Block I – Deutschland – Demografischer Wandel als gesellschaftliche Herausforderung
Beschreibe die vorliegenden Altersstrukturdiagramme und die daraus ableitbaren demografischen Entwicklungen. (M 1, M 2, Atlas).
Leite aus dem Vergleich der Altersstruktur des Landeskreises Ludwigslust-Parchim mit denen Deutschlands ökonomische, soziale, gesellschaftliche und infrastrukturelle Herausforderungen für den Landkreis Ludwigslust-Parchim ab (M 3, M 4, M 5, Atlas).
Entwickle auf Basis deiner bisherigen Erkenntnisse unter Verwendung der Szenariotechnik begründete Handlungsempfehlungen für die zukünftige Entwicklung des Raumes Ludwigslust-Parchim.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M 1 – Bevölkerung Deutschlands nach Altersjahren und Familienstand

* Angaben in Prozent
Quelle: Fiedler, Sulak: Bevölkerungsdiagramme für Deutschland, In: Geographische Rundschau, 1|2 – 2023, S. 36.
M 2 – Bevölkerung Deutschlands nach Erwerbsbeteiligung

* Angaben in Prozent
Quelle: Fiedler, Sulak: Bevölkerungsdiagramme für Deutschland, In: Geographische Rundschau, 1|2 – 2023, S. 39.
M 3 – Altersstrukturen im Landkreis Ludwigslust-Parchim (31.12.2020)1

1 Zu den sozialpolitischen Maßnahmen der DDR in den 1970er Jahren zählten u. a. die Verlängerung des Schwangerschaftsurlaubs auf 18 Wochen, Sonderrechte für alleinstehende Mütter und kinderreiche Familien bei der Vergabe von Wohnraum und Krippenplätzen sowie die Einführung eines zinslosen Ehekredits in Höhe von 5000 Mark für Paare unter 26 Jahren. Die Rückzahlung konnte durch die Geburt von Kindern reduziert werden. Bei drei Kindern wurde die Rückzahlung vom Staat in voller Höhe erlassen.
Quelle: Schulentwicklungsplan 2022/23 – 2026/27 Landkreis Ludwigslust – Parchim, S. 16.
M 4 – Entwicklung der Altersstruktur im Landkreis Ludwigslust-Parchim
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Jahr |
0 - unter 15 Jahre |
25 - unter 35 Jahre |
67 Jahre und älter |
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2017 |
12,74 % |
10,69 % |
19,90 % |
|
2020 |
13,09 % |
9,12 % |
21,57 % |
|
20252 |
13,43 % |
7,04 % |
24,78 % |
|
2030 |
13,01 % |
7,22 % |
28,93 % |
|
2035 |
12,45 % |
7,16 % |
31,52 % |
2 ab 2021 Prognose der Altersstruktur
Quelle. Schulentwicklungsplan 2022/23 – 2026/27 Landkreis Ludwigslust – Parchim, S. 14.
M 5 – Geburtenzahlen im Landkreis Ludwigslust-Parchim3
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Jahr |
1990 |
1995 |
2000 |
2005 |
2010 |
2015 |
2019 |
2020 |
2021 |
2025 |
2030 |
2035 |
2040 |
|
Lebendgeborene |
2.997 |
1.314 |
1.849 |
1.659 |
1.707 |
1.666 |
1.660 |
1.616 |
1.579 |
1.448 |
1.399 |
1.459 |
1.611 |
|
Gestorbene |
3.046 |
2.694 |
2.477 |
2.401 |
2.480 |
2.702 |
2.782 |
2.845 |
- |
- |
- |
- |
- |
3 ab 2021 Prognose der Lebendgeborenen
Quelle: Schulentwicklungsplan 2022/23 – 2026/27 Landkreis Ludwigslust – Parchim, S. 1
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Beschreibung der Altersstruktur und demografischen Entwicklung in Deutschland
Einordnung des Raumes und der Materialien
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Deutschland lässt sich als dicht besiedelter und hoch entwickelter Industriestaat im Zentrum des europäischen Kontinents verorten. Es grenzt im Norden an die Nordsee sowie die Ostsee und besitzt dadurch Anschluss an strategisch wichtige europäische Seehandelsräume. Zu den Nachbarstaaten zählen Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Durch seine zentrale Lage in Europa ist es eng in europäische Verkehrs-, Wirtschafts- und Migrationsräume eingebunden. (Atlas)
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Demografische Entwicklungen wie Alterung, sinkende Geburtenzahlen oder Veränderungen von Familien- und Erwerbsstrukturen haben deshalb nicht nur nationale Bedeutung, sondern stehen zugleich im Zusammenhang mit übergeordneten Entwicklungen in Europas.
