Inhalt
Smarter Learning!
Inhalt
Bundesland, Schulart & Klasse
Bundesland, Schulart & Klasse
BW, Gymnasium (G9)
Baden-Württemberg
Berufl. Gymnasium (AG)
Berufl. Gymnasium (BTG)
Berufl. Gymnasium (EG)
Berufl. Gymnasium (SGG)
Berufl. Gymnasium (TG)
Berufl. Gymnasium (WG)
Berufskolleg - FH
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Hauptschule
Realschule
Werkrealschule
Bayern
Fachoberschule
Gymnasium
Mittelschule
Realschule
Berlin
Gymnasium
Integrierte Sekundarschule
Brandenburg
Gesamtschule
Gymnasium
Oberschule
Bremen
Gymnasium (G8)
Oberschule (G9)
Hamburg
Gymnasium
Stadtteilschule
Hessen
Berufl. Gymnasium
Gesamtschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Haupt- und Realschule
Hauptschule
Realschule
Mecklenburg-Vorpommern
Gesamtschule
Gymnasium
Niedersachsen
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Integrierte Gesamtschule
Kooperative Gesamtschule
Oberschule
Realschule
NRW
Gesamtschule
Gymnasium
Hauptschule
Realschule
Sekundarschule
Rheinland-Pfalz
Gesamtschule
Gymnasium
Saarland
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Realschule
Sachsen
Gymnasium
Oberschule
Sachsen-Anhalt
Fachgymnasium
Gesamtschule
Gymnasium
Sekundarschule
Schleswig-Holstein
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Thüringen
Berufl. Gymnasium
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Regelschule
Klasse 13
Klasse 13
Klasse 12
Klasse 11
Klasse 10
Klasse 9
Klasse 8
Klasse 7
Klasse 6
Klasse 5
Fach & Lernbereich
Fachauswahl: Geschichte
Mathe
Deutsch
Englisch
Bio
Chemie
Physik
Geschichte
Geo
Lernbereich
Digitales Schulbuch
Abitur
Abitur
Abitur
Smarter Learning!
Schneller lernen mit deinem SchulLV-Zugang
  • Zugang zu über 1.000 Original-Prüfungsaufgaben mit Lösungen von 2004-2019
  • Alle Bundesländer und Schularten, empfohlen von über 2.300 Schulen in Deutschland
  • Digitales Schulbuch: Über 1.700 Themen mit Aufgaben und Lösungen
  • Monatlich kündbar, lerne solange du möchtest
Jetzt Zugang freischalten!

Sezessionskrieg und Go West

Skripte
Download als Dokument:PDF

Demokratie in Amerika

Die Amerikanische Revolution hatte den ehemaligen britischen Kolonien Unabhängigkeit und Selbstständigkeit gebracht. Das in der Unabhängigkeitserklärung (1776) von Jefferson verkündete egalitäre Prinzip (Gleichheit) und die in der Verfassung (1787) festgeschriebene Volkssouveränität schlossen jedoch von Anfang an nicht das ganze Volk ein, was vor allem, aber nicht nur, für die Schwarzen galt. Erst in den 1820er Jahren nahm der politische Einfluss des „gemeinen Mannes“ zu. Es begannen die Wahlkämpfe mit größeren und gut organisierten Parteimaschinerien, in denen politische Programmpunkte formuliert wurden, die auf die wirtschaftlichen Sorgen breiter Schichten eingingen. Gelegentlich gelangte jetzt auch ein Mann aus dem Volk in höhere Ämter.

Etwas anders lagen die Dinge in neu besiedelten Westgebieten, wo für jeden die gleiche Ausgangsposition bestand und wo alle männlichen Weißen bzw. alle Steuerzahler das Wahlrecht besaßen. Eine starke gesellschaftliche Schichtung wie in Europa existierte in den USA ohnehin nicht. Auch in den östlichen Bundesstaaten entfielen nun nach und nach die Zensusbestimmungen.

