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LV-Abi 1
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Aufgabe 2
Aufgabe 3

Aufgabe 2

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Textanalyse mit erweiterter Aufgabenstellung

$\blacktriangleright\;$ Text:
Carolin Emcke: Zuhören
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Analysiere den Text Zuhören von Carolin Emcke.
  • „Die Schnelligkeit des Mediums verleitet uns mehr und mehr dazu, das Mitteilen dem Erleben vorzuziehen. Etwas zu erfahren, ohne es umgehend zu duplizieren und zu kommentieren - das gibt es kaum noch.“ (Z. 32-35)
  • Setze dich kritisch mit der Position der Autorin in Bezug auf neue Medien (Smartphone, Tablet) auseinander. Beziehe dabei auch eigene Erfahrungen bzw. dir bekannte mediale sowie gesellschaftliche Entwicklungen in deine Überlegungen mit ein.
Text
Carolin Emcke: Zuhören
$\;$
Heutzutage scheint Mitteilen wichtiger zu sein als Erleben. Da ist es fast schon sub-
versiv[1], sich ganz auf jemand anderen einzulassen.
Vor einigen Wochen gab der russische Pianist Grigorij Sokolov ein Solo-Konzert in der
Berliner Philharmonie. Es war restlos ausverkauft, die 2250 Sitze in dem Saal mit den
5
aufsteigenden Logenterrassen waren alle besetzt. Unter tosendem Beifall betrat Soko-
lov die Bühne, sobald er sich aber an den Flügel setzte, wurde es still. Ganz still. Kein
Husten, kein Rascheln. Das Programm sah Musik der Romantik von Robert Schumann
und Frédéric Chopin vor; danach beschenkte Sokolov uns, das Publikum, mit einer
nicht enden wollenden Freude an Zugaben. Ein ums andere Mal verschwand er hinter
10
der Bühne. Ein ums andere Mal kam er zurück, nahm den Applaus eher peinlich be-
rührt als vergnügt entgegen, und schien erst wieder entspannt zu sein, wenn er auf
dem Hocker vor seinem Instrument Platz nehmen konnte, um zu spielen.
Was so berührte an diesem Abend, war nicht allein die Musikalität des Pianisten, son-
dern auch seine konzentrierte Versunkenheit. Es war fast beschämend, im selben
15
Raum sein zu dürfen, so intim wirkte Sokolovs Auseinandersetzung mit der Musik. Viel-
leicht war das der Grund, warum es sich wie eine Aufforderung anfühlte, mindestens im
Zuhören eine ähnliche Hingabe an den Tag zu legen wie der Künstler. Jedenfalls blieb
das Publikum so fokussiert, wie ich es noch nie erlebt habe. Selbst als einige sich
schon zum Gehen aufgemacht hatten und in den Gängen und vor den Ausgängen
20
überrascht wurden von einer weiteren Zugabe, selbst als die Menschen im Stehen oder
im Hocken auf den Stufen noch lauschten, war da diese ungebrochene Aufmerksam-
keit. (…)
Und dann erst fiel mir auf, wie selten das geworden ist: die gemeinsame Konzentration
auf jemand anderen. Das stille Zuhören. Ohne Unterbrechung oder Ablenkung. Ohne
25
Second-Screen[2] oder Selfies. In Zeiten, in denen jede und jeder mit Handy und Digital-
kamera dazu neigt, das Erlebte festzuhalten und weiterzuleiten, bevor es noch eigent-
lich erfahren ist, denkt kaum mehr jemand darüber nach, was dieser Vorgang eigentlich
bedeutet. Es wird zitiert und fotografiert, im dauernden Kopierrausch wird die Wirklich-
keit in Cutand-paste-Manier[3] zerteilt, verwertet, versendet - als wären wir als Men-
30
schen auf einmal auf eine bloße Wiedergabefunktion beschränkt und der Teilnahmefä-
