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Aufgaben
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Identität und Projektion

$\blacktriangleright$  Aufgaben
1.
Beschreibe die Situation des Ich-Erzählers in Max Frischs Roman „Stiller“ und analysiere Verhalten und Einstellung des Ich-Erzählers. Berücksichtige dabei auch die sprachlich- formale Gestaltung des Textes. (Material 3)
2.
Johanna aus Schillers Drama „Die Jungfrau von Orleans“ dient anderen Figuren als Projektionsfläche.
Vergleiche, wie Johanna und der Ich-Erzähler des vorliegenden Textauszuges (Material 3) mit den Zuschreibungen anderer Figuren umgehen.
3.
„In gewissem Grad sind wir wirklich das Wesen, das die andern in uns hineinsehen, Freunde wie Feinde. Und umgekehrt! [A]uch wir sind die Verfasser der andern; wir sind auf eine heimliche und unentrinnbare Weise verantwortlich für das Gesicht, das sie uns zeigen, verantwortlich nicht für ihre Anlage, aber für die Ausschöpfung dieser Anlage.“ (Max Frisch) Überprüfe, inwiefern diese Aussage von Max Frisch auf die Beziehung zwischen Margarete und Faust aus Goethes Drama „Faust I“ zutrifft.
Brauchst du noch mehr Informationen zu Faust I?
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Lektürehilfe zu Faust I
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#diejungfrauvonorleans#faust#maxfrisch
Material 3
$\;$
Max Frisch: Stiller (1954)
Stiller ist die Hauptfigur des gleichnamigen Romans, der mit dem Ausruf „Ich bin nicht Stiller!“ beginnt. Nach einer Krise hat Stiller seine Heimat, die Schweiz, verlassen, in die er nach sieben Jahren unter anderem Namen zurückkehrt. Bei der Einreise wird er jedoch als Stiller identifiziert und aufgrund seiner Verwicklung in eine Agentenaffäre verhaftet. Der Hauptteil des Werks besteht aus den Aufzeichnungen des Protagonisten während der Untersuchungshaft. Im Zentrum stehen seine Reflexionen über seine Identität. Im folgenden Auszug schildert der Protagonist Begegnungen mit Personen, die er aus seinem früheren Leben in der Schweiz kennt, die ihn in seiner Zelle besuchen und denen er nun als Fremder gegenübertritt.
Freunde! – jetzt kommen sie bereits rudelweise, heute nicht weniger als fünf, und zwar gleichzeitig. Alle finden mich unverändert, beinahe unverändert, und duzen mich. Und daß ich dann kein Wort sage, hindert sie nicht im mindesten, mich zu kennen, ach ja, es geht doch nichts über eine alte Freundschaft. Einer von ihnen, ein Schauspieler, läßt meine Hand überhaupt nicht mehr los. Innerlich keit in den Augen, und noch
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wenn er verstummt ist, trieft er von tiefem Verständnis für Stiller; durch einen Händedruck, durch eine weitere Verstärkung des Druckes und ein nochmaliges Schütteln meiner gequetschten Hand, die er mit seinen beiden Händen umklammert, lasse ich mir sagen, was unaussprechlich ist. Meinerseits sage ich nur: Nehmen Sie doch Platz, meine Herren! Und einer von ihnen, merke ich mit der Zeit, hält sich für meinen Gönner, weil er den verschollenen Stiller nicht wegen der jahrelang ausbleibenden Miete verklagt hat, was
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sein gutes Recht wäre; meine Verlegenheit, scheint es, genügt ihm als Ausdruck des Dankes. Überhaupt sind es liebenswerte Menschen, wennschon sie bei diesem Besuch, einmal versammelt, wie es unter natürlichen Umständen wohl nicht vorkommt, etwas von einer Krematoriums-Gesellschaft haben; außer ihrer Verbundenheit mit dem verschollenen Stiller, einer Verbundenheit so unterschiedlichen Ursprungs, haben sie eigentlich nichts Gemeinsames untereinander. Ein jeder hat von den andern gehört, mag sein,
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damals durch Stiller, der nun in empfindlicher Weise fehlt. Man müßte sich natürlich unter vier Augen kennenlernen. Einer von ihnen, merke ich mit der Zeit, ist inzwischen Professor geworden, ein feiner Kopf, der mit dem verschollenen Stiller, einem so vagen Geist und Temperament voll wirrer Radikalismen, oft genug seine liebe Mühe gehabt haben mag. Es ist ein Akt der Treue, daß er gekommen ist, dieser junge Professor, der natürlich andere Freunde hat als Stiller. Seine Vorsichtigkeit, die zärtliche Schonung, womit
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er mich behandelt, läßt erahnen, wie empfindlich der verschollene Stiller gewesen sein mag, und in der Tat, auch ich fühle mich als der Unterlegene, fühle das Ausmaß meiner Unkenntnis, verfalle in eine Art ängstlicher Hochachtung und damit in einen Ton, der ihn unweigerlich an den verschollenen Freund erinnern muß. Er will diesen Ton oder dieses Schweigen ängstlicher Hochachtung nicht; aber er ist daran gewöhnt, scheint es, und je befremdender mein Verhalten, um so sicherer wird er in mir den verschollenen
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Stiller erkennen, der ihn oft genug befremdet hat und dem er trotz allem, wohl mehr aus dem Bedürfnis nach Fairneß als nach Freundschaft, die mit Stiller nie fruchtbar wird, die Treue hält. Warum macht es mich traurig? Es wären wirklich lauter Männer, die man als Freunde haben möchte. Warum ist es nicht möglich? Übrigens sind sie durchaus uneinig, wer Stiller gewesen ist; dennoch tun sie so, als hielten sie mich für eine und dieselbe Person. […] [Z]uweilen, während sie so reden, über- lege ich im Ernst, was für ein Mensch ich
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sein müßte, um den Erinnerungen und Erwartungen dieser fünf Besucher auch nur in großen Zügen zu entsprechen, etwas wie ein fünfköpfiges Wesen, glaube ich, wobei jeder von ihnen meine vier anderen Köpfe als unecht, als überflüssig abhauen würde, um den wahren Stiller hervorzustellen. […] Es sind, wie gesagt, lauter liebenswerte Männer. Nachher frage ich mich, warum ich mich nicht wirklich als ihren Freund empfinde. Ich habe sie beleidigt, ohne etwas zu sagen. Meine Zelle wird einsamer nach jedem Besuch. […]
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Es ist schwer, nicht müde zu werden gegen die Welt, gegen ihre Mehrheit, gegen ihre Überlegenheit, die ich zugeben muß. […] Ich weiß, daß ich nicht der verschollene Stiller bin. Und ich bin es auch nie gewesen. Ich schwöre es, auch wenn ich nicht weiß, wer ich sonst bin. Vielleicht bin ich niemand. Und wenn sie es mir schwarz auf weiß beweisen können, daß von allen Menschen, die als geboren verbucht sind, zur Zeit nur ein einziger fehlt, nämlich Stiller, und daß ich überhaupt nicht in dieser Welt bin, wenn ich mich weigere, Stiller
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zu sein, so weigere ich mich doch. Warum lassen sie nicht ab! Mein Verhalten ist lächerlich, ich weiß, meine Lage wird unhaltbar. Aber ich bin nicht der Mann, den sie suchen, und diese Gewißheit, meine einzige, lasse ich nicht los.
Max Frisch: Stiller, Frankfurt am Main 13. Aufl. 1980, S. 331–334.
Hinweise:
Max Frisch (1911?1991), Schweizer Schriftsteller, dessen Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, u. a. dem Büchner-Preis, dem Schiller-Preis und dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels.
Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage.
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Identität und Projektion

