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Nationalsozialismus 1

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Anfang und Aufstieg des Nationalsozialismus

Nach der als schockierend erlebten Niederlage des Deutschen Kaiserreiches im 1. Weltkrieg bildeten sich verschiedene rechtsextreme, völkische, nationalistische und antisemitische Gruppierungen. Die Gründe hierfür waren die Enttäuschung über unerfüllt gebliebene Großmachtvorstellungen, der Zusammenbruch des Reiches im Zuge der Novemberrevolution, der als Diktatfrieden empfundene Versailler Vertrag und die wirtschaftliche Not über das Kriegsende 1918 hinaus. Die sich formierenden Parteien, Verbände und Organisationen teilten alle eine Ansicht: Schuld an der Misere seien nicht die Machthaber im Kaiserreich, sondern Kommunisten, Sozialisten, Bolschewisten und Juden. Letztere wurden gleichzeitig als Marxisten und raffgierige Kapitalisten gehandelt, die sich international organisierten und an einer Weltverschwörung beteiligt seien.

Gründung der NSDAP und Verbot

Eine dieser Gruppierungen war die 1919 vom Schlosser Anton Drexler gegründete Deutschen Arbeiterpartei, die sich 1920 in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannte. Im Februar 1920 legte diese Partei ein 25-Punkte-Programm vor, das Adolf Hitler zusammen mit Anton Drexler erarbeitet hatte. Es handelte sich um eine Mischung aus sozialistischen, nationalistischen und antisemitischen Ideen. Diese richteten sich besonders an das von Abstiegsangst bedrohte Kleinbürgertum und verhießen zahlreiche Versprechungen, wie etwa Vollbeschäftigung, großzügiger Ausbau der Altersvorsorge oder Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer an Großbetrieben. War das Programm 1920 noch relativ bedeutungslos, da die NSDAP eine kleine, vor allem in Bayern verwurzelte Partei war, blieben doch vier Punkte relevant: Die Forderungen nach einem Großdeutschland (der Vereinigung vom Deutschem Reich mit Österreich), der Aufhebung des Versailler Vertrags, der Erweiterung des Lebensraums und der Ausgrenzung der Juden.

Von vergleichbaren Gruppierungen hob sich die NSDAP mit ihrer Radikalität ab sowie mit ihrem am italienischen Faschismus orientierten Führerkult. Die Rolle des „Führers“ hatte schon früh Hitler inne, der 1921 Parteivorsitzender wurde und laut Parteisatzung unabhängig von Mehrheitsbeschlüssen des Vorstandes war. Die NSDAP war die lauteste antirepublikanische Partei, die sich jedoch als revolutionäre Bewegung verstand.

Um sich politisch-gesellschaftlich zu etablieren suchte Hitler von Anfang an Anschluss an die sogenannte gute Gesellschaft, d. h. an Militär und Verwaltung. Dabei sicherte er sich die Unterstützung Erich Ludendorffs, der im Weltkrieg zusammen mit Paul von Hindenburg die Führung der Obersten Heeresleitung (OHL) übernommen hatte.

Früh an Bedeutung gewann die Sturmabteilung (SA), 1920 als „Ordnertruppe“, d. h. als Saalschutz für politische Veranstaltungen der NSDAP gegründet. Sie rekrutierte sich vor allem aus ehemaligen Soldaten und Wehrverbänden. 1921 erfolgte die Umwandlung zum paramilitärischen Kampfverband, der ein starkes Eigengewicht in der Partei besaß. Die SA wurde nun nicht bloß als Saalschutz eingesetzt, sondern auch bei Aufmärschen zu Propagandazwecken oder zu gezielten Terroraktionen gegen politische Gegner. Besonders für orientierungslose Jugendliche waren die Schlägertrupps attraktiv.

Im November 1923 schien Hitler wegen der politischen Situation ein Putschversuch aussichtsreich. Im deutschvölkischen Lager galt er als „deutscher Mussolini“, dem nach dem Vorbild des faschistischen Marsches auf Rom ein Marsch auf Berlin gelingen könnte. Unterstützt von Ludendorff und dem „Deutschen Kampfbund“ (dem u. a. die SA angehörte), sollten Konservative und Militärs in Bayern gewonnen werden. Von München aus sollte zunächst die bayrische, danach in Berlin die Reichsregierung gestürzt werden. Am Folgetag scheiterte der Putsch und Hitler wurde im anschließenden Hochverratsprozess zu Festungshaft verurteilt. Die inzwischen 55.000 Mitglieder zählende NSDAP wurde verboten, doch verteilten sich die Nationalsozialisten auf andere völkische Gruppierungen.

