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Restauration

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Einführung

Abb. 1: Clemens Wenzel von Metternich (Gemälde von Thomas Lawrence, um 1825).

Abb. 1: Clemens Wenzel von Metternich (Gemälde von Thomas Lawrence, um 1825).

Die fünfunddreißig Jahre zwischen Wiener Kongress und dem Scheitern der Revolution von 1848/49 werden in der Geschichte das Zeitalter der Restauration genannt.1 Die Restaurationszeit war eine Epoche der Gegensätze und eine Zeit des Umbruchs zugleich, in der Altes noch fortbestand, sich aber Neues daneben ausbildete. Einerseits war es die Zeit von Biedermeier-Idylle2 und kleinbürgerlichem Leben, andererseits die Zeit der Verdächtigungen und Verfolgungen politisch Andersdenkender. Es war die Zeit, in der immer mehr Menschen ein politisches Bewusstsein entwickelten und von den Regierenden die Teilhabe an der Macht forderten.

Das Zeitalter der Restauration war noch die Zeit der Postkutschen und doch schon die der Eisenbahnen. Die industrielle Revolution kündigte sich bereits an. Als treibende Kraft dieser Ära gilt der österreichische Fürst von Metternich, der als führender Politiker für das monarchische Prinzip nationale und liberale Bewegungen bekämpfte.

Am Beginn dieser Epoche stand der Wiener Kongress (1814/15) und die „restaurierte“, d. h. wiederhergestellte europapolitische Ordnung, welche die durch Französische Revolution und napoleonische Herrschaft hervorgerufenen Veränderungen im Interesse der Monarchen rückgängig zu machen suchte. Dies war aber nicht das von Dichtern und Soldaten der Freiheitskriege besungene Vaterland, für das man 1813 in den Krieg gegen Napoleon gezogen war. Enttäuschung und Verbitterung ließen die nationale Bewegung entstehen, die keineswegs auf Deutschland beschränkt blieb, sondern ganz Europa gleichzeitig erfasste. Polen und Ungarn, Griechen und Italiener, Tschechen und Kroaten - nationale und liberale Kräfte gravitierten in zahlreichen Regionen des Kontinents und es sollte sich zeigen, dass die neue Ordnung mit ihrem Polizeistaatscharakter nicht in der Lage war, den Ruf nach Freiheit und Einheit langfristig zum Schweigen zu bringen.

1 Für weitere Informationen klicke auf Wiener Kongress und 1848er Revolution.
2 Der Begriff Biedermeier ist eng mit der Restaurationszeit verknüpft. Der Begriff meint die in dieser Zeit entstehende konservative Kunst und Kultur des Bürgertums, deren Gegenstück die Bewegung des Vormärz darstellt, die eine politisch revolutionäre Veränderung suchte und in der Revolution von 1848 ihren Ausdruck fand.

Definition: Was bedeutet Restauration?

Der Begriff entstammt dem Lateinischen Verb restaurare und bedeutet erneuern/wiederherstellen. In dieser Zeit sind damit besonders die Bemühungen gemeint, die politischen Gegebenheiten im Sinne der Obrigkeit zu erneuern. Besondere Bedeutung kommt unter den Staatsmännern Europas dem österreichischen Staatskanzler Fürst von Metternich zu, der als Kongress-Vorsitzender in Wien die Kursrichtung Europas maßgeblich mitbestimmte.

Der Deutsche Bund als Zusammenschluss souveräner Fürsten

Die maßgeblichen Staatsmänner Europas versuchten auf dem Wiener Kongress, Europa neu zu ordnen. Die Hoffnung vieler deutscher Patrioten, dass auf die Teilnahme am Freiheitskampf gegen Napoleon die Errichtung eines neuen nationalen Bundesstaates folgen würde, erfüllte sich nicht. Auf deutschem Boden schafften die Fürsten hingegen einen Staatenbund, den sogenannten Deutschen Bund (1815-1866) unter Einschluss des Kaisers von Österreichs und den Königen von Preußen, Dänemark und den Niederlanden. Die Vereinigung setzte sich aus 35 Fürstenstaaten und 4 freien Städten zusammen, den Vorsitz übernahm Österreich. Wie für die französische Verfassung von 1814 galt auch für die Staaten des Deutschen Bundes das monarchische Prinzip, nach dem die alleinige und einheitliche Staatsgewalt in der Hand des Monarchen lag. Die Verfassung konnte die Befugnisse des Monarchen zwar beschränken, niemals aber Grundlage der monarchischen Herrschaftsgewalt selbst sein.