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Die vorliegenden Diagramme stellen den Altersaufbau sowie die Geschlechterverteilung der Bevölkerung für die Jahre 1991 und 2021 in absoluten Zahlen dar. Ergänzend wird in M 1 nach dem Familienstand und in M 2 nach der Erwerbsbeteiligung differenziert. (M1, M2)
Grundaufbau der Altersstruktur Deutschlands 2021
-
Die Altersstruktur Deutschlands im Jahr 2021 lässt sich insgesamt der Grundform der „Urne“ zuordnen. Diese Grundform ist typisch für hoch entwickelte Industriestaaten mit niedrigen Geburtenraten, hoher Lebenserwartung und einer alternden Bevölkerung. (M1, M2)
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Die unteren Altersgruppen sind im Vergleich zu den mittleren und älteren Jahrgängen deutlich schmaler ausgeprägt. Dies belegt, dass seit längerer Zeit zu wenige Kinder geboren werden, um die älteren Generationen zahlenmäßig zu ersetzen. (M1, M2)
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In den hohen Altersgruppen der 75- bis 90-Jährigen ist ein signifikanter Frauenüberschuss festzustellen, der auf die höhere Lebenserwartung von Frauen zurückzuführen ist. (M1, M2)
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In den älteren Jahrgängen ist ein deutlicher Geburtenausfall am Ende des Zweiten Weltkriegs als historischer Einschnitt erkennbar. In dieser Zeit gingen die Geburtenzahlen kriegsbedingt deutlich zurück, was sich bis heute in der Altersstruktur abzeichnet. (M1)
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Ein weiterer markanter Einschnitt zeigt sich im sogenannten „Pillenknick“. Seit den 1960er Jahren führte die zunehmende Verbreitung moderner Verhütungsmittel sowie ein allgemeiner gesellschaftlicher Wandel zu sinkenden Geburtenzahlen. Dies zeigt sich in einer Verengung bestimmter Jahrgänge der nachfolgenden Bevölkerungskohorten. (M1)
Demografische Entwicklung von 1991 bis 2021
Entwicklung der Altersstruktur
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Im Vergleich zu 1991 zeigt sich im Jahr 2021 eine deutlich ältere Bevölkerungsstruktur. Die oberen Bereiche der Diagramme sind breiter geworden, während die jüngeren Altersgruppen weiterhin vergleichsweise schmal bleiben. Dies weist auf eine fortschreitende Alterung der Gesellschaft hin. (M1, M2)
-
Der Anteil der über 65-Jährigen ist signifikant gewachsen. Vor allem die höheren Altersgruppen nehmen im Jahr 2021 wesentlich mehr Raum ein als noch 1991. Dies ist Ausdruck einer steigenden Lebenserwartung und zugleich Folge der schwachen jüngeren Jahrgänge. (M1, M2)
-
Auch innerhalb der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter verschiebt sich der Schwerpunkt nach oben: Die Altersgruppen zwischen 50 und 65 Jahren sind 2021 stärker besetzt als die Gruppen zwischen 20 und 40 Jahren. Damit altert nicht nur die Gesamtbevölkerung, sondern auch das das Arbeitskräftepotenzial. (M1, M2)
-
Die Altersgruppen unter 20 Jahren sind 2021 nach wie vor deutlich schwächer ausgeprägt als viele mittlere und ältere Jahrgänge. Zwar lässt sich in den jüngeren Jahrgängen teilweise eine gewisse Stabilisierung auf niedrigem Niveau erkennen, insgesamt bleibt ihr Anteil jedoch zu gering, um den langfristigen Alterungsprozess auszugleichen. (M1, M2)
Entwicklung des Familienstandes
-
1991 dominiert vor allem im mittleren Erwachsenenalter der Familienstand verheiratet. Besonders bei älteren Frauen ist zudem der Anteil Verwitweter hoch. Dies verweist auf klassische Familienstrukturen sowie auf den bereits damals vorhandenen Frauenüberschuss in hohen Altersgruppen. (M1)
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Im Jahr 2021 ist der Anteil Lediger in fast allen Altersgruppen höher als 1991. Gleichzeitig nimmt der Anteil Geschiedener sichtbar zu, während der Anteil verwitweter Frauen im Vergleich etwas zurückgeht. Insgesamt zeigt sich damit eine größere Vielfalt der Lebensformen und Familienmodelle. (M1)
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Diese Entwicklung deutet auf einen gesellschaftlichen Wandel hin. Klassische Ehe- und Familienmodelle verlieren an Dominanz, während individuelle Lebensentwürfe, spätere Eheschließungen sowie andere Formen des Zusammenlebens an Bedeutung gewinnen. (M1)
Entwicklung der Erwerbsbeteiligung
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Die Erwerbsbeteiligung der Männer bleibt zwischen 1991 und 2021 insgesamt auf hohem Niveau. Vollzeitarbeit prägt weiterhin vor allem die männlichen mittleren Altersgruppen, auch wenn sich in den Diagrammen gewisse Verschiebungen innerhalb der Altersklassen erkennen lassen. (M2)
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Die Erwerbstätigkeit der Frauen ist 2021 deutlich höher als 1991. Besonders auffällig ist der starke Anstieg der Teilzeitbeschäftigung. Dies spricht dafür, dass Frauen heute deutlich stärker in das Erwerbsleben eingebunden sind, auch wenn sich ihre Erwerbsbeteiligung häufig in Teilzeitformen ausdrückt. (M2)
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In den jüngeren Altersgruppen setzt die Erwerbstätigkeit 2021 später ein als 1991. Dies lässt auf längere Schul-, Ausbildungs- und Studienzeiten schließen. Der Eintritt in das Erwerbsleben verschiebt sich damit tendenziell nach hinten. (M2)
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Gleichzeitig arbeiten Menschen 2021 häufiger bis in höhere Altersstufen hinein als noch 1991. Dies weist auf eine verlängerte Erwerbsphase hin, die unter anderem mit einem höheren Renteneintrittsalter, besseren gesundheitlichen Voraussetzungen und veränderten Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt zusammenhängen kann. (M2)
