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Französische Revolution

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Die Französische Revolution, 1789 bis 1799, gilt als einer der wichtigsten politisch-sozialen Wendepunkte in der europäischen Geschichte. Wo die absolutistische Herrschaft bis dato unangetastet regierte, Adel und Kirche weitreichende Vorrechte genossen, etablierte sich am Ende der bürgerliche Stand. Ursache für die revolutionären Ausschreitungen waren tief greifende soziale und wirtschaftliche Missstände (Hungersnöte, Zahlungsunfähigkeit des Staates). Auch die philosophische Epoche der Aufklärung, welche im 18. Jahrhundert erstmals zu einer Entstehung einer kritischen Öffentlichkeit beitrug, förderte die öffentliche Hinterfragung absolutistischer Herrschaft und kann als Grundbedingung der Revolution angesehen werden. Ferner ist die gelungene Amerikanische Revolution (1763-1776) insofern als Impuls anzusehen, dass ein grundlegender und nachhaltiger struktureller Wandel des Systems keineswegs unmöglich und das Ziel einer Republik mit den richtigen Mitteln erreichbar war.

Zum tragenden Element der Revolution wurde die französische Nationalversammlung, die 1789 die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte verabschiedete. Im Verlauf der weiteren europäischen Geschichte gehörte sie rückblickend definitiv zu den folgenreichsten und prägendsten Ereignissen. Weil am Ende Revolution sogleich die Abschaffung des feudalistischen Ständestaats bedeutete und es erstmals zur Überwindung der absolutistischen Herrschaft und zur Umsetzung von Menschenrechten kam, sorgte die Französische Revolution langfristig für Veränderungen in ganz Europa und trug maßgeblich zum modernen Demokratieverständnis bei.

#französischerevolution

Vorgeschichte und Ursachen

Hinsichtlich der Probleme, welche die Revolution auslösten, kann zwischen längerfristigen und akuten Problemen unterschieden werden. Als grundlegende, lang anhaltende Strukturveränderung in der französischen Gesellschaft kann die Entwicklung des Merkantilismus gesehen werden, der die immer noch auf feudalistischer Basis gründende Gemeinschaft in seinen Spielräumen einengte. In Verbindung mit der Aufklärung und dem Wandel des politischen Bewusstseins konnte die freie Entfaltung seiner wirtschaftlichen Möglichkeiten als Instrument zur Durchsetzung von Interessen nutzbar gemacht werden. Wesentlicher Leitgedanke der Aufklärung ist die Vernunft als das Maß aller Dinge, die im gesellschaftspolitischen Sinne auf die Ausdehnung von Handlungsfreiheit, den Abbau von Vorurteilen und die Garantie bürgerlicher Rechte abzielte. Probleme menschlichen Zusammenlebens ließen sich demnach nur in einer vernunftorientierten Gesellschaft lösen. Die Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika 1776 kann durch das verfassungsrechtlich verankerte demokratisch-republikanische Staatswesen als Modell einer Nationsentstehung im aufklärerischen Sinne angesehen werden. Für die Ereignisse von 1789 wirkte aber besonders die Zuspitzung von finanziellen Problemen der Krone sowie die Verweigerung des Adels, der notwendige Reformen blockierte. Besonders aber sorgte die Bauernmisere für ein Aufbegehren gegen die politischen Verhältnisse. Es fehlte am Nötigsten, wobei die Getreidespeicher der Grundherrn stets gut gefüllt waren. Eine Verdreifachung des Brotpreises verursachte, dass ein einfacher Handwerker zeitweise die Hälfte seines Einkommens allein für die Brotversorgung ausgeben musste. Dies verschaffte der Bevölkerungsmasse, angetrieben durch Frustration und Unzufriedenheit, die nötige nationale Aufmerksamkeit.

