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Aufgabe 5

Aufgaben
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Texterörterung/Textanalyse

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Patrick Spät: Sagen Sie alle Termine ab!
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Arbeite die Aussagen des Autors heraus; berücksichtige dabei, wie er den Text gestaltet hat.
  • Setze dich kritisch mit den Argumenten des Autors auseinander.
  • Erörtere - über den Text hinausgehend - inwieweit Leistung notwendig für ein erfülltes Leben ist.
[Schwerpunkt: Erörterung]
#argumentationsstruktur#erörtern

Sagen Sie alle Termine ab!

Das Ziel jeder Arbeit ist Faulheit - dennoch glorifizieren wir Fleiß und Leistung.
Warum mühen wir uns so ab, statt das Leben zu genießen?
Von Patrick Spät
$\,$
Heute scheint alles easy, alles erlaubt, nichts schockiert mehr.
Wäre da nicht der Arbeitsverweigerer. Der Drückeberger legt die Füß hoch und erklärt: „Ich
habe keinen Bock auf Lohnarbeit. Keine Arbeit ist besser als jede Arbeit.“ Und schon steht er
im Generalverdacht, zu verlottern und die Gesellschaft in den Abgrund zu stürzen. „Faul sein ist
5
wunderschön, denn die Arbeit hat noch Zeit“, trällert Pippi Langstrumpf immer wieder in die
Welt. Recht hat sie. Doch Pippi lebt gefährlich. Denn sie begeht einen Hochverrat am Arbeitsfe-
tisch unserer Zeit: Wir sollen schuften bis zum Umfallen, unsere Wirtschaft soll wachsen, wir
sollen „etwas aus uns machen“. Aha.
Sollen wir uns also zu Tode ackern und das virulente YOLO (you only live once) nur als Lip-
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penbekenntnis auf Facebook posten? Liegt der Sinn unseres endlichen Lebens tatsächlich in
unendlicher Arbeit?
Wir schuften in einem globalen Trümmerhaufen: Die 85 reichsten Menschen der Welt besitzen
mehr als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen - dank der globalen Lohnsklaven,
Bürohengste, Ein-Euro-Jobber und der working poor. Die Hollywood-Mär „vom Tellerwäscher
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zum Millionär“ ist für die meisten Menschen so real wie die Dinosaurier im Film Jurassic Park.
Trotzdem rennen wir nine to five zur Arbeit, beuten die Natur und unsere Mitmenschen aus und
bekommen Prügel, wenn wir aus dem Hamsterrad ausbrechen wollen und erst recht, wenn wir
es anzuhalten versuchen.
Die Lage ist obendrein höchst schizophren: Wir streben insgeheim nach Faulheit - und preisen
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lautstark die Arbeit. Wer benutzt schon freiwillig ein Waschbrett, wenn er eine Waschmaschine
hat? Dennoch glorifizieren wir Fleiß und Schweiß, und glauben Managern und Politikern, wenn
sie uns die Mär von Wachstum, Wettbewerb und Standortsicherheit eintrichtern. Das ähnelt
dem Stockholm-Syndrom, bei dem die Opfer von Geiselnahmen nach und nach ein positives
Verhältnis zu ihren Peinigern aufbauen. Wir müssen aufhören, mit unseren Kidnappern zu ku-
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scheln. Denn es könnte auch anders gehen, wie uns Heinrich Böll in seiner Anekdote zur
Senkung der Arbeitsmoral berichtet:
„Irgendwo an einer Küste in Westeuropa: Ein ärmlich gekleideter Fischer liegt am Hafen und
döst. Ein reicher Tourist kommt vorbei, knipst einige Fotos und fragt mehrmals, ob es dem Fi-
scher gut gehe und weshalb er denn nicht in See steche, um einen guten Fang zu machen. Als
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der Fischer ihm antwortet, dass er heute schon einen kleinen Fang gemacht habe, rechnet ihm
