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Aufgabe 2

Aufgaben
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Vergleich von Prosaskizze und Gedicht

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Franz Hohler (*1943): Eine Stadt (2015)
Paul Boldt (*1885 - †1921): Auf der Terrasse des Café Josty (1912)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere die Prosaskizze von Franz Hohler.
    Vergleiche die Gestaltung des Stadtbildes mit der im Gedicht von Paul Boldt.
Material 1

Franz Hohler: Eine Stadt

$\;$
Vor dem Gorki-Theater macht ein ungarischer Theatermann in einer Performance mit Schauspielern und Musikern auf den bedrohlichen Nationalismus aufmerksam, der sein Land in letzter Zeit heimsucht. Die große Straße ,,Unter den Linden" ist eine einzige Baustelle; einem U-Bahnschacht, der dort gegraben wird, soll sich ein gigantischer Granitblock in den Weg gestellt
5
haben.
In einem Kastanienhain verborgen steht eine Art Tempel, früher war er eine Wache, heute ist er ein Mahnmal für die Gefallenen der Weltkriege. Ein großer leerer Raum, darin einzig die Skulptur einer Frau, die einen toten Soldaten in den Armen hält.
Weiter gehend, gelange ich zu einer Reihe von Säulen, welche Bilder von Künstlern und
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Intellektuellen zeigen, die in der Nazizeit vertrieben und ermordet wurden. Auf der anderen Straßenseite steht ein riesiger Bauzaun, hinter dem für eine halbe Milliarde das alte Schloss wieder aufgebaut werden soll.
Auf der Fassade eines futuristischen Gebäudes läuft eine Werbung für Coca Cola „Trink 'ne Coke mit Christelotte“. Jede Minute wird ein anderer Name eingeblendet, als nächster lädt
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Franco ein, danach Izzy.
Gegenüber füllt sich die große Wiese zwischen dem Antiken-Museum und dem Dom langsam mit Leuten, die sämtlich in Weiß gekleidet sind. Sie stellen Tische auf, Stühle und Bänke, alle weiß überzogen, legen erlesene Speisen auf weiße Teller, ziehen aus weißen Styroporbehältern große Sekt- und Weißweinflaschen hervor und beginnen ein Déjeuner sur l'herbe1. So viel Weiß
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ergibt ein Übermaß an Beschwingtheit, das etwas Unwirkliches hat. Ein „dîner en blanc“2 sei das, sagt mir einer, den ich frage, den Versammlungsort erfahre man erst zwei Tage zuvor im lnternet und gebe ihn dann an Freunde weiter.
Während mit Hunderten von Gläsern auf die gelungene Selbstdarstellung angestoßen wird, findet im Dom ein Benefizkonzert für die Opfer der Überschwemmungen statt, welche nahe bei
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der Stadt immer noch ganze Landstriche heimsuchen. Dahinter hupen die Ausflugsschiffe der abendlichen Flussfahrten, und in den Restaurants am Ufer servieren arabische Kellner italienische Pizzas und Teigwaren.
ln einer Stadt, einer richtigen Stadt, werden Glück und Unglück, Leben und Tod, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft so stark zusammengepresst, dass sie jederzeit explodieren könnte.
Aus: Franz Hohler: Ein Feuer im Garten. München: Luchterhand Literaturverlag 2015, S.16 f.


[1] Anspielung auf das Gemälde „ Das Frühstück im Grünen“ von Manet (1863)
[2] ein seit 1988 zu beobachtendes Phänomen, typisch für Großstädte, über das lnternet organisiert, unterliegt festen Regeln, ständig wachsende Teilnehmezahlen, z. B. 2000 Teilnehmer in Berlin 2012
Material 2