Der allgemeine Demokratiesierungsprozess ließ sich an der steigenden Wahlbeteiligung ablesen (bei der Präsidentschaftswahl von 1824 lag sie bei knapp 25 %, bei der von 1840 erreichte sie 78 % und daran, dass immer mehr gewählt werden durfte (Präsidentschaftskandidaten, Wahlmänner, Staatsdiener). Diese Entwicklung war verzahnt mit der Verbesserung der Kommunikations- und Transportwege, einem wachsenden Binnenmarkt und erster Industrialisierung.

Die Wahl Andrew „Old Hickory“ Jacksons zum Präsidenten im Jahre 1828 stand symbolhaft für den Aufstieg des einfachen Mannes aus eigener Kraft – angeblich stammte Jackson aus einer Blockhütte in North Carolina, wuchs aber eigentlich bei seinem Onkel auf, einem wohlhabenden und einflussreichen Grund- und Sklavenbesitzer.

Als Präsident war Jackson für die gewaltsame Vertreibung der Cherokee und anderer Indianervölker auf dem Pfad der Tränen (Trail of tears) nach Westen über den Mississippi verantwortlich (Indian Removal Act, 1830).

Die wohl wichtigste Frage seiner Präsidentschaft war die nach dem Verhältnis zwischen der Unionsregierung und den Einzelstaaten. Der sich industrialisierende Norden war in der Zollfrage für hohe Tarife, um so die eigene Produktion zu schützen. Der Baumwolle produzierende Süden favorisierte niedrige Tarife, weil Schutzzölle erstens zur Verteuerung von Fertigwarenprodukten führen würden und zweitens entsprechende Gegenmaßnahmen aus dem Ausland den eigenen Baumwollexport gefährden würden. Schließlich kulminierte der wirtschaftliche Interessenkonflikt in der Verfassungsfrage, als separatistische Bestrebungen in South Carolina das Problem aufwarfen, ob Gesetze der Zentralregierung in Washington „nullifiziert“, also außer Kraft gesetzt werden dürfen. Die Nullifikationskrise von 1832/33 brachte die USA bereits an den Rand eines Bürgerkriegs, der hier freilich noch abgewendet werden konnte.

Manifest Destiny

In den 1840er Jahren expandierten die Amerikaner über die Staaten Arkansas und Missouri hinaus gen Westen. Die dort liegenden Territorien waren bis zu den Rocky Mountains den Indianern zur „ewigen“ Nutzung überlassen worden. Von der Landnahme versprachen sich die Amerikaner nutzbare Bodenflächen sowie den Aufbau von pazifischen Handelsbeziehungen mit Ostasien. „Go West“ stand im Einklang mit dem amerikanischen Selbstverständnis, das mit dem Glauben an die eigene Mission gerechtfertigt wurde. Aus der puritanischen Gewissheit des Erwähltseins (Prädestination) war die Überzeugung erwachsen, dem amerikanischen Volk sei von der Vorsehung aufgetragen, der Menschheit republikanische Freiheit vorzuleben. Damit war es nur logisch, so viele Gebiete und Menschen wie möglich einzubeziehen. Ein New Yorker Journalist, John L. Sullivan, prägte 1845 die Bezeichnung „manifest destiny“ (offenkundige Bestimmung) für diesen Missionsgedanken.

So zogen ab 1841 Tausende Amerikaner und europäische Immigranten in Karawanen mit planengedeckten Wagen auf dem „Oregon Trail“ Richtung Westen.

Nach einem siegreichen Eroberungskrieg gegen Mexiko (1846-48) erhielten die USA außerdem die Gebiete New Mexiko und Kalifornien sowie das Land bis zur neu geschaffenen Rio-Grande-Grenze dazu.

