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Aufgabe 1

Aufgaben
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Interpretation und Vergleich der Pflichtlektüren (Werke im Kontext)

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Max Frisch (1911-1991): Homo faber
Georg Büchner (1813-1837): Dantons Tod
Peter Stamm (*1963): Agnes
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere die Textstelle im Kontext der vorangegangenen Handlung.
Frischs „Homo faber“, Büchners „Dantons Tod“ und Stamms „Agnes“:
  • Erörtere in einer vergleichenden Betrachtung, inwieweit Faber, Danton und der Ich-Erzähler in Peter Stamms „Agnes“ scheitern.
Bitte beachte, dass der Schwerpunkt der Gewichtung auf der zweiten Teilaufgabe liegt.© SchulLV 2015
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The American Way of Life:
Schon ihre Häßlichkeit, verglichen mit Menschen wie hier: ihre rosige Bratwurst-Haut, gräßlich, sie leben, weil es Penicillin gibt, das ist alles, ihr Getue dabei, als wären sie glücklich, weil Amerikaner, weil ohne Hemmungen, dabei sind sie nur schlacksig und laut – Kerle wie Dick, die ich mir zum Vorbild genommen habe! – wie sie herumstehen, ihre linke Hand in der Hosentasche, ihre Schultern an die Wand gelehnt, ihr Glas in der andern Hand, gezwungen, die Schutzherren der Menschheit, ihr Schulterklopfen, ihr Optimismus, bis sie besoffen sind, dann Heulkrampf, Ausverkauf der weißen Rasse, ihr Vakuum zwischen den Lenden. Mein Zorn auf mich selbst!
(Wenn man nochmals leben könnte.)
Mein Nacht-Brief an Hanna –
Am andern Tag fuhr ich hinaus an den Strand, es war wolkenlos und heiß, MIttag mit schwacher Brandung: die auslaufenden Wellen, dann das Klirren im Kies, jeder Strand erinnert mich an Theodohori
Ich weine.
Das klare Wasser, man sieht den Meeresgrund, ich schwimme mit dem Gesicht im Wasser, damit ich den Meeresgrund sehe; mein eigener Schatten auf dem Meeresgrund: ein violetter Frosch.
Brief an Dick.
Was Amerika zu bieten hat: Komfort, die beste Installation der Welt, ready for use, die Welt als amerikanisiertes Vakuum, wo sie hinkommen, alles wird Highway, die Welt als Plakat- Wand zu beiden Seiten, ihre Städte, die keine sind, Illumination, am andern Morgen sieht man die leeren Gerüste, Klimbim, infantil, Reklame für Optimismus als Neon-Tapete vor der Nacht und vor dem Tod –
Später miete ich ein Boot.
Um allein zu sein!
Noch im Badkleid sieht man ihnen an, daß sie Dollar haben; ihre Stimmen (wie an der Via Appia), nicht auszuhalten, ihre Gummi-Stimmen überall, Wohlstand-Plebs.
Brief an Marcel.
Marcel hat recht: ihre falsche Gesundheit, ihre falsche Jugendlichkeit, ihre Weiber, die nicht zugeben können, daß sie älter werden, ihre Kosmetik noch an der Leiche, überhaupt ihr pornografisches Verhältnis zum Tod, ihr Präsident, der auf jeder Titelseite lachen muß wie ein rosiges Baby, sonst wählen sie ihn nicht wieder, ihre obszöne Jugendlichkeit –
Ich ruderte weit hinaus.
Hitze auf dem Meer –
Sehr allein.
Ich las meine Briefe an Dick und an Marcel und zeriß sie, weil unsachlich; die weißen Fetzchen auf dem Wasser; mein weißes Brusthaar –
Sehr allein.
Später wie ein Schulbub: ich zeichne eine Frau in den heißen Sand und lege mich in diese Frau, die nichts als Sand ist, und spreche laut zu ihr –
Wildlingin!
Ich wußte nicht, was anfangen mit diesem Tag, mit mir, ein komischer Tag, ich kannte mich selbst nicht, keine Ahnung, wie er vergangen ist, ein Nachmittag, der geradezu wie Ewigkeit aussah, blau, unerträglich, aber schön, aber endlos – bis ich wieder auf der Prado-Mauer sitze (abends) mit geschlossenen Augen; ich versuche mir vorzustellen, daß ich in Habana bin, daß ich auf der Prado-Mauer sitze. Ich kann es mir nicht vorstellen, Schrecken.
Alle wollen meine Schuhe putzen –
Lauter schöne Menschen, ich bewundere sie wie fremde Tiere, ihr weißes Gebiß in der Dämmerung, ihre braunen Schultern und Arme, ihre Augen – ihr Lachen, weil sie gerne leben, weil Feierabend, weil sie schön sind.




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The American Way of Life:
Schon ihre Häßlichkeit, verglichen mit Menschen wie hier: ihre rosige Bratwurst-Haut, gräßlich, sie leben, weil es Penicillin gibt, das ist alles, ihr Getue dabei, als wären sie glücklich, weil Amerikaner, weil ohne Hemmungen, dabei sind sie nur schlacksig und laut – Kerle wie Dick, die ich mir zum Vorbild genommen habe! – wie sie herumstehen, ihre linke Hand in der Hosentasche, ihre Schultern an die Wand gelehnt, ihr Glas in der andern Hand, gezwungen, die Schutzherren der Menschheit, ihr Schulterklopfen, ihr Optimismus, bis sie besoffen sind, dann Heulkrampf, Ausverkauf der weißen Rasse, ihr Vakuum zwischen den Lenden. Mein Zorn auf mich selbst!
(Wenn man nochmals leben könnte.)
Mein Nacht-Brief an Hanna –
Am andern Tag fuhr ich hinaus an den Strand, es war wolkenlos und heiß, MIttag mit schwacher Brandung: die auslaufenden Wellen, dann das Klirren im Kies, jeder Strand erinnert mich an Theodohori
Ich weine.
Das klare Wasser, man sieht den Meeresgrund, ich schwimme mit dem Gesicht im Wasser, damit ich den Meeresgrund sehe; mein eigener Schatten auf dem Meeresgrund: ein violetter Frosch.
Brief an Dick.
Was Amerika zu bieten hat: Komfort, die beste Installation der Welt, ready for use, die Welt als amerikanisiertes Vakuum, wo sie hinkommen, alles wird Highway, die Welt als Plakat- Wand zu beiden Seiten, ihre Städte, die keine sind, Illumination, am andern Morgen sieht man die leeren Gerüste, Klimbim, infantil, Reklame für Optimismus als Neon-Tapete vor der Nacht und vor dem Tod –
Später miete ich ein Boot.
Um allein zu sein!
Noch im Badkleid sieht man ihnen an, daß sie Dollar haben; ihre Stimmen (wie an der Via Appia), nicht auszuhalten, ihre Gummi-Stimmen überall, Wohlstand-Plebs.
Brief an Marcel.
Marcel hat recht: ihre falsche Gesundheit, ihre falsche Jugendlichkeit, ihre Weiber, die nicht zugeben können, daß sie älter werden, ihre Kosmetik noch an der Leiche, überhaupt ihr pornografisches Verhältnis zum Tod, ihr Präsident, der auf jeder Titelseite lachen muß wie ein rosiges Baby, sonst wählen sie ihn nicht wieder, ihre obszöne Jugendlichkeit –
Ich ruderte weit hinaus.
Hitze auf dem Meer –
Sehr allein.
Ich las meine Briefe an Dick und an Marcel und zeriß sie, weil unsachlich; die weißen Fetzchen auf dem Wasser; mein weißes Brusthaar –
Sehr allein.
Später wie ein Schulbub: ich zeichne eine Frau in den heißen Sand und lege mich in diese Frau, die nichts als Sand ist, und spreche laut zu ihr –
Wildlingin!
Ich wußte nicht, was anfangen mit diesem Tag, mit mir, ein komischer Tag, ich kannte mich selbst nicht, keine Ahnung, wie er vergangen ist, ein Nachmittag, der geradezu wie Ewigkeit aussah, blau, unerträglich, aber schön, aber endlos – bis ich wieder auf der Prado-Mauer sitze (abends) mit geschlossenen Augen; ich versuche mir vorzustellen, daß ich in Habana bin, daß ich auf der Prado-Mauer sitze. Ich kann es mir nicht vorstellen, Schrecken.
Alle wollen meine Schuhe putzen –
Lauter schöne Menschen, ich bewundere sie wie fremde Tiere, ihr weißes Gebiß in der Dämmerung, ihre braunen Schultern und Arme, ihre Augen – ihr Lachen, weil sie gerne leben, weil Feierabend, weil sie schön sind.
Aus: Max Frisch, Homo faber. Ein Bericht. Frankfurt/M. 1997
(Suhrkamp Taschenbuch), S.176 ff.
#agnes#homofaber#dantonstod
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$\blacktriangleright$ Die Textstelle im Kontext der vorausgegangenen Handlung interpretieren

