Aufgabe 1 – Republik Senegal – zukunftsfähige Energiestrategie?
Beschreibe die Lage und den sozioökonomischen Entwicklungsstand der Republik Senegal.
Analysiere das naturräumliche Potenzial zur Energieerzeugung in der Republik Senegal sowie die aktuelle und prognostizierte Energieerzeugung und -nutzung.
Nimm Stellung zu den energiepolitischen Zielen der senegalesischen Regierung.
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Einheit |
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Bevölkerung |
in 1.000 |
17.676 |
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Städtische Bevölkerung |
% der Gesamtbevölkerung |
49,1 |
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Bevölkerung unter 15 Jahren |
% der Gesamtbevölkerung |
41,5 |
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Bevölkerung 65 Jahre und älter |
% der Gesamtbevölkerung |
3,1 |
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Lebenserwartung |
Jahre |
70,0 |
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Bevölkerungs- entwicklung |
% zum Vorjahr |
2,6 |
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Säuglings- sterblichkeit |
je 1.000 Lebendgeborene |
29,1 |
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Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze |
% der Gesamtbevölkerung |
37,8 (2018) |
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Zugang zu Elektrizität |
% der Gesamtbevölkerung |
67,9 |
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HDI |
Indexwert |
0,517 |
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Korruptions- wahrnehmungsindex1 |
Indexwert / Rang |
43 / 72 |
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BIP |
Mrd. US- |
27,7 |
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Bruttowertschöpfung / Erwerbstätige (2021) |
% des BIP / % der Erwerbstätigen |
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17,2 / 21,6 |
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27,3 / 22,6 |
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55,5 / 55,8 |
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Warenexporte |
Mrd. US- |
12,1 |
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Warenimporte |
Mrd. US- |
5,7 |
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Top 5 Exportgüter |
% der Warenexporte |
mineralische Brennstoffe 18,3 Edelsteine, -metalle 16,3 anorganische chem. Erzeugnisse 13,4 Fische 10,6 Erze 5,7 |
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Top 5 Importgüter |
% der Warenimporte |
mineralische Brennstoffe 31,6 Getreide 9,0 Maschinen u. mechanische Geräte 7,6 Waren aus Eisen und Stahl 4,5 Elektrische Maschinen 4,3 |
1 Wahrgenommene Korruption im öffentlichen Sektor; die Skala reicht von 0 bis 100. Je massiver die Korruption ausfällt, desto geringer ist der Wert. 2022 wurden insgesamt 180 Staaten untersucht.
Zusammenstellung aus folgenden Quellen: https://wko.at/statistik/laenderprofile/lp-senegal.pdf; https://www.transparency.org/en/cpi/2022/index/sen; https://hdr.undp.org/data-center/specific-country-data#/countries/SEN; https://databankfiles.worldbank.org/public/ddpext_download/poverty/987B9C90-CB9F-4D93-AE8C750588BF00QA/current/Global_POVEQ_SEN.pdf; https://data.worldbank.org/indicator/EG.ELC.ACCS.ZS?locations=SN
M2 Republik Senegal: Photovoltaikpotenzial [kWh/kWp pro Jahr]

Die Werte Kilowattstunde (kWh) und Kilowatt-Peak (kWp) geben Aufschluss über den Ertrag einer Photovoltaikanlage (PV-Anlage). Während die [Einheit] kWh darstellt, wie viel Strom die Anlage produziert, übermittelt der [Wert] kWp, wie hoch ihre Leistung ist. [...] In Deutschland erzeugt eine PV-Anlage durchschnittlich bei optimaler Ausrichtung pro Jahr rund 1000 kWh [...] je kWp.
Quellen: https://newclimate.org/sites/default/files/2023-06/renewable_senegal_opportunities_for_german-senegalese_development_cooperation_towards_a_sustainable_future_01_06.pdf; https://www.adac.de/rund-ums-haus/energie/versorgung/kwh-kwp-bedeutung/
M3 Republik Senegal: Windgeschwindigkeiten in 50 m Höhe [m/s]

Die erzielbare Leistung [einer Windkraftanlage] nimmt [...] mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit zu. Das bedeutet, dass doppelte Windgeschwindigkeit zu einem 8-fachen Windenergieertrag führt und umgekehrt eine Halbierung der Windgeschwindigkeit den Ertrag auf 1/8 sinken lässt. Dies trägt mit zu den hohen Schwankungen der Windenergieeinspeisung bei. Allerdings werden Maximalleistungen der Anlagen schon bei relativ [...] [niedrigen] Windgeschwindigkeiten erreicht.