higkeit verlustig gegangen. Und in diesem dauernden medialen Reproduktionswahn
fliehen wir den Ort und den sozialen Zusammenhang, in dem wir uns befinden. Die
Schnelligkeit des Mediums verleitet uns mehr und mehr dazu, das Mitteilen dem Erl-
eben vorzuziehen. Etwas zu erfahren, ohne es umgehend zu duplizieren und zu kom-
35
mentieren - das gibt es kaum noch.
Vielleicht ist das der Grund, warum Grigorij Sokolov auch Studio-Aufnahmen meidet
und sich ganz der Konzerttätigkeit widmet. Es gibt nur die eine Gelegenheit, ihm zuzu-
hören. Keine Wiederholung, keine Dauerpräsenz im Netz. So wird jeder Abend para-
doxerweise gerade durch seine Vergänglichkeit unvergesslich. Gut zweieinhalb Stun-
40
den saßen da mehr als zweitausend Menschen und hörten zu. „Zuhören ist Hören in
Verbindung mit Denken und Konzentration“, sagte einmal Daniel Barenboim[4] im Ge-
spräch mit Evelyn Roll für die Süddeutsche Zeitung, „die meisten Menschen können
das gar nicht mehr. Sie machen keinen Unterschied zwischen Hören und Zuhören.“
Hören, das wäre einfach nur, die Geräusche oder Töne wahrzunehmen - Zuhören ver-
45
langt dagegen ein Sich-Einlassen auf das, was zu hören ist, was gespielt oder gesagt
wird, und es verlangt, das Gehörte gedanklich mit nachzuvollziehen. Erst durch das
Zuhören tritt das Eigene für einen Augenblick zurück und öffnet sich für ein neues
Thema, einen neuen Gedanken, eine neue Welt.
Das Zuhören impliziert die Bereitschaft, sich auf die Gedanken, die Interpretation, die
50
Perspektive eines anderen einzulassen. Ohne umgehenden Widerspruch. Ohne die
Anmaßung, es prinzipiell besser zu wissen. In Zeiten, in denen eine fragmentierte[5] Öf-
fentlichkeit vor allem das möglichst laute, möglichst enthemmte Propagieren der eige-
nen Überzeugungen fördert, in denen alle sich selbst ernst nehmen, aber nicht mehr
den anderen, ist das Zuhören schon fast ein subversiver Akt[6]. Und eben nicht allein,
55
sondern mit anderen zusammen sich auf etwas zu konzentrieren, auch das ist selten
geworden, seit die Bedingungen und Möglichkeiten des gemeinsamen Erlebens einer
gemeinsamen Welt ausgehöhlt wurden.
Fast zeitgleich gab es beim Berliner Theatertreffen eine ähnlich leise Sensation: In dem
dokumentarischen Stück „Stolpersteine - Staatstheater“ erzählte der Regisseur Hans-
60
Werner Kroesinger mit ungeheuerer Präzision, wie von 1933 an die antisemitische Dis-
kriminierung und Entlassung jüdischer Theaterleute am Staatstheater Karlsruhe funkti-
onierte. Dabei verzichtete Kroesinger auf alle sonst üblichen inszenatorischen Mittel,
die einen solchen Abend bequem oder pseudo-unterhaltsam machen könnten. Die
Schauspieler und Schauspielerinnen saßen, gemeinsam mit dem Publikum, auf harten
65
Kisten oder Bänken um einen riesigen Arbeitstisch und lasen aus Original-Akten, Zei-
tungsausschnitten, Erinnerungen von Zeitzeugen. Anderthalb Stunden lang entblätter-
ten und entblößten sie so, nüchtern, detailgenau und schonungslos, die bürokratisch
koordinierte Menschenverachtung. (…) Es war kein angenehmes Zuhören. Aber es war
echte Erkenntnis.
70
Vielleicht gehörten diese beiden Abende zu dem Schönsten, was ich in den vergange-
nen Jahren erlebt und gesehen habe. Nicht allein wegen des künstlerischen Pro-
gramms, sondern wegen der Besonderheit, mit anderen zusammen, still, etwas
zu lernen.
Das ist notwendiger denn je.


