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Aufgabe 1

Aufgaben
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Analyse eines Sachtextes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Angelika Slavik: Der Feind im Büro nebenan
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  1. Verfasse zum vorliegenden Text eine Überblicksinformation.
  2. Arbeite die Aussageabsichten der Verfasserin heraus und analysiere, wie diese sprachlich umgesetzt wurden.
  3. Diskutiere die zunehmende Verschmelzung von Privat- und Berufsleben.
$\;$
Text 1
Angelika Slavik: Der Feind im Büro nebenan
Die Arbeitswelt von heute treibt viele seltsame Blüten, aber kaum eine ist so skurril wie der kollektive Hang zum Vortäuschen von Freundschaft. Büros sind eine Utopie des Amikalen[1] geworden, und mitunter ist die Inszenierung so überzeugend, dass die Grenze zwischen Freunden und Kollegen tatsächlich zu verschwimmen scheint. Das ist, um es deutlich zu sagen, schlecht. Denn es schadet allen
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Beteiligten.
Dass es zu diesem riesigen Missverständnis kommen konnte, hat mehrere Gründe. Da ist zum einen der Umgangston, der sich verändert: In vielen, besonders in kreativen Branchen, wird heute kollektiv geduzt. In den Unternehmen, vor allem solchen, die im Digitalgeschäft arbeiten, gibt es immer häufiger sehr junge Chefs, die sich nicht mit Statussymbolen oder Ritualen aus einer vergangenen Zeit aufhalten wollen. Auch
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die Kleidungsgewohnheiten sind in vielen Sparten leger geworden, sehr viele Menschen unterscheiden nicht mehr zwischen ihrer Garderobe für den Job und der für die Freizeit. Kurz: Es gibt also weder sprachlich noch optisch einen sofort und deutlich erkennbaren Unterschied zwischen dem beruflichen und dem privaten Ich. […]
Der Job nimmt viel Raum ein in so einem Leben heute, und vielleicht ist auch das ein Grund, warum
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manche ihre beruflichen Kontakte mit Freundschaften verwechseln: Für Freunde, die nicht aus irgendwelchen Gründen nützlich sind, haben sie keine Zeit – und irgendwann fehlt es dann an Vergleichsgrößen, um Freunde von Kontakten unterscheiden zu können.
Natürlich könnte man nun argumentieren, dass das gar nicht so schlimm ist. Dass, wer seinen Job liebt, sich ihm ja auch mit all seiner Zeit, Energie und Aufmerksamkeit widmen könne und man berufliche
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Kontakte ja auch genießen dürfe. Und heißt es nicht auch immer, dass ein gutes Betriebsklima für den Erfolg eines Unternehmens förderlich sei? Ist es da nicht super, wenn sich alle irre gut verstehen?
Nein, ist es nicht.
Das allererste Interesse von Unternehmen ist die Qualität der Arbeit, die ihre Leute abliefern. Alle Maßnahmen, die sie treffen, dienen diesem Ziel: Die günstige Kinderbetreuungseinrichtung im Haus, das
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ausgewogene Essen in der Kantine, der Betriebsausflug in den Kletterpark, der Kicker im Konferenzzimmer […]. Qualität aber braucht neben all diesen Annehmlichkeiten etwas anderes noch dringender: Reibung.
Qualität entsteht, wenn um die richtige Lösung auch mal gestritten werden kann. Dabei ist nicht nur entscheidend, wer sich am Ende durchsetzt. Wer seine Argumentation vor Kollegen verteidigen musste,
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wird sie hinterfragen, sie schärfen, vielleicht ergänzen. Das mag nicht immer einfach sein, aber am Ende werden die kritischen Stimmen sie besser gemacht haben. Bloß: Wenn sich alle Kollegen als Freunde verstehen, wenn das Streben nach Kumpelhaftigkeit das Streben nach Qualität übertrumpft, funktioniert das nicht. Das ist schlecht für das Unternehmen, aber auch schlecht für jeden Einzelnen: Konkurrenten können einander zu Höchstleistungen treiben. […]
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Dazu kommt, dass das Fehlen einer klaren Abgrenzung zwischen Freunden und Kollegen, zwischen Job und Privatleben, ja nicht nur bedeutet, dass die Arbeit immer stärker auch die Zeit außerhalb des Büros prägt. Diesen Effekt gibt es auch umgekehrt: Wer seine Kollegen für seine Freunde hält, erzählt eben auch, was ihn privat beschäftigt – und wenn es ihn sehr, sehr beschäftigt, wird er oder sie dann auch sehr, sehr ausführlich darüber berichten. Das ist erstens deshalb schlecht, weil sich irgendjemand
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verpflichtet fühlen wird, sich das alles anzuhören und Tipps zur Überwindung der Ehekrise beizusteuern, anstatt sich um seine Arbeit zu kümmern. Und zweitens, und das wiegt noch weit schwerer, werden private Schwierigkeiten irgendwann automatisch als Rechtfertigung für unzureichende Leistung herangezogen werden. Wieder gilt das Prinzip: Die Illusion von Freundschaft im Job killt den Qualitätsanspruch.