der Tourist vor, was er sich mit noch mehr Beutefängen alles kaufen könne: in einem Jahr ei-
nen Schiffsmotor, in zwei Jahren ein zweites Boot, dann einen Kutter, ein großes Kühlhaus
samt Räucherei und ein Fischrestaurant - und schließlich eine riesige Marinadenfabrik, mit der
er die ganze Welt beliefern könne. Der Fischer bleibt sichtlich unbeeindruckt, was den Touris-
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ten umso nervöser macht. Was denn dann passiere, will der Fischer wissen: 'Dann', sagt der
Fremde mit stiller Begeisterung, 'dann könnten Sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in der Sonne
dösen - und auf das herrliche Meer blicken.' - 'Aber das tu ich ja jetzt schon', sagt der Fischer,
ich sitze beruhigt am Hafen und döse, nur ihr Klicken hat mich dabei gestört.' (…)“
In dieser kleinen Erzählung steckt eine große Wahrheit: Der Fischer lebt nicht, um zu arbeiten -
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er arbeitet, um zu leben. Heutzutage lautet die Logik aber allzu oft: Ich kaufe mir ein Auto, um
zur Arbeit zu fahren - und ich fahre zur Arbeit, um mir das Auto leisten zu können. Welch ein
Irrsinn.
Was macht der Fischer eigentlich, wenn er mal was macht? Er arbeitet für ein „Zieleinkom-
men“. Damit bezeichnen Wirtschaftswissenschaftler folgendes: Die Menschen schuften gerade
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so viel, bis sie alles haben, was sie zum Überleben brauchen. Dann lassen sie den Hammer
fallen, entspannen sich und freuen sich des Lebens. Diese Strategie verfolgt zum Beispiel der
Stamm der !Kung, der in der afrikanischen Kalahari Wüste lebt: Die !Kung arbeiten nur das Nö-
tigste - und wenden dafür zehn bis maximal zwanzig Stunden Arbeit die Woche auf. Nicht-
kapitalistische Gesellschaften orientieren sich ebenso am Zieleinkommen wie das gesamte
50
Tierreich.
Der Koalabär zum Beispiel praktiziert das Zieleinkommen fast schon in Vollendung: Er isst ein
paar Eukalyptusblätter und döst dann einfach; schläft der Koala weniger als 18 Stunden am
Tag, stirbt er an Erschöpfung. Nicht so der Mensch, der es lieber vorzieht, 18 Stunden am Tag
zu malochen.
55
Apropos Schlaf: Schliefen die Menschen in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts noch durch-
schnittlich zehn Stunden pro Nacht, waren es vor einer Generation rund acht Stunden, während
es heute gerade einmal sechseinhalb sind. Schlafen ist was für Verlierer, die Gewinner schuf-
ten bis zum Umfallen - was für ein Albtraum. Erst der Kapitalismus setzt über das
Zieleinkommen die krankhafte Jagd nach Profit. Selbst viele Linke jeglicher Couleur1 sind die-
60
sem Denken schon auf den Leim gegangen, wenn sie vom vermeintlich nötigen Wirtschafts-
wachstum palavern, um Arbeitsplätze zu schaffen. Wohin, bitte, sollen wir denn noch wachsen?
Wenn von Fortschritt und Wachstum gefaselt wird, kann man sich heutzutage sicher sein, dass
allein das Elend fortschreiten und wachsen wird. Wir wachsen, indem wir schrumpfen.
„Arbeit ist das, was man tut, um es - Zielpunkt im Unbewussten - einmal nicht mehr tun zu
65
müssen“, schrieb Alfred Polgar treffend. Chillt mal, will man den arbeitswütigen High Perfor-
mern zurufen. Relax statt Rolex! Werden wir halt Minderleister. (…)
Siegen ist was für Loser. Wir verlieren alles, wenn die Profite und damit die Zumutungen des
Kapitalismus wachsen. Die Früchte der Lohnarbeit und der Stuhltanz um die letzten Jobs glei-
chen einem Pyrrhussieg2. Doch obwohl wir's besser wissen, schuften wir bis zum Burn-out.
