denken ängstlich
fürchten darf. Vor scharfem Denken habe ich Angst. Wenn ich scharf denke, wird es mir ganz
blau und grün vor den Augen. Ich trinke lieber ein gutes Glas Bier und überlasse jedwedes
scharfes Denken leitenden Staatslenkern. Staatsmänner können meinetwegen so scharf
denken wie sie wollen und so lang, bis ihnen die Köpfe brechen. Mir wird immer ganz blau
30
und grün vor den Augen, wenn ich den Kopf anstrenge, und das ist nicht gut, und deshalb
strenge ich den Kopf so wenig wie möglich an und bleibe hübsch kopflos und gedankenlos.
Wenn nur leitende Staatsmänner denken, bis es ihnen grün und blau vor den Augen wird und
bis ihnen der Kopf zerspringt, so ist alles in Ordnung, und unsereins kann ruhig sein Glas Bier
in aller Vernunft trinken, mit Vorliebe gut essen und nachts sanft schlafen und schnarchen, in
35
der Annahme, daß Schnarchen und Schlafen besser seien als Kopfzerbrechen und besser als
Dichten und Denken. Wer den Kopf anstrengt, macht sich nur verhasst, und wer Absichten
und Meinungen bekundet, gilt als ungemütlicher Mensch, aber ein guter Bürger soll kein
ungemütlicher, sondern ein gemütlicher Mensch sein: Ich überlasse in aller Seelenruhe
scharfes und kopfzerbrechendes Denken leitenden Staatsmännern, denn unsereins ist ja doch
40
nur ein solides und unbedeutendes Mitglied der menschlichen Gesellschaft und ein
sogenannter guter Bürger oder Spießbürger, der gern sein Glas Bier in aller Vernunft trinkt
und gern sein möglichst gutes fettes nettes Essen isst und damit basta!
Staatsmänner sollen denken, bis sie gestehen, dass es ihnen grün und blau vor den Augen ist
und dass sie Kopfweh haben. Ein guter Bürger soll nie Kopfweh haben, vielmehr soll ihm
45
immer sein gutes Glas Bier in aller gesunden Vernunft schmecken, und er soll des Nachts
sanft schnarchen und schlafen. Ich heiße so und so, kam darin und dann zur Welt, wurde dort
und dort ordentlich und pflichtgemäß in die Schule gejagt, lese gelegentlich die und die
Zeitung, bin von Beruf das und das, zähle so und so viele Jahre und verzichte darauf, viel und
angestrengt zu denken, weil ich Kopfanstrengung und Kopfzerbrechen mit Vergnügen
50
leitenden und lenkenden Köpfen überlasse, die sich verantwortlich fühlen. Unsereins fühlt
weder hinten noch vorn Verantwortung, denn unsereins trinkt sein Glas Bier in aller Vernunft
und denkt nicht viel, sondern überläßt dieses sehr eigenartige Vergnügen Köpfen, die die
Verantwortung tragen. Ich ging da und da zur Schule, wo ich genötigt wurde, den Kopf
anzustrengen, den ich seither nie mehr wieder einigermaßen angestrengt und in Anspruch
55
genommen habe. Geboren bin ich dann und dann, trage den und den Namen, habe keine
Verantwortung und bin keineswegs einzig in meiner Art. Glücklicherweise gibt es recht viele,
die sich, wie ich, ihr Glas Bier in aller Vernunft schmecken lassen, die ebenso wenig denken
und es ebenso wenig lieben, sich den Kopf zu zerbrechen wie ich, die das lieber andern
Leuten, z.B. Staatsmännern freudig überlassen. Scharfes Denken liegt mir stillem Mitglied
60
der menschlichen Gesellschaft gänzlich fern und glücklicher weise nicht nur mir, sondern
Legionen von solchen, die, wie ich, mit Vorliebe gut essen und nicht viel denken, so und so
viele Jahre alt sind, dort und dort erzogen worden sind, säuberliche Mitglieder der
menschlichen Gesellschaft sind wie ich und gute Bürger sind wie ich, und denen scharfes
Denken ebenso fern liegt wie mir und damit basta!
Aus: Walser, Robert: Basta. In: Zobel, Klaus (Hrsg.): Moderne Kurzprosa. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1978, S. 12 - 14.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Kurzlösungen
Download als Dokument:PDF

Textgebundene Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Robert Walser (1878-1956): Basta
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Analysiere den Prosatext und erörtere auf der Grundlage deiner Arbeitsergebnisse deine Vorstellung vom „guten Bürger“ in unserer Gegenwart.

Vorarbeit

Bevor du beginnst, lies dir den Text aufmerksam durch und markiere dir wichtige Stellen oder mache dir Notizen zum Thema „guter Bürger“.