Der Bürgerkrieg

Die „besondere Einrichtung“

Die amerikanische Wirtschaft war zur Jahrhundertmitte geographisch unterschiedlich entwickelt. So war der Nordosten geprägt von Einwanderung und Industrialisierungsprozessen. Er war wirtschaftlich am dynamischsten und volkreicher als der Süden. Im Westen trieb man vor allem Viehzucht und Ackerbau und war auf Fertigprodukte aus dem Norden angewiesen. Einwanderer aus Europa strömten fast ausschließlich in jene zwei Gebiete. Grundsätzlich anders aufgestellt war der Süden, denn hier gab es die Sklaverei, die beschönigend als „peculiar institution“ bezeichnet wurde. In kolonialen Zeiten hatte es auch im Norden Sklaverei gegeben, die nach der Revolution aber allmählich abgeschafft wurde. Die neu hinzugekommenen Bundesstaaten im Norden (Ohio, Indiana, Illinois, Michigan, Wisconsin) waren ebenfalls sklavenfrei. Da die Regelung der Sklavereifrage laut Unionsverfassung den Einzelstaaten überlassen blieb, breitete sie sich nach Südwesten aus. So wurde die Sklaverei zur trennenden Einrichtung zwischen Nord und Süd.

Zur Sonderentwicklung des Südens trug auch die Erfindung des mechanischen Baumwollentkörners durch Eli Whitney im Jahre 1793 bei. In der Folge wurden die Anbauflächen vergrößert, sodass sich eine Wirtschaft herausbildete, die auf Sklaven angewiesen war. Die Baumwollkultur war aber sehr arbeitsintensiv und so vergrößerte sich deren Anzahl. Das Verhältnis zwischen Weißen und schwarzen Sklaven blieb durchweg konstant bei 2/3 zu 1/3 (1860 lebten im Süden 7 Millionen Weiße und 3,8 Millionen Schwarze). Knapp 1/4 der weißen Haushalte besaß Sklaven und wer zur Pflanzeraristokratie zählte, nannte fünfzig und mehr von ihnen sein Eigen. Es gab dabei auch freie Schwarze, wobei ihr zahlenmäßiges Verhältnis zur Sklavenbevölkerung etwa 1 zu 10 betrug.

Dass die Ökonomie des Südens eine Sklavenwirtschaft war, sagt nichts darüber aus, ob unfreie Arbeit als Methode eigentlich wirtschaftlich war. Die Sklaverei drückte jedenfalls die Löhne und behinderte die Entwicklung anderer Wirtschaftszweige. Trotzdem solidarisierte sich die weiße Mehrheit mit der sklavenbesitzenden Minderheit, wohl weil die Gesellschaftsordnung den Weißen eine Sonderstellung zusprach und ihren Rassismus in den sozialen Verhältnissen festschrieb.

In der Geschichtsforschung gibt es nach wie vor Debatten um den Charakter der Sklaverei; wie die Sklaven behandelt wurden, welche Formen eigener Kultur sie bildeten, ob diese afrikanisch oder amerikanisch geprägt war, wie ihr gesellschaftliches und familiäres Leben geprägt war - das alles ist Gegenstand historischer Diskussionen.

Am Vorabend des Amerikanischen Bürgerkriegs gab es im Abendland ansonsten nur auf Kuba und in Brasilien Sklaverei.

Der Konflikt bahnt sich an

Nicht vom gesamten Norden wurde die Sklaverei widerspruchslos hingenommen. Die Abolitionisten (englisch abolition, Abschaffung), eine Minderheitenbewegung, lehnten sie aus moralischen und religiösen Gründen ab. Sie argumentierten vor allem mit dem aufklärerischen Naturrecht, der Botschaft Christi und den Fluchtversuchen von Sklaven. Dagegen verwiesen die Apologeten ebenfalls auf Bibelstellen sowie die antiken Gesellschaften, führten pseudowissenschaftliche Argumente ins Feld und sprachen von menschenwürdigen Bedingungen verglichen mit europäischen Arbeitern sowie der gesellschaftlichen Harmonie im Süden statt Unruhen wie in Europa.

Zur moralischen Ablehnung der Sklaverei traten vor allem ab Ende der 1840er Jahre politische und wirtschaftliche Gründe. Der Ausbreitung der Sklaverei nach Westen in die neuen Staaten sollte Einhalt geboten werden („free soil movement“), um den Boden selbst zu besitzen und das Preisniveau der Produkte hochzuhalten. Gleichwohl herrschte auch im Norden Rassendiskriminierung im Berufsleben, in der Schule, im öffentlichen Transport, in der Kirche, bei politischen Rechten usw.