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Freundschaft ist […] ein spektakuläres Privileg. Sie ist nicht selbstverständlich und nicht an jeder Ecke – oder jedem durchschnittlichen Stehempfang – zu finden. Sie verlangt nach Loyalität und Bedingungslosigkeit und mitunter auch nach einem irrational gütigen Blick auf den anderen. Im Job ist all das nicht sehr hilfreich. Dass das ein Problem sein kann, merken oft auch Menschen, die erst befreundet waren und dann zusammen arbeiten oder sogar ein Unternehmen gründen. Wie sagt man seinem besten
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Freund, dass er schlicht nicht gut genug ist? Natürlich heißt all das nicht, dass man ein Büro in eine einzige unmenschliche Kampfzone verwandeln muss, im Gegenteil. Dass man dem Kollegen mitten im Scheidungskrieg nicht auch noch ein Zusatzprojekt umhängen muss, bloß weil er laut alphabetischer Liste gerade dran wäre, versteht sich von selbst. Dass ein bisschen Klatsch zwischendurch die Stimmung hebt, auch. Aber es hilft schon, sich klar zu machen, dass es im Job zunächst und zuallererst mal um,
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nun ja, Arbeit geht.
Sich das zu verdeutlichen, kann auch nützlich sein, wenn man irgendwo zwischen Kantine und Kaffeeküche tatsächlich jemanden trifft, mit dem man den schwarzen Humor teilt, die Leidenschaft fürs Angeln, die Begeisterung für Hertha BSC oder sonst irgendwas Durchgeknalltes. Wenn aus einem Kollegen also tatsächlich ein Freund wird, kann es sinnvoll sein, bewusst zu überlegen, wie man mit
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dieser Konstellation umgehen will: Es ist denkbar, Berufliches und Privates auch da streng zu trennen, während der Arbeitszeit einfach kein großes Gewese drum zu machen und erst nach Feierabend zu einem untrennbaren Doppelpack zu mutieren. […]
Wenn man über Loyalitäten im Job nachdenkt und die Frage, wem sie gehören sollten, muss man vielleicht auch darüber nachdenken, wie viel Gewicht man seinem Beruf im eigenen Leben zugestehen
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will – und wie viel man ihm aktuell zugesteht. Denn dass sich die Arbeitswelt von heute in diese riesige Illusion von Freundschaft verwandeln konnte, hat ja auch damit zu tun, dass Menschen zugelassen haben, dass die Grenzen zwischen dem Privaten und dem Beruflichen immer weiter aufweichen, dass die Bedürfnisse aus dem einen Bereich in den anderen mitgenommen wurden und umgekehrt.
Was also würde passieren, wenn man versucht, diese Grenze wieder schärfer zu ziehen? Im besten Fall
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würde man im Job vielleicht zu einem professionellen, freundlichen, aber nüchternen Umgang finden. Einem, der von wertschätzender Distanz geprägt ist, von Wettbewerb und vom Streben nach dem bestmöglichen Ergebnis. Das wäre gut für die eigene Karriere, gut für den Arbeitgeber und am Ende auch gut für die Wirtschaft.