Phase 1 (1789-1791): Kampf um Rechte und der Dritte Stand

Gemäß der seit dem Mittelalter bestehenden Ständeordnung versammelte der Dritte Stand diejenigen Mitglieder der Gesellschaft, welche nicht den beiden privilegierten Ständen (Klerus, Adel) angehörten. Diese Kleinbauern, Handwerker, Heimarbeiter und Gesellen machten ca. 98 Prozent der Bevölkerung aus und trugen die alleinige Steuerlast, die sich aus dem enormen Finanzbedarf der Krone sowie dem verschwenderischen Leben der Obrigkeit generell ergab. Gerade diese waren es auch, welche die Nahrungsengpässe des Vorjahres am stärksten betrafen.

Zusammen mit den beiden anderen Ständen bildeten sie die sogenannten Generalstände, deren Hauptaufgabe die Steuerbewilligung war. Während des Absolutismus (1614-1789) verlor die Ständeversamm-lung an Bedeutung und wurde erst im ersten Revolutionsjahr, nach 175 Jahren, wieder einberufen (Einberufung der Generalstände). Zur Einberufung der Stände war es auf Druck der Privilegierten gekommen, aber auch der Dritte Stand erwartete sich von der Versammlung Großes, schließlich machte er 95 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. In sogenannten Beschwerdeheften, die zu solchen Anlässen den Repräsentanten des Standes mitgegeben wurden, forderte die Bauernschaft Erleichterungen bei den Abgaben sowie die Einführung von Sonderrechten, die großenteils noch die Grundherren beanspruchten. Auf bürgerlicher Seite schlug man bereits den Kurs der Umgestaltung der Monarchie nach englischem Vorbild ein. Gemeinsames Anliegen von Bauern und Bürgern war die Besserstellung gegenüber den oberen Ständen.

Mit der Verdoppelung der Abgeordnetenzahl erfüllte der amtierende König Ludwig XVI. zwar eine Forderung des Dritten Standes, mehrheitlich beharrten die privilegierten Stände aber auf dem gewöhnlichen Tagungs- und Abstimmungsmodus, was eine getrennte Abstimmung und eine je einheitliche Stimmabgabe pro Stand bedeutete. Der niedere Klerus, der allgemein relativ nah zum Volk stand, begann in seiner Front zu wackeln, als sich seit dem 12. Juni mehrere Delegierte dem Dritten Stand anschlossen.

Französische Revolution: Französische Revolution
Abb. 1: Der Ballhausschwur. Historiengemälde von Jacques-Louis David, 1791.
Französische Revolution: Französische Revolution
Abb. 1: Der Ballhausschwur. Historiengemälde von Jacques-Louis David, 1791.
Da sie sich zusammen der Vertretung von nahezu 96 Prozent der Bevölkerung bewusst waren, gaben sie sich fortan den Namen Nationalversammlung1 mit der Aufforderung an die anderen Stände, sich ihnen anzuschließen. Mit knapper Mehrheit folgte der Klerus, wohingegen der Adel weitgehend die Erhaltung der alten Ordnung befürwortete. Dritter Stand und kirchliche Vertreter schworen im Pariser Ballhaus, ihre Vereinigung nicht zu brechen, solange bis eine neue Verfassung konzipiert wäre (Ballhausschwur).

Die Versammelten verweigerten jeden Befehl des Königs, die Zusammenkunft zu beenden. Nach seiner Drohung, die Zusammenkunft notfalls auch mit Waffen zu beenden, wechselten auch die Adligen in Anbetracht des drohenden Gewaltpotentials auf die Seite der Nationalversammlung. Seiner politischen Unterstützung beraubt gab der König nach und befahl schließlich die Mitwirkung der Vorrechte genießenden Stände.

In den Folgetagen des Ballhausschwurs kommt es erstmalig in Frankreich zu Demonstrationen. Auch die Hungersnot hielt an, was den Strom verarmter Bauern nach Paris nicht unterbricht und die Stimmung in der Stadt zusätzlich anheizt.

