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Aufgabe A

Aufgaben
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Erörterndes Erschließen pragmatischer Texte – Texterörterung

Aufgabe:
  • Erörtere, inwiefern Hartmut Steineckes Aussagen zur Erzählung Das Fräulein von Scuderi (1819) von E.T.A. Hoffmann überzeugen.
  • Erarbeite dazu zunächst Steineckes Positionen.
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Lektürehilfe zu Das Fräulein von Scuderi

Hartmut Steinecke: Das Fräulein von Scuderi (2004), Auszug






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[…]
Auch wenn man im Fräulein von Scuderi keine Amateurdetektivin entdecken kann, wie dies viele Interpreten taten (als Detektivin scheitert sie gerade), wird man die Erzählung mit Recht auch als Kriminalerzählung (und zwar als die erste, zwei Jahrzehnte vor Edgar Allan Poes The Murders in the Rue Morgue1) bezeichnen können. Denn wesentliche Merkmale dieses Genres sind bereits vorhanden […]. Allerdings stehen bei Hoffmann nicht nur – und eigentlich nicht primär – das Verbrechen und seine Aufklärung im Mittelpunkt, sondern die Motive des Mörders und die Geschichte des unschuldig verdächtigten Olivier, der die Verbrechen aufklären könnte, aber dabei seinen zukünftigen Schwiegervater verraten müßte.
Hoffmann hat der Erzählung noch eine weitere Dimension hinzugefügt, mit der er zugleich eine der Nachtseiten des Handlungsortes „große Stadt“ zeigt. Der Leser erfährt ausführlich von den Zuständen im Paris jener Zeit […]. Für die Aufklärung des Mordfalls legt Hoffmann damit eine falsche Fährte; im Rahmen der Erzählung hat die breite Schilderung jedoch eine wichtige Funktion: Sie zeigt den gesellschaftlichen und sozialen Hintergrund, in dem die Scuderi zur Retterin wird, weil sie der Gesellschaft den Druck, das Mißtrauen, die Angst nimmt. Mit dieser Justizkritik und diesem Künstlerbild bezieht sich die Erzählung natürlich auch auf Hoffmanns eigene Gegenwart. Gezeigt wird, daß eine Justiz versagt, die angesichts der Verbrechen nur an der Aufgreifung und Bestrafung Schuldiger interessiert ist (auch Olivier ist als Mitwisser juristisch mitschuldig); die Kunst hingegen kann, wenn sie sich dem „lebendigsten Leben“ öffnet und geeignete Kunstmittel einsetzt, die das „Interesse“ (des Königs, des Lesers) an der Erzählung erwecken, zum Sieg des Humanen führen.
[…]
Die Zeilenangaben beziehen sich auf die Orginalprüfungsaufgabe und können in der mobilen Darstellung daher abweichen.
[…]
Auch wenn man im Fräulein von Scuderi keine Amateurdetektivin entdecken kann,
wie dies viele Interpreten taten (als Detektivin scheitert sie gerade), wird man die Erzählung
mit Recht auch als Kriminalerzählung (und zwar als die erste, zwei Jahrzehnte vor Edgar
Allan Poes The Murders in the Rue Morgue1) bezeichnen können. Denn wesentliche
5 Merkmale dieses Genres sind bereits vorhanden […]. Allerdings stehen bei Hoffmann nicht
nur – und eigentlich nicht primär – das Verbrechen und seine Aufklärung im Mittelpunkt,
sondern die Motive des Mörders und die Geschichte des unschuldig verdächtigten Olivier,
der die Verbrechen aufklären könnte, aber dabei seinen zukünftigen Schwiegervater
verraten müßte.
10 Hoffmann hat der Erzählung noch eine weitere Dimension hinzugefügt, mit der er zugleich
eine der Nachtseiten des Handlungsortes „große Stadt“ zeigt. Der Leser erfährt ausführlich
von den Zuständen im Paris jener Zeit […]. Für die Aufklärung des Mordfalls legt Hoffmann
damit eine falsche Fährte; im Rahmen der Erzählung hat die breite Schilderung jedoch eine
wichtige Funktion: Sie zeigt den gesellschaftlichen und sozialen Hintergrund, in dem die
15 Scuderi zur Retterin wird, weil sie der Gesellschaft den Druck, das Mißtrauen, die Angst
nimmt. Mit dieser Justizkritik und diesem Künstlerbild bezieht sich die Erzählung natürlich
auch auf Hoffmanns eigene Gegenwart. Gezeigt wird, daß eine Justiz versagt, die
angesichts der Verbrechen nur an der Aufgreifung und Bestrafung Schuldiger interessiert
ist (auch Olivier ist als Mitwisser juristisch mitschuldig); die Kunst hingegen kann, wenn sie
20 sich dem „lebendigsten Leben“ öffnet und geeignete Kunstmittel einsetzt, die das
„Interesse“ (des Königs, des Lesers) an der Erzählung erwecken, zum Sieg des Humanen
führen.
[…]
Quelle: Hartmut Steinecke: Die Kunst der Fantasie. E.T.A. Hoffmanns Leben und Werk. Leipzig: Insel Verlag 2004, S. 389 f.
Erläuterungen: Hartmut Steinecke (geb. 1940), emeritierter Professor für Literaturwissenschaft
1The Murders in the Rue Morgue: 1841 erschienene Kurzgeschichte des US-amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe
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Teilaufgabe A