Schlussfolgerungen für zukünftige Bevölkerungsentwicklung
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Zunehmende Überalterung
Aus beiden Diagrammen lässt sich klar ableiten, dass Deutschland zunehmend überaltert. Der Anteil älterer Menschen wächst, während junge Jahrgänge vergleichsweise klein bleiben. Damit wird sich der demografische Alterungsprozess auch künftig fortsetzen, sofern sich die Geburtenentwicklung nicht grundlegend verändert. (M1, M2)
-
Abnehmende Zahl von Personen im Erwerbsalter
Langfristig wird die Zahl der Menschen im Erwerbsalter tendenziell abnehmen, da schwächere junge Jahrgänge in den Arbeitsmarkt nachrücken, während gleichzeitig starke ältere Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Dadurch drohen Engpässe auf dem Arbeitsmarkt und eine stärkere Belastung der sozialen Sicherungssysteme. (M2)
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Abnehmende Zahl von Kindern und Jugendlichen
Auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen bleibt aufgrund der schmalen jüngeren Altersgruppen vergleichsweise gering. Daraus ergeben sich langfristige Folgen für Kindertagesstätten, Schulen, Ausbildungsstrukturen und die zukünftige Fachkräftesicherung. Dabei ist weniger von einem abrupten Rückgang als vielmehr von anhaltend schwach besetzten Nachwuchsjahrgängen auszugehen. (M1, M2)
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Höherer Frauenanteil im hohen Alter
Im hohen Alter wird der Anteil der Frauen weiterhin überdurchschnittlich hoch bleiben. Dies ist insbesondere für Pflege, Gesundheitsversorgung, Wohnen im Alter und soziale Betreuung von Bedeutung, da hochaltrige Frauen besonders häufig von Verwitwung, Einpersonenhaushalten und erhöhtem Unterstützungsbedarf betroffen sind.s (M1, M2)
Fazit
Im Vergleich von 1991 zu 2021 wird deutlich, dass sich die Altersstruktur Deutschlands spürbar verändert hat. Die Bevölkerung ist insgesamt älter geworden: Vor allem die oberen Altersgruppen sind breiter ausgeprägt, während die jungen Jahrgänge weiterhin vergleichsweise schmal bleiben. Dadurch hat sich die typische Urnenform der Altersstruktur weiter verstärkt. Darüber hinaus zeigen die Materialien, dass sich nicht nur die Altersverteilung, sondern auch gesellschaftliche Strukturen gewandelt haben. Der Anteil Lediger und Geschiedener ist gestiegen, während die Ehe an Bedeutung verloren hat. Zugleich ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen deutlich höher als 1991. Insgesamt verdeutlichen die Diagramme damit einen fortschreitenden demografischen und gesellschaftlichen Wandel, aus dem langfristige Herausforderungen für Arbeitsmarkt, soziale Sicherung, Pflege und Daseinsvorsorge entstehen.
Vergleich der Altersstruktur von Deutschland und Ludwigslust-Parchim
Einordnung der Grundform
-
Die Altersstruktur des Landkreises Ludwigslust-Parchim ist insgesamt als Pilzform einzuordnen. Diese Form steht für eine deutlich sinkende Geburtenrate, eine weit fortgeschrittene Überalterung, einen starken Bevölkerungsrückgang sowie einen deutlichen Rückgang der Personen im erwerbsfähigen Alter. Damit weicht der Landkreis in seiner demografischen Zuspitzung deutlich vom gesamtdeutschen Durchschnitt ab. (M3)
Gemeinsamkeiten der demografischen Grundstruktur
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Sowohl Deutschland insgesamt als auch der Landkreis Ludwigslust-Parchim sind deutlich vom demografischen Wandel geprägt. In beiden Altersstrukturen sind die jüngeren Jahrgänge schwächer besetzt als viele mittlere und ältere Altersgruppen. Das weist auf seit längerer Zeit niedrige Geburtenzahlen hin und zeigt, dass in beiden Räumen zu wenige junge Menschen nachrücken. (M3)
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Sowohl in Deutschland als auch im Landkreis Ludwigslust-Parchim ist eine fortschreitende Alterung der Bevölkerung erkennbar. Die höheren Altersgruppen nehmen in beiden Altersstrukturen vergleichsweise viel Raum ein, sodass der Anteil älterer Menschen in beiden Fällen hoch ist. Damit stehen beide Räume vor den typischen Folgen einer alternden Gesellschaft. (M3)
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In beiden Altersstrukturen ist ein Einschnitt erkennbar, der auf den Geburtenrückgang gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zurückgeführt werden kann. Ebenso zeigt sich in beiden Fällen der sogenannte Pillenknick, also der seit den 1960er Jahren einsetzende Rückgang der Geburtenzahlen. Daran zeigt sich, dass der Landkreis grundsätzlich an den allgemeinen demografischen Entwicklungen Deutschlands teilhat. (M3)
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Außerdem weisen sowohl Deutschland als auch der Landkreis in den hohen Altersgruppen einen Frauenüberschuss auf. Dieser lässt sich vor allem mit der höheren Lebenserwartung von Frauen erklären. Dadurch sind Frauen im hohen und sehr hohen Alter in beiden Räumen deutlich stärker vertreten als Männer. (M3)
Unterschiede im Vergleich zu Deutschland
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Im Unterschied zu Deutschland insgesamt ist die demografische Entwicklung im Landkreis Ludwigslust-Parchim deutlich stärker zugespitzt. Während Deutschland insgesamt eine Urnenform mit alternder Bevölkerung zeigt, ist die Altersstruktur des Landkreises eher als Pilzform einzuordnen. Diese weist auf eine besonders starke Überalterung, einen deutlichen Bevölkerungsrückgang und eine besonders schwache Besetzung jüngerer Jahrgänge hin. (M3)
