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Aufgabe C

Aufgaben
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Analyse pragmatischer Texte

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Literatur im 19. Jahrhundert - Naturalismus
$\blacktriangleright\;$ Text:
Theodor Fontane: Holz/Schlaf - Die Familie Selicke (1890)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Anaylsiere die Kritik Theodor Fontanes zum Drama Die Familie Selicke
  • Berücksichtige dabei insbesondere seine Bewertung der naturalistischen Dramenkonzeption.
$\blacktriangleright\;$ Erläuterungen:
  • Sollte das zugrunde liegende literarische Werk ganz oder in Teilen im Unterricht behandelt worden sein, wird die Nutzung deiner dort erworbenen Kenntnisse erwartet.
  • Theodor Fontane (1819-1898), mit zahlreichen Romanveröffentlichungen wichtiger Vertreter des Bürgerlichen Realismus in Deutschland.
    Ab 1870 arbeitete Fontane als Theaterkritiker für die in Berlin erscheinende Vossische Zeitung.
  • Arno Holz (1863-1929), Dramatiker des Naturalismus.
  • Johannes Schlaf (1862-1941), Dramatiker des Naturalismus
  • Das Drama die Familie Selicke (Uraufführung 1890) zeigt den fortgeschrittenen Zerfall einer in einfachen Verhältnissen lebenden, kleinbürgerlichen Familie.
    Das handlungsarme Stück beginnt am Weihnachtsabend. Die Familie wird komplett zerrüttet, als trotz der Bemühungen des alten und in medizinischen Dingen erfahrenen Kopelke die jüngste Tochter, Linchen, als Folge einer schweren Krankheit am folgenden Morgen stirbt. Der alkoholkranke Vater, Eduard Selicke, zieht sich vollends aus der Familie zurück und seine Frau verfällt in Selbst mitleid und Todessehnsucht. Die älteste Tochter, Toni, gibt ihre Liebe zu dem Untermieter der Selickes, einem jungen Pastor, auf. Dieser verlässt kurz darauf die Familie, um einen Stelle auf dem Land anzutreten. Die Söhne Albert und Walter verfallen in tiefe Trauer.
Text
Theodor Fontane: Holz/Schlaf - Die Familie Selicke (1890)
$\;$
Die gestrige Vorstellung der Freien Bühne[1] brachte das dreiaktige Drama der Herren Arno
Holz und Johannes Schlaf: Die Familie Selicke. Diese Vorstellung wuchs insoweit über alle
vorhergegangenen an Interesse hinaus, als wir hier eigentlichstes Neuland haben. Hier
scheiden sich die Wege, hier trennt sich alt und neu. Die beiden am härtesten angefochte-
5
nen Stücke, die die Freie Bühne bisher brachte: G. Hauptmanns Vor Sonnenaufgang
und Leo Tolstois[2] Die Macht der Finsternis, sind auf ihre Kunstart, Richtung und Technik
hin angesehn, keine neuen Stücke, die Stücke, bez.[3] ihre Verfasser, haben nur den Mut ge-
habt, in diesem und jenem über die bis dahin traditionell innegehaltene Grenzlinie hinauszu-
gehen, sie haben eine Fehde mit Anstands- und Zulässigkeitsanschauungen aufgenommen,
10
und haben auf dem Gebiete dieser kunstbezüglichen, im Publikum gang und gäben An-
schauungen zu reformieren getrachtet, aber nicht auf dem Gebiete der Kunst selbst. Ein biß-
chen mehr, ein bißchen weniger, das war alles; die Frage „wie soll ein Stück sein?“ oder
„sind nicht Stücke denkbar, die von dem bisher Üblichen vollkommen abweichen?“, diese
Frage wurde durch die Schnapskomödie[4] des einen und die Knackkomödie[5] des anderen
15
kaum berührt. Ich darf diese Worte wählen, weil ich durch mein Eingenommensein für beide
vor dem Verdacht des Übelwollens geschützt bin.
Die Familie Selicke! Ja, wie steht es damit? Soll man ihr wünschen, daß sie fortlebt und
sprießt und gedeiht, oder soll man ihr wünschen, daß sie wie Lieschen[6] Selicke, das liebe
süße Kind, frühzeitig an Schwindsucht hinstirbt? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht
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leicht, aber über einzelne Punkte, freilich vergleichsweise Nebenpunkte, bin ich doch zu ei-
nem bestimmten „ja“ oder „nein“ gekommen. Das Stück beobachtet das Berliner Leben
und trifft den Berliner Ton in einer Weise, daß auch das Beste, was wir auf diesem Gebiete
haben, daneben verschwindet. Und in einem nahen Zusammenhange damit ist die glänzen-
de Charakterzeichnung der auftretenden Figuren, aller, ohne Ausnahme. Figuren wie den
25
alten Kopelke gezeichnet zu haben, könnte jeden Dichter, der mit seiner Kunst im moder-
nen Leben steht, mit Stolz erfüllen. Aber freilich diesen zwei sicheren Vorzügen scheinen mir