$\blacktriangleright$ Die Positionen Hartmut Steineckes erarbeiten

In dieser Aufgaben sollst du Steineckes Aussagen über Das Fräulein von Scuderi zusammenfassen. Nenne nur seine wichtigsten Thesen und fasse dich möglichst kurz und genau. Deine Zusammenfassung soll etwa ein Drittel (bis halb) mal so lang wie Steineckes Text sein. Wenn du noch einmal nachlesen möchtest, wie man eine Inhaltsangabe/Zusammenfassung schreibt, dann kannst du einen Blick in unser Skript Basiswissen: Methodik: Inhaltsangabe werfen.

Steinecke ordnet die Erzählung in seinem Text dem Genre der Kriminalerzählung zu. Konzentriere dich bei der Zusammenfassung auf folgende Fragen:

  • Was ist an der Erzählung typisch/untypisch für das Genre?
  • Wozu dient die genaue Beschreibung vom historischen Paris?
  • Was ist die Funktion des Fräuleins von Scuderi?
  • Was sagt Steinecke über das Verhältnis Kunst/Justiz?

Teilaufgabe B

$\blacktriangleright$ Erörtern, inwiefern Steineckes Aussagen über Das Fräulein von Scuderi überzeugen

In dieser Aufgabe sollst du erörtern, ob Steineckes Meinung über Das Fräulein von Scuderi schlüssig ist. Du sollst also pro- und contra-Argumente für seine Aussagen gegeneinander aufwiegen. Komme am Ende zu einem persönlichen Fazit. Nutze bei dieser Aufgabe deine Zusammenfassung aus Teilaufgabe A: Die Positionen, die du dort herausgearbeitet hast, sollst du jetzt bewerten. Bleibe dabei stets objektiv. Falls du noch einmal nachlesen möchtest, wie man eine Erörterung schreibt, kannst du einen Blick in unser Skript Basiswissen: Methodik: Erörterung: Textgebundene Erörterung werfen.

Bei deiner Erörterung solltest du diesen Fragen nachgehen:

  • Scheitert das Fräulein als Detektivin? $\longrightarrow$ Was tut es, um den Fall aufzuklären und was gelingt davon?
  • Wie wichtig/zentral ist die Aufklärung des Verbrechens?
  • Ist die Schilderung der historischen Umstände/der Pariser Gesellschaft unwichtig für den Kriminalfall?
  • Ist die Kunst in der Erzählung eine Kraft des Guten?

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Thema:

Hartmut Steinecke: Die Kunst der Fantasie. E.T.A. Hoffmanns Leben und Werk. Leipzig: Insel Verlag 2004, S. 389 f.

