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Aufgabe 5

Aufgaben
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Analyse und Erörterung pragmatischer Texte

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Matthias Heine: Ohne Boulevardpresse ist die Demokratie in Gefahr
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  1. Arbeite die wesentlichen Aussagen des Textes heraus.
  2. Setze dich mit der Position des Verfassers auseinander.
Bitte beachte, dass der Schwerpunkt der Gewichtung auf der zweiten Teilaufgabe liegt.
Material
Matthias Heine: Ohne Boulevardpresse ist die Demokratie in Gefahr
$\;$
Anfang der Siebzigerjahre kaufte sich ein elfjähriger Junge jeden Tag vor der Schule die „Bild“-Zeitung in einem Tabakwarenladen im Braunschweiger Magniviertel. Die alleinige Lektüre seines Heimatblatts genügte ihm nicht mehr, aber die großen Qualitätszeitungen lagen noch jenseits seines kindlichen Horizonts. Der Händler war begeistert und schenkte dem Jungen eines Tages den „Spiegel“. Das Heft wurde dann
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monatelang abgearbeitet, ein Artikel pro Woche, aber die Lektüre der „Bild“ hatte den Jungen vorbereitet auf das Magazin, dessen boulevardesker Touch nur etwas besser kaschiert war.
Boulevardzeitungen sind oft ein Einstieg in die Zeitungslektüre. Dort, wo sie fehlen, wie in Frankreich oder Spanien, liegt die Gesamtauflage aller Printmedien niedriger. Nicht nur, weil keine Massenblätter die Statistiken aufmöbeln, sondern auch, weil viele Menschen nie eine Chance hatten, sich von dort in andere
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Lesebereiche vorzuarbeiten. Doch selbst, wenn sie ihr Leben lang nur eine Boulevardzeitung lesen würden, wäre das besser als gar keine Zeitung. Denn wer sich eine Welt ohne Boulevardmedien wünscht, will eine Welt, in der der einfacher gestrickte Teil der Bürger von vielen Informationen ausgeschlossen wäre.
Doch nicht nur deshalb sind Boulevardzeitungen für Demokratien unerlässlich. Sondern auch, weil sie auf eine ruppige Weise egalitär sind. Der Aufstieg der „Bild“ und neuer politischer Bewegungen in den
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Sechzigerjahren waren zwei Seiten desselben gesellschaftlichen Trends. Die gemütliche Honoratiorenwelt wurde infrage gestellt. Bis dahin hatte eine relativ kleine Kaste das Monopol auf die Deutung der Dinge gehabt. Im Zweifelsfalle entschied sie, ihre Schäfchen von bestimmten Informationen und Erklärungsmodellen fernzuhalten. Das wurde nun schwieriger.
Der Hass der Linken auf die „Bild“-Zeitung und andere Boulevardblätter war im Grunde genommen
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Konkurrenzwut. Es handelt sich bei den 68ern schließlich um eine jüngere Fraktion des Establishments, die nur die ältere zu verdrängen suchte. Man wollte das zu erziehende Volk nach erfolgter Machtübernahme gerne genauso ungestört mit ausgewählten Informationen füttern, wie es die Altvorderen mit ihren wenigen öffentlich rechtlichen Sendern, ihren braven Heimatblättern und ihren Qualitätszeitungen, in denen der akademische Ton jede Breitenwirkung verhinderte, getan hatten. In diesen Plänen war nicht vorgesehen,
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dass ganz neue Medien auftauchten, die sich vor allem an den spontanen Instinkten des Volkes orientierten.
Dass diese Instinkte nicht immer rein sind, ist nicht die Schuld der Boulevardzeitungen. Gemütlicher wird die Welt nicht, wenn sich die bisher zu kurz Gekommenen artikulieren. Das war während der Französischen Revolution so, wo die Erwähnung in einem der vielen Kampfblätter den Erwähnten den Kopf kosten konnte. Aber auch im Frankreich der Restauration zogen Zeitungen Krone, Militär und Kirche in den Schmutz. In
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Balzacs Roman „Verlorene Illusionen“ hallt die Empörung über die Respektlosigkeit der Journaille[1] nach. Das Lamento über die Presse, die alles skandalisiert und doch selber nicht sauber ist, kommt einem in diesen Tagen seltsam vertraut vor.
