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Industrialisierung und Urbanisierung

Skripte
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Einführung

Die Industrialisierung, auch bekannt als Industrielle Revolution, die im 19. Jahrhundert von England ausgehend nahezu die gesamte westliche Welt ergriff, sorgte für grundlegende Veränderungen in allen Lebensbereichen der noch überwiegend traditionell und landwirtschaftlich geprägten Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Kern dieses Prozesses stellte der Übergang von manuell betriebener Arbeit zur maschinellen und damit effizienteren Arbeit dar. Eine exakte Datierung, von wann bis wann sich diese Entwicklung abspielte, gestaltet sich aufgrund des Einflusses verschiedener Faktoren infrastruktureller oder sozialer Natur recht schwierig, doch ist man sich relativ einig, dass sie mit dem Beginn des 19. bis hinein in das 20. Jahrhundert anhielt.

Deutschland erlebte im Kaiserreich (1871-1918) den Durchbruch zur modernen Industriegesellschaft. Dieser ging einher mit massiven gesellschaftlichen Veränderungen vor allem in den Bereichen Wohnen, Bildung, Arbeit und Kultur, führte jedoch auch zur Abgrenzung sozialer Schichten: Vor allem Bürgertum und Arbeiterschaft lebten scharf voneinander getrennt. Kontakt und Mobilität zwischen diesen Gruppen gab es kaum.

Ursprünge – England im frühen 19. Jahrhundert

Weil Grundherrschaft, Zunftzwang und das absolutistische System in England früher als in anderen Ländern gelockert wurde, waren die Voraussetzungen für die freie Ausbreitung des Handels, der Kapitalbildung und auch der technischen Neuerungen optimal.

Dank einer Blütezeit im Handels- und Industriebereich sowie der Etablierung einer Finanzmacht durch die praktische Vorherrschaft zu See entstanden erste Formen eines sich modernisierenden Gesellschaftsmodells. Gründe hierfür waren besonders reiche Besitzungen in Übersee, durch die viele Rohstoffe auf die Insel gelangten. Außerdem kurbelte der Verkauf von landwirtschaftlichen Erträgen auf dem Markt die britische Ökonomie an.

England gelangte hierdurch zu enormem Wohlstand, sodass auch die Bevölkerung aufgrund vermehrten Nahrungsangebots in der ersten Jahrhunderthälfte von 8,7 Millionen auf 16,7 Millionen ansteigt.

Neue Produktionsformen und -wege

Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert: Industrialisierung und Urbanisierung
Abb. 1: Nachbau einer Wattschen Niederdruckdampfmaschine.
Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert: Industrialisierung und Urbanisierung
Abb. 1: Nachbau einer Wattschen Niederdruckdampfmaschine.

Im Hinblick auf die Entwicklung einer effizienteren Produktionsweise ist die Erfindung der Dampfmaschine des Schotten James Watt, die er bereits im Januar 1769 patentieren ließ, als wichtigste Neuerung auf dem Weg zum Industriezeitalter zu sehen. Diese fand bald in jeder Fabrik Verwendung, mechanisierte die Produktionsprozesse und hatte den positiven Effekt, dass Arbeitsvorgänge fortan nicht mehr von geographischen oder meteorologischen Umständen abhingen, sondern allmählich in Produktionshallen verlegt werden konnten. Die Ära des Fabriksystems hatte begonnen.

Neben der Dampfmaschine sind die Erfindung der Spinnmaschine „Spinning-Jenny“ durch James Hargreaves sowie die Konstruktion des Maschinenwebstuhls 1785 von Edmund Cartwright Meilensteine in die Ära des Maschinenzeitalters. Wie du also merkst, prägten Erfinder und Tüftler wie James Watt unser tägliches Leben derart, dass ein Auskommen etwa ohne maschinisierte Produktionsprozesse heute undenkbar ist. Unser technischer Fortschritt fußt im Wesentlichen auf solchen Erfindungen, die aufgrund ihrer heutigen Selbstverständlichkeit oftmals unterschätzt werden.

Intensive Nutzung des Schienennetzes und dessen fortschreitender Ausbau setzte auch neue Maßstäbe im Binnenverkehr. Wesentlich früher als in anderen Staaten erkannte man in England die Bedeutung und den Vorteil der Eisenbahnnutzung. Infolgedessen und aufgrund der Insellage verfügte das Land vor allen anderen über eines der besten Streckensysteme. Auch erkannte man die günstige Lage Englands als Insel und die Vorteile eines strukturierten Kanalsystems, dessen Ausbau fast zeitgleich intensiviert wurde.

