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Aufgaben
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Die Natur als Spiegel von Empfindungen

$\blacktriangleright$  Aufgaben
1.
Interpretieren Sie das Gedicht „Notturno“ von Max Herrmann-Neiße. (Material 1)
2.
Vergleichen Sie Max Herrmann-Neißes Gedicht „Notturno“ mit Joseph von Eichendorffs Gedicht „Erwartung“ (Material 2) im Hinblick auf die inhaltliche und sprachlich-formale Gestaltung des Liebesmotivs. Berücksichtigen Sie bei der Bearbeitung den literatur- geschichtlichen Kontext.
3.
Diskutieren Sie unter Berücksichtigung Ihrer Ausführungen zu den Aufgaben 1 und 2 sowie Ihrer Leseerfahrung, inwiefern Lyrik ein geeignetes Medium ist, menschliche Empfindungen zum Ausdruck zu bringen.
#vergleichen#lyrik#zentraleraufgabenpool#gedichtinterpretation
Material 1
Max Herrmann-Neiße: Notturno (1914)
$\;$
Wind würgt den Wald. Wie totgeschlagen liegt
ein dunkler Teich. Ins Sterngeflacker fliegt
aus Abendrot der irre Mond. Gewölk schlägt schwer
wie nasse Segel auf das Wipfel-Meer.
5
. . Und zwischen mich und Dich ist Finsternis
und Feld und Giebel und Gebirg gestellt,
und Sehnsucht blutet so wie Natternbiß,
und wie in Feuersbrunst ist alles Land von unsrer Liebesnot weit überhellt.
Traum trägt mich hoch, daß meine Hände wie zwei Hunde
10
verbissen sind an Dir. Flammen flackern von Mund zu Munde.
Wind würgt den Wald. Sterne verströmen ihr Blut.
Mond fließt in Mond. Giebel, Gebirg vergeht. Gott ist mir gut.
Max Herrmann-Neiße: Notturno, in: ders.: Im Stern des Schmerzes. Gedichte 1, Frankfurt am Main 1986, S. 311.
Hinweise:
Max Herrmann-Neiße (1886–1941)
Notturno: ital. Nachtstück, auch „Nocturne“ (frz.): stimmungsvolles, schwermütiges Musikstück
Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage.
Material 2
Joseph von Eichendorff: Erwartung (1826)
$\;$
O schöne, bunte Vögel,
Wie singt ihr gar so hell!
O Wolken, luft’ge Segel,
Wohin so schnell, so schnell?
5
Ihr Alle, ach, gemeinsam
Fliegt zu der Liebsten hin,
Sagt ihr, wie ich hier einsam
Und voller Sorgen bin.
Im Walde steh’ und laur’ ich,
10
Verhallt ist jeder Laut,
Die Wipfel nur wehn schaurig,
O komm, du süße Braut!
Schon sinkt die dunkelfeuchte
Nacht rings auf Wald und Feld,
15
Des Mondes hohe Leuchte
Tritt in die stille Welt.
Wie schauert nun im Grunde
Der tiefsten Seele mich!
Wie öde ist die Runde
20
Und einsam ohne dich!
Was rauscht? – S i e naht von ferne! –
Nun, Wald, rausch’ von den Höh’n,
Nun laß Mond, Nacht und Sterne
Nur auf und untergehn!
Joseph von Eichendorff: Erwartung, in: ders.: Sämtliche Werke, hg. von Harry Fröhlich/Ursula Regener, Historisch-kritische Ausgabe. Bd. I/1: Gedichte, Stuttgart/Berlin/Köln 1993, S. 240 f.
Hinweise:
Joseph von Eichendorff (1788–1857)

Rechtschreibung und Sperrdruck entsprechen der Textvorlage.
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Die Natur als Spiegel von Empfindungen

Gedichtinterpretation

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Max Herrmann-Neiße: Notturno
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere das Gedicht.

