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Unter Josef Stalin

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Einführung

Als Nachfolger Wladimir Iljitsch Lenins wurde Josef Wissarionowitsch Stalin („der Stählerne“) eingesetzt, der als Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili in Georgien geboren wurde. Seit 1922 hatte er das Amt des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) inne. Als sich Lenin im selben Jahr krankheitsbedingt aus der Politik zurückzog, gelang es Stalin, den Parteiapparat hinter sich zu versammeln.

Er entwickelte die Parteiendiktatur der Bolschewiki zu einer auf ihn persönlich zugeschnittenen Diktatur, die vom Mythos des gerechten und gütigen Führers gestützt wurde. In seine Regierungszeit (bis 1953) fällt der umfassende kommunistische Terror gegen verschiedene Bevölkerungsgruppen (Stalinistische Säuberungen), der nach Schätzungen bis über 20 Millionen Menschenleben kostete. Die von ihm betriebene Kollektivierung der Landwirtschaft führte zu Hungersnöten, die weitere Millionen Opfer forderten. Mit Fünfjahresplänen wurde der Übergang der Sowjetunion von einem Agrarstaat zu einem modernen Industriestaat vollzogen. Stalins totalitäre Herrschaft sowie sein Konzept des Marxismus-Leninismus werden auch als „Stalinismus“ bezeichnet.

Außenpolitik

In der Außenpolitik gelang es der Sowjetunion 1922, den Vertrag von Rapallo mit dem Deutschen Reich zu schließen und so ihre außenpolitische Isolation zu durchbrechen. Unterzeichner waren die Außenminister beider Länder, Gustav Stresemann (D) und Georgi Tschitscherin (SU). Der Vertrag sah die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den Staaten vor sowie gegenseitigen Verzicht auf Reparationsforderungen aus dem Weltkrieg. Des Weiteren wurden die wirtschaftlichen Beziehungen untereinander erweitert. Zudem vereinbarten die Vertragspartner eine militärische Zusammenarbeit zwischen Reichswehr und Roter Armee.

Ganz in diesem Sinne war auch der Berliner Vertrag von 1926.

Dem Briand-Kellog-Pakt, der den Krieg als Mittel der Politik ächtete, trat 1929 auch die SU bei. 1933 wurde der kommunistische Staat von den USA offiziell anerkannt.

Die faschistischen Regimes in Deutschland und Italien brachten die Sowjets schließlich zu einem Umdenken. Als Nazideutschland und Polen ein Nichtangriffsabkommen schlossen, trat die SU dem Völkerbund bei (1934), dessen Ineffektivität spätestens nach dem italienischen Angriff auf Abessinien (1935) offensichtlich wurde. Mit Frankreich und der Tschechoslowakei schloss die Sowjetunion Beistandabkommen (1935). Im Spanischen Bürgerkrieg (1936-39) unterstützte sie als einzige international bedeutende Macht die republikanische Seite.

Während der Jahre 1938/39 spitzte sich die politische Lage zu. In Europa hatte das Deutsche Reich Österreich „angeschlossen“ und die Sudetenkrise ausgelöst. Dabei erkannte Stalin, dass die Westmächte, allen voran Großbritannien, mit ihrer Appeasement-Politik (Münchner Abkommen) nicht dazu bereit waren, Hitler ernsthaften Widerstand zu leisten. Auch die Annexion der Resttschechei durch das nationalsozialistische Regime nahmen sie hin. In Asien hatte \underline{Japan} einen Krieg gegen China vom Zaun gebrochen. Zudem waren die Achsenmächte (Drittes Reich, Italien, Japan) im Antikominternpakt vereint, der sich gegen die Kommunistische Internationale (Komintern) richtete.

Stalin reagierte darauf mit einer radikalen Kehrtwende in der Sicherheitspolitik. Dem Werben Frankreichs und Großbritanniens, sich an der Politik der Garantien zu beteiligen, gab er nicht nach, da er fürchtete, von ihnen im Fall eines Krieges mit Nazideutschland doch allein gelassen zu werden. Stattdessen kam es zum Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes, dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt (23. August 1939), unterzeichnet von den Außenministern Ribbentrop (für das Deutsche Reich) und Molotow (für die SU). Der Vertragsschluss zwischen den ideologischen Todfeinden verschaffte der gebeutelten SU nicht nur eine Atempause. Hitler konnte Stalin auch etwas bieten, was die Westmächte nicht konnten: Gebiete. In einem geheimen Zusatzprotokoll, das erst nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt wurde, teilte man Ostmitteleuropa in Interessensphären auf. Während Deutschland wenig später am 1. September mit dem Angriff auf Polen den Zweiten Weltkrieg auslöste, annektierten die Sowjets Teile Polens und die baltischen Republiken. Sie zwangen Rumänien zur Abtretung Bessarabiens und entfesselten einen Krieg mit Finnland.

