Aufgabe III „Another Green World“
Aufgabe mit schriftlich-theoretischem Schwerpunkt
Aufgabenüberblick
Die schriftlich-theoretischen und die bildnerisch-praktischen Anteile durchdringen sich und stehen im Verhältnis 2 zu 1.
Mit den Mitteln der Werkerschließung bereitest du ein begründeter Interpretationsansatz vor und stellst daraufhin die Arbeit in eine Beziehung zu einem selbstgewählten Beispiel aus dem Bereich der Kunst außerhalb der Malerei.
Abb.: Nicole Eisenmann (geb. 1965): Another Green World, 2015
Daten und Informationen zum Werk
Nicole Eisenman (geb. 1965): Another Green World, 2015, Öl auf Leinwand, 325 x 269 cm; The Museum of Contemporary Art, Los Angeles
Bildnerische Annäherung
Nähere dich dem Bild an, indem du einige dir interessant erscheinende Einzelszenen, welche Beziehungen von Menschen untereinander oder zu Dingen zeigen, skizzenhaft vergrößernd auf einem Zeichenblatt zusammenstellen!
Beschreibung
Beschreibe kurz die Gesamtszenerie in ihren wesentlichen Motiven und zudem möglichst genau zwei der Einzelszenen, die du zeichnerisch festgehalten hast!
Bildnerische Analyse
Spüre der Unterschiedlichkeit der Mal- und Darstellungsweise nach! Finde mindestens zwei geeignete (Teil-) Motive und gib diese malerisch vergrößert wieder!
Schriftliche Analyse
Mal- und Darstellungsweise sowie Farbigkeit
Analysiere schriftlich zunächst die Mal- und Darstellungsweise sowie die Farbigkeit des Gemäldes! Beziehe dabei deine in Aufgabe 3 gewonnenen Erkenntnisse ein!
Bildfläche und Bildraum
Analysiere die Komposition der Linien, Achsen und Formen sowie die Räumlichkeit des Bildes! Lege dafür jeweils ein Transparentpapier im Format A3 auf die A4-Bildreproduktion und markiere die Formatgrenzen! Halte deine Erkenntnisse grafisch sowie stichpunktartig innerhalb oder neben dem markierten Bildfeld fest!
Interpretationsansätze
Entwickle mindestens zwei schlüssige Interpretationsansätze! Gehe dabei von deinen bisherigen Beobachtungen, Untersuchungen und Erkenntnissen aus und erläutert, welche Wirkungen durch die Gestaltungsmittel erzielt werden! Prüfe das beigefügte Material auf verwertbare Informationen und beziehe den Titel der Arbeit sowie die ergänzenden Erläuterungen mit ein!
Zitat
”Eisenman shows me a party scene entitled Another Green World. I proudly yell 'Eno!' and she confirms that that’s the record she was listening to for days. The title also comes from the critic Northrop Frye, who contended that, in Shakespeare’s work, the characters were always going o into the woods to find another mode of knowing or being – the green place that, in Eisenman’s sentiment, is where the poet or artist’s always gotta go.“ –
„Eisenman zeigt mir eine Partyszene mit dem Titel Another Green World. Ich rufe stolz 'Eno!' , und sie bestätigt, dass das die Platte ist, die sie seit Tagen hört. Der Titel stammt auch von dem Kritiker Northrop Frye, der behauptete, dass die Figuren in Shakespeares Werken immer in den Wald gehen, um eine andere Art des Wissens oder des Seins zu finden – ein grüner Ort, der nach Eisenmans Ansicht der Ort ist, an den ein dichterisch oder künstlerisch tätiger Mensch immer gehen muss.“
Eileen Myles (poet, writer), Frieze Week magazine, 28. April 2016, (aufgerufen am 14. März 2023)
Kontext
Kunst greift auch außerhalb der Malerei gesellschaftliche Entwicklungen auf. Stelle eine passende Arbeit vor, an der ein solcher Zusammenhang verdeutlicht werden kann!
Dein gewähltes Beispiel darf keines der in den vorliegenden Prüfungsaufgaben abgebildeten sein.