Einleitung

Deine Interpretation beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Titel: Notturno
  • Autor: Max Herrmann-Neiße
  • Erscheinungsjahr: 1914
  • Inhalt: In dem Gedicht „Notturno“ von Max Herrmann-Neiße, das auf das Jahr 1914 datiert ist, geht es um die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach seiner Geliebten.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, das Gedicht zu interpretieren. Führe dazu zunächst die formale Analyse durch. Dazu gehört, dass du die Anzahl der Strophen und Verse, das Metrum, das Reimschema und die Kadenz ermittelst und angibst.
Für die Interpretation des Inhalts gehst du am besten Strophe für Strophe vor - so gehst du sicher, dass du bei deiner Interpretation keinen Aspekt vergisst. Neben dem Inhalt sind aber auch die sprachlichen Mittel, die Falke verwendet, essenziell. Lasse diese aber nicht so stehen, sondern erkläre immer, warum die Mittel eingesetzt werden, denn sie heben immer den Inhalt hervor und unterstreichen ihn.
Formale Analyse
  • 3 Strophen à 4 Verse
  • Metrum: fünfhebiger Jambus
  • Reimschema: Paarreim, Kreuzreim, Paarreim
  • Kadenz: männlich
1. Strophe
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • Beschreibung einer nächtlichen Szenerie
  • es herrscht stürmische Atmosphäre $\rightarrow$ Wind würgt Wald, Sterngeflacker, Gewölk schlägt schwer
  • Wald wird mit Teich verglichen, ist passiv wie totgeschlagen
  • Sterne werden vom Mond überschattet
  • Wolken drücken auf Baumwipfel nieder
$\blacktriangleright$ Sprache
  • aggressive Sprache: würgt, totgeschlagen, irr, schlägt schwer
  • maritimer Wortschatz: Teich, nasse Segel, Wipfel-Meer
  • Alliteration: „Wind würgt den Wald“ (Z. 1)
    $\rightarrow$ Wind als aggressiv-brutale Instanz
  • Vergleich: „Wie totgeschlagen liegt ein dunkler Teich“ (Z. 1-2)
    $\rightarrow$ steht antithetisch zum Wald, der passive Bewegung durch den Wind erfährt
    $\rightarrow$ keinerlei Bewegung, strömt Ruhe und Stille aus
  • Personifikation: „irre[r] Mond“ (Z. 3)
    $\rightarrow$ Mond steht für Wahnsinn, den das lyrische Ich überfallen hat
  • Vergleich: „Gewölk schlägt schwer wie nasse Segel auf das Wipfel-Meer“ (Z. 3-4)
    $\rightarrow$ ironisch, Wald ist der Launen der Natur ausgesetzt, kann sich nicht wehren
2. Strophe
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • lyrisches Ich spricht von räumlicher Trennung zu seinem/seiner Geliebten
  • Dunkelheit, Ländereien, Dörfer und Gebirge trennen sie
  • Sehnsucht zu Geliebter/Geliebtem vergleichbar mit infektuöse Krankheit
  • „Liebeskummer“ über Geliebtem/Geliebter überschattet alles, lyrisches Ich beschreibt diesen als zweiseitig
$\blacktriangleright$ Sprache
  • Klimax/Aufzählung/doppelte Alliteration/Pars pro Toto: „Finsternis und Feld und Giebel und Gebirg“ (Z. 5-6)
    $\rightarrow$ Trennung der vermeintlich Liebenden räumlich und gedanklich aufgetrennt
    $\rightarrow$ Finsternis und Gebirge eher gedanklich, können beide für den Tod der/des Geliebten stehen
    $\rightarrow$ Feld und Giebel räumliche Trennung, stehen für Land/Städte
  • Personifikation : „Sehnsucht blutet“ (Z. 7)
    $\rightarrow$ Sehnsucht nicht nur als psychischer Schmerz empfunden, sondern sogar als körperliche Wunde
  • Metapher: „blutet so wie Natternbiß“
    $\rightarrow$ Sehnsucht als negative Emotion, die sich virusartig im ganzen Körper verbreitet
  • Symbol: „Natternbiß“ (Z. 7)
    $\rightarrow$ Schlange als Symbol für Eifersucht
  • Vergleich: „wie in Feuersbrunst“ (Z. 8)
    $\rightarrow$ Kummer äußert sich als alles verzehrende Macht
3. Strophe
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • lyrisches Ich hält immer noch an Geliebtem/Geliebter fest, auch wenn nur im Traum
  • letztes Gedenken an vergangene Zeiten, vergangene Liebe, vergangene Küsse
  • wiederholte Beschreibung des Windes, der den Wald würgt, Sterne flackern nicht mehr, sondern bluten
  • Mond fließt in Mond $\rightarrow$ Spiegelung des Mondes in der Oberfläche des dunklen Teiches
  • Vergänglichkeit der räumlichen Trennung durch Städte/Dörfe und durch das Gebirge, das für den Tod der/des Geliebten steht
  • Andeutung des Todes des lyrischen Ichs, da Gott ihm wohlgesonnen entgegenblickt
$\blacktriangleright$ Sprache
  • Metapher: „Traum“ (Z. 9)
    $\rightarrow$ lyrisches Ich kann nur im Traum bei Geliebter/Geliebtem sein, Geliebter/Geliebte ist nicht real existent, daraus lässt sich schließen, dass er/sie tot ist (in Verbindung mit der Finsternis, die das Gedicht umschatttet)
  • Vergleich: „Hände wie zu Hunde verbissen“ (Z. 9)
    $\rightarrow$ lyrisches Ich kann nicht loslassen, hält an vergangener Erinnerung fest
  • Repititio: „Wind würgt den Wald“ (Z. 11)
    $\rightarrow$ setzt Rahmen um Gedicht
  • Metapher: „Sterne verströmen ihr Blut“ (Z. 11)
    $\rightarrow$ Sterne stehen für das lyrische Ich, lyrisches Ich ist verwundet (mental und physisch)
Interpretation
  • lyrisches Ich hat Geliebten/Geliebte umgebracht
    $\rightarrow$ dunkler Teich in Z. 2 kann als Blutlache gesehen werden
  • lyrisches Ich ist dem Wahn verfallen ($\rightarrow$ irrer Mond)
  • Finsternis als unüberwindbares Hindernis zwischen lyrischem Ich und toter/totem Geliebten
  • lyrisches Ich hat aus Eifersucht getötet, Kummer über Verlust der/des Geliebten brennt alles weg
  • kann nur noch im Traum an Geliebten/Geliebtem festhalten
  • lyrisches Ich bringt sich selbst um, Weg zu Geliebtem/Geliebter ist geebnet, da das Gebirge vergangen ist und kein Hindernis mehr darstellt

Schluss

Am Schluss solltest du die Hauptaussage, die Intention, des Gedichts noch einmal kurz zusammenfassen. Du kannst hier auch sagen, welche Gefühle das Lesen des Gedichts in dir ausgelöst und in welche Stimmung es dich versetzt hat.

Gedichtvergleich

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Max Herrmann-Neiße: Notturno (1914)
Joseph von Eichendorff: Erwartung (1826)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Vergleiche die beiden Gedichte im Hinblick auf die inhaltliche und sprachliche Gestaltung des Liebesmotivs.