1 Nation bedeutet: gemeinsame, Kultur, Sprache und Geschichte; Kriege aufgrund von Nationalitätenkonflikten gibt es so gesehen erst seit 1789.

Der große Volksaufstand – Sturm auf die Bastille

Die Auflehnung - der Brotpreis hatte sich noch einmal verschlechtert - führte die Wahlmänner der Pariser Stadtverwaltung dazu, eine Bürgermiliz zu formieren, die spätere Nationalgarde. Missernten und die damit verbundene Teuerung von Nahrungsmitteln traf die Kleinbauern besonders hart. So zogen schon im ersten Revolutionsjahr vielerorts Bettler umher, welche mit heftigen Drohungen auftraten. Die Pariser Unterschicht war schon immer für Revolten gut gewesen. Nun sorgten die frustrierten Vagabunden dafür, dass sich auf dem Land die sogenannte Große Furcht (Grande Peur) entwickelte. Ziel der bäuerlichen Angriffe war es, die Archiv-Urkunden zu vernichten, in denen die Herrenrechte verbrieft waren, und den Grundherren den Verzicht auf ihre Feudalrechte abzuverlangen.

Der Volkszorn war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Immer auf der Suche nach weiteren Waffendepots stürmte man die Bastille im Norden von Paris (14. Juli 1789), wo man unmittelbar weitere Sympathisanten für die Entmachtung des absolutistischen Königs gewinnen konnte. Weil diese befestigte Stadttorburg die königliche Herrschaft symbolisierte, kennzeichnet der Sturm auf die Bastille den eigentlichen Beginn der Revolution.

Sturz der Feudalherrschaft und Erklärung der Menschenrechte

Die Ergebnisse der nächtlichen Sitzung der Nationalversammlung, welche vom vierten auf den fünften August stattfand, kamen vielen Forderungen der aufständischen Bauern entgegen. Leibeigenschaft, Steuerbefreiung der ersten beiden Stände, sowie die Käuflichkeit von Ämtern und die grundherrliche Gerichtsbarkeit wurden aufgehoben. Am 26. August erklärte die Nationalversammlung die Menschen- und Bürgerrechte, wobei besonders die Freiheit eines jeden Menschen, die Pressefreiheit und das Recht auf freie Religionswahl zu unterstreichen sind. Entgegen einer Entspannung aber eskalierte die Lage. Als es dem König 1791 zu gefährlich erschien im Land zu bleiben, versuchte er, mit seiner Familie nach Deutschland zu fliehen. Allerdings wurde er bald erkannt und zurück nach Paris gebracht.

Die neue Verfassung

Eine neue Verfassung wurde am dritten September 1791 verabschiedet und sah die Gewaltenteilung vor. An der Spitze dieser Pyramide stand der König, welcher ein Vetorecht besaß, Minister ernennen und entlassen konnte. Auch wurde die Nationalversammlung neu konstituiert, wozu aber nur Männer über 25 Jahren und mit einer bestimmten Steuerleistung wahlberechtigt waren. Der neu gewählte Kongress sah sich schon bald vor einem neuen Problem, nämlich möglichen kriegerischen Konflikten gegen das monarchische Europa vorzubeugen.

Phase 2 (1792-1794) – Auf Bedrohung folgt die Republik

Durch die Abschaffung des Feudalwesens in Frankreich sahen auch einige Fürsten im Ausland ihre Ansprüche gefährdet. Bei seinem Fluchtversuch warb der französische König um Unterstützung der Monarchen Europas. Nach gut einmonatiger Beratung erklärten der österreichische Kaiser Leopold II. und der preußische König Friedrich Wilhelm II. die Lage in Frankreich zum gemeinsamen Interesse aller europäischen Könige. Sollte es zu einer Koalition der Mächte kommen, so könnte ein militärisches Eingreifen im Sinne Ludwigs XVI. in Aussicht gestellt werden. Die französischen Revolutionäre empfanden die monarchischen Pläne als weitere Bedrohung durch den obrigkeitlichen Stand Europas.

