Aufgabe 2 – Niedersachsens Moore – ungenutztes Potenzial im Kampf gegen den Klimawandel?
Beschreibe die Verbreitung von Moorflächen in Niedersachsen sowie deren heutige landwirtschaftliche Nutzung.
Erläutere die Rolle von globalen CO₂-Senken im Kontext des Klimawandels unter besonderer Berücksichtigung der Moore.
Nimm Stellung zu der These: In Niedersachsen muss Landwirtschaft auf Moorflächen gesetzlich verboten werden.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M1 Karte: Verbreitung von Mooren (Ausschnitt Niedersachsen)

Bearbeitung nach folgender Quelle: https://archiv.nationalatlas.de/wp-content/art_pdf/Band3_112-115_archiv.pdf
M2 Moorige Landschaften und deren Nutzung 2020

Hinweise
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Der Begriff „moorige Landschaften“ bezeichnet hier Moorflächen mit Torfschichten.
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Unter „Emissionen“ werden hier die der Treibhausgase Kohlenstoffdioxid, Methan und Lachgas zusammengefasst.
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Von der gesamten Moorfläche Deutschlands befindet sich nur noch ein Prozent in naturnahem Zustand.
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Obwohl Moore in Deutschland nur einen Anteil von sieben Prozent an der landwirtschaftlichen Nutzfläche haben, ist deren Bewirtschaftung verantwortlich für 37 Prozent der Treibhausgasemissionen aus der gesamten deutschen Landwirtschaft (2020, veröffentlicht 2023).
Bearbeitung nach folgenden Quellen: https://www.boell.de/de/2023/01/10/trockengelegte-moore-so-vieleemissionen-wie-der-gesamte-deutsche-flugverkehr; https://www.moorwissen.de/problematik-der-nutzung.html
M3 Trockene Moore – erhitzte Erde!
Quelle: https://www.boell-bw.de/sites/default/files/importedFiles/2023/01/11/mooratlas2023_web_20230106.pdf
M4 Wie wirken sich Moorflächen auf die Klimabilanz der Milcherzeugung aus?
Bearbeitung nach folgender Quelle: https://www.lwk-niedersachsen.de/lwk/news/26213_Wie_wirken_sich_Moorflaechen_auf_die_Klimabilanz_der_Milcherzeugung_aus
M5 Moore mit Paludikultur

Hinweise
Der Begriff „Paludikultur“ stammt vom lateinischen Wort „palus“ für „Sumpf, Morast“ und bezeichnet die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Moore.
Es gibt noch keine etablierten Produktionsketten und Vertriebswege für die Produkte der Paludikultur.
Bearbeitung nach folgender Quelle: https://www.sarah-heuzeroth.de/wp-content/uploads/2020/09/Moor Grafiken_deutsch_GMC3_web_sarahheuzeroth-scaled.jpg
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Verbreitung von Moorflächen in Niedersachsen
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Die Moorflächen Niedersachsens sind räumlich stark ungleich verteilt und konzentrieren sich deutlich im Nordwesten des Bundeslandes. (M1)
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Der Hauptteil der großflächigen Torflager (> 500 ha) liegt vor allem nordwestlich der Linie Nordhorn – Bremen – Hamburg. Besonders moorreich sind dabei das Emsland und die küstennahen Tieflandräume (u. a. Ostfriesland sowie das Raumgefüge um Oldenburg/Bremen). (M1)
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Als Beispiele für größere Moorgebiete lassen sich das Bourtanger Moor (westlich der Ems im Grenzraum), das Teufelsmoor (bei Bremen) sowie Moorgebiete im Raum Oldenburg wie Vehnemoor und Moorriem nennen. (M1)
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Außerhalb dieses Schwerpunktbereichs treten Moorflächen kleinflächiger und stärker zerschnitten auf, beispielsweise im Bereich des Bissendorfer Moores (im weiteren Raum Hannover) sowie in Niederungs- und Auenräumen (z. B. entlang der Hunte). (M1, Atlas)
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In den südlichen Landesteilen (Übergang zur Mittelgebirgsschwelle) sind großflächige Moorvorkommen hingegen deutlich seltener. (M1)
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Die Konzentration im Nordwesten lässt sich fachlich mit flächenhaft ebenen, grundwassernahen Tieflandräumen und glazial geprägten Landschaftsformen (moorbildungsbegünstigende Standortbedingungen) in Beziehung setzen.
