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Georg Büchner

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Steckbrief

Autoren: Georg Büchner
Abb. 1: Georg Büchner
Autoren: Georg Büchner
Abb. 1: Georg Büchner
Beruf:
  • 1831-1833: Büchner studiert vergleichende Anatomie in Straßburg.
  • 1833-1834: Er führt sein Studium in Gießen fort. Zudem gründet er mit anderen Studenten im Geheimen eine Sektion der „Gesellschaft für Menschenrechte“. In diesem Umfeld veröffentlicht Büchner sein erstes Werk, den Hessischen Landboten.
  • 1835: Büchner schreibt sein erstes Drama, Dantons Tod, und flieht nach Straßburg aus Angst vor Verfolgung durch die Behörden.
  • 1835-1837: Literarische Betätigung (ohne Veröffentlichungen) und wissenschaftliche Arbeit. 1836 findet Büchner eine Anstellung als Dozent in Zürich, wo er 1837 stirbt.
#büchner

Biographie

Georg Büchner erblickte das Licht der Welt am 17.10.1813 in Goddelau, während die Völkerschlacht bei Leipzig für einen Tag größtenteils ruhte. 1816 zog die Familie nach Darmstadt um, da Georgs Vater Karl Ernst Büchner dort eine Anstellung als Stadtphysicus fand (ein Stadtphysicus war für die Gesundheit der Stadtbevölkerung verantwortlich). Von der Mutter wurde er 1821 zunächst zuhause unterrichtet, nach dem Besuch einer Privatschule wurde Georg Büchner 1825 im Darmstädter Gymnasium aufgenommen. Der junge Büchner interessierte sich von kleinauf für Politik und Religion. Die protestantische Mutter sorgte für seine Kenntnisse der Bibel, während der liberale Vater - der 1811 noch als Regimentsarzt beim französischen Heer gedient hatte - Georg in seinen politischen Ansichten prägte. Von ihm stammte auch die Sympathie Georgs zur französischen Revolutionsbewegung, die er auch offen in der Schule äußerte, als sich das Pariser Volk im Juli 1830 gegen seinen Herrscher erhob. Büchner war ein sehr guter Schüler, übersprang eine Klasse und erlangte sein Abitur 1831. Im selben Jahr schrieb sich Büchner für den Studiengang Vergleichende Anatomie in der Straßburger Universität ein. Hier offenbarte sich wieder die Prägung des Vaters, wie er und seine Vorfahren beschäftigte er sich mit der Medizin. Büchners Aktivität ging aber über das naturwissenschaftliche Interesse voraus, in Straßburg knüpfte er erste Kontakte zu Kommilitonen, die ebenfalls eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft herbeisehnten. Büchner bekannte seiner Familie in einem Brief, dass er auch Gewalt für die Erfüllung revolutionärer Absichten toleriere und als notwendig erachte. Aktiv beteiligte er sich am regen politischen Leben der Studenten zur Zeit des Vormärz. In seinen ersten Aufenthalt in Straßburg fällt auch seine geheime Verlobung mit der Pfarrerstochter Louise Wilhelmine Jaeglé (1810-1880).
Da die damalige Rechtslage Büchner nicht erlaubte, mehr als zwei Jahre im Ausland zu studieren, musste der frisch Verlobte 1833 nach Gießen ziehen. Büchner tat sich schwer, sich an den Ortswechsel zu gewöhnen. Zum einen vermisste er seine Geliebte, zum anderen das politisch eher liberale Leben in Straßburg. Gießen wirkte auf ihn politisch konservativ, Meinungsfreiheit war nach den Karlsbader Beschlüssen von 1819 nicht gegeben. Büchner passte sich aber nicht an, las zahlreiche Texte über die Französische Revolution. Aus dieser Lektüre erwuchs in ihn die Erkenntnis, dass die Geschichte nicht vom Individuum in einem Akt des Heldentums geändert wird, sondern dass die Geschichte die Menschen in ihrer Gewalt hat und deren Leben formt. Diese Geschichtsfatalismus genannte Ansicht findet sich in Büchners späterem Drama Dantons Tod wieder.