zwei gleich sichere Bedenken gegenüber zu stehen. Eins davon ist nicht groß und berührt
keine prinzipielle Frage. Das Stück leidet an Wiederholungen, die, weil es meist Szenen und
Momente sind, die an und für sich schon auf der Wippe stehen, doppelt peinlich wirken. In
30
Wirklichkeit geht es zwar so her und wem die photographische Treue alles bedeutet, der
wird auch diese richtige Beobachtung des Lebens bewundern müssen; die Bühne aber -
wenigstens nach der gegenwärtig noch geltenden, und zwar bei den Freunden der Freien
Bühne
noch geltenden Anschauung - hat ihre eigenen bestimmten Gesetze, von denen
vorläufig nicht wohl abzusehen ist. Dies alles indessen bedeutet nicht viel, weil es ein Fehler
35
ist, der jeden Augenblick aus dem Stücke wegkorrigiert werden kann. Wichtiger ist das Be-
denken, das sich gegen die Stoffwahl überhaupt richtet und mir das Bekenntnis abzwingt:
Einmal geht das, einmal laß ich mir das gefallen, sogar unter wärmster und bewundernder
Anerkennung gefallen. Und wenn der Ostermontag mal wieder auf den 7. April fällt, dann
mag es auch mal wieder gehen, aber doch immer nur in Abständen, in Etappen. Um Him-
40
mels willen keine „Kontinuation“, ein Punkt, der nicht genug betont werden kann. Denn al-
lerdings scheint der moderne Realismus eine traurige Tendenz nach dem Traurigen hin zu
haben und mit dieser Tendenz muß er brechen, wenn er sich seiner Widersacher erwehren,
wenn er leben will.
Auf diese Dinge war, nach der Seite von Lob und Tadel hin, Antwort zu geben; aber schwie-
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rigere Fragen, die gerade das betreffen, was „Neuland“ an diesem Stücke ist, diese Fragen
freilich bleiben in der Schwebe. Solche realistischen Jammerstücke, soviel steht mir fest,
können allerdings nicht das geistige tägliche Brot der Nation werden, aber wenn nun der
Jammer fortfällt, wenn der alte Selicke seine Bummelbrüderschaft[7] abstreift, wenn Frau
Selicke das Reißen in ihrem Bein verliert und das Gnauen[8] und Stöhnen endgültig aufgibt,
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wenn Toni ihren Kandidaten kriegt und als Pastorsfrau nach Malchow oder Marienfelde
kommt, und wenn, nicht zu vergessen, das arme kleine Lieschen, das immer so rührend
„Mamachen“ ruft, wenn das arme Lieschen nicht an der Schwindsucht stirbt, sondern nach
Görbersdorf[9] geht und auskuriert wird und schließlich, weil die Kränklichen immer was Fei-
nes haben, einen Geheimen Hofrat oder gar (vom Mutter Selicke-Standpunkt aus kaum aus-
55
zudenken) einen Bankier heiratet, - wie steht es dann mit einem solchen realistischen Stück,
wie steht es dann mit der ganzen Gruppe von Stücken, die, nach alter Anschauung, eigent-
lich keine Stücke sind? Wie steht es dann mit diesen „Ausschnitten“ aus dem Leben, mit
diesen Momentbildern, die das, was wir auf der Hintertreppe gratis sehen können, uns gegen
Entree noch einmal zeigen? Ich habe keine bestimmte Antwort darauf; man muß es abwar-
60
ten, wie so vieles andre. Darf ich aber eine Vermutung aussprechen, so wird diesen Stücken,
„die keine Stücke sind“, doch die Zukunft gehören, zum mindesten werden sie Bürgerrecht
haben, und von meinem Gefühlsstandpunkt aus, auch mit Recht. Denn es bleibt nun mal ein
gewaltiger Unterschied zwischen dem Bilde, das das Leben stellt und dem Bilde, das die
Kunst stellt; der Durchgangsprozeß, der sich vollzieht, schafft doch eine rätselvolle Mode-
65
lung[10] und an dieser Modelung haftet die künstlerische Wirkung, die Wirkung überhaupt.
Wenn ich das kleine Lieschen Selicke bei Nachbarsleuten im Hinterhause hätte sterben se-
hen, so ist es mir zweifelhaft, ob ich geweint hätte, dem kleinen Lieschen, das gestern auf
der Bühne starb, bin ich unter Tränen gefolgt. Kunst ist ein ganz besonderer Saft[11].
Gespielt wurde trefflich, besonders in den Hauptrollen. […]
70
Die Herren Verfasser wurden am Schlusse stürmisch und wiederholt gerufen und erschie-
nen, um zu danken. Es konnte nicht ausbleiben, daß einem, bei der Plötzlichkeit dieser Dop-
pelerscheinung, das „zwei Leoparden auf einmal aus“[12] durch die Seele ging. Übrigens
glaubt man ihnen, daß sie zusammen arbeiten müssen, sie sind wie zwei Hälften, und ihrem
gemeinschaftlichen Schaffen möge, bei mehr Frohmut und Heiterkeit, noch vieles so glücken
75
wie diese Familie Selicke.