Einleitung

Überlege dir für die Einleitung einen Basissatz, welcher das Thema des Textes erfasst und wiedergibt.
  • Titel: Basta
  • Name und Lebensdaten des Autors: Robert Walser (1878-1956)
  • Thema des Textes: scheinkritische Selbstreflexion eines Spießers
  • Textart: Kurzprosa

Hauptteil

Der Hauptteil besteht bei dieser Aufgabe im Grunde genommen aus zwei Teilen. Zuerst sollst du den Text von Robert Walser in seinen Grundzügen analysieren. Im zweiten Teil sollst du dann anhand deiner im ersten Teil gewonnenen Ergebnisse deine Vorstellung von einem „guten Bürger“ in unserer Gegenwart erörtern.
$\blacktriangleright\;$ Teil 1
Analysiere den Text zunächst zum einen formal, zum anderen inhaltlich. Anschließend betrachtest du die sprachkünstlerischen Besonderheiten genauer und versuchst, die Intention des Textes zu erschließen.
Formale Analyse
  • Bewusstseinsstrom (Text gibt scheinbar ungeordnet die Gedanken- und Bewusstseinsinhalte der Figur wieder)
  • protokollhafte Wiedergabe von Bewusstseinsinhalten
  • überwiegend 1. Person Präsens Indikativ (Führt dazu, dass Leser alles nur aus Sicht der Hauptfigur sieht und nicht mehr oder weniger wahrnimmt. Auch kann der Leser nicht sicher sein, ob alles wahr ist, was Figur erzählt. Unmittelbare Nähe des Lesers zum Erzähltem.)
  • Innensicht des Ich-Erzählers ohne kommentierende Einmischung
Inhaltliche Analyse
  • Ich-Erzähler denkt darüber nach, was einen „guten Bürger“ ausmacht und weshalb er ein „guter Bürger“ ist
  • assoziativ verknüpfte Bewusstseinsinhalte (Erinnerungen, Reflexionen, Wahrnehmungen, Überzeugungen )
  • Rechtfertigung der persönlichen Anpassung (möglichst unpolitisch sein, keine Meinung haben)
  • Abgrenzung und klischeehafte Polarisierung zwischen „gute[n] Bürger[n]“ und „leitende[n] Staatsmänner[n]“
  • Bequemlichkeit im körperlichen sowie geistigen Sinne (Denkunvermögen in Folge von Denkfaulheit)
Sprachkünsterlische Besonderheiten
  • Sprachspiele: „[…] blau und grün vor den Augen […] grün und blau vor den Augen […]“ (Z. 29-32)
  • assoziative Verknüpfungen: Der Ich-Erzähler verknüpft das Bild des guten Bürgers assoziativ mit einem Menschen der viel isst, sein Bier trinkt und wenig denkt. „[…] und deshalb bin ich ein guter Bürger, denn ein guter Bürger denkt nicht viel. Ein guter Bürger isst sein Essen […]“ (Z. 8-9)
  • phrasenhafte Wiederholungen: geben dem Bewusstseinsstrom eine Art Struktur, der der Leser folgen kann. „[…]und damit basta!“ (Z. 9; 42; 64) oder „[…]dann und dann […] dort und dort […] das und das […] so und so […]“ (Z. 1f; 16f; 46f)
  • hypotaktische Syntax: verschachtelt Neben- und Hauptsätze und dient der genaueren Erklärung gewisser Begriffe. Zu viele Verschachtelungen führen jedoch zu einer Unübersichtlichkeit. Für den Bewusstseinsstrom ist der hypotaktische Stil gut, da Gedanken auch meistens verschachtelt und verwirrend sind. „Ich bin ein säuberliches, stilles nettes Mitglied der menschlichen Gesellschaft, ein sogenannter guter Bürger, trinke gern mein Glas Bier in aller Vernunft und denke nicht viel.“ (Z. 4-6)
  • Konditionalsätze: geben eine Bedingung vor, die im darauffolgenden Satz genannt wird. Sie werden mit den Wörtern „wenn“, „falls“ oder „sofern“ eingeleitet. „Wenn ich scharf denke, wird es mir ganz blau und grün vor den Augen.“ (Z. 26f.)
  • Alliterationen: heben die sprachliche oder inhaltliche Bedeutung einzelner Wörter hervor. „Schnarchen und Schlafen […] Dichten und Denken.“ (Z. 15f.)
Intention des Textes:
  • Satire auf Kosten der faulen Spießbürger („Der gute Bürger denkt nicht.“) $\rightarrow$ „Guter Bürger“ sollte aber denken und nicht alles den anderen überlassen
$\blacktriangleright$ Teil 2
Nutze nun deine Analyseergebnisse als einen Erörterungsansatz. Die Erörterung kann linear oder dialektisch sein. Entwickle deine persönliche Vorstellung vom „guten Bürger“ in unserer Gegenwart und lege sie dar.
  • Verantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft
  • mündiger Bürger im Kantschen Sinne
Aktuelle Bezüge
  • Soziales Engagement (Beispielsweise durch ehrenamtliches Arbeiten, Blutspenden, Nachhilfe geben, Aufnahme von Flüchtlingen)
  • Rechte und Pflichten von Bürgern heute (Wählen gehen, Mitbestimmung in der Politik, Einhaltung von Gesetzen)
  • Vergleich mit anderen Ländern (Schwellenländer wie Afrika im Vergleich zu Deutschland / England / USA)