[1] subversiv: aufmüpfig, aufrührerisch, rebellisch, revolutionär
[2] Second Screen: Englisch für „zweiter Bildschirm“, der das Abrufen zusätzlicher Informationen zum laufenden Fernsehprogramm ermöglicht
[3] Cutand-paste: Englisch für „ausschneiden und einfügen“, eine Kopiertechnik der digitalen Datenverarbeitung
[4] Daniel Barenboim: Der 1942 geborene Pianist und Dirigent dirigierte u.a. auch die Berliner Philharmoniker.
[5] fragmentiert: zersplittert, zerteilt
[6] subversiver Akt: aufmüpfiger, aufrührerischer, rebellischer bzw. revolutionärer Vorgang
Quelle:
Der Text erschien in der Süddeutschen Zeitung (SZ), Nr. 175 vom 30./31.07.2016, S.5.
Zitiert wird er nach der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung, verfügbar unter
http://www.sueddeutsche.de/politik/kolumne-zuhoeren-1.3100330
An den angegebenen Stellen (…) ist der Text leicht gekürzt.
Biografische Informationen zur Autorin:
Carolin Emcke (Jahrgang 1957) studierte Philosophie, Politik und Geschichte und arbeitet als Journalistin u.a. für die Süddeutsche Zeitung, wo sie in ihrer eigenen Kolumne politische und gesellschaftliche Entwicklungen kommentiert. Carolin Emcke erhielt im Sommer 2016 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
#textanalyse
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Textanalyse mit erweiterter Aufgabenstellung

