Beispielaufgabe 1
Sportbiologie/Trainingslehre und Bewegungslehre
Psychologische, soziale und gesellschaftspolitische Bedeutung des Sports
Mehrkämpferinnen und Mehrkämpfer gelten als die Königinnen bzw. die Könige der Leichtathletik. Beim Zehnkampf der Männer müssen an zwei aufeinanderfolgenden Wettkampftagen zehn leichtathletische Disziplinen in folgender Reihenfolge absolviert werden:
Tag 1: 100-m-Lauf, Weitsprung, Kugelstoß, Hochsprung, 400-m-Lauf
Tag 2: 110-m-Hürdenlauf, Diskuswurf, Stabhochsprung, Speerwurf, 1500-m-Lauf
Stelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich der Bewegungsstruktur der Wurfdisziplinen Diskus- und Speerwurf (vgl. Abb. 1 und 2) gegenüber!
Abb. 1: Speerwurf
Quelle: verändert nach: Haberkorn, C.; Plaß, R.: Spezielle Didaktik der Sportarten. Leichtathletik 2. Sprung, Wurf, Stoß. Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt am Main 1992, S. 165.
Abb. 2: Diskuswurf
Quelle: verändert nach: Haberkorn, C.; Plaß, R.: Spezielle Didaktik der Sportarten. Leichtathletik 2. Sprung, Wurf, Stoß. Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt am Main 1992, S. 210 f..
Beschreibe drei koordinative Fähigkeiten, die für beide Wurfdisziplinen wesentlich sind, und begründe jeweils die Entscheidung!
Die zwei Wettkampftage sind für die Athleten insbesondere aus energetischer Sicht sehr kräftezehrend.
Beschreibe die unterschiedlichen energieliefernden Prozesse und ordne diese jeweils begründet einer Disziplin des Zehnkampfs zu!
Nenne und begründe vier Grundsätze für eine belastungsangepasste Ernährung eines Zehnkämpfers für den zweitägigen Wettkampf!
Die Disziplinen des Zehnkampfes unterscheiden sich in ihrem Anforderungsprofil sehr stark, woraus sich hohe Anforderungen an die Trainingsgestaltung eines Zehnkämpfers ergeben.
Beschreibe die verschiedenen Arten der motorischen Schnelligkeit und ordne diese jeweils einer Disziplin des Zehnkampfs zu! Leite hierauf aufbauend Rückschlüsse für geeignete schnelligkeitsspezifische Trainingsinhalte eines Zehnkämpfers ab!
Stelle vier Einflussgrößen auf die motorische Schnelligkeit dar!
Definiere den Begriff „sportliche Technik“ und stelle wesentliche Methoden des Techniktrainings jeweils unter Angabe einer geeigneten Disziplin aus dem Zehnkampf dar!
Erstelle zu einer selbst gewählten technischen Disziplin des Zehnkampfs eine methodische Übungsreihe!
„Der Sportverein trägt zur gesunden physischen, psychischen und sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bei.“
Quelle: https://www.dsj.de/themen/bewegung-spiel-und-sport/bildung-im-sport (zuletzt eingesehen am 21.04.2023)
Bewerte diese Aussage!
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Gegenüberstellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden hinsichtlich der Bewegungsstruktur der Wurfdisziplinen Diskus- und Speerwurf, z. B.:
Beide Bewegungen sind dreiphasige, azyklische Bewegungen, deren Ziel es ist, ein Wurfgerät bei optimalem Abwurfwinkel und entsprechender Abflughöhe auf eine möglichst hohe Abfluggeschwindigkeit zu beschleunigen.
Bewegungsstrukturelle Gemeinsamkeiten
-
in der Vorbereitungsphase: Gegenarm in Vorhalte und nahezu gestreckter Wurfarm;
-
in der Hauptphase: Abwurf aus der Wurfauslage in Schrittstellung:
-
bei Rechtswerfern linkes Bein vorne und rechtes Bein hinten;
-
Körpergewicht über dem hinteren Bein;
-
sukzessiver Einsatz der Teilkräfte, d. h. große und starke Muskelgruppen setzen zuerst ein (nacheinander Beine, Hüfte, Rumpf bzw. Schulter, dann erst Wurfarm und Hand (Sukzessivkopplung);
-
Stemmschritt mit deutlicher Gewichtsverlagerungen vom hinteren auf das vordere Bein;
-
„Block der linken Körperseite“.