Beschlossen wurde die Verfassung des Bundes, die Bundesakte, noch während des Wiener Kongresses im Juni 1815. Der Bund sollte „unauflöslich“ sein, womit auch gemeint war, dass sämtliche opponierenden Kräfte schonungslos zu unterdrücken waren.

Restaurationspolitisch wurde der Deutsche Bund mehr und mehr zum Vollstreckungsorgan seines Vorsitzenden Metternich, besonders wenn es um die Abwehr und Eindämmung liberaldemokratischer und nationaler Bestrebungen ging. Die Unzufriedenheit im Lande wuchs zunehmend an, besonders in den akademischen Zirkeln der Studentenverbindungen.

Die Heilige Allianz

Abb. 2: Die Gründungsmitglieder der Heiligen Allianz in Europa um 1840: Russisches Kaiserreich (blau), Königreich Preußen (schwarz) und das Kaisertum Österreich (gelb).

Abb. 2: Die Gründungsmitglieder der Heiligen Allianz in Europa um 1840: Russisches Kaiserreich (blau), Königreich Preußen (schwarz) und das Kaisertum Österreich (gelb).

Um die Ergebnisse des Kongresses von Wien auch international abzusichern, wurde die im September 1815 abgeschlossene Heilige Allianz ein Bündnis zur Aufrechterhaltung der Wiener Entscheidungen. Unter den drei Prinzipien Restauration (Wiederherstellung der „alten Ordnung“), Legitimität (Rechtmäßigkeit des Herrschers von Gottes Gnaden) und Solidarität (gegenseitige Hilfe zur Aufrechterhaltung der Beschlüsse und des Friedens) sollte in diesem Konzert der Großmächte die Sicherung der Fürstenherrschaft garantiert werden.
Diesem Bündnis traten, bis auf Großbritannien, die Türkei und der Kirchenstaat alle europäischen Mächte bei, Russland Österreich und Preußen bestimmten die Geschicke jedoch federführend.

Bildungsbürger und Universität als Träger der nationalen Sache

Die nationalen und liberalen Bewegungen wurden vor allem durch Studenten und Professoren sowie weitere bildungsbürgerliche Kreise getragen. Aus den Befreiungskriegen zurückgekehrt, war man von der politischen Entwicklung tief enttäuscht, woraufhin sich allerorts Studenten in Burschenschaften zusammenschlossen. Die rasche Ausbreitung der Studentenbewegungen und ihre politische Entwicklung erregte mehr und mehr das Misstrauen der Behörden, zumal sich auch einige Gruppen radikalisierten.

Ein erstes großes und überregionales Treffen wurde im Oktober 1817 auf der Wartburg organisiert (Wartburgfest). Über 500 Teilnehmer riefen in zahlreichen Ansprachen zur Einheit und Freiheit Deutschlands auf. Im Andenken an die Verbrennung der päpstlichen Bannbulle durch Luther (1520) verbrannte eine studentische Minderheit mehrere als reaktionär bezeichnete „undeutsche Schriften“ sowie Uniformen, um gegen die obrigkeitliche Herrschaft zu protestieren. Gerade diese Schriftenverbrennung, die gar nicht im Mittelpunkt des Festes gestanden hatte, ließ die preußischen und österreichischen Polizeibehörden aufmerksam werden. Für zahlreiche Teilnehmer wurden Polizeiakten angelegt.