Schluss

Am Besten wäre es, wenn du deine Ergebnisse in einem Fazit nochmals kurz zusammenfasst um deinen Standpunkt zu verdeutlichen und einen Ausblick gibst, wie sich das Bild des guten Bürgers noch verändern kann. Schließe deine textgebundene Erörterung mit einer Bezugnahme auf deine Einleitung oder auf ein aktuelles Ereignis ab. Bringe auf keinen Fall neue Argumente in den Schluss!
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Lösungen
Download als Dokument:PDF
Aufgabe 2

Textgebundene Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Robert Walser (1878-1956): Basta
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Analysiere den Prosatext und erörtere auf der Grundlage deiner Arbeitsergebnisse deine Vorstellung vom „guten Bürger“ in unserer Gegenwart.
In der Kurzprosa Basta von Robert Walser wird die scheinkritische Selbstreflexion eines Spießers thematisiert. Es wird darüber sinniert, was einen guten Bürger ausmacht und diese Kriterien werden in dem Text dargestellt.
Der Text gleicht einem Bewusstseinsstrom - er gibt scheinbar ungeordnet die Gedanken- und Bewusstseinsinhalte der Figur wieder. Protokollhaft werden diese Bewusstseinsinhalte überwiegend in der 1. Person Präsens Indikativ wiedergegeben, dies führt dazu, dass Leser alles nur aus der Sicht der Hauptfigur sieht und nicht mehr oder weniger wahrnimmt. Auch kann der Leser nicht sicher sein, ob alles wahr ist, was diese Figur von sich gibt. Somit wird auch eine unmittelbare Nähe des Lesers zum Erzählten hergestellt. Es wird also die Innensicht des Ich-Erzählers ohne kommentierende Einmischung preisgegeben.
Der Ich-Erzähler denkt in Basta darüber nach, was einen „guten Bürger“ ausmacht und weshalb er ein „guter Bürger“ ist (Z. 3). Der Text besteht hauptsächlich daraus, dass der Ich-Erzähler sich selbst versichert, ein guter Bürger zu sein, da er weder groß nachdenkt, noch seine Meinung zu irgendwas äußert. Aus Themen wie Politik oder Gesellschaft hält er sich raus und zerbricht sich darüber nicht den Kopf, da dies wiederum nur Kopfschmerzen bereitet. Er trinkt also sein Bier und isst gut bürgerlich, wie es eben ein guter Bürger handhabt. Seine Gedankenstränge sind im Prinzip assoziativ verknüpfte Bewusstseinsinhalte in Form von Reflexionen, Erinnerungen, Wahrnehmungen und Überzeugungen. Der Ich-Erzähler rechtfertigt sogar seine persönliche Anpassung - möglichst unpolitisch zu sein, keinerlei Meinung zu haben - und versucht sich so selbst von seiner Meinung zu überzeugen. Zudem grenzt er sich und polarisiert klischeehaft zwischen einem „gute[n] Bürger[n]“ und „leitende[n] Staatsmänner[n]“ (Z. 3, 23). Der Zweck dieser Gedankenstränge ist die Versicherung und Akzeptanz der Bequemlichkeit im körperlichen sowie geistigen Sinne - der Ich-Erzähler begibt sich selbst in eine Art Denkunvermögen in Folge von Denkfaulheit.
Walser verarbeitet in seinem Text diverse sprachliche Elemente. So benutzt er beispielsweise das Sprachspiel „[…] blau und grün vor den Augen […] grün und blau vor den Augen […]“ (Z. 29-32), um den wirren, und gleichzeitig austauschbaren Gedanken des Ich-Erzählers darzustellen. Der Erzähler dreht sich praktisch im Kreis in seiner Meinung. Zudem werden assoziative Verknüpfungen genutzt, denn der Ich-Erzähler verknüpft das Bild des guten Bürgers assoziativ mit einem Menschen der viel isst, sein Bier trinkt und wenig denkt: „[…] und deshalb bin ich ein guter Bürger, denn ein guter Bürger denkt nicht viel. Ein guter Bürger isst sein Essen […]“ (Z. 8-9). Seine phrasenhaften Wiederholungen („[…]und damit basta!