Paul Boldt: Auf der Terrasse des Café Josty

$\;$
Der Potsdamer Platz in ewigem Gebrüll
Vergletschert alle hallenden Lawinen
Der Straßentrakte: Trams auf Eisenschienen,
Automobile und den Menschenmüll.
5
Die Menschen rinnen über den Asphalt,
Ameisenemsig, wie Eidechsen flink.
Stirne und Hände, von Gedanken blink,
Schwimmen wie Sonnenlicht durch dunklen Wald.
Nachtregen hüllt den Platz in eine Höhle,
10
Wo Fledermäuse, weiß, mit Flügeln schlagen
Und lila Quallen liegen - bunte Öle;
Die mehren sich, zerschnitten von den Wagen. -
Aufspritzt Berlin, des Tages glitzernd Nest,
Vom Rauch der Nacht wie Eiter einer Pest.
Aus: Paul Boldt: Gedichte und Prosa. Potsdam: udo degener verlag 2012, S.62
#vergleichen#gedicht#expressionismus
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Vergleich einer Prosaskizze mit einem Gedicht

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Franz Hohler (*1943): Eine Stadt (2015)
Paul Boldt (*1885 - †1921): Auf der Terrasse des Café Josty (1912)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere die Prosaskizze von Franz Hohler.
    Vergleiche die Gestaltung des Stadtbildes mit der im Gedicht von Paul Boldt.