NS-Ideologie

Im Gefängnis in Landsberg-Lech schrieb Hitler seine politisch-ideologische Programmschrift „Mein Kampf“. Hitlers Ideologie wurde hierbei von zwei Hauptmerkmalen getragen: dem auf den Lehren Gobineaus und Chamberlains sich stützenden rassischen Antisemitismus und der Doktrin des Lebensraumes. Der Jude - für Hitler gab es nur den Juden - wurde als Parasit dargestellt, der den gesunden deutschen Volkskörper zerstöre und schließlich zum Untergang Deutschlands führe. Dabei war er gleichzeitig Bolschewist und Kapitalist, jedenfalls aber international organisiert. Auf publizistischem Wege habe er im Weltkrieg neutrale Staaten gegen Deutschland aufgebracht. Die Lösung bestand für Hitler in der Vernichtung des Judentums.

Die andere Doktrin sah die Schaffung von Lebensraum vor, und zwar durch einen Krieg gegen die Sowjetunion. Am Ende sollte die Weltherrschaft des (deutschen) „Herrenvolkes“ stehen. Bei dieser Lehre stützte sich Hitler auf das Prinzip des Sozialdarwinismus. Geschichte sei ein permanenter Kampf der Rassen, wobei die einzig kulturfähigen Arier (die nordische Rasse) am Ende über die rassisch minderwertigen Slawen und die international organisierte Juden herrschen würden. Hitlers Vorstellungen vom Lebensraum bergen explizit die Legitimierung des Kriegs in sich.

Auch das Führerprinzip breitete Hitler in „Mein Kampf“ näher aus.

In letzter Konsequenz stand also das Streben nach Weltherrschaft, woraus sich ein Vorrang der Außenpolitik ergab. Innenpolitisch sollten zunächst die Gegensätze in der deutschen Gesellschaft durch die Volksgemeinschaft und mit ideologischer Durchdringung aufgehoben werden. Sodann hatten weitere Schritte zu folgen: Aufrüstung, Bündnisse mit Italien und England, Krieg gegen Frankreich, danach Krieg gegen die Sowjetunion und damit die Schaffung von Lebensraum.

Aufstieg des Nationalsozialismus

Aus dem gescheiterten Putschversuch 1923 hatte Hitler gelernt und taktische Konsequenzen gezogen. Die politische Macht sollte nun auf legalem Wege erreicht werden. Bei der Reorganisation der NSDAP wurde 1925 die Schutzstaffel (SS) als innerparteiliches Gegengewicht zur SA gegründet und 1926 die Hitler-Jugend zur ideologischen Durchdringung der Jugendlichen.

Die Nationalsozialisten setzen auf Mittel zur Massenmobilisierung und Massenagitation ohne konkret ausgearbeitetes politisches Programm. Stattdessen benutzten sie Schlagworte und Aufmärsche zur Machtdemonstration. Die NSDAP war nach ihrer Neugründung nunmehr im gesamten Deutschen Reich organisiert, jedoch blieb der Wahlerfolg aus (2,6 % bei der Reichstagswahl 1928).

Entscheidend zum Aufstieg der Partei trugen schließlich andere Faktoren bei: die Weltwirtschaftskrise ab 1929, die darauf folgende Staatskrise mit den Präsidialkabinetten und ein allgemeiner Rechtsruck. Bei Reichstagswahlen im Juli und November 1932 wurde die NSDAP jeweils die stärkste Kraft, ohne die keine Regierungsbildung möglich war. Der ehemalige Reichskanzler Franz von Papen fasste daher den Plan, die Nationalsozialisten in einer Regierung aus NSDAP und Konservativen einzurahmen und zu zähmen. Er überredete Reichspräsident Paul von Hindenburg, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen, wozu sich jener am 30. Januar 1933 durchrang.

Dem Kabinett gehörten neben Hitler nur zwei NS-Minister an, der Großteil setzte sich aus DNVP- und Stahlhelm-Mitgliedern sowie aus parteilosen Konservativen zusammen. Allerdings hielten die Nationalsozialisten Schlüsselstellen besetzt: Hitler war Reichskanzler, Wilhelm Frick als Innenminister für die innere Sicherheit zuständig und Hermann Göring unterstand als Minister ohne Geschäftsbereich das preußische Innenministerium und damit die Polizei des größten deutschen Landes. Papens Plan, die Nationalsozialisten in einer Regierung aufzureiben, erwies sich als fatale Fehleinschätzung. Zum Schein versuchte Hitler am nächsten Tag, die Zentrumspartei für die Koalition zu gewinnen, was Hindenburgs Bedingung für dessen Ernennung zum Reichskanzler gewesen war. Da diese ablehnte, bat Hitler den Reichspräsidenten um die Auflösung des Reichstags. Hindenburg gab seiner Bitte statt.

Die Wahlen vom 5. März 1933 erbrachten 43,9 %, für die DNVP 8 %. Ein letztes Mal hielten auch SPD, Zentrum und KPD in einer Wahl ihren Stimmenanteil, trotz Repressionen und Ausschreitungen der SA im Wahlkampf. Die Wahlbeteiligung hatte mit 88,8 % eine Rekordhöhe erreicht. Aufgrund des Ergebnisses wurde die Koalition von NSDAP und DNVP fortgeführt.

