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Wilhelmismus und Weltgeltungsdrang

Skripte
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Wilhelm II. und der „Neue Kurs“

Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert: Wilhelmismus und Weltgeltungsdrang
Abb. 1: Die sogenannte Punch-Karikatur Dropping the Pilot (im Deutschen meist übersetzt mit „Der Lotse geht von Bord“) zur Entlassung Bismarcks 1890.
Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert: Wilhelmismus und Weltgeltungsdrang
Abb. 1: Die sogenannte Punch-Karikatur Dropping the Pilot (im Deutschen meist übersetzt mit „Der Lotse geht von Bord“) zur Entlassung Bismarcks 1890.

Kaiser Wilhelm II. trat die Nachfolge seines an Krebs erkrankten Vaters Friedrich Wilhelm (Friedrich III.) an, dessen Amtszeit sich auf lediglich 99 Tage erstreckte. Aufgrund des zweimaligen Thronwechsels innerhalb von 12 Monaten ging das Jahr 1888 als Dreikaiserjahr in die deutsche Geschichte ein. Als der neue Kaiser im März 1890 Reichskanzler Bismarck entließ, verkündete er, dessen Kurs fortzusetzen. Dann kam es aber doch sowohl innen- wie außenpolitisch zu grundlegenden Veränderungen, die man als „Neuen Kurs“ bezeichnete und die im Zusammenhang mit dem „Persönlichen Regiment“ Wilhelms II. standen. Der Neue Kurs war besonders auf innenpolitische Maßnahmen bezogen, welche im Gegensatz zu Bismarck neue Wege anzeigten und eine Politik der Versöhnung mit der Arbeiterschaft sowie mit anderen Gruppen der Gesellschaft anstrebten, die einst gegen Bismarck opponierten. Das Sozialistengesetz wurde nicht weiter verlängert. Mittels einer umfangreichen Arbeiterschutzversicherung sollte die Masse der Industriearbeiter von der Sozialdemokratie, immerhin im Februar 1890 stärkste Partei geworden, getrennt und mit dem Staat versöhnt werden.

Neue Handels- und Außenpolitik

Bismarcks Nachfolger, Reichskanzler Graf Leo von Caprivi, betrieb auch eine offensivere Handelspolitik gegenüber seinem Vorgänger. Mit der Öffnung der Absatzmärkte für die deutsche Industrie und einer gleichzeitigen Auflockerung der bisherigen Schutzzollbestimmungen wurden die Voraussetzungen für den Aufschwung der deutschen Wirtschaft geschaffen. Verhängnisvoll jedoch wirkten sich die im Neuen Kurs vorgesehenen Veränderungen in der deutschen Außenpolitik aus, welche die diplomatischen Beziehungen zu den europäischen Mächten betrafen. Hier ist vor allem die Aufhebung des Rückversicherungsvertrages mit Russland zu nennen. Die neue Regierung war der Auffassung, ein solcher Vertrag mit Russland widerspreche den mit Österreich-Ungarn getroffenen Vereinbarungen und schütze das Deutsche Reich nicht vor einem französischen Angriff. Obwohl man russischerseits Zugeständnisse zur Aufrechterhaltung des Vertrages machte, beharrte das Deutsche Reich auf Ablehnung. Wilhelm II. war eher an einer Annäherung zu England interessiert und ein zustande gekommener Tauschvertrag zwischen England und dem Deutschen Reich über die Abtretung deutscher Gebiete in Ostafrika gegen die Insel Helgoland verdeutlichte die deutsche Favorisierung Englands als möglichen Bündnispartner. Angesichts der heiklen Interessenkonflikte im vorderen Orient bestanden zwischen Russland und Großbritannien schon seit längerem erhebliche Spannungen, welche Russland dazu bewegten, vermehrt Kontakt mit Paris aufzunehmen. Kurzum: Das ausgeklügelte Bismarcksche Bündnissystem, welches auf dem deutschen Saturiertheitsgedanken gründete, den Frieden gewähren und Kriege gegen Deutschland nicht zulassen sollte, hatte nicht länger Substanz.