-
-
in der Endphase: Abfangen der Bewegung, sodass der Abwurfbogen bzw. der Wurfkreis nicht übertreten wird, und Wiedererlangen eines stabilen Gleichgewichts.
Bewegungsstrukturelle Unterschiede
Speerwurf
-
translatorische Bewegung;
-
Wurfauslage: Oberkörperrücklage mit Schulterachse in Wurfrichtung;
-
Bogenspannung bei der Abwurfbewegung;
-
Ellbogen zieht von hinten nach vorne-oben am Kopf vorbei;
-
Schlagwurfbewegung: lineare Beschleunigung des Speers.
Diskuswurf
-
rotatorische Bewegung;
-
Wurfauslage: Schulterachse zeigt rechtwinklig zur Wurfrichtung;
-
Körperverwringung bei der Abwurfbewegung;
-
Wurfarm bleibt im Ellbogengelenk gestreckt;
-
Schleuderbewegung: stetig gekrümmter Beschleunigungsweg des Diskus.
Beschreibung dreier koordinativer Fähigkeiten, die für beide Wurfdisziplinen wesentlich sind, und Begründung der jeweiligen Entscheidung, z. B.:
-
Gleichgewichtsfähigkeit: Fähigkeit, den gesamten Körper im Gleichgewichtszustand zu halten oder während und nach umfangreichen Körperverlagerungen diesen Zustand beizubehalten oder wiederherzustellen.
Begründung: Bei beiden Bewegungen muss eine hohe Endgeschwindigkeit abrupt abgebremst und das Gleichgewicht wiedererlangt werden, um in der Endphase regelkonform (ohne Übertreten) zum stabilen Stand zu kommen.
-
Kopplungsfähigkeit: Fähigkeit, Teilkörperbewegungen der Extremitäten, des Rumpfes und des Kopfes untereinander und in Beziehung zu der auf ein bestimmtes Handlungsziel ausgerichteten Gesamtbewegung räumlich, zeitlich und dynamisch zu koordinieren.
Begründung: Bei beiden Bewegungen müssen die Teilimpulse von Drehstreckbewegung, Auflösung der Körperverwringung bzw. Bogenspannung und Nachvorneschwingen bzw. peitschenartige Bewegung des Wurfarms (zeitliche Komponente) sukzessiv gekoppelt werden und optimal zu einem Gesamtimpuls (räumliche Komponente) ausgerichtet werden.
-
Orientierungsfähigkeit: Fähigkeit zur Bestimmung und Veränderung der Lage und der Bewegungen des Körpers in Raum und Zeit, bezogen auf ein bestimmtes Aktionsfeld und/oder ein sich bewegendes Objekt.
Begründung: Beim Diskuswurf ist eine ausgeprägte Orientierungsfähigkeit beim Wurf erforderlich, damit der Diskus im richtigen Moment der Rotationsbewegung die Hand verlässt und nicht im Fangnetz landet. Beim Speerwurf geht es darum, den Abwurfpunkt so zu treffen, dass gerade nicht übertreten wird.
Beschreibung der unterschiedlichen energieliefernden Prozesse und deren jeweils begründete Zuordnung zu einer Disziplin des Zehnkampfs, z. B.:
-
anaerobe Energiebereitstellungsprozesse:
-
anaerob-alaktazid:
-
Spaltung des unmittelbar in der Muskulatur gespeicherten ATP: ATP → ADP + P + Energie (z. B. Kugelstoßen: hochintensive Belastung im Sekundenbereich);
-
Resynthese von Kreatinphosphat: KP + ADP → Kreatin + ATP (z. B. Weitsprung: ca. 40 m Anlauf, Absprung und Landung, Belastung kann nicht ausschließlich über die ATP-Speicher gedeckt werden).
-
-
anaerob-laktazid:
Glukose + ADP + P → Laktat + ATP (z. B. 400-m-Lauf: ca. 50–60 Sekunden intensive Belastung).
-
-
aerobe Energiebereitstellungsprozesse:
Glukose bzw. freie Fettsäuren + O2+ ADP + P → CO2+ H2O + ATP (z. B. 1500-m-Lauf: 4–5 Minuten Belastung).