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Okay, das ist alles leichter geschrieben als getan; auch Pippi braucht ihren Goldkoffer, um den
leeren Kühlschrank zu füllen. Aber die 40-Stunden-Woche ist nicht in Stein gemeißelt. (…)
Wenn wir weiter so „siegreich“ in die Schlachtfelder der Arbeit ziehen, sind wir verloren. Wir
sollten dem Kapitalismus nicht nur den Zeige-, sondern auch den Mittelfinger zeigen. Wir soll-
ten es wie der Fischer machen - und nicht wie Pyrrhus. Also, an die Arbeit: Legen Sie die Füße
75
hoch! Trällern Sie Pippis Lied! Und sagen Sie alles ab!


1 Couleur: hier: politische Prägung
2 Pyrrhussieg: zu teuer erkaufter Erfolg
Aus: http://www.zeit.de/karriere/2015-07/faulheit-recht-leistungszwang,
veröffentlicht am 07.08.2015,
Zugriff am 12.06.2017.
#zeitungsartikel
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Texterörterung/Textanalyse

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Patrick Spät: Sagen Sie alle Termine ab!
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Arbeite die Aussagen des Autors heraus; berücksichtige dabei, wie er den Text gestaltet hat.
  • Setze dich kritisch mit den Argumenten des Autors auseinander.
  • Erörtere - über den Text hinausgehend - inwieweit Leistung notwendig für ein erfülltes Leben ist.
Deine Aufgabe unterteilt sich in vier verschiedene Teilaufgaben, wobei die Gewichtung auf der Erörterung liegt.
  1. Aussagen des Autors: Hierbei solltest du chronologisch vorgehen und die Hauptaussagen des Autors darstellen. Es ist sinnvoll, wenn du schon beim Lesen den Text in Sinnabschnitte ordnest.
  2. Gestaltung des Textes: Hierbei ist es wichtig, häufige sprachliche Mittel, den Adressatenbezug und die Sprachwahl zu betrachten. Es geht nicht darum, jedes Stilmittel zu entdecken. Vielmehr ist eine grundsätzliche Gestaltung und deren Wirkung gefragt.
  3. Kritische Auseinandersetzung mit den Argumenten: Hier sollst du noch keine eigenen Argumente gestalten, sondern die Argumente des Autors sowohl bekräftigen als auch entkräften.
  4. Erörterung: Hier ist der Hauptpunkt der Aufgabe. Sammel Pro- und Kontraargumente zu der These und gewichte sie. Überleg dir, wo du Beispiele und wo du Belege einbauen kannst.
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Texterörterung/Textanalyse

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Patrick Spät: Sagen Sie alle Termine ab!
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Arbeite die Aussagen des Autors heraus; berücksichtige dabei, wie er den Text gestaltet hat.
  • Setze dich kritisch mit den Argumenten des Autors auseinander.
  • Erörtere - über den Text hinausgehend - inwieweit Leistung notwendig für ein erfülltes Leben ist.
[Schwerpunkt: Erörterung]
Tipp
Deine Aufgabe unterteilt sich in vier verschiedene Teilaufgaben, wobei die Gewichtung auf der Erörterung liegt.
  1. Aussagen des Autors: Hierbei solltest du chronologisch vorgehen und die Hauptaussagen des Autors darstellen. Es ist sinnvoll, wenn du schon beim Lesen den Text in Sinnabschnitte ordnest.
  2. Gestaltung des Textes: Hierbei ist es wichtig, häufige sprachliche Mittel, den Adressatenbezug und die Sprachwahl zu betrachten. Es geht nicht darum, jedes Stilmittel zu entdecken. Vielmehr ist eine grundsätzliche Gestaltung und deren Wirkung gefragt.
  3. Kritische Auseinandersetzung mit den Argumenten: Hier sollst du noch keine eigenen Argumente gestalten, sondern die Argumente des Autors sowohl bekräftigen als auch entkräften.
