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Romantik

Skripte
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Die Romantik dauerte von etwa 1798 bis 1835. In ihre Zeit fallen die Napoleonischen Kriege und die politische Restauration nach der Niederlage Napoleons. Infolgedessen entstanden in diversen europäischen Ländern (auch literarische) Strömungen, die sich auf die Nation und den eigenen, nicht antiken Kulturschatz besannen. Die Kunst wurde somit ebenfalls nationaler, griff Sagen, Mythen und volkstümliche Märchen auf. Während der Suche nach nationaler Identität sehnten manche Künstler sich nach der Zeit des Mittelalters zurück, welches als eine traditionsreiche, vor allem gesellschaftlich feste und sichere Epoche interpretiert wurde. Die aktuellen Kriege und politischen Verstrickungen führten zu einer großen Enttäuschung der Jugend, viele sehnten sich nach der Vergangenheit, der unberührten Natur. Manche Romantiker reagierten auf den Lauf der Geschichte mit dem Eskapismus (Flucht aus der Realität) in eine Phantasiewelt, in der Harmonie und Freiheit herrschen. Darüber hinaus suchten viele Romantiker nach einer metaphysischen Wahrheit und der Verschmelzung von Ich und Welt – nach dem Motto „Zurück zur Natur!“ wollte man nicht nur aus der als bedrückend empfundenen Welt der modernen Stadt in die Ruhe der Natur fliehen, sondern sich durch das Gefühl mit dieser verbinden, um so eine höhere Erkenntnis zu erlangen. Die Aufklärung galt diesen Romantikern als gescheitert, mit Träumen, Gefühlen und Sehnsüchten wollten sie der rationalisierten Gesellschaft entfliehen. Kennzeichnend ist also im Allgemeinen der Wunsch nach der Einheit und der Harmonie mit der Natur.
Die Liebe wurde in der Romantik als stärkstes Gefühl beschrieben, von welchem sich die Liebenden Erkenntnis erhofften. Gefühle und die Suche nach der Wahrheit bildeten für die Romantiker den Sinn ihres Daseins – mit der Liebe verknüpften sich also auch die Hoffnungen er Epoche. Sie stand oft unter dem Aspekt des Ahnungs- und Geheimnisvollen, war Bestandteil der die Romantik bestimmenden Sehnsucht. Romantische Charaktere und lyrische Sprecher suchen nach der Liebe in der Natur. Die Natur vermag es für romantische Charaktere auch, in den lyrischen Sprechern das Gefühl der Liebe zu erwecken. Wälder, Felder, Mond, Sonne und Sterne werden so nicht nur zu Zeugen der Liebe, sondern verbinden sich mit dieser zu einer einzigen, traumhaften Erfahrung der Welt.
Oft findet sich die Sommer- oder Frühlingsnacht als Motiv. Man dachte sich, dass die geheimnisvollen Kräfte der Welt zur Nachtzeit erwachten und dem emotional wie spirituell empfänglichen Gemüt gegeben war, diese zu erkennen. Durch den Fall der rationalen Kräfte zur Nachtzeit sah man es dem romantischen Charakter ermöglicht, die Grenzen zwischen sich und dem Äußeren zu überwinden, um so eins mit allem zu werden. Selbstverständlich war diese Hoffnung ein Ideal und wurde nicht erreicht – dennoch wirkten Nacht, Träume, Sehnsucht, Liebe und der Wunsch nach Erkenntnis eine große Faszination auf die romantischen Autoren aus.
Liebeslyrik: Romantik
Abb. 1: Die Mondnacht ist ein typisch romantisches Motiv, in welchem sich Sehnsucht, Liebe und Natur verbinden.
Quelle: Caspar David Friedrich (1774-1840)
Liebeslyrik: Romantik
Abb. 1: Die Mondnacht ist ein typisch romantisches Motiv, in welchem sich Sehnsucht, Liebe und Natur verbinden.
Quelle: Caspar David Friedrich (1774-1840)
Da man in der Romantik eine ganzheitliche Weltsicht entwickeln wollte, steht die Liebe als Thema nie allein, sondern verbindet sich stets mit anderen romantischen Motiven. Als ultimatives Symbol der Romantik gilt daher die blaue Aster, welches Novalis (1772-1801) erstmals entwarf. Im Bild der blauen Blume vereinigen sich die Sehnsucht nach der Wahrheit, die der romantische Charakter in der Ferne sucht, die Nähe zur Natur, das Göttliche und die Liebe.