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Im Landkreis ist der Anteil der etwa 50- bis 65-Jährigen besonders hoch. Damit besteht ein erheblicher Teil des Erwerbspersonenpotenzials aus älteren Jahrgängen, die in absehbarer Zeit aus dem Arbeitsleben ausscheiden werden. Diese Problematik ist zwar auch in Deutschland vorhanden, tritt im Landkreis jedoch deutlich verschärft auf. (M3)
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Die Altersgruppen unter 30 Jahren sind im Landkreis Ludwigslust-Parchim deutlich schwächer besetzt als in Deutschland insgesamt. Dadurch steht dem Landkreis ein deutlich geringeres junges Arbeitskräftepotenzial zur Verfügung. Zugleich fehlen genau jene Jahrgänge, die für Ausbildung, Familiengründung und eine langfristige demografische Stabilisierung besonders wichtig sind. (M3, M4)
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Ein wesentlicher Unterschied besteht im ausgeprägten Wendeknick des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Dieser ist auf den starken Geburtenrückgang und die Abwanderung nach 1990 im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung zurückzuführen. Ein derart markanter Einschnitt ist in der gesamtdeutschen Altersstruktur in dieser Form nicht zu erkennen. Damit zeigt sich die spezifische Prägung des Landkreises durch ostdeutsche Transformationsprozesse. (M3)
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Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass sich im Landkreis bei den unter 50-Jährigen ein deutlicher Männerüberschuss zeigt. Dies lässt sich vor allem durch die selektive Abwanderung von Frauen im gebärfähigen Alter erklären. In der gesamtdeutschen Altersstruktur tritt ein solcher regional deutlich ausgeprägter Männerüberschuss in den jüngeren und mittleren Altersgruppen nicht in vergleichbarer Form hervor. (M3)
Statistische Zuspitzung der Entwicklung
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Der Anteil der 67-Jährigen und Älteren steigt von 19,90 % im Jahr 2017 auf 21,57 % im Jahr 2020 und laut Prognose auf 31,52 % im Jahr 2035. Die Alterung der Bevölkerung wird sich also in den kommenden Jahren weiter deutlich verschärfen. (M4)
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Gleichzeitig sinkt der Anteil der 25- bis unter 35-Jährigen von 10,69 % im Jahr 2017 auf 7,16 % im Jahr 2035. Gerade die für Familiengründung und Arbeitsmarkt besonders wichtigen Jahrgänge werden also deutlich kleiner. (M4)
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Die Geburtenzahlen gehen langfristig stark zurück: von 2.997 Lebendgeborenen im Jahr 1990 auf 1.616 im Jahr 2020. Für 2025 werden sogar nur noch 1.448 Geburten prognostiziert. Dadurch fehlt eine wesentliche Grundlage für eine demografische Stabilisierung des Landkreises. (M5)
Abgeleitete Herausforderungen für den Landkreis Ludwigslust-Parchim
Ökonomische Herausforderungen
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Gewinn qualifizierter Arbeitskräfte
Unternehmen werden zunehmend Schwierigkeiten haben, ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte zu finden, weil junge Jahrgänge schwach besetzt sind und zugleich viele ältere Erwerbstätige in naher Zukunft aus dem Berufsleben ausscheiden.
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Sicherung von Unternehmensnachfolgen
Mit dem Ausscheiden älterer Erwerbstätiger wird es auch schwieriger, Betriebe an Nachfolgerinnen und Nachfolger zu übergeben. Besonders kleine und mittlere Unternehmen im ländlichen Raum sind hiervon betroffen.
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Rückgang von Steuereinnahmen und Kaufkraft
Eine schrumpfende und alternde Bevölkerung kann zu einer sinkenden Kaufkraft führen. In der Folge drohen auch geringere kommunale Steuereinnahmen und eingeschränkte finanzielle Handlungsspielräume.
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Hohe bzw. steigende Verwaltungskosten
Trotz sinkender Bevölkerungszahlen müssen viele Verwaltungsstrukturen weiterhin erhalten bleiben. Dadurch können die Kosten pro Einwohner stagnieren oder sogar steigen.
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Nachlassende Nachfrage von Wohneigentum
In peripheren Räumen kann die Nachfrage nach Wohneigentum zurückgehen, wenn junge Familien fehlen und die Bevölkerung insgesamt altert. Dies kann Leerstand, sinkende Immobilienwerte und geringere Investitionsbereitschaft zur Folge haben.
Soziale Herausforderungen
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Anpassung der medizinischen und sozialen Infrastruktur
Der Landkreis muss seine Daseinsvorsorge an eine alternde Bevölkerung anpassen. Dies betrifft insbesondere Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen, soziale Dienste, aber auch Kitas und Schulen.
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Gewinnung von Arbeitskräften im Gesundheits- und Sozialbereich
Gerade in medizinischen und sozialen Einrichtungen steigt der Personalbedarf, während gleichzeitig immer weniger junge Fachkräfte zur Verfügung stehen. Dadurch drohen Versorgungsengpässe.
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Abbau bzw. Anpassung von Kita- und Schulkapazitäten
Aufgrund sinkender Kinderzahlen kann es notwendig werden, Kitas und Schulen zusammenzulegen oder Kapazitäten abzubauen. Dies kann die Versorgung im ländlichen Raum verschlechtern und Wege verlängern.