Anstatt ob dieser Weltsicht zu resignieren und die Politik Politik sein zu lassen, engagierte sich Büchner weiterhin für eine Revolution, und zwar mehr als je zuvor. In Gießen fand er nun doch ähnlich gesinnte Kommilitonen, mit denen er eine geheime Sektion der Gesellschaft der Menschenrechte gründete, für welche französische Arbeiter- und Republikanerverbände Pate standen. Büchner verfasste 1834 die Flugschrift Der Hessische Landbote, welche zum gewaltsamen Widerstand gegen die Unterdrückung durch den Adel und die finanzielle Elite aufrief. Damit zog die Gesellschaft der Menschenrechte den Zorn der hessischen Regierung auf sich. Karl Minnigerode, ein Schulfreund Büchners, wurde mit 139 Exemplaren des Hessischen Landboten verhaftet. Alarmiert, aber nach wie vor kämpferisch ließen Büchner und seine Mitstreiter weitere Exemplare der Flugschrift drucken. Im September 1834 beteiligte er sich an der Umformung der Darmstädter Sektion der Gesellschaft der Menschenrechte, organisierte Schießübungen und plante die Befreiung seines Freundes aus dem Gefängnis. Währenddessen studierte er weiterhin die Französische Revolution und begann mit der Niederschrift von Dantons Tod, welches die gleichnamige Ikone der Französischen Revolution zum Thema hat. Im Februar 1835 schließlich schickte er das fertige Manuskript an den Redakteur Karl Gutzkow. Unter dem Druck der Behörden, die einen Steckbrief auf ihn ausstellten, da er nicht zu gerichtlich angeordneten Untersuchungen in der Sache des Hessischen Landboten erschienen war, floh Büchner im März nach Straßburg.
Nachdem im Juli 1835 Dantons Tod veröffentlicht worden war und Büchner als Geldnöten zwei Dramen von Victor Hugo 81802-1885) übersetzt hatte, begann er, sich mit dem Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1791) zu beschäftigen, welcher ein Jugendfreund Goethes in Straßburg gewesen war. Als Vorlage für Büchners Erzählung Lenz dienten ihm der Bericht von Pfarrer Oberlin (1740-1826), der Lenz während eines Aufenthalts im Steintal von seinen psychischen Leiden zu heilen versuchte, eine Biographie über den aufklärerischen und im Elsass berühmten Pfarrer, Goethes Autobiographie Dichtung und Wahrheit und neue Forschungserkenntnisse über Lenz, wonach seine Depression von der hoffnungslosen Liebe zur Pfarrerstochter Friederike Brion verursacht worden war. Wegen der Einschränkung der Pressefreiheit war eine Veröffentlichung der Erzählung in der Literaturzeitschrift, in der auch Dantons Tod erschienen war, im Moment aber unmöglich, weshalb Lenz ein Fragment blieb.
Büchner konzentrierte sich wohl deswegen im Dezember auf seine Dissertation über das Nervensystem der Flussbarbe. Nachdem er wegen seiner Dissertation in der Gesellschaft für Naturwissenschaft in Straßburg aufgenommen worden war, begann Büchner, sich wieder literarisch zu betätigen. So vollendete er das Lustspiel oder die Satire Leonce und Lena für einen Wettbewerb - unglücklicherweise verpasste er aber den Einsendeschluss. Büchner begann auch die Arbeit am Drama Woyzeck, das wieder ernsthaftere Töne als sein Wettbewerbsbeitrag einschlug und den Wahnsinn eines unterdrückten Soldaten nachzeichnet. Da er aufgrund seiner Dissertation in Zürich die Doktorwürde erhielt, zog Büchner im Oktober 1836 dorthin, um im November seine Lehrtätigkeit aufzunehmen. Sein Drama konnte er nicht mehr fertigstellen: Im Janur 1837 erkrankte er an Typhus, woran er am 19. Februar starb.

