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Reichsgründung und Bismarckzeit

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Einführung

Das vorliegende Thema erstreckt sich über nahezu ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte. Von der Reichsgründung und der Etablierung eines Obrigkeitsstaates über den Saturiertheitsgedanken Bismarcks bis hin zum Großmachtdenken Wilhelms II. erscheint diese Zeit als eine voller Ambivalenzen und Widersprüche, die sich auf allen gesellschaftlichen Ebenen widerspiegelte. So trafen weltweit be wunderte Leistungen in Wissenschaft und Technik sowie eine moderne Industriegesellschaft auf einen starren Militärstaat und die Verherrlichung desselben. Tendenzen zu Demokratisierung trafen auf Sympathien zum monarchischen System. Neben einer weitgehenden Pressefreiheit bestanden die kleinlichsten Zensurschikanen. Diese widerspruchsvollen Verbindungen von Beharrung, Modernität, von Rückständigkeit und Fortschritt sind die Gründe, warum das deutsche Kaiserreich noch heute Unterrichtsstunden im Fach Geschichte füllt. Genau dies wird auch von dir als Schüler erwartet, nämlich die Geschichte des Kaiserreichs als eine Periode voller Gegensätzlichkeiten, voller Fortschrittsdenken aber auch Fortschrittsängsten zu verstehen.

Auf dem Weg zum deutschen Staat

Empfanden die national gesinnten Deutschen die gescheitere Revolution von 1848 als große Niederlage auf dem Weg zu einem einheitlichen Nationalstaat, bedeutete dies dennoch nicht die Aufgabe aller nationalstaatlicher Bestrebungen. Dem konnte auch die Wiederherstellung des Deutschen Bundes nicht abhelfen. Die nationalen Gefühle der Deutschen blieben unbefriedigt. Und nach einer Zeit gewannen diese schon wieder an Schwungkraft, als man zum Beispiel 1861 in Italien die Proklamation des Königreichs beobachten konnte.
Die italienische Einigung galt vielen Deutschen als Vorbild und es wurde zunächst die Gründung eines deutschen Nationalstaats unter Einschluss Österreichs gefordert. Doch Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck stellte sich gegen diese Forderung, hielt er es vielmehr für wichtig, vor dem Hintergrund des bestehenden deutsch-österreichischen Dualismus endgültig über die Führungsrolle im Deutschen Bund zu entscheiden und diese im Deutsch-deutschen Krieg von 1866 zu suchen. Der Auslöser dieses „deutschen Bruderkrieges“ hängt unmittelbar mit dem deutsch-dänischen Konflikt von 1864 zusammen.Preußen wollte die Verwaltungshoheit Dänemarks über die Herzogtümer Holstein und Lauenburg kippen, was auch gelang. Es erhielt das Herzogtum Sachsen-Lauenburg, das Herzogtum Holstein aber fiel an Österreich. Die preußische Besetzung des Herzogtums löste dann den Krieg von 1866 aus.

Ministerpräsident Otto von Bismarck erkannte in der deutsch-österreichischen Auseinandersetzung die Schubkraft des nationalen Gedankens, welche er fortan effektiv zu nutzen suchte. So sollte die deutsche Einigung unter Ausschluss und auf Kosten Österreichs erfolgen.

Der Sieg über die Donaumonarchie in der Schlacht von Königgrätz 1866 zwang Österreich zum Austritt aus dem Deutschen Bund und legte sogleich das Fundament für das Entstehen eines deutschen Nationalstaats unter preußischer Hegemonie. Sämtliche Gebiete des einstigen Kriegsgegners wurden annektiert und an die Stelle des Deutschen Bundes trat im gleichen Jahr der Norddeutsche Bund, ein Militärbündnis, welches die deutschen Staaten nördlich der Mainlinie verband und das durch seinen föderativen Charakter durchaus als geschichtliche Vorstufe des deutschen Nationalstaats von 1871 gesehen werden kann. In diesem neuen Staatsgebilde übte Bismarck als preußischer Ministerpräsident und Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes eine doppelte Funktion aus.

Abb. 1: Politische Landkarte des Norddeutschen Bundes (1867-1871). Hier zum Bildnachweis.
Abb. 1: Politische Landkarte des Norddeutschen Bundes (1867-1871). Hier zum Bildnachweis.