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Gefahr der Vereinsamung im Alter
Der steigende Anteil älterer Menschen erhöht die Gefahr sozialer Isolation. Vor allem hochaltrige Menschen sind in besonderem Maße auf soziale Kontakte, Betreuung und Unterstützung angewiesen.
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Sicherung der Grundversorgung
Auch bei Bevölkerungsrückgang muss die Grundversorgung mit medizinischen, sozialen und alltäglichen Angeboten erreichbar bleiben. Gerade im ländlichen Raum stellt dies den Landkreis vor erhebliche Herausforderungen.
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Erhalt von Feuerwehren, Sportvereinen und sozialen Treffpunkten
Wenn weniger Menschen vor Ort leben, geraten auch Vereine, Feuerwehren und andere soziale Einrichtungen unter Druck. Dadurch droht ein Verlust an gesellschaftlichem Zusammenhalt und lokalem Gemeinschaftsleben.
Infrastrukturelle Herausforderungen
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Erhalt kommunaler Strukturen im ländlichen Raum
Es wird zunehmend schwieriger, Verwaltung, Versorgung und kommunale Einrichtungen in dünn besiedelten Räumen dauerhaft aufrechtzuerhalten.
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Sicherung der Mobilität
Lange Wege und geringe Bevölkerungsdichten erschweren die Erreichbarkeit zentraler Einrichtungen. Gerade ältere Menschen sind daher auf funktionierende Mobilitätsangebote in besonderem Maße angewiesen.
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Gefährdung von Bahn- und ÖPNV-Angeboten
Bei sinkender Nachfrage können Bahnstrecken oder ÖPNV-Verbindungen ausgedünnt oder ganz eingestellt werden. Dadurch verschlechtert sich die Erreichbarkeit vieler Orte zusätzlich.
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Anpassung von Schulstandorten
Allgemeinbildende und berufsbildende Schulstandorte müssen an die sinkenden Schülerzahlen angepasst werden. Dies kann zu längeren Schulwegen, Standortkonzentrationen oder Schulschließungen führen.
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Zunehmende Entsiedlung von Dörfern
In einzelnen Teilräumen kann es zu Entsiedlung und Leerstand kommen. Dann stellt sich die Frage nach Nachnutzung, Umgestaltung oder gegebenenfalls auch dem Rückbau von Gebäuden und Flächen.
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Erhalt der Infrastruktur der Daseinsvorsorge
Straßen, Leitungen, Verwaltungsgebäude und Versorgungseinrichtungen müssen trotz sinkender Einwohnerzahlen weiter unterhalten werden. Dies ist finanziell und organisatorisch zunehmend belastend.
Gesellschaftliche Herausforderungen
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Geringere politische Partizipation junger Generationen
Wenn junge Menschen zahlenmäßig schwach vertreten sind oder weiter abwandern, sinkt ihr Einfluss auf politische Entscheidungen. Dadurch können die Interessen älterer Bevölkerungsgruppen stärker dominieren.
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Halten und Qualifizieren des vorhandenen Arbeitskräftepotenzials
Der Landkreis muss die noch vorhandenen jungen Menschen durch gute Schulen, attraktive Ausbildungsmöglichkeiten und berufliche Perspektiven vor Ort binden und qualifizieren.
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Verhinderung weiterer Abwanderung von Schulabsolventen
Besonders problematisch ist die Abwanderung junger Menschen nach dem Schul- oder Ausbildungsabschluss. Dadurch verschärfen sich Fachkräftemangel, Alterung und Bevölkerungsrückgang zusätzlich.
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Erhalt von Familienstrukturen
Der Männerüberschuss in jüngeren Jahrgängen, die Abwanderung junger Frauen und sinkende Geburtenzahlen belasten langfristig auch Familienstrukturen und damit die soziale Stabilität des Landkreises.
Fazit
Im Vergleich zu Deutschland ist der Landkreis Ludwigslust-Parchim deutlich stärker von Überalterung, Bevölkerungsrückgang, schwachen jungen Jahrgängen und Abwanderung betroffen. Besonders die Pilzform der Altersstruktur, der ausgeprägte Wendeknick und die niedrigen Geburtenzahlen verdeutlichen die Schwere der Entwicklung. Aus dieser demografischen Entwicklung ergeben sich tiefgreifende Herausforderungen in nahezu allen Bereichen. Ökonomisch drohen Fachkräftemangel, Schwierigkeiten bei Unternehmensnachfolgen sowie sinkende Kaufkraft und Steuereinnahmen. Sozial wächst der Druck auf medizinische, pflegerische und soziale Einrichtungen, während zugleich die Gefahr von Vereinsamung im Alter steigt. Infrastrukturell wird es zunehmend schwieriger, Schulen, Verwaltung, Verkehrsanbindungen und weitere Einrichtungen der Daseinsvorsorge in der Fläche aufrechtzuerhalten. Gesellschaftlich besteht zudem das Risiko, dass junge Menschen weiter abwandern, familiäre Strukturen geschwächt werden und die Interessen jüngerer Generationen im Landkreis an Bedeutung verlieren.