Deutschland folgte auf jenem Weg in die Informationsfreiheit, die manchmal auch die Freiheit zum Pöbeln ist, während der Kaiserzeit. Nicht umsonst ist die erste hiesige Boulevardzeitung, die Berliner „BZ“, genau in
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jener Epoche gegründet worden. Der Historiker Christopher Clark beschreibt in seiner Biografie über Wilhelm II., wie der Monarch etwas indigniert zur Kenntnis nehmen musste, dass es in der expandierenden Medienwelt seines Reiches auch Blätter gab, die ihn verspotteten oder die homosexuelle Kamarilla[2] seines Hofes aufs Korn nahmen. Er fühlte sich dabei wohl ähnlich hilflos wie diejenigen, die sich heute vor der Vulgarität des Internets ekeln.
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Boulevardzeitungen waren und sind ein Teil der seit über 200 Jahren anhaltenden Meinungsbefreiungsbewegung. Sie verstehen sich, wenn sie gut sind, tatsächlich als Stimme derjenigen, die ohne sie nicht zu Wort kommen würden. Nicht aus Idealismus, sondern aus kommerziellem Kalkül. Das illustriert die Szene aus einer Redaktionskonferenz der Berliner "BZ" 1992. Der Politikchef trug das Thema der täglichen Straßenumfrage vor – „Sind drei Prozent mehr Lohn in der Metallindustrie zu viel?“ Der
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stellvertretende Chefredakteur Kai Diekmann, heute „Bild“-Chef, belehrte ihn: „Die Frage ist falsch gestellt. Sie muss lauten: Sind drei Prozent zu wenig? Wir sind das Volk.“
Boulevard und Demokratie sind untrennbar. Nicht zufällig wurden die Tabloids[3] in den beiden Urdemokratien England und USA erfunden statt in Russland oder China. Diktaturen halten sich allenfalls Boulevardsimulationen wie „BZ am Abend“ in der DDR. Doch das Interesse an der schmutzigen Wäsche der
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Privilegierten – zu denen in Zwangsystemen immer auch Schauspieler und Künstler gehören – verträgt sich nicht mit der Paranoia autoritärer Regimes. Nach dem Ende des Kommunismus schossen in Osteuropa überall Boulevardzeitungen aus dem Boden. Oft waren sie kurzlebig. Häufig war das, was drin stand, nicht schön. Aber Meinungsfreiheit ist ohne sie nicht zu haben. […]
Aus: Matthias Heine: Ohne Boulevardpresse ist die Demokratie in Gefahr, https://www.welt.de/debatte/kommentare/article13825152/Ohne-Boulevardpresse-ist-die-Demokratie-in-Gefahr.html (veröffentlicht am 20.01.2012; Zugriff am 2.4.2017)

[1] Journaille: Abwertende Bezeichnung für Journalisten aus dem frühen 20. Jahrhundert
[2] Kamarilla: Gruppe, die informell auf einen Herrscher Einfluss nehmen will
[3] Tabloid: Kleines handliches Format für Zeitungen, insbesondere in Großbritannien
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Aufgabe 5

Analyse und Erörterung pragmatischer Texte

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Matthias Heine: Ohne Boulevardpresse ist die Demokratie in Gefahr
1.