Im Missouri-Kompromiss (1820) war eine geographische Trennlinie (36 Grad 30' Nord) festgelegt worden, auf deren südlicher Seite Sklaverei zugelassen war. Es ging darum, das Gleichgewicht zwischen sklavenfreien und Sklaven haltenden Staaten zu wahren. Ein zweiter Kompromiss von 1850 nahm dann Kalifornien als sklavenfreien Staat in die Union auf, was das Verhältnis zugunsten der sklavenfreien Staaten verschob. Zusätzlich fühlte sich der Süden provoziert, weil ein Entlaufenengesetz, welches das Einfangen geflohener Sklaven sichern sollte, vom Norden nicht richtig oder gar nicht eingehalten wurde.

1854 wurde der Missouri-Kompromiss faktisch aufgehoben. Im neu entstandenen Kansas kam es anschließend zum Grenzkrieg zwischen Befürwortern und Gegnern der „besonderen Institution“. Kansas erhielt 1859 eine freistaatliche Verfassung und erhielt 1861 Aufnahme in die Union.

Der Supreme Court hob den Missouri-Kompromiss 1857 auch verfassungsrechtlich auf, indem er beschloss, dass der Kongress nicht das Recht besitze, Sklaverei in den Territorien auszuschließen. Im selben Jahr brach eine Finanzpanik aus, die Amerika in eine wirtschaftliche Depression stieß, aus der schließlich die erste Weltwirtschaftskrise entstand.

Die Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten (1860) rief im Süden wiederum Enttäuschung hervor, sollte doch fortan ein Protektionist die Geschicke des Landes führen, der überdies die Sklaverei in den Territorien (Gebiete, die Teil der USA, aber kein Bundesstaat waren) grundsätzlich verbieten wollte.

South Carolina brachte den Stein im Dezember 1860 endgültig ins Rollen, als es die Sezession beschloss, d. h. die Loslösung von der Union. Es folgten die Staaten Mississippi, Florida, Alabama, Georgie, Louisiana und Texas, die mit South Carolina im Februar 1861 die Confederate States of America ins Leben riefen, mit Jefferson Davis als deren provisorischem Präsidenten. Übrigens hatte Lincoln sein Präsidentenamt noch gar nicht angetreten. Es regierte bis dahin der Demokrat James Buchanan.

Kriegsbeginn

Der Bürgerkrieg begann schließlich mit dem Streit um die Verproviantierung einer Bundesfestung nahe Charleston, der Hauptstadt South Carolinas. Das Fort Sumter mit seiner unionstreuen Besatzung benötigte neue Verpflegung, die ihm die Regierung Lincoln auch liefern wollte. Die Konföderierten aber, die das als Eingriff in ihre Hoheitsrechte sahen, eröffneten das Feuer auf das Fort.

Lincoln reagierte mit einem Appell an das Land, Truppen für den Erhalt der Union bereitzustellen, woraufhin sich jetzt auch Virginia, Arkansas, Tennessee und North Carolina der Konföderation anschlossen (Mai 1865). Virginia spaltete sich und das neu entstandene West Virginia suchte Anschuss an die Union, wie auch die Sklavenhalterstaaten Maryland, Delaware, Kentucky und Missouri.

Voraussetzungen

Zum Ausbruch des Bürgerkriegs hatten politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen beigetragen. Jetzt wurde ein Konflikt entfesselt, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Im Sinne von schierer Masse und Technik war es der erste moderne Krieg und es war der erste Krieg, der zwischen zwei demokratischen Parteien ausgefochten wurde. Massenarmeen, Eisenbahnen, Telegraphie, Dampfschiffe, Ballone, Schützengräben, auch vereinzelt schnell feuernde Repetiergeschütze (eine Art „Maschinengewehr“ waren Teil der Kriegsführung.