In dieser Aufgabe sollst du den gegebenen Text in Bezug auf die ihm vorausgehende Handlung interpretieren. Das heißt, du sollst weniger darauf achten, welche neuen Gedanken Faber entwickelt als darauf, warum er sie entwickelt: Welche Erlebnisse in seiner Vergangenheit führen dazu, dass er seine früheren Ansichten verdammt? Im Textausschnitt werden viele Namen genannt, die sich auf frühere Textpassagen beziehen: Faber deutet frühere Gespräche mit Hanna, Marcel und Dick an. Führe dir noch einmal vor Augen, wofür diese Charaktere stehen und was Faber mit ihnen erlebt hat. Wichtig ist, dass du dich auch auf die Entdeckung seiner Krankheit und die gescheiterte Beziehung mit seiner eigenen Tochter Sabeth bzw. ihren Tod beziehst, der Faber so schwer zu schaffen macht, dass er in dieser Textpassage in eine Sinnkrise gerät. Zudem solltest du bemerken, dass Faber mit seiner Kritik an den Amerikanern eigentlich sich selbst meint. Versuche zudem, bekannte Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen Fabers ausfindig zu machen: Setzt er Hannas Kritik an seiner Weltsicht tatsächlich um oder bleibt der Techniker in ihm immer noch erhalten? Unwichtig ist dabei, was nach der Textstelle passiert. Wenn du noch einmal nachlesen möchtest, wie man eine Interpretation schreibt, kannst du das mit unserem Skript Methodik: Interpretation: Textinterpretation tun.

Bedenke, dass der Schwerpunkt auf Teilaufgabe B liegt! Deine Lösung zur Teilaufgabe A sollte also kürzer als die zur Teilaufgabe B sein. Fasse dich in Teilaufgabe A daher möglichst präzise und knapp; du musst nicht das ganze Buch wiederholen und auf die Textpassage beziehen.

$\blacktriangleright$ In einer vergleichenden Betrachtung erörtern, inwieweit Danton, Faber und der Ich-Erzähler scheitern

Hier sollst du die drei Figuren hinsichtlich eines Aspekts vergleichen. Das heißt, du sollst einerseits Gründe für und gegen das Scheitern der Figuren aufführen, das Scheitern der Figuren aber zudem noch vergleichen. Gliedere deinen Text also zunächst wie immer mit Einleitung, Hauptteil und Schluss. Es bietet sich an, mehrere Bereiche auszuwählen, die sich auf das Scheitern der Figuren beziehen: Sie scheitern beruflich, in der Liebe und in ihrer generellen Lebensführung bzw. darin, mit der Welt im Einklang zu leben. So hast du möglichst viele Vergleichspunkte. Du wirst feststellen, dass die Gründe für das jeweilige Scheitern sich vor allem bei Faber und dem Ich-Erzähler oft ähneln. Damit kannst du deinen Hauptteil in drei Abschnitte einteilen, in denen du dich auf den jeweiligen Bereich beziehst. Damit dein Text übersichtlich bleibt, ist es am besten, wenn du jedem Charakter einen Absatz widmest, in dem du erörterst, inwiefern er in diesem Bereich scheitert. Anschließend an die drei Textblöcke kannst du dann deine Erkenntnisse vergleichen. Damit würde sich folgende Textstruktur ergeben:

  • Einleitung
  • Hauptteil
    • Berufliches Scheitern
      • Inwiefern scheitert Faber?
      • Inwiefern scheitert Danton?
      • Inwiefern scheitert der Ich-Erzähler?
      • Wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede?
    • Scheitern in der Liebe
      • Inwiefern scheitert Faber?
      • Inwiefern scheitert…
    • Scheitern im Leben / existenzielles Scheitern
  • Schluss/Fazit/Abschließender Vergleich
Unsere Lösung konzentriert sich auf den Ansatz, wie sehr die drei Figuren scheitern – es ist aber ebenso gut möglich, dass du ihr Scheitern weniger schwer gewichtest als wir in dieser Lösung. Bedenke aber, dass diese Charaktere teilweise schwerwiegend scheitern (wie Danton beim Versuch, seine Freunde zu retten), gänzlich offen ist dein Ergebnis also nicht. Dennoch kannst und sollst du das Scheitern bzw. den Erfolg der Figuren eigenständig beurteilen.
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Thema:

Max Frisch (1911-1991): Homo faber
Georg Büchner (1813 - 1837): Dantons Tod
Peter Stamm (* 1963): Agnes

Textgrundlagen:

Max Frisch: Homo Faber, Text und Kommentar, Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 1998 (Erstausgabe 1957).
Georg Büchner: Dantons Tod, Reclam XL – Text und Kontext, Stuttgart, Reclam 2013 (Erstausgabe 1835).
Peter Stamm: Agnes, Frankfurt am Main, Fischer Taschenbuch Verlag 2009 (Eestausgabe 1998).

Teilaufgabe A

$\blacktriangleright$ Die Textstelle im Kontext der vorausgegangenen Handlung interpretieren

Tipp

In dieser Aufgabe sollst du den gegebenen Text in Bezug auf die ihm vorausgehende Handlung interpretieren. Das heißt, du sollst weniger darauf achten, welche neuen Gedanken Faber entwickelt als darauf, warum er sie entwickelt: Welche Erlebnisse in seiner Vergangenheit führen dazu, dass er seine früheren Ansichten verdammt? Im Textausschnitt werden viele Namen genannt, die sich auf frühere Textpassagen beziehen: Faber deutet frühere Gespräche mit Hanna, Marcel und Dick an. Führe dir noch einmal vor Augen, wofür diese Charaktere stehen und was Faber mit ihnen erlebt hat. Wichtig ist, dass du dich auch auf die Entdeckung seiner Krankheit und die gescheiterte Beziehung mit seiner eigenen Tochter Sabeth bzw. ihren Tod beziehst, der Faber so schwer zu schaffen macht, dass er in dieser Textpassage in eine Sinnkrise gerät. Zudem solltest du bemerken, dass Faber mit seiner Kritik an den Amerikanern eigentlich sich selbst meint. Versuche zudem, bekannte Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen Fabers ausfindig zu machen: Setzt er Hannas Kritik an seiner Weltsicht tatsächlich um oder bleibt der Techniker in ihm immer noch erhalten? Unwichtig ist dabei, was nach der Textstelle passiert. Wenn du noch einmal nachlesen möchtest, wie man eine Interpretation schreibt, kannst du das mit unserem Skript Methodik: Interpretation: Textinterpretation tun.

Bedenke, dass der Schwerpunkt auf Teilaufgabe B liegt! Deine Lösung zur Teilaufgabe A sollte also kürzer als die zur Teilaufgabe B sein. Fasse dich in Teilaufgabe A daher möglichst präzise und knapp; du musst nicht das ganze Buch wiederholen und auf die Textpassage beziehen.

Der gegebene Textausschnitt aus Max Frischs Roman Homo faber von 1957 steht am Anfang der Zweiten Station, des zweiten Teils des Romans. Ganz zu Beginn der Zweiten Station erkennt Faber, dass sein Gesundheitszustand sich stark verschlechtert hat, er wird operiert werden müssen. Zudem sieht er sich mit einem wachsenden Unvermögen in Bezug auf seine Arbeit konfrontiert. Er beschließt nach einem Besuch beim desillusionierten und apathischen (= gleichgültigen) Herbert auf der Plantage, über Kuba nach Europa zu reisen. Bei seinem viertägigen Aufenthalt auf Kuba versucht Faber, ein neues Leben zu beginnen, gibt sich den sinnlichen Freuden und dabei vor allem seinem sexuellen Verlangen hin. Dabei rechnet er in dem gegebenen Textausschnitt mit Amerika und seinem früheren Lebensstil ab. Es wird deutlich, dass Sabeths Tod und der Inzest mit seiner eigenen Tochter Faber psychisch zerrüttet haben.

