Wahlpflichtaufgaben
Wahlpflichtaufgabe I
Eine der größten Stärken von Dennis Schröder ist seine enorme Schnelligkeit, mit der er vor allem in Eins-gegen-Eins-Situationen seine Gegenspieler vor große Probleme stellt. Dabei steht ein Angreifer seinem Verteidiger gegenüber und versucht an diesem vorbeizukommen, um zum Korberfolg zu gelangen.
Analysiere vier Schnelligkeitsfähigkeiten bezüglich ihrer Relevanz für Eins-gegen-Eins-Situationen.
Nach eigener Aussage war für Dennis Schröder die Anerkennung als Führungsspieler in Deutschland eine der größten Motivationen auf dem Weg zum WM-Titel mit der Basketball-Nationalmannschaft.
[Süddeutsche Zeitung; Zugriff am 27.09.2023]
Charakterisiere die Anreizform, der die Motivation von Dennis Schröder zugeordnet werden kann. Erörtere anhand der beiden Anreizformen, inwieweit diese Voraussetzung für eine Spitzenleistung sind.
Wahlpflichtaufgabe II
Der „fade away jump shot“ beim Basketball ist ein Sprungwurf im Zurückfallen. Es beginnt damit, dass der Angreifer einen Verteidiger mit einem „harten“ Dribbeln zurückdrängt, bevor er sich von diesem wegdreht. Aus der Drehung kommend zieht er sein rechtes Bein nach oben und springt mit dem linken Bein nach hinten ab. Nach dem einbeinigen Absprung wirft er den Ball aus einer optimalen Wurfauslage Richtung Korb und landet schließlich auf dem Absprungbein.
Abbildung II 1
[https://www.wsj.com/articles/the-most-stolen-move-in-the-nba-1461536422; Zugriff am 10.04.24]
Im Funktionsphasenmodell nach Göhner werden Bewegungen in eine Hauptfunktionsphase, sowie in eine vorbereitende, eine unterstützende und eine überleitende Hilfsfunktionsphase unterteilt.
Ordne jeder der vier genannten Phasen eine im einleitenden Text beschriebene Teilbewegung des „fade away jump shots“ zu und begründe die Zuordnung.
Erläutere, wie das Prinzip der Anfangskraft genutzt werden kann, um sich einen Geschwindigkeitsvorteil bei der Drehung in den Bildern 1-4 zu verschaffen.
Erkläre mithilfe eines weiteren biomechanischen Prinzips, wie sich die Ausholbewegung des Wurfarms beim „fade away jump shot“ in Bild 6 von einem normalen Sprungwurf unterscheidet.
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Analyse der Schnelligkeitsfähigkeiten in Eins-gegen-Eins-Situationen:
1. Reaktionsschnelligkeit: Diese Fähigkeit ist von zentraler Bedeutung. In der direkten Konfrontation müssen Spieler auf visuelle Reize des Gegners (z. B. eine Wurftäuschung des Angreifers oder eine Positionsänderung des Verteidigers) innerhalb kürzester Zeit reagieren. Eine hoch ausgeprägte Reaktionsschnelligkeit ermöglicht es dem Spieler, Handlungsaktionen des Gegners frühzeitig zu beantworten und sich somit den entscheidenden zeitlichen und räumlichen Vorteil zu verschaffen.
2. Azyklische Aktionsschnelligkeit: Der azyklischen Aktionsschnelligkeit kommt eine dominierende Bedeutung zu. Das Eins-gegen-Eins ist geprägt durch eine Aneinanderreihung verschiedener Einzelbewegungen (z. B. Dribbling-Wechsel, Stoppbewegung, Sprungwurf, Blockversuch). Da diese Aktionen gegen geringe Widerstände mit maximaler Geschwindigkeit ausgeführt werden müssen und die Gesamtdauer unter 7 Sekunden bleibt, ist diese Fähigkeit leistungslimitierend für den Erfolg der Offensiv- oder Defensivaktion.
3. Zyklische Aktionsschnelligkeit: Die Relevanz dieser Fähigkeit ist als eher gering bis mittel einzustufen. Zwar treten auch zyklische Bewegungsmuster auf, bei denen eine hohe Frequenzschnelligkeit gefordert ist (z. B. schnelle Gleitschritte/Defense Slides in der Verteidigung oder die ersten Schritte beim Zug zum Korb), jedoch werden diese Phasen im Basketball ständig durch azyklische Elemente (Richtungswechsel, Abstoppen) unterbrochen. Reine zyklische Sprints über längere Distanzen sind im statischen 1-gegen-1 selten.
4. Schnelligkeitsausdauer: Für die isolierte Betrachtung einer einzelnen Eins-gegen-Eins-Situation besitzt die Schnelligkeitsausdauer eine sehr geringe Relevanz. Da die Schnelligkeitsausdauer erst bei Belastungen zwischen 7 Sekunden und 2 Minuten (anaerob-laktazider Bereich) zum Tragen kommt, spielt sie bei den extrem kurzen, explosiven Aktionen des 1-gegen-1 (meist < 7 Sekunden) keine Rolle, da hier noch kein ermüdungsbedingter Geschwindigkeitsabfall eintritt.
Charakterisierung der Anreizform: Das Streben von Dennis Schröder nach Anerkennung als Führungsspieler ist der extrinsischen Motivation zuzuordnen. Der Anreiz liegt hierbei nicht im Vollzug der Tätigkeit selbst, sondern ist als äußerer Anreiz an die Handlungsfolgen geknüpft. Es liegt eine Zweckorientierung vor: Der Sport wird betrieben, um ein bestimmtes Ziel (hier: Anerkennung durch Medien und Zuschauer, Status) zu erreichen, und nicht primär wegen des bloßen Bewegungserlebens.
