Aufgabe 2 – Reich Gottes
Thema
Reich Gottes und Rechtfertigung
Aufgabenstellung
Fasse den Inhalt des Textes von Matthias Morgenroth zusammen.
Entfalte unter Berücksichtigung des Textes die christliche Rede von „Sünde“ und „Rechtfertigung“.
Setze dich mit Morgenroths Position zur Reich-Gottes-Botschaft auseinander.
Material
Der nahe Himmel
Matthias Morgenroth
Matthias Morgenroth (geboren 1972) ist Journalist und evangelischer Theologe.
Quelle: Matthias Morgenroth, Der nahe Himmel, in: Publik Forum EXTRA, 1/2013, S. 28–30, gekürzt.
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Der Gedanke „Werdet Anfänger.“ (Z. 2) ist leitend für Morgenroths Verständnis von Jesu Botschaft vom Reich Gottes. Jesus denke dieses zwar als zukünftige Wirklichkeit, es sei aber schon angebrochen. Er erzähle vom Reich Gottes in Gleichnissen und Bildern, die der Mensch selbst erschließen müsse. Das Reich Gottes sei dann präsent, wenn Menschen sich daran orientieren und das Hier und Jetzt verändern würden.
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Jesus sehe jeden Menschen von seinem über die Gegenwart hinausreichenden Potenzial her und spreche ihm entgegen seiner Selbstwahrnehmung einen unbedingten Wert zu: Der Mensch sei ein Wesen voller Möglichkeiten. Um diese auszuschöpfen, benötige es eine Umkehr, einen permanenten Neuanfang, was man schon in alttestamentlichen Erzählungen entdecken könne. Nach dunklen Erfahrungen gebe es einen neuen Anfang mit Gott.
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Die prophetische Hoffnung, dass „Gottes Zukunft größer ist als die Gegenwart“ (Z. 60), habe Jesus konsequenter weiter gedacht: Das Reich Gottes ereigne sich überall dort, wo Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, in diesem Sinne handelten.
Teilaufgabe 2
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Morgenroth betont in seinem Text, dass Jesus den Menschen nicht vorrangig als Sünder verstehe (Vgl. Z. 38), sondern ihn von seinen Möglichkeiten her denke, d. h. für ihn steht der Zuspruch Gottes gegenüber der Sündhaftigkeit des Menschen klar im Vordergrund. Dies werde u. a. am Beispiel des Zachäus deutlich. Jesus mache den „Verlorenen“ (Z. 35) die Zusage, dass sie, so wie sie sind, Gott recht seien (Vgl. Z. 36). Dies gelte unabhängig von „Kaste, Familie, Tradition […] oder […] Geschlecht“ (Z. 64). Umkehr und Neuanfang würden so möglich (Vgl. Z. 40ff.).
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Es können folgende Aspekte zur christlichen Rede von „Sünde“ erläutert werden:
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Sünde ist die Trennung bzw. Entfremdung des Menschen von Gott (Ursünde). Sie beschreibt ein gestörtes Verhältnis des Menschen zu Gott, zu sich selbst, seinen Mitmenschen und zur Schöpfung. Dieses kann sich in Tatsünden artikulieren.
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Sünde steht somit im Spannungsfeld zwischen struktureller Verstricktheit und individueller Verantwortung für das eigene Tun des Menschen.
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Nach Paulus wird der Mensch von einer Macht beherrscht, die ihn dazu bringt, gegen Gottes Willen zu verstoßen. Diese Macht bezeichnet Paulus als Sünde; sie führt von der Übertretung einzelner Gebote bis zu einem grundsätzlichen Fehlverhalten des Menschen, das gar nicht vermeidbar ist.
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Folgende Erläuterungen sind zur christlichen Rede von „Rechtfertigung“ denkbar:
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Der Mensch ist trotz seiner Fehlerhaftigkeit von Gott bedingungslos angenommen. Diese Zuwendung Gottes kann nicht verdient werden, sondern geschieht allein aus Gottes Gnade (Vgl. Lk 15,11-32).
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Für Paulus sind drei Aussagen zentral: die Kreuzigung und Auferstehung Jesu, der Glaube, der sich Gottes Gnade schenken lässt (Vgl. Röm 3,21-31), das neue Leben in Christus, das Paulus als Existenz in einem neuen Herrschaftsbereich versteht.
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Für Martin Luther war die Formel, der Mensch sei „Sünder und Gerechter zugleich“ die Zusammenfassung dessen, was er als befreiende Botschaft der biblischen Rechtfertigungslehre entdeckte. Der Mensch bleibt in innerweltlicher Perspektive weiterhin Sünder. Gott rechnet ihm durch das Christusgeschehen seine Sünden aber nicht an, der Mensch ist im glaubenden Vertrauen auf Gott von diesem gerechtfertigt. Der Gläubige wird nach Luther dazu befähigt, aus Dankbarkeit den Willen Gottes umzusetzen.
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Daraus ergibt sich eine Freiheit vom Zwang der Selbstrechtfertigung (z. B. durch Leistung, Schönheit, Wohlstand).
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Teilaufgabe 3
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Laut Morgenroth hat Jesus keine Definition des Reich Gottes gegeben, sondern in „dynamische[n] Bilder[n]“ (Z. 22) gesprochen. In diesen gehe es einerseits um die Zukunft, aber mehr noch um die Gegenwart. Dies zeigt Morgenroth z. B. in folgenden Textpassagen auf:
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Das Reich Gottes werde dann gegenwärtig, wenn die Menschen anfingen, auf dieses zuzugehen und ihre Gegenwart veränderten (Vgl. Z. 23ff.).
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Durch Jesu Handeln (z. B. im Umgang mit Zachäus) verstünden sich die Menschen schon jetzt als Menschen voller Zukunft (Vgl. Z. 37ff.).
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Der „Himmel auf Erden“ (Z. 63) fange da an, wo Menschen Neuanfänge wagten (Vgl. Z. 58ff.).
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Ablehnende Haltung zu Morgenroth:
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Morgenroth legt einen starken Fokus auf die präsentische Eschatologie, Jesus aber denkt das Reich Gottes gleichermaßen von der Zukunft her (futurische Eschatologie).
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Die Mitarbeit am Reich Gottes durch Umkehr und Neuanfang hat einen utopischen Charakter und stellt eine Überforderung des Menschen dar.
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Die Formulierung, dass „jede und jeder“ (Z. 61) – nicht nur Christen – die Welt verändern können, vereinnahmt auch Nichtchristen und wirkt übergriffig.
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Zustimmende Haltung zu Morgenroth:
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Der Fokus auf die Gegenwart verhindert, dass Menschen lediglich auf das Jenseits vertröstet werden.
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Es wird ein positives Menschenbild deutlich. Der Mensch sei nicht vorrangig Sünder, sondern jeder könne etwas zum Reich Gottes beitragen (Vgl. Z. 37f.).
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Jesu Drängen auf Umkehr und Neuanfang mache deutlich, dass jeder nicht nur etwas zum Reich Gottes beitragen könne, sondern auch solle. Die Mitarbeit am Reich Gottes bekommt einen verbindlichen Charakter.
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Der inklusive Ansatz Jesu grenzt Menschen anderen Glaubens nicht aus, sondern ermöglicht den Dialog (Vgl. Z. 61).
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