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Aufgabe 1

Aufgaben
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Analyse eines Sachtextes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Bürgerrecht auf Unvernunft
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  1. Gib den Inhalt und Aufbau des Textes wieder.
  2. Die Autoren des Textes äußern sich spöttisch über ausufernde Reglementierungen. Zeige, mit welchen wesentlichen sprachlichen Mitteln das Autorenteam diesen Spott zum Ausdruck bringt.
  3. Entwickle eine Gegenposition zur Forderung der Autoren nach einem „Bürgerrecht auf Unvernunft“.
$\;$
Material
Bürgerrecht auf Unvernunft
- Unsere Freiheit besteht auch darin, dass der Staat uns nicht vor uns selbst schützt.
Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Eine Radfahrerin, die bei einem Unfall am Kopf verletzt wurde, trifft keine Mitschuld, nur weil sie ohne Helm fuhr, als sie gegen ein Auto prallte. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Schließlich gibt es kein Gesetz, das Radfahrern vorschreibt, einen Helm zu tragen. Doch in einer Zeit, in der überfürsorgliche Politiker die Feuerfestigkeit von Unterhosen normieren und sogar
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Marzipanzigarren verbieten, muss man den Richtern dankbar sein, dass sie den Bürger wenigstens diesmal vor dem Nanny-Staat in Schutz nehmen. Radfahrer dürfen auch in Zukunft ihre Haare im Wind wehen lassen, so unvernünftig und gefährlich es auch sein mag.
Der Staat hat nicht das Recht, das Individuum umfassend vor sich selbst zu beschützen. Bedauerlicherweise fällt es ihm zunehmend schwer, sich daran zu halten. Regierungen in Deutschland
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neigen schon länger dazu, den Bürgern Vorschriften für eine korrekte Lebensführung zu erteilen. Gerade die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD ist eine Koalition der Moralapostel und Sozialingenieure. Einige ihrer Vertreter glauben, sie wüssten besser als der Bürger, was gut für ihn ist. Sie leiten ihn beim Einkaufen und im Straßenverkehr, zu Hause und in der Freizeit, sie behüten, schubsen, motivieren und moralisieren.
Der Bürger gilt als betreuungsbedürftiges Mängelwesen, so lässt sich der Koalitionsvertrag lesen. Vom
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Leitbild des mündigen Verbrauchers hat sich die Regierung schon verabschiedet. Das habe mit der Realität wenig zu tun, sagt der zuständige sozialdemokratische Minister Heiko Maas. Anstatt am mündigen Konsumenten orientiert er sich am verletzlichen Verbraucher.
Aber ein Staat, der versucht, seine Bürger von allen Gefahren fernzuhalten, ist kein freiheitlicher Staat. Angenommen, es wäre richtig, Radfahrern den Gebrauch eines Fahrradhelms vorzuschreiben, um sie vor
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Kopfverletzungen zu bewahren, wozu ein Helm zweifellos geeignet ist. Warum dann beim Kopfschutz aufhören? Was ist mit Mund, Nase und Kinn? Braucht es nicht mindestens noch Handschuhe? Ellbogenschützer? Wirbelsäulenprotektoren? Eine schwedische Firma hat eine Halskrause für Radfahrer entwickelt, die sich im Falle eines Sturzes selbsttätig aufbläst; der Einführung einer Airbag-Pflicht für Radfahrer stünde also technisch nichts im Weg.
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Jede Schutzvorschrift zieht automatisch die Forderung nach weiteren Interventionen nach sich. Kaum müssen die Radfahrer einen Helm tragen, sind Skifahrer und Skateboarder an der Reihe. Sicherheitsbedürfnisse seien "strukturell unstillbar", warnte einmal der Verfassungsrichter Winfried Hassemer, es passe immer noch eine Schippe Sicherheit in den prall gefüllten Sack. Und wenn wir schon mal dabei sind: Wo bleibt der Schutz des Geistes? Sind Seele und Verstand etwa weniger schutzwürdig als
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Haut und Knochen? Wer den Menschen in seiner Gesamtheit begreift, kann hier eigentlich nicht haltmachen.