Den 22 Millionen Menschen aus 23 Nordstaaten konnte der Süden 9 Millionen Menschen aus 11 Staaten entgegenhalten, von denen allerdings ein Drittel Sklaven waren. Auf lange Sicht war also klar, wer das höhere Truppenpotential hatte. Dazu kamen wirtschaftliche Faktoren: Besonders industriell war der Norden überlegen, was sich auch in den Eisenbahnkilometern ausdrückte. Auf See gelang es dem Süden ebenfalls nicht gleichzuziehen.

Beiderseits wurde versucht, alles zu mobilisieren. Erstmals erhob der Staat, sowohl Union als auch Konföderation, eine Einkommenssteuer und führte die Wehrpflicht ein. Über Kriegsanleihen erschloss er sich neue Einnahmequellen. Durch Hasspropaganda sollte der Bürger zudem davon überzeugt werden, für die jeweils richtige Sache zu kämpfen.

Die Konföderation hatte außerdem den Nachteil, dass sie ein Staatenbund war, in dem die Einzelstaaten penibel darauf achteten, ihre Rechte zu wahren. Gegen den ohnehin überlegenen Norden bedurfte es aber eigentlich der Bündelung aller Kräfte, wollte man siegreich sein.

Deshalb hofften die Konföderierten auf eine Intervention von außen. Für Großbritannien sprach, dass es eine aristokratische Tradition pflegte, am Baumwollhandel interessiert waren und auf größeren Einfluss in Nordamerika hofften. Der andere Kandidat, Frankreich, hatte seinerseits kolonialistisches Interesse an Mexiko. Trotzdem gelang es der Konföderation nicht einmal, die volle diplomatische Anerkennung zu erreichen. Die Aussichtslosigkeit der Sezession, die sich auch in Großbritannien ausbreitende Stimmung gegen Sklaverei, das Interesse am amerikanischen Weizen sowie die Scheu vor einem Aufbrechen der unionistischen Seeblockade gegen die Konföderation waren Gründe hierfür.

Kriegsverlauf

Nach der für die Union siegreichen Schlacht am Antietam verkündete Lincoln 1862 die Emancipation Proclamation. Diese sprach alle Sklaven frei, die in den noch nicht (!) unter Unionskontrolle befindlichen Gebieten lebten. Das bedeutete, dass die Sklavenbefreiung zum erklärten Kriegsziel des Nordens wurde.

1863 gelang es General Ulysses S. Grant, von Illinois aus weit nach Süden vorzustoßen und dort die vom Wasser her gekommenen Unionstruppen zu treffen. Von der Quelle bis zur Mündung stand der Mississippi nun unter Kontrolle der Unionstruppen, was bedeutete, dass der Süden zweigeteilt war.

Andererseits feierte die Südarmee unter Robert E. Lee im Osten Erfolg um Erfolg gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner und kam bis Gettysburg in Pennsylvania, wo sie im Juli 1863 eine Niederlage erlitt, die sie zum Rückzug zwang. Fortan befand sich der Süden nur in der Defensive. Im Juni 1865 kapitulierten die letzten konföderierten Truppen.

Das Ergebnis

Die Bilanz des Amerikanischen Bürgerkrieges war verheerend. 1,5 Millionen Unionsbürger hatten gegen 1 Millionen Südstaatler gekämpft. Etwa 600.000 Menschen hatte der Krieg das Leben gekostet, wobei „nur“ knapp ein Drittel hiervon im Kampf fiel und der Rest an Krankheit, Hunger oder Epidemien zugrunde ging.

Neben den Leichenbergen war ein wirtschaftlicher Milliardenschaden entstanden. Besonders der Süden hatte gelitten: Sein Transportwesen war mit dem Eisenbahnnetz weitgehend zerstört, genauso wie die Landwirtschaft. Hass und Bitterkeit auf den Norden wurden noch größer.

Für die amerikanische Gesellschaft bedeutete dies eine gewaltige Hypothek, zumal sich innerhalb der Union wie der Konföderation bereits während des Krieges Korruption und andere soziale Mißstände aufgetan hatten.