$\blacktriangleright\;$ Text:
Carolin Emcke: Zuhören
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Analysiere den Text Zuhören von Carolin Emcke.
  • „Die Schnelligkeit des Mediums verleitet uns mehr und mehr dazu, das Mitteilen dem Erleben vorzuziehen. Etwas zu erfahren, ohne es umgehend zu duplizieren und zu kommentieren - das gibt es kaum noch.“ (Z. 32-35)
  • Setze dich kritisch mit der Position der Autorin in Bezug auf neue Medien (Smartphone, Tablet) auseinander. Beziehe dabei auch eigene Erfahrungen bzw. dir bekannte mediale sowie gesellschaftliche Entwicklungen in deine Überlegungen mit ein.
Tipp
$\blacktriangleright\;$ Bei einer Textanalyse geht es darum, die wichtigen inhaltlichen, formalen, strukturellen und sprachlichen Merkmale des Textes zu erschließen. Die Analyse bleibt im Gegensatz zur Interpretation objektiv.
Pragmatische Texte oder Sachtexte sind nicht fiktional, sondern greifen reale Gegebenheiten auf. Sie sind logisch, pragmatisch und funktional. Aber sie können auch appellierend, argumentativ und kommentierend sein, also die Meinung eines Autors zu einem Sachverhalt wiedergeben.
$\blacktriangleright\;$ Die Aufgabenstellung enthält manchmal einen bestimmten Aspekt, auf den du in deiner Analyse eingehen musst: hier handelt es sich um die Position der Autorin in Bezug auf neue Medien.
  • Vorarbeit: Zuerst musst du den Text lesen und dir Notizen dazu machen: Autor, Ort und Datum der Erscheinung, Hauptaussage, formale Merkmale. Diese Elemente werden die Grundlage deiner Analyse bilden.
    Pragmatische Texte sind oft argumentierende Texte. Deswegen ist es wichtig, dass du bei der Vorarbeit die Gedankenstruktur und die Intention des Autors herausarbeitest.
  • Gliederung: Grundsätzlich muss deine Textanalyse folgende Teile aufweisen:
    Einleitung - Hauptteil - Schluss
    Jeder Teil deiner Arbeit sollte folgende Bestandteile beinhalten:
    Einleitung: Autor, Titel, Ort und Datum der Erscheinung, Textart, Hauptaussage des Textes
    Hauptteil: Analyse der Gedankenstruktur oder Argumentationsweise, Erläuterung sprachlicher Merkmale, Intention des Autors, kritische Auseinandersetzung mit dem genannten Aspekt
    Schluss: Zusammenfassung der Hauptaussage - Wirkung des Textes und Stellungnahme
Tipp
$\blacktriangleright\;$ Bei einer Textanalyse geht es darum, die wichtigen inhaltlichen, formalen, strukturellen und sprachlichen Merkmale des Textes zu erschließen. Die Analyse bleibt im Gegensatz zur Interpretation objektiv.
Pragmatische Texte oder Sachtexte sind nicht fiktional, sondern greifen reale Gegebenheiten auf. Sie sind logisch, pragmatisch und funktional. Aber sie können auch appellierend, argumentativ und kommentierend sein, also die Meinung eines Autors zu einem Sachverhalt wiedergeben.
$\blacktriangleright\;$ Die Aufgabenstellung enthält manchmal einen bestimmten Aspekt, auf den du in deiner Analyse eingehen musst: hier handelt es sich um die Position der Autorin in Bezug auf neue Medien.
  • Vorarbeit: Zuerst musst du den Text lesen und dir Notizen dazu machen: Autor, Ort und Datum der Erscheinung, Hauptaussage, formale Merkmale. Diese Elemente werden die Grundlage deiner Analyse bilden.
    Pragmatische Texte sind oft argumentierende Texte. Deswegen ist es wichtig, dass du bei der Vorarbeit die Gedankenstruktur und die Intention des Autors herausarbeitest.
  • Gliederung: Grundsätzlich muss deine Textanalyse folgende Teile aufweisen:
    Einleitung - Hauptteil - Schluss
    Jeder Teil deiner Arbeit sollte folgende Bestandteile beinhalten:
    Einleitung: Autor, Titel, Ort und Datum der Erscheinung, Textart, Hauptaussage des Textes
    Hauptteil: Analyse der Gedankenstruktur oder Argumentationsweise, Erläuterung sprachlicher Merkmale, Intention des Autors, kritische Auseinandersetzung mit dem genannten Aspekt
    Schluss: Zusammenfassung der Hauptaussage - Wirkung des Textes und Stellungnahme