Radikalisierungstendenzen

Was waren die Ursachen, welche die folgende radikale Phase bis zum Sommer 1794 bewirkten? Historiker bewerten die französische Stimmung, die sich im Sturm auf die Bastille erkennen ließ, als eine besonders revolutionäre. Diese habe sich erst nach der Festigung aller revolutionären Forderungen wieder gelegt. Diese französische Revolutionsmentalität entstand aus drei Gründen:

  • Die Furcht vor einem Aufstand der Aristokratie
  • Die (festigende) Selbstorganisation von Volksgruppen}
  • Der Wille zur Bestrafung von Widersachern an der revolutionären Sache

Die nun einmarschbereit stehenden Kontingente Österreichs und Preußens hatten zum Ziel, die könig-liche Familie aus der Gefangenschaft zu befreien sowie Ludwig XVI. samt aller Rechte wiedereinzusetzen. Das Wissen um die zugesicherte Unterstützung des Königs durch preußische und österreichische Armeen sorgte für eine weitere Radikalisierung des Revolutionsverlaufs.

In Paris gab ferner die Kommunenbildung (Pariser Kommune) und das Drängen auf die endgültige Absetzung des Königs ein Zeugnis von der extremistischen Stimmung ab. Die Pariser Kommune verjagte die bisherige Stadtverwaltung und trat an deren Stelle. Mit der revolutionären Kommune von Paris war neben die Nationalversammlung ein rivalisierendes politisches Organ getreten, das in der Folgezeit maßgeblichen eigenen Einfluss beanspruchte.

Die europäischen Mächte Preußen und Österreich konnten durch das nun beträchtlich angewachsene französische Revolutionsheer in der Kanonade von Valmy (1792) gestoppt werden. Bis auf Weiteres war nun eine äußere Bedrohung abgewendet worden.

Unter dem neuen Begriff Nationalkonvent2 machten sich die politischen Vertreter der Revolutionäre an die Ausarbeitung einer neuen Verfassung. Dem neuen Konvent sollte vorläufig die Ausführung sämtlicher staatlicher Gewalt obliegen, die Abschaffung der Monarchie sollte beschleunigt und die Gründung der Republik rasch vollzogen werden.

Im Nationalkonvent stießen allerdings gewichtige Interessen aufeinander. Die sogenannten Girondisten standen vornehmlich auf der Seite der Wirtschaftsbourgeoisie und verfügten besonders über prominente, wohlhabende Mitglieder in ihren Reihen. Die rivalisierende, in höheren Reihen sitzende und deshalb Bergpartei oder Montagnards genannte Fraktion gehörte ebenfalls zu der Schicht des mittleren und gehobenen Bürgertums. Ihre führenden Köpfe unterhielten - im Gegenteil zu den Girondisten - gute Beziehungen zu den Kommunen, ja öffneten sich zunehmend deren Interessen und machten sich zu ihren Wortführern.

Französische Revolution: Französische Revolution
Abb. 2: Hinrichtung Ludwigs des XVI. Kupferstich aus dem Jahr 1793.
Französische Revolution: Französische Revolution
Abb. 2: Hinrichtung Ludwigs des XVI. Kupferstich aus dem Jahr 1793.
In der Mitte zwischen Girondisten und Bergparteilern befand sich jene Mehrheit, die sich keinem Lager zuordnete und je nach politischer Großwetterlage mal für die eine, mal für die andere Partei stimmte. Die Frage, wie mit dem inhaftierten König zu verfahren sei, drängte förmlich auf die Tagesordnung. Nachdem ein Briefwechsel des Königs mit revolutionsfeindlichen Fürsten entdeckt wurde, erwies sich der Hochverratsprozess als unvermeidlich. Eine Mehrheit im Konvent, die sich gegen die Girondisten durchsetzte, beschloss die Guillotinierung Ludwigs im Januar 1793.

