Beispielaufgabe 3
Sportbiologie/Trainingslehre und Bewegungslehre
Der Block ist ein wichtiges technisches Element des Volleyballspiels.
Abb. 1: Einerblock
Quelle: verändert nach: https://www.volleyball.nrw/schulsportportal/index.php?id=297 (zuletzt eingesehen am 21.04.2023)
Analysiere die Phasenstruktur des Einerblocks (vgl. Abb. 1) und erläutere die Funktionen der charakteristischen Merkmale der einzelnen Phasen, auch unter Berücksichtigung biomechanischer Aspekte!
In der Trainingspraxis greifen Volleyballtrainerinnen bzw. Volleyballtrainer zur Ermittlung der Sprungkraft ihrer Spielerinnen bzw. Spieler häufig auf den sog. Jump-and-Reach-Test (vgl. Abb. 2) zurück.
Abb. 2: Jump-and-Reach-Test
Quelle: verändert nach: Weineck, Jürgen: Optimales Training. Leistungsphysiologische Trainingslehre unter besonderer Berücksichtigung des Kinder- und Jugendtrainings. Spitta Verlag, Balingen 2016, S. 515.
Beschreibe die Durchführung des Jump-and-Reach-Tests (vgl. Abb. 2) und begründe Maßnahmen, die zu einem aussagekräftigen und repräsentativen Testergebnis führen!
Erläutere, inwieweit der Jump-and-Reach-Test ein für die Ermittlung der Blockfähigkeit im Volleyball geeignetes Testverfahren darstellt!
Beschreibe eine zur Verbesserung der Sprungkraft geeignete Krafttrainingsmethode anhand ihrer Belastungsparameter!
Bös (1987) ordnet die motorischen Fähigkeiten wie folgt ein (vgl. Abb. 3):
Abb. 3: Motorische Fähigkeiten
(Bös, K.: Motorische Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. In: Schmidt, W., Hartmann-Tews, I, Brettschneider, W. D. [Hrsg]: Erster deutscher Kinder- und Jugendsportbericht. Hofmann Verlag, Schorndorf, 2006, S. 87)
Erläutere die der Abb. 3 zugrundeliegende Unterscheidung der motorischen Fähigkeiten nach „energetisch determinierten Fähigkeiten“ und „informationsorientierten Fähigkeiten“!
Erläutere anhand geeigneter sportpraktischer Beispiele drei der in Abb. 3 dargestellten „Dimensionen der allgemeinen motorischen Leistungsfähigkeit“ sowie deren jeweilige Abhängigkeit von den „Motorischen Grundeigenschaften“!
Die Beweglichkeit nimmt in Abb. 3 unter dem Aspekt „Passive Systeme der Energieübertragung“ eine Sonderrolle ein. Nach Bös gehören zu den passiven Systemen der Energieübertragung Knochen, Knorpel, Bänder und Muskeln.
Beschreibe den anatomischen Aufbau einer der genannten Strukturen der Wahl!
Beschreibe zwei für die Sportart Volleyball geeignete Dehnmethoden! Nenne sechs für die Sportart Volleyball wichtige Muskelgruppen, die dabei gedehnt werden sollten, und begründe die Auswahl!
Auch in der Sportart Volleyball werden in der Vorbereitungsphase wichtige Grundlagen für die nächste Saison gelegt.
Erläutere zwei Methoden zur Verbesserung der aeroben Ausdauer anhand geeigneter Trainingsinhalte! Gib dabei die jeweiligen Belastungskomponenten an und nenne jeweils zwei beabsichtigte physiologische Adaptationen des Herz-Kreislauf-Systems!
Beschreibe zwei geeignete methodische Vorgehensweisen zum Erlernen des Angriffsschlags im Volleyball!
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Analyse der Phasenstruktur des Einerblocks und Erläuterung der Funktionen der charakteristischen Merkmale der einzelnen Phasen, auch unter Berücksichtigung biomechanischer Aspekte, z. B.:
Es liegt eine azyklische Bewegung vor, die in drei Phasen gegliedert ist.
Vorbereitungsphase (Schaffung optimaler Voraussetzungen für die Hauptphase):
-
Ausrichtung der eigenen Position am Netz an der gegnerischen Angriffsposition, um einen möglichst großen Blockschatten zu erzeugen;
-
Grundstellung mit leichter Beugung in den Sprung-, Knie- und Hüftgelenken, um bewegungsbereit zu sein;
-
Abstand vom Netz ca. eine Unterarmlänge und Hände auf Kopfhöhe, um bei der Armbewegung nach oben das Netz nicht zu berühren;
-
dynamisches Absenken des Körperschwerpunkts, um den Beschleunigungsweg für die Absprungbewegung und damit die Sprunghöhe zu vergrößern.