Und wenn man sehr viel Glück hat, ist dann auch noch Energie übrig, um sich außerhalb des Jobs
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umzusehen: Nach denen, die man vielleicht schon Jahre nicht mehr getroffen hat, nach denen, die sich nicht dafür interessieren, ob man ihnen weiterhelfen kann und wie viele Kontakte man derzeit eigentlich bei Xing[2] hat. Im besten Fall findet man Zeit für Menschen, die nicht mal so genau wissen, was man beruflich eigentlich macht und sich auch nicht dafür interessieren. Für Leute, die sich nicht für professionelle Eigenschaften begeistern, sondern für die Fähigkeit, eine ganze Nacht lang schlechte Witze
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zu erzählen, billiges Bier zu trinken, und Dinge zu sagen, die politisch nicht korrekt und für die Karriere nicht hilfreich sind.
Freunde eben.
Aus: Angelika Slavik: Der Feind im Büro nebenan, Süddeutsche Zeitung vom 16./17.07.2016

[1] amikal: freundschaftlich
[2] Xing: soziales Netzwerk, in dem v.a. berufliche Kontakte gepflegt werden
#sachtext#inhaltsangabe#dialektischeerörterung#analysieren
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Aufgabe 1

Analyse eines Sachtextes

$\blacktriangleright\;$ Thema
Angelika Slavik: Der Feind im Büro nebenan
1.
In dem am 16./17.07.2016 in der Süddeutschen Zeitung erschienene Kommentar Der Feind im Büro nebenan beschäftigt sich Angelika Slavik mit der Problematik, die Freundschaften innerhalb der Arbeit erzeugen kann. Die Autorin ist der Meinung, dass die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem immer mehr verschwimmen und dies jedoch schädlich für die Wirtschaft, das Arbeitsklima und die Arbeitsleistung ist. Laut Slavik sind außerberufliche Freundschaften meistens wertvoller und gesünder als die freundschaftliche Beziehung zu Kollegen oder Vorgesetzten.
2.
Die Autorin Angelika Slavik fokussiert sich in ihrem Kommentar auf die Empfehlung, eine klarere Grenze zwischen beruflichen und privaten Freundschaften zu ziehen. Ihren Text hat sie in vier Sinnabschnitte unterteilt: Zuerst versucht Slavik, die Leser auf ihre Seite zu ziehen und sie für eine Ablehnung der Tendenz, Arbeitskollegen als Freunde zu betrachten, zu gewinnen (vgl. Z. 1-5). Anschließend führt sie diverse Ursachen auf, die dem Leser aus seiner eigenen Alltagssituation bekannt vorkommen sollen (vgl. Z. 6-17). Im nächsten Abschnitt bringt Slavik verschiedene Argumente an, die von der Bedenklichkeit des freundschaftlichen Verhältnisses zwischen Kollegen überzeugen soll (vgl. Z. 18-50). Abschließend ruft die Autorin dazu auf, die wahren Freunde lieber außerhalb zu suchen und einen eher sachlichen, wenn auch freundlichen Umgang mit Kollegen zu pflegen (vgl. Z. 51-82).
Im ersten Abschnitt geht es hauptsächlich darum, den Leser für sich zu gewinnen und ihn davon zu überzeugen, dass der freundschaftliche Umgang mit Kollegen eigentlich zum Untergang bestimmt ist. Dazu benutzt Slavik diverse negativ konnotierten Wörter. So erklärt sie, dass in der Arbeitswelt heutzutage viele seltsame Dinge vorgehen - dies beschreibt sie mit der Metapher „seltsame Blüten“ (Z. 1). Der „kollektive Hang“ (Z. 1) suggeriert dabei, dass die Menschen heutzutage - vermutlich auch gegen ihren Willen - unselbstständig Tendenzen annehmen, da eben alle anderen dies genauso tun. Freundschaften innerhalb der Arbeit sind für sie generell nicht realisierbar, denn allem voran sind sie utopisch - zwar wünschenswert, aber niemals genau so umsetzbar (vgl. Z. 2). So werden Freundschaften nur vorgetäuscht. Dies empfindet die Autorin schlichtweg als „schlecht“, was sich durch die emphatische Parenthese „um es deutlich zu sagen“ noch verstärkt. Wer bisher der Meinung war, dass solche Freundschaften doch schön sind, der wird durch die hyperbolische Aussage, dass das alles ein „riesige[s] Missverständnis“ (Z. 6) ist, auf den Boden der Tatsachen geholt.