[1] Freie Bühne: 1889 gegründeter Theaterverein; in den geschlossenen Vorstellungen konnten auch verbotene Stücke uraufgeführt werden; Aufführungen v.a. naturalistischer Dramen
[2] Leo Tolstoi: russischer Schriftsteller (1828-1910)
[3] bez.: hier für beziehungsweise
[4] Schnapskomödie: ein Drama, in dem das Thema Alkoholismus thematisiert wird
[5] Knackkomödie: Knack steht hier offensichtlich umgangssprachlich für eine seelische Störung
[6] Lieschen: im Stück Linchen
[7] Bummelbrüderschaft: gemeint ist hier offensichtlich das Herumziehen der Figur in den Kneipen zusammen mit Kollegen und Freunden
[8] Gnauen: berlinerisch für wimmern
[9] Görbersdorf: Stadt im heutigen Polen; damals Ort einer großen Lungenheilstätte
[10] Modelung: Form
[11] Kunst ist ein ganz besonderer Saft: wortspielerische Anlehnung an Goethes Drama Faust. Der Tragödie erster Teil, wo Mephistopheles sagt: Blut ist ein ganz besonderer Saft
[12] zwei Leoparden auf einmal aus: Zitat aus Schillers Ballade Der Handschuh
Quelle: Theodor Fontane: Holz/Schlaf - Die Familie Selicke; in: Theodor Fontane: Theaterkritiken, 1884-1894; hrsg. von Siegmar Gerndt, Frankfurt, Wien, Berlin, Ullstein 1979 (Fontane Werke und Schriften, Band 33), S. 229-232.
Die Kritik erschien ursprünglich in der Vossischen Zeitung vom 8. April 1890.
#naturalismus#fontane
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Analyse pragmatischer Texte