Bewegt von der lebensfrohen Art der Kubaner, mit der Faber nun sympathisiert, lässt er sich zu einer gedanklichen Hasstirade über die USA hinreißen. Dabei führt Faber ausschließlich Klischees an, so seien Amerikaner oberflächlich und insgesamt verabscheuungswürdig. Dabei stimmt vieles, was Faber kritisiert, mit seiner früheren Haltung überein, weshalb er wütend auf sich selbst ist. Er schreibt drei Briefe, jeweils an Hanna, Dick und Marcel. In jedem reflektiert er seine früheren Fehler und verdammt das, wovon er vorher überzeugt war. In den Briefen an Dick und Marcel insbesondere zieht Faber über Amerika her, jedoch zerreißt er die Briefe später wieder, da er bemerkt, dass er keine sachliche Kritik anbringt, sondern nur Klischees bedient. Am Ende des Textausschnitts wird Fabers Ruhe- und Ziellosigkeit deutlich, er versucht, unmittelbar zu leben, scheitert aber daran – der Versuch eines neuen Lebens kommt zu spät für den kranken Faber. Er genießt es dennoch, die Kubaner anzusehen, nimmt sie aber als exotische Wesen, ähnlich Tieren, wahr.

Bereits zu Beginn wird ein merklicher Wandel deutlich, der in Faber vorgegangen ist: Er, der in New York lebt, den Kommunismus verachtete und als Techniker sein Leben am Rationalismus ausrichtete, wettert über die USA. Faber hat durch Sabeth die Welt der Gefühle, der Kunst und Kultur kennengelernt, sein vormals rein technisches Weltverständnis ist zerbrochen. Da er Schuld für den Tod Sabeths empfindet und die Stärke Hannas bewundert, versucht er, sich radikal zu ändern. Er nimmt also eine Gegenposition zu seinen früheren Ansichten ein, versucht, es Sabeth und Hanna gleichzutun, zu einem besseren Menschen zu werden. Dabei dient ihm Amerika als Beispiel seines früheren Ich, womit auch die verächtlichen und hasserfüllten Worte Fabers verständlich werden: Der Hass auf Amerika gilt letztlich ihm selbst (vgl. Z. 11-12). Faber projiziert seinen inneren Konflikt, seine Abrechnung mit der Schuld, auf andere, so zum Beispiel Dick (Z. 6-7). Diese Projektion ist aber nicht ohne Erkenntnis, denn er gibt zu, sich scheinbar oberflächliche und innerlich leere Amerikaner wie Dick zum Vorbild genommen zu haben.
Es wird deutlich, dass seine Hasstirade über die Amerikaner nicht auf seinen eigenen Gedanken basiert, sondern ein Gefühlsausbruch ist, in dem sich Faber Klischees und den Meinungen anderer Leute impulsiv bedient. Sein Vorwurf, Amerikaner seien allesamt optimistisch, würden zu viel Alkohol trinken, spielten sich als Weltpolizei auf und seien von ihren sexuellen Gelüsten betrieben (Vorstehendes Z. 1-12), entspricht einer typischen antiamerikanischen Haltung und ist Rassismus zu nennen. Obwohl Faber sich gegen sein früheres Ich stellt, zeigt sich, dass sein Schwarz-Weiß-Denken, seine klare Trennung von Gefühl und Vernunft bzw. Natur und Technik in Wahrheit noch erhalten sind. Faber stellt sich lediglich auf die andere Seite, nimmt die Positionen von Hanna, Sabeth und Marcel ein. So, wie für ihn Frauen, Gefühl und Natur unverständlich waren, sind nun der Rationalismus und der amerikanische Lebensstil sein Feindbild. Die psychische Krise, die Faber aufgrund seiner Schuld an Sabeths Tod und dem Inzest mit seiner eigenen Tochter empfindet, führt zu einer psychischen Abwehrreaktion, zu einem verzweifelten Versuch, sein Leben zu ändern. Zu seiner Verzweiflung trägt aber auch seine Krankheit bei, die sich durch den motivischen Hinweis auf das Penicillin in seine Tirade einschleicht (Z. 2-3). Dass er sich hier Marcel zustimmt und die Amerikaner derart heftig kritisiert, ist wohl auch seiner Angst vor dem Tod geschuldet – vermutlich ahnt Faber, dass er nicht mehr lange zu leben hat und will daher intensiver leben, d. h. so, wie es seiner Ansicht nach Sabeth und Hanna taten. Faber wünscht sich, noch einmal zu leben (Z. 13), er verzweifelt, weil er meint, sein Leben bisher verschwendet zu haben. Um einen Neuanfang zu starten, will Faber also mit seiner Vergangenheit abrechnen und schreibt wahrscheinlich deshalb einen Brief an Hanna. Die Schuld an Sabehts Tod wird er aber nicht los, statt im Hier und Jetzt zu leben und seine Zeit auf Kuba zu genießen, denkt er an den Strand in Theodohori, wo Sabeth sich tödlich verletzte (Z. 17-18).

Kurz bevor er an Dick schreibt, offenbart sich wiederum ein Wandel in Faber. Er beschreibt seinen Schatten als „violette[n] Frosch“ (Z. 22-23), vergleicht sich also mit einem Tier – das kann als Hinweis darauf gedeutet werden, dass er nun seine „tierische“ Natur akzeptiert; früher verabscheute er die Tierwelt und rasierte sich immer sorgfältig, da er sich sonst wie eine Pflanze fühlte (vgl. S. 29). Faber versucht, sich Hannas Kritik zu stellen und sich zu öffnen.

In den Briefen an Dick und Marcel wird die Angst Fabers vor dem Tod besonders deutlich. Er beschreibt das technisierte Amerika kritisch als Versuch des Menschen, den Tod fern zu halten, was aber nicht gelingen könne (Z. 25-31), wobei implizit auch die Kritik am eigenen Schaffen als Techniker mitschwingt. Faber, der aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme nicht mehr arbeiten kann und bisher ein klinisches Verhältnis zum Tod hatte, erfährt an sich selbst, dass die technische Welt keine Unsterblichkeit bedeutet. Wofür er sich früher begeisterte, nämlich den Fortschritt und die Industrie, erscheint ihm nun bedeutungslos. Auch wenn Faber seine Krankheit vor dem Aufenthalt auf Kuba herunterspielt – es fehle ihm „nur an Bewegung und frischer Luft“ (S. 187) – zeigt sich hier, dass Faber eigentlich mit seinem Tod rechnet. Im Brief an Marcel gibt er indirekt zu, sich selbst betrogen zu haben mit seiner „falsche[n] Gesundheit. […] falsche[r] Jugendlichkeit“ (Z. 38-39). Das entspricht Hannas Vorwürfen, Faber habe als Techniker den Tod ignoriert, sein Altern verdrängt und daher auch die Beziehung zur jüngeren Sabeth gesucht (S. 184-185). Was Faber vorher nicht zu verstehen vorgegeben hat, wird ihm nun deutlich, als sein Tod naht und sein Körper verfällt. Zutiefst schockiert, stimmt er der extremen und unreflektierten Meinung Marcels einfach zu (Z. 38), ohne sich wirklich mit dessen Ansichten intensiv auseinanderzusetzen. Die Gewohnheit, einfache Behauptungen aufzustellen, ohne sie zu hinterfragen und seine technische Ausdrucksweise in knappen Worten (und Ellipsen), behält er bei (vgl. Z. 5-6 u. die lapidare Aussage „Marcel hat recht“, Z. 38).

Faber erkennt aber, dass er mit seinen Briefen an Dick und Marcel nur Klischees wiederholt und zerreißt sie. Das zeigt auch seine innere Zerrissenheit. Faber sucht nach der richtigen Einstellung und den richtigen Worten, versucht, sein Leben nach dem Tod Sabeths und seiner Erkrankung neu zu ordnen, findet aber keinen Halt. Er fühlt sich allein, sehnt sich nach Nähe, Sinnlichkeit (weshalb er eine Frau in den Sand zeichnet), was in den Zeilen 50-54 deutlich wird. Die Unmittelbarkeit des Lebens, den direkten Kontakt zur Welt, eine aufrechte Lebensweise findet Faber nicht, zu lange hat er seine Gefühle und seine Triebe unterdrückt: Er kann sich nicht einmal vorstellen, dass er gerade in Habana ist. Die Distanz Fabers zur Welt und seinen Mitmenschen, die letztlich seine Vergangenheit bestimmt hat, bleibt erhalten (Z. 61-62).