  4. Erörterung: Hier ist der Hauptpunkt der Aufgabe. Sammel Pro- und Kontraargumente zu der These und gewichte sie. Überleg dir, wo du Beispiele und wo du Belege einbauen kannst.
Tipp
Deine Aufgabe unterteilt sich in vier verschiedene Teilaufgaben, wobei die Gewichtung auf der Erörterung liegt.
  1. Aussagen des Autors: Hierbei solltest du chronologisch vorgehen und die Hauptaussagen des Autors darstellen. Es ist sinnvoll, wenn du schon beim Lesen den Text in Sinnabschnitte ordnest.
  2. Gestaltung des Textes: Hierbei ist es wichtig, häufige sprachliche Mittel, den Adressatenbezug und die Sprachwahl zu betrachten. Es geht nicht darum, jedes Stilmittel zu entdecken. Vielmehr ist eine grundsätzliche Gestaltung und deren Wirkung gefragt.
  3. Kritische Auseinandersetzung mit den Argumenten: Hier sollst du noch keine eigenen Argumente gestalten, sondern die Argumente des Autors sowohl bekräftigen als auch entkräften.
  4. Erörterung: Hier ist der Hauptpunkt der Aufgabe. Sammel Pro- und Kontraargumente zu der These und gewichte sie. Überleg dir, wo du Beispiele und wo du Belege einbauen kannst.
Unser Leben läuft in geordneten Bahnen ab: Wir gehen in die Grundschule, dann in eine weiterführende Schule, machen dort unseren Schulabschluss und fangen dann - wenn wir nicht noch ein Studium anhängen - an zu arbeiten. Überstunden sind bei den meisten Berufen zum Alltag geworden und von uns wird immer mehr und mehr Einsatz gefordert. Diese Tatsache kritisiert Patrick Spät in seinem Artikel „Sagen Sie alle Termine ab!“ und ruft seine Leser dazu auf, das Leben mehr zu genießen.
Einleitung
Spät findet, dass in unserer kapitalistischen Leistungsgesellschaft viel zu wenig auf die eigenen Bedürfnisse geachtet wird und viel zu viel auf eine wachsende Wirtschaft. Dafür würden wir zu viel arbeiten, worunter unsere Lebensqualität leide.
Textanalyse
Am Anfang seiner Darstellung stellt Spät am Beispiel eines Arbeitsverweigerers und Pippi Langstrumpf fest, dass wer Arbeit nicht glorifiziert und stattdessen auch einmal faul ist, in unserer Gesellschaft überhaupt nicht gut angesehen ist. Doch gleich darauf lässt er die Frage aufkommen, ob der „Sinn unseres endlichen Lebens tatsächlich in unendlicher Arbeit“ (Z. 10f) liegt. Danach beschreibt er kritisch, wie viel die Menschen hart arbeiten und die Wohlstandsverteilung auf der Welt und stellt dann die These auf, dass wir „insgeheim nach Faulheit“ (Z. 19) und Einfachheit streben und in Wahrheit gar nicht so viel arbeiten wollen, wie wir es tun. Als Unterstützung für diese These lässt er eine Erzählung eines Fischers einfließen, der trotz seines spärlichen Einkommens seine Faulheit genießt und nur bis zum Minimum, dem „Zieleinkommen“ (Z. 43f) arbeitet. Der Fischer lebe nicht, um zu arbeiten, sondern arbeite, um zu leben. Auf dieses Zieleinkommen geht Spät noch weiter ein und führt Beispiele aus nichtkapitalistischen Gesellschaften und der Tierwelt an, die genau nach diesem Prinzip handeln. Er vertritt die Meinung, dass es reicht, dieses Zieleinkommen zu erreichen. Die Schuld an unserer momentanen Lage gibt Spät dem Kapitalismus, der „die krankhafte Jagd nach Profit“ (Z. 59) über das Zieleinkommen stelle. Durch diese Gier nach immer mehr werden unsere Bedürfnisse untergraben. Hierfür führt Spät als Untermauerung an, dass sich die durschnittliche Schlafdauer pro Nacht in den USA von 10 Stunden vor 100 Jahren auf nurmehr 6,5 Stunden reduziert hat. Er vertritt die Meinung, dass es unsinnig ist, noch weiter zu wachsen („Wohin, bitte, sollen wir denn noch wachsen?