Analyse

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Max Frisch: Stiller
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Beschreibe die Situation des Ich-Erzählers und analysiere das Verhalten und die Einstellung dessen. Berücksichtige dabei auch die sprachlich-formale Gestaltung.

Einleitung

Deine Analyse beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Titel: Stiller
  • Autor: Max Frisch
  • Erscheinungsjahr: 1954
  • Inhalt: In dem Textauszug zu Max Frischs „Stiller“, erschienen 1954, geht es um Stiller, der sich in Untersuchungshaft befindet aufgrund der Verwicklung in eine Agentenaffäre. Er sieht sich selbst allerdings nicht als Stiller und befindet sich in einer Identitätskrise.

Hauptteil

Im Hauptteil musst du nun die Situation, in der sich Stiller befindet beschreiben und sein Verhalten und seine Einstellung analysieren. Wichtig ist, dass du auch auf die sprachlich-formale Gestaltung eingehst.
Inhalt
  • Textauszug beginnt mit Stiller, der in Untersuchungshaft sitzt und welcher Besucher empfängt
  • Stiller ist verwirrt über die Menschen, die ihn zu kennen scheinen, die ihn duzen
  • entgegnet ihnen kein einziges Wort, was sie nicht zu stören scheint
  • Freunde haben Verständnis für ihn, obwohl er sich eher als Ekel präsentiert, das nichts mit ihnen zu tun haben will
  • akzeptiert die Annahmen, dass er doch Stiller sei, kommentarlos, obwohl er sich innerlich dagegen wehrt
  • erklärt, dass die vermeintlichen Freunde ja doch durchaus liebenswert sind, auch wenn unter ihnen sein Vermieter ist, der die ausgelassene Klage anmerkt, die er hätte erheben können aufgrund fehlendes Mieteinganges
  • trotz allem findet Stiller diesen Auflauf an Personen merkwürdig, vergleicht er sie doch mit einer „Krematoriums-Gesellschaft“ (Z. 12)
  • ganz besonders fällt Stiller ein junger Professor auf, der Stiller einen vagen Geist und ein radikales Temperament zuschreibt
  • dadurch, dass der Professor ihn besonders aufmerksam behandelt, glaubt Stiller, dass er wohl den richtigen Stiller auch so behandele und dass er wohl die gleichen Charakteristika besäße wie der richtige Stiller
  • Professor will allerdings nicht, dass Stiller sich so wie der vermeintlich richtige Stiller verhält, und Stillers befremdliches Verhalten verstärkt den Effekt nur, dass der Professor ihn wirklich für Stiller hält, da dieser auch durch befremdliches Verhalten auffiel
  • Stiller bemerkt, dass der Professor vermutlich nur aus Fairness noch mit ihm befreundet ist, da mit Stiller keine Freundschaften gedeihen können
  • dies stimmt ihn traurig, und er fragt sich, warum es denn nicht möglich sei, dass er nicht etwa doch Stiller sei
  • überlegt sogar, welche Qualitäten und charakteristischen Merkmale er aufweisen müsste, um als Stiller durchzugehen
  • nachdem die Besucher Stiller alleine lassen, stellt dieser fest, dass er sie beleidigt hat
  • ist sogar versucht, der vermeintlichen Wahrheit, tatsächlich Stiller zu sein, nachzugeben um nicht mehr gegen all die Leute ankämpfen zu müssen, die der Meinung sind, er sei Stiller
  • kommt zu dem Schluss, der er sich dagegen weigern würde, Stiller zu sein, selbst wenn es bewiesen wäre, dass er Stiller sein müsste
  • einzige Gewissheit, die er hat und die besagt, dass er nicht der besagte Stiller ist, spendet ihm Trost
Sprache
  • Wechsel zwischen der ersten Person (Reflektion des Ich-Erzählers) in die dritte Person (Wiederholung dessen, was Gäste über Stiller gesagt haben)
    $\rightarrow$ Verstärkung des Identitätsverlustes
  • Verwendung des Konjunktiv I
    $\rightarrow$ wird benutzt, wenn Stiller über ehemalige Identität redet
  • Auszug eines Romans, Beginn in medias res
  • klare, eher einfache Sprache, wenig bildhaft, jedoch verschachtelt monologisch
    $\rightarrow$ zeigt Verwirrung und Unsicherheit des Protagonisten
  • kritisch-ironische Sprache
  • Ironie: „Freunde!“ (Z. 1)
    $\rightarrow$ sieht den Besuch, der als Freunde Stillers angekündigt wurde, nicht als seine Freunde an
  • Repetitio: „unverändert, beinahe unverändert“ (Z. 2)
    $\rightarrow$ Freunde empfinden Stiller als Stiller, nicht als einen anderen
  • Ironie: „(…) ach ja, es geht doch nichts über eine alte Freundschaft“ (Z. 3)
    $\rightarrow$ kritisiert Banalität der Besucher, die sich als Freunde von Stiller ausgeben und laut Stiller nicht wahrhaben wollen, dass er nicht Stiller ist
  • Metapher: „Innerlichkeit in den Augen“ (Z. 4)
    $\rightarrow$ Schauspieler besitzt tiefes Gemüt und versteht Stiller in seiner Problematik der Identitätsfindung
    $\rightarrow$ Schauspieler kennt Problematik, dass Menschen ihn für jemand anderes halten, als das er tatsächlich ist
  • Klimas: „durch einen Händedruck, durch eine weitere Verstärkung des Druckes und ein nochmaliges Schütteln meiner gequetschten Hand“ (Z. 5-6)
    $\rightarrow$ Stiller lässt sich einreden, dass er sein Schicksal nun akzeptieren solle
  • Hypotaxe: „Überhaupt sind es liebenswerte Menschen, wennschon sie bei diesem Besuch (…), etwas von einer Krematoriums-Gesellschaft haben (…)“ (Z. 11-15)
    $\rightarrow$ zeigt Verworrenheit der Gedankengänge Stillers
  • Metapher: „Krematoriums-Gesellschaft“ (Z. 12)
    $\rightarrow$ Besuch der Freunde als Parallele zu Trauergesellschaft bei einer Verbrennung
    $\rightarrow$ Sinnbild dafür, dass Stillers Identität verbrannt wird / verloren ist
  • Repetitio: „ihrer Verbundenheit (…), einer Verbundenheit“ (Z. 13)
    $\rightarrow$ verdeutlicht Beziehungen zwischen Stiller und den Freunden
  • Metapher: „ein feiner Kopf“ (Z. 15-16)
    $\rightarrow$ steht für den gehobenen, intellektuellen, einfühlsamen Professor
  • rhetorische Fragen: „Warum macht es mich traurig? (…) Warum ist es nicht möglich?“ (Z. 26-28)
    $\rightarrow$ Stiller frägt sich insgeheim, ob er nicht doch Stiller ist und warum es denn so absonderbar wäre, Stiller zu sein
  • Vergleich: „wie ein fünfköpfiges Wesen“ (Z. 31)
    $\rightarrow$ verdeutlicht Stillers gespaltene Identität
  • Klimax: „(…) nicht müde zu werden gegen die Welt, gegen ihre Mehrheit, gegen ihre Überlegenheit“ (Z. 35)
    $\rightarrow$ Stiller muss sich selber dazu überreden, nicht Stiller zu sein und dem Druck, Stiller zu sein, nicht nachzugeben
  • Repetitio / Ironie: „weiß“ (Z. 36, 37, 40, 41)
    $\rightarrow$ Stiller weiß eben nicht mehr, wer er ist oder warum er nicht Stiller sein kann