Innenpolitik: Errichtung der Diktatur und Umbau des Staates

Mit der Ernennung zum Reichskanzler durch Hindenburg war Hitlers Machtübernahme noch lange nicht abgeschlossen. Zur Errichtung der Diktatur dienten ihm vor allem die Gesetze zur Gleichschaltung aller Bereiche des öffentlichen Lebens sowie das Ermächtigungsgesetz, das die Weimarer Verfassung de facto beseitigte. Mit SS, Gestapo und SD stand den Nationalsozialisten ein Polizei-, Spitzel- und Terrorapparat zur Verfügung, mit dem sich jegliche Form von Opposition einschüchtern und verfolgen ließ. Hauptleidtragende der Naziherrschaft waren dabei die Juden, die schon vor dem Holocaust diskriminiert, misshandelt und getötet wurden. Auch der Krieg, den Hitler 1939 entfesselte, wurde innen- wie außenpolitisch systematisch vorbereitet.

Ermächtigungsgesetz

Der Abbau des Rechtsstaats per Gesetz begann einen Tag nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar mit der Verordnung des Reichspräsidenten „zum Schutz von Volk und Staat (Reichstagsbrandverordnung). Sie wurde angeblich „zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte“ erlassen, diente aber eigentlich dazu, wichtige Grundrechte außer Kraft zu setzen. Zahlreiche politisch missliebige Personen, darunter viele Kommunisten, wurden in „Schutzhaft“ genommen und in ersten Konzentrationslagern interniert.

Darüber hinaus ermöglichte die Verordnung, in Angelegenheiten der Länder einzugreifen und unliebsame Länderregierungen abzusetzen.

Die Brandlegung ist umstritten. Eine These ist, dass die Nazis selbst den Brand legten (SA-Führer oder Göring), weil er ihnen den Vorwand für die politischen Verfolgungen und die anschließende Gleichschaltung für Staat und Gesellschaft lieferte.

Der entscheidende Schritt zur Errichtung der Diktatur war dann das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ (Ermächtigungsgesetz), das am 24. März 1933 gegen die Stimmen allein der SPD (unter Ausschluss der KPD) erlassen wurde.

Die Regierung wurde ermächtigt, zunächst für vier Jahre außerhalb der Verfassung Gesetze zu erlassen. Vom Reichstag war sie fortan unabhängig, was die Gewaltenteilung aufhob. Da die Nationalsozialisten fortan auch legal nicht mehr der Wahrung der Grundrechte verpflichtet waren, ermöglichte das Gesetz die Verfolgung Oppositioneller.

Mit dem Ermächtigungsgesetz hatte sich das Parlament selbst entmachtet. Reichspräsident Hindenburg segnete das Gesetz ab.

Gleichschaltung

Unter Gleichschaltung versteht man verschiedene Gesetze der Nationalsozialisten, die alle darauf zielten, den Pluralismus in Staat und Gesellschaft zugunsten der Vereinheitlichung des öffentlichen und privaten Lebens im Sinne des Nationalsozialismus aufzuheben. Am 31. März 1933 wurde das „Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“ erlassen. Diesem entsprechend wurden die Länderparlamente aufgelöst und gemäß den Reichstagswahlergebnissen vom 5. März neu gebildet. Somit wurde die NSDAP in allen Länderparlamenten stärkste Kraft. Durch das „Zweite Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“ vom 7. April wurde das Amt des Reichstatthalters installiert. Die Statthalter waren vom Reichspräsidenten, später von Hitler selbst ernannte NSDAP Gauleiter. Den Landesregierungen übergeordnet, hatten sie die vom Reichskanzler vorgegebenen Richtlinien durchzusetzen. Auch für Kreise und Gemeinden galt die Gleichschaltung. Das „Gesetz über den Neuaufbau des Reiches“ vom 30. Januar 1934 schloss die Gleichschaltung der Länder ab. Das Reich übernimmt von nun an die Hoheitsrechte der Länder, die im staatsrechtlichen Sinn nicht mehr existierten. So gelang es Hitler binnen eines Jahres, das Deutsche Reich zu einem Einheitsstaat mit zentraler Regierung umzubilden.

Auf administrativer Ebene hatte das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ („Arierparagraph“) die Entfernung jüdischer, aber auch politisch missliebiger Beamter aus Verwaltung, Schulen und Universitäten zur Folge. Sie wurden durch Nationalsozialisten ersetzt.

Nach und nach wurden nun die politischen Gegner und deren Organisationen ausgeschaltet. Der Reichstagsbrand lieferte zunächst u. a. den Vorwand, die KPD zu verbieten. Das Verbot der SPD folgte am 22. Juni. Alle anderen Parteien wurden zur Selbstauflösung gedrängt: DNVP gab dem im Juni nach, genauso wie andere kleine Parteien; das Zentrum folgte im Juli. Durch das „Gesetz gegen die Neubildung von Parteien“ (14. Juli) wurde die NSDAP die einzige zugelassene Partei im Deutschen Reich. Gemäß dem „Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat“ war sie überdies die „Trägerin des deutschen Staatsgedankens und mit dem Staate unlösbar verbunden“.