Innenpolitik

Durch gezielten Terror schaltete Stalin in den ersten Jahren seiner Herrschaft tatsächliche Widersacher und vermeintliche Gegner aus. Bis 1930 hatte er die Macht im wichtigen Politbüro der KPdSU gesichert. Die bedeutendsten Ämter waren an ihm loyal ergebene Männer verteilt: Als Vorsitzender des Rates der Volkskommissare (ab 1946 Ministerrat) wirkte Wjatscheslaw Molotow (1930-1941), Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten war Maxim Litwinow (1930-1939; Nachfolger wurde der genannte Molotow). Die Leiter des Volkskommissariats für Inneres (NKDW), welches u. a. massenweise Exekutionen ohne Gerichtsverhandlungen oder Deportationen in Lager (GULag) durchführte, wechselten häufig.

Industrialisierung mit planwirtschaftlichen Methoden

Der Übergang von einem Agrarstaat zu einem modernen Industriestaat sollte durch Fünfjahrespläne vollzogen werden, deren erster 1928 verabschiedet wurde. Stalin hatte die Produktionsgüter, hierbei vor allem die Schwerindustrie im Auge, deren militärische Erzeugnisse er für die von ihm geplante Aufrüstung benötigte. Auch die Verbesserung der Infrastruktur wurde angegangen. Völlig vernachlässigt wurde hingegen die Konsumgüterproduktion, was die SU bis zu ihrem Ende und auch noch deren Nachfolgestaaten prägen sollte. Daher blieb der Lebensstandard auch deutlich unter dem damaligen Niveau anderer europäischer Industrienationen und der USA.

Eine zentralistische, hochbürokratisierte Verwaltung sollte das schnelle Wirtschaftswachstum sichern und tatsächlich: trotz Fehlschlägen in der Planung (Traktoren, die auf dem Betriebsgelände verrosteten, weil die Bauern für sie keine Unterbringung vorgesehen hatten) verwandelte die SU sich nun in einen Industriestaat. Die Durchsetzung des Fünfjahresplans ging gleichwohl mit Repression und terroristischen Maßnahmen einher. Somit war auch die gesellschaftliche Modernisierung (Urbanisierungsprozesse, sich bietende soziale Aufstiegsmöglichkeiten, Alphabetisierung und Vervielfachung der Hochschulen) des Landes teuer erkauft.

Zwangskollektivierung der Landwirtschaft

Zur selben Zeit beschloss der KPdSU-Parteitag die Abkehr von der Neuen Ökonomischen Politik (NEP), welche die Landwirtschaft teilliberalisiert hatte. Stattdessen wurde auch im Agrarsektor eine zentralisierte Planwirtschaft eingeführt und außerdem der Kampf „gegen die kapitalistischen Elemente im Dorf“ (die wohlhabenderen Bauern, die sogenannten Kulaken) ausgerufen. Die Landwirtschaft sollte kollektiviert und mechanisiert werden, um so auch die Industrialisierung voranzutreiben.

Zwangskollektive einzelner Bauernbetriebe, die Kolchosen, hatten ein Produktionssoll zu erfüllen, welches zu staatlich festgelegten Preisen abzuliefern war. Die Kolchosen stellten die Mehrheit der Bauernwirtschaften. In meist großen staatlichen Agrarbetrieben, den Sovchosen, arbeiteten angestellte Lohnarbeiter. In der ländlichen Gemeinde hatte fortan der Dorfsowjet das Sagen. Auch die Kollektivierung der Landwirtschaft setzten die Bolschewiki mit Gewalt durch.