Zugegeben: Über die Frage, ob der Einzelne durch sein Verhalten nur sich selbst gefährdet oder ob er andere in Mitleidenschaft zieht, lässt sich streiten. Die Befürworter einer Helmpflicht für Radfahrer wenden ein, dass Unfallopfer, die mit zertrümmertem Schädel im Krankenhaus liegen, auch die Solidargemeinschaft
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der Krankenversicherung strapazieren. Ähnlich lauten Argumente für das geplante Verbot von Mentholzigaretten oder für die Einführung der sogenannten Lebensmittelampel, mit der die Verbraucher vor allzu fettigen, salzigen oder zuckerhaltigen Produkten gewarnt werden sollen. Ungesunder Lebenswandel verursache externe Kosten, so die Begründung. Deshalb sei es richtig, dass der Staat die Freiheit des Einzelnen beschränke.
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Das klingt zunächst plausibel. Doch bei genauer Betrachtung lösen sich die externen Kosten häufig in Luft auf. Die Einführung einer Helmpflicht für Radfahrer hat in Ländern wie Australien Nachteile gebracht. Die Zahl der Radfahrer ging zurück, ihr Unfallrisiko stieg, teils weil der Helm zu rasanter Fahrweise verführte, teils weil Autofahrer weniger Rücksicht auf Helmträger nahmen.
Auch Raucher und Dicke sind keine Belastung für den Sozialstaat. Sie sind, rein finanziell, sogar ein Segen
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für jede Kranken- und Rentenkasse, im Gegensatz übrigens zum durchtrainierten und damit wohl länger lebenden Gesundheitsapostel.
Freiheit wird dem Bürger nicht gewährt oder geschenkt. Sie gehört ihm, er sollte sie sich einfach nehmen, und was er dann mit seiner Freiheit macht, geht niemanden sonst etwas an. Wo kein anderer zu Schaden kommt, ist die Freiheit des Einzelnen grenzenlos. Versuchter Mord ist strafbar, versuchter Selbstmord nicht.
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In eigener Sache ist das Individuum die erste und die letzte Instanz.
Auf den britischen Philosophen John Locke geht die Idee vom "self-ownership" zurück, vom Eigentum des Menschen an sich selbst. Dieses Eigentum ist ein wertvoller Schatz. Er ist es wert, dass wir ihn verteidigen.
Aus: Bürgerrecht auf Unvernunft, erstellt von einer Redaktionsgruppe, "Der Spiegel", http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-127739790.html, 23.06.2014
#sachtext#lineareerörterung#rhetorik#stilmittel
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Analyse eines Sachtextes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Bürgerrecht auf Unvernunft
1.
In dem Kommentar Bürgerrecht auf Unvernunft, der am 23.06.2014 in dem Magazin „Der Spiegel“ erschien, kritisiert eine Autorengruppe, wie der Staat immer mehr versucht, die Individuen zu einer Reduzierung des eigenen risikoreichen Verhaltens zu treiben. Die Autoren empfinden dies als eine Bevormundung der Bürger und als eine Begrenzung der persönlichen Freiheit.
Zu Beginn wird auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes Bezug genommen. Dieser hatte entschlossen, dass eine Fahrradfahrerin, die keinen Helm trug, keinerlei Mitschuld an einer Unfallverletzung treffen sollte. Für die Autoren ist dies ein essentielles Symbol dafür, dass es den Bürgern freisteht, wie sie ihr Leben zu leben haben und dass der Versuch der Politiker, die Bürger vor sich selbst zu schützen, nur eine Bevormundung und Einschränkung der Lebensqualität der Bürger sei. Hierbei kritisieren sie insbesondere die Große Koalition. Die Kritik der Autorengruppe basiert darauf, dass - angenommen man ließe gewisse Regeln zur persönlichen Sicherheit zu - die Grenzen vor weiteren freiheitsbeschränkenden Maßnahmen aufgelöst würden. Anschließend nimmt die Autorengruppe Bezug auf die Gegenposition, die die Meinung vertritt, dass das Risikoverhalten einzelner Personen auch die Gemeinschaft gefährden würde. Diesem Einwand wird durch zwei Beispiele entgegen gewirkt. Negative Erfahrungen mit der Helmpflicht in Australien und die Konsequenzen für Sozialkassen bei länger lebenden, risikoscheuen Personen werden angeführt. Zum Schluss führt die Gruppe an, dass es das Recht jedes Einzelnen sei, frei in eigener Sache zu entscheiden - dieses Recht hat Vorrang gegenüber jedem staatlichen Anspruch. Sie schließen ihren Kommentar mit dem Plädoyer, für sich selbst einzustehen und dieses Freiheitsrecht zu wahren.