Seitens des aufstrebenden Bürgertums entstand eine weltanschauliche Richtung, in der der einzelne Mensch und sein Recht auf Freiheit im Vordergrund standen. Gegenüber den Vorrechten der privilegierten Stände von Adel und Kirche sowie der Allmacht des absolutistischen Staates begann sich der Liberalismus als Ausdruck von politischem Mitbestimmungswillen zu behaupten.

Diese Bewegung trat für eine freiere wirtschaftliche Betätigung des Einzelnen ein, forderte die Abschaffung des Zunftsystems und der Zollschranken. Weitere wichtige Forderungen waren Gewaltenteilung3, Rechtsstaat4 und Pressefreiheit. Ursprung und Vorbild aller liberaler Richtungen waren die englischen Bill of Rights (1689), in der erstmalig Rechte des Parlaments gegenüber der Krone festgeschrieben wurden. In den folgenden Revolutionen in Amerika und Frankreich bildeten sie den Grundstein der neu formulierten Verfassungen.

3 Gewaltenteilung meint die Verteilung der Staatsgewalt auf mehrere Staatsorgane zum Zwecke der Machtbegrenzung. Man unterscheidet dabei zwischen ausführender Gewalt (Exekutive), gesetzgebende Gewalt (Legislative) und rechtsprechende Gewalt (Judikative).
4 Im Rechtsstaat sind die Staatsgewalten rechtlich gebunden. Jedes Staatsmitglied und jede Institution ist damit in seinem Handeln durch Rechte begrenzt.

Maßnahmen des Staates – Die Karlsbader Beschlüsse (1819)

Entsprechend der fürstlichen Einschätzung des nationalen Treibens sah man in der liberalen Bewegung und in ihren Forderungen erste Anzeichen einer möglichen Zerstörung der alten Ordnung. Manche fürchteten sogar eine weitere Revolution, diesmal unmittelbar auf deutschem Boden. Weil der Schriftsteller August von Kotzebue in seinem Wochenblatt die liberale Studentenbewegung verunglimpft hatte, wurde er durch den Burschenschafter Karl Ludwig Sand im März 1819 ermordet. Dies war der Anlass, der Metternich dazu verleitete, nun radikale Maßnahmen zu ergreifen, um mit der ganzen Macht der Staaten gegen die nationalen Bestrebungen vorzugehen.

Abb. 3: „Der Denker-Club“. Zeitgenössische anonyme Karikatur zu Zensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit durch die Karlsbader Beschlüsse, Lithografie um 1820.

Abb. 3: „Der Denker-Club“. Zeitgenössische anonyme Karikatur zu Zensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit durch die Karlsbader Beschlüsse, Lithografie um 1820.

Preußen und Österreich sowie acht weitere deutsche Staaten beschlossen auf den Karlsbader Konferenzen ein Verbot der Burschenschaften sowie die Einsetzung eines durch die Landesherren Bevollmächtigten, der fortan an Universitäten das Verhalten von Professoren und Studenten überwachen sollte. Hochschullehrer, die schlechten Einfluss auf die Jugend nahmen und der öffentlichen Ruhe und Ordnung feindselig gegenüber standen, sollten aus dem Universitätsbetrieb entfernt werden.

Ein weiterer Beschluss von Karlsbad war eine staatliche Vorzensur für alle Zeitungen und sonstige Druckmedien. Eine zentrale Untersuchungskommission wurde eingerichtet, welche revolutionäres Aufbegehren und demagogische Organisationen zu verfolgen hatte. Diese so genannten Demagogenverfolgungen, die sich zwar vornehmlich gegen Professoren und Studenten, aber auch gegen Schriftsteller und Journalisten richteten, hatten Gefängnisstrafe und Amtsentzug zur Folge. Unter den Verfolgten waren auch prominente Persönlichkeiten wie der Dichter Ernst Moritz Arndt oder der Vater der Turnbewegung, Ludwig Jahn. Letzterer, der auch als Turnvater Jahn bezeichnet wird, gilt gemeinhin als Initiator der deutschen Turnbewegung, die von Beginn an eng mit der Nationalbewegung verknüpft war.