Die Mittelbauern wurden durch Enteignung, Deportation, Zwangsumsiedlung und Erschießung am härtesten von der Entkulakisierung getroffen. Dabei wurde das GULag-System (s. u.) erheblich ausgeweitet. Es konnte bereits genügen, als „Kulak“ diffamiert zu werden, um der staatlichen Verfolgung zum Opfer zu fallen. Dabei war Kulak eine diffuse Kategorie - es war keineswegs eindeutig, wer genau als Kulak zu gelten hatte. Auf den Staatsterror reagierten die Bauern vor allem 1930 mit Widerstand, sodass die Kommunisten zeitweise eine landesweite Rebellion befürchteten. Am Ende hatten die Kommunisten über 500.000 Menschen durch die Entkulakisierung umgebracht. Noch verheerender war die 1932/33 einsetzende Hungersnot (Golodomor, russisch für Tötung durch Hunger), der eine zweistellige Millionenzahl an Menschen zum Opfer fiel, vor allem in der Ukraine (alleine hier etwa 3,5 Mio. Todesopfer), in Südrussland, an der Wolga, im Südural, in Nordkasachstan und Westsibirien. Der Golodomor wird insbesondere in der Ukraine auch als Völkermord betrachtet.

Mit den Kollektivierungsmaßnahmen hatte Stalin den Agrarsektor nachhaltig beschädigt und die Industrialisierung entgegen seinen Absichten erschwert.

Stalinistische Säuberungen

Während der forcierten Industrialisierung und der erzwungenen Kollektivierung wurde das staatliche Überwachungs- und Repressionssystem ausgebaut. Die Zwangsarbeitslager unter Leitung der Hauptverwaltung für Lager (GULag) gewannen eine eigene ökonomische Bedeutung. Der „Große Terror“ von 1936 bis 1938 richtete sich systematisch gegen Menschen, die sich angeblich gegen Stalin verschworen hatten. Ethnische Minderheiten wurden in Arbeitslager deportiert, Kulaken, Geistliche, führende Militärs und Parteifunktionäre und selbst Angehörige der Opfer wurden deportiert und ermordet. Dessen ungeachtet herrschte ein Personenkult um Stalin, der dem Volk als gütiger und gerechter Führer, also gottgleich präsentiert wurde. Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 war er unumschränkter Diktator der Sowjetunion.

Zweiter Weltkrieg

Als mit der deutschen Invasion Polens der Zweite Weltkrieg begann, besetzte die Sowjetunion Ostpolen, griff Finnland an (der „Winterkrieg“ führte zum Ausschluss der SU aus dem Völkerbund) und marschierte in den drei baltischen Staaten ein. Litauen, Lettland und Estland wurden im Juli 1940 als Sowjetrepubliken Teile der UdSSR. Rumänien wurde zur Abgabe Bessarabiens (heute Moldawien und Ukraine) und anderer Gebiete erpresst.

Mit dem Start des „Unternehmens Barbarossa“ am 21. Juli 1941 überrumpelte Hitler die Sowjetunion, die noch nicht auf jene Auseinandersetzung vorbereitet war, welche als „Großer Vaterländischer Krieg“ in die russischen Geschichtsbücher eingehen sollte.

Vom Deutschen Reich wurde dieser Krieg nicht nur als Eroberungskrieg für „Lebensraum im Osten“ geführt, sondern auch als Vernichtungszug gegen die „slawischen Untermenschen“.

Nach anfänglichen Erfolgen der Wehrmacht, die bis vor Moskau und Leningrad (St. Petersburg) gelangte, wendete sich das Blatt spätestens 1942/43 zugunsten der SU mit dem Sieg der Roten Armee - unter hohen Verlusten - in der Schlacht um Stalingrad. Es zeichnete sich nun ab, dass die Sowjetunion zu den Siegermächten des Krieges gehören würde. Diese forderte nun von den Westalliierten die Eröffnung einer Front im Westen und größeres militärisches Engagement, da sie bisher die Hauptlast des Krieges getragen hatte.

Tatsächlich hatte der deutsche Angriff katastrophale Folgen für Volk und Wirtschaft der SU. Die Besatzer brachten Millionen von Zivilisten um und deportierten weitere Millionen als Zwangsarbeiter ins Reichsgebiet. Sind die genauen Zahlen auch strittig, so hatte die Sowjetunion auf alle Fälle die meisten Opfer des Zweiten Weltkrieges zu beklagen. Auch auf russischer Seite selbst kam es zu Gewalt gegen „unzuverlässige“ ethnische Minderheiten, denen die Kollaboration mit dem Feind unterstellt wurde. Stalin ließ sie millionenfach vertreiben und in entlegene Gegenden deportieren, was meist den sicheren Tod (durch Verhungern, Verdursten, Krankheit, Erfrieren usw.) bedeutete.