Die mittlere Windgeschwindigkeit [...] liegt in der Region Nordseeküste bei 5,9 m/s.
Quellen: https://newclimate.org/sites/default/files/2023-06/renewable_senegal_opportunities_for_german-senegalese_development_cooperation_towards_a_sustainable_future_01_06.pdf; https://de.wikipedia.org/wiki/Windenergie#
M4 Republik Senegal: Energiewirtschaft (2010–2018, nach 2018 Szenario1)

1 [... Das Szenario] basiert auf der [...] Agenda 2063, der [...] nachhaltigen Vision des Kontinents [Afrika] für beschleunigte wirtschaftliche und industrielle Entwicklung. Eine schnellere wirtschaftliche Expansion geht einher mit der vollständigen Erreichung wichtiger Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030 [SDGs]. Dazu gehören vollständiger Zugang zu Elektrizität und sauberem Kochen sowie eine signifikante Reduktion vorzeitiger Todesfälle, die mit kontaminiertem Trinkwasser in Verbindung stehen. Das Szenario rechnet für den Zeitraum von 2019–2040 mit einem Investitionsbedarf im Energiesektor von unter anderem rund 20 Mrd. US- für die Erdgasförderung sowie von ca. 8 Mrd. US-
für den Stromnetzausbau. Die Agenda 2063 wurde 2015 von den Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union angenommen; sie ist das strategische Rahmenwerk des Kontinents, das darauf abzielt, inklusive und nachhaltige Entwicklung zu erreichen.
Bearbeitet nach folgender Quelle: https://iea.blob.core.windows.net/assets/1d996108-18cc-41d7-9da355496cec6310/AEO2019_SENEGAL.pdf
M5 Senegal will Gas geben

Quelle (gekürzt): Koch, H. (2023): Senegal will Gas geben. In: taz online 22.8.2023, 14:29 Uhr, https://taz.de/Rohstoffe-aus-Westafrika/!5950449/
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Senegal liegt im äußersten Westen Afrikas an der Antlantikküste und ist damit sowohl in den maritimen Wirtschaftsraum des Atlantiks als auch in die westafrikanischen Binnenräume eingebunden. (Atlas)
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Im Gradnetz erstreckt sich das Senegal etwa zwischen 12° und 17° nördlicher Breite sowie 11° und 17° westlicher Länge und die Hautstadt Dakar liegt auf der Cap-Vert-Halbinsel am westlichsten Vorsprung Afrikas. (Atlas)
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Nachbarstaaten sind Mauretanien im Norden, Mali im Osten sowie Guinea und Guinea-Bissau im Süden, während Gambia als nahezu vollständige Eklave das Staatsgebiet räumlich stark zergliedert und die innere Erreichbarkeit (u. a. Richtung Casamance) erschwert. (Atlas)
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Naturräumlich ist Senegal insbesondere im Norden als Sahelstaat (Übergangsraum zwischen Sahara und Savanne) zu kennzeichnen, sodass eine Klima- und Niederschlagsvariabilität sowie Dürregefährdung die landwirtschaftliche Produktion und damit zentrale Lebensgrundlagen strukturell verwundbar machen.
