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Die Art und Weise, wie Menschen Sport treiben, hat sich mit der Zeit verändert, in der Stadt ebenso
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Auf den ersten Blick mutet es an wie ein Abenteuerspielplatz, auf den zweiten wie ein Abklatsch des
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berühmten Muscle-Beach in Santa Monica. Der Trimm-dich-Parcours in den Münchner Isarauen ist
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gut besucht. Vor manchem Gerät stehen die Freizeitsportler sogar Schlange. Besonders beliebt: Die
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Klimmzugstange. Klimmzüge mit Aufschwung eignen sich bestens dafür – am besten mit freiem
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Oberkörper – die persönlichen Erfolge des Trainingssommers zur Schau zu stellen. Freeletics nennt
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sich diese Fitnessvariante mit turnerischen Elementen – der Trend der Stunde.
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Das Treiben auf dem Trimm-dich-Platz ist beispielhaft dafür, wie wir heute Sport machen – und
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dafür, wie sich das Sporttreiben in den letzten 70 Jahren entwickelt hat. Auf Klimmzugstange und
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Bauchmuskelbank tropft der Schweiß der Freizeitathleten und zeigt den Eifer nach mehr
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Leistungsfähigkeit, danach sich selbst zu optimieren. Die Trainingsflächen unter freiem Himmel
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stehen aber auch für mehr Unabhängigkeit, größere Freiheit und stellvertretend für eine nie da
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gewesene Vielfalt an Möglichkeiten. Das Ergebnis: Menschen treiben Sport individueller und häufig
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jenseits von Vereinen.
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Ist der Vereinssport, der noch in den Fünfziger- und Sechzigerjahren das Monopol auf Leibes-
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übungen innehatte, ein Auslaufmodell? Thomas Kern ist Geschäftsführer des Bayerischen Landes-
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Sportverbands (BLSV). Dieser vertritt die Interessen der mehr als 12 000 bayerischen Sportvereine
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und ihrer 4,4 Millionen Mitglieder. „Die Welt des Sports hat sich so verändert, wie die Gesellschaft
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auch“, sagt Kern. „Sportvereine müssen heute damit zurechtkommen, dass junge Menschen flexibel
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sein wollen und müssen.“ Eine Herausforderung sei das, vor allem in der Stadt. Im urbanen Raum
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sind Hobbyathleten weniger stark organisiert als auf dem Land, wo 35 bis 40 Prozent der Bürger
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Mitglied in einem Sportverein sind. In der Stadt sind es nur 20 bis 25 Prozent. Die Menschen in
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Bayerns Städten machen dabei nicht weniger Sport, im Gegenteil. Aber mehr für sich allein, so wie
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auf dem Trimm-dich-Platz.
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Als der Sportwissenschaftler Walter Hägele, wie die Süddeutsche Zeitung übrigens auch, Jahrgang
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1945, zur Schule ging, hieß der Sportunterricht Turnstunde. „In den Nachkriegsjahren ging es um
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Disziplin, Ordnung, Drill“, erinnert er sich. „Die individuelle Leistung hat gar nicht gezählt.“ Und für
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Frauen gab es, bis auf ans Turnen gekoppelte Gymnastikgruppen, so gut wie keine Angebote im
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Heute, sagt Hägele, sei die Sportwelt nicht nur komplexer – mehr Sportarten, mehr Anbieter –,
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sondern auch einsamer. Das will der BLSV so allerdings nicht stehen lassen. Der Verband hält die
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Zahl der Sportvereine im Freistaat dagegen. Diese ist so hoch wie nie zuvor. Beim BLSV heißt es,
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neue Sportarten führten mitunter sogar zu neuen Vereinsgründungen, etwa beim Nordic Walking.
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Aber Geschäftsführer Kern gibt auch zu, dass viele Vereine ums Überleben kämpfen. Das hat in den
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strukturschwachen Gebieten des Freistaates mit der Demografie zu tun. Aber auch mit einem
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Phänomen, das Sportwissenschaftler Hägele „Entsportlichung des Sports“ nennt: Die Menschen
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verlieren zunehmend die Lust an verbandlich organisiertem Wettkampfsport.
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Davon bleibt auch die Sportberichterstattung im Lokalteil der SZ nicht unberührt. Der Sport hat sich
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ausgebreitet, findet heute nicht nur in den Tabellen und Spielberichten statt, sondern immer häufiger
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auch in Reportagen über neue Sporttrends.
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Walter Hägele hat alle Trends der vergangenen sieben Dekaden beobachtet, einige auch selbst
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mitgemacht. "Die Trends kamen immer aus den Städten, dann erst in die Fläche", sagt er. Neue
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Mannschaftssportarten waren selten darunter. Ob die Trimm-dich-Kampagne des Deutschen
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Sportbundes aus den Siebzigern, ob Jane Fonda, die in engem Polyester-Dress Aerobic populär
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machte und den Fitnessstudio-Boom der Achtzigerjahre mitauslöste, ob Skateboarding,
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Inlineskaten, Parkour oder Freeletics - all diese Trends entstanden in Großstädten und
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individualisierten den Sport.