Die zunehmende preußische Hegemonie in den deutschen Landen wurde besonders vom Nachbarn Frankreich beargwöhnt, sah man die errungene Vormachtstellung in Mitteleuropa ernsthaft in Gefahr. In der Überzeugung, eine militärische Auseinandersetzung mit Frankreich sei nur eine Frage der Zeit sowie im Glauben, den deutschen Nationalismus in einem Konflikt mit dem Erzrivalen nutzbar machen zu können, beschwor der Bundeskanzler seine Theorie, der deutsche Einigungsprozess sei nur „durch Blut und Eisen zu vollenden“. Da Bismarck auch die süddeutschen Staaten im Kriegsfall auf seiner Seite wusste, sollten diese nach dem Sieg über Frankreich auch politisch in den neuen Staat eingebunden werden. Seit dem Deutsch-Österreichischen Krieg 1866/67 bestanden zwischen Preußen und den süddeutschen Staaten die sogenannten „Schutz- und Trutzbündnisse“,welche, vor allem bei einem Konflikt mit Frankreich, zu gegenseitiger Hilfe verpflichteten. Die Kriegserklärung erfolgte am 19. Juli 1870. Anlass boten die Meinungsverschiedenheiten über die Thronfolge in Spanien, wo mit Prinz Leopold von Sigmaringen als Hohenzoller ein aussichtsreicher Kandidat für die Thronfolge bereitstand. Dies hätte jedoch erheblich den Interessen Frankreichs widersprochen, fürchtete dieses, von zwei durch deutsche Dynastien regierte Staaten eingekreist zu werden. Dass die süddeutschen Staaten nicht lange zögerten, ihren Bündnisverpflichtungen nachzukommen, zeugt von der patriotischen Begeisterung und der Realisierbarkeit eines deutschen Nationalstaats. Sie schlug 1870 ähnlich hohe Wellen wie einst in den Befreiungskriegen von 1813 und 1815 gegen Napoleon I. Bereits Anfang September gelang den deutschen Truppen in der Sedanschlacht 1870 der Sieg über die französischen Truppen. Als dritte Republik führte Frankreich den Krieg aber noch bis 1871 fort.

Novemberverträge – Vom Deutschen Bund zum Deutschen Reich

Nach der gewonnenen Schlacht über Frankreich erfolgt zu Ende des Jahres 1870 die formelle Einigung Deutschlands, das heißt der Beitritt der süddeutschen Staaten zum Norddeutschen Bund. Diese Beitrittsverhandlungen bezeichnet man als „Novemberverträge“. Es handelte sich um den Beitritt Bayerns, Württembergs, Badens und Hessens zur norddeutschen Vereinigung. Dieses Staatsgebilde wurde zunächst als Deutscher Bund bezeichnet, wie das spätere Deutsche Reich auch eigentlich heißen sollte. Allerdings muss bei noch so hohem nationalen Enthusiasmus die Absicht der süddeutschen Staaten betont werden, weniger aus politischer Begeisterung denn aus politischer Berechnung ein deutsches Reichsgebilde zu befürworten. Fortan setzten auch Fürsten und Regierungen der Einzelstaaten die in Preußen regierenden unter Druck, endlich einen geeinten Nationalstaat zu bilden. Bismarck nutzte diese Stimmung und man setzte zur Proklamation des Deutschen Reiches den 18. Januar 1871 fest.

Reichsgründung „von oben“?

Abb. 2: Die Proklamation des Deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871). Dritte Fassung 1885, Friedrichsruh, Bismarck-Museum.
Abb. 2: Die Proklamation des Deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871). Dritte Fassung 1885, Friedrichsruh, Bismarck-Museum.

Für die Reichsgründungszeremonie hatte sich die preußische Führung für den Spiegelsaal des Schlosses von Versailles entschieden. Mit der Wahl dieses geschichtsträchtigen Ortes als Austragungsort der Feierlichkeiten sollte bewusst die deutsch-französische Erbfeindschaft zementiert werden. Auch das Datum, der 18. Januar, war kein zufällig gewähltes. Auf den Tag vor 170 Jahren wurde die Gründung des Königreichs Preußens durch die Krönung Friedrichs I. vollzogen und damit der Aufstieg der Hohenzollern von Kurfürsten zu den mächtigsten Monarchen Europas besiegelt.

Dieses Datum stand also sehr im Lichte preußischer Herrschertradition und es wird ersichtlich, warum sich der amtierende König Wilhelm I. gedrängt fühlte, die ehrwürdige preußische Krone gegen eine „Schmutzkrone“ eintauschen zu müssen, die in seinen Augen wohl das Zeichen einer anbrechenden, ungewissen Zeit markierte. Aus der Haltung des Königs leuchtet ein, wie sehr ein preußisches Hegemonialdenken über die deutschen Lande einen etwaigen Einigungsprozess betrachtete. Was genau meint Reichsgründung „von oben“? Unter diesem Aspekt sollen einerseits die nationalistischen Entwicklungen bis 1870/71 und besonders die wachsende gesellschaftliche Forderung eines geeinten Deutschlands vor dem Hintergrund des Ergebnisses der Reichsgründung abgewägt werden. Mit anderen Worten: War das deutsche Reich ein demokratisch freigewählter Staat und wurden jene nationalistische Forderungen berücksichtigt, wie sie die zahlreichen Freiheitsbestrebungen seit der letzten Revolution postulierten? Ein bekanntes und im Unterricht immer wieder verwendetes Bild ist das Bild der Reichsgründungsfeier des Malers Anton von Werner. Es verdeutlicht sehr gut, dass die Reichsgründung als diplomatische Aktion eher ein Werk weniger Männer und vor allem der preußischen Macht war. Bei der Proklamation sind lediglich die deutschen Fürsten zugegen, von Volksvertretern keine Spur. Die Einigung stärkte lediglich das Deutsche Reich im Sinne eines Zusammenschlusses von Fürstentümern. Man wollte mittels eines schnellen diplomatischen Aktes eine Lösung zur Stärkung von Obrigkeitsinteressen finden, die Deutschland nach dem Sieg über Frankreich als konkurrierenden Gegner auch in außenpolitischen Angelegenheiten erscheinen ließ. Der Gründungsprozess von lediglich fünf Monaten verdeutlicht, wie sehr es Preußen an der raschen Abwicklung der Formalitäten gelegen war. Noch im Krieg mit Frankreich sollte das neue Reich gegründet werden, vor allem um auch den Partikularismus, sprich die regionale Kraft der süddeutschen Staaten, schwach zu halten. Nach seiner Konstitution blieb deutsche Reich ein Staatsgebilde im klassisch preußischen Sinne und ein Bund deutscher Fürsten, der sich wesentlich auf die Macht seines Heers stütze. Generell prägte die preußische Militärkultur das gesellschaftliche Leben. Demokratische Neuerungen zeigten sich zwar in Form des Reichstags, welcher sehr fortschrittlich und nach allgemeinem und geheimem Männerwahlrecht gewählt wurde, aber nur über äußerst begrenzte Parlamentsrechte verfügte.