Sozioökonomischer Entwicklungsstand
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Senegal weist mit rund 17,676 Mio. Einwohnern und einem Bevölkerungswachstum von 2,6 % p. a. eine dynamische Bevölkerungsentwicklung auf, die den Druck auf Bildungs-, Gesundheits- und Arbeitsmärkte deutlich erhöht. (M1)
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Die Altersstruktur ist sehr jung, da 41,5 % der Bevölkerung unter 15 Jahre alt sind, wodurch die Abhängigkeit von erwerbstätigen Jahrgängen hoch bleibt und die Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen besonders dringlich ist. (M1)
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Ein erheblicher Teil der Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze (37,8 %), was auf ein insgesamt niedriges Wohlstandsniveau und ausgeprägte soziale Disparitäten hinweist. (M1)
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Der HDI von 0,517 unterstreicht, dass Senegal im globalen Vergleich weiterhin eine niedrige Humanentwicklung aufweist und damit typische Merkmale eines Entwicklungslandes trägt. (M1)
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Die Lebenserwartung von 70,0 Jahren liegt im subsaharischen Vergleich relativ hoch und kann als Hinweis auf Fortschritte in der Gesundheits- und Grundversorgung gewertet werden. (M1)
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Dennoch zeigt die Säuglingssterblichkeit von 29,1 je 1.000 Lebendgeborene, dass trotz Fortschritten weiterhin erhebliche Versorgungs- und Gesundheitsdefizite bestehen. (M1)
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Ein großer Teil der Bevölkerung verfügt über Zugang zu Elektrizität (67,9 %), was trotz verbleibender Versorgungslücken – insbesondere im ländlichen Raum – auf einen infrastrukturellen Erschließungsfortschritt schließen lässt. (M1)
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Der Urbanisierungsgrad ist mit 49,1 % städtischer Bevölkerung moderat hoch, wodurch sich Wachstums- und Dienstleistungsdynamiken (insbesondere im Großraum Dakar) bündeln können, während zugleich Urbanisierungsprobleme wie informelle Siedlungen, Beschäftigungsdefizite und Überlastungen von Verkehr sowie Wasser- und Abwassersystemen zunehmen können. (M1)
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Das BIP von 27,7 Mrd. US-
verdeutlicht im internationalen Vergleich eine insgesamt begrenzte volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit. (M1)
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Die Wirtschaftsstruktur ist nicht rein agrarisch, sondern weist bereits eine deutliche Tertiärisierung auf, da Dienstleistungen 55,5 % der Wertschöpfung erbringen und 55,8 % der Erwerbstätigen binden. (M1)
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Der Sektor Industrie/Bau erreicht 27,3 % der Wertschöpfung und 22,6 % der Erwerbstätigen, was auf Ansätze eines Strukturwandels hindeutet, jedoch noch keine breit diversifizierte Industriebasis erkennen lässt. (M1)
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Der Primärsektor beschäftigt 21,6 % der Erwerbstätigen, trägt aber nur 17,2 % zur Wertschöpfung bei, was auf geringe Produktivität sowie eine anhaltende Vulnerabilität gegenüber Klimarisiken und damit eine fortbestehende Abhängigkeit ländlicher Haushalte verweist. (M1)
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Die Exportstruktur ist stark rohstoff- und primärgüterorientiert (u. a. mineralische Brennstoffe, Metalle/Edelsteine, Fisch), sodass Senegal in Teilen von Weltmarktpreisen und begrenzter Wertschöpfungstiefe abhängig bleibt. (M1)
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Die Importstruktur zeigt eine doppelte Abhängigkeit, da einerseits Energieimporte (mineralische Brennstoffe 31,6 % der Importe) und andererseits Getreideimporte eine verwundbare Versorgungs- und Kostenstruktur erkennen lassen. (M1)
Fazit
Senegal weist insgesamt deutliche Merkmale eines Entwicklungslandes auf (u. a. niedriger HDI, hoher Armutsanteil, demographischer Druck, rohstoff-/primärgüternahe Exportstruktur), zeigt jedoch zugleich erkennbare Entwicklungsansätze (u. a. vergleichsweise hohe Lebenserwartung, relativ hoher Elektrifizierungsgrad, ausgeprägter Dienstleistungssektor). Vor dem Hintergrund des anhaltend hohen Bevölkerungswachstums bestehen zentrale Herausforderungen, insbesondere hinsichtlich Armutsreduktion, Beschäftigungsaufbau, urbaner Infrastruktur sowie im Ausbau einer tragfähigen, auch ländliche Räume erreichenden Energie- und Grundversorgung.