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Literatur im 19. Jahrhundert - Naturalismus
$\blacktriangleright\;$ Text:
Theodor Fontane: Holz/Schlaf - Die Familie Selicke (1890)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Anaylsiere die Kritik Theodor Fontanes zum Drama Die Familie Selicke
  • Berücksichtige dabei insbesondere seine Bewertung der naturalistischen Dramenkonzeption.
Tipp
$\blacktriangleright\;$ Bei einer Textanalyse geht es darum, die wichtigen inhaltlichen, formalen, strukturellen und sprachlichen Merkmale des Textes zu erschließen. Die Analyse bleibt im Gegensatz zur Interpretation objektiv.
Pragmatische Texte oder Sachtexte sind nicht fiktional, sondern greifen reale Gegebenheiten auf. Sie sind logisch, pragmatisch und funktional. Aber sie können auch appellierend, argumentativ und kommentierend sein, also die Meinung eines Autors zu einem Sachverhalt wiedergeben.
$\blacktriangleright\;$ Die Aufgabenstellung enthält manchmal einen bestimmten Aspekt, auf den du in deiner Analyse eingehen musst: hier handelt es sich um die Bewertung der naturalistischen Dramenkonzeption.
  • Vorarbeit: Zuerst musst du den Text lesen und dir Notizen dazu machen: Autor, Ort und Datum der Erscheinung, Hauptaussage, formale Merkmale. Diese Elemente werden die Grundlage deiner Analyse bilden.
    Pragmatische Texte sind oft argumentierende Texte. Deswegen ist es wichtig, dass du bei der Vorarbeit die Gedankenstruktur und die Intention des Autors herausarbeitest.
  • Gliederung: Grundsätzlich muss deine Textanalyse folgende Teile aufweisen:
    Einleitung - Hauptteil - Schluss
    Jeder Teil deiner Arbeit sollte folgende Bestandteile beinhalten:
    Einleitung: Autor, Titel, Ort und Datum der Erscheinung, Textart, Hauptaussage des Textes
    Hauptteil: Analyse der Gedankenstruktur oder Argumentationsweise, Erläuterung sprachlicher Merkmale, Intention des Autors
    Schluss: Zusammenfassung der Hauptaussage - Wirkung vom Text und Stellungnahme
Tipp
$\blacktriangleright\;$ Bei einer Textanalyse geht es darum, die wichtigen inhaltlichen, formalen, strukturellen und sprachlichen Merkmale des Textes zu erschließen. Die Analyse bleibt im Gegensatz zur Interpretation objektiv.
Pragmatische Texte oder Sachtexte sind nicht fiktional, sondern greifen reale Gegebenheiten auf. Sie sind logisch, pragmatisch und funktional. Aber sie können auch appellierend, argumentativ und kommentierend sein, also die Meinung eines Autors zu einem Sachverhalt wiedergeben.
$\blacktriangleright\;$ Die Aufgabenstellung enthält manchmal einen bestimmten Aspekt, auf den du in deiner Analyse eingehen musst: hier handelt es sich um die Bewertung der naturalistischen Dramenkonzeption.
  • Vorarbeit: Zuerst musst du den Text lesen und dir Notizen dazu machen: Autor, Ort und Datum der Erscheinung, Hauptaussage, formale Merkmale. Diese Elemente werden die Grundlage deiner Analyse bilden.
    Pragmatische Texte sind oft argumentierende Texte. Deswegen ist es wichtig, dass du bei der Vorarbeit die Gedankenstruktur und die Intention des Autors herausarbeitest.
  • Gliederung: Grundsätzlich muss deine Textanalyse folgende Teile aufweisen:
    Einleitung - Hauptteil - Schluss
    Jeder Teil deiner Arbeit sollte folgende Bestandteile beinhalten:
    Einleitung: Autor, Titel, Ort und Datum der Erscheinung, Textart, Hauptaussage des Textes
    Hauptteil: Analyse der Gedankenstruktur oder Argumentationsweise, Erläuterung sprachlicher Merkmale, Intention des Autors
    Schluss: Zusammenfassung der Hauptaussage - Wirkung vom Text und Stellungnahme

Vorarbeit

Bevor du beginnst, musst du die Kritik von Theodor Fontane genau lesen. Markiere dir dabei relevante Textstellen und mache dir Notizen zur Hauptaussage und der Bewertung der naturalistischen Dramenkonzeption.
Mache dir außerdem noch einmal bewusst, was du im Unterricht über Dramen des Naturalismus gelernt hast.