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Vergrößerte Ausschnitte aus Nicole Eisenmans Gemälde
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Papiere verschiedener Größen und Stärken bis A2
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Transparentpapiere A3
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Blei- oder Graphitstifte verschiedener Härtegrade, Bunt- und Filzstifte, Fineliner und Kugelschreiber
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Flüssigfarbe wie Gouache- oder Acrylfarbe, Wasser- oder Aquarellfarbe
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verschiedene Pinsel
Weitere Bildmaterialien
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Hier soll die Fähigkeit gezeigt werden,
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einige aussagekräftige Ausschnitte mit sinnvoll ausgewählten Einzelszenen (ggf. im Blick auf die anschließende Beschreibung) zu finden, dabei
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Bezüge zwischen Menschen und Dingen in diesem Ausschnitt aufzuzeigen,
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skizzenhaft und vergrößernd signifikante Merkmale darzustellen sowie
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geeignete zeichnerische Mittel auszuwählen und adäquat einzusetzen.
Beschreibung
Hier soll die Fähigkeit gezeigt werden,
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den bildnerischen Bestand in seiner szenischen Gesamtheit zu erfassen,
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wesentliche Details zu erkennen und strukturiert zu benennen sowie
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zwei Einzelszenen auszuwählen und möglichst genau zu beschreiben (ggf. im Blick auf die weitere Werkerschließung), z. B.
Gesamtszenerie: Die Szene mit einem Innenraum und angeschlossenem Balkon zeigt in einem monumentalen Hochformat und in großer Fülle menschliche Figuren unterschiedlichen Geschlechts und jüngeren Alters, einige Möbel und kleinere Gegenstände. Die Figuren wirken teils isoliert, teils interagieren sie und werden in unterschiedlichen Haltungen und Situationen gezeigt. Die leichte Kleidung lässt auf eine warme Temperatur und eine lockere Atmosphäre schließen (T-Shirts, ärmellose, z. T. karierte Hemden, einige Figuren sind barfuß). Sofa, Tische und Teppich deuten auf einen Wohnraum hin, die Discokugel an der Decke, die Lautsprecherbox, der Plattenspieler, die Langspielplatten und das nächtliche Ambiente auf eine Party.
Im Vordergrund ist eine Sofaecke mit niedrigem Tisch zu sehen, auf dem sich der Plattenspieler und Bier-Flaschen mit der Aufschrift „Corona“ befinden. Auf einem karierten Teppich liegen Cover von Schallplatten ungeordnet daneben. Auf dem Sofa und auf dem Boden gibt es acht Personen sitzend oder liegend, teils in sich versunken, teils in intimer Nähe, sich umarmend, küssend; eine mit entblößtem Oberkörper, die kopfüber auf der Lehne des Sofas hängt. Eine auf dem Sofa sitzende Figur hält eine Schallplatte und betrachtet sie, eine andere das zugehörige Cover. Eine auf dem Boden sitzende ist in ihr Handy vertieft. Blickkontakte gibt es nur sehr wenige.
Der Mittelgrund zeigt stehende und sitzende Figuren, auch diese teilweise in intimer Nähe, sich als Paar umarmend. Rechts verweist ein geöffneter Türflügel auf auf die Situation des Kommens und Gehens. Links befindet sich ein Esstisch, auf diesem eine Wurst- und Käseplatte, Weinflaschen und eine Blumenvase.
Im Hintergrund lehnen drei Personen an einer Balkonbrüstung außerhalb des Innenraums. Vom Balkon geht der Blick auf eine nächtliche Stadtszenerie. Eine Person im Innenraum liegt in einem Bett und ist unter einem Haufen Jacken begraben. Nur die Beine mit beschuhten Füßen sind zu sehen.
Mögliche Einzelszenen:
(1) In der linken unteren Ecke befindet sich ein Paar in eigentümlicher, aber inniger Umarmung. Eine Person mit auffälligem blauen Teint sitzt auf dem Boden und lehnt mit dem Rücken links am Sofa, beide Beine abgewinkelt, das rechte am unteren Bildrand liegend, das andere aufrecht in die Bildmitte weisend. Auch die Kleidung ist in Blautönen gehalten, das T-Shirt dunkel, die Hose etwas heller und im Jeans-Stil. Die Haare sind kurz und silbrig-weiß. Mit den Armen hält diese Figur die zweite Person, welche sich am linken Bildrand kopfüber derart nähert, dass die Münder der beiden zu einem Kuss zusammentreffen. Der Kopf der blauen Figur verdeckt die linke Brust der über dem Sofa liegenden, die dunklen Haare der Liegenden wiederum die linke Schulterpartie der sitzenden Figur. Der Teint der liegenden ist zwar sehr blass, reicht aber im Gegensatz zur blauen Figur in ihren hellen Rot- und Brauntönen etwas näher an eine natürliche Hautfarbe heran. Auffallend ist ihr im Gegensatz zum restlichen Körper stärker rot gefärbte, erhitzt wirkender Kopf. Der gesamte Oberkörper dieser Figur ist unbekleidet, die schwarze, eng anliegende Hose nicht ganz geschlossen. Ihre Unterbeine verschwinden nach unten abknickend hinter der Sofakante. Zwischen ihren Knien ist der Teil eines dunkelroten Gesichts im Profil zu erkennen, der eine comicartige Nase, ein geschlossenes linkes Auge und einen Haaransatz erkennen lässt. Die Hautfarben der beiden Figuren davor kontrastieren stark, strahlen aber nicht aufeinander ab. Die blauen Hände wirken dadurch collageartig aufgeklebt auf den rosafarbenen Armen.