Auch das Ende des Texts spricht dafür, dass Faber sein technisches Weltbild und sein antithetisches Denken nicht abschütteln kann. Die Kubaner begreift er nicht als gewöhnliche Menschen, sie üben einen exotischen Reiz auf ihn aus. Er idealisiert sie bereits vor diesem Textausschnitt als Wilde, die ihre Gefühle ungehemmt ausleben. So, wie für ihn Amerikaner sämtlich unnatürlich und falsch sind, sind Kubaner für ihn natürlich und echt. Eines der grundlegenden Probleme Fabers, die Menschen nach den Bildern einzuordnen, die er sich gemacht hat. Faber übersieht oft das Individuelle und Besondere an Menschen und schreibt sie bestimmten Typen zu, so die Frauen einem gefühlsbetonten Typus, die Männer dagegen seien vernünftig (S. 98-99). Das Verhalten eines Technikers, die Welt zu kategorisieren, wird er auch in Kuba nicht los: Er betrachtet die Kubaner zwar mit Interesse, aber beschriebt sie wie Tiere, sieht nur ihre Körper (Z. 64-67). Der Techniker, der sich über „unterentwickelte“ Ethnien erhebt, steckt also immer noch in ihm.

Der Textausschnitt stellt also einen Versuch Fabers dar, auf die Kritik Hannas einzugehen, seine Schuld zu bewältigen und seine wahre Natur auszuleben. Seine Todesangst befeuert seinen Hass gegen Amerika, hinter dem nichts als der Hass auf sich selbst steckt. Faber will sein früheres Fehlverhalten im Angesicht des Todes ändern, doch Faber muss scheitern, zu tief ist der Techniker in ihm verankert.

Teilaufgabe B

$\blacktriangleright$ In einer vergleichenden Betrachtung erörtern, inwieweit Danton, Faber und der Ich-Erzähler scheitern

Tipp Hier sollst du die drei Figuren hinsichtlich eines Aspekts vergleichen. Das heißt, du sollst einerseits Gründe für und gegen das Scheitern der Figuren aufführen, das Scheitern der Figuren aber zudem noch vergleichen. Gliedere deinen Text also zunächst wie immer mit Einleitung, Hauptteil und Schluss. Es bietet sich an, mehrere Bereiche auszuwählen, die sich auf das Scheitern der Figuren beziehen: Sie scheitern beruflich, in der Liebe und in ihrer generellen Lebensführung bzw. darin, mit der Welt im Einklang zu leben. So hast du möglichst viele Vergleichspunkte. Du wirst feststellen, dass die Gründe für das jeweilige Scheitern sich vor allem bei Faber und dem Ich-Erzähler oft ähneln. Damit kannst du deinen Hauptteil in drei Abschnitte einteilen, in denen du dich auf den jeweiligen Bereich beziehst. Damit dein Text übersichtlich bleibt, ist es am besten, wenn du jedem Charakter einen Absatz widmest, in dem du erörterst, inwiefern er in diesem Bereich scheitert. Anschließend an die drei Textblöcke kannst du dann deine Erkenntnisse vergleichen. Damit würde sich folgende Textstruktur ergeben:
  • Einleitung
  • Hauptteil
    • Berufliches Scheitern
      • Inwiefern scheitert Faber?
      • Inwiefern scheitert Danton?
      • Inwiefern scheitert der Ich-Erzähler?
      • Wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede?
    • Scheitern in der Liebe
      • Inwiefern scheitert Faber?
      • Inwiefern scheitert…
    • Scheitern im Leben / existenzielles Scheitern
  • Schluss/Fazit/Abschließender Vergleich
Unsere Lösung konzentriert sich auf den Ansatz, wie sehr die drei Figuren scheitern – es ist aber ebenso gut möglich, dass du ihr Scheitern weniger schwer gewichtest als wir in dieser Lösung. Bedenke aber, dass diese Charaktere teilweise schwerwiegend scheitern (wie Danton beim Versuch, seine Freunde zu retten), gänzlich offen ist dein Ergebnis also nicht. Dennoch kannst und sollst du das Scheitern bzw. den Erfolg der Figuren eigenständig beurteilen.

Faber aus Max Frischs Homo faber von 1957, der Ich-Erzähler aus Peter Stamms Agnes von 1998 und Danton aus Büchners Drama Dantons Tod von 1835 sind sehr verschiedene Charaktere. Als Autor, Ingenieur und Politiker bewegen sie sich in anderen gesellschaftlichen Sphären, zudem stammen sie aus jeweils anderen Zeiten mit ihren eigenen Problemen, Möglichkeiten und Ansichten. Eine zentrale Frage vereint jedoch Werke wie Figuren: Was passiert, wenn dem Menschen das Leben misslingt? Was geschieht, wenn man mit den Ausmaßen seines eigenen Scheiters konfrontiert wird?
Natürlich kann man diese drei Männer nicht gänzlich auf ihr Scheitern festlegen, zudem sind die Bedingungen ihres Scheiterns völlig verschieden. Alle geraten aber (wenn auch der Ich-Erzähler nicht in eine besonders tiefe) Sinn- oder Lebenskrise. Ihr Scheitern stellt sie vor die Herausforderung, sich selbst zu hinterfragen. Ein Vergleich der Gründe und der Ausmaße ihres Scheiterns bietet die Möglichkeit, diese Charaktere besser zu verstehen – denn Fehler bilden bei ihnen, wie sich zeigen wird, einen großen Teil ihres Selbst- und Weltbilds, vielleicht mehr noch als ihre Erfolge.
Für einen umfassenden Vergleich bietet es sich an, das Scheitern anhand von drei Bereichen zu betrachten: 1. das berufliche Scheitern, 2. das Scheitern in der Liebe und 3. das existenzielle Scheitern bzw. der generelle Misserfolg im Leben. So treten Unterschiede wie Gemeinsamkeiten deutlich zutage; außerdem wird dadurch ersichtlich, dass die drei Figuren ihr größtes Scheitern jeweils anders verorten, wie noch zu zeigen sein wird.

Faber, eigentlich ein erfolgreicher Ingenieur, der als Beauftragter der Unesco um die Welt reist und Entwicklungshilfe leistet, sieht sich im zunehmenden Verlauf der Handlung mit der eigenen Unfähigkeit konfrontiert. Für dieses Unvermögen gibt es zweierlei Gründe, nämlich Fabers seelische und seine physische Verfassung. Bereits zu Anfang des Romans erleidet Faber einen Schwächeanfall (S. 10-11) auf der Toilette des Flughafens in Houston und bricht zusammen. Anschließend versucht er, das Flugzeug nach Mexico, wo er einen Montageauftrag hat, zu verpassen. Faber weiß dabei selbst nicht, wieso er dies tut, doch offensichtlich füllt ihn sein Beruf nicht gänzlich aus, Faber ist unterbewusst nicht zufrieden mit seinem Leben. Der Schwächeanfall ist zudem eine Vorausdeutung auf den zweiten Teil des Buchs, in dem bei Faber ein Magentumor diagnostiziert wird. Ohne es zu wissen, ist Faber bereits am Anfang des Romans erkrankt, er „spür[t] den Magen“ (S. 10), sein Körper gehorcht ihm nicht mehr. Das muss für Faber, der an anderen Stellen seine natürliche, körperliche Seite verdrängt (vgl. S. 29 u. 69), eine schockierende Erfahrung sein. Schließlich lebt er, wie er behauptet, „wie jeder wirkliche Mann […] in [s]einer Arbeit“ (S. 98), er identifiziert sich mit seinem Beruf als Techniker vollkommen, Mathematik, Physik und generell Rationalismus bestimmen sein Weltbild, Natur, Mythos und Gefühl lehnt er daher ab. Der Beruf ist also das Zentrum seines Lebens, gleichzeitig auch seine Berufung. Dennoch ist, wie oben bereits erläutert, eine Unzufriedenheit Fabers mit seiner Laufbahn merklich, die er sich nicht eingesteht. Der Techniker Faber ist ein Konstrukt, ein Selbstbild, das Faber versucht aufrechtzuerhalten, doch muss dies zusammenbrechen, wenn er seinen Beruf aufgrund seiner Krankheit nicht mehr ausüben kann. Unfähigkeit im Beruf ist für Faber gleichzeitig eine Identitätskrise, Scheitern im Leben bzw. Scheitern seines Selbstbildes, mit dem er im Wesentlichen nur Distanz zum Leben und vor allem dem Tod schafft: Hanna wirft dem Techniker vor, „die Schöpfung nutzbar zu machen, weil er sie als Partner nicht aushält“, er versuche, „ohne den Tod zu leben“ (S. 184). Das zeigt einen psychologischen Grund für Fabers berufliches Scheitern auf: Da die Technik die Verdrängung des Todes ist, ist sie dem (vermutlich tod-)kranken Faber suspekt, er verdammt sie sogar später (s. Z. 25-31). Die Krankheit und die Unmöglichkeit, sein Weltbild durch die Arbeit als Techniker aufrechtzuerhalten, verunsichern Faber, er beginnt, an sich selbst zu zweifeln (S. 176), schließlich fällt er ganz aus (S. 185). Das berufliche Scheitern steigert sich mit seiner zunehmenden Todesangst und seinen Schuldgefühlen wegen Sabeths Tod und seinem bisherigen kalten, distanzierten Verhalten. Es trifft ihn demnach hart, der „Homo faber“ der schaffende Mensch, ist nun nicht mehr schaffend und steht vor einem existenziellen Loch, einer Leerstelle in seinem Leben.