Schluss

Zum Schluss kannst du noch einmal deine wichtigsten Erkenntnisse zusammenfassen. Du kannst auch deine eigene Meinung hier miteinfließen lassen.

Vergleich

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Friedrich Schiller: Die Jungfrau von Orleans
Max Frisch: Stiller
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Vergleiche, wie Johanna und der Ich-Erzähler aus Stiller mit den Zuschreibungen anderer Figuren umgehen.

Einleitung

Dein Vergleich beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel und den Autor nennen und den Inhalt der Textstelle und des Romans kurz und knapp zusammenfassen.
In dem Drama „Die Jungfrau von Orleans“ von Friedrich Schiller aus dem Jahre 1801 werden das Bauernmädchen Jeanne d’Arc aus Lothringen und ihre Rolle im Hundertjährigen Krieg thematisiert. Ihr werden im Laufe des Dramas diverse Rollen zugeschrieben. Auch dem Ich-Erzähler aus Max Frischs 1954 erschienenen Roman „Stiller“ wird zugeschrieben, eine Person zu sein, für die er sich gar nicht hält. Beide Protagonisten gehen damit auf unterschiedliche Weise um.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, hervorzuheben, wie die jeweiligen Protagonisten mit den ihr zugewiesenen Zuschreibungen umgehen. Erkläre hierbei zuerst, inwiefern Johanna als Projektionsfläche gesehen werden kann. Finde anschließend Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Protagonisten.
Stiller
  • Stiller äußert sich verbal in keinster Weise zu den Zuschreibungen seiner Gäste, er reflektiert diese nur innerlich, äußert Protest dagegen nur innerlich
    $\rightarrow$ „Und daß ich dann kein Wort sage, hindert sie nicht im mindesten, mich zu kennen (…)“ (Z. 2-3=
  • durch den eigentlichen Verlust seiner Identität ist es nur logisch, dass er sich nicht von den Zuschreibungen seiner Gäste und vermeintlichen Freunde angesprochen fühlt
    $\rightarrow$ „Meinerseits sage ich nur: Nehmen Sie doch Platz, meine Herren!“
  • trotzdem leicht ambivalent: wenn sein vermeintlicher Vermieter erzählt, dass er Stiller ja nicht angeklagt habe, obwohl dieser bei ihm noch Mietschulden hat, fühlt sich Stiller leicht verlegen, ist also von der Zuschreibung des Vermieters tangiert
    $ \rightarrow$ „meine Verlegenheit, scheint es, genügt ihm als Ausdruck des Dankes“
    $\rightarrow$ Verlegenheit könnte aber auch daher rühren, dass er mit der Zuschreibung erneut nichts anfangen kann
  • nimmt Besucher auch nur als liebenswerte Menschen wahr, verbindet allerdings nichts mit ihnen
    $\rightarrow$ fühlt sich nicht dazu verpflichtet, ihnen zu antworten, ist ihnen nichts schuldig
  • vom Schauspieler lässt er sich sogar sagen, dass er Stiller ist, ohne darauf groß etwas zu entgegnen
    $\rightarrow$ „durch einen Händedruck, (…), lasse ich mir sagen, was unaussprechlich ist.“ (Z. 5-7)
  • Zuschreibungen sind ihm relativ egal
Johanna
  • Sendungsauftrag Gottes: Jungfrau mit göttlichem Auftrag, ihr Vaterland zu befreien
    $\rightarrow$ entscheidet sich bei Zuschreibungen anderer immer zu Gunsten ihres Sendungsauftrages
  • wird vom Vater als Teufel beschrieben
    $\rightarrow$ Johanna lässt diese Zuschreibung einfach über sich ergehen
    $\rightarrow$ setzt das Wort ihres Vaters mit dem Wort Gottes gleich und versteht es deshalb als Teil ihrer Sendung
    $\rightarrow$ sieht sie sich selbst als Verräterin an ihrem göttlichen Auftrag, fühlt sich nicht würdig, das Kreuz anzufassen, um sie von ihrer Schuld zu bereinigen
    $\rightarrow$
  • als Erlöserin und Retterin von Karl und dem Volk wahrgenommen
    $\rightarrow$ hat französische Truppen zum Sieg geführt, hinterließ große Lücken bei den englischen Truppen, kein Franzose wurde verletzt
    $\rightarrow$ besteht den Test, den richtigen König Frankreichs ausfindig zu machen
  • potentielle Ehepartnerin für Dunois und La Hire
    $\rightarrow$ nur eine reine Jungfrau kann das Werk Gottes vollenden, deswegen schlägt Johanna die Angebote aus
    $\rightarrow$ reagiert heftig und vehement, ist darüber erzürnt, dass es ihr nicht gelungen ist, die Göttlichkeit ihrer Sendung hervorzuheben
  • konventionelle Frau für den Erzbischof
    $\rightarrow$ entgegnet Erzbischof, sie würde nicht daran denken, die Rolle einer konventionellen Frau anzunehmen
Vergleich
$\blacktriangleright$  Gemeinsamkeiten
  • Gefühl der Fremdheit: Johanna kann nur eine Rolle einnehmen und fühlt sich in den anderen Rollen fremd und weist sie deswegen ab; Stiller ist der Besuch fremd und er fühlt sich seltsam, dass ihm die Person Stillers zugeschrieben wird