E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi. Stuttgart: Reclam 2012 (Erstausgabe 1819).

Teilaufgabe A: Zusammenfassung

$\blacktriangleright$ Die Positionen Hartmut Steineckes erarbeiten

Tipp

In dieser Aufgaben sollst du Steineckes Aussagen über Das Fräulein von Scuderi zusammenfassen. Nenne nur seine wichtigsten Thesen und fasse dich möglichst kurz und genau. Deine Zusammenfassung soll etwa ein Drittel (bis halb) mal so lang wie Steineckes Text sein. Wenn du noch einmal nachlesen möchtest, wie man eine Inhaltsangabe/Zusammenfassung schreibt, dann kannst du einen Blick in unser Skript Basiswissen: Methodik: Inhaltsangabe werfen.

Steinecke ordnet die Erzählung in seinem Text dem Genre der Kriminalerzählung zu. Konzentriere dich bei der Zusammenfassung auf folgende Fragen:

  • Was ist an der Erzählung typisch/untypisch für das Genre?
  • Wozu dient die genaue Beschreibung vom historischen Paris?
  • Was ist die Funktion des Fräuleins von Scuderi?
  • Was sagt Steinecke über das Verhältnis Kunst/Justiz?

Im gegebenen Auszug aus Hartmut Steineckes 2004 erschienenen Buch Die Kunst der Fantasie. E.T.A. Hoffmanns Leben und Werk schreibt der Autor über Hoffmanns Erzählung Das Fräulein von Scuderi und ordnet sie in das Genre der Kriminalliteratur ein.

Steinecke betont, dass Das Fräulein von Scuderi zwar eine Kriminalerzählung sei, aber viele untypische Merkmale für dieses Genre enthalte: Es gehe weniger um die (scheiternde) Detektivarbeit des Fräuleins als um die menschlichen Konflikte im Umfeld des Verbrechens. Im Zentrum stünden außerdem die historischen Umstände und die Beschreibung von Paris. Diese seien zwar nicht wichtig für die Aufklärung des Verbrechens, dienen aber laut Steinecke als Mittel für Hoffmanns Kritik an der eigenen Gesellschaft. Hoffmann habe beabsichtigt, Fräulein Scuderi als Symbol der Künstlerin gegen eine misstrauische Gesellschaft und ein rachsüchtiges Justizsystem antreten zu lassen. Die Kunst führe dabei zu mehr Menschlichkeit.

Teilaufgabe B: Erörterung

$\blacktriangleright$ Erörtern, inwiefern Steineckes Aussagen über Das Fräulein von Scuderi überzeugen

Tipp

In dieser Aufgabe sollst du erörtern, ob Steineckes Meinung über Das Fräulein von Scuderi schlüssig ist. Du sollst also pro- und contra-Argumente für seine Aussagen gegeneinander aufwiegen. Komme am Ende zu einem persönlichen Fazit. Nutze bei dieser Aufgabe deine Zusammenfassung aus Teilaufgabe A: Die Positionen, die du dort herausgearbeitet hast, sollst du jetzt bewerten. Bleibe dabei stets objektiv. Falls du noch einmal nachlesen möchtest, wie man eine Erörterung schreibt, kannst du einen Blick in unser Skript Basiswissen: Methodik: Erörterung: Textgebundene Erörterung werfen.

Bei deiner Erörterung solltest du diesen Fragen nachgehen:

  • Scheitert das Fräulein als Detektivin? $\longrightarrow$ Was tut es, um den Fall aufzuklären und was gelingt davon?
  • Wie wichtig/zentral ist die Aufklärung des Verbrechens?
  • Ist die Schilderung der historischen Umstände/der Pariser Gesellschaft unwichtig für den Kriminalfall?
  • Ist die Kunst in der Erzählung eine Kraft des Guten?