Naturräumliches Potenzial zur Energieerzeugung
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Senegal verfügt aufgrund seiner Lage in den Randtropen und seiner naturräumlichen Ausstattung über ein insgesamt hohes und zugleich diversifiziertes Potenzial zur Energiegewinnung aus erneuerbaren und fossilen Quellen. (Atlas, M2-M5)
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Solarenergie (Photovoltaik)
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Das Photovoltaikpotenzial ist landesweit sehr hoch. (M2)
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Der langfristige Jahresdurchschnitt der potenziellen PV-Stromproduktion liegt großflächig in einem Bereich von mindestens ca. 1600 bis über 1750 kWh/kWp pro Jahr. Damit übertrifft Senegal den in M2 als Vergleich genannten deutschen Referenzwert von rund 1000 kWh/kWp deutlich. (M2)
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Räumlich zeigen sich innerhalb Senegals Unterschiede: sehr hohe Erträge sind vor allem im Nordwesten und entlang der Küste (u. a. im Großraum Dakar/Saint-Louis) erkennbar, während geringere Potenziale in Teilen des Südens/Südostens auftreten. (M2)
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Naturräumlich lässt sich dies mit der großräumigen Strahlungsbegünstigung der trockeneren (sahelnahen) Räume sowie tendenziell höherer Bewölkung/Feuchte in südlicheren Landesteilen erklären. (Atlas)
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Windenergie
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Auch das Windpotenzial ist vorhanden, jedoch deutlich stärker räumlich gebündelt. (M3)
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In 50 m Höhe erreichen die Windgeschwindigkeiten entlang der Atlantikküste und offshore die höchsten Werte (teils > 6,3 m/s), während das Binnenland überwiegend niedrigere bis mittlere Windgeschwindigkeiten aufweist (teils < 4,2 m/s in schwächeren Zonen). (M3)
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Diese Differenz lässt sich mit mit der Exposition zur Atlantikströmung, Küstenwinden und der offenen, reibungsärmeren Meeresfläche erklären.
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Für die Standortgüte ist zudem zentral, dass die erzielbare Leistung von Windkraftanlagen mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit zunimmt, weshalb Küstenstandorte überproportional attraktiv sind. (M3)
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Wasserkraft
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Wasserkraftpotenziale bestehen grundsätzlich an den großen Flusssystemen, insbesondere am Senegal-Fluss sowie am Gambia-Fluss. (Atlas)
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Jedoch ist dieses Potenzial durch die stark saisonale Niederschlagsverteilung und die Dürregefährdung begrenzt: schwankende Wasserverfügbarkeit reduziert die Versorgungssicherheit, sodass Wasserkraft zwar einen Beitrag leisten kann, aber als alleinige „Grundlastsäule“ nur eingeschränkt verlässlich ist.
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Fossile Energieträger: Erdgas
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Ein zentrales zusätzliches Potenzial liegt in neu entdeckten Erdgaslagerstätte in der Ausschließlichen Wirtschaftszone vor der Atlantikküste. (M5)
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Ein ca. 125 km küstenfernes Gasfeld wird auf rund 400 Milliarden m³ Erdgas geschätzt. (M5)
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Das Vorkommen wird im Weltmaßstab zwar als eher klein eingeordnet, kann aber den Einstieg in eine "Gasökonomie" markieren; zudem werden weitere Felder südlich erwähnt. (M5)
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Dieses fossile Potenzial ist energiewirtschaftlich bedeutsam, birgt aber zugleich Nutzungskonflikte: Sperrzonen um die Plattform beeinträchtigen z. B. Fischerei in riffnahen, fischreichen Meeresräumen. (M5)
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Aktuelle Energieerzeugung und -nutzung
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Primärenergiebedarf und wirtschaftlicher Kontext
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Der Primärenergiebedarf liegt 2010/2018 noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau von grob 4-5 Mtoe, steigt aber bereits an. (M4a)
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Parallel nimmt das BIP zu und wird im Szenario stark weiter wachsen, was typischerweise Energiebedarf (Industrie, Dienstleistungen, Urbanisierung, Mobilität) mitzieht. (M4)
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Stromerzeugung fossil dominiert
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Die Stromproduktion ist im Zeitraum 2010 bis etwa 2020 klar fossil geprägt, insbesondere durch Erdöl/Schweröl. (M4b, M5)
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Erneuerbare Energien spielen zunächst eine untergeordnete Rolle. (M4b)
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Zugleich ist die Versorgung räumlich ungleich: Ein dichteres Netz im Westen verweist auf bessere Elektrifizierung und höhere Nachfrage in der Hauptstadt- und Küstenregion, während periphere Räume tendenziell schlechter angebunden sind. (M2, M3)
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Energienutzung im Haushalt
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Die Haushaltsenergie für das Kochen ist stark von Biomasse geprägt. (M4c)
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2018 entfallen 52 % auf „sonstige feste Biomasse“ und 19 % auf Holzkohle, also zusammen 71 % feste Biomasse; 29 % entfallen auf LPG (Flaschengas). (M4c)
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Diese Struktur ist ökologisch problematisch, da Holzkohle-/Biomassenutzung Abholzung und Degradationsprozesse verstärkt und gesundheitlich durch Rauchbelastung riskant ist.