Danton ist im Gegensatz zu Faber bereits am Anfang des Dramas beruflich gescheitert: Der immer noch beliebte Politiker und Held der Revolution ist politisch ins Abseits gedrängt worden, der radikale Jakobiner Robespierre hat die Zügel der Macht in der Hand, während Danton als Befürworter einer politischen Mäßigung keinen Einfluss mehr auf den Lauf der Dinge besitzt. Statt zu kämpfen, hat Danton sich von der Politik abgewendet. Von seinen Freunden und politischen Gefährten zum Angriff gegen Robespierre gedrängt, antwortet er nur: „Ich muss fort, sie reiben mich mit ihrer [Hervorhebung durch den Autor dieser Lösung) Politik noch auf.“ (S. 8) Dies hat weniger den Anschein eines Scheiterns aufgrund von Unvermögen, sondern eines selbstgewählten Rückzugs aus der Politik. Danton besitzt keine moralischen Ideale mehr, wie er Robespierre entgegenhält (S. 25-26), außer, dass man anderen nicht den Spaß verderben dürfe. Danton ist Epikureer, ein Genussmensch, der also nun für privates Glück und Sinnesfreuden (darunter vor allem Alkohol und Prostituierte) lebt statt für seinen früheren Beruf als Politiker. Dabei zeigen das Gespräch mit Robespierre und die Rede vorm Revolutionstribunal, dass Danton sein politisches Handwerk eigentlich noch immer beherrscht, er ist wortgewaltig und redegewandt. Jedoch gräbt Danton durch sein Gespräch mit Robespierre sich und seinen Freunden ein Grab, er hat sich verschätzt und Robespierre so weit provoziert, dass dieser keine andere Möglichkeit sieht, als Danton hinrichten zu lassen. Dieses Aufblitzen des Politikers Danton ist also kein Erfolgsmoment, obwohl er Robespierre rhetorisch überlegen ist, sondern ein politisch unkluger, ja fataler Schachzug, durch den Danton sich auch am Tod seiner Freunde schuldig macht. Dantons Zeit ist vorbei, seine politische Karriere ist gescheitert.
Seine scheinbar selbstgewählte Abkehr von der Politik ist jedoch Fassade, in Wahrheit verbirgt sich hinter diesem vermeintlichen Desinteresse ein Trauma: Danton hat die brutalen Septembermorde an hunderten Gefangenen zu verschulden, was ihm immer noch Gewissensbisse bereitet (S. 42), zudem fühlt er sich von „unbekannten Gewalten am Draht gezogen“ (S. 43), also unvermögend und wahllos. Der Genussmensch Danton leugnet die Moral, weil ihm eine Betonung derselben seine Schuld am Tod Hunderter vorhalen würde. Der Genuss ist eine Ablenkung von der Schuld, das Desinteresse also eigentlich tiefe Verunsicherung und Ausdruck einer Sinnkrise. Danton hat sein berufliches Scheitern nicht gewählt, sondern unabsichtlich verursacht, dadurch gleichzeitig Schuld auf sich geladen. Es hat nicht nur Auswirkungen auf ihn selbst, sondern auch auf andere, letztlich bezahlen er und seine Freunde dafür mit ihrem Leben.

Oberflächlich gesehen ist der Ich-Erzähler beruflich kaum gescheitert, geht er doch einer geregelten und sicher nicht schlecht bezahlten Arbeit als Sachbuchautor nach. Sein Scheitern ist weniger ein berufliches Unvermögen als die Tatsache, dass sein Beruf nicht seine Berufung ist. Er schämt sich vor Agnes „für die magere Ausbeute [s]eines bisherigen Lebens“ (S. 30), eigentlich wollte er Romane schreiben, kam aber über den Anfang nicht hinaus. Die Tätigkeit als Sachbuchautor füllt ihn nicht aus, für die Luxuseisenbahnwagen, über die er zu schreiben gezwungen ist, interessiert er sich nicht wirklich (S. 67). Dagegen entflammt seine Leidenschaft beim Schreiben von kurzen Geschichten über Agnes, die ihm sogar so wichtig werden, dass die fiktive Agnes die tatsächliche Agnes verdrängt (S. 56) und er seine Arbeit völlig vernachlässigt (S. 63). Mit seiner beruflichen Laufbahn ist der Ich-Erzähler also unzufrieden, in ihm steckt ein gescheiterter Literat. Dass diese Tatsache ihn verletzt, ist daran ersichtlich, dass er ablehnend und wütend reagiert, als Agnes selbst eine Geschichte schreibt, womöglich ist dies sogar Neid, da ihre Geschichte besser sind als die, die er in der Vergangenheit geschrieben hat (S. 42-43). Letztlich bedeutet dieses berufliche Scheitern aber keine Sinnkrise, der Ich-Erzähler verzweifelt nicht, ist nicht depressiv, auch dient seine Beschäftigung als Sachbuchautor gewissermaßen als Ausgleich, während Faber und Danton beruflich gänzlich verhindert sind. Am Ich-Erzähler zeigt sich das berufliche Scheitern eines Menschen aus unserer heutigen Zeit, in der Beruf und Erfüllung nicht mehr zusammenfallen. Dass der Ich-Erzähler nicht seinem wahren Interesse folgt, ist ein Teilaspekt seiner Entfremdung von der Welt und sich selbst, seines distanzierten Verhältnisses zu allem und seinem orientierungslosen Leben, die sein eigentliches Scheitern ausmachen.

Gemeinsam ist dem Ich-Erzähler und Danton, dass sie sich mit ihren Berufen nicht identifizieren können, was zum Bruch mit ihnen selbst führt: Der Ich-Erzähler empfindet eine generelle innere Leere, Danton wird von Gewissensbissen geplagt. Faber identifiziert sich zunächst völlig mit seinem Beruf, obwohl bereits am Anfang eine unterschwellige Unzufriedenheit mit dem Lauf seines Lebens auszumachen ist – aber erst die Krankheit und die Todesangst führen dazu, dass Faber sich nicht mehr mit seiner Rolle als Techniker identifiziert.
Das berufliche Scheitern ist bei Faber und Danton besonders schwerwiegend, der Ich-Erzähler kann mit seinem Scheitern noch umgehen, er zerbricht daran nicht, während Faber verzweifelt und Danton sich und andere damit umbringt. Letztlich sind sie alle in ihren Berufen oder besser gesagt ihrer Berufung gescheitert.