Einleitung

Deine Interpretation beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Titel: Eine Stadt / Auf der Terrasse des Café Josty
  • Autor: Franz Hohler / Paul Boldt
  • Erscheinungsjahr: 2015 / 1912
  • Inhalt: In der Prosaskizze „Eine Stadt“ von Franz Hohler, die auf das Jahr 2015 datiert ist, geht es um den Spaziergang des Ich-Erzählers durch eines der bekanntesten Viertel Berlins.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, die Prosaskizze zu interpretieren. Gehe dafür zuerst auf den Inhalt und die Struktur des Textes ein.
Anschließend solltest du auch die sprachlich-künstlerischen Gestaltungsmittel und deren Funktion erläutern.
Im Hauptteil sollst du auch die Gestaltung des Stadtbildes mit der im Gedicht von Paul Boldt vergleichen. Beschreibe hierfür das Stadtbild in Auf der Terrasse des Café Josty und nenne Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Kenntnisse über die Literaturepoche des Expressionismus kannst du auch noch mit einbringen.
$\blacktriangleright$ Inhalt und Struktur der Prosaskizze
  • Ich-Erzähler macht Spaziergang durch eines der bekanntesten Viertel Berlins
  • Assoziationen über Gebäude und Ereignisse reihen sich aneinander
    $\rightarrow$ vermittelt Eindruck eines kurzen Reiseberichts oder des unmittelbaren Miterlebens
  • konkrete Verortung verleiht Text dokumentarischen Charakter
    $\rightarrow$ kaleidoskopische Präsentation charakteristischer Bilder der modernen Großstadt Berlins
  • Text liefert einen Querschnitt aus politischen Themen (Nationalismus in Ungarn), Geschichte (Mahnmal, Bilder von Künstlern, die während Nazizeit vertrieben oder ermordert wurden), Medien (Cola-Werbung), Kultur (dîner en blanc), Gesellschaft (Benefizkonzert, Restaurants) und mündet in Zusammenfassung all dieser Eindrücke
  • gegliedert in neun Abschnitte, die jeweils ein Thema vermitteln (1 - 8), haben keinerlei Verbindung miteinander
    $\rightarrow$ Eindrücke, die auf Ich-Erzähler ungefiltert einstürmen, keinerlei Wertung des Ich-Erzählers darüber
$\blacktriangleright$ Deutungen der aneinander gereihten Impressionen
  • Rolle des Theaters am Beispiel eines ungarischen Künstlers, der vor dem Theater (und fern seiner Heimat) auf die politische Lage seines Landes ausmerksam macht
    $\rightarrow$ Theater als ursprünglicher Träger der künstlerischen Vermittlung von Mißständen in der Gesellschaft hat seine Funktion verloren, weshalb Künstler vor dem Theater performen muss, um Interesse zu wecken
  • Verweis auf Bautätigkeit, die der Prachtstraße „Unter den Linden“ etwas Hässliches verleiht, aber auch auf rege Veränderung im Herzen Berlins hindeutet
    $\rightarrow$ Urbanisierung bedeutender Wahrzeichen
    $\rightarrow$ Attraktivität des Hässlichen
  • Bedeutung von Geschichte am Beispiel des Mahnmals: versteckte Lage, das Äußere des Gebäudes, frühere Verwendung als Wache, nahezu leerer Raum
    $\rightarrow$ geringer Stellenwert der Geschichte
  • Verweis auf den mit hohen Kosten verbundenen Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses
    $\rightarrow$ Ignoranz gegenüber Künstlern und Intellektuellen, die während Nazizeit vertrieben oder ermordert wurden
    $\rightarrow$ niederer Stellenwert, Schloss stellt Geschichte in Schatten
  • großflächige Reklame eines weltweit bekannten Getränkeherstellers auf der Fassade eines futuristischen Gebäudes
    $\rightarrow$ Konsum überschattet alles andere, wird auch in Zukunft bestehen
  • vom Ich-Erzähler als „gelungene Selbstdarstellung“ bezeichnetes und vergleichsweise detailliert beschriebenes Event auf dem zentralen Platz zwischen Dom und Antiken-Museum, das sich mithilfe sozialer Medien organisiert