Zu Beginn stellt der Autor Matthias Heine am Beispiel eines jungen Lesers in den Siebzigerjahren seine erste These dar. Für ihn sind Boulevardzeitungen „oft ein Einstieg in die Zeitungslektüre“ (Z. 7). Besonders Jugendliche wie im vorangestellten Beispiel, aber auch „einfacher gestrickte […] Bürger“ (Z. 12) sollen durch die Boulevardpresse Zugang zu grundlegenden Informationen bekommen und sich damit am Meinungsprozess beteiligen. Dabei können Boulevardzeitungen als Vorbereitung auf komplexere Texte - wie sie beispielsweise in den „großen Qualitätszeitungen“ (Z. 2) veröffentlicht werden - angesehen werden. Seine These untermauert Heine mit einem Vergleich mit Ländern wie Frankreich oder Spanien. Dort sind die Gesamtaufläge von Printmedien niedriger als in Ländern, in denen Boulevardzeitschriften gelesen werden.
Anschließend beschreibt Heine die Boulevardzeitschriften als „auf eine ruppige Weise egalitär“ (Z. 14). Seiner Meinung nach propagieren diese Informationen, die für alle in verständlicher Form aufbereitet sind. Früher, so argumentiert Heine, oblag die Auswahl und gleichermaßen die Deutung des journalistisch abgeänderten Faktenmaterials nur einem elitären Kreis, dessen Absicht die Erziehung und Kontrolle des Volkes war. Im Gegensatz dazu findet heute eine Orientierung an „den spontanen Instinkten des Volkes“ (Z. 25) statt. Dadurch wird wiederum ein größerer Kreis an Zeitungsleser erreicht.
Der Autor belegt die Bedeutung der Presse und insbesondere der Boulevardzeitschriften mit historischen Beispielen aus dem Deutschen Kaiserreich und Frankreich. Bereits damals kam der Wunsch nach Informationsfreiheit auf. Heines Artikel und Argumentation kulminiert in einer zweiten These, denn Heine postuliert, dass „Boulevardzeitungen […] ein Teil der seit über 200 Jahren anhaltenden Meinungsbefreiungsbewegung“ (Z. 45f.) seien. Er erklärt weiterhin, dass Boulevardpresse eine demokratische Meinungsfreiheit zwingend benötige und in Diktaturen gar nicht erst aufkommen könne.
Abschließend fasst Heine zusammen, dass Boulevard und Demokratie untrennbar sind (vgl. Z. 52).
2.
Matthias Heine thematisiert in seinem Artikel Ohne Boulevardpresse ist die Demokratie in Gefahr die Bedeutung des Boulevards für die Meinungsbildung der deutschen Bevölkerung. Erst durch Boulevardzeitschriften ist es für ihn möglich, dass alle - und nicht nur ein elitärer Kreis - über einen gemeinsamen Wissensstand, beispielsweise bezüglich der Politik, verfügen. Doch sind Boulevardzeitschriften überhaupt dafür geeignet, sich ausgiebig über gesellschaftliche oder politische Themen zu informieren oder gibt es auch Grenzen oder Gefahren des Boulevardjournalismus?
„Bild dir deine Meinung.“ und „Nichts ist härter als die Wahrheit.“ Seit mehr als 20 Jahren wirbt die Boulevardzeitschrift „Bild“ mit solch einschlägigen Sprüchen und zieht so fast 10 Millionen Leser pro Ausgabe an sich - somit ist sie die meist verkaufte Zeitschrift in ganz Europa. Wie Heine einleitend beschreibt, kann eine Boulevardzeitschrift der Übergang in das Lesen von Qualitätszeitschriften darstellen. Oftmals sind die von ihm so benannten Qualitätszeitschriften wie beispielsweise „FAZ“ oder „Welt am Sonntag“ gar nicht zugänglich für einen Großteil der deutschen Leser aufgrund der sehr komplexen und abstrakten, von Fach- und Fremdwörtern bestimmten Artikel. Dadurch wird ein großer Leserkreis bereits kategorisch ausgeschlossen, denn sie sind nicht im Stande, die Artikel zu verstehen und können sich aufgrunddessen keine tiefgehende Meinung bilden. Durch die einfache Sprache und ihre unmittelbare inhaltliche Zugänglichkeit können Boulevardzeitschriften eine große Breitenwirkung entfalten. Dadurch können wiederum mehr Menschen an politischen oder gesellschaftlichen Themen teilhaben, denn diese Zeitschriften stehen für eine klare Haltung und eine eigenständige und gleichzeitig keine vermeintliche Volksmeinung. Sie informieren und überlassen dem Leser selbst, wie er zu gewissen Tatsachen steht.