Einleitung

Deine Interpretation beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Inhalt: Das Gedicht „Notturno“ von Max Herrmann-Neiße, datiert auf das Jahr 1914, und das Gedicht „Erwartung“ von Joseph von Eichendorff aus dem Jahre 1826 handeln beide von einem lyrischen Ich, das sich nach seiner Geliebten verzehrt und dies von der umgebenden Natur widergespiegelt wird.

Hauptteil

In diesem Teil musst du auf Basis deiner Interpretation von „Notturno“ Kriterien finden, anhand derer du die beiden Gedichte und die Gestaltung des Liebesmotives miteinander vergleichen kannst. Arbeite dann Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Gedichte heraus. Hierbei musst du sowohl den Inhalt als auch Form und sprachliche Gestaltung analysieren. Du kannst die Interpretation des zweiten Gedichts direkt mit dem Vergleich verbinden.
Formale Analyse
  • 6 Strophen à 4 Verse
  • Metrum: dreihebiger Jambus
  • Reimschema: Kreuzreim
  • Kadenz: weiblich
Liebesmotiv
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • Gedicht beginnt mit einem Anruf an die hell singenden Vögel und an die Wolken, die schnell vorbeiziehen
  • Verwunderung des lyrischen Ichs über Natur
  • lyrisches Ich sehnt sich nach seiner Geliebten und nutzt Natur (Vögel, Wolken) als Überbringer von Botschaften
  • lyrisches Ich fühlt sich einsam und sorgt sich um seine Geliebte
  • erwartet die Geliebte im Wald in kompletter Stille, macht Anschein, als ob er auf sie lauern würde (einseitiges Liebesverhältnis)
  • sehnliches Erwarten der Geliebten ausgedrückt durch das Eintreten der Nacht
    $\rightarrow$ lyrisches Ich bemerkt Voranschreiten der Zeit nur bedingt, realisiert Dämmerung nicht
  • nächtliche Ruhe umringt das lyrische Ich, einzige Lichtquelle ist der Mond
  • lyrisches Ich erschauert aufgrund der Stille, sehnt sich dadurch noch mehr nach seiner Geliebten, spürt Einsamkeit sehr deutlich in Anbetracht des stillen Waldes um es herum
  • hört Geräusch, ist der Meinung, dass es seine Geliebte sein muss $\rightarrow$ freudige Erwartung
  • Appell an die Natur, so romantisch wie möglich zu erscheinen, Wald soll rauschen, Sterne und Mond sollen leuchten
$\blacktriangleright$ Sprache
  • Personifikation: „Vögel, / Wie singt ihr gar so hell!“ (Z. 1-2)
    $\rightarrow$ lyrisches Ich schreibt Vögeln Menschlichkeit zu
  • Metapher: „luft'ge Segel“ (Z. 3)
    $\rightarrow$ Wolken werden vom Wind wie Segelschiffe angetrieben
  • Epipher: „(…) so schnell, so schnell?“ (Z. 4)
    $\rightarrow$ drückt Verwunderung aus, warum die Wolken nicht an ihrem Ort verweilen, sondern schnell weiterziehen
  • Personifikation: „die Wipfel nur wehn schaurig“ (Z. 11)
    $\rightarrow$ unterstreicht die plötzliche Unheimlichkeit der Umgebung, Wandel von der Romantisierung der Wolken zu plötzlicher Unheils-Stimmung
  • Exclamatio: „O komm, du süße Braut!“ (Z. 12)
    $\rightarrow$ weckt den Anschein, als ob lyrisches Ich verlobt sei und er sogar auf seine Braut warte (vor der eigentlichen Vermählung mit ihr)
    $\rightarrow$ erst jetzt kann der Leser die volle Tragweite des Gedichtes erfassen, dass lyrisches Ich vor der Trauung auf seine Geliebte wartet
    $\rightarrow$ Braut scheint nicht zu erscheinen, schaurig wehende Bäume künden Unheil an
  • Metapher: „dunkelfeuchte / Nacht“ (Z. 13-14)
    $\rightarrow$ verdeutlicht unangenehmes Gefühl des lyrischen Ichs
  • Personifikation: „Des Mondes hohe Leuchte / Tritt in die stille Welt.“ (Z. 15-16)
    $\rightarrow$ einzige Unterbrechung des Bildes ist der Mond, der langsam aufgeht, zeigt verronnene Zeit
  • Parallelismus: „Wie schauert nun im Grunde / Der tiefsten Seele mich! / Wie öde ist die Runde / Und einsam ohne dich!“ (Z. 17-20)
    $\rightarrow$ lyrisches Ich befällt Panik über das Fernbleiben der Braut, gleichzeitige Verlegenheit gegenüber der Runde, also den Gästen
  • Parallelismus: „Nun, Wald, rausch' von den Höh'n / Nun laß Mond, Nacht und Sterne / Nur auf und untergehn!“ (Z. 22-24)
    $\rightarrow$ Braut scheint in unmittelbarer Nähe, Bräutigam ruft ruft voller Erwartungen Natur als Zuschauer herbei
Vergleich
  • formal: fünfhebiger Jambus, männliche Kadenz vs. dreihebiger Jambus, weibliche Kadenz
  • inhaltlich: Geliebte sind getrennt vs. Geliebter wartet auf Geliebte
    $\rightarrow$ Sehnsucht nach Geliebtem/Geliebter: verzehrend vs. erwartend
    $\rightarrow$ Sehnsucht brennt alles nieder und führt zu Suizid vs. lyrisches Ich wird von Sehnsucht erlöst durch Ankommen der Geliebten
    $\rightarrow$ Nacht als Hindernis zwischen lyrischem Ich und Geliebter/Geliebtem vs. Nacht als Verzögerung des Wartens auf Geliebte
    $\rightarrow$ Geliebte/-r ist nicht mehr existent, nur noch gedanklich präsent vs. Geliebte ist nicht unbedingt real, aber wird als real präsentiert (durch ihr Ankommen)
    $\rightarrow$ lyr. Ich hat Geliebte/-n aus Eifersucht umgebracht vs. Liebende beschreiten Weg zum ultimativen Ziel der Liebe (Heirat)
  • sprachlich: aggressiv vs. romantisiert
    $\rightarrow$ auffallend: Wolken in beiden Gedichten als Segel (Wolken erdrücken Wald vs. Wolken eilen zur Liebsten
    $\rightarrow$ symbolträchtig, bildliche Sprache vs. einfache Sprache (trotz des hohen Niveaus)
    $\rightarrow$ Wald als passiv, wird Schaden zugefügt vs. Wald als Verdeutlichung der Einsamkeit
  • literatur-geschichtlicher Kontext: Kriegsexpressionismus vs. Spätromantik
    $\rightarrow$ Themen wie Angst vor dem Ich-Verlust und Tod vs. Liebe, Natur, Gefühle der Sehnsucht und Leidenschaft
    $\rightarrow$ moralisches Chaos (Geliebte tot, eigener Suizid, Gott ist wohlgesonnen) vs. Eindimensionalität des lyrischen Ichs
    $\rightarrow$ Schauplatz: Wald