(2) Um einen ovalen Tisch am linken Bildrand befinden sich vier Personen: Die vorderste ist von schräg hinten links zu sehen und windet ihren Rücken aus der Bildfläche noch etwas weiter nach links, sodass der Schultergürtel stärker verkürzt zu sehen ist als das Gesäß. Ihr Teint ist weiß mit scharf in Flächen getrennten blassgelben Schatten. Der Oberkörper ist nackt, die Hose weiß mit hellgrauen Schatten, ihre Haare ähnlich grau mit kürzerer, leicht gewellter Frisur. Entgegen der Drehrichtung des Rückens wendet diese Figur ihren Kopf einer neben ihr auf dem Sofarücken sitzenden, nach links blickenden Figur zu. Diese ist ebenfalls von schräg hinten zu sehen, hat eine ausgewaschene blaue Hose im Jeans-Stil an sowie ein stark kariertes Hemd in den Farben Orangerot, Graublau und Dunkelgrau mit den entsprechenden, durch das Weben entstehenden Mischfarben. Ihr Teint wirkt insgesamt dunkler und ist aus vielen Farben zusammengesetzt: Helles Gelb, Orange, Dunkelrot, Olivgrün, Hell-, Mittel- und Dunkelblau. Die kompakte Frisur besteht ebenfalls aus vielen Nuancen zwischen Dunkelbraun, Olivgrün, Violettrot, Blau und Dunkelgrün. Von dieser Figur ist wie bei der ersten nur der Oberkörper zu sehen und von diesem außer Rücken und Kopf nur die rechte Hand, mit der die Person einer weiteren Zigarettenfeuer reicht. Von dieser dritten Person sieht man von schräg oben eine hellbraune Basecap mit dunklem Schirm und der Aufschrift „NETS“, frontal den unteren Teil des grünen Gesichts, einen Teil einer grünen Hand, welche die Zigarette hält, sowie nur einen Teil des Oberkörpers, der vom Stoff eines Türkis gemusterten Hemdes verdeckt ist. Von der letzten Figur am Tisch ist ebenfalls nur der unbekleidete Oberkörper zu sehen, der Teint ist auffallend in feurigen Orange- und stumpfen Gelbtönen gehalten. Die Figur dreht sich aus der Bildmitte der Betrachterin / dem Betrachter zu und schneidet auf dem orangegelb gemaserten Tisch und dem braunen Schneidebrett mit einem großen Messer ein dicke Scheibe Wurst ab. Sie hat braune kürzere Haare und einen unbeteiligten Gesichtsausdruck.
Bildnerische Analyse
Hier soll die Fähigkeit gezeigt werden,
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aussagekräftige (Teil-) Motive zu finden (ggf. auch im Blick auf die anschließende schriftliche Analyse), diese vergrößernd wiederzugeben, dabei
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die jeweils vorliegende Mal- und Darstellungsweise sowie die Farbgebung zu erfassen,
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signifikante Merkmale differenziert darzustellen sowie
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geeignete malerische Mittel auszuwählen und adäquat einzusetzen.