  • Unvereinbarkeit der Rollen: Johanna besitzt durch ihren Sendungsauftrag nur eine Rolle, die der göttlich gesandten Befreierin, ihr Auftrag lässt die Rolle der Frau schlichtweg nicht zu; Stiller kann die ihm zugeschriebene Rolle des Stillers nicht annehmen, da er davon überzeugt ist, nicht Stiller zu sein und dies dann falsch wäre
  • Beharren auf ihren Rollen: Johanna ist darüber entsetzt, Heiratsanträge zu bekommen, beharrt darauf, göttlich zu sein; Stiller kämpft dagegen an, Stiller zu sein, da er schlichtweg weiß, dass er nicht Stiller ist
$\blacktriangleright$  Unterschiede
  • Johanna ist dazu in der Lage, eine Identität zu bilden (Erlöserin / Frau) und entscheidet sich immer für die Identität der Erlöserin bei etwaigen Zuschreibungen
  • Stiller ist durch seinen Identitätsverlust ein Niemand, deswegen reflektiert er auch nur über die Zuschreibungen und wehrt sich nicht aktiv dagegen
  • Johanna ist aktiver im Widerstand als Stiller, da dieser nicht einmal etwas entgegnet, Johanna hingegen wehrt sich verbal gegen die Zuschreibungen

Schluss

Am Schluss solltest du noch einmal kurz deine Ergebnisse zusammenfassen. Hier kannst du auch deine persönliche Meinung spiegeln.

Materialgestütze Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Johann Wolfgang von Goethe: Faust I
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Überprüfe, inwiefern die Aussage Max Frischs auf die Beziehung zwischen Margarete und Faust aus Goethes Drama zutrifft.

Einleitung

Deine Überprüfung beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Titel: Faust I
  • Autor: Johann Wolfgang von Goethe
  • Erscheinungsjahr: 1829
  • Inhalt: In der Tragödie „Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe, die auf das Jahr 1829 datiert ist, geht es um den Wissenschaftler Heinrich Faust, dessen oberstes Ziel ist, nach Wissen zu streben und welcher aber unfähig ist, die Vorzüge des Lebens zu genießen. Deshalb schließt er einen Pakt mit dem Teufel, und verschreibt diesem seine Seele, sollte der Pakt nicht vollführt werden.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, zuerst das Zitat Max Frischs zu analysieren. Anschließend sollst du Ergebnisse deiner Analyse auf die Beziehung zwischen Faust und Gretchen anwenden und erörtern, inwiefern das Zitat auf die Beziehung zutrifft.
Zitat
  • eigene Identität wird in Teilen fremdbestimmt, durch Freunde wie durch Feinde gleichermaßen
  • was andere über einen denken, einem zuschreiben, wird Teil der eigenen Identität
  • Verhalten eines Menschen ändert sich je nach menschlicher Umgebung
  • Mensch passt sich den Zuschreibungen derjenigen an, mit denen er sich umgibt
Beziehung zwischen Gretchen und Faust
$\blacktriangleright$ Gretchen
  • Idealisierung Gretchens durch Faust
  • Gretchen hat zwei Fixpunkte: Kirche und Familie
    $\rightarrow$ bisheriges Leben bestand daraus, sich um ihre Mutter und Schwester zu kümmern und ein frommes Leben zu führen
  • wurde allerdings durch Faust verführt und hat ihre Grundprinzipien durch ihn verändert
    $\rightarrow$ zu Dingen in der Lage, die ihr davor äußerst unsittlich und fremd erschienen
    $\rightarrow$ außerehelicher Geschlechtsverkehr; wurde jedoch von Faust nie dazu gezwungen, sie entschied sich aus freien Stücken dafür
    $\rightarrow$ Gretchenfrage: Faust gibt keine für sie befriedigende Antwort, was zu einem inneren Konflikt Gretchens führt, den sie aber wieder verdrängt und ihrer Mutter schließlich doch Fausts Schlaftropfen gibt, damit er sie besuchen kann in der Nacht
  • demnach war Faust nicht für Gretchens Anlage verantwortlich, sondern eher der Auslöser dafür
$\blacktriangleright$ Faust
  • Faust schwört Mephisto als sein triebgesteuertes Ich herauf, wird ihn allerdings nicht mehr los, weil Mephisto ihm permanent das auf menschliche Triebe reduzierte Bild des Menschen vorzeigt, weswegen Faust schließlich Gretchen verführt
  • Veränderung Fausts durch Gretchen
  • war zuerst nur Wissenschaftler, der eher weltfremd von jeglichen gesellschaftlichen Konventionen gelebt hat
  • durch Gretchen wurde er zu einem charmanten Edelmann (wobei auch Mephisto dafür verantwortlich ist)
  • Szene Wald und Höhle: Faust begibt sich in bewusste Isolation
    $\rightarrow$ will Gretchen extra fernzubleiben, weiß, dass er Gretchen mit seiner Leidenschaft zerstören würde
    $\rightarrow$ nimmt für eine Beziehung mit Gretchen ihren und seinen eigenen Untergang in kauf