Bismarckzeit

Abb. 3: Otto von Bismarck im Jahre 1894. Hier zum Bildnachweis.

Abb. 3: Otto von Bismarck im Jahre 1894. Hier zum Bildnachweis.

Im folgenden Abschnitt liegt der Fokus auf der Politik Otto von Bismarcks, dem zweifellos einflussreichsten Politiker im Kaiserreich bis 1890. Als innen- wie außenpolitischer Stratege versuchte er, das neu entstandene Deutsche Reich in das europäische Machtgefüge einzubetten und im Innern, durch Sanktionen gegen politische Gegner, den eigenen Kurs fortzuführen.

In zunehmenden Gegensatz gerät seine Politik spätestens 1888 mit dem jungen, machtstrebenden Nachfolger auf dem Königsthron, Wilhelm II.

Außenpolitik und Bismarcksche
Bündnisstrategie

Das Deutsche Reich basierte weitgehend auf der Verfassung des Norddeutschen Bundes. Otto von Bismarck, bis zu dieser Zeit Bundeskanzler, preußischer Ministerpräsident und preußischer Außenminister, übernahm im neuen Staatsgebilde fortan die Funktion des Reichskanzlers und war damit dominierender und einflussreichster Politiker des Kaiserreichs. Sein Wirken war derart enorm, dass einst der Kaiser konstatierte:„Es ist nicht leicht, unter einem solchen Kanzler Kaiser zu sein.“ In der nahezu hundertjährigen europäischen Pentarchie (Fünferherrschaft) von Frankreich, Österreich, Großbritannien, Russland und Preußen ging aus letzterem nun das um ein Vielfaches größere Staatsgebilde „Deutsches Reich“ mitten in Zentraleuropa hervor, welches grundlegende Veränderungen dieser festgefahrenen Herrschaftsstruktur nach sich ziehen musste. Demnach beargwöhnten die restlichen europäischen Mächte das Erstarken eines neuen großen Staates. Als „Störenfriede“ der internationalen Ordnung bezeichnete man die preußischen Regierenden.

Abb. 4: Sichtbar wird das stetige Bemühen, sämtliche Bündnisse gegen Frankreich auszurichten.

Abb. 4: Sichtbar wird das stetige Bemühen, sämtliche Bündnisse gegen Frankreich auszurichten.

Diesem allgemeinen außenpolitischen Misstrauen versuchte Bismarck mit seinem Argument der Saturiertheit entgegenzukommen. Daher versicherte er, das deutsche Reich verzichte auf weitere territoriale Gewinne und bekräftigte 1874, er verfolge fortan keine Macht-, sondern eine Sicherheitspolitik. Man plante eine außenpolitische Absicherung des Reiches. Lediglich für Frankreich sollte insgeheim eine größtmögliche Schwächung und eine außenpolitische Isolation erreicht werden.

Als erster Schritt in seiner Bündnisstrategie ist das Dreikaiserabkommen von 1873 zwischen Österreich- Ungarn, Russland und dem Deutschen Reich zu nennen. Ursprünglich als Friedenssicherung unter den drei Unterzeichnern gedacht, wollte man aber besonders aus deutscher Sicht Russland von einem Bündnis mit Frankreich fernhalten. Sorgen machte Bismarck die Gefahr eines Zweifrontenkrieges, befürchtete man durch das rasche Erstarken Frankreichs nach dem verlorenen Krieg einen Präventiv-Schlag gegen das deutsche Reich (Krieg-in Sicht-Krise 1875).

Bildnachweise [nach oben]
[1]
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:NB_1866-1871.99.svg – Ziegelbrenner, CC BY-SA.
[2]
Public Domain.
[3]
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_146-1990-023-06A,_Otto_von_Bismarck.jpg –
Unbekannt, CC BY-SA.
[4]
©DPA, bearbeitet von SchulLV – 2016.
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