“, Z. 61) und es uns selbst dadurch schlecht geht und wir uns viel zu sehr dafür einschränken („Wir wachsen, indem wir schrumpfen“, Z. 63). Dann stellt er die These auf, dass wir es selbst eigentlich besser wüssten, doch trotzdem „schuften wir bis zum Burn-Out“ (Z. 69) und gibt zu bedenken, dass wir alles verlieren würden, wenn „die Profite und damit die Zumutungen des Kapitalismus wachsen“ (Z. 67f). Am Ende weicht er zumindest etwas von seiner harten Ansicht ab und gibt zu, dass auch er wisse, dass man ganz ohne Arbeit natürlich auch nicht über die Runden kommen würde. Allerdings gibt er zu bedenken, dass die 40-Stunden-Woche nicht in Stein gemeißelt sei (Z. 71) und ruft seine Leser dazu auf, „dem Kapitalismus nicht nur den Zeige-, sondern auch den Mittelfinger [zu] zeigen“ (Z. 73). Sein Fazit am Ende ist die Aufforderung an seine Leser, sich am Beispiel des Fischers zu orientieren, die Füße hochzulegen und einmal alle Termine abzusagen und so mehr auf sich selbst zu achten und das Leben zu genießen.
Struktur und Aussagen
Hinsichtlich der Gestaltung wählt der Autor die Wir-Form. Durch das Personalpronomen sorgt er dafür, dass der Leser sich dem Autor verbunden fühlt und somit beinahe automatisch seine Argumente bejaht. Durch rhetorische Fragen („Sollen wir uns also zu Tode ackern […]?, Z. 9“) bringt er den Leser zum Nachdenken und dazu, sich noch weiter auf seine Seite zu stellen.
Gestaltung
Adressatenbezug
Der Text ist recht umgangssprachlich und nahe der Jugendsprache verfasst. Mit Ausdrücken wie „YOLO“ (Z. 9), „Chillt mal“ (Z. 65) oder „Relax statt Rolex“ (Z. 66) ironisiert er die vermeintliche „Coolness“ des Zu-viel-Arbeitens und versucht vor allem jüngere Leser anzusprechen. Auf die bereits erwähnte „Coolness“ beziehen sich auch seine verwendeten Anglizismen, die in der Arbeitswelt aktuell gang und gäbe sind um für potenzielle Arbeitnehmer attraktiv zu wirken („High Performer[$\,$]“, Z. 65f, „nine to five“, Z. 16, „easy“, Z. 1). Generell nutzt Spät eine ziemlich bildhaft geprägte Sprache mit vielen Vergleichen, Beispielen und Metaphern („globale[r] Trümmerhaufen“, Z. 12, „Wenn wir weiter so 'siegreich' in die Schlachtfelder der Arbeit ziehen, sind wir verloren.“, Z. 72). Ziemlich provokant ist auch sein Vergleich des Zustandes auf dem Arbeitsmarkt mit dem „Stockholm-Syndrom“ (Z. 23) - ein Syndrom, bei dem sich das Opfer eines Entführers in seinen Peiniger verliebt. Man merkt, dass Spät die Sprache bewusst einsetzt, um den Leser zu provozieren und somit auf seine Seite zu ziehen.
Umgangssprache + bildhafte Sprache
Seine Aussagen unterstützt Spät auch häufig durch Parallelismen („Wir streben insgeheim nach Faulheit - und preisen lautstark die Arbeit“, Z. 19f, „Ich kaufe mir ein Auto, um zur Arbeit zu fahren - und ich fahre zur Arbeit, um mir das Auto leisten zu können“, Z. 40f). Damit unterstützt und verstärkt er die Wirkung seiner Aussagen.