Sprache und Form

Die Romantik verstand sich als fortschrittliche und neuartige Bewegung. Auch sie suchte nach neuen Ausdrucksformen und wertete die Konventionen, vor allem die der Weimarer Klassik, kritisch. Die Ode verschwand, populär wurden volksnahe Gattungen wie das Lied, ein musikalischer, schlichter Ton herrschte vor. Es lassen sich aber auch viele Gedichte vorfinden, die keiner bestimmten Gattung zugehörig sind – die dichterische Freiheit war Ausdruck der Individualität. Typisch für die Romantik ist auch der offene, fragmentarische Charakter einiger Werke. Darin drückt sich die romantische Suche nach der Wahrheit und der Harmonie aus, die niemals endete.
Beliebte Stilmittel der Romantik sind die Metapher, der Vergleich und das Symbol. Das lyrische Ich nimmt die Natur nicht nur wahr, sondern erlebte sie, sie beinhaltete für dieses eine innere Wahrheit – oftmals wurde die Natur auch personifiziert, sie trat dann als Akteur auf. Die Liebe wurde durch eine bildreiche, sehr emotionale Sprache ausgedrückt, der Leser muss die Bedeutung hinter den Wörtern daher erahnen. Man versuchte, durch die reichhaltige Metaphorik einen Zustand der Euphorie, des Auszugs des Ichs in die Welt und der Träume zu verdeutlichen.

Beispiel für die Liebeslyrik der Romantik

  • Über'n Garten durch die Lüfte
  • Hört' ich Wandervögel zieh'n,
  • Was bedeutet Frühlingsdüfte,
  • Unten fängt's schon an zu blüh'n.
  • Jauchzen möcht' ich, möchte weinen,
  • Ist mir's doch, als könnt's nicht sein!
  • Alte Wunder wieder scheinen
  • Mit dem Mondesglanz herein.
  • Und der Mond, die Sterne sagen's
  • Und in Träumen rauscht's der Hain
  • Und die Nachtigallen schlagen's:
  • Sie ist Deine, sie ist Dein!
  • (Frühlingsnacht von Joseph von Eichendorff (1788-1857))
An Eichendorffs Gedicht sieht man die Nähe vom lyrischen Ich zur Natur (grün markiert): Diese wird personifiziert zum Komplizen, sie versichert dem lyrischen Ich, dass seine Liebe erwidert wird. Die Liebe wird zu einem Zustand, in welchem die Grenzen fallen. Das lyrische Ich spricht zu seiner Umgebung, es erhascht den Gefühl eines göttlichen Wunders (blau markiert), alles um ihn herum lebt, Träume künden von der Wahrheit. Liebe bedeutet Einssein mit der Welt, sie sprengt den bloßen Verstand, verändert die Wahrnehmung des lyrischen Sprechers grundlegend. Als zauberhafte, geheimnisvolle, metaphysische Kraft, die mit Sehnsucht verbunden ist (violett markiert), wird sie gedeutet. Das Licht (braun markiert) ist hier Zeuge für die erfüllte Liebe des Paars. Wie die Wandervögel zieht auch das Ich in die Welt, nimmt diese ganzheitlich wahr und verspürt so eine starke Euphorie. Subjektivität und Objektivität sind hier dasselbe: Durch seine eigene Wahrnehmung gelangt der lyrische Sprecher an das Wesen der Natur. Harmonie, Geheimnis und Liebe sind Bestandteile eines großen Ganzen.

Fazit

Die Romantik ist eine Zeit der Sehnsucht junger Autoren, die Halt in der Natur, der Vergangenheit und der Spiritualität suchen. Das erzieherische Element der Weimarer Klassik fällt weg, romantische Liebeslyrik dreht sich um das Individuum und dessen Suche nach Erfüllung und Wahrheit. Wie im Sturm und Drang will man die Welt erfühlen, doch steigert sich dieses Gefühl in der Romantik auch oft zum Eskapismus aus der Vernunft bis hin zum Wunsch von Traumwelten. Die Metapher wird zum wichtigsten Stilmittel.
Dichter wie Joseph von Eichendorff (s.o.), Novalis (s.o.), Clemens von Brentano (1778-1842) und Heinrich Heine (1797-1846) – der eine Sonderrolle einnimmt und die schwelgerische Sehnsucht der Romantik ironisch steigert – schaffen das Verständnis einer Liebe, die aus sich heraus und sich mit den Dingen verbinden will – nicht nur subjektives Glück bedeutet sie, sondern auch die Einheit mit dem Kosmos. Romantische Motive wie die Mondnacht, die auch heute noch geläufig sind und die Bezeichnung, dass etwas „romantisch“ ist (auch wenn die heutige Bedeutung von der damaligen abweicht), bezeugen ihren Einfluss auf die deutsche Kultur.
Bildnachweise [nach oben]
[1]
Public Domain.
#liebeslyrik#romantik
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