Militärische Aufrüstung und Flottenbaugesetze

Der „Neue Kurs“ Kaiser Wilhelms II. betrieb einen Übergang Deutschlands zur Weltpolitik und eine auf Konfrontation zielende Handelspolitik. Dieser neue Antrieb nach mondialem Geltungsdrang rechtfertigte sich seitens des Kaisers besonders angesichts der kolonialen Besitzungen anderer europäischer Mächte. Warum, so lautete die Frage, sollte ein derartig erstarktes und geeintes Deutschland nichts „vom großen Kuchen abbekommen?“ Diese Einstellung ließen beim Kaiser, seiner Regierung sowie bei Führern in Wirtschaft und Großindustrie bald die Überzeugung reifen, dass zur Absicherung einer angestrebten Weltmachtstellung der Aufbau einer starken deutschen Kriegsflotte unerlässlich sei.

Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert: Wilhelmismus und Weltgeltungsdrang
Abb. 2: Admiral Alfred von Tirpitz. Hier zum Bildnachweis.
Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert: Wilhelmismus und Weltgeltungsdrang
Abb. 2: Admiral Alfred von Tirpitz. Hier zum Bildnachweis.

Grundstein dieser Auffassung war ein Flottenbauprogramm, welches seit 1897 von Admiral Alfred von Tirpitz, Staatssekretär im Reichsmarineamt, getragen wurde. Nahezu besessen von der Idee, als sichtbares Zeichen deutscher Weltmachtstellung eine starke Marine vorweisen zu können, entfachte sich mittels wohlgesetzter Propaganda eine wahre Marinebegeisterung in der deutschen Bevölkerung, sodass dem Admiral die zum Ausbau der Schlachtflotte benötigten erheblichen Etatgelder vom Reichstag bewilligt wurden. Als eigentlichen Gegner auf gleicher Augenhöhe war Tirpitz England stets ein Dorn im Auge. So wurde bereits 1900 ein zweites Flottengesetz verabschiedet, welches einen weiteren enormen Ausbau der deutschen Marine vorsah. Besonders in der deutschen Propaganda, wesentlich beeinflusst durch den Deutschen Flottenverein sowie den Alldeutschen Verband, eine völkische, nationalistische und militärische Bewegung, wurde der englandfeindliche Ton immer lauter.

Gleichzeitig formte sich auch in der englischen Presse ein hochgradiger Deutschenhass. Britisch-französische Absprachen über die Kolonialverteilung beider Länder in Afrika führten zu einem Abkommen, welches man als sogenannte Entente Cordiale (herzliches Einverständnis) bezeichnet. Ab 1907 um Russland zur Triple Entente erweitert, verkörperte diese eine Kriegspartei des Ersten Weltkriegs. Die Verständigung dieser beiden Kolonialmächte hielt man gerade angesichts ihres kolonialen Status für unvorstellbar. England forcierte fortan seine Flottenrüstung. Mit dem Bau schneller, gepanzerter und mit schwerer Artillerie bestückter Großkampfschiffe der „Dreadnought-Klasse“ befeuerte man in Deutschland die Flottenkonkurrenz mit England. Dennoch unternahm man beiderseits wiederholt Versuche, das Wettrüsten zu beenden und Absprachen über die Begrenzung von Kriegsschiffskontingenten zu erreichen. Auf deutscher Seite war dies vornehmlich Reichskanzler Theodor von Bethmann-Hollweg, nachdem dieser 1909 Fürst Bülow abgelöst hatte. Der neue Kanzler setzte auf einen Ausgleich mit England und versuchte, mittels Flottenbegrenzungsplänen das ausartende Wettrüsten in geordnete Bahnen zu lenken. Auch von britischer Seite versuchte man 1912 noch einmal einen Verständigungsversuch, welcher jedoch maßgeblich daran scheiterte, dass Kaiser Wilhelm II. nicht über seine Flotte verhandeln ließ, die „des Kaisers liebstes Kind“ gewesen ist.