Parallelismen
Im Text verwendet der Autor auch viele Paradoxa, also Scheinwidersprüche, die den Leser dazu bringen, weiter über das Gesagte nachzudenken („Wir wachsen, indem wir schrumpfen.“, Z. 63).
Paradoxa
Um seine Aussagen noch weiter zu verstärken und zu unterstützten wählt Spät Ausdrücke, die negativ konnotiert sind und so beim Leser dieselbe Haltung zum Thema auslösen, wie Spät sie selbst vertritt („krankhafte Jagd“, Z. 59).
negative Konnotationen
Die Hauptaussage von Späts Artikel ist die, dass wir aufgrund des Kapitalismus viel zu viel arbeiten und uns nicht trauen, aus diesem engen Käfig auszubrechen und unser Leben stattdessen mit weniger Arbeit zu genießen. In seinen Aussagen kritisiert er die Leistungsgesellschaft. Er vertritt die Meinung, dass man arbeiten soll, um zu leben, und nicht umgekehrt.
Späts Thesen
Dieser These kann man in vielen Punkten zustimmen. Gerade an der Erzählung mit dem Fischer wird klar, dass, wer nur bis zu einer gewissen Kapazität arbeitet und ab dann sein Leben genießt, um einiges glücklicher sein muss als jemand, der immer auf das Maximale fokussiert ist. Wer sich diese Erzählung anhört oder durchliest empfindet automatisch mit dem Fischer und nicht mit dem Touristen mit, der ihn überzeugen will, mehr zu arbeiten, um an Reichtum zu gelangen. Daraus gelangt man zu der Überzeugung, dass es eigentlich ganz schön sein kann, wenn man einfach irgendwann zufrieden ist und sich mehr auf sich selbst konzentriert, anstatt immer mehr Geld anzuhäufen, das einem für seine Persönlichkeit nicht viel bringt.
Auch die Tatsache, wie sich das Schlafverhalten der Menschen in den letzten Jahren geändert hat bringt einen dazu, Späts These zuzustimmen, denn wie kann es sein, dass sich der Schlafrhythmus in 100 Jahren von 10 Stunden auf 6,5 Stunden reduziert hat und wir die gewonnene Zeit mit Arbeit füllen? Wir sollten viel eher auf unsere eigenen Bedürfnisse hören und mehr Zeit für Ruhe einplanen, die jeder Mensch dringend benötigt.
Das Leben genießen und nur bis zum Minimum arbeiten ist wichtig und eigentlich normal so vorgesehen, wie die Tierwelt beweist. Es bringt einen selbst doch nicht weiter, wenn man jeden Tag 12 Stunden arbeitet und dann total schlapp nach Hause kommt, etwas isst und dann ins Bett fällt, um am nächsten Tag wieder genau dasselbe zu machen. So wie Spät seine Argumente anbringt überzeugt dies sehr und bringt einen zu der Annahme, dass er vollständig Recht hat.
Pro-Argumente
Allerdings kann man ihm trotz allem nicht komplett zustimmen. Denn Spät stellt es in seiner Argumentation so dar, als wären die Menschen entweder verblendet und würden nicht sehen, wie schlecht es für sie persönlich ist, wenn sie sich dem Arbeitstrott beugen, oder als würden sie dazu gezwungen werden, was definitiv nicht so ist. Gibt es doch sogenannte anglizistisch benannte „Workaholics“, die es brauchen, so viel zu arbeiten und ihren Spaß daran haben. Für diese Menschen würde es gewiss keine Erfüllung bringen, sich dem Vorschlag Späts zu beugen und einfach nur noch ein Minimum zu arbeiten.
Und auch er selbst bringt relativ am Ende ja auch an, dass er weiß, dass der Kühlschrank sich nicht von alleine und ohne Geld füllt, und man sehr wohl arbeiten müsse, um über die Runden zu kommen. Da widerspricht er sich beinahe selbst, denn als Leser hat man fast die komplette Zeit über das Gefühl, dass Spät einen davon überzeugen will, komplett auf das Arbeiten zu verzichten und nur noch in Faulheit zu versinken.