Schriftliche Analyse
Mal- und Darstellungsweise sowie Farbigkeit
Hier soll die Fähigkeit gezeigt werden, die Ergebnisse der praktischen Analyse und weitere Beobachtungen
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zu strukturieren,
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zu verbalisieren und
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zusammenzufassen, z. B.:
Die Darstellungsweise der Figuren folgt keinem einheitlichen Muster. Es gibt an der Naturbeobachtung orientierte bis karikierend verzerrte und verfremdete Variationen mit sehr unterschiedlicher, teilweise gegenstandsferner Farbigkeit: Das Bild als Ganzes ist stark von Hell-Dunkel-Kontrasten geprägt: Es gibt dunkelblaue bis schwarze Flächen am oberen Bildrand und links unten mit einzelnen dunklen Flächenakzenten dazwischen. Im mittleren Teil gibt es hingegen stellenweise strahlend weiße Flächen. In dieser Hell-Dunkel-Verteilung sind viele verschiedene gesättigte, mitunter auch reine Farbtöne integriert (rote Hose, blaues Hemd), daneben in vielfältigen Abstufungen Blau, Gelb, Orange, Grün und viele verschiedene Hauttöne. Wie im Detail des Teppichmotivs in der unteren Bildhälfte ziehen sich starke Kalt-Warm-Kontraste über die gesamte Bildfläche. Die Malweise entspricht der restlichen Unterschiedlichkeit in der Behandlung der Bildgegenstände und der Farbigkeit: Es gibt Stellen mit deutlichen, auch stark unterschiedlichen Pinselspuren, z. B. bei der Behandlung der Textilen (Sofabezug), einigen Körperoberflächen (auf dem Sofa Sitzende und Liegende) und einigen Möbeln (Tisch mit Wurstplatte), sowie nahezu ohne Bearbeitungsspuren, z. B. bei anderen Körperoberflächen (weiße Figur mit gelben Schatten), beim Sofatisch und wiederkehrend bei einigen Kleidungsstücken (blaues Shirt rechts, blaue und rote Hosen in der Mitte). Insgesamt entsteht durch diese stark unterschiedlich Behandlung und die kleinteilige Lokalfarbigkeit eine patchworkartige Gesamtwirkung.
Bildfläche und Bildraum
Hier soll die Fähigkeit gezeigt werden, die Beobachtungen bei der Untersuchung der Bildfläche und des Bildraumes ...
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zu strukturieren und
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auf den Transparentpapieren grafisch zu visualisieren und
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stichpunktartig in Worte zu fassen
Komposition von Linien, Achsen und Formen
Räumlichkeit
Interpretationsansätze
Hier soll die Fähigkeit gezeigt werden,
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die vorangegangenen Untersuchungen an geeigneter Stelle aufzugreifen,
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die resultierenden, ggf. sich ergänzenden oder widersprüchlichen Wirkungen zu erläutern,
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das beigefügte Material, die Erläuterungen sowie den Titel auf verwertbare Aussagen hin zu untersuchen und
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daraus mindestens zwei Interpretationsansätze zu entwickeln, z. B.:
Die Gesamtwirkung ist durch die Vielzahl der Details komplex, vergleichbar einer Collage oder einem Patchwork-Teppich, auch im metaphorischen Sinne. Die Ansammlung von vielen unterschiedlich aussehenden menschlichen Figuren in einem Raum wirkt insgesamt sehr heterogen. Das liegt auch an den unterschiedlichen malerischen Darstellungsweisen, den kräftigen und stark kontrastierenden Farben sowie der perspektivischen Freiheiten bzw. dem entsprechenden Verzicht auf strenge Regeln.
Die Personen sind insgesamt eng aneinander gedrängt, wirken aber aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit nicht als Masse. Die jeweiligen Verhaltensweisen scheinen sehr zwanglos und entspannt, hinsichtlich dieser Wirkung aber möglicherweise auch stark inszeniert. Körperhaltungen und Mienenspiele lassen teils auch auf Schläfrigkeit schließen, eventuell im Übergang vom Wachsein zum Traum.
Bezug zum Titel und zum Zitat: Im Titel des Bildes wird auf das Album „Another Green World“ von Brian Eno Bezug genommen, das auch im Gemälde abgebildet ist. Sowie Eno eine „Vielzahl unkonventioneller Aufnahmetechniken und experimenteller instrumentaler Ansätze“ (vgl. Informationen) verwendet, bedient sich auch Eisenman sehr unterschiedlicher Darstellungsweisen. Die collageartige Zusammenstellung wirkt ebenfalls experimentell.