    $\rightarrow$ Kritik an Dekadenz mit der das Event gelebt wird
    $\rightarrow$ Kritik oder auch Faszination an sozialen Medien, die solche Events erst ermöglichen
  • parallel dazu im Dom stattfindendes Benefizkonzert für die von einer Flutkatastrophe unweit der Stadt betroffene Bevölkerung
    $\rightarrow$ wird im Gegensatz zu Veranstaltung vor Dom nur knapp erwähnt
    $\rightarrow$ vermeintlich weniger wichtig also social-media Event
  • Verweis auf touristische Aktivitäten und den internationalen Charakter des Personals
    $\rightarrow$ Stadt als Treffpunkt von Multinationalität und als Ort der Begegnung
  • resümierender Schlusssatz, der darauf verweist, dass das Dargestellte auf andere Großstädte übertragbar wäre
$\blacktriangleright$ sprachlich-künstlerische Gestaltungsmittel in ihrer Funktion
  • allgemeine, fast banal wirkende Überschrift, die mit Schlusssatz einen Rahmen bildet
    $\rightarrow$ dem Erzählten wird exemplarischer Charakter zugewiesen
  • Spezifizierung des Ortes durch Nennung einiger bekannter Gebäude und der Straße „Unter den Linden“
    $\rightarrow$ Anschein von Authentizität
  • Reduktion der Handlung auf Andeutung eines Spaziergangs mit scheinbar zusammenhanglosen Eindrücken, die skizzenhaft aneinander gereiht sind
    $\rightarrow$ Veranschaulichung eines diffusen Bildes von Lebendigkeit, Vielseitigkeit und Widersprüchlichkeit der modernen Großstadt
  • Verzicht auf Protagonisten
    $\rightarrow$ Menschen als Statisten im Großstadtgeschehen $\rightarrow$ Anonymität
  • Andeutung von Wertungen durch Gewichtung der Beobachtungen, durch Wortwahl und vereinzelte Kommentare
    $\rightarrow$ Pointierung der Schlussaussage
  • Verwendung des Präsens $\rightarrow$ Vermittlung des Eindrucks von unmittelbarer Teilhabe am Geschehen
  • Kontrastierung
    $\rightarrow$ Performance gegen bedrohlichen Nationalismus im fernen Land vor dem Theater - Skultpur im leeren Raum als Mahnmal für Gefallene der Weltkriege; versteckter Tempel (als Mahnmal) - futuristisches Gebäude (mit weit sichtbarer Reklame); Event vor dem Dom - Benefizkonzert im Dom
    $\rightarrow$ Gegensätze machen Stadt erst aus, lebt durch Kontrastreichtum und zieht deswegen auch Menschen an
$\blacktriangleright$ Gemeinsamkeiten Eine Stadt und Auf der Terrasse des Café Josty
  • Thema Großstadt am Beispiel der Metropole und Hauptstadt Berlin
  • Einbeziehen konkreter und bekannter Orte bzw. Gebäude im Zentrum der Stadt
  • Sprechinstanz (Ich-Erzähler bzw. lyrischer Sprecher) als kritischer Beobachter
  • skizzenhafte Zusammenstellung vielfältiger Facetten der Großstadt
  • Gestaltung einer befremdlichen Atmosphäre
  • Eigenleben/Eigendynamik der Großstadt $\rightarrow$ Menschen in untergeordneter Position
$\blacktriangleright$ Unterschiede Eine Stadt und Auf der Terrasse des Café Josty
  • Ich-Erzähler mitten im Geschehen (Hohler) vs. nicht näher bestimmter lyrischer Sprecher als Beobachter vom erhöhten Standpunkt (Boldt)
  • Menschen mit unterschiedlichen Aktivitäten als Teil des Stadtbildes (Hohler) vs. Menschen als unspezifische, willenlose Masse als eine Facette des Stadtbildes (Boldt)
  • (gehobene) Alltagssprache (Hohler) vs. expressive Bildsprache (Boldt)
  • diffuse Mischung positiver und negativer Eindrücke (Hohler) vs. stringente Steigerung zur Hässlichkeit und Desillusionierung (Boldt)
  • Fazit: moderne Großstadt als Schmelztiegel, in dem durch das Aufeinandertreffen von Gegensätzen ein Gefährdungspotenzial entsteht (Hohler) vs. Großstadt als Täuschung und Krankheit (Boldt)