Vorarbeit

Bevor du beginnst, solltest du dir den vorliegenden Text von Carolin Emcke genau durchlesen. Markiere relevante Textstellen und mache dir einige Randnotizen. Diese helfen dir später dabei, die Argumentationsstruktur zu analysieren. Mache dir außerdem Gedanken darüber, mit welcher Intention die Autorin ihren Kolumnen-Beitrag verfasst hat.
Arbeite dann heraus, welche Meinung Emcke zu neuen Medien hat und überlege dir, inwiefern du dem zustimmen kannst oder anderer Meinung bist.

Einleitung

In der Einleitung musst du Autor, Titel, Ort und Datum der Erscheinung und die Textart nennen. Fasse dann kurz die Hauptaussage des Textes zusammen und weise auf die Frage hin, wie neue Medien zu beurteilen sind.
  • Autor: Carolin Emcke
  • Titel: Zuhören
  • Erscheinung: aus der Süddeutschen Zeitung von 30.7.2016
  • Textart: Kolumne
  • Inhalt: In ihrem Text Zuhören schreibt Carolin Emcke über die Tatsache, dass Menschen heutzutage aufgrund neuer Medien völlig verlernt haben, still und konzentriert zuzuhören und zu erleben.

Hauptteil

Im Hauptteil musst du nun den Text von Carolin Emcke analysieren. Dabei geht es darum, inhaltliche, formale, strukturelle und sprachliche Merkmale des Textes zu erschließen. Überlege dir, welches die zentralen Aussagen der Autorin sind und arbeite ihre Argumentationsweise und ihre Position heraus. Dabei musst du besonders darauf eingehen, wie Emcke die Rolle der neuen Medien bewertet. Beziehe hierbei auch deine eigenen Erfahrungen mit ein.
Textanalyse
$\blacktriangleright$ Inhaltliche Argumentation
  • Emcke stellt gleich zu Beginn ihre These auf: Mitteilen ist heute wichtiger als Erleben (Z. 1)
  • Die Tatsache, sich voll und ganz auf jemand anderen einzulassen, stellt sie überspitzt als rebellischen Akt dar (Z. 2)
  • Im ersten Abschnitt erzählt die Autorin von ihrem Besuch bei einem Klavier-Konzert, das sie aufgrund der kollektiven Aufmerksamkeit besonders beeindruckt hat
  • Nicht nur der Pianist selbst, sondern auch alle Zuhörer seien fokussiert und konzentriert gewesen
  • Durch diese Erfahrung wurde Emcke bewusst, wie selten gemeinsame Konzentration und stilles Zuhören ohne Ablenkung geworden ist
  • Sie beschreibt, dass normalerweise Handys, Tablets oder Digitalkameras für Unterbrechung sorgen (vgl. Z. 24 ff.)
  • Ihre Behauptung: Die Menschen neigen dazu, das Erlebte festzuhalten und weiterzuleiten, noch bevor sie es selbst wirklich erlebt haben (Z. 26-27)
  • Die Menschen verhalten sich ihrer Meinung nach, als seien sie im Kopierrausch und auf Wiedergabefunktion beschränkt (Z. 28 ff.)
  • Vor lauter Reproduktionswahn vergessen die Menschen ihre soziale Teilnahmefähigkeit und ziehen das Mitteilen dem Erleben vor (These wieder aufgegriffen)
  • Weiter vermutet Emcke, dass Sokolov deshalb Studio-Aufnahmen meidet, um nicht im Netz dauerpräsent zu sein
  • Ihre Argumentation stützt Emcke mit Zitaten von Dirigent Daniel Barenboim, der sagt, die meisten Menschen könnten nicht mehr Zuhören, sondern nur noch Hören, also ohne Nachdenken und Konzentration (Z. 40 ff.)
  • Emcke definiert daraufhin: „Zuhören impliziert die Bereitschaft, sich auf die Gedanken, die Interpretation, die Perspektive eines anderen einzulassen“ (Z. 49-50)
  • Laut ihrer Argumentation leben wir in einer Zeit, in der die Gesellschaft zersplittert und jeder nur darauf bedacht ist, seine eigene Meinung möglichst laut kundzutun und andere Menschen dagegen nicht ernst nimmt
  • Emcke postuliert, dass die Möglichkeit des gemeinsamen Erlebens einer gemeinsamen Welt ausgehölt wurden (Z. 56-57)
  • Nach dieser Argumentation berichtet die Autorin von einem zweiten, lobenswerten Erlebnis bei einem Theatertreffen, bei dem das Publikum gemeinsam konzentriert einer Präsentation ohne inszenatorische Mittel folgte
  • Die beiden genannten Erlebnisse bezeichnet Emcke als schönste Erlebnisse seit Jahren, wegen der Besonderheit, dass sie mit anderen still zuhören konnte (72-73)
  • Abschließend fordert sie: Es müsse dringend wieder mehr solcher gemeinsamen, stillen Erlebnisse geben
$\blacktriangleright$ Formale und sprachliche Merkmale
  • Der Text beginnt mit einer prägnanten und provokanten These, die als eine Art Motto vorangestellt ist (Z. 1-2)
  • Ich-Bericht: Im ersten Teil der Kolumne berichtet die Autorin eindrücklich von ihrem Erlebnis eines Klavier-Konzerts und dem aufmerksam lauschenden Publikum