Werk und Einordnung

Büchner ist sowohl durch seine aktive Beteiligung an der libertären Studentenbewegung im Vormärz typisch für seine Epoche als auch durch seine einzigartige Weltsicht und sein äußerst kritisches Wesen, das auch vor den Revolutionsbestrebungen in Deutschland nicht Halt machte, ein Sonderfall in der deutschen Kultur- und Politikgeschichte. Er war Teil einer Generation, die sich gegen die von Österreich, Preußen, Frankreich und Russland betriebene Restauration stellte, welche liberale und nationale Strömungen unterdrückte. In diesem Zusammenhang ist vor allem seine erste veröffentlichte Schrift, Der Hessische Landbote von 1834 zu sehen. Sein Lebenslauf an dieser Stelle ist beispielhaft für den Vormärz: Ein junger, von den Umständen seiner Zeit enttäuschter Student, der sich im Geheimen mit ähnlich Denkenden verbrüdert, verwendet seine Sprachgewalt, um die Veränderung ungerechter Verhältnisse herbeizuführen. Auch wenn Der Hessische Landbote eine Flugschrift und kein literarisches Werk ist, so fällt doch auf, dass der Verfasser kein ungebildeter Radikaler ist. Auffallend ist die sprachliche Versiertheit der Flugschrift. Auch lassen sich in ihr einige Motive finden, auf die Büchner in seinen späteren Werken zurückkommt. Er thematisiert den Unterschied von religiöser Verheißung der Gleichheit aller Menschen und der gesellschaftlichen Realität, wobei er sich auf die Seite der einfachen, leidenden Bevölkerung schlägt, die von den Reichen und Mächtigen unterdrückt wird. Das Selbstverständnis Büchners wird hier deutlich. Er sieht sich als jemand, der mit seiner Sprache für den Wandel eintritt. Sowohl künstlerisch als auch politisch ist der junge Student sehr ambitioniert.
Unter dem Eindruck der sich trotz der Flugschrift nicht verändernden Lage und der Gefahr für das eigene Leben durch die Behörden widmet sich Büchner nach der Verfassung der Flugschrift vor allem der Literatur. Dem radikalen Demokraten fehlt es an Naivität und Fanatismus, um seine Hoffnungen ganz in eine Revolution zu setzen, wo ihm doch viele der deutschen Oppositionellen als zu bürgerlich und zu gemäßigt gelten. Andererseits zeigt auch sein erstes literarisches Werk, Dantons Tod, eine Skepsis gegenüber der revolutionären Wirkung von Gewalt. Die in Dantons Tod beschriebenen Geschehnisse während der Französischen Revolution wurden von Büchner historisch weitgehend akkurat wiedergegeben, was an seiner sorgfältigen Recherche liegt. Obwohl das 1835 erschienene Drama damals keine große Aufmerksamkeit erregte, wird es heutzutage als ein stilbildendes Werk angesehen. Modern sind Büchners Collagetechnik und geschichtliche Genauigkeit (ein großer Teil des Textes besteht aus historischen Zitaten), die Wiedergabe einer ungeschönten Realität und die Beschäftigung mit der jüngeren Geschichte, die eine politische Relevanz für die Leser haben sollte. Wie auch im Hessischen Landboten kritisiert Büchner hier eine herrschende Klasse - doch diese herrschende Klasse besteht aus Revolutionären, die ihre Macht ausnutzen und das Volk zur Gewalt gegen die eigenen politischen Gegner aufhetzt, indem sie ihm dadurch die Verbesserung seiner Situation verspricht. Das heißt nicht, dass Büchner sich nun gegen Revolutionen im Allgemeinen wendet, aber aus dem jungen Studenten ist nun ein junger Mann mit Erfahrung geworden. Zunehmend widmet sich Büchner nun auch philosophischen Themen, die sich mit der gesellschaftlichen Problematik verbinden. So thematisiert er die Bestimmung des Subjekts durch den Lauf der Geschichte (sogenannter Geschichtsfatalismus) sowie Atheismus und Nihilismus und deckt die Missstände auf, die durch machtbesessene Autoritäten verursacht werden. Zwischen weltanschaulich begründetem Pessimismus und ungerechten Verhältnissen aufgerieben, scheitert der Lebensentwurf des Individuums (Danton).