Hauptphase (Realisierung des eigentlichen Bewegungsziels):
-
zeitlich direkt an die Ausholbewegung anschließender beidbeiniger Absprung durch explosive Streckung in den Sprung-, Knie- und Hüftgelenken, um nach dem Prinzip der maximalen Anfangskraft einen möglichst großen Kraftstoß für eine maximale Sprunghöhe zu erzeugen;
-
Absprung erfolgt senkrecht nach oben, um eine Netzberührung im Sprung und ein Übertreten bei der Landung zu vermeiden;
-
Ganzkörperstreckung mit Bewegung der Hände über das Netz in Richtung des Balles, um den Ball zu blocken. Diese Bewegung wird nach dem Prinzip der Gegenwirkung durch eine leichte Ausgleichsbewegung der gestreckten Beine nach vorne ermöglicht (C-Position);
-
Zum Block des Balles sind die Finger gespreizt, wobei das Ausrichten der Handflächen so erfolgt, dass die Blockfläche möglichst groß wird und der Ball möglichst direkt nach unten in das gegnerische Feld zurückprallt. Dazu wird die Handmuskulatur stark angespannt und es werden die Hände im Moment des Blocks aktiv nach vorne geführt, um eine starke Dämpfung der Ballgeschwindigkeit zu vermeiden.
Endphase (Erreichen eines sicheren Gleichgewichtszustandes und Wiedererlangen einer spielbereiten Position):
-
Rückführung der Arme, um eine Netzberührung zu vermeiden; beidbeinige Landung mit Abfangen der Sprungenergie durch Beugung in den Sprung-, Knie- und Hüftgelenken, um sicher zu landen und schnell wieder bereit für die folgende Spielaktion zu sein.
Beschreibung der Durchführung des Jump-and-Reach-Tests, z. B.:
-
Es wird bei jeder Spielerin bzw. jedem Spieler zunächst die individuelle Reichhöhe im Stand gemessen;
-
Dazu steht die Spielerin bzw. der Spieler seitlich direkt an der Wand und greift so hoch wie möglich; die Fußsohlen berühren den Boden;
-
Die Spielerin bzw. der Spieler springt ohne Anlauf aus dem Stand so hoch wie möglich und berührt die Wand im höchsten Punkt seines Sprunges mit den Fingerspitzen des nach oben gestreckten Arms; die Höhe des Berührpunkts wird gemessen;
-
Die Differenz der Werte aus Höhe des Berührpunkts und Reichhöhe ergeben die individuelle Sprunghöhe als Maß für die Sprungkraft.
Begründung von Maßnahmen, die zu einem aussagekräftigen und repräsentativen Testergebnis führen, z. B.:
-
Sicherstellung der Erfassung der tatsächlichen Sprunghöhe, z. B. durch standardisierte Erfassung des Berührpunktes mittels Videos oder mit Kreide markierter Finger. Ablesefehler können so bestmöglich ausgeschlossen werden. (Objektivität)
-
Standardisierte Testdurchführung anhand der Beschreibung, um den Einfluss von Faktoren wie z. B. Counter-Movement-Sprüngen oder Anlaufbewegungen auf die Messwerte auszuschließen. (Validität)
-
Standardisierte Abnahme mehrerer Versuche, um die Ermittlung falscher Werte – z. B. durch einen missglückten Sprung oder schlechtes Timing (kein Berühren im höchsten Punkt) – möglichst auszuschließen. Dadurch sollen bei einer zeitnahen Wiederholung des Tests die Werte sehr nahe beieinander liegen. (Reliabilität)
Erläuterung, inwieweit der Jump-and-Reach-Test ein für die Ermittlung der Blockfähigkeit im Volleyball geeignetes Testverfahren darstellt, z. B.:
Pro:
-
Blockfähigkeit abhängig von Sprungkraft; die Sprungkraftfähigkeit wird durch die Darstellung der Differenz der gemessenen Werte im Testergebnis abgebildet;
-
große Bewegungsähnlichkeit.
Contra:
-
Die Reichhöhe im Sprung, bedingt auch durch die Körpergröße als wichtige Leistungsvoraussetzung des Blockenden, ist nicht primäres Ziel des Tests, sondern lediglich Nebenprodukt;
-
Technische und koordinative Elemente, die die Blockfähigkeit wesentlich beeinflussen (z. B. Positionierung, Timing), werden nicht erfasst.
Beschreibung einer für die Verbesserung der Sprungkraft geeigneten Krafttrainingsmethode, z. B. Methode der maximalen Krafteinsätze, anhand ihrer Belastungsparameter Reizintensität, -dauer, -umfang, -dichte, -häufigkeit, -komplexität.
Erläuterung der der Abb. 3 zugrundeliegenden Unterscheidung der motorischen Fähigkeiten nach „energetisch determinierten Fähigkeiten“ und „informationsorientierten Fähigkeiten“, z. B.:
Energetisch determinierte Fähigkeiten sind
-
die Ausdauer, da sie von der anaeroben und aeroben Energiebereitstellung in der Muskulatur abhängt,
-
die Kraft, da die Arbeitsfähigkeit der Muskelfasern von der Verfügbarkeit von ATP abhängt, und
-
die Schnelligkeit, da das schnellstmögliche Überwinden von Widerständen von der Kraft und damit auch von der Verfügbarkeit von ATP abhängt.
