Aufgabe 1 – Leben und Energie
Herbizide
Hinweis: Von den vier vorliegenden Aufgaben musst du in der Prüfung drei auswählen und bearbeiten.
Gegen Pflanzen, die in Konkurrenz zu Nutzpflanzen oder Zierpflanzen stehen, werden oft Herbizide eingesetzt. Diese greifen auf verschiedenste Weise in den Stoffwechsel von Pflanzen ein.
Erläutere jeweils drei Angepasstheiten der Blätter von Oleander und Weißer Seerose an den jeweiligen Standort der Pflanzen (M 1).
Stelle eine Hypothese auf, welche der beiden Pflanzenarten eine größere Widerstandskraft gegenüber wasserlöslichen Blattherbiziden aufweist (M 1).
Werte Abb. 2 aus (M 2).
Erkläre die Wirkung von Tembotrion auf das Wachstum von Wildkräutern (M 2).
Leite aus Abb. 3 eine wirkungsvolle Behandlungsmethode ab, um einen langfristigen Erfolg bei der Bekämpfung von Wildkräutern mit Tembotrion zu erzielen (M 2).
Skizziere das energetische Modell der Primärreaktion der Fotosynthese.
Erläutere die molekularen Ursachen der verhinderten ATP-Bildung in Chloroplasten unter dem Einfluss von DCMU und deren Folgen für die Bildung von Glucose (M 3).
Formuliere ein Pro-Argument und ein Kontra-Argument zum Einsatz von Herbiziden in der Landwirtschaft (M 4).
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M1 Aufnahme von Herbiziden über Pflanzenorgane
Herbizide können grundsätzlich über unterschiedliche Pflanzenorgane aufgenommen werden. Dementsprechend nennt man über die Wurzel aufgenommene Herbizide Wurzelherbizide. Über die Blätter aufgenommene Herbizide nennt man Blattherbizide. Aufgrund der am natürlichen Standort vorherrschenden Umweltbedingungen weisen Pflanzen Angepasstheiten von Pflanzenorganen auf, die die Aufnahme von Herbiziden begünstigen oder erschweren können (Tab. 1).
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Pflanzenart |
Oleander |
Weiße Seerose |
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Blattquerschnitt |
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Abb. 1: Blattquerschnitte von Oleander und Weißer Seerose |
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Standortbedingungen |
Pflanze des südlichen Mittelmeerraumes auf sonnigen, mineralstoffreichen Sandböden in frostfreien Gebieten |
Wasserpflanzen mit Schwimmblättern, v. a. in kühlen, mineralstoffarmen Gewässern höherer Lagen |
Tab. 1: Angepasstheiten der Blätter von Oleander und Weißer Seerose an ihren Standort
M2 Wirkung von Tembotrion
Viele Landwirte setzen Tembotrion als Herbizid ein. Der Einsatz von Tembotrion wirkt auf Wildkräuter, ohne Kulturpflanzen zu schädigen. In einer Versuchsreihe wurden einige Blätter eines Wildkrauts mit Tembotrion behandelt, andere hingegen nicht (Kontrolle). Dann wurden ihre Blattfarbstoffe extrahiert, getrennt und auf lichtdurchlässige Trägerplatten aufgetragen. Die Auswirkungen der Bestrahlung mit künstlichem Licht (Versuch 1) und mit Sonnenlicht (Versuch 2) wurden untersucht (Abb. 2):

Abb. 2: Pigmentgehalt von Blättern eines Wildkrauts ohne und mit Tembotrionbehandlung und anschließender Belichtung
In einer weiteren Versuchsreihe (Abb. 3) wurde Bermudagras-Pflanzen, stellvertretend für ein Wildkraut, der Wirkstoff Tembotrion an Tag 0 verabreicht, während eine Kontrollgruppe unbehandelt blieb. An Tag 2 erfolgte die erste Messung:

Abb. 3: Chlorophyllgehalt von Bermudagras-Blättern ohne und mit Tembotrionbehandlung
(Ahrens, 2013; Brosnan, 2011)
M3 Wirkung von DCMU
DCMU ist ein Herbizid, das über die Wurzeln der Pflanzen aufgenommen wird und auf die Primärreaktionen der Fotosynthese einwirkt (Abb. 4). Es beeinflusst den Elektronentransport von Fotosystem II auf Fotosystem I.