Hartmut Steinecke beschreibt im Auszug aus seinem 2004 erschienenen Buch Die Kunst der Fantasie. E.T.A. Hoffmanns Leben und Werk E.T.A. Hoffmanns Erzählung Das Fräulein von Scuderi als ein Werk, in dem die Künstlerthematik und Gesellschaftskritik wichtiger seien als der Kriminalfall, der nicht im Mittelpunkt stehe. Während seinen Thesen im Großen und Ganzen zuzustimmen ist, vereinfacht Steinecke jedoch die Figur des Fräuleins von Scuderi und die Künstlerthematik in der Erzählung.

Zu Anfang des Textausschnitts nennt Steinecke die Motive Cardillacs und das Schicksal Oliviers wichtiger als die eigentliche Kriminalgeschichte (Z. 5-9). Sicherlich ist das Drama um Cardillac, seine Tochter und Olivier das Zentrum aller Aufmerksamkeit, da schließlich Nachforschungen bei Opfern bzw. deren Geschichte bereits vor Oliviers Einführung in die Geschichte keine Rolle spielen. Ein wesentlicher und wichtiger Teil der Erzählung ereignet sich auch nach Oliviers Aussage, im Mittelpunkt steht nicht die lückenlose Aufklärung der Verbrechen und eine Entschädigung der Opfer, sondern Scuderis Versuch, Gerechtigkeit für Olivier zu erkämpfen. Steinecke übersieht aber, dass es in Das Fräulein von Scuderi aber eben nicht nur ein Verbrechen gibt (die Tötung Cardillacs), sondern mehrere. Wenn Olivier über die Motive Cardillacs und seine Lebensgeschichte berichtet, dient dies auch der Aufklärung der Verbrechen – auch in heutigen Kriminalfilmen bleiben die Ermittler nicht bei der Frage nach dem Täter stehen, das Motiv gehört zum Verbrechen selbst.

Trotz seiner Absage an Interpreten, die das Fräulein von Scuderi als Amateurdetektivin bezeichneten, behauptet Steinecke, dass es als Detektivin scheitere (Z. 1-2). In der Tat ist das Fräulein von Scuderi eine eher untypische Detektivin: Sie verhört nicht, sondern hört zu, sie geht nicht auf die Straßen Paris' um dort Nachforschungen anzustellen und die Zeugen kommen zu ihr statt andersherum. Auch kann man Scuderi naiv nennen, denn sie vertraut stets auf das Gute im Menschen. So muss ihr Versuch kläglich scheitern, La Regnie von der Unschuld Oliviers zu überzeugen, fälschlicherweise erwartet sie von ihm Mitgefühl für das Schicksal von Madelon (S. 36).
Jedoch kann man nicht davon sprechen, dass das Fräulein tatsächlich scheitern würde, denn ohne sie wäre Olivier unschuldig gestorben. Mit ihrer unfehlbaren Intuition treibt sie über die gesamte Erzählung den Fall voran: Sie vermutet, dass der Einbrecher in ihrem Haus kein Verbrecher ist, sucht die Marquise de Maintenon auf, wodurch die Herkunft des gestohlenen Schmucks entdeckt wird, sie misstraut Cardillac instinktiv und vertraut dagegen Olivier und Madelon. Durch ihr Vertrauen ist Olivier dazu bereit, vor ihr auszusagen. Diese Aussage bleibt zunächst ohne Wirkung, aber nur deshalb, weil la Regnie die Aufklärung des Verbrechens verhindert. Nicht die Detiktivin scheitert hier, sondern die Justiz. Letztlich sorgt ihre vertrauenswürdige Art dafür, dass ein weiterer Zeuge gefunden und Olivier nach den Nachforschungen des Königs freigesprochen wird. Sie mag zwar den Fall nicht aktiv vorantreiben, doch entdeckt sie wichtige Spuren, macht auf sich aufmerksam und gewinnt das Vertrauen wichtiger Zeugen. Das Verbrechen wird nicht öffentlich aufgeklärt, aber als Detektivin gewinnt sie trotzdem.