Schluss

Am Schluss solltest du deine Ergebnisse nochmals kurz zusammenfassen. Hier kannst du auch noch einen weiteren Ausblick auf Gretchens und Fausts Liebesbeziehung geben oder auch auf andere Figuren in „Faust I“ eingehen.
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Identität und Projektion

Analyse

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Max Frisch: Stiller
In dem Textauszug zu Max Frischs „Stiller“, erschienen 1954, geht es um Stiller, der sich in Untersuchungshaft befindet aufgrund der Verwicklung in eine Agentenaffäre. Er sieht sich selbst allerdings nicht als Stiller und befindet sich daher in einer Identitätskrise.
Der Textauszug beginnt mit der Beschreibung Stillers, der in Untersuchungshaft sitzt und welcher Besucher empfängt. Stiller ist verwirrt, weil die Menschen, die ihn zu kennen scheinen, ihn duzen. Er entgegnet ihnen jedoch kein einziges Wort, was seine Besucher nicht zu stören scheint. Sie haben sogar Verständnis für ihn, obwohl er sich eher als Ekel präsentiert, das nichts mit ihnen zu tun haben will. Stiller akzeptiert jedoch die Annahmen, dass er doch Stiller sei, kommentarlos, obwohl er sich innerlich dagegen wehrt. Er erklärt außerdem, dass die vermeintlichen Freunde ja doch durchaus liebenswert seien, auch wenn unter ihnen sein Vermieter ist, der die ausgelassene Klage anmerkt, die er hätte erheben können aufgrund des fehlenden Mieteinganges. Trotz allem findet Stiller diesen Auflauf an Personen merkwürdig, vergleicht er sie doch mit einer „Krematoriums-Gesellschaft“ (Z. 12). Ganz besonders fällt Stiller ein junger Professor auf, der Stiller einen vagen Geist und ein radikales Temperament zuschreibt. Dadurch, dass der Professor ihn besonders aufmerksam behandelt, glaubt Stiller, dass er wohl den richtigen Stiller auch so behandele und dass er wohl die gleichen Charakteristika besäße wie der richtige Stiller. Der Professor will allerdings nicht, dass Stiller sich so wie der vermeintlich echte Stiller verhält, und Stillers befremdliches Verhalten verstärkt den Effekt nur, dass der Professor ihn wirklich für Stiller hält, da dieser auch durch sein befremdliches Verhalten auffiel. Stiller bemerkt daraufhin, dass der Professor vermutlich nur aus Fairness noch mit ihm befreundet ist, da mit Stiller keine Freundschaften gedeihen können. Dies stimmt ihn traurig, und er fragt sich, warum es denn nicht möglich sei, dass er nicht etwa doch Stiller sei. Er überlegt sogar, welche Qualitäten und charakteristischen Merkmale er aufweisen müsste, um als Stiller durchzugehen. Nachdem die Besucher Stiller alleine lassen, stellt dieser fest, dass er sie beleidigt hat. Er ist sogar versucht, der vermeintlichen Wahrheit, tatsächlich Stiller zu sein, nachhzugeben um nicht mehr gegen all die Leute ankämpfen zu müssen, die der Meinung sind, er sei Stiller. Stiller kommt also zu dem Schluss, dass er sich dagegen weigern würde, Stiller zu sein, selbst wenn es bewiesen wäre, dass er Stiller sein müsste. Die einzige Gewissheit, die er jetzt noch hat und die besagt, dass er nicht der besagte Stiller ist, spendet ihm Trost.
Der vorliegende Text ist der Auszug eines Romans und beginnt in medias res. Er wirkt durch seine klare, eher einfache Sprache sehr strukturiert. Generell scheint der Text wenig bildhaft, jedoch gleichzeitig verschachtelt monologisch. Dies zeigt die Verwirrung und die Unsicherheit des Protagonisten. In Bezug auf die sprachliche Gestaltung fällt auf, dass häufig zwischen der ersten Person (Reflektion des Ich-Erzählers) in die dritte Person (Wiederholung dessen, was Gäste über Stiller gesagt haben) gewechselt wird. Dies verstärkt den Effekt des Identitätsverlustes. Wenn Stiller jedoch über seine ehemalige Identität redet, verwendet er den Konjunktiv I. Außerdem ist die Erzählung mit kritisch-ironischer Sprache gespickt. Stiller ruft zum Beispiel zu Beginn des Textes „Freunde!“ (Z. 1) - er sieht also den Besuch, der als Freunde Stillers angekündigt wurde, nicht als seine Freunde an. Für Stiller „(…) geht doch nichts über eine alte Freundschaft“ (Z. 3), womit er die Banalität seiner Besucher kritisiert, die sich unverschämterweise als seine Freunde ausgeben und laut Stiller nicht wahrhaben wollen, dass er eben nicht Stiller ist. Einzig der Schauspieler scheint Stiller zu verstehen. Dies zeigt die Metapher „Innerlichkeit in den Augen“ (Z. 4). Der Schauspieler besitzt also ein tiefes Gemüt und versteht Stiller in seiner Problematik der Identitätsfindung. Er kennt auch die Problematik, dass Menschen ihn für jemand anderes halten, als er tatsächlich ist. Durch die Klimax „durch einen Händedruck, durch eine weitere Verstärkung des Druckes und ein nochmaliges Schütteln meiner gequetschten Hand“ (Z. 5-6) lässt sich Stiller jedoch einreden, dass er sein Schicksal, Stiller zu sein, nun akzeptieren solle. Dass das ganze Geschehnis in Stiller Verwirrtheit auslöst zeigt auch die Hypotaxe „Überhaupt sind es liebenswerte Menschen, wennschon sie bei diesem Besuch (…), etwas von einer Krematoriums-Gesellschaft haben (…)“ (Z. 11-15). Der Besuch der Freunde ist hier eine Parallele zur Trauergesellschaft bei einer Verbrennung. Dies kann als Sinnbild dafür gesehen werden, dass Stillers Identität verbrannt wird oder verloren ist. Stiller kann theoretisch als rational denkender Mensch gesehen werden. Dennoch fühlt er Trauer und fragt sich selbst, warum dies so ist (vgl. Z. 26ff.). Demnach fragt er sich insgeheim, ob er nicht doch Stiller sei und warum es denn so absonderbar wäre, Stiller zu sein. Stillers gespaltene Identität macht sich in dem Vergleich mit einem fünfköpfigen Wesen (vgl. Z. 31) bemerkbar. Er muss sich sogar dazu überreden, nicht Stiller zu sein und dem Druck, Stiller zu sein, nicht nachzugeben (vgl. Z. 35). Auffällig ist der wiederholte, ironische Gebrauch des Verbs „weiß“ (Z. 36, 37, 40, 41). Dies zeigt, dass Stiller eben nicht mehr weiß, wer er ist oder warum er nicht einfach Stiller sein kann.
Der Textauszug aus Max Frischs Roman Stiller zeigt den Protagonisten Stiller als einen geradezu schizophrenen Menschen. Er bekommt Besuch und beteuert, diesen noch niemals in seinem Leben gesehen zu haben, geschweige denn mit ihm befreundet zu sein. Doch unterbewusst deutet er oft an, dass er eigentlich weiß, dass er Stiller ist, und gleichzeitig seine alte Persönlichkeit als Stiller verloren hat. Das wird durch die Metapher des Krematoriums und des fünfköpfigen Wesens zusätzlich verdeutlicht. So ist davon auszugehen, dass Stiller weiß, wer er ist und eventuell nur vorgibt, nicht Stiller zu sein, um einer etwaigen Bestrafung aus dem Weg zu gehen.
Vorschlag B