Abb. 4: Schematische Darstellung von Thylakoiden ohne und mit Einwirkung von DCMU
(Böger, 1983; Stingaciu et al., 2019)
M4 Pestizideinsatz in Deutschland
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Konventioneller Anbau |
Ökologischer Landbau |
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|---|---|---|
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Ackerfläche in Deutschland |
90 % |
10 % |
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Getreideertrag von 2010-2020 |
durchschnittlich bei 7 Tonnen pro Hektar |
durchschnittlich bei 3,5 Tonnen pro Hektar |
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Umsatzerlös aus Getreideanbau von 2010-2020 |
ca. 3450 € pro Hektar |
ca. 2060 € pro Hektar |
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Pestizideinsatz 2019 |
35 000 Tonnen |
Anwendung von Pestiziden auf wenige zugelassene Substanzen mit geringem Gefährdungspotenzial beschränkt |
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Davon Herbizide |
49 % |
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Zugelassene Pestizidwirkstoffe 2019 in Deutschland, Folgen des Einsatzes |
280 Wirkstoffe, Abbau der Stoffe unvollständig → Anreicherung im Trinkwasser → Anreicherung in Nahrungsmitteln |
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DCMU, selektives, effektives Herbizid im z. B. Getreideanbau, Wein- und Obstbau |
stark Gewässer gefährdend, im Verdacht Krebs auszulösen, in Deutschland verboten, in anderen EU-Ländern noch zugelassen |
Tab. 2: Konventioneller Landbau versus Ökolandbau
(Zinke, 2019; Heinrich-Böll-Stiftung, 2022)
Argumentieren bei einem Entscheidungskonflikt
Bei einem Entscheidungskonflikt werden Pro- und Kontra-Argumente gesammelt. Jedes einzelne Argument soll dabei drei Teile umfassen:
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Es enthält eine normative Aussage bzw. Werteaussage, d. h. eine Aussage, die sich auf einen Wert oder ein Bewertungskriterium bezieht (z. B. „Für die Erhaltung der Gesundheit sollte alles getan werden.“; zugrundeliegender Wert: „Gesundheit“).
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Die Werteaussage wird mit einer deskriptiven Aussage (Sachinformation bzw. Sachaussage; z. B. „Tägliche Bewegung fördert die Gesundheit.“) verknüpft.
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Aus dieser Verknüpfung ergibt sich dann eine Schlussfolgerung, d. h. entweder „pro“, weil der Wert erfüllt wird oder „kontra“, weil er verletzt wird.
Folgende Werte und Bewertungskriterien werden beim Argumentieren häufig verwendet:

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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Angepasstheiten von Oleander und Weißer Seerose:
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Oleander:
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wirksamer Verdunstungsschutz durch eingesenkte Spaltöffnungen mit Haaren
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dicke Cuticula oben und zusätzliche Cuticula unten als Transpirationsschutz
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mehrschichtige Epidermis als Transpirationsschutz
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Weiße Seerose:
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bei Schwimmblättern Spaltöffnungen nur auf der Blattoberseite für eine effektive Transpiration
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kein wirksamer Verdunstungsschutz notwendig, sodass eine dünne Cuticula ausreicht
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luftgefüllte Interzellularen unterstützen den Auftrieb des Blattes
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Vermutung über die Widerstandskraft gegenüber Blattherbiziden:
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Der Oleander hat eine größere Widerstandskraft gegenüber Blattherbiziden als die Weiße Seerose.
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Dicke, hydrophobe Cuticula auf der oberen und unteren Blattseite → Abweisen wasserlöslicher Herbizide → Eindringen der Blattherbizide verhindert → Schädigung erschwert
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Auswertung von Abb. 2:
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Die Verwendung von Tembotrion führt zu einem niedrigeren Carotinoidgehalt
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Bei künstlichem Licht bleibt unter Einfluss von Tembotrion der Chlorophyllgehalt unverändert, da künstliches Licht keine UV-Strahlung enthält und der niedrige Carotinoidgehalt ohne Wirkung auf den Chlorophyllgehalt bleibt
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Bei Sonnenlicht kann unter Einfluss von Tembotrion die UV-Strahlung nicht mehr von den Carotinoiden reflektiert werden, sodass diese das Chlorophyll teilweise zerstört und zu einem niedrigeren Chlorophyllgehalt führt
Wirkung von Tembotrion auf das Wachstum von Wildkräutern:
Abbau von Chlorophyll → geringere Fotosyntheserate → verringerte Bildung von Assimilaten → geringeres Wachstum
Behandlungsmethode:
Von Tag 7 an nimmt der Chlorophyllgehalt zunächst nur leicht zu, ab Tag 15 erfolgt eine schnelle Zunahme, sodass bereits an Tag 30 weitgehend der Ausgangswert des Chlorophyllgehalts der Kontrollgruppe ohne Tembotrionbehandlung wieder erreicht ist. Um einen langfristigen Behandlungserfolg zu erzielen, muss das Herbizid nach wenigen Wochen erneut angewendet werden.
Grafische Darstellung des energetischen Modells:

Molekulare Ursachen der verhinderten ATP-Bildung in Chloroplasten und deren Folgen für die Bildung von Glucose:
Blockierter Elektronentransport zwischen FS II und FS I → Transport von Protonen durch Thylakoidmembran nicht möglich → Aufbau eines Protonengradienten nicht möglich → Bildung von ATP verhindert; fehlt im Calvinzyklus → Bildung von Glucose nicht möglich
Pro-Argumentation:
Deskriptiv: Einsatz von Herbiziden erhöht den landwirtschaftlichen Ertrag, Ertragssicherung ist wichtig für Vermeidung von Hunger
Normativ: Für die Sicherstellung der Ernährung des Menschen muss alles getan werden.
Schlussfolgerung: Der Einsatz von Herbiziden ist gerechtfertigt.
Kontra-Argumentation:
Deskriptiv: Bei Herbizideinsatz kommt es zur Anreicherung gesundheitsgefährdender Stoffe in der Nahrung von Mensch und Tier.
Normativ: Die Gesundheit des Menschen ist zu schützen.
Schlussfolgerung: Herbizideinsätze sollten vermieden werden.