Nennung und Begründung von vier Grundsätzen für eine belastungsangepasste Ernährung eines Zehnkämpfers für den zweitägigen Wettkampf, z. B.:
-
Einnahme der letzten größeren Mahlzeit wenigstens drei Stunden vor Beginn des Wettkampfs am jeweiligen Tag;
Begründung: Bedingt durch die Nahrungsaufnahme erfolgt eine Umverteilung einer großen Blutmenge in die Verdauungsorgane, wodurch eine relative cerebrale und muskuläre Blutarmut mit Leistungsabfall einhergeht. Die letzte Mahlzeit vor dem Wettkampf sollte daher energiereich, aber leichtverdaulich sein und bedarfsgerechte Nährstoffe enthalten.
-
Vermehrte Zufuhr von leicht verdaulichen Kohlenhydraten vor dem Wettkampf und während des Wettkampfs;
Begründung: Durch die Vielzahl an unterschiedlichen leichtathletischen Disziplinen und die Belastung über zwei Tage hinweg werden die vorhandenen Energiespeicher eines Zehnkämpfers in vielfältiger Weise beansprucht. Kohlenhydrate können durch den Organismus effizient zur Energiegewinnung genutzt werden, weswegen ihnen eine besondere Bedeutung zukommt. Zur Unterstützung der Regeneration der Glykogenspeicher im Wettkampf sollten besonders kohlenhydratreiche Nahrungsmittel mit einem hohen glykämischen Index zugeführt werden.
-
Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr während des Wettkampfs achten;
Begründung: Besonders an heißen Wettkampftagen ist der Flüssigkeitsverlust eines Zehnkämpfers deutlich erhöht (erhöhte Schweißproduktion). Mit dem Schweiß verliert der Körper auch wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente. Diese Verluste sollten über elektrolythaltige Getränke (isotonisch) ausgeglichen werden. Aufgrund der langen Dauer des Wettkampfs ist für einen Zehnkämpfer die kontinuierliche Flüssigkeitszufuhr entscheidend.
-
Eiweiße in ausreichendem Maß nach dem ersten Wettkampftag zuführen;
Begründung: Aufgrund des sportartspezifischen Anforderungsprofils eines Zehnkampfs wird auch der Eiweißstoffwechsel erhöht beansprucht. Eine leichtbekömmliche Eiweißzufuhr ist nach dem ersten Wettkampftag wichtig.
Beschreibung der verschiedenen Arten der motorischen Schnelligkeit und deren Zuordnung zu jeweils einer Disziplin des Zehnkampfs, z. B.:
-
zyklische Schnelligkeit als Art der Schnelligkeit, bei der zyklische Bewegungsformen mit maximaler Geschwindigkeit ausgeführt werden; alle Sprintdisziplinen, z. B. 100-m-Lauf;
-
azyklische Schnelligkeit als Art der Schnelligkeit, bei der ein einmaliges Bewegungsmuster maximal schnell ausgeführt werden muss; alle Würfe und Stöße, z. B. Kugelstoß;
-
Reaktionsschnelligkeit als Art der Schnelligkeit, bei der maximal schnell auf ein bestimmtes Signal reagiert werden muss; alle Sprintdisziplinen, die auf Startsignal folgen, z. B. 110-m-Hürdenlauf.
Ableitung von Rückschlüssen für geeignete schnelligkeitsspezifische Trainingsinhalte eines Zehnkämpfers, z. B.:
-
Trainingsinhalte zur Verbesserung der zyklischen Schnelligkeit, z. B.: Frequenzläufe, Tempoläufe, Bergabläufe etc.;
-
Trainingsinhalte zur Verbesserung der azyklischen Schnelligkeit, z. B. Sprungfolgen, Medizinballwürfe und -stöße etc.;
-
Trainingsinhalte zur Verbesserung der Reaktionsschnelligkeit, z. B.: Reaktionsspiele mit Wettkampfcharakter, Starttraining auch auf verschiedene Signale und aus unterschiedlichen Ausgangspositionen.
Vier Einflussgrößen auf die motorische Schnelligkeit:
-
Nervensystem: Schnelle Reizverarbeitung und -weiterleitung ermöglichen eine zügige Muskelaktivierung.
-
Muskelfaserzusammensetzung: Ein hoher Anteil schnellzuckender Muskelfasern begünstigt hohe Bewegungsgeschwindigkeiten.
-
Schnellkraft: Die Fähigkeit, in kurzer Zeit viel Kraft zu entwickeln, unterstützt explosive Bewegungen.
-
Koordination/Technik: Gut abgestimmte und automatisierte Bewegungen erhöhen die Ausführungsgeschwindigkeit.