Entwicklung begründeter Handlungsempfehlungen für die zukünftige Entwicklung des Raumes Ludwigslust-Parchim
Szenario A: Bevölkerungsrückgang und Alterung (Trend-Szenario)
Ziel der Raumentwicklung:
Zentrales Ziel der zukünftigen Raumentwicklung muss es sein, die Daseinsvorsorge trotz Bevölkerungsrückgang langfristig zu sichern, die Lebensqualität im ländlichen Raum zu erhalten und zugleich die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Landkreises zu stärken. Da die Materialien auf eine fortschreitende Alterung, einen wachsenden Anteil älterer Menschen und schwächer besetzte jüngere Jahrgänge hinweisen, sollte der Raum nicht nur auf Schrumpfung reagieren, sondern aktiv so angepasst werden, dass er auch künftig für Familien, ältere Menschen, Berufspendlerinnen und Berufspendler sowie Fachkräfte lebenswert und funktionsfähig bleibt.
Kurzfristige Maßnahmen
Gesundheitsversorgung und Pflege sichern
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Regionale Gesundheitszentren stärken
Die medizinische Versorgung sollte durch regionale Gesundheitszentren mit hausärztlicher Versorgung, ambulanter Pflege, therapeutischen Angeboten und geriatrischer Betreuung aufrechterhalten und gezielt ausgebaut werden. Auf diese Weise kann der steigende Versorgungsbedarf einer älter werdenden Bevölkerung besser gedeckt und die Erreichbarkeit wichtiger Leistungen auch in ländlichen Teilräumen gesichert werden.
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Anreize für Fachpersonal schaffen
Um Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte sowie weiteres medizinisches und soziales Fachpersonal zu gewinnen, sollten Landkreis und Kommunen gezielte Anreize schaffen, etwa durch Wohnraumangebote, Förderprogramme, finanzielle Zuschüsse oder Unterstützung bei Niederlassung und Familienumzug. Dadurch kann dem Fachkräftemangel in medizinischen und sozialen Berufen wirksamer entgegengewirkt werden.
Mobilität und Erreichbarkeit verbessern
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Flexible Mobilitätsangebote ausbauen
Im ländlichen Raum sind flexible Rufbus-Systeme, Bürgerbusse, On-Demand-Verkehre oder subventionierte Fahrdienste besonders wichtig, um die Erreichbarkeit von Arztpraxen, Einkaufsmöglichkeiten, Behörden und sozialen Einrichtungen zu sichern. Dies ist vor allem für ältere Menschen von großer Bedeutung, da ihre Teilhabe stark von verlässlichen Verkehrsangeboten abhängt
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Bus- und Bahnverkehr besser abstimmen
Verkehrskonzepte sollten so koordiniert werden, dass Bus- und Bahnlinien stärker aufeinander abgestimmt sind und zentrale Orte innerhalb des Landkreises weiterhin gut erreichbar bleiben. So kann Mobilität in der Fläche auch bei geringer Bevölkerungsdichte erhalten und die Anbindung peripherer Räume verbessert werden.
Gesellschaftlichen Zusammenhalt stabilisieren
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Kulturelle und soziale Treffpunkte sichern
Städte, Gemeinden und Dörfer benötigen Orte der Begegnung, etwa Dorfgemeinschaftshäuser, Vereinsräume, Mehrzweckgebäude oder kulturelle Einrichtungen. Solche Treffpunkte wirken sozialer Isolation entgegen, stärken die lokale Identifikation und tragen wesentlich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.
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Ehrenamt und Feuerwehren fördern
Das Ehrenamt ist im ländlichen Raum ein zentraler Stabilitätsfaktor. Deshalb sollten Vereine, Feuerwehren und andere Formen freiwilligen Engagements gezielt unterstützt werden, etwa durch finanzielle Förderung, Nachwuchsgewinnung, moderne Ausstattung und bessere organisatorische Rahmenbedingungen. So lässt sich lokales Gemeinschaftsleben auch unter demografischem Druck erhalten.
Verwaltung kurzfristig leistungsfähig halten
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Behörden digitalisieren
Die Erreichbarkeit von Ämtern und Behörden kann durch digitale Angebote, Online-Terminvergabe und mobile Verwaltungsdienste verbessert werden. Dies erleichtert den Zugang zu Verwaltungsleistungen und verringert zugleich den Aufwand für Bürgerinnen und Bürger in dünn besiedelten Räumen.
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Verwaltungskosten senken
Durch stärkere Kooperationen zwischen Kommunen, die Bündelung einzelner Verwaltungsaufgaben und den gezielten Einsatz digitaler Strukturen lassen sich Kosten senken und Verwaltungsabläufe an eine schrumpfende Bevölkerung anpassen. So kann die kommunale Handlungsfähigkeit trotz finanzieller Belastungen erhalten bleiben.
Langfristige Maßnahmen
Raum an eine alternde Bevölkerung anpassen
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Öffentliche Räume barrierefrei umbauen
Öffentliche Gebäude, Gehwege, Plätze, Haltestellen und Zugänge zu zentralen Einrichtungen sollten langfristig barrierefrei gestaltet werden. Dadurch wird die selbstständige Teilhabe älterer Menschen gesichert und der Raum schrittweise an die Folgen des demografischen Wandels angepasst.
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Altersgerechte Wohnformen fördern
Mehrgenerationenhäuser, betreutes Wohnen, seniorengerechte Quartiere und der altersgerechte Umbau bestehender Wohnungen sollten stärker gefördert werden. Gleichzeitig kann es in schrumpfenden Räumen sinnvoll sein, Wohnungsbestände an die veränderte Nachfrage anzupassen und Überkapazitäten gezielt zurückzubauen.