Vergleich

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Friedrich Schiller: Die Jungfrau von Orleans
Max Frisch: Stiller
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Vergleiche, wie Johanna und der Ich-Erzähler aus Stiller mit den Zuschreibungen anderer Figuren umgehen.
In dem Drama „Die Jungfrau von Orleans“ von Friedrich Schiller aus dem Jahre 1801 werden das Bauernmädchen Jeanne d’Arc aus Lothringen und ihre Rolle im Hundertjährigen Krieg thematisiert. Ihr werden im Laufe des Dramas diverse Rollen zugeschrieben. Auch dem Ich-Erzähler aus Max Frischs 1954 erschienenen Roman „Stiller“ wird zugeschrieben, eine Person zu sein, für die er sich gar nicht hält. Beide Protagonisten gehen damit auf unterschiedliche Weise um. Max Frischs Hauptfigur Stiller sitzt im Gefängnis aufgrund seiner Verwicklungen in einer Agentenaffäre. Zuvor hatte er seine Heimat, die Schweiz, für sieben Jahre verlassen und bei seiner erneuten Einreise einen anderen Namen angegeben. Während seines Gefängnisaufenthalts wird er von angeblichen Freunden besucht, die ihn behandeln, als wäre er Stiller, der er ja aber nicht zu sein glaubt. Auf die Zuschreibungen seiner Gäste äußert sich beispielsweise verbal in keinster Weise, er reflektiert diese nur innerlich und äußert hernach seinen Protest dagegen auch nur innerlich („Und daß ich dann kein Wort sage, hindert sie nicht im mindesten, mich zu kennen (…)“ (Z. 2-3). Durch den eigentlichen Verlust seiner Identität ist es nur logisch, dass er sich nicht von den Zuschreibungen seiner Gäste und vermeintlichen Freunde angesprochen fühlt („Meinerseits sage ich nur: Nehmen Sie doch Platz, meine Herren!“ Z. 7ff.). Trotzdem verhält sich Stiller leicht ambivalent. Als sein vermeintlicher Vermieter erzählt, dass er Stiller ja nicht angeklagt habe, obwohl dieser bei ihm noch Mietschulden hat, fühlt sich Stiller leicht verlegen, er ist also von der Zuschreibung des Vermieters tangiert. Diese Verlegenheit könnte jedoch auch daher rühren, dass er mit der Zuschreibung schlichtweg nichts anfangen kann. Zudem nimmt er die Besucher auch nur als liebenswerte Menschen wahr, er verbindet allerdings nichts mit ihnen und fühlt sich deswegen auch nicht dazu verpflichtet, ihnen zu antworten. Er ist ihnen schließlich nichts schuldig. Vom Schauspieler lässt er sich sogar sagen, dass er Stiller sei, ohne darauf groß etwas zu entgegnen - er lässt sich „durch einen Händedruck, […] sagen, was unaussprechlich ist.“ (Z. 5ff.). Die Zuschreibungen sind ihm folglich relativ egal. Er nimmt sie als gegeben an, beschließt für sich jedoch, dass sie ihn nicht betreffen und dass er nicht Stiller ist.
Die Protagonistin Johanna aus Schillers Drama Die Jungfrau von Orleans lässt sich nicht von den Zuschreibungen anderer beirren und weist stetig auf ihren Sendungsautrag Gottes hin. Sie versteht sich selbst als Jungfrau mit dem göttlichen Auftrag, ihr Vaterland zu befreien. Bei etwaigen Zuschreibungen anderer entscheidet sie sich immer zu Gunsten ihres Sendungsauftrages. Als sie zum Beispiel von ihrem Vater als Teufel beschrieben wird, lässt Johanna diese Zuschreibung einfach über sich ergehen. Sie setzt das Wort ihres Vaters mit dem Wort Gottes gleich und versteht es deshalb als Teil ihrer Sendung. Sich selbst sieht sie dabei als Verräterin an ihrem göttlichen Auftrag an und empfindet sich nicht als würdig, das Kreuz anzufassen, um sie von ihrer Schuld zu bereinigen. Von König Karl und dem Volk wird sie jedoch als Erlöserin und Retterin wahrgenommen. Schließlich