Aufgabe 2 – Wachstumsschwäche in Deutschland – Was soll die Politik tun?
Leitthema: Wachstumsschwäche in Deutschland – Was soll die Politik tun?
Die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland führt zu Forderungen an die Politik, auf diesem Feld aktiv zu werden (Knappheit und Verteilung). Während grundsätzlich unstrittig ist, dass die Politik einen Rahmen für wirtschaftliches Handeln bereitstellen muss (Ordnung und Struktur), bleibt kontrovers, wie weit der Staat in wirtschaftliche Prozesse eingreifen soll (Privatheit und Öffentlichkeit).
Charakterisiere anhand von M 2a bis M 2d Entwicklung und Zustand der Wirtschaft in Deutschland.
Vergleiche die in M 3 und M 4 dargestellten Positionen.
Erkläre den Zusammenhang zwischen staatlicher Sparpolitik und konjunktureller Entwicklung.
Bewerte die Forderung, nur noch „besonders produktive Bereiche“ (M 3, Z. 62 f.) staatlich zu fördern.
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M 2a Veränderung des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland gegenüber dem Vorjahr (in Prozent)
[Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnungen-Inlandsprodukt/BIP-Langfristig.html; Zugriff am 07.11.2024] (zu Prüfungszwecken verändert)
M 2b Inflationsrate in Deutschland (Veränderung gegenüber Vorjahresmonat in Prozent)
[Onlineauftritt der Neuen Osnabrücker Zeitung: https://www.noz.de/deutschland-welt/wirtschaft/artikel/inflation-september-2024-deutlich-unter-zwei-prozent-47804640; 30.09.2024; Zugriff am: 02.10.2024]
M 2c Arbeitslosigkeit in Deutschland im Jahresdurchschnitt
Deutschland
|
Jahr |
Arbeitslose (Anzahl) |
Arbeitslosenquote (%) |
|
2023 |
2 608 672 |
6,2 |
|
2021 |
2 613 489 |
6,3 |
|
2019 |
2 266 720 |
5,5 |
|
2017 |
2 532 837 |
6,3 |
|
2015 |
2 794 664 |
7,1 |
|
2013 |
2 950 338 |
7,7 |
|
2011 |
2 976 488 |
7,9 |
|
2009 |
3 414 992 |
9,1 |
|
2007 |
3 760 586 |
10,1 |
|
2005 |
4 860 909 |
13,0 |
[Eigene Darstellung IBBW nach Statistischem Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Konjunkturindikatoren/Lange-Reihen/Arbeitsmarkt/lrarb003ga.html; 04.01.2024; Zugriff am: 12.07.2024]
M 2d Deutschlands Platz im Ranking der globalen Wettbewerbsfähigkeit
[https://de.statista.com/infografik/30229/abschneiden-von-deutschland-im-world-competitiveness-ranking/; 18.06.2024; Zugriff am: 02.10.2024]
M 3 Johannes C. Bockenheimer: Die Ökonomin Veronika Grimm über den deutschen Wohlstand
[Bockenheimer, Johannes C.: „Die Ökonomin Veronika Grimm über den deutschen Wohlstand“; Neue Züricher Zeitung: https://www.nzz.ch/international/jahresgutachten-der-wirtschaftsweisen-deutschland-droht-wachstumsflaute-ld.1764366; 08.11.2023; Zugriff am: 12.07.2024] (zu Prüfungszwecken verändert)
M 4 Alexander Hagelüken: Wirtschaftspolitik: Eigentlich könnten wir wachsen
[Hagelüken, Alexander: „Wirtschaftspolitik: Eigentlich könnten wir wachsen“; Onlineauftritt der Süddeutschen Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/meinung/konjunktur-inflation-schuldenbremse-rezession-kommentar-1.6333280; 15.01.2024; Zugriff am: 12.07.2024]
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Entwicklung und Zustand in Deutschland lassen sich anhand von M 2a bis 2d wie folgt charakterisieren:
-
zuletzt Wachstumsschwäche (M 2a): Schrumpfung des BIP im Jahr 2023
-
sinkende Inflationsrate (M 2b): nach dem Höhepunkt im Oktober 2022 (8,8 %) Rückgang auf 1,6 % – und damit nahe dem Inflationsziel der EZB – im September 2024