Aufgrund der heftigen außenpolitischen Reaktion, welche die Königs-Exekution in Europa auslöste, wurde die Angst einer weiteren Invasion durch die monarchischen Fürsten geweckt. Die weiter beschlossenen Truppenaushebungen stießen jedoch auf vehemente Ablehnung beim Volk, was erstmalig zu vehementen gegenrevolutionären Strömungen innerhalb der Revolution führte. Pariser Arbeiter und Kleinbürger, die wegen ihrer auffallenden Kniebundhosen (frz. Culottes) Sansculotten genannt, wurden politisch bedeutsam, weil sie als Vertretung des Pariser Proletariats nun die radikalen Jakobiner als linken Flügel der Revolutionsführerschaft unterstützten.

Französische Revolution: Französische Revolution
Abb. 3: Männer mit Jakobinermützen.
Schön zu erkennen ist die Culotte des Trommlers in der Mitte.
Französische Revolution: Französische Revolution
Abb. 3: Männer mit Jakobinermützen.
Schön zu
erkennen ist die Culotte des Trommlers in der Mitte.
Die Jakobiner und ihr führendes Mitglied Maximilien de Robespierre waren im Wesentlichen für die Radikalisierung der Revolution bis 1794 verantwortlich. Robespierre bemühte sich in seiner politischen Tätigkeit um die Durchsetzung aufklärerischer Ideale im politischen Bereich. Vom französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau beeinflusst, wonach alle Mitglieder einer Gemeinschaft einen Gemeinwillen, den volonté generalé erzeugen, setzt Robespierre all diejenigen, die diesen Gemeinwillen negieren, mit Gegnern der Republik gleich. Feinde der Republik haben demnach nur die Wahl zwischen einer Änderung ihrer Überzeugungen oder dem Tod, was den Terror und die Unterdrückung dieser Kräfte rechtfertige. Die Terrorherrschaft begriffen die Jakobiner als notwendiges Übel. Je grausamer gegenüber Verrätern, desto wohltätiger gegenüber den Bürgern der Republik, so ihr Credo.

Nachdem zwischen März 1793 und Juni 1794 über 1500 Todesurteile verhängt wurden, Robespierre an seinem „Säuberungswellen“ festhielt, artete der willkürliche Terror allmählich aus, sodass auch jeder im Konvent betroffen sein konnte. Hinsichtlich politischer Perspektiven hatten die Jakobiner keinen Entwurf für einen Ausgang aus der Krise, die Terrorherrschaft blieb ihr einziges Machtmittel. Um einem Ausufern der Gewalt ein Ende zu setzen, entschloss sich die Parlamentsmehrheit, den Revolutionsführer Robespierre zu entmachten und festzunehmen. Sicherlich spielte dabei auch die Sicherung von Machtinteressen eine grundlegende Rolle.
Die radikale Zeit der Revolution endete sodann mit der Hinrichtung des führenden Mitglieds der Jakobiner, der wesentlich für den Grande Terreur der Jahre 1793/94 verantwortlich war.

2 Im Grunde die dritte Nationalversammlung.

Phase 3 (1795-99) – Die Direktorialzeit

Die folgende und letzte Phase der Französischen Revolution etablierte im September 1795 eine neue Verfassung, die erstmalig ein Zweikammersystem, bestehend aus einem Rat der 500 und einem Rat der Alten (250 Mitglieder), realisierte. Letzterer wählte aufgrund einer Vorschlagsliste des Rates der 500 ein aus fünf Mitgliedern bestehendes Direktorium, das die Exekutive bildete und die Minister der einzelnen Ressorts bestimmte. Auch war deren Zustimmung zur Gesetzesvorlage notwendig. Um die Fortdauer der neuen Machtverhältnisse zu sichern, hatte der Konvent in einer Zusatzbestimmung festgelegt, dass zwei Drittel der neuen Abgeordneten aus den Reihen der bisherigen Volksvertreter stammen mussten.