Einleitung

Überlege dir für die Einleitung einen kurzen Basissatz, der folgende Informationen enthält: Autor, Ort und Datum der Erscheinung. Fasse dann kurz die Hauptaussage des Textes zusammen.

Hauptteil

Im Hauptteil musst du nun den Text von Theodor Fontane analysieren. Dabei geht es darum, inhaltliche, formale, strukturelle und sprachliche Merkmale des Textes zu erschließen. Überlege dir, welches die zentralen Aussagen von Fontanes Theaterkritik sind und arbeite seine Position heraus. Dabei musst du besonders darauf eingehen, wie Fontane die naturalistische Dramenkonzeption im Allgemeinen bewertet. Beziehe dich hierfür auf deine Kenntnisse zu Konzepte realistischen Schreibens im Naturalismus.
Dramen des Naturalismus - Konzept
  • Die Dramen spielen in Elendsquartieren, Bordellen, Hinterhöfen
  • Die Charaktere bzw. die menschliche Psyche steht im Mittelpunkt
  • Das Kranke, Hässliche, Nackte, Böse wird dargestellt
  • Sozialkritische Ausrichtung
  • Wirklichkeitsgetreue Schilderung mit vielen Details
  • Keine Rhetorik, sondern Echtheit und Schlichtheit der Sprache
Position des Autors
$\blacktriangleright$ Hinführung zum Thema
  • Aufhänger: „gestrige Vorstellung“ der Freien Bühne des Stücks Die Familie Selicke
  • Bezeichnet das Stück als „Neuland“ (Z. 3)
  • Das dreiaktige Drama trennt zwischen alt und neu
  • Bisherige naturalistischen Dramen Vor Sonnenaufgang und Die Macht der Finsternis zwar teilweise neuartig, aber nicht auf dem Gebiet der Kunst selbst
  • Bezeichnet die beiden Werke locker als „Schnapskomödie“ und „Knackkomödie“ (Z:.14)
  • Erst Die Familie Selicke wirft die Frage auf: „Wie soll ein Stück sein?“
  • Macht sprachlich mit rhetorischen Fragen sichtbar, dass die Bewertung ihm nicht leitgefallen ist
$\blacktriangleright$ Lob für das Werk
  • Das Stück gibt das Leben in Berlin und den Ton realitätsgetreu wieder und toppt damit alles bisher Dagewesene
  • Die Charakterzeichnung aller Figuren ist glänzend und gekonnt
  • Die Darsteller spielten ihre Rolle sehr gut
  • Er beschreibt, dass der Applaus stürmisch war
$\blacktriangleright$ Kritik am Werk
  • Das Stück hat zu viele Wiederholungen, weil es das Leben so wiedergibt, wie es ist
  • Die fotografische Treue sollte lieber zugunsten von Abwechslung vermindert werden, wie es aktuell noch Gesetz ist für die Bühne
  • Fontane kritisiert aber vielmehr die Stoffwahl an sich
  • Ihm gefällt die durch und durch traurige Geschichte über den Zerfall der Familie zwar; allerdings will er nicht immer solche düsteren Themen
$\blacktriangleright$ Bewertung der naturalistischen Dramenkonzeption
  • Die traurige Tendenz hin zum Düsteren und Hässlichen gefällt Fontane nicht; er sieht darin keine Erfolgschancen auf Dauer
  • „Realistische Jammerstücke“ (Z. 46) können in seinen Augen nicht das vorherrschende Theater werden
  • Sieht ein Problem darin, dass naturalistische Dramen Ausschnitte aus dem Leben zeigen, da das eben nur durch den Jammer funktioniert
  • Genaugenommen sieht man solche Stücke seiner Meinung nach gratis auf der Hintertreppe
  • Aber: Obwohl er die Art Dramen nicht für echte Theaterstücke hält, denkt Fontane, dass sie beim Publikum ankommen werden
  • Dadurch, dass die Realität auf der Bühne gezeigt wird, erhält sie seiner Meinung nach eine rätselhafte Form mit künstlerischer Wirkung
  • Seine eigene Zwiegespaltenheit ist anhand der Vielzahl an rhetorischen Fragen erkennbar
  • Sein Fazit: „Kunst ist ein ganz besonderer Saft“ (Z. 68); sprachlicher Bezug auf Goethes Faust-Zitat