Schluss

Am Schluss solltest du die Hauptaussage, die Intention, des ersten Gedichts noch einmal kurz zusammenfassen. Du kannst hier auch sagen, welche Gefühle das Lesen des Gedichts in dir ausgelöst und in welche Stimmung es dich versetzt hat. Dann nimmst du noch einmal kurz Bezug auf den Vergleich und nennst ein Fazit dazu. Du kannst auch deine eigene Meinung sagen und erklären, welches Gedicht dir besser gefallen hat.

Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Lyrik als geeignetes Medium, um menschliche Empfindungen auszudrücken
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Diskutiere, inwiefern Lyrik ein geeignetes Medium ist, menschliche Empfindungen zum Ausdruck zu bringen.

Einleitung

Schreibe zunächst eine Einleitung, in der du auf das vorgegebene Thema aufmerksam machst. Du kannst beispielsweise damit beginnen, die verschiedenen Epochen, in denen Lyrik verwendet wurde, zu benennen. Gehe dann auf die Fragestellung ein, inwiefern Lyrik als Medium der Emotionsübertragung gewertet werden kann.
Lyrik ist schon seit jeher als Kunstform gesehen. Dabei hat sie sich einem erheblichen Wandel vom Mittelalter bis hin zur Postmoderne unterzogen - vom Minnesang über ritterliche Tugenden, zu barocken Gedichten der Vergänglichkeit, zu Kriegslyrik bis hin zum heutigen Poetry Slam. Kann Lyrik demnach als Medium dafür gesehen werden, die Emotionen des jeweiligen Autors für eine breite Masse zugänglich zu machen?

Hauptteil

In deinem Hauptteil musst du zu nun für dich entscheiden, ob du Lyrik für dich eine Funktion der Übertragung an Emotionen hat, oder nicht. Nachdem du dich für eine Seite entschieden hast, solltest du dir dafür Argumente überlegen.
Argumente Pro
  • Lyrik als Resultat emotionaler Situationen
    $\rightarrow$ auch genutzt um gesellschaftliche Missstände aufzudecken und zu thematisieren; Emotionen, die damit in Zusammenhang standen, wurden dadurch übermittelt
  • Möglichkeiten der Lyrik
    $\rightarrow$ durch bildhafte Sprache (Metaphern, Naturdarstellung, Vergleiche) können bestimmte Gefühle beschrieben werden, für die reguläre Adjektive zu schwach sind (Eichendorff)
  • formale Besonderheiten
    $\rightarrow$ Reimschemen (oder -wechsel) oder das Versmaß können Gefühlsänderungen verdeutlichen
    $\rightarrow$ Leserhythmus wirkt sich auf Leser aus
    $\rightarrow$ sprachliche Elemente im Einzelnen nicht unbedingt relevant, übermittelte Stimmung ist elementar
  • Lyrik als Kunstform
    $\rightarrow$ gibt Emotionen einen sprachlichen Rahmen, ähnlich wie Malerei einer Emotion einen bildlichen Rahmen gibt
  • heutige Relevanz
    $\rightarrow$ Songtexte: nutzen sprachliche und bildhafte Elemente, um Emotion auszudrücken
    $\rightarrow$ Songs haben die Macht, Menschen in verschiedene Stimmungen zu versetzen (melancholisches Lied - traurige Stimmung, fröhliches Lied - gute Stimmung)
    $\rightarrow$ Poetry Slam: Phänomen Julia Engelmann rührt in Talkshows Jörg Pilawa und Co. zu Tränen, greift alltägliche Emotionen auf und verwandelt sie in zauberhafte Worte um
Argumente Con
  • Verständlichkeit der Lyrik
    $\rightarrow$ durch oft bildhafte und verworrene Sprache ist Lyrik nicht immer auf Anhieb für jeden verständlich
    $\rightarrow$ nicht alle Leser können die Emotionen exakt deuten
  • Emotionen nicht greifbar
    $\rightarrow$ Gefühle sind oft nicht beschreibbar und deshalb für rationalere Menschen schwierig zu deuten
  • relativ kleines Publikum, das erreichbar ist