Nachzügler Deutschland

Aufgrund des englischen Fernhandels griffen die technischen Fortschritte bald auf andere Länder über. Deutschland blieb jedoch zunächst zurück, da vor allem die Kleinstaaterei mit ihren zahlreichen Zollschranken und Schutzzöllen den Industrialisierungsprozess behindert und verlangsamt hat. Durch die erlangte Gewerbefreiheit beflügelt, welche die deutschen Bauern im Zuge der Bauernbefreiung (1807) erlangten, kam es 1810 zur Abschaffung des veralteten Zunftwesens. Dennoch bildete die oben erwähn-te Kleinstaaterei das größte Problem für Entstehung eines überregionalen Wirtschaftsraumes. Erst mit der Gründung des Deutschen Zollvereins 1834 und der Schaffung eines wirtschaftlichen Binnenmarkts sowie der Vereinheitlichung steuerlicher und ökonomischer Rahmenbedingungen konnten der Industrialisierung in Deutschland entschiedene Impulse gegeben werden. Die Zolleinigung beseitigte die Zersplitterung des deutschen Wirtschaftsraums, einst Ursache für den ökonomischen Rückstand, und schuf erstmals handelspolitische Verhältnisse. Ferner kam es in der Mitte des Jahrhunderts zur endgültigen Abschaffung des Feudalsystems.

Zu einer einheitlichen Wirtschaftspolitik und der Konstituierung eines nationalen Ökonomiebewusst-seins kam es im Zuge der Reichsgründung 1870/71, welche maßgeblich zum industriellen Aufschwung im Kaiserreich beigetragen hat.

Von der Frühindustrialisierung zur Industriellen Revolution

Im Hinblick auf die deutsche Industrieentwicklung kann die Revolution von 1848/49 als Scheidelinie zwischen Frühindustrialisierung und Industrieller Revolution gesehen werden. Besonders der Wandel vom krisengeprägten Selbstbewusstsein der 1840er Jahre hin zu einer allgemeinen Aufbruchstimmung der folgenden Jahrzehnte machen die Revolutionsjahre für eine Schnittstelle im Laufe des gesellschaftlichen Umschwungs verantwortlich. Denn etwa seit dieser Zeit ergab sich ein Wachstum der Beschäftigungszahlen in allen Arbeitssektoren. Die Nutzung der Steinkohle in den 1850er Jahren kann als weiterer wichtiger Indikator für den Beginn der Industriellen Revolution angesehen werden. Investitionen in den Eisenbahnbau und die Schwerindustrie prägten weiterhin die 1850er und 1860er Jahre.

Eisenbahnfieber in Deutschland

Ähnlich wie in England war auch in den deutschen Ländern die Eisenbahn der stärkste Wachstumsmotor, weshalb sie auch hier eine Schlüsselstellung einnahm. Die sechs Kilometer lange Strecke von Nürnberg nach Fürth (Königlich privilegierte Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft, Eröffnung 1835) läutete zwar symbolisch das Eisenbahnzeitalter ein, die erste wirtschaftlich bedeutende Strecke war allerdings jene zwischen Leipzig und Dresden, welche 1837 fertiggestellt wurde.

Steigende Produktionsmengen erforderten wachsenden Transportbedarf. Dies führte zum intensiven Ausbau des Schienennetzes auch auf deutschem Boden, was wiederum die Nachfrage nach Eisen und Kohle verstärkte. Durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes nahmen die Transportkosten ab, was sich förderlich für die Gesamtwirtschaft auswirkte. Die Bedeutsamkeit der Zugmaschine für die Industrialisierung in Deutschland wird ferner dadurch belegt, dass zwischen 1850 und 1890 nahezu 25 Prozent der Gesamtinvestitionen in den Eisenbahnbau flossen.
Nach etwa 580 Schienenkilometern in 1840 verfügten die deutschen Länder zehn Jahre später bereits über 7000 KM, im Jahr vor der deutschen Einigung fast über 25.000 Kilometer modernes Schienennetz.

Metallverarbeitung und die Entstehung erster Konzerne

Entsprechend forcierte das aufkommende Eisenbahnzeitalter auch die Nachfrage nach Schienen und Lokomotiven, weshalb sich ab den 1830er Jahren auch die Zahl der Hersteller vermehrte.