Sozialistische und royalistische Opposition

Eine erneute, die Benachteiligung fürchtende Kraft organisierte schon bald einen neuen Volksaufstand. So präsentierte der Frühsozialist Babeuf ein fundamental entgegengesetztes Gesellschaftskonzept, welches unter anderem gemeinschaftliche Arbeitsorganisation sowie die Verfügung über alle Arbeitsmarktprodukte beinhaltete. Babeuf und seine Unterstützer wurden jedoch als Verschwörer verhaftet und später zum Tode verurteilt.

Die Festnahme von Sprechern der sozialistischen Bewegung sorgte für eine Stärkung der Royalisten, wie die Wahlen im April 1797 zeigten. Fortan waren drei der fünf Direktoren bestrebt, mit Unterstützung von Truppen unter anderem des Generals Bonaparte einen Staatsstreich herbeizuführen, um einer möglichen royalistischen Wende vorzubeugen. Es kam zu einer militärischen Besetzung von Paris, zwei Direktoren und einige Abgeordnete wurde festgenommen sowie die Wahlergebnisse für ungültig erklärt.

Napoleon und die Verfestigung der Revolutionsforderungen

Französische Revolution: Französische Revolution
Abb. 4: General Bonaparte vor dem Rat der Fünfhundert in Saint Cloud am 10. November 1799 (Gemälde von François Boucher aus dem Jahr 1840).
Französische Revolution: Französische Revolution
Abb. 4: General Bonaparte vor dem Rat der Fünfhundert in Saint Cloud am 10. November 1799 (Gemälde von FranÇois Boucher aus dem Jahr 1840).

Neue wirtschaftliche Miseren, besonders der Preisverfall landwirtschaftlicher Produkte, brachte die Bevölkerung gegen die Politik des Direktoriums auf. Sieyès, Mitglied des Direktoriums, suchte sich bei der Armee Unterstützung, um ein Kippen der Stimmung im Land zu verhindern. Diese fand er sogleich bei General Bonaparte. Als Kommandant der Pariser Truppen zwang dieser die beiden gesetzgebenden Kammern, einer Abschaffung der geltenden Verfassung zuzustimmen. Napoleon Bonaparte installierte umgehend ein Dreier-Kollegium und übernahm faktisch die Macht dieser neuen, provisorischen Regierung. Eine neue Verfassung erklärte er im Dezember 1799 mit den Worten: „Bürger, die Revolution ist auf die Grundsätze gebracht, von denen sie ausgegangen ist; sie ist beendet.“

Ausblick

Dass Napoleon auf die Macht des Revolutionsheeres vertrauen konnte, sorgte im Wesentlichen für seinen Aufstieg und die weitere Machtsicherung. Mit der Garantie, dass sämtliche Besitzverschiebungen innerhalb der Revolution erhalten bleiben sollten, also dass ehemals königlicher oder adliger Besitz in der Hand derer blieb, die ihn im Verlauf der Revolution erworben hatten, war eine wichtige Voraussetzung für die Herstellung des sozialen Ausgleichs geschaffen worden.

Französische Revolution: Französische Revolution
Abb. 5: Seite 1 der Erstausgabe des Code civil von 1804.
Französische Revolution: Französische Revolution
Abb. 5: Seite 1 der Erstausgabe des Code civil von 1804.

Feudale Restaurationsansprüche erklärte der Code Civil als Bürgerliches Gesetzbuch im März 1804 für immer für nichtig. Somit waren auch die Grundlagen zu einer dauerhaften Sicherung des Eigentums und der Anerkennung sozialer Gleichheit geschaffen worden. Die Rechtsgleichheit aller Franzosen war kodiert worden. Das Gesetzbuch wurde auch in anderen durch Staaten, die von Frankreich von 1807 bis 1814 dominiert wurden, eingeführt. In Deutschland erlangte der Code Civil erheblichen Einfluss auf Gesetzgebung und Rechtspraxis.

Bildnachweise [nach oben]
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