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Prognostizierte Energieerzeugung und -nutzung
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Wachsender Primärenergiebedarf
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Im Szenario steigt Primärenergiebedarf bis 2030 auf etwa 8 Mtoe und bis 2040 auf rund 13–14 Mtoe. (M4a)
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Treiber sind Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum sowie die in der Agenda 2063 festgelegten Entwicklungsziele. (M4)
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Struktureller Wandel der Stromerzeugung
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Erdöl verliert nach ca. 2020/2025 massiv an Bedeutung. Erdgas wird zur dominierenden Säule der Stromerzeugung. Wind-, Wasser- und Solarenergie wachsen sichtbar mit. (M4b)
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Die Regierung plant, Schweröl in Kraftwerken durch Gas zu ersetzen (geringere Emissionen) und neue Gaskraftwerke sollen eine breitere Stromversorgung ermöglichen. (M5)
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Gleichzeitig zeigt der Ausbaupfad der Erneuerbaren, dass das sehr hohe Solar- und das küstennahe Windpotenzial zunehmend genutzt werden sollen. (M2, M3, M4b)
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Während für Windenergie Küstenstandorte besonders geeignet sind, ist Solarenergie prinzipiell flächig dezentral nutzbar und bietet damit Chancen für ländliche Elektrifizierung. (M2, M3)
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Modernisierung der Energienutzung im Haushalt
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Im Szenario 2030 steigt der Anteil von LPG auf 73 %, ergänzt durch verbesserte Öfen (14 %) und sonstige saubere Energieträger (13 %); feste Biomasse spielt dann praktisch keine Rolle mehr. (M4c)
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Gas soll Holzkohle beim Kochen ersetzen, um Entwaldung entgegenzuwirken. (M5)
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Damit adressiert die Energiewende nicht nur Strom, sondern auch einen zentralen Bereich der Alltagsenergie.
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Fazit
Senegal ist derzeit noch stark von fossilen Energieträgern geprägt – sowohl in der Stromerzeugung (v. a. Öl/Schweröl) als auch bei der Haushaltsenergie zum Kochen (Biomasse). Gleichzeitig besitzt das Land ein sehr hohes Ausbaupotenzial für erneuerbare Energien, insbesondere Photovoltaik (landesweit hohe Erträge) und Windkraft (vor allem an der Küste). Für die Zukunft wird im Rahmen der Agenda 2063 ein deutlicher Umbau erwartet: steigender Energiebedarf, verstärkter Einsatz von Erdgas aus neuen Offshore-Feldern sowie ein wachsender Anteil erneuerbarer und sauberer Kochenergien, wofür Netzausbau und der Abbau regionaler Versorgungsunterschiede entscheidend sind.
Energiepolitische Ziele der senegalesischen Regierung
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Senegal weist weiterhin deutliche Entwicklungsdefizite auf (u. a. Armutsquote, begrenzter Elektrizitätszugang), zugleich steigt der Energiebedarf im Zuge von Bevölkerungswachstum und angestrebtem Wirtschaftswachstum deutlich an. Ein Ausbau der Energieversorgung ist damit eine zentrale Voraussetzung für Produktivitätssteigerungen, Industrialisierung und eine Verbesserung der Daseinsvorsorge. (M1)
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Die energiepolitischen Zielsetzungen der senegalesischen Regierung lassen sich als Doppelstrategie charakterisieren, indem sie Erdgasressourcen erschließen und nutzen sowie gleichzeitig Solar- und Windenergie ausbauen will, um die Entwicklungsziele der Agenda 2063 zu erreichen (M4, M5)
Sachbeurteilung
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Sozioökonomische Dimension
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Kostensenkung und höhere Versorgungssicherheit (+)
Senegal kann Stromkosten und Versorgungsrisiken senken, wenn es den heimischen Energiemix aus Gas sowie Solar- und Windkraft nutzt und damit teure, importabhängige Stromerzeugung (z. B. über Schweröl) zurückdrängt. (M1, M2, M3, M4, M5)
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Devisen- und Staatseinnahmen durch Gasexporte (+)