Zudem sind die Beispiele, die er für funktionierende nichtkapitalistische Gesellschaften anführt, nicht gerade repräsentativ und überzeugend. Das afrikanische Wüstenvolk !Kung kann wohl kaum in Vergleich mit einer modernen, globalisierten und an einen gewissen Luxus gewöhnten Gesellschaft bestehen und als Gegenbeispiel zu unserem Lebensentwurf gelten.
Kontra-Argumente
Wie bereits an den Argumenten von Spät ersichtlich wurde, ist das von ihm umrissene Thema einer näheren Betrachtung mit Pro- und Kontra-Argumenten durchaus wert, denn es gibt viel, was dafür, aber auch viel, was dagegen spricht, das Arbeitspensum drastisch zu minimieren und dafür mehr Zeit für Faulheit in sein Leben einzuplanen. Vor allem die Bedeutung von Leistung für ein erfülltes Leben sollte hierbei näher betrachtet werden.
Erörterung
Weniger zu arbeiten und dafür mehr Zeit für sich zu haben und das Leben zu genießen, klingt natürlich zunächst einmal verlockend. So hätte man in diesem Fall doch um einiges mehr Zeit für seine Familie und seine Freunde - vorausgesetzt, auch diese würden weniger arbeiten - aber natürlich in erster Linie auch für sich selbst. Man könnte endlich einmal alle Bücher lesen, die seit Jahren im Regal oder auf dem E-Book-Reader verstauben, die Welt bereisen, eine neue Sprache lernen oder musizieren. Somit könnte man sich individuell entfalten und ganz „zu sich selbst finden“.
Man wäre dadurch zufriedener und außerdem entspannt, da man endlich einmal zur Ruhe kommen könnte. Durch Zufriedenheit und Entspannung entsteht Glück und den Alltagsstress und -trott zumindest teilweise hinter sich zu lassen hat auch sein Gutes.
Dadurch könnten auch einige - vor allem psychische - Krankheiten in der Bevölkerung reduziert werden. Wer öfter mal auf sich selbst achtet und sich eine Auszeit gönnt, ist nicht so stark von Depressionen, Burn-Outs oder Midlife-Crisis gefährdet.
Man würde bewusster leben und öfter Sachen machen, die einem gut tun, wie zum Beispiel lange genug zu schlafen, in die Natur zu gehen, gesund zu kochen, Sport zu treiben. Denn oft fehlt im hektischen Arbeitsalltag hierfür die Zeit und man ist froh, wenn man einfach schnell eine Tiefkühlpizza in den Backofen schieben kann.
Die Lebenseinstellung der Menschen würde sich durch weniger arbeiten und mehr faulenzen auch eingehend ändern und die komplette Mentalität und Ansichten zu verschiedenen Themen würden sich enorm ändern.
Dadurch würde sich aber auch die Haltung zu Leistung grundlegend ändern. Das Leistungsdenken wäre nicht mehr so wichtig für ein erfülltes Leben, da ja niemand mehr volle Leistung bringen würde. Dadurch hätte man nicht mehr so viel Stress und Druck und bräuchte sich keine Gedanken darüber machen, ob jemand anderes mehr Leistung bringt als man selber und dadurch besser ist als man selbst. Es wäre nicht mehr wichtig, Leistung zu zeigen, sondern vielmehr sich selbst zu entfalten. Das Wettbewerbsdenken würde weitgehend wegfallen und die Menschen stünden nicht im ständigen Konkurrenzkampf gegeneinander.