Das politische Resultat lautete aber auch: Ende der Sklaverei und Erhaltung der Union, die von einzelstaatlichen Bestrebungen fortan nicht mehr gefährdet wurde.

Reconstruction

In der Reconstruction-Periode sollte der abtrünnige Süden sozial, politisch und wirtschaftlich wiederhergestellt und Versöhnung erreicht werden. Die Sklaverei wurde mit dem XIII. Verfassungszusatz abgeschafft und den ehemaligen Sklaven wurde die Staatsbürgerschaft (Artikel XIV) sowie das Wahlrecht (Art. XV) verliehen. Mit den „black codes“ versuchten die südlichen Gesetzgeber dennoch, die Rechte der Schwarzen erneut einzuschränken.

So konnte die Rassenproblematik nach dem Krieg nicht gelöst werden. Weil die ehemaligen Sklaven auch kein Landeigentum erhielten, verharrten sie in wirtschaftlicher Abhängigkeit. Als Tagelöhner waren sie auf den Plantagen jetzt oftmals schlechter dran als zuvor und als Pächter ohne Eigentum kredit-abhängig. Werkzeug, Zugtiere, Saatgut, Unterhalt - all das musste finanziert werden. Wo aber hätten die ehemaligen Sklaven Selbständigkeit lernen sollen?

Da die Industrialisierung in den vormaligen Konföderiertenstaaten nur schleppend voranging, blieb der Süden vor allem Rohstofflieferant für Nordost und Nordwest. Er wurde zum „Armenhaus der Nation“ und die Schwarzen die „Armenhäusler“ (Udo Sautter).

Die Reconstruction stellte auch den Übergang zu einer Periode des Laissez-faire dar, in der Washington gewähren ließ. Das brachte mit sich, dass die Freiheit der ehemaligen Sklaven ab den 1870er-Jahren willkürlich beschnitten wurde. In Beruf, Militär, Gewerkschaften, Verwaltungen usw. wurde den Schwarzen ihre Zweitrangigkeit deutlich gemacht. Dazu kam der Terror des rassistischen Ku-Klux-Klans, der in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts durchschnittlich über 100 ritualisierte Lynchmorde pro Jahr verübte.

1876 urteilte der Supreme Court, dass das XIV. amendment (s. o.) nur vor staatlicher Benachteiligung, nicht jedoch vor solcher durch Organisationen oder einzelne Personen schütze. Dies öffnete der Rassentrennung (Segregation) in den Südstaaten Tür und Tor. Das Gericht beschloss 1896, dass getrennte aber gleiche Einrichtungen (seperate but equal) verfassungskonform seien, was von einem Urteil aus dem Jahre 1899 in Bezug auf Schulen bestätigt wurde.

In allen Südstaaten wollten die Weißen unter sich sein, ob in Kirchen, Schulen, Parks, Krankenhäusern, Gefängnissen, Friedhöfen, Bussen oder Eisenbahnen. Überall wurden deshalb Jim-Crow-Gesetze (Jim Crow = Stereotyp des tanzenden, singenden, fröhlichen und infantilen Schwarzen) verabschiedet, die die Rassentrennung vorschrieben.

Das Wahlrecht, durch das XV. amendment unabhängig von Rasse und Hautfarbe gemacht, wurde systematisch eingeschränkt, indem die Südstaaten es an Steuerauflagen, Lesetests oder Wohnsitzverordnungen banden. Das Resultat war, dass die meisten Schwarzen von den Wahlen ausgeschlossen wurden.

Ende der frontier

Als Anfang des 17. Jahrhunderts die ersten Europäer über den Ozean kamen und in Amerika siedelten, entstand die frontier, die Grenze zwischen Kolonisten und Indianerstämmen, zwischen Zivilisation und Wildnis. Im Laufe der Zeit verdrängten die Amerikaner die Ureinwohner immer weiter ins Landesinnere, sodass die Siedlungsgrenze um 1800 bereits hinter dem Mississippi lag - jenseits begann der Wilde Westen. Das Jahr 1890 brachte mit der Eroberung des letzten Westens das Ende der frontier.