Auch Büchners übrige Werke beleuchten vor allem die Rolle des Einzelnen, der mit sich und seinem Umfeld nicht zufrieden ist. Die Erzählung Lenz (1835) und das DramaWoyzeck (1837) konzentrieren sich dabei auf das schwache, scheiternde, von der Gesellschaft ausgegrenzte Individuum. Auch manifestiert sich hier das medizinische Interesse des Sprosses einer Arztfamilie. Büchner ist einer der ersten, die den Wahnsinn weder mit distanziertem Voyeurismus noch mit Abscheu vor den Verrückten schildern. Ganz im Gegenteil beschreibt Büchner den Wahnsinn an vielen Stellen sachlich, wissenschaftlich und realistisch, wobei er dem Leser stets ermöglicht, sich in die Wahnsinnigen hineinzuversetzen. In Woyzeck ist der titelgebende Verrückte zwar der Mörder seiner Geliebten, doch wird sein Wahnsinn als das Produkt gesellschaftlicher Verhältnisse beschrieben. Erniedrigung durch die Oberschicht, die Untreue der Geliebten und eine einseitige Ernährung mit Erbsen (die erwiesenermaßen zu Halluzinationen führt, von welchen Woyzeck dem Doktor berichtet) sind die Ursache einer Tat aus Verzweiflung. Die Frage nach dem Warum des Wahnsinns bleibt in der Erzählung Lenz offen, der Leser kann die Antwort nur vermuten. Lenz zeichnet nach, wie die Gesellschaft einen Verrückten falsch behandelt, ihm mit Unverständnis begegnet und somit seinen Zustand nur verschlimmert: Am Ende verliert der gescheiterte Dichter den Willen zu leben. Der Pfarrer Oberlin schafft es nicht, seinen Gast zu kurieren, da er sich nicht in ihm einfühlen kann. In diesem Zusammenhang greift Büchner auch die Thematik des Atheismus/Nihilismus erneut auf. Woyzeck dagegen zeichnet nach, wie die Gesellschaft Verrückte verursacht. Beide Male tragen die Umstände die Schuld, der Verrückte wird mit einem mitleidigen Blick bedacht und nicht verteufelt. Diese Anprangerung von Fehlverhalten ist keine Abkehr von der Vergangenheit Georg Büchners. Die in diesen Werken enthaltene Kritik ruft auch zur Veränderung auf, wenn auch nicht mit den aktivistischen Worten des Verfassers der Flugschrift. Unter Umständen könnte dies der Tatsache geschuldet sein, dass Büchner die Werke veröffentlichen wollte - offene Kritik wurde sofort zensiert, Büchner musste sich daher zurückhalten. Zu einer Veröffentlichung der beiden Werke kommt es aber nicht, beide bleiben Fragment.
Das Lustspiel Leonce und Lena, genau zwischen Lenz und Woyzeck im Jahre 1836 entstanden, blieb zwar kein Fragment, wurde aber ebenfalls nicht veröffentlicht. Seine Andersartigkeit im Vergleich zu Büchners anderen Werken entspringt wohl dessen Plan, es bei einem Wettbewerb antreten zu lassen, was aber nicht gelang, da Büchner den Einsendeschluss verpasste. Melancholie und die Lenz'sche Unlust am Leben sind hier zwar ebenfalls enthalten, ebenso wie eine allgemeine Sinnlosigkeit des menschlichen Tuns, doch werden diese Themen humoristisch behandelt. Auch die Perspektive ist für Büchner ungewöhnlich: Der titelgebende Leonce ist der Sohn eines Königs. Der Grundkonflikt zeigt aber durchaus Ähnlichkeit zu seinen anderen Werken. Leonce, der sein Leben als ungeheuer langweilig und sinnentleert empfindet, wird von seinem Vater die Heirat mit der Prinzessin Lena befohlen. Das Individuum wird also von oben kontrolliert. Auf seiner Flucht lernt er Prinzessin Lena kennen, eine Melancholikerin wie er, die nicht gewillt ist, einen ihr unbekannten Mann auf Befehl zu heiraten. Leonce und Lena kennen einander jedoch nicht, sodass sie nicht wissen, dass sie ihren jeweiligen Partner angetroffen haben. Paradoxerweise verlieben sie sich und beschließen, im Königreich von Leonces Vater zu heiraten, was sie dann auch tun. Wieder stellt Büchner die Frage, inwieweit der Mensch in seinem Handeln frei ist. Gleichzeitig ist das Lustspiel aber auch eine Gesellschaftssatire, die die Dekadenz des deutschen Adels anprangert, der trotz seines Reichtums keine Freude am Leben empfindet, während die Bauern um ihre Existenz kämpfen müssen.