Definition des Begriffes „sportliche Technik“, z. B.:
Unter dem Begriff „sportliche Technik“ versteht man ein in der Praxis entwickeltes Verfahren zur idealen Lösung einer Bewegungsaufgabe.
Darstellung wesentlicher Methoden des Techniktrainings jeweils unter Angabe einer geeigneten Disziplin aus dem Zehnkampf, z. B.:
-
Ganzheitsmethode: ganzheitliches Erlernen einer meist in ihrer Struktur recht einfachen Bewegung; z. B. geeignet für Sprint;
-
Zergliederungsmethode: Erlernen einer in ihrer Struktur meist komplexeren Bewegung in Teilschritten; z. B. geeignet für Stabhochsprung;
-
Induktive Methode: Lernen über Bewegungsaufgaben mit dem Ziel, eigenständig zu einer Lösung zu kommen; geeignet für wenig gefahrengeneigte Bewegungen; z. B. geeignet für Weitsprung;
-
Deduktive Methode: Lernen über Anleitung einer Lehrperson mit Hilfe methodischer Übungs- oder Spielreihen; geeignet für eher gefahrengeneigte Bewegungen; z. B. geeignet für Speerwurf;
-
Massiertes Üben: Lernmaterial wird unmittelbar aufeinander, schrittweise angeboten; z. B. geeignet für Tiefstart;
-
Mentale Methoden (bieten im Leistungsbereich noch Möglichkeiten der Technikoptimierung, z. B. durch inneres Durchgehen, Antizipieren der Bewegung).
Methodische Übungsreihe – Weitsprung (technische Disziplin des Zehnkampfs)
Der Weitsprung ist eine technische Disziplin des Zehnkampfs, bei der Anlauf, Absprung und Landung exakt aufeinander abgestimmt sein müssen. Um die Technik systematisch zu erlernen bzw. zu verbessern, eignet sich folgende methodische Übungsreihe:
-
Beinachsentraining und Absprungvorbereitung Der Athlet führt beidbeinige und einbeinige Sprungübungen auf der Stelle aus, um ein aktives Strecken des Absprungbeins und eine stabile Körperhaltung zu schulen.
-
Absprung aus dem Stand Der Absprung wird aus dem beidbeinigen Stand bzw. aus einem Schritt geübt. Dabei liegt der Fokus auf einem explosiven Abdruck und dem aktiven Einsatz von Armen und Schwungbein.
-
Kurzer Anlauf mit markiertem Absprungpunkt Der Athlet springt mit einem kurzen Anlauf (3–5 Schritte) ab. Ziel ist es, den Absprungzeitpunkt sicher zu treffen und den Bewegungsablauf zu stabilisieren.
-
Erweiterter Anlauf mit Technikfokus Der Anlauf wird schrittweise verlängert (7–9 Schritte). Der Athlet achtet auf einen rhythmischen Anlauf, einen flachen Körperschwerpunkt und einen aktiven Absprung.
-
Ganzsprung mit vollständigem Anlauf Der komplette Weitsprung mit Wettkampfanlauf wird durchgeführt. Die zuvor erarbeiteten technischen Schwerpunkte werden nun unter wettkampfnahen Bedingungen umgesetzt.
Diese methodische Übungsreihe ermöglicht einen schrittweisen Technikaufbau vom einfachen Bewegungsablauf hin zur vollständigen Wettkampfleistung und entspricht den Anforderungen der Trainingslehre im Zehnkampf.
Mögliche positive Aspekte
physisch
-
Nutzung der gesundheitsfördernden Wirkung des Sports (vgl. Salutogenesemodell);
psychisch
-
Vereinssport als Ausgleich z. B. zum Schul- und Alltagsstress;
-
Selbstwirksamkeitserfahrung;
-
Flow-Effekte;
sozial
-
Gemeinschaftsgefühl im Vereinsleben;
-
erleichterte Integration im sportlichen Miteinander;
-
Vermittlung von Werten und Normen im und durch den Sport.
Mögliche negative Aspekte
physisch
-
Sportverletzungen, Sportschäden;
psychisch
-
Gefahr des Auftretens von Angsterlebnissen und Überforderung bei zu starker Leistungsorientierung im Vereinssport;
sozial
-
Gefahr sozialer Zwänge;
-
Gefahr einer negativen Integration (z. B. Hooliganismus);
-
mitunter fragliche Vorbildfunktion, z. B. im Umgang mit Regeln (Verletzung des Fairplay-Gedankens).