Bis 1945 befreite die Rote Armee zunächst ihr Land und anschließend weitere Länder Ost-, Mittel- und Südosteuropas von der deutschen Besatzung, bis sie schließlich im Frühjahr in Berlin stand. Auf Konferenzen (Moskauer Konferenz, Außenministerkonferenz in Moskau, Teheran, Jalta, Potsdam) einigte man sich mit den Alliierten über die Kriegspläne und dann über die Nachkriegsordnung in Deutschland und Europa. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in Asien erklärte die Sowjetunion Japan den Krieg - zwei Tage nach dem Atombombenwurf auf Hiroshima am 6. August 1945.

Der von der Roten Armee gewonnene Krieg führte dazu, dass sich der Personenkult um den „Retter“ Stalin noch verstärkte und diesen zur mythischen Figur erhob. Tatsächlich trug der Diktator die Verantwortung für katastrophale Niederlagen im ersten Kriegsjahr 1941. Weitere Säuberungswellen, die jetzt einsetzten, kosteten erneut hohe Parteifunktionären das Leben.

Als außenpolitisch wieder Frieden herrschte, galt es, das vor allem im westlichen Teil zerstörte Land neu aufzubauen. Dafür wurden im großen Stil Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus den Lagern eingesetzt. 1948 war das Vorkriegsniveau wieder erreicht und die Produktion stieg auch in der Folgezeit stetig. Da die Produktionsgüter nach wie vor den industriellen Schwerpunkt bildeten, stieg der Lebensstandard im Vergleich zu den Kriegsjahren kaum. Hoffnungen auf eine Liberalisierung des totalitären Systems erfüllten sich nicht.

Nachkriegszeit

Juden in der SU

Bei Gründung der Sowjetunion lebten etwa 2,5 Millionen Juden in ihr, von denen in den 1920er Jahren 300.000 auswanderten, da ihnen die Bolschewiki mit ihrer Wirtschaftspolitik die Lebensgrundlage entzogen. Durch die Besetzung Ostpolens im Zweiten Weltkrieg kamen zusätzlich über 2 Millionen Juden unter russische Herrschaft.

Die Nazis organisierten nach dem deutschen Angriff 1941 die systematische Ermordung von Juden und Kommunisten durch Einsatzgruppen aus SS, Sicherheitsdienst und Gestapo. Vielerorts kollaborierten Einheimische dabei mit den Deutschen.

Dabei hatten sich die sowjetischen Juden dem Regime gegenüber loyal gezeigt - 500.000 von ihnen hatten in der Armee gedient, davon waren 200.000 gefallen. Zum Dank beschimpfte Stalin sie nach dem Weltkrieg als „wurzellose Kosmopoliten“. Von 1948 bis 1952 wurden alle jüdischen Institutionen in der SU vernichtet und die Religionsausübung behindert. Die Shoa (heb. für Unheil; große Katastrophe; Bezeichnung für den Holocaust) wurde nur mangelhaft aufgearbeitet.

Im Februar 1952 brach die Sowjetunion ihre diplomatischen Beziehungen mit Israel ab.

1953 wurde eine Reihe jüdischer Ärzte angeklagt, sich gegen Stalin und das Regime verschworen zu haben. Angeblich seien Regierungsmitglieder getötet worden, weitere Morde seien in Planung. Daraufhin kam es zu Verhaftungen, Deportationen, Verurteilungen und Exekutionen. In den Massenmedien tobte antisemitische Propaganda.

Beginn des Kalten Krieges

Nachdem der Zweite Weltkrieg gewonnen war, sollte die Anti-Hitler-Koalition aus Großbritannien, den USA und der Sowjetunion rasch zerbrechen. Bereits während des Kampfes gegen Nazideutschland, was die Klammer dieser heterogenen Vereinigung gewesen war, hatten sich Risse aufgetan. Ressentiments waren nur zeitweilig unterdrückt worden. Auf russischer Seite hatte man die Intervention der Westmächte im Bürgerkrieg auf Seiten der Weißen noch gut im Gedächtnis, während sich die kommunistische Weltrevolution für die kapitalistischen Mächte als Schreckgespenst verkleidete. Mit dem Hitler-Stalin-Pakt, der Besetzung Ostpolens, dem Angriff auf Finnland und der Einverleibung der baltischen Staaten hatte sich die Sowjetunion zudem als Aggressor gezeigt. Der Systemgegensatz zwischen Marktwirtschaft und Demokratie der Westmächte sowie Planwirtschaft und „Diktatur des Proletariats“ der SU hatte etwas Grundsätzliches, sodass es beiderseitig neben den politischen auch ideologische Vorbehalte gab.