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niedrige Arbeitslosenquote (M 2c): trotz leichten Anstiegs seit 2019 auf 6,2 % im Jahr 2023 anhaltend niedriger Wert (seit 2015 trotz diverser Krisen unter 7 %)
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sinkende globale Wettbewerbsfähigkeit (M 2d): im Jahr 2024 nur noch Platz 24 im globalen Ranking nach deutlich besseren Werten während der 2010er-Jahre und damit schlechtester Wert seit ca. 2005 (Rang 25)
Beide Autoren stufen die wirtschaftliche Situation Deutschlands als schwierig ein und sehen in Wohlstandsverlusten Potenzial für sozialen Sprengstoff. In der Benennung der Gründe unterscheiden sich die Verfasser. Während Grimm v. a. strukturelle Aspekte sieht (demografische Entwicklung, Investitionsstau), richtet Hagelüken seinen Blick auf die internationale Situation (Krieg in der Ukraine, Zinsentscheidung der Notenbanken). Hieraus folgen jeweils unterschiedliche Lösungsansätze: Grimm fordert eine Erhöhung des Arbeitsvolumens (z. B. Erhöhung der Erwerbsbeteiligung, Zuwanderung) und Investitionen in den Standort durch den Staat (z. B. Bildung, digitale Infrastruktur) sowie durch die Unternehmen (z. B. Automatisierung, KI). Hagelüken richtet seine Forderungen primär an den Staat. Er setzt auf staatliche Subventionen (z. B. durch Reform der Schuldenbremse) sowie Zinssenkungen seitens der EZB.
Fazit: Zur Bewältigung der beiderseits diagnostizierten Wirtschaftskrise sehen beide Autoren den Staat in der Pflicht, gegenzusteuern und Anreize für Investitionen zu schaffen. Hagelüken spricht sich für schuldenfinanzierte direkte Subventionsmaßnahmen aus, während Grimm Maßnahmen zur Modernisierung des Wirtschaftsstandortes Deutschland präferiert und Initiative auch vonseiten der Unternehmen fordert.
Aus einer nachfragetheoretischen Perspektive könnte argumentiert werden, dass ein staatlicher Sparkurs die Konjunktur bremse. In einer Situation der Wachstumsschwäche soll der Staat antizyklisch notwendige Investitionen (z. B. Subventionen für die ökologische Transformation der Wirtschaft) finanzieren, um so mittelfristig den Konsum anzukurbeln (Spillover-Effekt) und den Wirtschaftsstandort zu stärken. Zur Finanzierung der notwendigen Investitionen könnte die Ausweitung der staatlichen Neuverschuldung (deficit spending) ein probates Mittel sein. In Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs könnte der Staat Steuermehreinnahmen zur Tilgung der Schulden einsetzen.
Zielsetzung der Maßnahme ist es, das Wachstum der Bundesrepublik zu steigern. Wenn Mittel nun verstärkt in Bereiche gelenkt werden, in denen Deutschland besonders produktiv ist, so werden diese nutzbringender eingesetzt (Effizienz). Gleichzeitig gilt es zu bedenken, dass so gerade die Bereiche, die ohnehin schon über Standortvorteile verfügen, weiter gefördert werden, während andere Bereiche endgültig den Anschluss zu verlieren drohen (Gerechtigkeit). Hierbei können gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Folgen solcher Entscheidungen berücksich-
tigt werden (z. B. Abwanderung der Bevölkerung, Verlust regionaler Wirtschaftskraft, Entwicklung strukturpolitischer Konzepte). Ebenso kann sich eine verschärfte Abhängigkeit vom Ausland ergeben, die z. B. bei der Halbleiter- oder Medikamentenproduktion gravierend sein kann (Verantwortbarkeit).