Schluss

Am Schluss solltest du ein Fazit ziehen und noch einmal kurz zusammenfassen, zu welchem Ergebnis du bei deiner Analyse gekommen bist. Greife die für dich interessantesten Argumente noch einmal auf, um Fontanes Position zu bewerten. Hier darfst du auch deine eigene Meinung zu Dramen des Naturalismus und den dramentheoretischen Überlegungen anbringen.
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Analyse pragmatischer Texte

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Literatur im 19. Jahrhundert - Naturalismus
$\blacktriangleright\;$ Text:
Theodor Fontane: Holz/Schlaf - Die Familie Selicke (1890)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Anaylsiere die Kritik Theodor Fontanes zum Drama Die Familie Selicke
  • Berücksichtige dabei insbesondere seine Bewertung der naturalistischen Dramenkonzeption.
Im vorliegenden Textauszug „Holz/Schlaf - Die Familie Selicke (1890)“ von Theodor Fontane beschreibt derselbige seine Erfahrungen mit der Uraufführung des naturalistischen Dramas Die Familie Selicke (1890) von Arno Holz und Johannes Schlaf. Theodor Fontane erkannte die Neuartigkeit des Stücks: „Diese Vorstellung wuchs insoweit über alle vorangehenden an Interesse hinaus, als wir hier eigentlichstes Neuland haben. Hier scheiden sich die Wege, hier trennt sich Alt und Neu.“
Das Drama lässt sich eindeutig der Epoche des Naturalismus zuordnen. Diese haben meistens eher ärmliche, dunkle Handlungsorte wie beispielsweise Elendsquartiere, Bordelle oder Hinterhöfe. Außerdem stehen die Charaktere an sich beziehungsweise die menschliche Psyche und die Abgründe der Seele im Mittelpunkt - das Kranke, Hässliche, Nackte oder Böse wird dargestellt. Somit sind naturalistische Werke sozialkritisch ausgerichtet. Prinzipiell wird die Handlung oder die Charaktere wirklichkeitsgetreu mit vielen Details geschildert. Zudem steht im Gegensatz zu den literarischen Werken der Romantik nicht die ausschweifende Rhetorik, sondern die Echtheit und Schlichtheit der Sprache im Mittelpunkt.
Als Ausgangspunkt seiner Kritik nutzt Fontane das am vorherigen Tag uraufgeführte Stück Die Familie Selicke der Freien Bühne. Dieser Theaterverein war damals dafür bekannt, geschlossene Veranstaltungen durchzuführen, darunter auch verbotene Stücke aufzuführen. Fontane ist sich nicht ganz schlüssig darüber, inwiefern er das Stück gut finden soll, er bezeichnet es somit als „Neuland“ (Z. 3). Das dreiaktige Drama trennt zwischen alt neu. Der Autor vergleicht daraufhin bisherige naturalistische Dramen wie beispielsweise Hauptmanns Vor Sonnenaufgang oder Tolstois Die Macht der Finsternis mit dem Drama von Holz und Schlaf. Diese sind zwar teilweise neuartig, aber nicht auf dem Gebiet der Kunst selbst. Damit meint er, dass beide Schriftsteller zwar dem traditionellen etwas Neues hinzugefügt hätten, dieses aber nicht vollständig revolutioniert hätten und sie deshalb nicht als neuartig angesehen werden können. So bezeichnet Fontane diese beiden Werke locker als „Schnapskomödie“ und „Knackkomödie“ (Z. 14), die sich hauptsächlich um Alkoholismus und psychische Störungen drehen. Erst Die Familie Selicke wirft die Frage auf: „Wie soll ein Stück sein?