Die Gleichschaltung der Nazis sollte nicht nur die politischen Parteien, sondern die gesamte Gesellschaft umfassen. Diverse Verbände und Organisationen wurden der NSDAP angeschlossen und waren fortan der Reichsleitung unterstellt, so z. B. die Berufsverbände der Ärzte, Juristen, Lehrer, Beamten, Arbeiter. Am 2. Mai, einen Tag nach dem von den Nationalsozialisten eingeführten „Feiertag der nationalen Arbeit“, kam es zur Zerschlagung der Gewerkschaften und zum Sturm der Gewerkschaftshäuser. Arbeitnehmer und Arbeitgeber fanden sich fürderhin in der Deutschen Arbeitsfront (DAF) zusammengefasst. Die DAF war außerdem Trägerin der Organisation Kraft durch Freude. Deren Aufgaben waren die politische Schulung und die Gestaltung der Freizeit sowie des Urlaubs ihrer Mitglieder: Es gab z. B. Sport- und Tanzveranstaltungen, verbiligte Theater- und Opernkarten oder günstige Ferienreisen, auch ins Ausland.

Gliederungen der NSDAP, und damit Teile der Partei, waren SA, SS, HJ, NS-Frauenschaft und NSD-Studentenbund.

Um Kultur und Massenmedien zu kontrollieren, wurde das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Leitung von Joseph Goebbels ins Leben gerufen. Das „Reichskulturkammergesetz“ vom 22. September bedeutete die Gleichschaltung von Presse und Rundfunk, Kunst, Musik und Publizistik in der Reichskulturkammer unter Präsident Goebbels. Wer etwas veröffentlichen wollte, musste der Kammer angehören.

Das nationalsozialistische Kulturverständnis zeigen die Bücherverbrennungen in allen großen Städten, bei denen vor allem auch die Werke der Juden Heine, Börne, Tucholsky, Kraus, Zweig, Werfel, Zuckmeyer usw. verbrannt wurden. Außerdem prägten die Nazis den Begriff „Entartete Kunst“ als Diffamierung für Moderne Kunst, was deren Beliebtheit beim Publikum nicht schmälern konnte - die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München zog 1937 fast fünf Mal so viele Besucher an wie die zeitgleich stattfindende „Große Deutsche Kunstausstellung“.

Erziehung und Wissenschaft erfuhren ebenfalls eine Umgestaltung in nationalsozialistischem Sinne. Sämtliche bestehenden Jugendverbände wurden aufgelöst und die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend verpflichtend. An den Universitäten betrieben Nationalsozialisten nun unter dem Stichwort „völkische Wissenschaft“ Propaganda. Jüdische Professoren wurden entlassen - unter ihnen befand sich Albert Einstein.

Zwar gelang die Gleichschaltung der Kirchen nicht vollkommen, doch schaffte es Hitler mit einem Konkordat mit dem Vatikan (20. Juli 1933) große Teile der deutschen Katholiken hinter sich zu bringen.

Mit scheinlegalen Gesetzen schufen die Nationalsozialisten also die Grundlagen für die politische Durchdringung der Bevölkerung und des öffentlichen Lebens sowie für die Verfolgung der Opposition. Die Machtergreifung Hitlers war mit Hindenburgs Tod am 2. August 1934 schließlich vollendet. Er übernahm auch das Amt des Reichspräsidenten und nannte sich fortan „Führer und Reichskanzler“.

SS, Gestapo und SD

Mit der Errichtung der Diktatur bauten die Nationalsozialisten auch ihren Unterdrückungs- und Terrorapparat auf, bestehend aus der Schutzstaffel (SS) sowie den ihr unterstellten Organisationen Gestapo (Geheime Staatspolizei) und Sicherheitsdienst (SD). Heinrich Himmler war als Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei der Leiter dieses Apparates.

Die Gestapo konnte Hausdurchsuchungen ohne Durchsuchungsbefehl durchführen und war für Verhaftungen und Einweisungen in Konzentrationslager zuständig. Der SD war der SS-Nachrichtendienst und überwachte als solche die politischen Gegner und bespitzelte die Bevölkerung.

1936 wurden Kripo und Gestapo als Sicherheitspolizei (Sipo) unter Reinhard Heydrich, der auch den SD leitete, zusammengefasst. Schließlich wurden 1939 auch Sipo und SD von Himmler im Reichssicherheitshauptamt (RSHA)zusammengelegt. Unterdessen wurde besagter Himmler zum obersten Organisator des Völkermords an den Juden Europas. Er selbst war nur Adolf Hitler verantwortlich.