Der Maschinenbau besaß als fortschrittlicher und wachstumsintensiver Sektor im Bereich der metallverarbeitenden Industrie zweifellos eine Leitfunktion. Nicht unwesentlich profitierte er in Deutschland auch von der Gründung erster Gewerbeschulen, teilweise Vorreiter der späteren technischen Hochschulen. Hier setzte sich als erstes in Deutschland die Einsetzung von Ingenieuren durch, während man zeitgleich in England im Bereich Maschinenbau noch ganz auf „learning by doing“ setzte. Neben der Dampfmaschinenproduktion der 1860er Jahre kamen mit der Herstellung von Textilmaschinen und Landmaschinen neue Produktionsschwerpunkte hinzu.

Handelte es sich bei den Unternehmen zu Beginn noch vornehmlich um Kleinbetriebe, wuchsen sie im Laufe dieser rasanten Jahrzehnte teilweise zu Großkonzernen an. Während im Jahr 1835 genau 67 Arbeiter bei der Firma Krupp angestellt waren, arbeiteten knapp vierzig Jahre später bereits 13.000 Arbeitskräfte dort. Es kam gleichzeitig zur Etablierung der Aktiengesellschaft, die sich als dominante Unternehmensform durchsetzte.
Besonders im Bereich der Schwerindustrie entstanden im Zuge der Vereinigung von Eisen- und Stahlproduktion Großindustrien. Das Ruhrgebiet steht in dieser Hinsicht im Zeichen deutscher Industriekultur, entwickelte sich hier etwa die Gutehoffnungshütte in Oberhausen oder der Bochumer Verein als Konzern, zu dem mehrere Stahlwerke und Zechen gehörten.

Folgen der Industrialisierung

Gesellschaftlicher Wandel – Entstehung der Arbeiterschaft

Im Zusammenhang mit dem Aufkommen industrieller Großbetriebe und der Entstehung neuer Arbeits-orte und -Arten begann sich auch der Charakter besonders der unteren Gesellschaftsschicht zu wandeln. Ein erstes Phänomen dieser Zeit ist die Entwicklung des Begriffs „Proletariat“, der im politischen Diskurs der Zeit eine immer wichtigere Rolle spielen sollte. Zum Proletariat zählten fortan Handarbeiter und Tagelöhner, Handwerksgesellen, Gehilfen sowie Fabrik- und Lohnarbeiter.
Innerhalb dieser „arbeitenden Klasse“ war ein tiefgreifender Mentalitätswandel zu beobachten. Hatten die ländlichen und städtischen Unterschichten ihren Status noch weitgehend als unveränderlich akzeptiert, bestärkten neue Verdienstmöglichkeiten in der Industrie den Willen zur Veränderung der Situation. Betroffene deuteten ihre Lage immer mehr als ungerecht, was eine der sozialen Fundamente für das Aufkommen der Arbeiterbewegung darstellte. Die sich ausbreitenden Missstände wurde fortan als Soziale Frage diskutiert.

Urbanisierung

Mit der aufkommenden Industrialisierung des 19. und 20. Jahrhunderts wanderten viele Menschen in die damals wohl anziehend und pulsierend wirkenden Städte. Dass die Verstädterung und die Bevorzugung der städtischen Lebensform im Zusammenhang mit der Industrialisierung stehen muss, zeigen folgende Daten: Um 1800 betrug der Anteil der Stadtbevölkerung nur 3 Prozent, wohingegen in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts bereits 30 Prozent ein Leben in der Stadt bevorzugten. Es waren die Städte, die aufgrund ihrer Fabriken und Manufakturen zahlreiche Menschen anzogen, da diese dort, wie bereits angedeutet, mehr Geld als in ihren meist ländlichen Herkunftsregionen verdienen konnten. Die Nähe zum Arbeitsplatz wurde für die Menschen immer wichtiger, weshalb auch ein Nebeneinander von Wohnungen, Gewerbe- und Industriebetrieben entstand. Die Stadt als Produktionsstandort wurde zur neuen Heimat vieler Menschen, weshalb die Industrialisierung als Grundlage für die noch bis heute andauernde Verstädterung eine wesentliche Rolle spielt.

Durch das explosionsartige Anwachsen der Städte verschlechterten sich die Wohnverhältnisse der Arbeiterbevölkerung.
In den großen Städten des neunzehnten Jahrhunderts herrschten teilweise katastrophale hygienische Missstände sowie oftmals dichtgedrängtes Leben auf minimalem Wohnraum.

Bildnachweise [nach oben]
[1]
https://goo.gl/Rg6Ef2, Dampfmaschine.jpg, Eclipse.sx, CC BY-SA 3.0 DE.
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