  • Um den Leser miterleben zu lassen, nutzt Emcke kurze Sätze und beschreibt Details und ihre eigenen Gefühle
  • Folgerung: Im nächsten Sinnabschnitt geht Emcke auf ihre Erkenntnis ein, wie selten eine solche gemeinsame Konzentration geworden ist
  • Für bessere Verständlichkeit schreibt sie in einfachen Sätzen; um die Hektik der modernen Welt zu beschreiben, arbeitet sie mit Aufzählungen (z.B. Z. 29)
  • Ihre Erkenntnis belegt die Autorin mit dem Verhalten von Sokolov und Zitaten
  • Im nächsten Abschnitt definiert sie Zuhören
  • Nach diesem sachlichen Abschnitt folgt einer zweiten Situationsschilderung
  • Am Schluss zieht sie ein persönliches Fazit und endet mit einer knappen, eindeutigen Forderung
Kritische Auseinandersetzung
$\blacktriangleright$ Carolin Emckes Position in Bezug auf neue Medien
  • Emcke kritisiert, dass Handys, Tablets und Digitalkameras immer und überall für Unterbrechung und Ablenkung sorgen
  • Sie bedauert den Kopierrausch und Wiedergabewahn, den neue Medien ausgelöst haben - die Menschen würden nur noch Selfies machen, fotografieren, zitieren und mitteilen
  • Die Schnelligkeit neuer Medien würde die Menschen unter Druck setzen, sich so schnell wie möglich mitzuteilen, wodurch das gemeinsame Erleben in den Hintergrund trete
  • Laut Emcke zählt in der modernen Welt nur noch, möglichst laut und ohne Scheu die eigene Meinung und Überzeugung mit der Welt zu teilen
  • Anhand ihrer beiden Erlebnisberichten macht sie deutlich, dass auch Abende ohne neue Medien schön, unterhaltsam und lehrreich sein können; dass es ohne die neuen Medien genau genommen sogar noch besser ist
$\blacktriangleright$ Eigene Kenntnisse und Erfahrungen
  • Ohne neue Medien aus dem Haus zu gehen, ist für die meisten Menschen undenkbar geworden
  • Vor allem die jüngeren Generationen blicken beinahen süchtig immer wieder auf ihr Smartphone oder Tablet, egal wo sie gerade sind, ob im Kino, beim Autofahren, beim Treffen mit Freunden oder in der Schule
  • Es herrscht durch Massenger-Dienste wie WhatsApp oder Status-Funktionen eine Art Mitteilungszwang
  • Durch Foto-basierte Apps wie Snapchat oder instagram werden Schnappschüsse und Selfies immer wichtiger
  • Gleichzeitig gibt es eine immer bedeutsamer werdende Bewegung, sich bewusst Auszeiten von neuen Medien zu nehmen
  • In einigen Fällen sorgen neue Medien aber auch für ein gesteigertes Erleben, anstatt es zu stören, z.B. bei TV-Shows mit Second Screen wie Quizduell oder Achterbahnfahrten mit VR-Brille
$\blacktriangleright$ Kritische Auseinandersetzung
  • Zustimmend: Neue Medien sorgen für Unterbrechung und Ablenkung, weil ein Wiedergabewahn herrscht; überall im Alltag beobachtbar, wo Menschen ständig am Smartphone sind oder Fotos machen; Apps wie Snapchat, Instagram, WhatsApp boomen; selbst banale Dinge wie das Essen werden gepostet; sinnlose Videos, die in sozialen Netzwerken geteilt werden
  • Zustimmend: Das Erleben im sozialen Umfeld leidet durch die Schnelligkeit der Medien; eher auf sozialen Netzwerken unterwegs als im echten Leben; vor lauter „Verpflichtungen“ durch neue Medien weniger Zeit für Treffen mit Freunden; bei Events, Konzerten oder Reisen mehr mit dem Handy beschäftigt als mit der Situation, um sich schnell genug mitzuteilen
  • Ablehnend: Nicht immer wird das Erleben durch neue Medien in den Hintergrund gedrängt; Second Screen oder VR-Brillen können das Erleben sogar unterstützen; durch Live-Videos kann man z.B. Freunde an einem Konzert teilhaben lassen, die nicht kommen konnten; immer mehr Menschen verzichten bei Restaurantbesuchen oder Spaziergängen ganz bewusst auf neue Medien
  • Zustimmend: Es geht durch neue Medien nur noch um die Profilierung jedes Einzelnen; jeder prahlt über Status-Meldungen oder Fotos oder Live-Videos mit seinem Wissen oder seinem Erlebten; Kommunikation, die nur auf Selbstdarstellen ausgelegt ist anstatt auf Kommunikation, ein Gespräch über das Erlebte kommt selten zustande

Schluss

Am Schluss solltest du ein abschließendes Fazit ziehen und knapp zusammenfassen, zu welchem Ergebnis du bei deiner Analyse gekommen bist. Greife die interessantesten Argumente noch einmal auf, um Emckes Position zu bewerten. Achte aber darauf, nicht wieder ausschweifend zu argumentieren. Außerdem kannst du im Schlussteil auch deine eigene Meinung zu dem Text und dem Thema neue Medien anbringen.
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