Schluss

Am Schluss solltest du die Hauptaussage, die Intention, des Textes noch einmal kurz zusammenfassen. Du kannst hier auch sagen, welche Gefühle das Lesen des Textes oder des Gedichts in dir ausgelöst und in welche Stimmung sie dich versetzt haben.
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Vergleich einer Prosaskizze mit einem Gedicht

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Franz Hohler (*1943): Eine Stadt (2015)
Paul Boldt (*1885 - †1921): Auf der Terrasse des Café Josty (1912)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere die Prosaskizze von Franz Hohler.
    Vergleiche die Gestaltung des Stadtbildes mit der im Gedicht von Paul Boldt.
In der Prosaskizze „Eine Stadt“ von Franz Hohler, die auf das Jahr 2015 datiert, geht es um den Spaziergang des Ich-Erzählers durch eines der bekanntesten Viertel Berlins.
Der Ich-Erzähler macht einen Spaziergang durch eines der bekanntesten Viertel Berlins. Assoziationen über Gebäude und Ereignisse reihen sich währenddessen aneinander. Dies vermittelt den Eindruck eines kurzen Reiseberichts oder des unmittelbaren Miterlebens. Die konkrete Verortung verleiht dem Text einen dokumentarischen Charakter und wirkt so wie eine kaleidoskopische Präsentation charakteristischer Bilder der modernen Großstadt Berlins. Der Text liefert zudem einen Querschnitt aus politischen Themen (Nationalismus in Ungarn), Geschichte (Mahnmal, Bilder von Künstlern, die während der Nazizeit vertrieben oder ermordet wurden), Medien (Cola-Werbung), Kultur (dîner en blanc), Gesellschaft (Benefizkonzert, Restaurants) und mündet in einer Zusammenfassung all dieser Eindrücke. Der Text ist gegliedert in neun Abschnitte, die jeweils ein Thema vermitteln, aber keinerlei Verbindung miteinander haben. Es sind also Eindrücke, die auf den Ich-Erzähler ungefiltert einstürmen, die aber keinerlei Wertung des Ich-Erzählers darüber tragen.
Die Impressionen, die der Ich-Erzähler äußert, sind nicht nur reine Beschreibungen, sondern spielen eine übergeordnete Rolle. Die Bedeutung des Theaters sieht man am Beispiel eines ungarischen Künstlers, der vor dem Theater und fern seiner Heimat auf die politische Lage seines Landes aufmerksam macht. Das Theater hat hier als der ursprüngliche Träger der künstlerischen Vermittlung von Mißständen in der Gesellschaft seine Funktion verloren, weshalb der Künstler vor dem Theater performen muss, um das Interesse der Passanten zu wecken. Auf die Bautätigkeit innerhalb Berlins wird verwiesen, um der Prachtstraße „Unter den Linden“ etwas Hässliches zu verleihen, aber auch um auf die rege Veränderung im Herzen der Großstadt hinzudeuten. Bedeutende Wahrzeichen werden also urbanisiert und gewinnen durch das Hässliche an Attraktivität. Die Geschichte der Stadt spielt hier allerdings eine geringe Rolle: Das Mahnmal steht an einer versteckten Lage, das Äußere des Gebäudes ist unscheinbar, fdie frühere Nutzung als Wache und der nahezuleere Raum sprechen für sich. Auch auf den mit hohen Kosten verbundenen Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses wird hingewiesen. Dies trägt eine gewisse Ignoranz gegenüber den Künstlern und Intellektuellen mit sich, die während der Nazizeit vertrieben oder ermordet wurden. Sie besitzen einen niederen Stellenwert und das Schloss stellt die Geschichte in Schatten. Das ganze Szenario wird von einer großflächigen Reklame eines weltweit bekannten Getränkeherstellers auf der Fassade eines futuristischen Gebäudes überblickt. Dies bedeutet, dass der Konsum alles andere überschattet und auch in Zukunft als Art Laster bestehen bleibt. Das dîner en blanc auf dem zentralen Platz zwischen Dom und Antiken-Museum, das sich mithilfe sozialer Medien organisiert, wird vom Ich-Erzähler als „gelungene Selbstdarstellung“ bezeichnet und vergleichsweise detailliert beschrieben. Demnach wird eine Kritik an der Dekadenz mit der das Event gelebt wird geäußert, jedoch werden auch die sozialen Medien kritisiert, die solche Events erst ermöglichen. Parallel dazu findet ein Benefizkonzert im Dom statt, das für die von einer Flutkatastrophe betroffene Bevölkerung einer Stadt Spenden sammelt. Im Gegensatz zu der Veranstaltung vor dem Dom wird diese aber nur knapp erwähnt und ist somit vermeintlich weniger wichtig als das social-media Event. Trotzdem wird Berlin auch als Treffpunkt von Multinationalität und als Ort der Begegnung wahrgenommen, was durch den Verweis auf touristische Aktivitäten und den internationalen Charakter des Restaurantpersonals deutlich wird. Der Erzähler schließt seine Beobachtungen, indem er resümierend zusammenfasst, dass das Dargestellte genauso gut auf andere Großstädte übertragbar ist.