An verschiedenen Stellen im Bild tauchen bildliche Zitate aus unterschiedlichen künstlerisch-malerischen Kontexten auf. Hier ist eine Vielzahl von Anknüpfungen denkbar, z. B. erinnern einige in hellem Gelb ohne Modellierung wiedergegebene Körper an die Malerei Edvard Munchs, manche Haltungen an überzogene Posen etwa der Barockmalerei. Der Teppich bietet Bezüge zu Arbeiten Gerhard Richters, das blaue vertikale Band an der Fenstertür zu Barnett Newmans „Zip paintings“ und der Blick nach draußen auf den Balkon könnte auch ein Bild im Bild sein und erinnert an klischeehafte Filmplakate aus den 1950er Jahren. Auch die zitierten malerischen Positionen stammen teilweise aus vergangenen Zeiten. Eisenman verwendet diese Arten der Darstellung gleichberechtigt neben zum Teil ironisch wirkenden Ansätzen wie z. B. den comic-haften Händen des Paares in der Bildmitte oder den überzeichneten orangen Füßen im unteren Bildviertel.
Im Textzitat wird darauf hingewiesen, dass die Figuren in Shakespeares Werken immer in den Wald gehen, um eine andere Art des Wissens oder des Seins zu finden. Denkbar ist, dass auf der Party, zu später Stunde die Personen wie bei Shakespeare einen – traumhaften – Wandel durchleben, was möglicherweise durch die Stimmung und die Musik verursacht wird. Auch die Bildzitate unterstützen diese assoziationsreiche, auf Unterschiedlichkeit, Individualität und Veränderung zielende Gestaltung.
Ansatz 1: Die große Bandbreite der figürlichen Darstellungsweisen der Personen kann auf einen Transformationsprozess wie im Shakespeare-Zitat hinweisen, bei dem wie im Bild u. a. auch klassische Rollenbilder und Geschlechtsstereotype aufgebrochen werden. Nach Eisenmans Ansicht ist die „andere grüne Welt“ ein Ort, an den ein dichterisch oder künstlerisch tätiger Mensch immer gehen müsse (laut Zitat von Eileen Myles). Somit könnte im Bild ihre persönliche Interpretation des Shakespeare’schen Waldes, der „Green World“ zum Ausdruck gebracht worden sein.
Ansatz 2: Eisenman fokussiert mit ihrem Bild nicht auf die Party als Ganzes, sondern auf einzelne Figuren, allenfalls auf Paare. Die Gemeinschaft der Anwesenden liegt nicht im gemeinsamen Handeln, sondern im parallelen Existieren ihrer je eigenen Individualität. Jede Person im Bild ist gleich in ihrer Bedeutung im Bild, keine ist besonders herausgehoben, keine gliedert sich der Gruppe in besonderer Weise ein. Allenfalls die silhouettenhaften Figuren im Hintergrund sind durch ihre gleichartige Darstellung dieser Individualität entzogen. Lediglich die im Bild nicht hörbare Musik scheint die Figuren zusammenzuhalten. Der Bildtitel ist ebenfalls ein Hinweis auf die wichtige Rolle der Musik. Viele Figuren scheinen im Moment der Musik eine Art besonderer Gegenwärtigkeit zu erleben, sie wirken wie verlangsamt, wodurch die jeweilige Körperlichkeit besonders auffällig und zum Bildthema wird.
Kontext
Hier soll die Fähigkeit gezeigt werden, ...
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aus der Erinnerung ein geeignetes Beispiel außerhalb der Malerei auszuwählen, zu benennen und (an einer kurz gefassten Werkerschließung orientiert) vorzustellen,
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dabei zu erläutern, inwiefern gesellschaftliche Entwicklungen in Formen der Gestaltung aufgegriffen werden, und
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die entsprechende gestalterische Intention in einer sprachlich nachvollziehbaren Weise formulieren zu können z. B. anhand von Künstlerinnen und Künstlern wie z. B.:
Bernadotte & Kilberg 2017: Amazonica, 2017: Aspekt der Verantwortung im Umgang mit Ressourcen; Romuald Hazoumé: Dream, 2007: Aspekt der Gerechtigkeit in globalen oder postkolonialen Kontexten; Hans Haacke: Der Bevölkerung, 2000: Aspekt der Adressierung politischen Handelns; Rachel Whiteread: Holocaust-Denkmal Wien, 2000: Aspekt der Kultur gesellschaftlich-kollektiver Erinnerung; Valie Export und Peter Weibel: Tapp- und Tastkino, 1968: Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit; Le Corbusier: Unité d’Habitation, 1956-58: Aspekt des gesellschaftlichen Wandels der Wohnkultur im Kontext der Wohnungsnot; u.v.m.