In Georg Büchners sämtlichen Werken findet sich die Kritik an der Gesellschaft - diese ist das Hauptthema des sehr jung verstorbenen Autors. Seine Kunst ist wild, voller Gewalt, Hoffnungslosigkeit, Wahnsinn und sozialer Ungerechtigkeit. Einzig Leonce und Lena hat kein historisches Vorbild und hat auch einen versöhnlicheren Charakter als seine anderen Werke, die allesamt düster auf den Leser wirken. Dabei ist auch Leonce und Lena nicht unpolitisch, sondern eine bissige Satire, die trotz ihres Lustspielcharakters eine unterschwellige Melancholie enthält - so ist deren Protagonist, Leonce, ein buchstäblich lebensmüder junger Prinz, der in der Karikatur eines deutschen Kleinstaats zu Büchners Zeiten ein von der gesellschaftlichen Problematik seiner Zeit völlig abgeschottetes, dekadentes Leben führt. In Dantons Tod frisst die Revolution ihre eigenen Kinder, in Lenz wird ein Dichter wahnsinnig, versucht sich umzubringen und verliert seinen Lebenswillen, in Woyzeck tötet ein von der Gesellschaft gedemütigter Soldat seine ihn betrügende Geliebte in einem Akt der durch Verzweiflung bedingten Grausamkeit. Büchner schrieb gegen die bestehende Gesellschaft an, wobei er nicht den Glauben daran besaß, dass sich alles zum Guten wendet. Pessimistisch beurteilte er das Potenzial der Bevölkerung, die Verhältnisse zu ändern, als ungenügend. Mit 23 verstarb ein äußerst talentierter Schriftsteller, der sich die Dinge niemals einfach machte, eine moderne, nah am Leben stehende und oftmals als vulgär aufgefasste Sprache entwickelte und in seinen Werken historische, soziologische und philosohpische Themen verarbeitete. Büchner hatte dabei den Anspruch an sich, mit seiner Literatur nah an der Wirklichkeit zu sein. Deswegen liegen Dantons Tod historische Studien zugrunde, deswegen können Lenz und Woyzeck auch als pathologische Fallstudien gelesen werden. Büchners Charaktere sind keine Helden und keine Schurken, sie erwecken Mitleid ebenso, wie sie durch ihre Taten erschreckend erscheinen. Seine Werke dachte er als Abbildungen der Realität, die auch eine Bedeutung außerhalb des Reichs der bloßen Ideen haben, die sich also auf aktuelle Konflikte beziehen. Explizit richtete er sich gegen Schiller und den Idealismus, dessen Figuren ihm wie leblose Puppen erschienen. Wegen dieser Haltung, den lebensechten Personen, die in Büchners Schriften enthalten sind und der wirklichkeitsgetreuen Sprache, die auch die alltäglichen Obszönitäten aufgreift, wird er auch als ein wesentlicher Vorbereiter des Realismus gewertet, auch wenn sich sein Schaffen im Rahmen des Vormärz bewegt. Stets wollte Büchner erneuern, mit seiner jugendlichen Kraft das mit Fehlern behaftete Alte entlarven. Durch seine radikale, nicht bürgerliche Einstellung und seine Zweifel gegenüber der literarischen Bewegung des Jungen Deutschland, die diese neue Epoche vorantrieb, hat Büchner jedoch eine Sonderrolle im Vormärz inne.

Form und Sprache

Büchner ist uns vor allem als Autor von Dramen bekannt: Drei seiner vier literarischen Werke, nämlich Dantons Tod, Leonce und Lena und Woyzeck sind dramatische Stücke. Dantons Tod und Woyzeck Tragödien, Leonce und Lena jedoch ein Lustspiel, somit eine Komödie. Büchners erste Schrift, der Hessische Landbote, bezweckt in erster Linie den Aufstand der Bevölkerung und wird mithin nicht zum künstlerischen Schaffen des Autors gezählt. Als einzige Erzählung ist uns Lenz erhalten geblieben, wobei man davon ausgeht, dass Büchner diese Form wählte, da er Geld benötigte und Novellen damals sehr populär waren. Auch wenn Büchner sehr jung gestorben ist und allgemeine Aussagen über sein Lebenswerk schwer zu treffen sind, da Büchner kaum Zeit hatte, alle seine Pläne zu verwirklichen, zeigt sich bei ihm dennoch eine Tendenz zum Drama. Ihn mag an dieser Gattung vor allem die Gelegenheit interessiert haben, komplexe Charaktere aus verschiedenen Schichten oder Ständen aufeinandertreffen zu lassen. In seinen dramatischen Stücken findet sich eine detailliert herausgearbeitete Gesellschaftsdynamik: Das Subjekt gegen die Allgemeinheit, oben und unten, Herrscher und Untertan.