Bildungs- und Betreuungsstrukturen neu ordnen
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Kita- und Schulstandorte bündeln
Sinkende Kinderzahlen machen es notwendig, Kita- und Schulstandorte teilweise zusammenzulegen oder verschiedene Bildungsgänge an gemeinsamen Standorten zu bündeln. Dabei muss jedoch die Erreichbarkeit durch funktionierende Verkehrsangebote gesichert bleiben, damit Bildungszugänge im ländlichen Raum nicht weiter erschwert werden.
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Berufsbildung konzentrieren
Die berufsbildende Ausbildung sollte im Landkreis auf wenige leistungsfähige Standorte konzentriert werden. Ergänzend könnten Wohnheimplätze, günstige Unterbringungsmöglichkeiten oder Mobilitätszuschüsse für Berufsschülerinnen und Berufsschüler geschaffen werden, um auch aus entfernteren Teilräumen eine Teilnahme zu ermöglichen.
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Digitale und hybride Bildungsangebote ausbauen
Digitale Infrastruktur und hybride Bildungsformate können dazu beitragen, Bildungsangebote trotz großer Distanzen und geringer Teilnehmerzahlen aufrechtzuerhalten. Dadurch wird der ländliche Raum besser an moderne Lernformen angepasst und die Versorgung mit Bildungsangeboten flexibler gestaltet.
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Zusätzliche Bildungsangebote bedarfsgerecht anpassen
Auch Einrichtungen wie Kreismusikschulen, Volkshochschulen oder weitere Bildungs- und Kulturangebote sollten stärker nachfrageorientiert organisiert werden. So können Angebote erhalten werden, ohne personelle und finanzielle Ressourcen dauerhaft zu überlasten.
Digitale Infrastruktur flächendeckend ausbauen
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Breitband und Netzinfrastruktur sichern
Ein flächendeckender Ausbau von Breitband- und Mobilfunknetzen ist eine zentrale Voraussetzung für digitale Verwaltung, Homeoffice, Bildung, Telemedizin und wirtschaftliche Entwicklung. Digitale Infrastruktur gehört daher zur modernen Daseinsvorsorge und ist gerade im ländlichen Raum ein entscheidender Standortfaktor.
Maßnahmen zur Stärkung der lokalen Wirtschaft
Arbeitsplätze sichern und Fachkräfte binden
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Kleine und mittlere Unternehmen unterstützen
Kleine und mittlere Unternehmen sollten durch Förderprogramme, Beratung, digitale Modernisierung und verlässliche Rahmenbedingungen gestärkt werden, da sie einen wesentlichen Teil der regionalen Wirtschaft tragen. Auf diese Weise lassen sich Arbeitsplätze vor Ort sichern und regionale Wertschöpfung stabilisieren.
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Ungenutztes Arbeitskräftepotenzial qualifizieren
Der Landkreis sollte stärker auf Qualifizierung, Weiterbildung und Umschulung setzen, um vorhandenes, bislang nicht vollständig ausgeschöpftes Arbeitskräftepotenzial besser einzubinden. Dies ist angesichts des demografisch bedingten Fachkräftemangels besonders wichtig.
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Betriebe, Schulen und Bildungsträger vernetzen
Eine engere Zusammenarbeit zwischen heimischen Betrieben, Schulen und Bildungseinrichtungen kann jungen Menschen frühzeitig berufliche Perspektiven im Landkreis eröffnen. Dadurch lassen sich Bindungseffekte stärken und die Abwanderung von Schulabsolventinnen und Schulabsolventen verringern.
Neuansiedlungen und Zukunftsbranchen fördern
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Gewerbe, Handwerk und Start-ups anwerben
Neue Unternehmen können durch günstige Gewerbeflächen, gute Verkehrsanbindung, digitale Infrastruktur und gezielte Förderinstrumente wie Investitionshilfen oder steuerliche Entlastungen gewonnen werden. So könnte die Wirtschaftsstruktur breiter, robuster und zukunftsfähiger werden.
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Investitionen in Zukunftstechnologien ausbauen
Investitionen in Zukunftsbranchen, insbesondere in erneuerbare Energien wie Windkraft, Solarenergie oder gegebenenfalls Geothermie, bieten die Chance, neue wirtschaftliche Impulse zu setzen und den Landkreis nachhaltiger aufzustellen. Solche Projekte können Beschäftigung schaffen und die regionale Entwicklung langfristig stärken.
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Regionale und nachhaltige Landwirtschaft fördern
Die Förderung regionaler Landwirtschaft, kurzer Wertschöpfungsketten und regionaler Vermarktungsstrukturen stärkt die Wirtschaftskraft vor Ort und unterstützt zugleich nachhaltige Wirtschaftsweisen. Gerade im ländlich geprägten Raum kann dies einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung leisten.
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Naturnahen Tourismus ausbauen
Der Ausbau naturnaher touristischer Angebote kann zusätzliche Einkommen schaffen und den Landkreis als attraktiven Lebens-, Erholungs- und Freizeitraum profilieren. Davon profitieren sowohl regionale Wirtschaftskreisläufe als auch das Standortimage des Landkreises.
Öffentliche Daseinsvorsorge wirtschaftlich absichern
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Kommunale Trägerschaften prüfen
In einzelnen Bereichen der Daseinsvorsorge, etwa bei medizinischen Versorgungszentren, Mobilitätsangeboten oder Teilen der technischen Infrastruktur, kann eine stärkere kommunale oder interkommunale Trägerschaft sinnvoll sein, wenn private Anbieter sich zurückziehen. So lässt sich die Versorgung auch unter schwierigen demografischen Bedingungen absichern.