Seit 1934 spielte die 1920 gegründete Sturmabteilung (SA) keine Rolle mehr. 1933 waren die „Braunhemden“ noch Hauptträger des Straßenterrors gewesen. Nach einem angeblichen Putschversuch unter ihrem Stabchef Ernst Röhm (30. Juni-2. Juli 1934) wurde die SA entmachtet, was Hitler gleichzeitig zu einer politischen sowie persönlichen Säuberungswelle nutzte.

SS, Gestapo und SD sorgten gemeinsam bei nicht Systemkonformen für eine Atmosphäre der Angst und des Schreckens. Die Überwachung, Verfolgung und Internierung politischer Gegner und anderer Personen (rassisch Minderwertige, Asoziale, Kriminelle) setzte unmittelbar nach der Machtübernahme ein.

Im Krieg kamen SS-Verbände als sogenannte Einsatzgruppen hinter der Front bei „Säuberungsaktionen“ zum Einsatz und erledigten die systematische Verfolgung und Ermordung von Juden, führten ethnische „Reinigungen“ sowie Massenexekutionen von Zivilisten und Kriegsgefangen durch oder betrieben Vernichtungslager wie das KZ Auschwitz, das größte Lager dieser Art während des Nationalsozialismus'.

Judenverfolgung bis 1939

Als Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte, wurde der über Jahrhunderte hinweg latente und offene Judenhass gewissermaßen gesellschaftsfähig. Bereits im Februar 1933 begann Hermann Göring mit Amtsenthebungen. Juden wurden als Minister, Oberbürgermeister, Polizeipräsidenten, als Richter und Lehrer, in Verwaltungen und Verbänden entlassen, Film und Theater „gesäubert“. Die ersten Juden wurden zusammen mit anderen Gegnern der Nationalsozialisten (Sozialdemokraten, Kommunisten) in den ersten Konzentrationslagern interniert, in Dachau bei München und Oranienburg bei Berlin. Laut Nazi-Propaganda, um sie in „Schutzhaft“ vor der Wut des Volkes zu schützen.

Im Zuge der Gleichschaltung der Presse setzte die Judenhetze massiv ein, wobei mit dem Völkischen Beobachter vor allem das NSDAP-Parteiorgan aktiv war. Noch mehr und plumper hetzte aber das Wochenblatt Der Stürmer. Dessen Herausgeber war der Nazi-Gauleiter von Franken, Julius Streicher. In Karikaturen wurden die Juden als schmierige, krummnäsige, geldgierige Schurken dargestellt. Die Nationalsozialisten bezeichneten sie gemäß der Doktrin in Mein Kampf als minderrassige Untermenschen, die den deutschen Volkskörper zersetzten und deshalb ausgerottet werden müssten.

Seit der Machtübernahme trat die Gewalt in SA-Ausschreitungen offen zutage. Am 1. April 1933 wurde mit den Parolen „Kauft nicht bei Juden!“, „Juda verrecke!“ und „Hier betreibt ein Mitglied der jüdisch-kapitalistischen Weltverschwörung Geschäfte“ zum Boykott jüdischer Geschäfte und Büros aufgerufen. SA-Leute in Uniform verhinderten das Betreten der Geschäftsräume, beschmutzten Schaufenster und warfen Fensterscheiben ein, ohne dass die Polizei eingriff. Auf den Straßen skandierten SA und SS „Deutschland erwache! Juda verrecke!“ und „Ja, wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht's nochmal so gut!“.

Unter diesen Umständen flohen bereits in den ersten fünf Jahren der Nazidiktatur viele Juden (130.000) aus Deutschland.

Am 15. September 1935 erließen die Nationalsozialisten die „Nürnberger Gesetze“, welche die Juden zu Bürger minderen Rechts abstempelten. Das „Blutschutzgesetz“ verbot Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes, schließlich auch den außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen beiden „Rassen“. Das Verbot wurde später als „Rassenschande“ mit schweren Strafen belegt. Hinfort war der Nachweis arischer Abstammung Bedingung für jede öffentliche Anstellung.

Zur Zeit der Olympischen Spiele im August 1936 reduzierten die Nazis ihre antijüdischen Aktivitäten, um dem Ausland ein friedfertiges Deutschland zu demonstrieren.

Die von Joseph Goebbels inszenierte Kristallnacht vom 9. auf den 10. November war das erste systematisch geplante reichsweite Pogrom (russ. Pogrom, Hetze, Ausschreitungen gegen rassische und religiöse Gruppen). Zur gleichen Zeit brachen überall im Deutschen Reich SA-Leute die Synagogen auf und legten dort Feuer. Sie schlugen Schaufenster jüdischer Geschäfte ein, plünderten und misshandelten die Eigentümer. Etwa 100 Juden kamen ums Leben, tausende wurden verletzt. Mehr als 25.000 Juden wurden festgenommen und interniert (in Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen).