Schluss

Am Schluss solltest du noch einmal zusammenfassen, zu welchem Schluss du gekommen bist und warum du diese Seite gewählt hast. Du kannst auch einen Ausblick auf die Zukunft von Lyrik geben.
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Die Natur als Spiegel von Empfindungen

Gedichtinterpretation

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Max Herrmann-Neiße: Notturno
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere das Gedicht.
In dem Gedicht „Notturno“ von Max Herrmann-Neiße, datiert auf das Jahr 1914, geht es um die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach seiner Geliebten. Dabei werden düstere Naturszenen beschrieben, die den Sprecher von seiner Geliebten trennen.
Max Herrmann-Neißes Gedicht hat drei Strophen, die aus je vier Versen bestehen, im fünfhebigen Jambus geschrieben sind. Es ist im Paarreim und Kreuzreim verfasst, die Verse enden in männlichen Kadenzen.
Inhaltlich geht es in der ersten Strophe um eine nächtliche Szenerie. Es herrscht eine stürmische Atmosphäre, „Wind würgt den Wald“ (Z. 1), Sternen flackern und das Gewölk schlägt schwer. Die bereits beschriebene Alliteration steht für die aggressiv-brutale Instanz des Windes. Der Wald durch den der Wind fegt wird anschließend mit einem Teich verglichen und liegt passiv wie totgeschlagel (vgl. Z. 1f.), was antithetisch zum Wald steht, der eine passive Bewegung durch den Wind erfährt. Durch die fehlende Bewegung strömt der Wald jedoch eine gewisse Ruhe und Stille aus. Es herrscht eine düstere Stimmung, selbst die Sterne werden vom Mond überschattet und Wolken drücken auf die Baumwipfel nieder. Diese Strophe ist von ihrer aggressiven Sprache geprägt (vgl. „würgt“, „totgeschlagen“, „irr“, „schlägt schwer“). Dass das lyrische nicht mehr klar denken kann, sieht man an der Personifikation „irre[r] Mond“ (Z. 3). Der Mond steht für den Wahnsinn, den das lyrische Ich überfallen hat. Im Gegensatz zu den Elementen wird der Wald als machtlos dargestellt. „Gewölk schlägt schwer wie nasse Segel auf das Wipfel-Meer“ (Z. 3ff.) - der Wald ist also den Launen der Natur ausgesetzt und kann sich nicht wehren.
Die zweite Strophe beschäftigt sich mit der räumlichen Trennung des lyrischen Ichs und seiner Geliebten. Dunkelheit, Ländereien, Dörfer und Gebirge trennen sie und die Sehnsucht, die das lyrische Ich empfindet gleicht schon fast einer infektuösen Krankheit. Der Liebeskummer überschattet tatsächlich alles und wird vom lyrischen Ich als zweiseitig beschrieben. Die Trennung der vermeintlich Liebenden ist durch die Klimax „Finsternis und Feld und Giebel und Gebirg“ (Z. 5f.) räumlich, wie auch gedanklich aufgetrennt. Die Finsternis und das Gebirge können hier eher als gedankliche Trennung wahrgenommen werden und könnten beide für den Tod der oder des Geliebten stehen. Feld und Giebel stehen für die räumliche Trennen und auch für die Gegensätze Stadt und Land. Dass die Abwesenheit und die Sehnsucht nach der Geliebten nicht nur als psychischer Schmerz, sondern sogar als körperliche Wunde wahrgenommen wird, macht die Personifikation der blutenden Sehnsucht deutlich (vgl. Z. 7). Sie blutet so wie Natternbiß“ (Z. 7) und ist also eine negative Emotion, die sich virusartig im ganzen Körper ausbreitet. Der Natternbiss ist gleichzeit ein Symbol, denn Schlangen stehen oftmals für Eifersucht. Generell gilt der Kummer einer Feuersbrunst (vgl. Z. 8) und gestaltet sich aufgrund dessen als alles verzehrende Macht.
In der letzten Strophe hält das lyrische Ich direkt am Geliebten oder an der Geliebten fest, auch wenn dies nur im Traum geschieht. Der Traum ist eine Metapher, denn das lyrische Ich kann nur dort bei dem Geliebten oder der Geliebten sein, welche nicht real existent sind. Daraus lässt sich zudem schließen, dass er oder sie tot ist, in Verbindung mit der Finsternis, die das Gedicht umschattet. Ein letztes Mal gedenkt es an vergangene Zeiten, vergangene Liebe und vergangene Küsse. Das lyrische Ich kann einfach nicht loslassen und hält „wie […] Hunde verbissen“ (Z. 9) an der vergangenen Erinnerung fest. Auch der Wind spielt hier wieder eine Rolle, er würgt den Wald erneut; die Stenere flackern aber nicht mehr, sondern sie bluten (vgl. Z.11). Die Sterne stehen für das lyrische Ich, welches mental wie auch physisch verwundet ist. Der Mond spiegelt sich jetzt in der Oberfläche des dunklen Teiches. Außerdem wird erneut die Vergänglichkeit der räumlichen Trennung durch die Stadt und Dörfer und auch durch das Gebirge, das für den Tod der/des Geliebten steht, deutlich. Zum Schluss wird der Tod des lyrischen Ichs angedeutet, da Gott ihm wohlgesonnen entgegenblickt.
Betrachtet man die einzelnen Strophen sowie deren jeweilige Stilmittel, so kann man zu dem Schluss kommen, dass das lyrische Ich seinen Geliebten oder seine Geliebte umgebracht hat. Besonders in der letzten Strophe wird dies deutlich, da das lyrische Ich nur im Traum bei seinem Partner sein kann und dieser scheinbar nicht mehr existiert. Der dunkle Teich im Wald kann auch als Blutlache gedeutet werden, denn durch die Dunkelheit ist unklar, ob es sich um Wasser oder um Blut handelt. Allerdings tropft das Blut der Sterne zu Boden und sammelt sich so in einer Lache. Das lyrische Ich ist außerdem dem Wahn verfallen, es halluziniert über seine Geliebte oder seinen Geliebten, und kann nur noch an vergangene Zeiten denken. Die Finsternis ist hier ein unüberwindbares Hindernis zwischen dem lyrischen Ich und dem toten oder der toten Geliebten. OFfenbar hat das lyrische Ich aus Eifersucht getötet und der Kummer über den Verlust der/des Geliebten brennt alles weg. Der Traum ist alles, was das lyrische Ich noch hat und aus Verzweiflung darüber bringt es sich schließlich selbst um und der Weg zur Geliebten oder zum Geliebten ist geebnet, da das Gebirge vergangen ist und keine Hindernis mehr darstellt.
Insgesamt betrachtet ist Max Herrmann-Neißes Gedicht „Notturno“ eine typisch expressionistische Darstellung der Wirkung menschlicher Imagination durch die Naturwahrnehmung. Die düstere Stimmung in der Natur und der vorherrschende Sturm stimmen exakt mit der dunklen Gefühlswelt des lyrischen Ichs überein und sind somit sehr gut für den Leser nachvollziehbar.
Vorschlag A