Erörterung des Stellenwerts für Spitzenleistungen:
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Extrinsische Motivation (Zweckorientierung): Bei dieser Motivationsform stehen externe Faktoren wie materielle Vorteile, Fremdbewertung oder Gesundheitsaspekte im Fokus. Sie befähigt Athleten dazu, notwendige Trainingseinheiten auch dann zu absolvieren, wenn die Tätigkeit selbst als mühsam oder wenig reizvoll empfunden wird. Bewertung: Extrinsische Anreize sind keine zwingende Voraussetzung für Spitzenleistungen. Ein Athlet kann auch ohne Ruhm oder Geld erfolgreich sein. Dennoch können sie als zusätzlicher Verstärker wirken und letzte Leistungsreserven mobilisieren.
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Intrinsische Motivation (Tätigkeitsorientierung): Hierbei stimmen Handlung und Handlungsziel überein; die sportliche Aktivität wird "um ihrer selbst willen" ausgeführt. Der Anreiz resultiert aus dem positiven emotionalen Erleben (Freude an der Bewegung, Aufgehen im Tun). Bewertung: Diese Form der Motivation wird oft als hinreichende und notwendige Bedingung für absolute Spitzenleistungen angesehen. Nur wenn der innere Antrieb (z. B. Leidenschaft, Flow-Erleben) stark genug ist, ist ein Athlet bereit, dauerhaft an seine physischen und psychischen Grenzen zu gehen und die enormen Belastungen des Hochleistungssports zu tolerieren.
Wahlpflichtaufgabe II
Einordnung in das Funktionsphasenmodell nach Göhner:
1. Vorbereitende Hilfsfunktionsphase: Hierzu zählen das "harte Dribbeln", das "Zurückdrängen" des Gegners sowie das "Wegdrehen". Begründung: Diese Teilbewegungen fungieren als Einleitung. Sie dienen der Herstellung optimaler Voraussetzungen für die eigentliche Wurfaktion, indem Raum geschaffen und die korrekte Position zum Korb eingenommen wird.
2. Hauptfunktionsphase: Die Hauptfunktionsphase wird durch das "Werfen des Balls Richtung Korb" repräsentiert. Begründung: Diese Aktion stellt die Bewältigung der eigentlichen Bewegungsaufgabe dar. Durch die Streckbewegung des Wurfarms und das Abklappen des Handgelenks wird der Impuls auf den Ball übertragen (Ballverlass), was direkt zum angestrebten Korberfolg führt.
3. Unterstützende Hilfsfunktionsphase: Dieser Phase sind das "Nach-hinten-Springen" (Fade away) und das "Hochziehen des rechten Beins" zuzuordnen. Begründung: Diese Aktionen laufen funktional parallel oder direkt unterstützend zur Hauptphase ab. Das Zurückspringen dient der Absicherung des Wurfs gegen Blockversuche, während das Hochziehen des Beins die Körperhaltung in der Luft stabilisiert und somit die präzise Ausführung des Wurfs unterstützt.
4. Überleitende Hilfsfunktionsphase: Die "Landung auf dem Absprungbein" bildet den Abschluss der Bewegung. Begründung: Nachdem die Bewegungsaufgabe gelöst ist (Ball hat die Hand verlassen), muss der instabile Flugzustand beendet werden. Die Landung dient dem Abfangen des Körpers und der Wiederherstellung des statischen Gleichgewichts, um für anschließende Spielsituationen bereit zu sein.
Erläuterung: Nutzung des Prinzips der Anfangskraft Das Prinzip der Anfangskraft besagt, dass eine sportliche Zielbewegung, die eine hohe Endgeschwindigkeit erfordert, durch eine entgegengesetzt gerichtete Ausholbewegung eingeleitet werden sollte. Entscheidend ist dabei, dass die Umkehrbewegung (Amortisationsphase) flüssig in die Hauptbewegung übergeht. In der dargestellten Situation (Bilder 1–4) nutzt der Angreifer die Bewegung zum Gegner hin (Tiefgehen und Dagegenlehnen) als Ausholbewegung. Das aktive Abbremsen dieser Bewegung erzeugt einen positiven Bremskraftstoß. Die daraus resultierende Anfangskraft (durch Muskelvorspannung) addiert sich zum Beschleunigungskraftstoß der eigentlichen Drehbewegung. Dadurch kann die Drehung vom Gegner weg explosiver und schneller ausgeführt werden, was dem Angreifer den entscheidenden Zeitvorteil verschafft.
Erklärung: Unterschied der Ausholbewegung (Prinzip des optimalen Beschleunigungswegs) Der Unterschied in der Wurfauslage lässt sich mit dem Prinzip des optimalen Beschleunigungswegs erklären. Da der Spieler beim "Fade Away Jump Shot" im Gegensatz zum normalen Sprungwurf eine Rückwärtsbewegung (vom Korb weg) ausführt, muss dieser negative Impuls kompensiert werden, damit der Ball den Korb erreicht. Um die dafür notwendige höhere Abfluggeschwindigkeit des Balls zu generieren, muss der Beschleunigungsweg verlängert werden. Dies wird in Bild 6 deutlich: Der Wurfarm wird weiter nach hinten geführt als bei einem Standardwurf. Durch diesen verlängerten Weg kann die beschleunigende Kraft über eine längere Dauer auf den Ball einwirken, was den Impulsverlust durch den Rückwärtssprung ausgleicht.