Damit nicht genug, mussten die Juden als Reaktion auf die Kristallnacht eine Milliarde Mark „Buße“ an das Reich zahlen. Durch eine Verfügung wurden sie gezwungen, Edelmetalle, Juwelen und Kunstwerke zu Spottpreisen zu verkaufen. Ihre Führerscheine und Kraftfahrzeuge wurden eingezogen und von nun an durften sie weder Kinos noch Theater oder Konzerte besuchen. Sie durften die Straße nur noch zu bestimmten Tageszeiten betreten und mussten den diffamierenden gelben Judenstern tragen.

Eine weitere Fluchtwelle setzte ein. Bei Kriegbeginn lebten von den ursprünglich gut 500.000 Juden noch etwa 210.000 im Reich.

Innenpolitische Vorbereitung des Krieges

Der Krieg, den die Nationalsozialisten am 1. September 1939 mit dem Angriff auf Polen entfesselten, war von langer Hand vorbereitet und geplant gewesen. Als Hitler am 2 August 1934 nach Hindenburgs Tod dessen Amt als Reichspräsident übernahm, ließ er die Reichswehr einen persönlichen Treueid auf sich schwören. 1935 wurde die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt, was einen klaren Bruch des Versailler Vertrags bedeutete. Die Reichswehr ging nunmehr in der Wehrmacht auf.

Hitler stellte 1936 einen Vierjahresplan vor, der die deutsche Wirtschaft binnen vier Jahren „kriegsfähig“ und die deutsche Wehrmacht „einsatzfähig“ machen sollte. Mit der Ausführung wurde Hermann Göring beauftragt. Die deutsche Wirtschaft sollte vor allem autark, d. h. unabhängig vom Ausland werden in Bezug auf Nahrungsmittel und Rohstoffe, was jedoch nicht gelang. In allen Wirtschaftsbereichen herrschte dabei staatliche Aufsicht, ausgeübt durch verschiedene Reichsstände für Handel, Handwerk und Industrie sowie den Reichsnährstand.

Wichtigste Aufgabe im Vierjahresplan war freilich die Rüstungsproduktion. Diese sowie der Autobahnbau („Straßen des Führers“, der Reichsarbeitsdienst und die genannte Einführung der allgemeinen Wehrpflicht halfen dabei, die Arbeitslosigkeit erst drastisch zu senken und bis Kriegsbeginn Vollbeschäftigung zu erreichen.

Da die Vertreter der alten konservativen Eliten Hitlers Autarkie- (Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht) und Kriegspläne (Reichskriegsminister Werner Blomberg, Oberbefehlshaber Werner von Fritsch, Außenminister Konstantin von Neurath) gegen Polen nicht mittragen wollten, kam es zur Umstrukturierung in den Ressorts Militär, Außenpolitik und Wirtschaft. Hitler übernahm selbst den Oberbefehl über die Streitkräfte und installierte den Nationalsozialisten Joachim von Ribbentrop als Außenminister. Neuer Reichswirtschaftsminister wurde Hermann Göring, der mit solider Wirtschaftsplanung jedoch fachlich überfordert war. Trotzdem hielten in den wichtigen Bereichen für die Verwirklichung des Vierjahresplans und damit für die Mobilmachung des „Dritten Reiches“ nunmehr Nationalsozialisten die Macht in ihren Händen.

Außenpolitik: Der Weg in den Krieg bis 1939

In der Außenpolitik des Deutschen Reiches von 1933-1939 liefen von Anfang an die Vorbereitungen auf einen Krieg, parallel zum Vierjahresplan, der die Autarkie des Reiches, die Kriegsfähigkeit der Wirtschaft und die Einsatzfähigkeit der Wehrmacht binnen vier Jahren zum Ziel hatte. Wenige Tage nach seiner Machtübernahme äußerte Hitler vor hohen Reichswehroffizieren, das Ziel seiner Außenpolitik seien die Eroberung und die rücksichtslose „Germanisierung“ von Lebensraum im Osten. Sämtliche außenpolitischen Verträge, Absprachen und Handlungen in diesen Jahren strebten letztlich auf dieses Ziel. Lange Zeit konnte Hitler sich als Revisionspolitiker inszenieren, der Deutschland lediglich zu „nationaler Größe“ zurück führe.

Erste Schritte

Im Oktober 1933 erfolgte der Austritt des Deutschen Reiches aus dem Völkerbund, dem Instrument für kollektive Sicherheitspolitik, in dem weder die USA noch die Sowjetunion (die SU trat 1935 ein) Mitglied waren. Der Völkerbund war allerdings ohnehin handlungsunfähig: Japan war ohne nachteilige Folgen in die Mandschurei eingefallen und 1933 ebenfalls aus dem Bund ausgetreten. Darüber hinaus kam der noch immer schwelenden Weltwirtschaftskrise international eine wichtigere Bedeutung zu.