Der Weg in den Krieg

Die Balkankriege

Wie kam es nun zu der Entfesselung des Ersten Weltkrieges? Sicherlich liegt ein Hauptgrund für die deutsche Kriegsteilnahme in den Bündnisverpflichtungen gegenüber Österreich-Ungarn, das bereits seit 1879 als Kernpunkt des Bismarckschen Bündnissystems galt. Allerdings zeichneten sich im Laufe der Jahre immer deutlicher die Schwierigkeiten ab, auf welche die Donaumonarchie in einer Zeit zuging, in der die einzelnen Balkannationalitäten immer lauter autonome Rechte forderten. Als Vielvölkerstaat hatte sich Österreich-Ungarn stark im südosteuropäischen Raum engagiert. Mit der Annexion der ehemaligen türkischen Provinzen Bosnien und Herzegowina 1908 verstrickte sich die Donaumonarchie immer stärker in die Interessenkonflikte des Balkangebietes, wo sie zunehmend auf russische Interessen und besonders den von Petersburg geschürten Panslavismus stieß. Die divergierenden Balkaninteressen kulminierten in den nach ihr benannten Balkankriegen 1912 und 1913, in denen einerseits die Auflösung des europäischen Herrschaftsgebiets der Türkei erzwungen wurde, daraufhin aber die Balkannationen über sich selbst herfielen, besonders als es um die Besetzung und Aufteilung Montenegros ging. Aus deutscher Sicht zeigte sich immer deutlicher, mit was für einem schwierigen Bündnispartner man es zu tun hatte.

Das Attentat von Sarajewo

Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert: Wilhelmismus und Weltgeltungsdrang
Abb. 3: Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich und seine Frau Sophie von Hohenberg am 28. Juni 1914.
Illustration der französischen Zeitung Le Petit Journal vom 12. Juli 1914.
Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert: Wilhelmismus und Weltgeltungsdrang
Abb. 3: Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich und seine Frau Sophie von Hohenberg am 28. Juni 1914.
Illustration der französischen Zeitung Le Petit Journal vom 12. Juli 1914.

Die Balkankriege erzeugten eine auf ganz Europa lastende unruhige Stimmung, welche vor allem durch lautstarke und kriegerische Pressetöne geschürt wurde. In dieser aufgeheizten Atmosphäre kam es am 28. Juni 1914 zur Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau. Der Mord besaß deshalb eine besondere Brisanz, weil er die zwischen dem Kaiserstaat und Serbien als dem Förderer der südslawischen Freiheitsbewegung entstandenen Spannungen zur Entladung brachte und damit die Existenz Österreich-Ungarns bedrohte. Bei dem Attentäter handelte es sich um das Mitglied einer slawischen Geheimorganisation. Der Thronfolger setzte sich für die Gleichberechtigung der slawischen Völker im Habsburgerreich ein.

Hätten sich seine föderalistischen Pläne später durchgesetzt, wäre den panslawistischen Freiheitsbewegungen die Grundlage ihrer Agitation entzogen worden. Nach der Ermordung drängte man in Wien, allen voran auf Betreiben Franz Graf Conrad von Hötzendorfs, auf einen raschen Schlag gegen Serbien. Lediglich die deutsche Zuversicherung einer Rückendeckung gegen Russland bedurfte noch der Bestätigung. Die deutsche Regierung sagte einem energischen Vorgehen gegen Serbien sofort zu. Die Einbindung der einzelnen europäischen Großmächte in die beiden sich seit langem gegenüberstehenden feindlichen Bündnissysteme führte dann letztlich in die Julikrise und damit zum Beginn des Ersten Weltkriegs. Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers war sicher nicht Grund, sondern Anlass für den Weg in den Krieg. Deutschland Weltanspruchsdenken unter seinem jungen Kaiser musste in Anbetracht der bereits weitgehend kolonial aufgeteilten Welt in einen Weltkonflikt führen, in dem sich ruckartig alle bestehenden Bündnissysteme aktivierten und den Weltkrieg entfachten. Sicherlich spielte die Konzentration auf die Donaumonarchie als einzigen verlässlicher Bündnispartner eine entscheidende Rolle für die derartige deutsche Involvierung in den ersten modernen Krieg auf europäischem Terrain, welcher angesichts des Einsatzes hochmoderner Waffen und neuester Maschinerie auch als die „Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts“ bezeichnet wird.

Bildnachweise [nach oben]
[1]
Public Domain.
[2]
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_134-C1743,_Alfred_von_Tirpitz.jpg – Unbekannt, CC BY-SA.
[3]
Public Domain.
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