Pro-Argumente
Doch natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Was würde man denn mit all der Zeit anfangen, die man gewänne? Würde man nicht irgendwann in purer Langeweile vergehen? Denn wenn jeder diesem Lebensmodell wie man selbst folgen würde, hätte man auch keine Gelegenheit, etwas Schönes mit seiner Zeit anzufangen. Wenn die Piloten und Stewardessen alle weniger arbeiten würden, gäbe es weniger Flüge und man könnte nicht einfach so die Welt bereisen. Wenn die Sprach- oder Musiklehrer nicht mehr so viel arbeiten würden, könnte man nicht so schnell eine Sprache oder das Musizieren lernen. Wenn die Autoren weniger arbeiten würden, könnte man nicht so viele neue Bücher lesen.
Zudem fehlt mit weniger Arbeit einiges an Erfüllung. Was hat man davon, wenn man fast den ganzen Tag daheim sitzt und nichts „schafft“, zu nichts beiträgt? Nach einiger Zeit wird einem die Decke auf den Kopf fallen und man wird sich danach sehnen, wieder etwas Sinnvolles zu tun.
Auch ist es utopisch anzunehmen, jeder Mensch könnte sich dem Arbeits- und Lebensmodell Späts beugen. Menschen, die eine wichtige Stellung in der Gesellschaft einnehmen - und damit sind nicht Politiker gemeint - können nicht einfach auf einmal weniger arbeiten und sich mehr Zeit für sich nehmen. Wenn der Arzt nur noch 10 Stunden in der Woche arbeitet, die Patienten aber immer noch krank sind und ihnen keiner helfen kann, ist das keine gute Sache und trägt auch nicht zu Entspannung und Zufriedenheit bei. Wenn die Müllmänner nur noch teilzeit arbeiten ist irgendwann die Mülltonne randvoll, es passt nichts mehr rein, und es fängt an zu stinken. Wenn Lehrer weniger arbeiten, lernt die junge Generation kaum noch etwas und wenn Gefängniswärter weniger arbeiten, tanzen uns irgendwann die Kriminellen auf der Nase herum.
Wenn jeder Mensch in der Gesellschaft den Rat Späts befolgen würde, würde die Wirtschaft komplett zusammenbrechen. Niemand würde mehr dafür sorgen, dass alles stabil läuft, denn jeder hätte nur seine eigene Ruhe im Blick und würde dafür nicht mehr gewillt sein, mehr zu arbeiten. Vor allem in jungen, kleinen Unternehmen und in Startups würde solch eine Arbeitsweise die Firma direkt in den Ruin führen, denn wer nicht hart für den Erfolg arbeitet, kann auch nichts erreichen.
Das Leistungsdenken würde an Bedeutung im Leben verlieren. Zwar kann man dies auch positiv sehen, wie bereits erläutert, allerdings hat dies nicht nur Gutes. Denn wer keine Leistung mehr bringt, wird irgendwann richtig faul und ist nicht mehr motiviert, irgendetwas anzupacken. Denn durch Leistung merkt man selbst, bis an welchen Punkt man es bringen kann und wer richtig etwas leistet, kann stolz auf sich sein - was enorme Zufriedenheit bringt. Man spornt sich dadurch selbst an, mehr zu schaffen und verändert sich so zur besten Version seiner selbst. Auch durch Lob für Leistung fühlt man sich gut, denn dann wird man für seine Anstrengungen belohnt und dies stellt etwas Positives dar. Der Verzicht auf das Leistungsdenken würde sich somit extrem negativ auf die Psyche der Menschen auswirken.
Kontra-Argumente
Wenn man über Späts Thesen länger nachdenkt wird klar, dass es zwar verlockend ist, nur noch ein Minimum zu arbeiten, wie er es vorschlägt, dies aber nicht für jeden umsetzbar ist und sein sollte. Anstelle solch einen Modells sollte man eher am Work-Life-Blending arbeiten und es schaffen, neben der Arbeit trotzdem noch genug Zeit für sich selbst und seine Lieben zu finden, ohne unbedingt viel weniger zu arbeiten. Die Freizeit sollte man sinnvoll nutzen und sich zwar bewusst Auszeiten genehmigen aber dafür in anderen Zeiten Vollgas geben und auch mal gewillt sein, mehr zu arbeiten.
Schluss
#these#argument#beleg#erörtern
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