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Rolle der öffentlichen Hand kritisch abwägen
Gleichzeitig sollte sorgfältig geprüft werden, in welchen Bereichen die öffentliche Hand als Investor, Träger oder Arbeitgeber sinnvoll eingreifen sollte und wo Kooperationen mit privaten oder zivilgesellschaftlichen Akteuren tragfähiger sind. Ziel ist eine langfristig belastbare und finanzierbare Versorgungs- und Wirtschaftsstruktur.
Szenario B: Stabilisierung durch Anwerbung und Zuzug (Best-Case-Szenario)
Ziel der Raumentwicklung:
Auch wenn das Trend-Szenario angesichts der Altersstruktur, der Geburtenentwicklung und der Prognosen am wahrscheinlichsten erscheint, sollten ergänzend Maßnahmen verfolgt werden, die auf Stabilisierung durch Zuzug, Rückkehr und gezielte Anwerbung abzielen. Ziel dieses Szenarios ist es, negative demografische Entwicklungen zumindest teilweise abzumildern und dem Landkreis neue Entwicklungsimpulse zu geben.
Willkommenskultur und Integration
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Zuwanderung aktiv unterstützen
Zuwanderinnen und Zuwanderer sollten durch geeignete Wohnangebote, Sprachkurse, Integrationsprogramme, Begegnungsformate und unbürokratische Unterstützungsstrukturen gezielt gefördert werden. Dies stärkt den sozialen Zusammenhalt und kann zugleich dem Arbeitskräftemangel entgegenwirken.
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Beratungszentren für Neuankömmlinge schaffen
Informations- und Beratungsstellen können dazu beitragen, Neuankommende schneller in den Landkreis zu integrieren und ihnen Orientierung bei Wohnen, Arbeit, Bildung und Alltagsfragen zu geben. Dies erleichtert das Ankommen und erhöht die Bleibewahrscheinlichkeit.
Ausbildung und Fachkräftebindung stärken
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Schulen, Berufsschulen und Weiterbildung fördern
Gute Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten erhöhen die Attraktivität des Landkreises als Wohn- und Arbeitsstandort und verbessern zugleich die Qualifizierung der Bevölkerung. Dadurch können sowohl Einheimische gebunden als auch neue Bevölkerungsgruppen gewonnen werden.
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Kooperationen mit Hochschulen aufbauen
Partnerschaften mit Hochschulen können Praxisprojekte, duale Studienangebote, Forschungsvorhaben und Außenstandorte fördern. Dadurch lassen sich junge Erwachsene stärker an den Raum binden oder perspektivisch in den Landkreis zurückholen.
Lebensqualität gezielt erhöhen
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Attraktiven Wohnraum schaffen
Besonders für Familien und junge Berufstätige ist attraktiver, bezahlbarer und qualitativ hochwertiger Wohnraum ein wichtiger Standortfaktor. Deshalb sollte entsprechender Wohnraum gezielt geschaffen, modernisiert oder an neue Bedarfe angepasst werden.
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Freizeit- und Kulturangebote ausbauen
Ein vielseitiges Freizeit-, Sport- und Kulturangebot erhöht die Lebensqualität und kann dazu beitragen, den Landkreis als Wohnstandort stärker zu profilieren. Dies ist insbesondere für junge Familien und qualifizierte Fachkräfte bedeutsam.
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Familienfreundlichkeit stärken
Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind besonders wichtig, um junge Familien im Landkreis zu halten oder neu anzuziehen. Dazu gehören etwa verlässliche Kinderbetreuung, familienfreundliche Arbeitsbedingungen und kurze Wege zu wichtigen Einrichtungen. So kann der Raum langfristig als Lebensort für Familien, ältere Menschen und Berufspendlerinnen und Berufspendler attraktiver werden.
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Breitbandversorgung als Standortvorteil nutzen
Eine leistungsfähige und verlässliche Breitbandversorgung unterstützt Homeoffice, digitale Dienstleistungen und neue Geschäftsmodelle. Gerade für jüngere Berufstätige, Pendlerinnen und Pendler sowie Unternehmen ist dies ein entscheidender Attraktivitätsfaktor und kann Zuzug begünstigen.
Fazit
Die beiden Szenarien schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich sinnvoll. Realistisch ist auf Grundlage der Materialien vor allem ein weiterer Bevölkerungsrückgang bei gleichzeitiger Alterung der Bevölkerung. Zugleich zeigen die Szenarien aber, dass der Landkreis dieser Entwicklung nicht passiv ausgeliefert ist, sondern durch gezielte Maßnahmen in den Bereichen Daseinsvorsorge, Mobilität, Wirtschaft, Bildung, Integration und Lebensqualität aktiv gegensteuern kann. Entscheidend ist dabei ein abgestimmtes Zusammenwirken aller beteiligten Akteure, also von Kommunen, Landkreis, Wirtschaft, Bildungseinrichtungen und Zivilgesellschaft. Nur wenn sowohl Anpassungsstrategien für das wahrscheinliche Trend-Szenario als auch Entwicklungsstrategien für ein günstigeres Stabilisierungsszenario miteinander verbunden werden, lässt sich die Zukunftsfähigkeit des Raumes Ludwigslust-Parchim langfristig sichern.