Die Gründe dieses neuzeitlichen Phänomens führt Slavik hingegen recht sachlich auf. Sie erklärt in relativ nüchternem Stil, dass dieses Verhalten schließlich mit der Moderne einzog, denn viele junge Menschen - unter anderem auch Geschäftsführer - wollen sich nicht mehr an die strikten Regeln der Old Economy halten. So tragen sie die gleiche Kleidung im Beruf wie in der Freizeit und es wird beispielsweise „kollektiv geduzt“ (Z. 7). Die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem sind als praktisch nicht mehr existent.
Natürlich räumt die Autorin auch ihren Gegnern einige Argumente ein, beispielsweise dass das gute Arbeitsklima zu größerem Erfolg führe oder dass die freundschaftlichen Beziehungen doch gar nicht so schlimm seien. Diese Argumente relativiert sie jedoch durch die Nutzung des Konjunktiv II (vgl. Z. 18f.) oder durch rhetorische Fragen (vgl. Z. 21), denn Slavik hält an ihrer Meinung fest: „Nein, ist es nicht.“ (Z. 22). Die Gegenseite stellt sie durch die umgangssprachlichen Floskeln „super“ und „irre gut“ (Z. 21) auf ironische Weise als stillos, gar ungebildet dar - als unfähig, die Situation richtig zu durchschauen und einzuschätzen. So wird dazu aufgerufen, der Gegenseite nicht zu glauben. Die kumulierten Maßnahmen zur Förderung der Arbeitsatmosphäre (vgl. Z. 24f.) sind zwar schön, aber wenig förderlich dabei, Kollegen die eigene Meinung zu sagen und diese auch einmal zu konfrontieren. Denn nur durch Konfrontation kann man sich verbessern und Höchstleistungen erbringen - die vorgegaugelten Freundschaften „kill[en] den Qualitätsanspruch“ (Z. 44). Bringt man zu viel Privates mit in das Arbeitsumfeld, so kann das Auswirkungen auf die Leistung haben -was unbedingt zu vermeiden ist, wenn man schließlich auch an seine eigene Karriere denkt. Mit dem Chiasmus „zwischen Freunden und Kollegen, zwischen Job und Privatleben“ (Z. 35) wird dabei ausgedrückt, dass die Grenzen immer mehr verschwinden, man dies aber unbedingt aufhalten solle und eine klare Trennung vorleben sollte. Slavik schließt ihre Argumentation mit der rhetorischen Frage „Wie sagt man seinem besten Freund, dass er schlicht nicht gut genug ist?“ (Z. 49f.) als Zusammenfassung der Problematik.
Im letzten Abschnitt erläutert Slavik, wie das Arbeitsleben potentiell aussehen könnte: als „einzige unmenschliche Kampfzone“ (Z. 50f.). Doch diese Möglichkeit schließt sie aus - allein schon durch die hyperbolisch-bildliche Überspitzung. Sie räumt ein, dass man Kollegen in manchen Situationen mit Verständnis und Rücksicht begegnen sollte. So wirken ihre daraufhin folgenden Empfehlungen geradezu vernünftig verglichen mit dem angedeuteten Schreckensszenario. Angelika Slavik fordert anschließend dazu auf, einen eher sachlichen Umgang mit den Arbeitskollegen zu pflegen. Durch bestimmte Formulierungen verpackt die Autorin diese Aufforderungen jedoch in ausgesprochene Empfehlungen (vgl. Z. 50/56/59). Durch das unpersönliche Pronomen „man“ spricht sie auch nicht direkt ihre Leser an, um ja niemanden vor den Kopf zu stoßen. Zudem gibt sie zu, dass sich trotz allem auch echte Freunde unter den Kollegen finden können und setzt diese in Beziehung zu den Freunden außerhalb des Büros durch Dreierfiguren (vgl. Z. 57ff./79ff.). Der Notwendigkeit von Freunden außerhalb der Büro-Sphäre verleiht sie besonderen Nachdruck durch die Ellipse „Freunde eben.“ (Z. 82).
Insgesamt kann man aus der vorangegangenen Argumentation schließen, dass die Autorin Angelika Slavik ihr Bestreben äußerst engagiert und fundiert äußert, dabei aber trotzdem dem Leser nicht zu nahe tritt und ihre Thesen und Argumente rein sachlich vorträgt.
Aufgabe 1
3.