1893 stellte der amerikanische Historiker Frederick Jackson Turner die Frontierthese auf. Sie besagt, dass die amerikanische Sonderstellung innerhalb der Industrienationen von der Interaktion zwischen Zivilisation und Wildnis rühre. Die amerikanische Gesellschaft habe sich unter anderen Bedingungen entwickelt als die europäischen Gemeinwesen. Diese These ist umstritten. Tatsächlich aber regulierte die schiere Weite des Kontinents soziale Spannungen zwischen den Bewohnern und ermöglichte die Aufnahme der vielen Einwanderer aus Europa. Außerdem schuf die Grenzlandsituation ein bestimmtes Gefühl. Man war auf sich und seine eigenen Fähigkeiten alleine gestellt und soweit obrigkeitsfrei wie nur irgend möglich. Die Siedler, die Richtung Westen zogen, machten dort das Land urbar und trieben mit ihrem Pionier- und Erfindergeist die Industrialisierung sowie den Ausbau des Eisenbahnnetzes voran. Aufgrund all dieser Unterschiede konnten sich die USA im Gegensatz zu Europa zur Industrienation entwickeln, ohne dass nennenswerte sozialistische Organisationen oder Arbeiteparteien aufkamen.

Der letzte Westen, die verbliebene Grenze, die die Amerikaner im 19. Jahrhundert erobern sollten, war das Gebiet zwischen Minnesota und Oregon, zwischen Kansas und Kalifornien. Natürlich zogen die Karawanen nicht aus romantischen Gefühlen ins Ungewisse. Das Motiv war materieller Gewinn. Die wasserarme Prärie, die steinigen Rocky Mountains - das waren jedoch andere Voraussetzungen, härtere natürliche Bedingungen als in den vormaligen Grenzlanden. Die Prärie ließ sich aber sehr wohl als Weideland nutzen - es war auch die kurze Zeit der Cowboys - und in den Rockies fanden sich Edelmetalle, die diverse Gold- und Silberrausche auslösen sollten.

Die amerikanische Eroberung des letzten Westens ist vergleichbar mit dem europäischen Imperialismus. Überlegene Technik und Organisation sowie die große Anzahl der Siedler verdrängten die einheimische Bevölkerung - Leidtragende waren in diesem Fall die Indianerstämme, die ihrer Lebensgrundlage beraubt wurden.

Hatten 1865 noch etwa 15 Millionen Bisons 200.000 nomadisierende Indianer versorgt, existierten zwanzig Jahre später noch einige 100 Exemplare. Zuerst hatten sich „Sportler“ eine Art Spaß daraus gemacht, Büffel abzuschießen, danach waren Pelzjäger an den Tieren interessiert gewesen.

Verträge, in denen man den Prärieindianern Gebiete garantierte, hielten dem amerikanischen Landhunger (der Homestead Act [1862] garantierte jedem Siedler 64 Hektar Landbesitz kostenlos, wenn er sich auf ihm niederließ und fünf Jahre bearbeitete) nicht stand und wurden bald schamlos gebrochen. An Stämmen wie den Cheyenne oder den Sioux verübten die Amerikaner Massaker, ohne Frauen und Kinder zu schonen.

Letztlich wurden die Indianer in Reservaten mit minderwertigem Land zusammengefasst. Ihre hergebrachte Religionsausübung unterlag ab 1884 einem Verbot und ihre Stammeskultur wurde 1887 per Gesetz geschwächt. Erst 1924 erhielten die Indianer das Bürgerrecht und 1934 fassten die Amerikaner den Entschluss, die verbliebenen Reste ihrer Kultur zu bewahren.

1890 wies die Zensusbehörde nach, dass die Grenze verschwunden war. Damit hatten die Amerikaner im letzten Drittel des Jahrhunderts mehr Land genommen als zuvor in den Jahren seit der ersten Besiedlung. Die USA erstreckten sich fortan über alle Ländereien vom Atlantik bis zum Pazifik.

Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Folge uns auf
SchulLV als App