Trotz Unterdrückung – Das Hambacher Fest (1832)

Abb. 4: Zug zum Hambacher Fest. Die Flaggen zeigen die damals so gewählten deutschen Landesfarben Gold-Rot-Schwarz.

Abb. 4: Zug zum Hambacher Fest. Die Flaggen zeigen die damals so gewählten deutschen Landesfarben Gold-Rot-Schwarz.

Dass der Freiheitsdrang im Volk nicht mehr zu ersticken war und die Pariser Julirevolution dieser Sehnsucht nach Einheit und Freiheit noch Auftrieb gab, beweist das Treffen am Hambacher Schloss vom 27. bis zum 30. Mai 1832, an dem zirka 30.000 Menschen teilnahmen. Doch was war der große Unterschied im Vergleich zum Wartburgfest, welches fünfzehn Jahre vorher stattgefunden hatte?

Anders wie damals, als vor allem Studenten und Professoren für die nationale Sache gekämpft hatten, fanden sich nun auch zahlreiche Bürger, Handwerker und Arbeiter auf dem Schloss an der Weinstraße ein.

In den unzähligen Ansprachen bekundete man die Forderung nach einem freien und geeinten Deutschland sowie die Entschlossenheit, dass das Volk selbst die Aufgabe übernehme, die Einigung zu vollenden, sollten die Fürsten ihm nicht entgegenkommen. Mit dem Hambacher Fest wurde erstmals deutlich, dass die Freiheitsbewegung auch kalkulierte, notfalls eine Lösung ohne die Fürsten in Betracht zu ziehen. Solidarität bekundete man sogleich mit den Freiheitskämpfern anderer europäischer Staaten, vor allen mit Franzosen und Polen.

Das Treiben auf Schloss Hambach nahm der österreichische Staatsmann Metternich zum Anlass, weitere verschärfte Maßnahmen durchzusetzen, sodass Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit nun völlig unterdrückt sowie einige Organisatoren des Festes verhaftet wurden.

Soziale Missstände als Vorbedingung der Revolution

Schon die katastrophale Missernte des Jahres 1816 hatte die Bevölkerung auf dem Land, vor allem im Südwesten Deutschlands, stark getroffen. Bereits 1817 kam es daher zur ersten Massenauswanderung aus Deutschland. Die Verelendung der Unterschichten ließ die Auswandererzahlen bis 1830 weiterhin stark ansteigen. Interessant dabei ist, dass die Auswanderungswelle unmittelbar nachließ, sobald sich die Versorgung der Bevölkerung verbesserte. Ein erneuter Anstieg der Auswandererzahlen erfolgte in den Jahren der Hungersnot vor der 1848er Revolution, welche diese sogleich als soziale und politische Krise einleitete.

Die einsetzende Industrialisierung drängte besonders die unteren Schichten in die Abhängigkeit von Fabrikherren. Weil es noch keine gesetzlichen Bestimmungen gegen die Ausbeutung von Arbeitern gab, blieb ihnen nur die Möglichkeit des Zusammenschlusses, um sich zu wehren. Obwohl derartige Zusammenkünfte verboten waren, kam es im Juni 1844 zu einem Aufstand von zirka 3000 schlesischen Webern.

Besonders die Konkurrenz britischer Waren, die durch Spinnmaschinen und mechanische Webstühle industriell angefertigt wurden, führte zu einer immer schlechteren Bezahlung der heimischen schlesischen Weber, die auch nicht durch den Einsatz von Kinderarbeit und die Ausdehnung der Arbeitsstunden pro Tag ausgeglichen werden konnte. Die aufständischen Weber zerstörten Einrichtungen und Maschinen der Unternehmer. Ihr Aufstand wurde jedoch schon drei Tage später vom preußischen Militär niedergeschlagen (Weberaufstand). Wichtig ist die überregionale Bedeutung dieses Aufstands am Vorabend der Revolution als Sinnbild für die Arbeiter, die begannen, sich ihrer Macht bewusst zu werden.

Bildnachweise [nach oben]
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