Das Scheitern in der Liebe ist eins der zentralen Themen in Homo faber, wenn nicht sogar das zentrale Thema. Fabers distanzierte Haltung gegenüber anderen Menschen, seine Ablehnung von Gefühlen und der Versuch eines Lebens abseits von Liebe hängt vermutlich mit seiner gescheiterten Beziehung zu Hanna zusammen, mit der er andere Frauen misst (vgl. S. 32). Faber kommt von Hanna nicht los, das Scheitern ihrer Beziehung hat ihn für sein Leben geprägt. Dass Faber anderen Menschen gegenüber nicht mehr offen ist und seine angebliche Gefüllosigkeit als rationalistischer Techniker und Mann überbetont, ja, dass er ein Sexist ist, der die Menschen in natürlicherweise rationale Männer und emotionale Frauen einteilt (S. 98-100) verrät eine tiefe seelische Verletzung, die ihm Hanna zugefügt hat. Er behauptet, allein sein zu wollen, er könne „nicht die ganze Zeit Gefühle haben“ (S. 99), aber empfindet seine Einsamkeit andererseits auch manchmal als Makel (ebd.). Warum Fabers und Hannas Beziehung scheiterte, ist nicht ganz klar, jedoch waren sie schon damals sehr unterschiedliche Naturelle, zudem bezeichnete er ihr gemeinsames Kind als Hannas Kind und schlug ihr womöglich eine Abtreibung vor, was Hanna verletzte, sodass sie ihn nicht heiraten wollte (S. 50-51). Damit ist Faber nicht allein Schuld, sie passten einfach nicht zueinander. Jedoch hat ihn die Trennung so sehr verletzt, dass er sich innerlich von der Welt abgeschottet hat. Sein streng rationalistisches Weltbild, in dem Gefühle keinen Platz haben, das die Natur der Technik unterordnet und Frauen und Männer in Gegensätze aufteilt, verhindert nun, dass Faber sich auf andere Menschen einlässt. Faber ordnet die Menschen in Kategorien ein, er formt sich ein Bildnis von ihnen, statt sie unmittelbar wahrzunehmen. Sein Wunsch, allein zu sein und sein oftmals unhöfliches Verhalten gegenüber anderen Menschen weisen ihn als Egozentriker aus. Folglich scheitert auch seine Beziehung zur wesentlich jüngeren Sabeth, die seine Tochter ist, wie er erst später erfährt.
Dass Faber nicht ehrlich gegenüber sich selbst ist und etwa seinen Sexualtrieb verdrängt (S. 29 u. 69 etwa), führt zu unverständlichem Verhalten, das Sabeth bisweilen verängstigt oder verunsichert (S. 92, S. 95, S. 102-103). Andererseits ist er auch zu Sabeth anfangs distanziert. Als älterer Mann fühlt er sich der jungen Frau Sabeth überlegen, geniert sich als ihr Erzieher, verbietet ihr etwa, Stewardess zu werden (S. 90) oder belehrt sie über Robotik aufgrund ihrer „kindische]n] Vorstellungen“ (S. 80). Das verhindert eine symmetrische Beziehung mit gleichberechtigten Partnern, Faber kann sich auch als 50 Jahre alter Mann anfangs nicht so weit auf andere einlassen, dass er sie vollständig akzeptiert, wie sie sind. Die Ambivalenz gegenüber Sabeth – sein Begehren, seine Gefühle auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber charakterliche Verschiedenheit und das Gefühl, erfahrener zu sein und mehr zu wissen – ist auch der Grund, warum Faber sich auch nicht ganz auf diese Beziehung einlässt. Zwar zeigt er Anzeichen einer Besserung, zeigt Gefühle und hat sogar ein erstes Kunsterlebnis in Italien (S. 120); er lässt sich also von ihr ändern, man könnte meinen, sie seien auf einem guten Weg. Jedoch plant er keine Heirat (S. 128), sieht also keine längere Zukunft in der Beziehung. Und trotz all der Jahre ist seine Liebe zu Hanna nicht erloschen, er gehört eigentlich „zu Mama [Hanna]“ (S. 157), nicht zu Sabeth. Auch Sabeth kann ihn nicht dazu bewegen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Fabers Scheitern in der Liebe betrifft aber nicht nur ihn. Sabeth stirbt, weil sie vor dem nackt auf sie zueilenden Faber zurückweicht und unglücklich hinfällt – man kann also die noch währende Distanz dafür verantwortlich machen, dass Sabeth stirbt. Faber ist nicht nur gescheitert, nach langen Jahren der Bindungsunfähigkeit eine erfolgreiche Beziehung zu erleben, sondern ist auch noch Schuld an Sabeths Tod. Letztlich ist dies der Grund für die Sinnkrise, die im gegebenen Text deutlich wird: Da Faber sich für Sabeths Tod verantwortlich macht, will er sich als Mensch ändern, seine Natur und seine Gefühle frei ausleben. Die Schuld und die Auswirkungen seines Scheiterns beschäftigen ihn aber noch bis kurz vor dem Ende des Buches und eventuell seinem Tod.

Die Gründe für das Scheitern der Beziehung zwischen dem Ich-Erzähler und Agnes ähneln denjenigen, die auch dem Scheitern der Liebe zwischen Sabeth und Faber zugrunde liegen: Bindungsangst, Gefühllosigkeit und nicht zuletzt auch der Altersunterschied führen dazu, dass die Beziehung zu Agnes nicht mehr als eine Episode bleibt. Der Ich-Erzähler ist ein Mensch, dem Freiheit wichtiger ist als Glück (S. 110), weswegen auch seine früheren Beziehungen gescheitert sind – er kann sich nicht ganz auf andere Menschen einlassen, ist ein Einzelgänger, der ohne soziale Kontakte in Chicago lebt und oftmals bewusst die Anonymität sucht, da er sozialen Bindungen ausweicht (S. 19-20). Er ist sozusagen der Typ des Menschen im Zeitalter der Globalisierung, ein Egoist, der nur sich selbst kennt und den intimen Kontakt zu anderen Menschen als Beschränkung des Selbst wahrnimmt. Daher kann er auch zu Agnes keine innige Beziehung aufbauen, trotz einer „fast körperliche[n] Abhängigkeit“ die er kurz nach Anfang ihrer Beziehung empfindet (S. 61). Schon nach Agnes erstem Mal spricht er von ihrer Beziehung, als sei sie vergangen (S. 31), später wird auch deutlich, dass er nicht plant, langfristig mit Agnes zusammenzubleiben (S. 88). Eine ernsthafte, lebenslange Beziehung zu Agnes kam für ihn also nie in Frage, weshalb er sich auch nicht auf sie einlässt. Diese innerliche Distanz zeigt sich auch darin, dass die Kommunikation mit Agnes scheitert bzw. sie keine philosophischen Gespräche führen können (S. 24) und dass der Ich-Erzähler den unmittelbaren Kontakt zu Menschen als Fremdheit deutet (S. 58-59).
Die Beziehung scheitert auch aufgrund der Kontrollsucht des Ich-Erzählers. Diese scheint mit seinem Egoismus zusammenzuhängen: Wer gewohnt ist, frei von Bindungen zu leben, schränkt sich ungern für andere Menschen ein und erwartet, dass sie seinem Willen gehorchen. Mit dieser Kontrollsucht hängt auch die Tendenz des Erzählers zusammen, die Menschen durch die Bilder zu ersetzen, die er sich von ihnen gemacht hat (ganz wie Faber). Dabei sind es beim Erzähler nicht Klischees wie bei Faber, sondern einfach feste Ansichten darüber, wer das Gegenüber ist und wie es sich verhält. Letztlich verdrängt beim Erzähler die Vorstellung darüber, wie der Mensch ist, den tatsächlichen Menschen, seine Vorstellungen verdrängen die tatsächliche Vergangenheit (S. 56). Fatal ist schließlich, dass der Ich-Erzähler über Agnes zu schreiben beginnt bzw. dass er die Gegenwart mit seiner Geschichte einholt, denn so bildet er sich eine feste Vorstellung über die Zukunft, der Agnes gehorchen muss (S. 63-66). Als Agnes schwanger wird, lehnt er das schlicht ab: „Agnes wird nicht schwanger“. (S. 89) Statt ihr beizustehen und das Kind zu akzeptieren, schlägt er ihr eine Abtreibung vor. Die Vorstellung ist dem Ich-Erzähler wichtiger als der Mensch, als Egoist zeigt er hier nur Gefühlskälte statt Fürsorge. Er kann keine Verantwortung übernehmen und ist daher auch nicht beziehungsfähig.
Da er sich selbst am wichtigsten ist, empfindet er auch keine Gewissensbisse, als er Agnes mit Louise betrügt, auch als Agnes krank im Bett liegt. Aufgrund dieser gedankenlosen Untreue, dem Unwillen oder der Unfähigkeit, sich auf Agnes einzulassen und sie als selbstständigen Menschen wahrzunehmen und seiner generellen Distanz zu anderen Menschen verantwortet der Ich-Erzähler das Scheitern der Beziehung. Womöglich hat sein Scheitern auch tödliche Konsequenzen, je nachdem, ob Agnes sich am Ende des Romans umbringt oder nicht. Hier ähnelt der Ich-Erzähler abermals Faber. Jedoch scheint das Scheitern ihn weniger zu berühren als den Protagonisten aus Max Frischs Roman, der Ich-Erzähler scheint es gewohnt zu sein, in der Liebe zu scheitern. Außerdem stellt sich die Frage, ob ihm an Agnes überhaupt so viel liegt, dass ihn das Ende der Beziehung trifft – schließlich tut er wenig, um die Beziehung zu retten.