Auf der Potsdamer Konferenz (17. Juli bis 2. August 1945), der letzten Kriegskonferenz der „Großen Drei“, tagten die Regierungschefs Winston Churchill, nach der Unterhauswahl Clement Attlee, für GB, Harry S. Truman für die USA und Josef Stalin für die SU.

Truman war dem am 12. April verstorbenen Franklin D. Roosevelt als Präsident nachgefolgt. Dieser hatte ein gutes Verhältnis zu Stalin gehabt, wohingegen Truman dem Diktator mit äußerster Skepsis begegnete. Auch Churchill misstraute den Sowjets und war von deren Vorgehen beunruhigt. Zwei Monate vor der Potsdamer Konferenz telegraphierte er an Truman: „Ein eiserner Vorhang ist vor ihrer Front niedergegangen. Was dahinter vorgeht, wissen wir nicht.“

In den Fragen nach der geographischen Neuordnung Deutschlands und den zu leistenden Reparationen traten die Gegensätze dann offen zutage. Stalin hatte die Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie eigenmächtig Polen zugeschlagen und forderte an Reparationen ein Vielfaches von dem, was die Westzonen des besetzten Deutschlands aufzubringen hatten. Auch an das Potsdamer Abkommen hielt er sich nicht.

So setzte sich vor allem auf amerikanischer Seite die Überzeugung durch, dass Deutschland im Interesse Gesamteuropas nicht in ein „Armenhaus“ verwandelt werden dürfe. Dies bereite nur den Nährboden für die Ausbreitung der kommunistischen Ideologie.

Der Beginn des Kalten Krieges wird mit der Irankrise identifiziert. War die Sowjetunion 1945 Gründungs-mitglied der Vereinten Nationen (UNO) gewesen, zu deren wichtigsten Aufgaben die Sicherung des Weltfriedens zählt, setzte sie diesen nun aufs Spiel: Sie versuchte in den Jahren 1945/46, iranische Provinzen abzuspalten, um dort prosowjetische Staaten zu etablieren. Auch in Teheran sollte ein kommunistisches Regime installiert werden. Unverhohlen drohte Truman mit dem Einsatz von Atomwaffen, wenn Stalin die sowjetischen Truppen nicht abzöge.

Als sich die Situation in der Türkei und vor allem in Griechenland, wo ein Bürgerkrieg tobte, verschärfte und Moskau nach amerikanischer Auffassung dort den kommunistischen Umsturz plante, ging der US-Präsident („Das russische Fernziel heißt Weltherrschaft“ „Macht ist das einzige, was die Russen verstehen“) zur Containment-Politik über, also zur weltweiten Eindämmung des kommunistischen Einflusses. Für eine solche Politik hatte sich George F. Kennan, der Chef des Planungsstabes im US-Außenministerium lange stark gemacht.

Ausdruck der neuen Politik wurde die im März 1947 vor dem Kongress verkündete Truman-Doktrin, mit welcher der Präsident versprach, allen „freien Völkern beizustehen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen“. Vor allem „wirtschaftliche und finanzielle Hilfe“ sollte darunter zu verstehen sein. Truman sah zwei verschiedene Lebensformen in der Welt, eine freiheitliche und eine totalitäre. Letztere „stützt sich auf Terror und Unterdrückung, auf die Zensur von Presse und Rundfunk, auf manipulierte Wahlen und auf den Entzug der persönlichen Freiheiten.“.

Der Marshallplan und das Eingreifen im Koreakrieg (1950-1953) wurden dann auch mit den Argumenten der Truman-Doktrin begründet.

Die Sowjetunion strebte ihrerseits danach, den eigenen europäischen Machtbereich zu konsolidieren. Durch den Krieg hatte sie ihr Territorium deutlich vergrößert. In den von der Roten Armee besetzten Ländern wurden „Satellitenstaaten“, abhängige kommunistische Diktaturen, errichtet und die Opposition gewaltsam ausgeschaltet. Mit dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) wurde ein sozialistisches Pendant zum Marshallplan ins Leben gerufen. In internationalen Verhandlungen über ein Welthandelsabkommen hatte sich die SU mit den Westmächten nicht einigen können, sodass sich insgesamt zwei verschiedene Wirtschaftssysteme herausbildeten, was den einzelstaatlichen Handel zwischen den Blöcken extrem erschwerte.