2.
In dem vorliegenden Kommentar kritisiert eine Autorengruppe die zunehmenden Bestrebungen der Politik, die Freiheiten der erwachsenen Bürger einzuschränken, um diese vor sich selbst zu schützen. Dies empfinden die Autoren jedoch als Einschränkung der persönlichen Freiheit. Ihre Kritik äußert sich durch die Nutzung verschiedener sprachlicher Mittel, die insgesamt eine spöttische Wirkungsebene aufweisen. Somit lassen die Autoren die Bemühungen der Politiker als lächerlich wirken.
Hauptsächlich nutzen die Autoren Begriffe oder Aussagen, die paradox und ironisch erscheinen - dadurch wirkt die Idee der Politiker lächerlich und widersinnig. Ihr Credo besagt, dass sich Bürger hauptsächlich auch vor sich selbst schützen müssten. Diese Übertreibung ist für den Leser paradox, denn ein gesunder Mensch wird sich wohl kaum mit Absicht selbst Schaden zufügen. Die „überfürsorgliche[n] Politiker“ (Z. 4) verstehen sich hierbei als „Eltern“ der Bürger, die nur um das Wohl derer zu kämpfen sich bemühen. Denn das Adjektiv „fürsorglich“ steht meistens im Zusammenhang mit persönlichen, tiefgehenden, zwischenmenschlichen Verbindungen wie etwa derer zwischen Eltern und Kind. Dies ist ein starker Kontrast für das nüchterne und unpersönliche Verhältnis zwischen Bürger und Politiker, weswegen diese Kombination an Worten für den Leser inadäquat scheint. Dass der überfürsorgliche Staat vermutlich vor keinerlei absurden Maßnahmen zurückschreckt, um seine Bürger vor sich selbst zu schützen, zeigt die ironische Beschreibung der Normierung von Unterhosen (vgl. Z. 4) auf deren „Feuerfestigkeit“ - auch diese Kombination an Begriffen wirkt äußerst lächerlich. Dies wird klimaktisch durch das Verbot von Marzipanzigarren (vgl. Z. 5) noch überboten. Insgesamt wird die Vorsicht des Staates, dem der ironische Neologismus „Nanny-Staat“ (Z. 6) zugeordnet wird - der zudem an die negativ konnotierte Beschreibung „Überwachungsstaat“ erinnert -, auf diese Weise als übertrieben und abwegig dargestellt. Auch die Aussage, dass Radfahrer weiterhin ihre Haare im Wind wehen lassen dürfen (vgl. Z. 6) ist sehr ironisch-hyperbolisch. Das Bild der im Winde wehenden Haare erinnert dabei an eine gewisse poetische Freiheit und Unabhängigkeit. Der Begriff „dürfen“ impliziert jedoch eine Art Zwang und auch Regulierung der bisherigen persönlichen Freiheit. Auch die Frage nach der korrekten Lebensführung ist irrsinnig, denn was gilt schon als korrekt oder nicht korrekt? Diese Ansicht liegt im persönlichen Ermessen des einzelnen Individuums. Dies ist unangemessen und auch nicht im Sinne eines demokratischen, auf Grund- und Menschenrechte basierende politische Systems, welches in Deutschland gepflegt wird. Insgesamt hinterlassen diese hyperbolischen und gleichzeitig ironischen Wortkombination beim Leser den Eindruck, dass eben jenes politische System auf geradezu lächerliche Weise versucht, in die Freiheit seiner Bürger einzugreifen und zum vermeintlichen Wohle der Bürger Reglementierungen aufstellen.