Das Entertainment spielt außerdem eine große Rolle beim Boulevardjournalismus - Nachrichten, egal über welchen Kommunikationskanal sie vermittelt werden, haben einen rein informativen Charakter, wodurch die Motivation, diese zu konsumiert, bei vielen Menschen sinkt. In einem immer schneller werdenden Lebensalltag bleibt für viele keine Zeit, eine ganze Zeitschrift inklusive derer komplexer Artikel durchzuwälzen - erst recht nicht, wenn man um einen einzigen Text zu verstehen, genauso viel Zeit braucht, wie um eine ganze Boulevardzeitschrift zu lesen. Die kompakte Zusammenstellung an gesellschaftlich relevanten Themen, Politik, Sport und Unterhaltung innerhalb einer leserfreundlich geschriebenen Zeitschrift spricht viele Leser an. Die Oberflächlichkeit der einzelnen Artikel empfinden diese dann nicht als störend, sondern als gerade recht, um einen groben Überblick über alles zu haben und nichts zu verpassen. Viele mögen die reißerischen Titel der „Bild“ zwar als polarisierend empfinden, dabei wird jedoch vergessen, dass gerade diese Emotionalisierung von eher sachlichen Aspekten aufrüttelnd wirkt. Greifbare Beispiele sind zugänglicher für die Leser als irreführende Statistiken mit undurchschaubaren Zahlen. Dies unterstützt die Tatsache, dass sich ein erheblicher Teil der Menschen viel leichter über Boulevardzeitschriften viel leichter informieren kann als über Qualitätszeitschriften.
Des Weiteren sollte man das Internet als neue Form des Boulevardjournalismus nicht außer Acht lassen, denn es greift bestimmte Elemente des Boulevards auf und strebt die Informationspartizipation für alle User an. Was die „Bild“ für die ältere Generation ist, ist das Nachrichtenportal „bento“ für die jüngere Generation. Für Jugendliche werden dort bewegende Themen aufbereitet - egal, ob es um Gerechtigkeit, Innen- oder Außenpolitik, Jobs oder die Zukunft geht. „bento“ hat so ein Portal kreiert, auf dem sich Jugendliche zuhause fühlen, wo sich Jugendliche informieren und weiterbilden können. Das verpassen die großen Qualitätszeitungen im Moment, denn ihre Leserschaft wird zunehmend älter und es wird nichts unternommen, um die jüngeren Leser anzuziehen. Auch hier löst der Boulevard die großen, komplexen Zeitungen in Teilen ab und sorgen für eine kompromisslose Partizipation, wie es die Demokratie vorsieht.
Trotzdem ist die Boulevardpresse durchaus mit negativen Konnotationen behaftet. Zu Recht, denn sie ist per definitionem auf Unterhaltung bedacht und bietet oftmals vordergründige Vereinfachungen und sensationell aufgemachte Meldungen an. Diese dienen dem alleinigen Zweck, einen Skandal anzuzetteln und die Verkaufszahlen zu steigern. Eine neutrale Berichterstattung ist hier gar nicht mehr möglich, wodurch der Leser zusätzlich gelenkt wird. Auch das Layout der Boulevardzeitschriften spricht nicht gerade für deren Seriosität. Die überdimensionalen Überschriften und theatralisch zusammengesetzten Bilder zeigen außerdem, dass Informationen zwangsläufig mit Meinungsbildung vermengt werden. Demnach kann auch keine profunde, neutrale Meinung zu einem Thema mehr gebildet werden.