Gedichtvergleich

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Max Herrmann-Neiße: Notturno (1914)
Joseph von Eichendorff: Erwartung (1826)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Vergleiche die beiden Gedichte im Hinblick auf die inhaltliche und sprachliche Gestaltung des Liebesmotivs.
Das Gedicht „Notturno“ von Max Herrmann-Neiße, datiert auf das Jahr 1914, und das Gedicht „Erwartung“ von Joseph von Eichendorff aus dem Jahre 1826 handeln beide von einem lyrischen Ich, das sich nach seiner Geliebten verzehrt und dies von der umgebenden Natur widergespiegelt wird. Eichendorffs Gedicht besteht aus sechs Strophen zu je vier Versen, die im Kreuzreim verfasst sind. Das Metrum beschreibt einen dreihebigen Jambus und die Verse enden in einer weiblichen Kadenz.
Inhaltlich gesehen beginnt das Gedicht mit einem Anruf an die hell singenden Vögel und an die Wolken, die schnell vorbeiziehen. Das lyrische Ich zeigt sich verwundert über die Natur. Es sehnt sich nach seiner Geliebten und nutzt die Natur als Überbringer von Botschaften. Seine Geliebte erwartet er im Wald in kompletter Stille, es macht schon fast den Anschein, als ob er auf sie lauern würde und dass die beiden ein eher einseitiges Liebesverhältnis pflegen. Das sehnliche Erwarten der Geliebten wird ausgedrückt durch das Eintreten der Nacht. Das lyrische Ich bemerkt jedoch das Voranschreiten der Zeit nur bedingt und realisiert in seinem Liebes- und Erwartungswahn die Dämmerung nicht. Eine gewisse nächtliche Ruhe umringt das lyrische Ich und die einzige Lichtquelle ist der Mond. Das lyrische Ich erschauert aufgrund der Stille, es sehnt sich dadurch nur noch mehr nach seiner Geliebten; iin Anbetracht des stillen Waldes um es herum spürt es seine Einsamkeit sehr deutlich. Als das lyrische Ich ein Geräusch hört, denkt es sofort, dass es seine Geliebte sein muss und verspürt freudige Erwartung. Das Gedicht endet mit einem Appell an die Natur, so romantisch wie möglich zu erscheinen. Der Wald soll rauschen und die Sterne und der Mond sollen leuchten, um eine möglichst intime Atmosphäre für dass lyrische Ich und seine Geliebte zu erzeugen.
Wie sich das lyrische Ich tatsächlich fühlt, drücken die vielen verschiedenen Stilmittel, die der Dichter Eichendorff benutzt, aus. Der Grundtenor ist eine gewisse Leichtigkeit, die sich zum Beispiel durch die personifizierten Vögel äußert. Den Vögeln wird eine Menschlichkeit durch ihren Gesang zugeschrieben (vgl. Z. 1f.). Es fühlt sich alles sehr hell und leicht an. Die Metapher „luft'ge Segel“ (Z. 3), die die Wolken als vom Wind angetriebene Segelschiffe beschreibt, unterstreicht dies. Durch die Epipher „(…) so schnell, so schnell?“ (Z. 4) drückt das lyrische Ich seine Verwunderung darüber aus, warum die Wolken nicht an ihrem Ort verweilen, sondern schnell weiterziehen. Es kann nicht nachvollziehen, warum die Natur um es herum nicht die selben Gefühle hegt wie es selbst. Die heiter scheinende Stimmung schlägt jedoch bald um: die Personifikation „die Wipfel nur wehn schaurig“ (Z. 11) unterstreicht die plötzliche Unheimlichkeit der Umgebung und ein Wandel von der Romantisierung der Wolken zu einer plötzlichen Unheilsstimmung findet statt. Hier wirkt die Exclamatio „O komm, du süße Braut!“ (Z. 12) etwas fehl am Platz. So wird der Anschein geweckt, als ob das lyrische Ich verlobt sei und er sogar auf seine Braut warte, dass sie zu ihrer Vermählung erscheine. Erst jetzt kann der Leser die volle Tragweite des Gedichtes erfassen: dass das lyrische Ich vor der Trauung auf seine Geliebte wartet. Die Braut scheint jedoch nicht zu erscheinen, denn die schaurig wehenden Bäume künden ein Unheil an. Auch die Metapher „dunkelfeuchte / Nacht“ (Z. 13f.) verdeutlicht das unangenehme Gefühl, dass das lyrische Ich spürt. Die dunkle Szenerie wird jedoch vom Mond unterbrochen, dessen hohe Leuchte in die stille Welt eintritt (vgl. Z. 15f.) - er steht für die verronnene Zeit. Das lyrische Ich verfällt in Panik: „Wie schauert nun im Grunde / Der tiefsten Seele mich! / Wie öde ist die Runde / Und einsam ohne dich!“ (Z. 17ff.) - das Fernbleiben der Braut erschüttert es, gleichzeitig ist es verlegen gegenüber der Runde, also gegenüber den Gästen, die ja ebenfalls auf die Braut warten. Doch nun scheint die Braut zu nahen - dies wird durch den Parallelismus „Nun, Wald, rausch' von den Höh'n / Nun laß Mond, Nacht und Sterne / Nur auf und untergehn!“ (Z. 22-24) verdeutlicht. Die Braut scheint also in unmittelbarer Nähe und der Bräutigam ruft voller Erwartungen die Natur als Zuschauer herbei.