Schwieriger ist die Bewertung der Beziehung zwischen Danton und Julie. Als Epikureer und Genussmensch vertreibt er sich die Zeit mit Prostituierten (S. 19), obwohl er mit Julie verheiratet ist, die wohl nichts von den sexuellen Vergnügungen ihres Mannes weiß, jedenfalls kommen diese niemals zur Sprache. Andererseits scheint Danton mit Julie keinesfalls unglücklich zu sein und verhält sich ihr gegenüber zärtlich und offen (S. 41-43), während sie ihn aufrichtig und bedingungslos liebt. Schließlich tötet sie sich für Danton und er möchte wiederum, dass sie mit ihm stirbt, da er im Tod nicht allein sein möchte (S. 67). Danton bedeutet ihre Nähe also viel, sein sexuelles Verlangen scheint losgelöst von seiner Beziehung. Andererseits sagt Danton zu Anfang des Dramas: „Wir [Danton und Julie] wissen wenig voneinander […] – wir sind sehr einsam.“ (S. 5) Danton verneint also, dass man andere Menschen vollends kennen könne. Allerdings hält das Danton nicht wie den Ich-Erzähler vom Versuch ab, Julie nahe zu kommen oder ihr gegenüber offen zu sein, er zweifelt lediglich daran, dass absolute Nähe möglich ist. Bewertet man die Beziehung nach der Norm, stellt Dantons Untreue ein Scheitern dar. Aber da Julie ihn liebt und Julie ihm wiederum sehr viel bedeutet, ihre Liebe letztlich aufgrund von äußeren Umständen scheitert, scheint ihre Beziehung nicht gänzlich misslungen zu sein. Das Unglück wird nicht von ihnen verursacht, sondern durch das Terrorregime Robespierres. Hier unterscheidet sich die Beziehung zwischen Danton und Julie maßgeblich von den gescheiterten Beziehungen in Homo faber und Agnes.

Für Faber bedeutet das Scheitern der Liebe eine Sinnkrise, die sein bisheriges Leben in Frage stellt. Es konfrontiert ihn mit seinem Scheitern als Mensch überhaupt, stellt ihm sein Versagen, anderen Menschen gegenüber offen und sich gegenüber ehrlich zu sein deutlich vor Augen. Faber verzweifelt aufgrund seiner Schuld, er versucht, sich als Mensch zu ändern. Bei dem Ich-Erzähler ist das Scheitern der Liebe eventuell ebenso fatal wie in Homo faber, doch ist der Ich-Erzähler ein distanzierterer Mensch als Faber oder jedenfalls innerlich leerer. Sein Scheitern ist für ihn nicht tragisch, schließlich ist dem Egoisten die Freiheit wichtiger als die Liebe. Wie bei Faber scheitert die Beziehung aufgrund seiner Distanz und seiner Bindungsunfähigkeit.
Wie oben bereits gesagt, ist das Scheitern in der Liebe in Dantons Tod ein ganz anderes als bei Faber und dem Ich-Erzähler, wird es doch durch äußere Umstände verursacht. Bemerkenswerterweise ist Danton Julie untreu wie der Ich-Erzähler gegenüber Agnes bzw. Faber gegenüber Sabeth (denn Faber liebt Hanna immer noch), sein Fremdgehen ist ebenso gedankenlos und nicht mit Schuldgefühlen behaftet. Doch Danton braucht Julie und die Kommunikation zwischen ihnen scheitert nicht aufgrund von Verschlossenheit.
Was alle drei Figuren vereint ist die Tatsache, dass das Scheitern der Liebe mit dem Tod einhergeht, entweder von diesem verursacht wird (wie bei Homo faber und Dantons Tod) oder von diesem lediglich endgültig gemacht (wie bei Agnes) – jedenfalls, wenn man davon ausgeht, dass Agnes wirklich stirbt.

Ausgehend von seinem Schuldgefühl aufgrund von Sabeths Tod erkennt Faber, dass er als Mensch gescheitert ist, dass er die Welt nicht kennt und sie durch die rationalistische Haltung des Technikers stets von sich fern gehalten hat (vgl. S. 185-185 o. Z. 25-31). Das geht einher mit einer grundsätzlichen Menschenfremdheit Fabers: Er kann andere Menschen oft nicht verstehen, die Kommunikation mit ihnen scheitert. Das Gespräch, das Faber mit Hanna führt, nachdem Sabeth ins Krankenhaus eingeliefert worden ist, ist beispielhaft für Fabers Mangel an Menschenkenntnis: „‚Hanna‘, sage ich, ‚du bist ja fortschrittlich geworden!‘ Sie lächelte bloß. ‚Ich meine es im Ernst!‘ sagte ich – ‚Noch immer?‘ fragte sie. Manchmal verstand ich sie nicht.“ (S. 144-145) Die Haltung des Technikers ist nur eine Rolle Fabers, mit der er die Welt zu verstehen versucht, doch versagt sie an vielen Stellen. Sabeths Tod sei statistisch etwa nicht wahrscheinlich, dennoch stirbt sie, wenn auch nicht am Schlangenbiss, sondern aufgrund ihres Sturzes. Fabers Hang zur Statistik gerät an seine Grenzen, wenn etwas Unvorhersehbares geschieht. Damit kaschiert Faber nur, dass er die Welt und die Menschen, einschließlich sich selbst, nicht versteht, gibt seine Distanz als selbstgewählt und vernünftig aus statt als Scheitern, mit der Welt im Einklang zu leben. Gefestigte Bilder ersetzen bei ihm ein tatsächliches Verständnis, sein antithetisches Denken resultiert in Klischees. Wo Faber zuerst die Natur der Technik unterordnet, versucht er nach Sabeths Tod, Hannas Kritik umzusetzen, doch ist sein Bild von den Kubanern als vermeintliche natürliche Wilde ebenfalls ein bloßes Bild statt Realität. Er betrachtet sie wie Tiere, der Techniker Faber ist also nicht ganz gestorben (Z. 64-67). Sein altes Klischeedenken wird durch ein Neues ersetzt, bei der Kritik an Amerika stützt Faber sich wieder einmal nur auf gängige Vorurteile (Z. 25-31, Z. 38-43).
Letztlich ordnet sich Faber selbst in eines seiner Bildnisse ein, nämlich das des Technikers, wobei er seine sexuellen Triebe und seine Körperlichkeit unterdrückt (S. 29, S. 69, S. 98). Er hat sein Leben nicht genutzt, sein Verhalten hat zum Scheitern der Beziehung mit Sabeth und indirekt auch zu ihrem Tod geführt. Faber kann sein existenzielles Scheitern nicht verarbeiten, es gibt keine Möglichkeit zur Umkehr, er scheitert wiederum dabei, sich zu ändern. Sein wahrscheinlicher Tod am Ende des Romans setzt einen Schlussstrich hinter seine Bemühungen, einen direkten Zugang zur Welt zu finden. Schließlich empfindet er sein Leben als Versagen, er wünscht sich, noch einmal zu leben (Z. 13). Die Entfremdung von der Welt und sich bleibt jedoch bestehen, die Sinnkrise wird von Faber nicht bewältigt.