Die Literatur Büchners orientiert sich nicht an der von Schiller entworfenen Ästhetik der Weimarer Klassik. Vielmehr ist Shakespeares freie Form ein Vorbild für Büchner: Er lässt sich nicht durch die aristotelische Dramenkonzeption einengen, nach welcher ein Drama aus genau fünf Akten bestehen und eine Einheit von Raum, Zeit und Handlung enthalten soll. Büchners Dramen spielen an vielen verschiedenen Orten, es gibt Nebenhandlungen wie die Sitzungen des Nationalkonvents in Dantons Tod, während dieser auf sein Schicksal im Gefängnis wartet. Auch wendet sich Büchner vom pathetischen Stil des Schiller'schen Idealismus ab. Camille Desmoulins, ein Freund Dantons, klagt über den fünfhebigen Jambus, der ein Merkmal des sogenannten Blankverses ist, welcher einige der damaligen Dramen dominierte. Büchner verzichtet auf ästhetische Elemente, die von tatsächlichen Leben entfernt sind - somit sprechen seine Figuren auch nicht in Versen, sondern in Prosa. Wo Schiller noch versuchte, den Charakter seiner Figuren durch Veränderungen des Rhytmus oder des Reimschemas auszudrücken, geschieht dies bei Büchner vor allem durch Veränderungen des Vokabulars. Seine Charaktere erhalten somit auch sprachlich eine eigene Persönlichkeit. Als Beispiel hierfür kann Dantons Tod gelten. Simon, der beim Theater arbeitet, übernimmt teilweise die Sprache des Theaters, als einzige Person spricht er teilweise in Versen, wobei seine Sprache absichtlich deplatziert wirkt. Der Beruf färbt also auf ihn ab. Danton und seine Freunde, die meisten davon Genussmenschen, schrecken nicht vor Anzüglichkeiten zurück, reden offen über „Hintern“ oder darüber, sich auf der Straße zu „begatten wie die Hunde“. Solche Redewendungen in dramatischen Werken - das empörte einige der Leser, waren sie doch sonst an die edle Einfalt, stille Größe von Schiller gewöhnt. Büchner konnte die Kritik nicht nachvollziehen, war er doch überzeugt, dass eine wirklichkeitsgetreue Sprache notwendig war, wenn man über das wahre Leben schrieb. Außerdem, so meinte er, sei das Vulgäre in seinem Werk nichts gegen die noch viel vulgärere Sprache zur Zeit der Französischen Revolution.
Büchner verstand sich also nicht als jemand, der die Realität zu verschönern hatte, sondern als ein Autor, der die Geschichte so nachzeichnet, wie sie passiert ist. Daher enthalten Dantons Tod wie auch Lenz zahlreiche Zitate - für das Drama las Büchner eifrig Journale seines Vaters über die Französische Revolution, für die Erzählung diente Oberlins Bericht über Lenz' Aufenthalt bei ihm im Steintal. Büchner wollte das literarische Geschehen der Historie angleichen, auch wenn er einzelne Details ausließ oder veränderte. Nicht nur Figuren, sondern auch die Handlung sollte realistisch sein. Darüberhinaus ist Büchner dafür bekannt, dass er eigene Gedanken durch seine Figuren äußern lässt. Formulierungen aus den Briefen an seine Familie oder seine Geliebte finden sich, kaum verändert, in seinen Werken wieder. Danton wird so die Rolle zuteil, Büchners Geschichtsfatalismus zu vertreten, in Dantons Tod und Lenz gibt es jeweils ein Kunstgespräch, in welchem die Charaktere für den Realismus eintreten und den Idealismus kritisieren.
