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Inhaltsverzeichnis

Abi 2025

Arbeitsaufträge

1

Interpretiere Text a unter Einbeziehung von Text b.

2

Übersetze a1 (Seneca […]) bis a16 ([…] misce!).

Text a (mit vorwegnehmender Einführung):

In seinen Epistulae morales thematisiert Seneca das Thema Freundschaft.

Zu Beginn des vorliegenden Briefes weist er Lucilius darauf hin, dass dieser in seinem letzten Brief voreilig mit der Bezeichnung „Freund“ umgegangen ist. Er unterstellt ihm, lediglich eine oberflächliche, landläufige Verwendung des Begriffs „Freund“ verwendet zu haben. Im Folgenden verdeutlicht er ihm, was er unter echter Freundschaft versteht. Dazu beschreibt er wesentliche Voraussetzungen, wie man einen wahren Freund finden kann. Besonders wichtig erscheint Seneca dabei die charakterliche Prüfung eines potenziellen Freundes, bevor man eine Freundschaft eingeht. Im weiteren Verlauf konkretisiert er, dass Vertrauen einer wahren Freundschaft förderlich ist. Man soll nämlich so leben, dass man ausnahmslos jedem alles anvertrauen kann, besonders seinem Freund. Zum Schluss warnt er davor, aus Angst vor Enttäuschung einem Freund nicht zu vertrauen.

a1
Seneca Lucilio suo salutem dicit.
a2
Epistulam ad me perferendam tradidisti, ut scribis, amico tuo. Deinde admones me,
a3
ne omnia ad te pertinentia cum eo communicem, quia ne ipse quidem id facere soleas.
a4
Ita eadem epistula illum et dixisti amicum et negavisti.
a5
Itaque si proprio illo verbo quasi publico usus es et sic illum amicum vocavisti,
a6
quomodo omnes candidatos ‚bonos viros‘ dicimus, quomodo obvios viros, si nomen
a7
non succurrit, ‚dominos‘ salutamus, hac abierit.
a8
Sed si aliquem amicum existimas, cui non tantundem credis quantum tibi,
a9
vehementer erras et non satis novisti vim verae amicitiae. Tu vero omnia cum amico
a10
delibera, sed prius de amico ipso: post amicitiam credendum est, ante amicitiam
a11
iudicandum est. Isti vero praepostero officia permiscent, qui, cum amaverunt,
a12
iudicant et non amant, cum iudicaverunt.
a13
Diu cogita, an tibi in amicitiam aliquis recipiendus sit. Cum placuerit fieri, toto illum
a14
pectore admitte! Tam audaciter cum illo loquere quam tecum! Tu quidem ita vive, ut
a15
nihil tibi committas, nisi quod committere etiam inimico tuo possis! Cum amico
a16
omnes curas, omnes cogitationes tuas misce! Fidelem si putaveris, facies. Nam
a17
quidam fallere docuerunt, dum timent falli, et illi ius peccandi suspicando fecerunt.
a18
Quid est, quare ego ulla verba coram amico meo retraham? Quid est, quare me coram
a19
illo non putem solum?

Angaben zum a-Text:

a2

epistula ad me perferenda

ein Brief, der mir überbracht werden soll,

a3

ad te pertinere

dich betreffen

a4

eadem epistula

in ein und demselben Brief

a5

proprius, -a, -um

speziell

a5

publico

im allgemeinen Sinn

a7

hac abierit

dann mag dies akzeptabel sein

a11

praepostero officia permiscere

die Reihenfolge der nötigen Schritte durcheinanderbringen

a11, a12

cum (+ Indikativ)

(hier:) nachdem

a11, a12

amare

(hier:) Freundschaft schließen

a13

Cum placuerit fieri,

Sobald du diesen Entschluss gefasst hast,

a14

loquere

Imperativ Singular von loqui

a14f.

ut nihil tibi committas, nisi quod

committere etiam inimico tuo possis

dass du dir nichts zu Schulden kommen lässt, was du nicht

auch deinem Feind anvertrauen könntest

a16

miscere

teilen

a16

Fidelem si putaveris, facies.

Indem du ihn für vertrauenswürdig hältst, machst du ihn

vertrauenswürdig.

Text b

In seinem Werk De amicitia (44 v. Chr.) erörtert Cicero das Thema Freundschaft. Das Werk ist als Dialog zwischen Laelius und seinen beiden Schwiegersöhnen verfasst und spielt kurz nach dem Tod von Scipio Aemilianus, den eine sehr enge Freundschaft mit Laelius verband. Im Folgenden gibt Laelius Beobachtungen Scipios wieder und zieht daraus seine eigenen Schlüsse:

b1
Scipio klagte: „Die Menschen sind in allen Dingen sorgfältiger. Alle können sagen,
b2
wie viele Ziegen und Schafe sie haben, doch wie viele Freunde sie haben, können
b3
sie nicht sagen. Beim Erwerb jener Tiere gehen sie mit Sorgfalt vor, bei der Auswahl
b4
von Freunden sind sie jedoch nachlässig. Es fehlen ihnen sozusagen gewisse
b5
Zeichen und Merkmale, anhand derer sie beurteilen könnten, wer für eine
b6
Freundschaft geeignet ist.“
b7
Es müssen folglich gefestigte, standhafte und unerschütterliche Charaktere als
b8
Freunde ausgewählt werden. Von Menschen dieser Art gibt es nur sehr wenige.
b9
Und es ist selbstverständlich schwer, sie als solche zu beurteilen, ohne sie
b10
kennenzulernen – kennenlernen kann man sie jedoch nur, wenn man bereits mit
b11
ihnen befreundet ist. So geht die Freundschaft dem Urteil voraus und nimmt uns die
b12
Gelegenheit zum Kennenlernen.
b13
Der Weise wird also – genau wie einen Wagen – so auch den Ansturm seines
b14
Wohlwollens zurückhalten. Wie wir einen Wagen nur mit Pferden nutzen, die wir
b15
geprüft haben, so wollen wir uns auf die Freundschaft nur einlassen, nachdem wir
b16
den Charakter der Freunde in gewisser Weise auf die Probe gestellt haben.

frei übersetzt nach: Marcus Tullius Cicero, Cato der Ältere/Über das Alter – Laelius/Über die Freundschaft. Lateinisch-deutsch, hrsg. von M. Faltner, Düsseldorf/Zürich (Tusculum) 42004, S. 178f.

Bewertung der Interpretation

Die Interpretation umfasst die folgenden Fachleistungen; die Höchstzahlen und die Verteilung der BE sind festgelegt, eine Umverteilung ist unzulässig.

Bewertungstabelle zur Textanalyse: Spalten zu Textsyntax, Textsemantik, rhetorischen Mitteln und TextaufbauBewertungstabelle zur Textanalyse: Spalten zu Textsyntax, Textsemantik, rhetorischen Mitteln und Textaufbau
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