Doch auch andere Sprachmittel finden ihre Verwendung im Kommentar der Autorengruppe, die jene Reglementierungen des Staates auf spöttische Weise karikieren. Die Politiker gelten demnach als „Moralapostel und Sozialingenieure“ (Z. 11). Diese Metapher deutet daraufhin, dass die Verfasser eben jene Politiker als nicht fähig betrachten, die Rechte und Freiheiten der Bürger adäquat zu beurteilen, sondern dass ihre Meinungen und Ideen auf nicht validen Theorien beruhen. Die antithetische Klimax „behüten, schubsen, motivieren und moralisieren“ (Z. 13) zeigt hierbei, dass der Bürger eigentlich gar keine Meinungs- und Entscheidungsfreiheit mehr haben sollte. Hierbei wird auch noch der Bürger degradiert auf ein „betreuungsbedürftiges Mängelwesen“ (Z. 14) und durch die Alliteration „verletzlicher Verbraucher“ (Z. 17) als zu schützendes Wesen herabgewürdigt. Mit klimaktisch ansteigenden rhetorischen Fragen unterstützen die Verfasser diese Aussage und ziehen das Konzept des Selbstschutzes der Politiker noch mehr ins Lächerliche: „Braucht es nicht mindestens noch Handschuhe? Ellbogenschützer? Wirbelsäulenprotektoren?“ (Z. 21f.) Dies dramatisiert das vermeintliche Risiko, welchem sich Radfahrer selbst aussetzen.
Argumente der Gegenseite macht die Autorengruppe nichtig, indem sie Begriffe wie „externe Kosten“ (Z. 38/40) auf ironisierte Weise wiederholt. Die Behauptung, dass dicke Menschen oder Raucher ja kein Belastung für die Krankenkassen oder den Staat seien, wird durch eine Metapher unterstrichen, denn die genannten Leute sind sogar ein Segen (vgl. Z. 44f). Die Autoren vernichten die Opposition mit dem Vergleich „Versuchter Mord ist strafbar, versuchter Selbstmord nicht.“ (Z. 49), was die Lächerlichkeit der Reglementierungen des Staates zusätzlich unterstreicht.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Kritik am Staat hauptsächlich durch die Gegenüberstellung paradoxer und ironischer Begriffe zum Vorschein tritt. Dadurch werden die Vorstellungen der Politiker als unbrauchbar und als nicht lebensnah abgestempelt, weswegen sie keinerlei Sinn ergeben und deswegen nicht zum Tragen kommen.
3.
Die Redaktionsgruppe des Magazins „Der Spiegel“ beschreibt in ihrem Artikel Bürgerrecht auf Unvernunft die Forderung, dass der Staat den Bürger nicht daran hindern sollte, bewusste Risiken einzugehen oder sich dadurch selbst zu schaden. Zum einen solle der Bürger frei entscheiden dürfen, ob er beispielsweise einen Helm beim Fahrradfahren trägt, zum anderen solle er aber auch nicht mit etwaigen Gesundheits- oder Risikohinweisen beispielsweise auf Verpackungen belästigt werden. Dadurch, so postulieren die Verfasser, wird das Individuum und dessen Freiheiten deutlich degradiert. Allerdings behaupten die Verfasser, dass das Individuum mündig genug sei, solche Entscheidungen selbst zu treffen.