Matthias Heine schreibt der Boulevardpresse eine besonders positive Rolle zu, denn er postuliert, dass sie die Stimme derjenigen sind, die „ohne sie nicht zu Wort kommen würden“ (Z. 46f.). Dabei bezieht er sich auf eine Redaktionskonferenz der Berliner „BZ“ 1992, in der der stellvertretende Chefredakteur den Politikchef aufgrund der Fragestellung, ob drei Prozent mehr Lohn in der Metallindustrie zu viel seien, kritisierte. Die Frage sollte eigentlich lauten ob drei Prozent zu wenig seien, denn schließlich „sind [wir] das Volk“ (Z. 51). Betrachtet man dieses Beispiel genauer, so wird deutlich, dass hier die wirtschaftliche Situation - also die Frage danach, ob sich das die Unternehmen überhaupt leisten können - komplett ignoriert wird. Solche Aussprüche wirken plakativ und erinnern doch sehr an Forderungen, die der Bevölkerung eingetrichtet werden um ausschließlich eigene Interessen zu verfolgen. Schließlich bedeutet Reichweite Macht; diese Macht kann für politische Zwecke genutzt werden. Denn die deutsche Medienlandschaft bewegt sich nicht wirklich auf neutralem Terrain, sondern wird von verschiedenen Parteien beherrscht, bzw. gewisse Formate werden von bestimmten Grundtendenzen gelenkt. So ist die „Bild“ zum Beispiel eher rechts, während der „Spiegel“ sich eher links positioniert. Dadurch wird natürlich auch gleichzeitig die Leserschaft gelenkt, wodurch die Meinungsfreiheit deutlich gefährdet wird, denn diese Tatsache ist nicht für alle Leser offensichtlich.
Wird von einer Demokratie gesprochen, so beinhaltet dies neben den Grundrechten wie das Recht auf allgemeine Gleichbehandlung oder das Recht an politischer Teilhabe auch das Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit. Gegen dieses Recht verstoßen die Boulevardzeitschriften jedoch des Öfteren. In manchen Ländern wird eine freundliche Berichterstattung von Ministerien erkauft, um sich auf der einen Seite gut darzustellen. Auf der anderen Seite soll so verhindert werden, dass eine negative Berichterstattung die Leser für die jeweilige Partei nachteilig beeinflusst. Der Einfluss von verschiedenen Medien ist äußerst erheblich, denn nicht umsonst werden die Medien als vierte Macht des Staates deklariert. Basierend auf diesen Ergebnissen kann Demokratie gar nicht frei gelebt werden, denn Boulevardpresse beeinflusst ihre Leser maßgeblich. Da diese meistens nur wenig anderen Informationsquellen ausgesetzt sind, übernehmen sie in manchen Fällen die Meinung, die die jeweilige Presse propagiert. Dadurch ist die Demokratie erst Recht in Gefahr.
Natürlich bieten Boulevardzeitschriften einen groben Überblick über die aktuellen Geschehnisse der Welt. Dies ist relativ nützlich, wenn es darum geht, sich kurz um das Weltgeschehen zu informieren. Auch, dass mehr Menschen so Zugang zu relevanten Themen gewinnen, kann als positiv betrachtet werden. Es ist allerdings fragwürdig, warum eine Zeitschrift wie „Bild“, von Matthias Heine so positiv dargestellt wird, obwohl diese stark Profit aus dem Leid anderer Menschen schlägt. Dabei versteht sie sich als eine Art Gerechtigkeitsapparat, was unter der Verletzung von Gesetzen wie zum beispiel der Achtung des Privatlebens moralisch schwierig vertretbar ist. Es gab Fälle, in denen ein vermeintlich schuldiger Mörder in der „Bild“ mit kenntlichem Abbild präsentiert wurde, dieser aufgrund seiner Unschuld freigelassen wurde und es daraufhin zu Lynchaufrufen im Internet kam - eine Machenschaft der Boulevardpresse.
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