Die Prosaskizze wird durch diverse sprachlich-künstliche Gestaltungsmittel dem Leser verständlich vermittelt. Zu Beginn steht hier eine allgemeine, fast banal wirkende Überschrift, die mit dem Schlusssatz einen Rahmen bildet. Dem Erzählten wird so ein exemplarischer Charakter zugewiesen. Die Spezifizierung des Ortes durch die Nennung einiger bekannter Gebäude und Straßen vermittelt den Anschein von Authentizität. Eine großartige Handlung gibt es nicht - sie wird eher reduziert auf die Andeutung eines Spazierganges mit scheinbar zusammenhangslosen Eindrücken, die skizzenhaft aneinandergereiht sind. Dies veranschaulicht ein diffuses Bild von Lebendigkeit, Vielseitigkeit und Widersprüchlichkeit der modernen Großstadt. Der Text ist im Präsens geschrieben, wodurch der Eindruck von unmittelbarer Teilhabe am Geschehen vermittelt wird. Durch den Verzicht auf Protagonist werden die Menschen als Statisten im Großstadtgeschehen porträtiert, wo die Anonymität im Vordergrund steht. Obwohl der Ich-Erzähler relativ neutral seine Eindrücke schildert, kommt es zu Andeutungen von Wertungen durch die Gewichtung der Beobachtungen, durch die Wortwahl und durch vereinzelte Kommentare. Dadurch wird die Schlussaussage, dass in Großstädten gegensätzliche Extreme koexistieren, pointiert. Die Gegensätze - die Performance gegen bedrohlichen Nationalismus im fernen Land vor dem Theater und Skultpur im leeren Raum als Mahnmal für Gefallene der Weltkriege; der versteckter Tempel (als Mahnmal) und das futuristische Gebäude (mit weit sichtbarer Reklame); das Event vor dem Dom und das Benefizkonzert im Dom - machen diese Stadt erst aus, denn sie lebt von Kontrastreichtum und zieht deswegen auch Menschen an.
Das lyrische Ich beschreibt in Paul Boldts Gedicht Auf der Terrasse des Café Josty beschreibt das Stadtgeschehen auf dem Potsdamer Platz in Berlin aus besagtem Café heraus. Wenn man Eine Stadt von Franz Hohler und Auf der Terrasse des Café Josty von Paul Boldt gegenüberstellt, so fällt auf, dass beide Texte das Thema Großstadt am Beispiel der Metropole und Hauptstadt Berlin widerspiegeln. Sie beziehen dabei konkrete und bekannte Orte bzw. Gebäude im Zentrum der Stadt ein. Die Sprechinstanz unterscheidet sich zwar - Ich-Erzähler bzw. lyrisches Ich - ist aber in beiden Fällen der kritische Beobachter der skizzenhaften Zusammenstellung vielfältiger Facetten der Großstadt. Beide Sprecher gestalten außerdem eine befremdliche Atmosphäre einer eigentlich bekannten Szene und thematisieren das Eigenleben und die Eigendynamik der Großstadt, in der Menschen in einer untergeordneten Position existieren.
Allerdings gibt es auch erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Texten. Der Ich-Erzähler steht bei Hohler mitten im Geschehen, wohingegen bei Boldt ein nicht näher bestimmter lyrischer Sprecher als Beobachter von einem erhöhten Standpunkt aus das Geschehen kommentiert. Bei Hohler sind die beobachteten Menschen mit unterschiedlichen Aktivitäten außerdem Teil des Stadtbildes - bei Boldt werden als eine unspezifische, willenlose Masse dargestellt. Auch die unterschiedlichen Epochen, in denen die Texte geschrieben wurden, werden deutlich. Während Hohler eher gehobene Alltagssprache benutzt, so schreibt Boldt mehr in einer expressiven Bildsprache. Auch in der Art, wie die beiden Autoren oder Sprecher die Atmosphäre beschreiben, unterscheiden sie sich. Hohler gibt eine diffuse Mischung positiver und negativer Eindrücke wider; Boldt steigert die Stimmung stringent bis hin zur Hässlichkeit und Desillusionierung.
Insgesamt betrachtet gilt die Großstadt bei Hohler als eine Art Schmelztiegel, in dem durch das Aufeinandertreffen von Gegensätzen ein Gefährdungspotential entsteht, bei Boldt wird sie als Täuschung und Krankheit wahrgenommen. Dies kann man den unterschiedlichen Epochen, in der die Werke entstanden sind, zuordnen. Ich kann mich mit beiden Werken identifizieren, in Großstädten fasziniert mich das bunte Treiben, die unterschiedlichen Extreme, und das Aufeinandertreffen und Nebeneinander verschiedener Einheiten. Dass dies manchmal hässlich wirken kann, zeigen Städte wie Wuppertal, die industrialisiert wurden und keinerlei schöne Plätze bieten.
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