hatte sie die französischen Truppen zum Sieg geführt und große Lücken bei den englischen Truppen hinterlassen. Dabei wurde kein einziger Franzose verletzt, was an ein Wunder grenzt. Zudem besteht sie den Test, den richtigen König Frankreichs ausfindig zu machen, was sie noch mehr als wahre, göttliche Retterin ihres Vaterlandes bestätigt. Aufgrund ihrer Taten wird sie außerdem von Dunois und La Hire als potentielle Ehepartnerin wahrgenommen. Daraufhin reagiert sie heftig und vehement, sie ist darüber erzürnt, dass es ihr nicht gelungen ist, die Göttlichkeit ihrer Sendung hervorzuheben. Nur eine reine Jungfrau kann schließlich das Werk Gottes vollenden, weswegen Johanna diese Angebote ausschlägt. Sie sieht sich selbst nur im Licht ihres göttlichen Sendungsauftrags. Andere sind ihr hingegen nicht sonderlich wohlgesonnen und bezweifeln ihre Macht aufgrund ihres weiblichen Geschlechts. Für den Erzbischof ist sie demnach nur eine konventionelle Frau. Ihm entgegnet sie, dass sie niemals daran denken würde, die Rolle einer konventionellen Frau einzunehmen. Sie verteidigt also ihre Position als göttliche Friedensbringerin vehement und stellt diesen Auftrag über ihre persönlichen Bedürfnisse.
Beide Protagonisten fühlen eine gewisses Gefühl der Fremdheit, wenn ihnen andere Rollen zugeschrieben werden. Johanna kann nur eine Rolle einnehmen und fühlt sich in anderen Rollen fremd und weist sie deswegen ab. Stiller ist beispielsweise sein Besuch fremd und er fühlt sich seltsam, dass ihm die Person Stillers zugeschrieben wird. Andere Rollen können die beiden zudem nicht miteinander vereinen: Johanna besitzt durch ihren Sendungsauftrag nur eine Rolle - die der göttlich gesandten Befreierin - und ihr Auftrag lässt die Rolle der Frau schlichtweg nicht zu; Stiller kann die ihm zugeschriebene Rolle des Stillers nicht annehmen, da er davon überzeugt ist, nicht Stiller zu sein und dies dann falsch wäre. Außerdem beharren beide Hauptfiguren auf ihren Rollen. Johanna ist darüber entsetzt, einen Heiratsantrag zu bekommen und beharrt darauf, göttlich zu sein und Stiller kämpft dagegen an, Stiller zu sein, da er schlichtweg weiß, dass er nicht Stiller ist.
Trotzdem gibt es auch gewisse Unterschiede zwischen Johanna und Stiller. So ist Johanna dazu in der Lage, eine Identität zu bilden - die der weiblichen Erlöserin - und sie entscheidet sich immer für die Identität der Erlöserin bei etwaigen Zuschreibungen. Stiller hingegen ist durch seinen Identitätsverlust ein Niemand, weswegen er auch nur über die Zuschreibungen reflektiert und sich nicht aktiv dagegen wehrt. Johanna ist viel aktiver im Widerstand als Stiller, sie verweist bei Zuschreibungen stets auf ihren Sendungsauftrag und wirkt darin gefestigt. Stiller entgegnet nicht einmal etwas auf die Zuschreibungen und akzeptiert diese sogar.
Vergleicht man also die Protagonisten Max Frischs Stiller und Schillers Die Jungfrau von Orleans, so kommt man zu dem Schluss, dass beide diversen Zuschreibungen ausgesetzt sind. Jedoch befinden sie sich in unterschiedlichen Ausgangslagen und aufgrund dessen verhalten sie sich unterschiedlich. Johanna beruft sich stets auf ihren Sendungsauftrag, sie hat also eine Bestimmung, die mit einer Identität verknüpft ist, an der sie sich festhalten kann. Stiller hingegen hat seine Identität verloren und akzeptiert deshalb lieber die Zuschreibung seiner vermeintlichen Freunde als seine wahre Identität. Stiller und Johanna unterscheiden sich also erheblich voneinander.
Vorschlag B