Angelika Slaviks Kommentar Der Feind im Büro nebenan beschreibt die zunehmende Tendenz, Freundschaften innerhalb der Büro-Sphäre zu schließen. Dies spielt in die zunehmende Rolle der Verschmelzung von Privat- und Berufsleben mit hinein. Jene verschwimmende Grenzen haben aber auch diverse Vor- wie auch Nachteile.
Einer dieser Vorteile hat direkt mit der von Slavik angeschnittenen Thematik zu tun. Denn fühlt man sich auf der Arbeit wohl und arbeitet dort mit Menschen zusammen, die die eigenen Interessen, den eigenen Lebensstil und Gedankengut teilt, so fühlt man sich eher verstanden von seinen Kollegen und empfindet das Arbeitsumfeld auch als schützendes Netz, das einen auffängt, wenn man sich vielleicht gerade in einer Krise befindet. In solchen Zeiten sind die Kollegen auch für einen da und unterstützen, indem sie Projekte abnehmen oder indem man mit ihnen auch ganz offen über seine Probleme sprechen kann. Sie ersetzen in solchen Fällen manchmal auch die Freunde, die nicht am selben Arbeitsplatz tätig sind, weil sie die etwaigen Situationen und Probleme oftmals besser nachvollziehen können. Außerdem wird die Arbeit nicht als Last angesehen, wenn man sich dort wohlfühlt und einen Sinn dahinter sieht, sondern sogar als Teil der Freizeit. Mit den Kollegen und der Arbeit verbringt man schließlich den Großteil seiner Zeit - wenn man sich hier dann auch noch wohlfühlt, so fällt einem auch die Arbeit leicht und dies zeigt sich dann auch am beruflichen Erfolg.
Dies ist natürlich auch von Vorteil für den Arbeitgeber. Fühlen sich die Arbeitnehmer wohl und sehen sie die Arbeit nicht als Belastung an, so haben sie auch viel weniger Fehlzeiten, sind weniger krank und fühlen sich insgesamt besser. Außerdem erzielen sie tendentiell höhere Leistungen, wenn sie sich mit ihrer Arbeit oder dem Arbeitgeber identifizieren können und auch während ihrer Freizeit von dem, was sie beruflich antreibt, begeistert sind. Der Arbeitserfolg ist zusätzlich gesichert: Befindet sich ein Kollege in einer Krise, so wird ihm geholfen - natürlich auch aus eigennützigen Gründen. Oftmals bietet der Arbeitgeber verschiedene Maßnahmen an, die nicht nur die Arbeitsqualität, sondern auch die Lebensqualität des Arbeitnehmers steigern sollen. So bekommen viele Arbeitnehmer Coachings angeboten, es steht ihnen ein Fitnessraum zur Verfügung, Events wie ein gemeinsames Abendessen werden organisiert oder es gibt eine Lounge, in der man sich auch während der Arbeitszeit aufhalten kann und zum Beispiel an der Xbox zusammen zocken kann. Durch dieses zusätzlich entstehende Gemeinschaftsgefühl steigert sich sowohl die Qualität der eigenen Leistung als auch die Produktivität.
Durch moderne Technologien gewinnt der Arbeitnehmer auch ein großes Maß an Flexibilität. Smartphones, Laptops, Tablets und Cloud-Anwendungen ermöglichen so das flexible Arbeiten von fast jedem Platz aus - ob Bahn, zu Hause, im Urlaub oder auch nachts ist hierbei egal. Besonders berufstätige Eltern profitieren davon: wenn die Kinder noch schlafen, kann man eine Stunde von zu Hause aus arbeiten, bringt danach die Kinder in die Schule, fährt dann zur Arbeit, holt dann die Kinder ab, geht seinen Hobbies anschließend nach, und abends wird dann noch eine Stunde im Home Office gearbeitet. Auch wenn man keine Kinder hat, ist das Home Office nützlich, man kann so verschiedene Arzttermine wahrnehmen oder auch bestimmten sportlichen Tätigkeiten tagsüber nachgehen. Manche Menschen sind auch nachts produktiver - durch das Home Office können sie produktiv arbeiten und zum Beispiel auch nachts um 03:00 Uhr eine Präsentation vorbereiten oder Systeme programmieren. Das Ganze funktioniert auch in die andere Richtung: andere sind wiederum morgens höchst produktiv und stehen gerne um 04:00 Uhr auf und arbeiten, um dann um 15:00 mittags Zeit für sich zu haben.