“ (Z. 9; 42; 64) oder „[…]dann und dann […] dort und dort […] das und das […] so und so […]“ (Z. 1f; 16f; 46f)) geben dem Bewusstseinsstrom eine Art Struktur, der der Leser folgen kann. Die hypotaktische Syntax verschachtelt dabei Neben- und Hauptsätze und dient der genaueren Erklärung gewisser Begriffe. Zu viele Verschachtelungen führen jedoch zu einer Unübersichtlichkeit. Für den Bewusstseinsstrom ist der hypotaktische Stil gut, da Gedanken auch meistens verschachtelt und verwirrend sind - „Ich bin ein säuberliches, stilles nettes Mitglied der menschlichen Gesellschaft, ein sogenannter guter Bürger, trinke gern mein Glas Bier in aller Vernunft und denke nicht viel.“ (Z. 4-6). Alliterationen wie beispielsweise „Schnarchen und Schlafen […] Dichten und Denken.“ (Z. 15f.) heben die sprachliche oder inhaltliche Bedeutung einzelner Wörter hervor. Insgesamt betrachtet, gibt Walsers Kurzprosa eine Satire auf Kosten der faulen Spießbürger wieder, denn ein guter Bürger sollte denken und nicht einfach alles den anderen, vermeintlich fähigeren Menschen überlassen.
Doch was kann man denn heutzutage als guten Bürger betrachten? Natürlich weichen die Definitionen dessen je nach dem Land, in welchem man sich befindet, ab. Trotzdem können von diversen allgemeinen Kriterien gesprochen werden, wenn es darum geht, herauszufinden, was denn einen guten Bürger ausmacht. Allem voran gibt es bestimmte Rechte und Pflichten die Bürger heute wahrnehmen sollten. Beispielsweise gibt es Gesetze, die es einzuhalten gilt. Ein Verstoß gegen jene Gesetze wird dementsprechend geahndet und auch bestraft. Zudem helfen diese Gesetze, eine gewisse Ordnung und Struktur, und vor allem ein Gemeinschaftsleben zu etablieren. Auch Rechte wie zum Beispiel Wählen zu gehen oder in der Politik mitzubestimmen nehmen gute Bürger wahr. Es ist nicht selbstverständlich, dass Bürger überhaupt mitbestimmen können, welche Partei die Regierung übernimmt. Einige Länder der Welt werden von Diktaturen bestimmt, dort wünschen sich die Einwohner politische Mitbestimmung. Deshalb sollte man dieses Recht auch nutzen, auch um zu verhindern, dass bestimmte Parteien nicht an die Macht kommen. Auch sollte sich ein guter Bürger an die Steuerzahlpflicht halten - tut er dies nicht, so verliert der Staat wichtige Einnahmen, die vor allem in die Erziehung der Kinder, in die Infrastruktur und in die Sicherheit des Staates fließen.
Zudem setzt sich ein guter Bürger für die Gemeinschaft ein, zum Beispiel durch ein Ehrenamt. Nur so kann nämlich eine Gemeinschaft getragen werden, durch freiwillige Helfer. Turnvereine, Fußballvereine, oder generell die Mitarbeit bei Veranstaltungen, die dem Wohl der Gemeinde dienen, bringen Leben in eine Gemeinschaft, bzw. machen diese überhaupt erst möglich. Gäbe es diese Institutionen nicht, so könnten sich zum Beispiel auch sozialschwächere Familien die sportlichen Hobbies ihrer Kinder gar nicht mehr leisten.
Außerdem sollte sich ein guter Bürger seines ökologischen Fußabdrucks bewusst sein. Es ist für ihn klar, dass vielleicht nicht er die direkten Konsequenzen eines umweltfreundlichen Lebensstils zu spüren bekommt, doch er weiß, dass er dies für die nachfolgende Generationen macht und ist darum wieder Vorbild für andere.
Vergleicht man nun die tatsächlichen Kriterien darüber, was einen guten Bürger ausmacht, mit denen, die Robert Walser satirisch verkündet, so fällt auf, dass sie keinesfalls übereinstimmen. Walser verweist ja durch die satirische Anwandlung seines Textes darauf, dass ein guter Bürger sich natürlich an der Politik beteiligt, mitdenkt und auch seine Meinung kundtut. Heutzutage gelten allerdings noch mehr Kriterien, die damals aber so noch nicht auszuführen waren, weil es beispielsweise noch kein Steuerzahlmodell gab.
#dialektischeerörterung#kurzprosa#lineareerörterung#textgebundeneerörterung
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Folge uns auf
SchulLV als App