Das existenzielle Scheitern des Ich-Erzählers ähnelt demjenigen Fabers. Zwar stützen sich seine Bildnisse nicht mehr auf althergeholte Klischees wie bei Faber (die Tatsache, dass die Physikerin Agnes emotionaler ist als der Ich-Erzähler, ein Autor, spricht schon Bände), doch dienen sie ebenfalls als Versuch, Kontrolle über eine Welt zu erlangen, die man nicht versteht oder von der man entfremdet ist. So schafft er sich durch die Geschichte, die er über Agnes schreibt, Kontrolle über ihr Leben. Die Freiheit, die ihm so wichtig ist, bleibt ihm also erhalten, da er die Zukunft vorschreibt. Das entbindet ihn von der Unvorhersehbarkeit einer wirklichen offenen Beziehung. Damit ist sein Kontakt zu Agnes auch nicht unmittelbar (er empfindet z. B. Angst, als er ihren Körper unmittelbar empfindet, S. 58-59), sondern indirekt, über das Mittel der Erzählung. Auch sonst hat es den Anschein, dass der Ich-Erzähler seine Welt nicht intim wahrnehmen möchte, hat er doch anscheinend keine Freunde in Chicago, zieht die Anonymität der Bekanntschaft vor und geht Gefühlen aus dem Weg (S. 14-15). Die innere Leere des Ich-Erzählers, die sich an knappen, sachlichen Sätzen zeigt, ist begleitet von einer Ziellosigkeit. Er weiß nicht, wie die Zukunft mit Agnes aussehen soll, hat anscheinend auch beruflich keine besonderen Perspektiven. Er ist zwar frei, aber auch frei von der Bindung zur Welt, er lebt losgelöst von ihr, nur seiner eigenen Gedankenwelt verpflichtet. Das stürzt ihn nicht in eine Krise wie Faber, auch am Ende des Romans scheint er sich nicht sonderlich zu sorgen, dass Agnes sich umbringen könnte, hebt er doch nicht ab, als jemand anruft (S. 153). Beim Ich-Erzähler resultiert das Scheitern nicht in Verzweiflung und Schuld, wie sie Faber empfindet, denn der Erzähler ist innerlich leer. Die Entfremdung von der Welt ist bei ihm so weit fortgeschritten, dass sie ihm gleichgültig ist.

Auch Danton erlebt eine Entfremdung von der Welt, die aber weniger durch Distanz und innere Leere gekennzeichnet ist wie bei Faber und dem Ich-Erzähler, als durch eine Verzweiflung aufgrund der Geschehnisse seiner Zeit und dem Lauf der Geschichte. Nicht eine gescheiterte Liebschaft ist es, die Danton wie Faber verzweifeln lässt, Danton scheitert auch nicht wie der Ich-Erzähler durch Gleichgültigkeit und Egoismus, sondern durch seine politische Laufbahn, denn sein berufliches Versagen bedeutete nicht nur das Scheitern in der Berufung, sondern auch das Verschulden hunderter Morde. Wie Faber verzweifelt Danton aufgrund von moralischen Vergehen, die durch nichts zu entschuldigen sind und die man nicht mehr rückgängig machen kann, denn Danton ist ein Mörder.
Vermutlich um sich vom deprimierenden und brutalen politischen Geschehen abzulenken, auf das er ohnehin keinen Einfluss mehr hat, frönt Danton nur noch dem Genuss und verneint das Vorhandensein von Tugend. Im Gespräch mit Robespierre sagt er: „Jeder handelt seiner Natur gemäß d. h. er tut, was ihm wohl tut.“ (S. 26) Damit entbindet sich Danton jeder moralischer Verantwortung für seine Untreue gegenüber Julie und seiner genussvollen Tatenlosigkeit, während das Volk hungert und leidet. Hinter dieser selbstsicheren Attitüde verbirgt sich aber ein verzweifelter Mann, der an seinen Fähigkeiten zweifelt. Julie offenbart er seine verletzliche Seite und erzählt er einen Traum, der für den Geschichtsfatalismus Dantons insgesamt steht: „Unter mir keuchte die Erdkugel […], ich hatte sie wie ein wildes Ross gepackt. […] So ward ich geschleift. Da schrie ich in der Angst“ (S. 42) – allegorisch steht dieser Traum dafür, dass Danton versucht, der Welt Herr zu werden, sie zu verändern versuchte, aber letztlich von den Umständen mitgerissen wird. Für den Politiker Danton bedeutet das Scheitern darin, die Welt zu verändern, auch das Scheitern der eigenen Berufung. Danton kann Robespierres Terrorherrschaft nicht beenden, er fühlt sich wie eine Puppe, „von unbekannten Gewalten am Draht gezogen“ (S. 43). Aufgrund dieser Erfahrung, dem Lauf der Politik und der Tatsache, dass er sich und seine Freunde gefährdet, entwickelt sich Danton zum Nihilisten, der der Welt jeglichen Sinn abspricht. Dieses Gefühl ist gespeist vom Eindruck einer inneren Leere: „Es wurde ein Fehler gemacht, wie wir geschaffen worden, es fehlt uns was“ (S. 32). Danton resümiert, dass das Leben „nicht die Arbeit wert [sei], die man sich macht, es zu erhalten.“ (S. 33) Im Angesicht des Todes erreicht seine finstere Sicht auf das Leben ihren Höhepunkt: „Die Schöpfung hat sich so breit gemacht, da ist nichts leer, alles voll Gewimmels. Das nichts hat sich ermordet, die Schöpfung ist seine Wunde, wir sind seine Blutstropfen, die Welt ist das Grab worin es fault.“ (S. 67) Danton sieht die Welt als ein einziges großes Scheitern.

Alle drei Figuren scheitern letztlich darin, ein mit der Welt übereinstimmendes Leben zu führen, das sie mit Sinn erfüllt. Sie stehen der Welt entweder gleichgültig gegenüber wie der Ich-Erzähler und anfangs Faber oder verzweifeln am Wirken von Kräften wie der Vorsehung oder der Vorbestimmung, gegenüber denen sie sich machtlos fühlen (Faber gegen Ende des Romans und Danton). Danton scheiterte darin, die Welt zum Guten zu verändern und verantwortet fatalerweise damit hunderte Morde, was ihn in eine Sinnkrise stürzt, die sich zum Nihilismus auswächst. Sein Epikureismus ist nichts anderes als die Flucht vor der Moral und eventuell auch das Ausblenden des Todes: Fabers Tirade gegen die Amerikaner, die sich durch Äußerlichkeiten eine Illusion aufpasst, kann auch auf Danton bezogen werden (Z. 38-43).
Faber wie der Ich-Erzähler verschulden durch ihr Scheitern bei der eigenen Lebensführung und ihre Distanz zu Welt und Menschen den Tod ihrer Geliebten, beide setzten Bilder an die Stelle von Unmittelbarkeit, wodurch sie sich vor der Gefahr der Unvorhersehbarkeit schützen wollten, aber dadurch ihr Leben auch nicht nutzen. Wo das Scheitern Faber bricht und ihn versuchen macht, ein neues Leben aufzubauen und sich zu ändern, ist der Ich-Erzähler so leer, dass es ihn kaum zu berühren scheint.

Das Scheitern von Danton, Faber und dem Ich-Erzähler betrifft immer auch andere Menschen, nicht nur sie selbst. In Dantons Fall ist dies besonders fatal, was an den Bedingungen seiner Zeit liegt. Generell spiegelt sich am Scheitern dieser Figuren die jeweilige Zeit, in der sie leben: Dantons Scheitern geschieht im Rahmen einer entgleisten Revolution, die in einem Terrorregime gipfelt, Fabers Scheitern als Mensch ist durch eine von Gegensätzen geprägte Welt verschuldet und durch den Gegensatz von Technik und Natur, der schließlich auch wenige Jahre nach Erscheinen des Romans einen Ausschlag in der Hippie-Bewegung fand. Der Ich-Erzähler scheitert aufgrund der Leere, die ein haltloses Leben inmitten des Globalismus mit sich bringt, der die Menschen nicht verbindet, sondern anonymisiert. Ihr Scheitern ist individuell, aber dennoch kann man Dantons Tod, Agnes und Homo faber als Werke über die Zeit bezeichnen, aus der sie stammen. Damit wird ihr Scheitern zumindest relativiert, besonders Danton ist mit solch extremen Zuständen konfrontiert, dass sein Scheitern beinahe vorprogrammiert ist; jedoch entschuldigt dies weniger das Verhalten Fabers und des Ich-Erzählers, die mehr Kontrolle über ihr eigenes Leben besitzen. Wenn ihr Scheitern auch unterschiedlich ausgeprägt ist, der Ich-Erzähler z. B. mitnichten ein beruflicher Versager zu nennen ist, bleibt doch eine Tatsache bestehen: Es misslingt ihnen, ihre Vorstellungen bezogen auf den Beruf, die Liebe und das Leben umzusetzen, weshalb das Scheitern der drei eine Tatsache ist.

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