Mit dem 1934 geschlossenen Nichtangriffspakt mit Polen gelang es Hitler, die slawische Republik von Frankreich zu lösen. Der Vertrag - in der Weimarer Republik wäre er nicht durchsetzbar gewesen - zeigt die sehr pragmatische, nicht programmatische Politik Hitlers: Die nach nationalsozialistischer Ideologie staatsunfähigen, kulturlosen und barbarischen Slawen waren nun ein potentieller neuer Freund im Konzert der Mächte.

Revisionistische Erfolge

Der erste große außenpolitische Erfolg fiel Hitler gleichsam in den Schoß. Gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages fand im Saargebiet eine Volksabstimmung über seine künftige Staatszugehörigkeit statt. Die Saar hatte nach dem Weltkrieg unter Verwaltung des Völkerbundes gestanden und war vor allem ihrer Montanindustrie wegen von Bedeutung. Am 13. Januar 1935 votierten 90.% für den Anschluss ans Deutsche Reich.

Im März 1935 wurde unter Verletzung internationaler Verträge die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht beschlossen. Italien, Frankreich und Großbritannien reagierten darauf mit der Bildung der antideutschen Stresafront „gegen weiteren Aktionismus des deutschen Reiches“.

Schon drei Monate später kam es jedoch zur Aufweichung der Stresafront. So wurde am 18. Juni 1935 das Deutsch-britische Flottenabkommen geschlossen. Man einigte sich auf ein Stärkeverhältnis von 100 (britisch) zu 35 (deutsch). Hitler wollte den Ausgleich mit England, da keine Interessengegensätze bestünden. England habe seine Mission mit den Kolonien, das Deutsche Reich die seine mit der Mission im Osten, dessen landwirtschaftliches Potential und Ressourcen Hitler nutzen wollte. Die Motivation Englands für den Vertrag waren einerseits der in der englischen Oberschicht verbreitete Antibolschewismus (die Deutschen waren die Kommunisten ja losgeworden). Andererseits akzeptierten die Briten die deutschen Klagen über eine zu harte Behandlung nach dem Weltkrieg. Das Abkommen bedeutete die praktische Abschaffung der Wehrbeschränkung und nährte Hitlers Hoffnung auf ein rassistisches Bündnis mit Großbritannien, dem er vor allen Alternativen den Vorzug gegeben hätte.

Am 7. März 1936 ließ Hitler das entmilitarisierte Rheinland besetzen. Die Remilitarisierung der Westgrenze war bedeutender als die wieder eingeführte Wehrpflicht, doch erfolgte keine entsprechende Gegenmaßnahme Frankreichs, das zu dem Zeitpunkt die stärkste militärische Macht Europas darstellte. Sein Erfolg in der Revision des Versailler Vertrages und die nationalsozialistische Propaganda zeichneten Hitler als „Vollstrecker des Volkswillens“. Bei Neuwahlen zum Reichstag noch im selben Monat stimmten 98,8.% für die Liste des Führers.

Berlin-Rom-Tokio

Die Unterstützung Italiens im Abessinienkrieg nach einem vom Völkerbund verhängten Wirtschaftsembargo brachte die Annäherung des Deutschen Reiches an das faschistische Land. Der militärische Konflikt in Afrika zeigte die rassistische Kriegsführung der Italiener (u. a. mit Giftgaseinsatz) und trug Züge eines Vernichtungskrieges.

Auch im Spanischen Bürgerkrieg, ausgelöst durch den Putsch des Generals Francisco Franco gegen die republikanische Regierung, bezog Hitler Partei. Nach anfänglichen Zweifeln über die Haltung Frankreichs sendete er deutsche Luftstreitkräfte für das spanische Heer (Italien sendet Bodentruppen), das auf Francos Seite stand. Von den internationalen Mächten unterstützte lediglich die Sowjetunion die republikanische Seite.

So entstand 1936 mit dem gemeinsamen Vorgehen auf der Seite Francos die Achse Berlin-Rom. Hitler und Mussolini waren nun Verbündete. Mit Japan wurde außerdem der gegen die Kommunistische Internationale (Komintern) gerichtete Antikominternpakt ins Leben gerufen.

Anschluss Österreichs

1938 beseitigte Hitler mit der Ausschaltung der „vorsichtigen Generäle“ die letzten Reste einer gewissen Autonomie der Wehrmacht. Heereschef Fritsch, Reichskriegsminister Blomberg und Außenminister Neurath wurden freilich durch Intrigen entlassen, nicht aber wegen Kriegsunbereitschaft. Sie hatten den „Führer“ vor den Folgen seiner Politik durchaus gewarnt und kritisiert, doch niemals Opposition betrieben. Die Vereidigung der Reichswehr auf Hitler war sogar Blombergs Idee gewesen.

Am 12. März 1938 kam es zum „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich. Im Einvernehmen mit Österreich und unter Jubel der Bevölkerung marschierten deutsche Truppen ein. Nach außen feierten die Nationalsozialisten den Anschluss als Triumph des nationalen Selbstbestimmungsrechts. Die Annexion Österreichs konnte dabei nur deshalb stattfinden, weil Italien, Frankreich, die Sowjetunion und England (Appeasement) nicht intervenierten.