Der sprachliche Stil des Autors ist breit gefächert. Je nach Figur verwendet Danton in seinen Dramen eine andere Sprache, wie oben bereits erwähnt. Von der detaillierten Schilderung von Gewalt, von sexuellen Anspielungen schreckt er nicht zurück. Seine Sprache kann aber auch einfühlsam und ruhig sein - sie gleicht sich dem Inhalt, der Situation, den Charakteren an, ist dadurch unvorhersehbar und facettenreich. Büchner hat großen Wert darauf gelegt, seine Sprache personal zu gestalten.
Seine sprachliche Flexibilität fällt vor allem bei der Erzählung Lenz auf. Auf eindrucksvolle Weise sind hier Sprache und die seelische Verfassung Lenz' verwoben. Der Wahnsinn zeigt sich sowohl in kurzen Sätzen, die die Normalität des Verrücktseins für Lenz verdeutlichen. Ein Satz wie „Müdigkeit spürte er [Lenz] keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, dass er nicht auf dem Kopf gehn konnte“ wird vom Erzähler nicht kommentiert, der sich somit um eine Innenansicht des Dichters bemüht. Unkommentiert bleiben auch die anderen zahlreichen, nicht logischen Gedanken und Verbindungen, die Lenz zwischen den Dingen zieht, die gleichsam für ihn aber normal sind. Die Andersartigkeit des psychisch labilen Gemüts zeigt sich in Aneinanderreihungen von Gefühlen, die schwer einzuordnen sind. Wie soll der Leser einen Einschub wie „Alles so dicht“ interpretieren? Die Gedanken schießen förmlich durch Lenz' Kopf, keiner verweilt - ein Zeichen für eine Schizophrenie. Büchner variiert auch die Syntax seiner Sätze je nach der Gemütsverfassung Lenz'. Am Ende, als der Dichter keine Freude mehr am Leben empfinden kann, nachdem er schon mehrere Suizidversuche unternommen hat, reiht Büchner kurze Hauptsätze aneinander, um die Resignation der gescheiterten Existenz zu verdeutlichen. Die Gefühllosigkeit führt dazu, dass der Leser in der Perspektive wechselt und Lenz nun von außen betrachtet. Damit verdeutlicht Büchner, dass Lenz sein Selbst verloren hat. Die Wunschlosigkeit, der verlorene Lebenswillen führt zu einer gewissen Sachlichkeit im Ton. Dem steht der Anfang der Erzählung gegenüber. Hier löst Büchner die Syntax seiner Sätze auf, der Hauptsatz verliert sich in immer weiteren Einschüben, wodurch ein parataktischer Stil entsteht. Mit der zunehmenden inneren Bewegung, die der Stürmer und Dränger Lenz bei seiner Wanderung durch die Natur empfindet, werden die Sätze immer länger, die Parataxen häufiger - man merkt, wie er seinen Geist ausstreckt, um die ganze Natur in sich aufzunehmen. Eine besonders herausragende Leistung ist es, dass Büchner sprachlich den Sturm und Drang aufgreift, da sein Protagonist einer der wichtigsten Stürmer und Dränger war. Es lassen sich zahlreiche Beschreibungen der Natur finden, in denen sich Lenz' seelischer Zustand spiegelt.
Die Flexibilität seiner Sprache, die er seinen Werken und den auftretenden Figuren angleicht, seine Methodik, das Thema seiner Schriften sorgfältig zu recherchieren - dies macht Büchner zu einem Wegbereiter nicht nur des Realismus, sondern auch der Moderne.

Wichtige Werke

  • 1835
    Dantons Tod (Drama)
    Zensur durch den Redakteur Karl Gutzkow, um eine Veröffentlichung zu ermöglichen
    Uraufgeführt 1902 in Berlin - große Beachtung erhält das Drama erst lange nach dem Tode Büchners
    Das einzige veröffentlichte literarische Werk Büchners

    Lenz (Erzählung)
    Wird 1839 posthum von Karl Gutzkow veröffentlicht
  • 1836
    Leonce und Lena (Lustspiel)
    Uraufgeführt 1895 in München
  • 1836-1837
    Woyzeck (Drama)
    Erschien erst 1879
    Uraufgeführt 1913 in München
Sämtliche oben aufgelisteten Werke wurden verfilmt und als Oper vertont.
Bildnachweise [nach oben]
[1]
Public Domain.
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