Materialgestütze Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Johann Wolfgang von Goethe: Faust I
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Überprüfe, inwiefern die Aussage Max Frischs auf die Beziehung zwischen Margarete und Faust aus Goethes Drama zutrifft.
In der Tragödie „Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe, die auf das Jahr 1829 datiert, geht es um den Wissenschaftler Heinrich Faust, dessen oberstes Ziel ist, nach Wissen zu streben und welcher aber unfähig ist, die Vorzüge des Lebens zu genießen. Deshalb schließt er einen Pakt mit dem Teufel, und verschreibt diesem seine Seele, sollte der Pakt nicht vollführt werden.
„In gewissem Grad sind wir wirklich das Wesen, das die andern in uns hineinsehen, Freunde wie Feinde. Und umgekehrt! [A]uch wir sind die Verfasser der andern; wir sind auf eine heimliche und unentrinnbare Weise verantwortlich für das Gesicht, das sie uns zeigen, verantwortlich nicht für ihre Anlage, aber für die Ausschöpfung dieser Anlage.“ Dieses Zitat Max Frischs zeigt, dass die eigene Identität in Teilen fremdbestimmt wird, durch Freunde wie durch Feinde gleichermaßen. Demnach wird das, was andere über einen denken oder einem zuschreiben, Teil der eigenen Identität. Je nach der menchlichen Umgebung, so Frisch, ändert sich auch das Verhalten eines Menschen. Der Mensch passt sich also den Zuschreibungen derjenigen, mit denen er sich umgibt.
Dies trifft auch auf die Figuren aus Goethes Faust I zu. So wird Gretchen durch ihren späteren Geliebten Faust idealisiert. Bisher hatte sie nur zwei Fixpunkte - die Kirche und ihre Familie. So bewegt sie sich ganz im Kreis ihrer Familie, nämlich der strengen und sittsamen Mutter, die ein Auge auf das gute Verhalten ihrer Tochter hat, und des Bruders Valentin, ein Soldat, der nach dem Tod des Vaters die Aufgabe übernommen hat, die Ehre der Familie zu wahren. Sie ist also ganz von ihrer Rolle als tadellose Tochter der Familie vereinnahmt, sie gilt als fleißiges, liebevolles, fürsorgliches, naiv-unschuldiges, emotionales, sensibles, sittsames und auch überaus frommes Mädchen. Das kirchengläubige und auf Gott vertrauende Gretchen hat also die Werte des christlichen Bürgertums zu Goethes Zeit verinnerlicht. Durch Faust wird sie allerdings verführt und ihre Grundprinzipien verändern sich. So ist sie dazu bereit, ein Verhältnis mit Faust einzugehen, der nicht nur älter als sie, sondern auch einem anderen Stand angehört. Zusätzlich gibt sie sich mit ihm dem außerehelichen Geschlechtsverkehr hin. Sie scheut nicht einmal davor zurück, ihrer Mutter Schlaftropfen zu geben, um Faust als nächtlichen Besuch zu empfangen. Natürlich stellt sich Gretchen ihrem inneren Konflikt: sie fragt Faust nach dem Grad seiner Religiösität, da ihr dieser Aspekt doch noch wichtig zu sein scheint. Doch obwohl sie weiß, dass Faust nichts von Religion oder dem Glauben hält, lässt sie sich weiterhin auf ihn ein, begibt sich sogar auf den Weg in den sozialen Abstieg aufgrund ihrer unehelichen Schwangerschaft. Faust spielt hierbei eine untergeordnete Rolle, denn Gretchen ist geradezu dazu veranlagt, aus ihrer behüteten Welt auszubrechen. Ihre Angst vor ihrer eigenen Sexualität belegt dies. Faust ist vielleicht ein Auslöser für Gretchens Wandel, jedoch ist Gretchen allein für diesen verantwortlich. Demnach belegen die Ereignisse um Gretchen die Gültigkeit Max Frischs Aussage.
Faust ist ein Mann im fortgeschrittenen Alter, Doktor der Philosophie, der Jura, der Medizin und der Theologie, früherer Arzt und Alchimist, angesehener Bürger mit adligem Blut und insgeheim auch Magier. Er ist ein rastlos Strebender auf der Suche nach den größten sinnlichen Begierden wie auch nach der ultimativen Wahrheit. Jedoch zweifelt der hochangesehene Gelehrte Faust am Wahrheitsgehalt der Wissenschaft, die ihm nicht zur Erkenntnis des Sinns allen Seins verholfen hat. Er zieht also eine resignierte Bilanz über sein gesamtes bisheriges Leben und befindet sich demnach in einer Identitätskrise. Faust beschwört daraufhin Mephisto als sein triebgesteuertes Ich herauf, wird diesen aber nicht mehr los, weil Mephisto ihm permanent das auf menschliche Triebe reduzierte Bild des Menschen vorzeigt. Mit diesem Pakt beginnt nun der moralische Abstieg Fausts – der Gelehrte wandelt sich durch Mephisto, der ihm mehr und mehr Genüsse ermöglicht, zum Bösen, vergisst durch seine Begierden Anstand und Sitte, wird immer rücksichtsloser und ungehemmter. Das Bild der schönen Helena im Zauberspiegel der Hexe weckt in ihm die Sehnsucht nach der Schönheit. Der Verjüngungstrank der Hexe erhöht zudem Fausts sexuelles Verlangen, das nun offen zutage tritt: Faust wird zum Lebemann und schafft es sogar, die gottesfürchtige Gretchen zu verführen. Durch sie erfährt er einen zusätzlichen Wandel. Zuerst war er nur ein Wissenschaftler, der eher weltfremd von jeglichen gesellschaftlichen Konventionen agiert hat; durch Gretchen wurde er zu einem charmanten Edelmann. Natürlich ist hierfür auch Mephisto verantwortlich. Schließlich erinnert Mephisto ihn immer an seine Triebe. In einem lichten Moment begibt sich Faust in eine Höhle im Wald um sich, seine Triebe und sein Leben zu reflektieren. Faust weiß um die Gefährlichkeit seines Verlangens und ist bestrebt, nicht erst zu versuchen, es auszuleben. Mephisto bewegt ihn dennoch dazu, einen fatalen Entschluss zu fassen. Der rastlos Strebende beschließt, ein Verhältnis mit Gretchen einzugehen, obwohl er weiß, dass dies zu ihrem Untergang führen wird – denn sein Komplize hierbei ist der Teufel. Faust nimmt egoistischerweise Gretchens Untergang in Kauf, seine Leidenschaft ist stärker als seine moralischen Skrupel. So wird er aktiv von Mephisto beeinflusst und er wiederum beeinflusst Gretchen so stark, dass sie sich ihm vollends hingibt und dabei den Tod ihrer Mutter durch den Schlaftrank in Kauf nimmt. Jegliche Moral hat er durch Mephisto abgelegt, er geht sogar so weit, mit Mephisto an der Walpurgisnacht teilzunehmen, an der sich alle bösen Kreaturen versammeln. Faust will auch das Böse – repräsentiert durch Unsinn, pure Sexualität, Gewalt und Geldgier – kennenlernen. Die Grenzenlosigkeit von Fausts Streben steigert sich ins Extreme. Dies gipfelt in seiner Flucht mit Mephisto, nachdem Gretchen ihren Tod aufgrund des Kindsmordes akzeptiert hat.
Fausts und Gretchens Schicksal scheint vorbestimmt und voneinander abhängig. Man kann sogar davon ausgehen, dass die beiden einfach ihr Leben regulär weitergelebt hätten, wenn sie sich nicht auf der Straße begegnet wären. So beeinflussen sie sich gegenseitig, wobei das Ganze zusätzlich noch von Mephisto unterstützt wird. Max Frischs Aussage trifft also auf die beiden Protagonisten Faust und Gretchen zu, denn sie ändern ihren Charakter von Grund auf im Beisein des Gegenübers und Mephistos.
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