Sudetenkrise und Appeasement

Sogleich trieb Hitler die Zerschlagung der Tschechoslowakei voran, wobei er sich wie im Falle Österreichs unter dem Deckmantel des Selbstbestimmungsrechts der Völker verstecken konnte: Nach dem 1. Weltkrieg war das Sudetenland (das westliche Grenzgebiet des heutigen Tschechiens, einschließlich der Sudeten im Norden, dem Erzgebirge im Nordwesten und dem Böhmerwald im Süden) und mit ihm etwa 3 Millionen Sudetendeutsche an die neu gebildete Tschechoslowakei gefallen. Tschechien war immer die Waffenschmiede des Habsburgerreiches gewesen und insbesondere das Sudetenland galt als „Festungsgürtel“. Lagerstätten für Erze, hochwertige Braunkohlevorkommen, Holzvorräte und die sudetendeutsche Facharbeiterschaft waren weitere Gründe für Hitler, die Prager Regierung zur Abtretung der sudetendeutschen Gebiete zu drängen. Damit löste er im September 1938 die Sudetenkrise aus.

Zunächst führte Hitlers Aggressionspolitik nicht zum militärischen Konflikt. Auf Vermittlung Mussolinis kam es am 29. September zum Münchner Abkommen. Eine Münchner Konferenz von Adolf Hitler, Benito Mussolini, Arthur Neville Chamberlain (britischer Premier) und Édouard Daladier (französischer Ministerpräsident) beschloss ohne tschechische Beteiligung die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an das Deutsche Reich.

Die Westmächte, vor allem Großbritannien, verfolgten wie schon etwa beim italienischen Angriff auf Abessinien oder dem deutschen Einmarsch ins entmilitarisierte Rheinland eine Appeasement-Politik, eine Politik der „aktiven Beschwichtigung“ (Chamberlain). Durch Zugeständnisse sollten die territorialen Bestrebungen Hitlers auf friedliche Weise befriedigt und ein Krieg vermieden werden. Außerdem hätte ein Nachrüsten hohe finanzielle Aufwendungen bedeutet. Das Münchner Abkommen stellte den Höhepunkt der Appeasement-Politik dar, welche von Hitler als Zeichen der Schwäche gewertet wurde. Sie konnte die vom nationalsozialistischen Deutschland ausgehende Kriegsgefahr nur kurzzeitig bannen.

Hitler reizte jedes rhetorische Mittel zur Bezeugung seiner Friedfertigkeit aus, damit Frankreich beruhigt war. Er führte sein Vabanquespiel bis zum Äußersten, da er Mächte provozierte, denen das Deutsche Reich eigentlich nichts entgegengesetzt hatte - und er hatte damit Erfolg. Lange Zeit konnte er sich dabei hinter der Maske der Revisionspolitik verstecken, die ja von allen Regierungen der Weimarer Republik geführt worden war, allerdings mit geringerem außenpolitischen Erfolg, da jene stets Rücksicht auf die politischen Gegebenheiten genommen hatten. Da er mit seiner Methode durchkam, erschien der „Führer“ den Deutschen als durchsetzungsfähig und nährte die Hoffnung der alten nationalen Eliten auf die Rückgewinnung der deutschen Großmachtposition. Der Führermythos gewann so immer neue Nahrung.

Der Weg in den Krieg 1939

Als Hitler am 15. März 1939 sein Versprechen brach, die im Münchner Abkommen festgelegten Grenzen zu respektieren, indem er das Reichsprotektorat Böhmen-Mähren bildete und deutsche Truppen in der Rest-Tschechoslowakei einmarschieren ließ, bedeutete dies das Ende der britischen appeasement policy. Großbritannien und Frankreich gaben am 31. März eine Garantieerklärung für die nationale Souveränität Polens und zugleich deutete sich eine massive Aufrüstung der Westmächte an, welche die wirtschaftliche und militärische Unterlegenheit des Deutschen Reiches zeitlich absehbar machte. Hitler musste also im Kampf um „Alles oder Nichts“ bald losschlagen, um eine rasche Entscheidung herbeizuführen.

Unterdessen nahmen Paris und London Beziehungen zur UdSSR auf, damit diese sich an der Politik der Garantien beteilige. Mit dem Hitler-Stalin-Pakt, dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt (23. August 1939), konnte der „Führer“ die Sowjetunion allerdings für sich gewinnen. In einem geheimen Zusatzprotokoll, das erst nach dem Zweiten Weltkrieg Bekanntheit erlangte, wurde Ostmitteleuropa in Interessensphären geteilt; Polen sollte zum größten Teil dem Deutschen Reich zugeschlagen werden.

Mit dem Einmarsch der Wehrmacht am 1. September 1939 in Polen begann der Zweite Weltkrieg.

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