“. Mit seinen rhetorischen Fragen macht Fontane sprachlich sichtbar, dass ihm diese Bewertung nicht leichtgefallen ist. Für ihn gibt das Stück das Leben in Berlin und dessen Ton realitätsgetreu wieder und toppt damit alles bisher Dagewesene. Die Charakterzeichnung aller Figuren sind laut Fontane glänzend und gekonnt und die Darsteller spielten ihre Rolle sehr gut, sodass Fontane beschreibt, dass der Applaus recht stürmisch war. Doch der Autor stellt dem gegenüber, dass das Stück zu viele Wiederholungen hat, auch gerade weil es das Leben so wiedergibt wie es ist. Diese fotografische Treue sollte lieber zugunsten von Abwechslung vermindert werden, wie es aktuell noch Gesetz ist für die Bühne. Fontane kritisiert aber vielmehr die Stoffwahl an sich; so bezieht er sich auf die Zuschauer, die das Traurige des Realismus oder des Naturalismus nicht gewohnt sind und diese es deshalb nur einmal sozusagen einmal aushalten können. Ihm gefällt zwar die durch und durch traurige Geschichte über den Zerfall der Familie, allerdings will er sich nicht immer mit solch düsteren Themen in seiner Freizeitgestaltung beschäftigen.
Auf Dauer sieht Fontane keinerlei Erfolgschancen für die naturalistische Dramenkonzeption, da ihm die traurige Tendenz hin zum Düsteren und Hässlichen nicht gefällt und er davon ausgeht, dass es den anderen Zuschauern genauso erging. „Realistische Jammerstücke“ (Z. 46) können in seinen Augen nicht das vorherrschende Theater werden. Er sieht ein Problem darin, dass naturalistische Dramen Ausschnitte aus dem Leben zeigen, da das eben nur durch den Jammer funktioniert. Denn natürlich ist das Leben nunmal auch manchmal von Trauer bestimmt und diese traurigen Abschnitte können nicht einfach ausgelöscht werden, sie sind es, die eine Handlung auch authentisch wirken lassen. Genaugenommen sieht man solche Stücke seiner Meinung nach gratis auf der Hintertreppe, weil sie eben aus dem einfachen, bürgerlichen Leben herausgeschnitten sind. Warum sollte man sich also in seiner Freizeit mit Thematiken beschäftigen, die man genausogut zu Hause im eigenen Heim erleben kann? Doch obwohl er die Art Dramen nicht für echte Theaterstücke hält, denkt Fontane, dass sie beim Publikum ankommen werden. Dadurch, dass die Realität auf der Bühne gezeigt wird, erhält sie seiner Meinung nach eine rätselhafte Form mit künstlerischer Wirkung. Fontanes Zwiegespaltenheit ist anhand der Vielzahl an rhetorischen Fragen erkennbar. Sein Fazit hierzu lautet: „Kunst ist ein ganz besonderer Saft“ (Z. 68); hierbei nimmt er sprachlichen Bezug auf Goethes Faust-Zitat „Blut ist ein ganz besonderer Saft“. Man kann davon ausgehen, dass Kunst - da es mit Blut gleichgesetzt wird - in der Ader eines jeden Lebewesens fließt und dass deshalb auch realistische Abbildungen eines normalen Familienlebens eine gewisse Art Kunst darstellen.
Insgesamt betrachtet kann Fontanes Meinung zu dem Drama Die Familie Selicke als durchaus zwiegespalten wahrnehmen. Allem voran ist es schließlich ein neuartiges Stück und Neuem wird immer erst einmal mit einem gewissen Misstrauen begegnet. Zudem muss das Fremdartige, Unbekannte zuerst einmal evaluiert werden. Und doch gibt Fontane dem Ganzen eine Chance - und seine Meinung dazu wird sich bestätigt wissen, denn es gibt auch heutzutage viele realistische Werke - in der Literatur wie auch im Theater oder im Fernsehen, wie beispielsweise die Serie „13 Reasons Why“.
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