Betrachtet man die oben beschriebenen Argumente, so wird klar, dass die Verschmelzung von Arbeit und Privatleben einen immer höheren Stellenwert bei heutigen Arbeitnehmern sowie auch Arbeitgebern einnimmt. So liest man beispielsweise viel über Work-Life-Blending, was auch viele erfolgreiche Unternehmer betreiben. Diese Vorteile werden voll ausgelebt und sind besonders für Familien günstig - ist ein Kind mal krank, ist es auch kein Problem, von zu Hause aus zu arbeiten. Trotzdem gibt es auch diverse Nachteile, aufgrund derer viele Arbeitnehmer dem Work-Life-Blending skeptisch gegenüber stehen.
Die ständige Erreichbarkeit ist auf der einen Seite zwar vorteilhaft, wenn man einen Termin hat und dann von zu Hause aus arbeiten kann, allerdings führt sie auch dazu, dass es keine klare Abgrenzung mehr zwischen Arbeit und Freizeit gibt. Wenn eine Mail im Postfach landet, kann diese nicht ignoriert werden, sie muss sofort bearbeitet werden. So verliert man die wertvolle Zeit für sich, mit dem Partner, den Kindern oder mit Freunden - diese Zeit wird dann unterbrochen, worunter nicht nur der Arbeitnehmer selbst leidet, sondern auch die Personen, die ihn umgeben. Zudem kommt, dass sich einige Arbeitnehmer dann selbst Druck machen, diese Anfragen zu bearbeiten, weil sie meinen, diese nicht in ihrer regulären Arbeitszeit erledigen zu können. Aufgrund dessen bauen sie fast täglich Überstunden auf, die aber nicht nachzuvollziehen sind (weil sie zu Hause stattfinden) und die erst recht nicht vergütet werden.
Dieser Dauerstress stellt auch eine Gefahr für die eigene Gesundheit dar. Dadurch, dass es gar kein Abschalten von der Arbeit mehr gibt, befindet man sich permanent mit den Gedanken dort, findet man für sich selbst keine Zeit mehr und verliert dadurch ein Stück seiner Lebensqualität. Man setzt sich ständig dem Druck aus, Mails zu lesen, zu beantworten, die Präsentation doch noch zu Hause fertig zu machen - auch wenn man eigentlich fertig ist. Die ständige Konzentration auf die Arbeit ermüdet auch - psychisch sowie physisch. Im schlimmsten Fall kann es so zu Erkrankungen wie Burnout kommen. Schließlich gibt man dem Körper gar keine Ruhepausen mehr durch etwa Urlaub oder Sport - Zeit, die der Körper braucht, um sich vom Stress zu regenerieren. Auch der übertriebene Leistungsgedanke kann den Arbeitnehmer in eine große Krise stürzen, bei einer Entlassung zum Beispiel. Man hat ja so viel für diesen einen Job geleistet und doch war es eben nicht gut genug. Dies kann ebenfalls ein Loch im sozialen Leben des Arbeitnehmers reißen, da man den Lebensmittel - also Freunde, die Arbeit, einen Lebenssinn - komplett verliert.
Demnach sind mit der Verschmelzung von Arbeit und Privatem viele verschiedene Aspekte verknüpft. Eine ganzheitliche Beurteilung ist dahingehend nicht auszuführen. Natürlich hängt der Grad der Bewertung auch von der einzelnen Person und deren Disziplin ab. Ist man zum Beispiel sehr diszipliniert, was die Einhaltung der Arbeitszeiten angeht, so kann diese Flexibilität wirklich von Vorteil sein. Braucht man allerdings eine räumliche Trennung um Abstand von der Arbeit zu finden, so kann das Home Office zum Fluch werden. Wichtig finde ich, dass man neben den beruflichen Kontakten oder Aktivitäten auch eigene Freizeitbeschäftigungen tätigt und auch außerberufliche Freundschaften pflegt. So gewinnt man zusätzlichen Abstand zur Arbeit und kann auch mal über andere Dinge sprechen oder sich mit ihnen beschäftigen. Eine Mischung von beidem finde ich jedoch essentiell, um glücklich zu sein, denn bei der Arbeit verbringt man schließlich die meiste Zeit.
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