Der Export von Erdgas eröffnet zusätzliche Devisen- und Staatseinnahmen, die für Infrastruktur, Netzausbau, Bildung und Industrialisierung eingesetzt werden können. (M1, M5)
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Importsubstitution (+)
Die Nutzung heimischer Gasressourcen kann Importausgaben, insbesondere für Schweröl, reduzieren und damit die außenwirtschaftliche Abhängigkeit verringern. (M1, M5)
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Beschäftigung und industriepolitische Impulse (+)
Der Ausbau von Gasverarbeitung sowie der Bau und die Installation von PV- und Windanlagen können Wertschöpfung fördern und Arbeitsplätze schaffen. (M1, M5)
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Hoher Finanzierungsbedarf und Investitionsrisiken (-)
Der Aufbau von Gasinfrastruktur ist investitionsintensiv und erhöht den Finanzierungsdruck, wodurch bei Fehlsteuerungen Verschuldungs- und Abhängigkeitsrisiken entstehen können. (M4)
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Nutzungskonflikte und Verteilungswirkungen (-)
Offshore-Förderung kann Fanggründe beeinträchtigen und dadurch Beschäftigung und Exporte im Fischereisektor gefährden, insbesondere wenn lokale Küstengemeinden die Belastungen tragen. (M1, M5)
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Ökologische Dimension
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Kurzfristige Entlastung durch Brennstoffwechsel (+)
Der Ersatz von Schweröl und festen Brennstoffen durch Gas kann Emissionen reduzieren. Außerdem verringert die Verlagerung weg von Holzkohle/sonstiger Biomasse hin zu LPG/Gas bzw. sauberen Energieträgern den Entwaldungsdruck sowie Gesundheitsbelastungen durch Rauch in Haushalten. (M4, M5)
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Langfristig tragfähige Perspektive durch Ausbau erneuerbarer Energien (+)
Der konsequente Ausbau von Solar- und Windenergie schafft eine langfristig tragfähige Perspektive, weil Senegal damit sein hohes naturräumliches Potenzial nutzt und die Stromversorgung zunehmend unabhängig von fossilen Energieträgern und Importen absichern kann. (M4, M5)
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Fossile Pfadwirkung und Klimabilanz (-)
Erdgas bleibt ein fossiler Energieträger, sodass zusätzliche Förderung und Nutzung die Gesamtklimabilanz gegenüber einer schnelleren Fokussierung auf Erneuerbare verschlechtern kann, insbesondere bei großem Nutzungs- oder Exportumfang. (M5)
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Belastung mariner Ökosysteme (-)
Die Gasförderung in Schelfgebieten kann marine Ökosysteme belasten und damit zusätzliche Umweltrisiken erzeugen. (M5)
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Sachurteil
Aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht scheint die Doppelstrategie der senegalesischen Regierung zunächst sinnvoll, da sie auf sozioökonomische Prosperität abzielt und langfristig auch Arbeitsplätze bereitgestellt werden könnten. Aus ökologischer Sicht muss sie jedoch als problematisch bezeichnet werden, da die Förderung und Nutzung der Gasreserven zwar in Teilen Emissionen sowie den Holzeinschlag zu verringern hilft, im Ganzen jedoch ökologische Schäden zu erwarten sind, die durch eine sofortige Fokussierung auf regenerative Energien verhindert werden könnten.
Werturteil
Da jeder Staat einen Anspruch auf selbstbestimmte sozioökonomische Entwicklung haben sollte, gleichzeitig aber auch Verantwortung für den globalen Klimaschutz trägt, könnte die senegalesische Doppelstrategie der Energieerzeugung als Kompromisslösung befürwortet werden, da die Nutzung der Erdgasressourcen Exporteinnahmen und damit einen beschleunigten Wohlstandszuwachs verspricht. Zudem haben die meisten wohlhabenden Staaten ihr Wohlstandsniveau ebenfalls durch die Nutzung fossiler Energieträger steigern können, woraus Senegal den gleichen Anspruch ableiten könnte.
Unter dem Primat des Klimaschutzes könnte hingegen argumentiert werden, dass jegliche zusätzliche Erschließung und Nutzung fossiler Energieträger unterbleiben sollte und dies auch für weniger entwickelte Staaten gelten müsse, zumal Senegal über ein hohes Potenzial für die Nutzung erneuerbarer Energien verfügt.