Die Tatsache bleibt aber bestehen, dass vieles in der Erzählung nicht darauf ausgelegt ist, die Geschichte von der Aufklärung des Verbrechens hervorzuheben. Die Schilderung von Stadt, Zeit und Menschen in Das Fräulein von Scuderi mag zwar die für eine Kriminalgeschichte wichtige Atmosphäre erzeugen, aber einige Details berühren die Geschichte um Olivier, Madelon und Cardillac nicht einmal. So folgt direkt auf den Auftakt der Geschichte, in dem der verkleidete Olivier ein Kästchen beim Fräulein hinterlegt, ein Abriss über die gefährlichen Zeiten in Paris. Hierbei werden Personen wie Glaser, Exili und La Voisin erwähnt, die für die Geschichte an sich völlig unwichtig sind. Hoffmann entwirft so eine Stimmung aus „Druck, […] Mißtrauen, […] Angst“ (Z. 15), die auf die Situation in Deutschland anspielt – ins Jahr 1819 fallen auch die Karslbader Beschlüsse, die ein Klima des gegenseitigen Verdachts schufen. Die Justiz hat in der Erzählung keinen guten Stand und der Kampf des Fräuleins um die Aufklärung des Verbrechens wird nicht gegen den Verbrecher, sondern gegen den Präsidenten der Chembre ardente, la Regnie, geführt. La Regnie, ein Mann „von heimtückischem Wesen“ (S. 12) und mit „blinde[m] Eifer“ (ebd.), ist dafür bekannt, auch Unschuldige zu verurteilen. Seine Motivation ist es, Menschen zu bestrafen, statt für Gerechtigkeit zu kämpfen. Mit seinem Werk kritisiert Hoffmann eine Justiz, die vom Hass angetrieben wird und der er Versagen unterstellt.

Allerdings ist die Kunst in Das Fräulein von Scuderi nicht nur Retterin (wobei ihre Rolle hier nicht überbetont werden sollte). Cardillac ist – wie das Fräulein – ein Künstler, den die Liebe zur eigenen Kunst zu Verbrechen bewegt. Rein äußerliche Schönheit wird in der Erzählung als wertlos und sogar gefährlich eingestuft, da der Glanz auch die Gier weckt. Somit stehen sich nicht Justiz und Kunst direkt gegenüber, wie Steinecke behauptet (Z. 17-21). Das Fräulein von Scuderi mag den König durch die Kunst der Verkleidung auf den Fall aufmerksam machen und so seine Gunst gewinnen, ihr Auftritt mag symbolische Bedeutung haben – aber Scuderis Rolle als Künstlerin wird in der Erzählung ansonsten kaum betont. Sie ist zwar eine angesehene Künstlerin, aber ihr Ruhm entspringt vor allem der Tatsache, dass sie eine tugendhafte Dame ist. Die Figur des Fräuleins spielt auf den Typus des romantischen Dichter anspielen, der die Gesellschaft kritisiert, jedoch ist sie nicht darauf zu beschränken. In ihrer Tätigkeit als Detektivin tritt das Fräulein nicht als Dichterin, sondern als Mensch auf, der zuhört, vertraut und Mitleid empfindet. Es kämpft nicht die Kunst, sondern die Menschlichkeit gegen die Justiz.

Da Steineckes Fokus auf das Thema Kunst in Das Fräulein von Scuderi gerichtet ist, verzichtet er auf eine genaue Analyse des Kriminalfalls. In diesem tritt das Fräulein von Scuderi nicht als Künstlerin, sondern als zwar passive, aber erfolgreiche Detektivin auf. Richtig ist seine Feststellung, dass es E.T.A. Hoffmann weniger um die genaue Schilderung von Detektivarbeit als um die Kritik an einer rachsüchtigen Justiz und sozialem Misstrauen ging. Letztlich ist die Erzählung kein Plädoyer für die Macht der Kunst, wie Steinecke am Ende seines Texts andeutet, sondern ein Plädoyer für die Notwendigkeit von Mitgefühl, Vertrauen und Menschlichkeit.

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