Vergleicht man die Gedichte Erwartung und Notturno, so fällt auf, dass in beiden Werken das Leiden des lyrischen Ich unter der Trennung von dem geliebten Menschen und Sehnsucht nach der Wiedervereinigung mit ihm im Vordergrund steht. Hierbei werden die Empfindungen des lyrischen Ich ausdrucksstark mit der Wahrnehmung von Naturerscheinungen verwebt.
Beide Gedichte haben als Schauplatz einen nächtlichen Wald. Jedoch wird in Notturno die Natur als düster und lebensfeindlich und als Zeit leidenschaftlicher Liebesphantasien beschrieben, wohingegen Erwartung die hoffnungsvolle Begegnung mit Naturelementen an einem als trostlos empfundenen Tag widerspiegelt - die Nacht gilt hier als möglichst rascher Übergang zur Wiederbegegnung am nächsten Tag. Die Wiedervereinigung der Liebenden ist hier eine reale Möglichkeit, die durch Boten der Natur bewirkt und angekündigt wird. In Notturno gilt die Wiedervereinigung der Liebenden einer Wunschvorstellung. Hier werden die Gefühle des lyrischen Sprechers außerdem in Naturbildern reflektiert, in Eichendorffs Gedicht wird die vom lyrischen Ich geäußerte Einsamkeit und Liebessehnsucht durch die ihn umgebende Natur verstärkt. Des Weiteren werden in Hermann-Neißes Werk die Natureindrücke und Empfindungen assoziativ aneinandergereiht; in dem zu vergleichenden Werk gibt es jedoch eine durchaus erkennbare Unterscheidung zwischen stimmungsvoller Naturbeschreibung und in der 1. Person Singular formulierten Gedanken und Gefühlen. Zudem gibt es einen Unterschied in der Beziehung zwischen lyrischem Ich und der Geliebten, denn in Notturno wird die Geliebte in der 2. Person Singular imaginiert, wohingegen die Naturelemente Vogel und Wind als Mittler zwischen lyrischem Ich und entfernter Geliebter in Erwartung fungieren. Auch die Naturmotivik der Romantik ist unterschiedlich: in Notturno ist sie aggressiv umgedeutet, wohingegen sie in Erwartung eher traditionell wiedergegeben wird.
Beim Betrachten der beiden Gedichte im Hinblick auf deren literatur-geschichtlichen Kontext wird deutlich, dass die Natur entweder als Spiegel der Empfindungen und als Darstellung der Gefühlsintensität des lyrischen Ichs genutzt wird (Notturno) oder durch die dialogische Verknüpfung des lyrischen Ich mit der Natur die Welt romantisiert wird (Erwartung). Jedoch werden die traditionellen romantischen Motive in Notturno, wie beispielsweise Nacht, Wolken, Wind, Mond und Sterne, umgedeutet und verfremdet. In Eichendorffs Gedicht spiegeln diese Motive die innersten Seelenbewegungen des lyrischen Ichs. Außerdem soll die als widerständig und bedrohlich wahrgenommene Natur überwunden werden, während es eine Einheit von lyrischem Ich und der Natur in Erwartung gibt. Notturno entspricht also nicht dem klassischen romantischen Gedicht, sowohl inhaltlich als auch sprachlich, nur in Teilen: Syntax (parataktischer Stil,Verknappung der Sätze) und Verstärkung der Dynamik durch Enjambements sowie der Verzicht auf ein streng geregeltes Metrum, ein gleichmäßiges Reimschema und einheitliche Verslängen machen dies offensichtlich. Erwartung entspricht hier eher der klassischen Romantik durch dessen Spiegelung des Inhalts in harmonischem formal-sprachlichen Gefüge mit traditioneller Syntax, regelmäßigem Metrum und Reimschema sowie einheitlichen Verslängen.
Insgesamt gesehen ähneln sich die Werke Notturno von Max Herrmann-Neiße und Erwartung von Joseph von Eichendorff nur in dem Punkt, dass beide sich innerhalb des Schauplatzes der Natur bewegen. Die Natur wird jedoch unterschiedlich genutzt: so ist sie im ersten Fall ein Spiegel des Gemütszustandes des lyrischen Sprechers, wohingegen sie im zweiten Fall eher ein Übermittler von Botschaften des lyrischen Ichs an seine Geliebte ist. Beide Gedichte wirken eher düster auf den Leser und entsprechen so nicht der klassischen Stimmung von grundlegend romantischen Gedichten.
Vorschlag A

Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Lyrik als geeignetes Medium, um menschliche Empfindungen auszudrücken
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Diskutiere, inwiefern Lyrik ein geeignetes Medium ist, menschliche Empfindungen zum Ausdruck zu bringen.
Lyrik wird schon seit jeher als Kunstform gesehen. Dabei hat sie sich einem erheblichen Wandel vom Mittelalter bis hin zur Postmoderne unterzogen - vom Minnesang über ritterliche Tugenden, zu barocken Gedichten der Vergänglichkeit, zu Kriegslyrik bis hin zum heutigen Poetry Slam. Kann Lyrik demnach als Medium dafür gesehen werden, die Emotionen des jeweiligen Autors für eine breite Masse zugänglich zu machen?
Lyrik ist generell ein Resultat emotionaler Situationen. Oftmals wird es auch genutzt, um gesellschaftliche Missstände aufzudecken und zu thematisieren und um die Emotionen, die damit in Zusammenhang standen, wurden dadurch zusätzlich übermittelt. Die Gedichte der Barock-Epoche thematisierten zum Beispiel die Vergänglichkeit des Lebens und dass man seine Lebenszeit dazu nutzen sollte, jeden Tag so zu leben als ob es der letzte wäre. In Zeiten der Pest war dies nahezu das Credo, das von der Bevölkerung gelebt wurde. Viele Gedichte, die kurz vor oder während dem Ersten Weltkrieg geschrieben wurden zeigen eine Art Aufbruchsstimmung, ja eine Vorfreude auf den Krieg und den daraus resultierenden, vermeintlichen Triumph. Doch diese Gedichte sind oftmals auf ironische Weise geschrieben und stellen im Grunde die Zerstörungswut des Krieges dar.
Mit Lyrik hat man zudem viel mehr Möglichkeiten, seine Gefühle und Empfindungen zum Ausdruck zu bringen. Durch bildhafte Sprache wie Metaphern, Vergleiche oder Naturdarstellungen können bestimmte Gefühle beschrieben werden, für die reguläre Adjektive schlichtweg zu schwach sind wie bei Eichendorffs Gedicht Erwartungen zum Beispiel zu sehen ist. Auch formale Besonderheiten wie diverse Reimschemen oder -wechsel oder das Versmaß können Gefühlsveränderungen verdeutlichen. Zusätzlich wirkt sich der Leserhythmus auch auf den Leser aus und regt eine gewissen Gemütszustand an. Sprachliche Elemente sind im Einzelnen nicht unbedingt relevant, denn die übermittelte Stimmung ist zentral.
Lyrik ist aber auch eine Kunstform: sie gibt Emotionen einen sprachlichen Rahmen, ähnlich wie Malerei einer Emotion einen bildlichen Rahmen gibt. Somit wird eine bestimmte Thematik für ein Publikum dargeboten und der Autor gibt sein innerstes Gefühlsleben und seine Geheimnisse preis - er setzt also auf das Vertrauen seines Publikums und teilt mit ihnen intime Erzählungen.
Auch heute ist Lyrik noch relevant. Songtexte nutzen beispielsweise sprachliche und bildhafte Elemente um Emotionen auszudrücken. So wird der Beruf des Songwriters gleichbedeutend mit dem des damaligen Dichters. Zudem haben Songs die Macht, Menschen in verschiedene Stimmungen zu versetzen. Ein melancholisches Lied hebt eine traurige Stimmung hervor, sowie ein fröhliches Lied gute Laune macht. Im Prinzip werden in Songs auch persönliche Erlebnisse verarbeitet und somit kann Musik auch eine Art Ventil sein. Doch auch Gedichte genießen heutzutage noch großes Aufsehen. Das während eines Poetry Slams entdeckte Talent Julia Engelmann rührt in Talkshows sowohl Moderatoren wie Jörg Pilawa, als auch das Publikum zu Tränen, sie greift alltägliche Emotionen auf und verwandelt sie in zauberhafte Worte um.
Trotzdem spielt auch die Verständlichkeit der Lyrik eine erhebliche Rolle, wenn es darum geht, menschliche Emotionen zum Ausdruck zu bringen. Durch die oft bildhafte und verworrene, bruchstückhafte Sprache ist Lyrik nicht immer auf Anhieb verständlich. Demnach können nicht alle Leser die Emotionen exakt deuten und somit ist Lyrik nur einem begrenzten Publikum tatsächlich zugänglich. Oftmals sind die Emotionen auch nicht direkt greifbar. Gefühle sind nicht oft beschreibbar und deshalb beispielsweise für rationalere Menschen schwierig zu deuten.
Lyrik hat schon immer eine große Rolle im Leben der Menschen gespielt - egal ob zu Kriegszeiten, um die Menschheit auf die Gewalt aufmerksam zu machen, während Frieden herrschte, um die Menschen an die Schönheit der simplen Dinge zu erinnern oder auch heutzutage, wo sich der Poetry Slam als legitimes Entertainmentevent für eine Freitag-Nacht etabliert hat. Auch in Zukunft wird Lyrik weiterhin elementar sein, denn solange es Sänger und Bands gibt, solange wird es Lyrik geben.
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