Informationsorientierte Fähigkeiten sind
-
die Koordination, da sie von der Informationsaufnahme über die Analysatoren und der Informationsverarbeitung abhängt, und
-
die Schnelligkeit, da sie zumeist auf der schnellstmöglichen Aufnahme und Verarbeitung von Signalen basiert.
Die Schnelligkeit nimmt dabei eine Sonderrolle ein, da sie sowohl eine energetisch determinierte als auch eine informationsorientierte Komponente besitzt.
Erläuterung dreier der in Abb. 3 dargestellten „Dimensionen der allgemeinen motorischen Leistungsfähigkeit“ sowie deren jeweilige Abhängigkeit von den „Motorischen Grundeigenschaften“ anhand geeigneter sportpraktischer Beispiele, z. B.:
Kraftausdauer:
-
hängt von der Kraft ab: je mehr Kraft zur Verfügung steht, desto leichter und daher auch länger kann eine bestimmte Last bewegt oder gehalten werden, z. B. kann beim Sportklettern das eigene Körpergewicht länger gehalten werden, je höher die maximale Haltekraft ist;
-
hängt von der Ausdauer ab: mit erhöhten Energiespeichern und optimierten aeroben und anaeroben Energiebereitstellungsprozessen kann ein höheres Kraftniveau über einen längeren Zeitraum gehalten werden, z. B. beim Rudern.
Schnellkraft:
-
hängt von der Kraft ab: je höher die absolute Kraft, desto schneller kann ein bestimmtes Gewicht bewegt werden, z. B. die Kugel beim Kugelstoßen;
-
hängt von der Schnelligkeit ab: je besser das Nerv-Muskel-Zusammenspiel ist, desto schneller kann ein bestimmtes Gewicht bewegt werden, z. B. der eigene Körper beim Hochsprung.
Reaktionsschnelligkeit:
-
hängt von der Schnelligkeit des Nerv-Muskel-Zusammenspiels ab, auf einen Reiz hin zielgerichtet zu reagieren, z. B. ist die Reaktionsschnelligkeit im aufgewärmten Zustand verbessert.
-
hängt von der koordinativen Fähigkeit ab, die Bewegung so abzustimmen, dass diese zielgerichtet und schnell erfolgt, z. B. hängt ein erfolgreicher Rebound im Basketball von der Reaktionsschnelligkeit und der Orientierungsfähigkeit ab, um den Ball im höchsten Punkt des Sprunges zu fangen.
Beschreibung des anatomischen Aufbaus einer der genannten Strukturen aus Knochen, Knorpeln, Bändern und Muskeln.
Ergänzende Hinweise:
Der Fachlehrplan Sport des LehrplanPLUS beschränkt sich im Lernbereich 1.2 „Sportbiologische Grundlagen: Bewegungsapparat“ auf grundlegende anatomische Strukturen des aktiven und passiven Bewegungsapparats sowie die Physiologie der Muskelkontraktion. Die vorliegende Aufgabenstellung berücksichtigt diese Beschränkung auf grundlegende anatomische Strukturen und ermöglicht zugleich eine individuelle Schwerpunktsetzung in der Bearbeitung mit einer Auswahlmöglichkeit für Schülerinnen und Schüler.
Beschreibung zweier für die Sportart Volleyball geeigneter Dehnmethoden, z. B. aktiv-dynamisches Dehnen vor einem Volleyballspiel und z. B. Stretching danach.
Nennung von sechs für die Sportart Volleyball wichtigen Muskelgruppen, die dabei gedehnt werden sollten, und Begründung der Auswahl, z. B.:
-
Wadenmuskulatur (bei allen Sprüngen beteiligt);
-
Oberschenkelvorderseite (bei allen Sprüngen beteiligt);
-
Oberschenkelrückseite (bei allen Laufbewegungen beteiligt);
-
Rückenmuskulatur (Unterstützung der Ausholbewegung beim Angriffsschlag);
-
Bauchmuskulatur (Unterstützung der Schlagbewegung im Angriffsschlag);
-
Schultermuskulatur (bei allen Überkopfbewegungen der Arme beteiligt).
Erläuterung zweier Methoden zur Verbesserung der aeroben Ausdauer (z. B. Dauermethode, extensive Intervallmethode) anhand geeigneter Trainingsinhalte (z. B. Dauerlauf und Tempowechselläufe mit lohnender Pause) unter Angabe der Belastungskomponenten und Nennung jeweils zweier beabsichtigter physiologischer Adaptationen des Herz-Kreislauf-Systems.
Beschreibung zweier geeigneter methodischer Vorgehensweisen zum Erlernen des Angriffsschlags im Volleyball, z. B.:
-
Bewegung wird in Teilbewegungen zergliedert und diese werden zunächst isoliert geübt, z. B. zuerst isoliert Anlaufrhythmus einüben, isolierte Einübung der Schlagbewegung;
-
Das koordinative Anforderungsniveau wird anfangs reduziert und im Verlauf des Übungsprozesses erhöht, z. B. wird zunächst der über Netzhöhe gehaltene, danach der von unten angeworfene und zuletzt der gestellte Ball geschlagen.