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Räumliche Verflechtungen

Skripte
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Von BMW über Audi, von Schaeffler über Magna zu ZF Friedrichshafen - ist es ein Zufall, dass so viele Automobilbauer und Zulieferer im Südwesten der Bundesrepublik angesiedelt sind? Anhand der räumlichen Verteilung einiger Branchen kann man Begriffe wie Standorfaktoren, Agglomerationsfaktoren und Clusterbildung erklären. In diesem Skript erklären wir dir, wie die Beschaffenheit unserer Umgebung sich in der Bildung von Wirtschaftszentren widerspiegelt.

Räumliche Verflechtungen - abhängig von Standortfaktoren

Zu Beginn der Industrialisierung waren für die Wahl eines Wirtschaftsstandortes die Faktoren Energie und Rohstoffvorkommen grundlegend. Dies hatte zur Folge, dass Standorte der Metallindustrie gehäuft in Gebieten zu finden sind, die über Erz- und Kohlevorkommen verfügen oder verfügten. In Deutschland sind das, zum Beispiel das Saar- und das Ruhrgebiet, in den USA Städte wie Detroit und Pittsburgh bei den Großen Seen.
Standortfaktoren
Angebot an Fachkräften, Rohstoffvorkommen, Transportkosten, Absatzmärkte und günstigen Lohnkosten.
Standortfaktoren
Angebot an Fachkräften, Rohstoffvorkommen, Transportkosten, Absatzmärkte und günstigen Lohnkosten.
Nach Alfred Webers Standorttheorie ist der Standortfaktor ein Vorteil, für den eine wirtschaftliche Tätigkeit dann eintritt, wenn sie an einem bestimmten Ort ausgeübt wird. Diese Theorie bezieht sich hauptsächlich auf traditionelle Standortfaktoren der Industrie. Allerdings kann man auch neue regionale Phänomene, wie zum Beispiel die High-Tech Industrie im Silicon Valley anhand dieser Theorie erklären.
Wirtschaft: Räumliche Verflechtungen
Abb. 1: Vereinfachte Darstellung der Standorttheorie nach A. Weber, 1909.
Wirtschaft: Räumliche Verflechtungen
Abb. 1: Vereinfachte Darstellung der Standorttheorie nach A. Weber, 1909.
Rohstoffe, Endprodukte und Konsumenten sind meistens an verschiedenen Orten vertreten, daher sind die Transportkosten in Webers Theorie ein zentraler Faktor. Bei den Rohstoffen unterscheidet Weber zwischen Reingewichtsmaterialien (z.B. Tomaten für Dosentomaten, diese behalten während der Produktion ihr Ursprungsgewicht) und Gewichtsverlustmaterialien (z.B. Kohle oder Eisenerz, sie sind nur zum Teil im Endprodukt erhalten). Aus den Faktoren Rohstoffgattung und Abstand zum Konsumort ergibt sich der Transportkostenminimalpunkt. An diesem Punkt fallen die geringsten Transportkosten an und dementsprechend ist nach Webers Theorie dieser Ort der ideale Standort für die Produktion. Wie du in Abbildung 1 siehst, variiert der Transportkostenminimalpunkt je nach Materialart.

Agglomerationsfaktoren

Wirtschaft: Räumliche Verflechtungen
Abb. 2: Autoland Bayern
Wirtschaft: Räumliche Verflechtungen
Abb. 2: Autoland Bayern
Der Transportkostenminimalpunkt kann durch die Anhäufung von Betrieben oder Abnehmern, so genannten Agglomerationen, verändert werden. Eine Agglomeration ist eine räumliche Ballung von Bevölkerung, Wirtschaft sowie technischer Infrastruktur in regionaler oder lokaler Größenordnung. Bei der im Südosten vorkommenden Automobilindustrie kann man von einer Agglomeration sprechen. Aus diesem Zustand ergeben sich Agglomerationsfaktoren. Das sind zum Beispiel die Vorteile eines großen und qualifizierten Arbeitsmarktes oder die Möglichkeit für interne und externe Ersparnisse durch arbeitsteilig arbeitende Industriebetriebe.
Es können aber auch handfeste Vorteile sein, wie der gemeinsame Bau von Infrastruktur. Als Beispiel dient hier die Agglomeration der Autoindustrie im Südosten in Abbildung 2. Die Agglomeration erfolgreicher Unternehmen schafft weiterhin ein positives Image für die entsprechende Gegend, bei unserem Beispiel das Autoland Bayern.

Clusterbildung

Ein Cluster bezeichnet die räumliche Konzentration miteinander verwobener Unternehmen beziehungsweise Institutionen (Industrie, Dienstleistungen und Forschung) innerhalb einer Branche. Der Autozulieferer, die Technische Hochschule und der Autohersteller bilden ein Cluster. Ein Cluster kann neben einer Reihe verbundener Branchen auch weitere relevante Organisationseinheiten, wie Forschungsinstitute, Kammern, Hochschulen oder Behörden umfassen.
Die räumliche Bündelung von Ressourcen und Wissen in bestimmten Wirtschaftsbereichen fördert die Entwicklung und Herstellung neuer Produkte in besonderem Maße und bildet einen Agglomerationsvorteil.
In einem Cluster findet man immer wieder Spin-off-Betriebe, Unternehmer, deren Gründer ehemalige Forscher aus der entsprechenden Branche sind. Im Allgemeinen können alle Unternehmen durch eine Zusammenarbeit profitieren, also Kostenvorteile durch die Kooperation von Unternehmensteilen oder gemeinsame Nutzung von Vertriebsstrukutren schaffen.
Es ist also kein Zufall, dass so viele Unternehmen aus der Automobilbranche im Südwesten ihren Sitz haben. Der ideale Standort sorgt für Agglomerationsvorteile und Clusterbildung, wodurch die internationale Wettbewerbsfähigkeit gegeben ist.
Bildnachweise [nach oben]
[1]
© 2016 – SchulLV.
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© 2016 – SchulLV.
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