Durch einen Putsch in der Tschechoslowakei im Februar 1948 übernahmen die Kommunisten auch dort die Macht. Von den Osteuropäischen Ländern konnte alleine Jugoslawien unter Tito den sowjetischen Einfluss in Grenzen halten. Mit der Berlinblockade versuchte die SU, die Westmächte aus Berlin zu vertreiben, was jedoch nicht gelang. 1949 erprobte sie erfolgreich die erste sowjetische Atombombe. Im selben Jahr wurde China kommunistisch und 1950 griff in Korea der von der SU besetzte kommunistische Norden den von den Amerikanern besetzten Süden an. Aufgrund dieser Ereignisse waren die Vereinigten Staaten alarmiert, zumal vor dem Hintergrund der Lehre von der Weltrevolution.

Der Kalte Krieg (auch Ost-West-Konflikt) prägte das Weltgeschehen jahrzehntelang. Es kam zur Teilung Europas in zwei ideologische und politische Blöcke mit zugehörigen Militärbündnissen: die NATO und der Warschauer Pakt. Die sich gegenüberstehenden Machtblöcke bekämpften sich zwar nicht in einem offenen Krieg, doch beschwor ein umfassendes Wettrüsten das Szenario eines atomaren Vernichtungskrieges herauf.

Es handelte sich um einen allumfassenden Konflikt der Systeme: Demokratie gegen Diktatur, Marktwirtschaft gegen Planwirtschaft, Kapitalismus gegen Kommunismus. Dieser Konflikt wurde auf allen Ebenen ausgetragen: in der Kultur, im Sport, in Wissenschaft und Technik - überall sollte die Überlegen-heit des eigenen Systems aufs Neue bewiesen werden.

Am 5. März 1953 starb Josef Stalin, wodurch der Ost-West-Konflikt nicht endete. Als skrupelloser Alleinherrscher hatte er der Geschichte seinen Stempel aufgedrückt und seinen Teil zur globalen Spaltung beigetragen. Weltweit bezeugten Kommunisten und Teile der linken Intellektuellen ihre Trauer. Seine Leiche wurde einbalsamiert und neben Lenins Leiche im Lenin-Mausoleum aufgebahrt. Noch heute genießt Stalin in Russland vor allem in älteren Bevölkerungsteilen Popularität: In einer Umfrage von 2009 äußerten sich 37.% der Befragten, sie hätten ihm gegenüber eine positive Einstellung.

Totalitarismus

Totalitarismus findet sich in totalitären Systemen. Es handelt sich um eine politische Herrschaft mit dem Anspruch, sämtliche staatlichen und gesellschaftlichen Bereiche zu erfassen und über die Beherrschten volle Verfügungsgewalt zu besitzen. Grundrechte und Gewaltenteilung existieren im Totalitarismus de facto nicht. Das Gegenteil ist der freiheitlich-demokratische Rechtsstaat/Verfassungsstaat.

Eine totalitäre Herrschaft geht über autoritäre Regime hinaus, insofern sie nicht nur eine Diktatur ist, sondern auch darauf zielt, gemäß einer bestimmten religiösen oder weltanschaulichen Ideologie, z. B. dem Marxismus-Leninismus, den „neuen Menschen“ zu schaffen. Über Erziehung und Propaganda sollen die Beherrschten von klein auf indoktriniert werden, sodass sie das System von sich aus möglichst mit Enthusiasmus bejahen. In vom Regime kontrollierten Massenorganisationen werden sie zur dauerhaften Mobilisierung und zur aktiven Teilnahme am Staatsleben motiviert. Der Entzug individueller Freiheitsrechte wird mit der Unterordnung des Einzelnen unter das Kollektiv begründet.

Weitere Merkmale des Totalitarismus sind eine Einheitspartei (im Falle der SU die KPdSU), ein Führer-kult, gesellschaftlicher Militarismus und eine aggressive Außenpolitik.

Spitzel- und Geheimdienste schalten durch Willkürakte (Terror, Repressionen, Verhaftungen, Deportationen, Lager, Exekutionen) die Opposition und andere dem Regime missliebige Personen aus. Dementsprechend viele Menschenopfer forderten die totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts.

Unter sie werden von vielen Historikern das faschistische Italien unter Benito Mussolini (1922-45) und üblicherweise das nationalsozialistische Deutsche Reich unter Adolf Hitler (1933-45) sowie die Sowjetunion unter Josef Stalin (1924-53) gezählt. Vor allem die Wesensähnlichkeit zwischen den letzten beiden wird dabei betont.

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