Heutige landwirtschaftliche Nutzung der Moorflächen
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Die Moorflächen werden in Niedersachsen heute überwiegend landwirtschaftlich genutzt und sind damit in großen Teilen anthropogen überprägt, v. a. durch Entwässerung und Nutzungsintensivierung. (M1, M2)
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Niedersachsen verfügt über eine Moorfläche von 597.116 ha und weist zugleich sehr hohe Emissionen aus entwässerten Mooren von 17,9 Mio. t (2020; ohne Torfabbau und Torfnutzung) auf, was auf eine umfangreiche Entwässerungs- und Nutzungsintensität hinweist. (M2)
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Hinsichtlich der Nutzungsarten dominiert in Niedersachsen Grünlandwirtschaft: 54 % der Moorflächen werden als Grünland genutzt (Wiesen/Weiden), während 27 % ackerbaulich genutzt werden. (M2)
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Forstnutzung spielt mit 3 % nur eine untergeordnete Rolle; der verbleibende Anteil entfällt auf sonstige Nutzungen. (M2)
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Räumlich lässt sich ergänzend beschreiben, dass ackerbauliche Nutzungen insbesondere in Teilen der Binnenmoorgebiete bzw. in Moorflächen der Flusseinzugsräume von Ems, Hase und Hunte auftreten, während in küstennahen Moor- und Niederungsräumen (z. B. Ostfriesland, Oldenburger Land sowie das Weser–Elbe-Umfeld) die Nutzung als Weide- und Grünland stärker ausgeprägt ist. (Atlas)
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orstliche Nutzungen treten dabei meist als kleinflächige Einsprengsel innerhalb großflächiger Agrarnutzungen auf. (Atlas)
Fazit
Zusammenfassend sind Moorflächen in Niedersachsen schwerpunktmäßig im Nordwesten konzentriert (M1) und werden heute zu einem sehr hohen Anteil landwirtschaftlich genutzt, vor allem als Grünland und in beträchtlichem Umfang auch als Ackerland (M2). Diese Nutzung ist typischerweise an Entwässerung gebunden und erklärt die hohen Emissionen aus Moorstandorten in Niedersachsen.
Bedeutung globaler CO2-Senken im Klimasystem
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Globale CO2-Senken sind Bestandteile des Erdsystems, die der Atmosphäre netto Kohlenstoffdioxid (CO2) entziehen und Kohlenstoff mittel- bis langfristig in Biomasse, Böden, Sedimenten oder im Ozean speichern.
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Damit wirken sie als Puffer gegen den anthropogenen Klimawandel: Indem CO2 in Senken gebunden wird, steigt die atmosphärische CO2-Konzentration langsamer an. Dadurch wird die Verstärkung des Treibhauseffekts abgeschwächt (geringere zusätzliche Erwärmung über die Strahlungsbilanz).
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Gleichzeitig sind Senken dynamisch: Ihre Aufnahmefähigkeit und Speicherstabilität hängen u. a. von Temperatur, Wasserhaushalt, Vegetationszustand sowie Störungen (z. B. Dürre, Feuer, Landnutzungsänderung) ab. Unter Klimawandelbedingungen kann eine Senke geschwächt werden oder sich lokal in eine Quelle umkehren.