Allerdings haben die Verfasser ihr Konzept nicht ganz durchdacht, denn von Mündigkeit kann man erst sprechen, wenn der Verbraucher ordentlich über das Produkt informiert wurde und auch über eventuelle Risiken, die mit dem Konsum dieses Produktes einhergehen. Nur so kann der Verbraucher letztlich eine mündige Entscheidung treffen. Die Wirtschaft ist jedoch wettkampforientiert und lockt deswegen den potentiellen Verbraucher mit den vermeintlichen Vorteilen seines Produktes. So werden der hohe Zuckeranteil von Süßigkeiten oder die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Zigaretten gar nicht erst thematisiert oder schöngeredet. Außerdem wird der Verbraucher ja geradezu manipuliert ein bestimmtes Produkt zu kaufen. So wirbt eine E-Zigaretten-Marke damit, dass ihre Zigaretten nach Party, und nicht nach Aschenbecher riechen und suggerieren dem Verbraucher so einen gewissen Lebensstil. Dass die Zigarette natürlich trotzdem schädlich ist, interessiert hier nicht. Gerade Jugendliche sind für solche Anreize sehr sensibel, wollen sich Dinge trauen, cool sein und Parties feiern. Hinweise auf den Verpackungen der Zigaretten sind also keinerlei Verletzung des Persönlichkeitsrechtes, sondern ein Hinweis auf die Auswirkungen - diese Information macht den Verbraucher doch erst mündig und fähig, eine aktive, bewusste Entscheidung zu treffen.
Des Weiteren erklären die Verfasser, dass die Bürger ein Recht auf Unvernunft besitzen dürfen, solange dabei niemand anderes Schaden nimmt, wenn also nur die Person selbst unter der eigenen Unvernunft leiden kann. Doch dies zu differenzieren ist nicht immer möglich, wie die Verfasser selber zugeben. Denn obwohl das eigene Verhalten sich natürlich haupstächlich auf einen selbst auswirkt, so werden doch auch andere Institutionen oder Mitmenschen in Mitleidenschaft gezogen. Wenn zum Beispiel ein Radfahrer mit einem Auto kollidiert - der Radfahrer war ohne Helm unterwegs - dann wird die Erhöhung der Haftpflichtversicherung des Autofahrers auf alle Versicherten umgelegt. Das gleiche passiert mit der Krankenversicherung - alle tragen die Kosten eines Einzelnen. Wird dann diese solidarische Leistung durch risikoreiches Verhalten provoziert, dann ist es durchaus das Recht des Staates, hier einzuschreiten und dann Regeln wie zum Beispiel die Pflicht des Tragens eines Fahrradhelmes einzuführen. Zudem versucht der Staat auch, vor immateriellen Beeinträchtigungen zu schützen. Der Fahrradfahrer ohne Helm könnte zum Beispiel so schwer verletzt werden, dass er auf die Pflege durch eine andere Person angewiesen ist. Dies müssen dann wiederum Angehörige oder ein Pflegedienst tragen, wodurch die Arbeitsleistungen dieser beiden Träger erhöht wird und somit die Kosten für den Staat wiederum auch ansteigen. Demnach sollte der Staat zumindest dazu berechtigt sein, Warnhinweise zu geben oder auch Verbote einzuführen.
Zudem wirkt sich das eigene Verhalten grundsätzlich auf die Gemeinschaft aus, da man auch eine Vorbildrolle gegenüber anderen übernimmt. Lebt man beispielsweise seinen Kindern vor, dass man bei roter Ampel die Straße einfach überqueren kann, so übernehmen diese jenes Verhalten. Nimmt man Risiken in Kauf, so impliziert man, dass es gar keine Risiken sind und verharmlost diese zusätzlich. Raucht oder trinkt man in der Öffentlichkeit, so wird ein gewisser Lifestyle suggeriert, der andere wiederum ansteckt. Ein Bürgerrecht auf Unvernunft ist daher äußerst problematisch einzuordnen. Würde der Staat hier Reglementierungen einführen, so wäre dies keinerlei Einschränkung der Freiheit, sondern eine Präventionsmaßnahme um zukünftige Gefahren zu vermeiden.
Insgesamt betrachtet trägt die Autorengruppe ihr Bürgerrecht auf Unvernunft recht einseitig vor und zieht auch keinerlei mögliche Konsequenzen in Betracht. Für sie ist der Freiheitsbegriff so elementar - dabei sollte man sich eigentlich fragen, ob das Tragen eines Fahrradhelmes wirklich so eine krasse Einschränkung der eigenen Freiheit ist.
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