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Zu den zentralen globalen Senken zählen:
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Terrestrische Ökosysteme, v. a. große Waldsysteme (tropischer Regenwald, boreale Wälder/“Taiga”) mit Kohlenstoffspeicherung in Biomasse, Totholz/Streu sowie Boden- und Wurzelsystemen; zusätzlich auch Grasländer (Steppen/Prärien) mit bedeutender Kohlenstoffbindung im Boden
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Aquatische Senken, v. a. Ozeane (Aufnahme von CO2 im Wasserkörper) sowie küstennahe „Blue-Carbon“-Ökosysteme wie Mangroven/Salzwiesen/Seegraswiesen, die Kohlenstoff in Biomasse und Sedimenten speichern können
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Moore als globale CO2-Senken
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Wirkmechanismus und globale Bedeutung
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Moore nehmen im System der CO2-Senken eine Sonderrolle ein, weil sie trotz geringer Flächenausdehnung überproportional viel Kohlenstoff speichern. (M3)
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In intakten, nassen Mooren werden abgestorbene Pflanzenreste unter Sauerstoffabschluss nur sehr langsam zersetzt. Dadurch entsteht Torf, in dem Kohlenstoff langfristig gebunden wird. (M3)
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Moore bedecken nur etwa 3 % der terrestrischen Erdoberfläche, speichern aber rund 600 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Das entspricht ungefähr dem Doppelten des Kohlenstoffs, der in der Biomasse aller Wälder gespeichert ist, wobei Wälder etwa 27 % der Landfläche ausmachen. (M3)
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Nasse Moore emittieren zwar Methan (weltweit ca. 30 Millionen Tonnen CH4 pro Jahr), jedoch wird die langfristige Senkenwirkung nicht „aufgehoben“, weil Methan relativ schnell abgebaut wird und sich ein Fließgleichgewicht einstellt, während die CO2-Senkenwirkung fortbesteht. (M3)
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Damit sind intakte Moore – neben Wäldern und Ozeanen – ein zentraler Baustein natürlicher Klimaregulation. (M3)
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Entwässerung und Nutzung
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Wenn Moore entwässert werden, dringt Sauerstoff in den Torfkörper ein und der zuvor konservierte Torf wird verstärkt mikrobiell abgebaut. (M3)
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Durch diesen Abbau werden vor allem CO2 und zusätzlich Lachgas (N2O) freigesetzt, sodass entwässerte Moore zu starken Treibhausgasquellen werden. (M3)
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In Mitteleuropa führt jede Absenkung des mittleren Wasserstands im Moor um 10 cm zu zusätzlichen Emissionen von etwa 5 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Hektar und Jahr. (M3)
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Global emittieren entwässerte Moorböden jährlich über 1,9 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente, wobei fast 90 Prozent dieser Emissionen auf CO2 zurückzuführen sind. (M3)
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In Deutschland ist die Problematik besonders ausgeprägt, weil nur noch etwa 1 Prozent der Moorflächen als naturnah gilt. (M2)
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Die Bewirtschaftung von Mooren hat trotz geringer Flächenanteile eine überproportionale Klimawirkung, da Moorflächen nur rund 7 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmachen, aber 37 Prozent der Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft verursachen. (M2)
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Sektorspezifisches Beispiel: Moorstandorte und Klimabilanz der Milcherzeugung
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Die Klimabilanz landwirtschaftlicher Produkte kann sich deutlich verschlechtern, wenn die Produktion auf entwässerten Moorflächen basiert. (M4)
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Ohne den Einflussfaktor Moornutzung liegt die Klimabilanz der Milchproduktion in M4 bei 772 g CO2-Äquivalenten je kg Milch (M4).
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Der geschätzte Wasserstand der Moorflächen liegt bei 30 bis 60 cm unter Geländeoberfläche, wodurch trotz relativ hohem Wasserstand weiterhin Torfzersetzung stattfindet (M4).
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Für die Torfzersetzung werden 10 bis 20 Tonnen CO2-Äquivalente pro Hektar und Jahr genannt, was umgerechnet zusätzliche 303 bis 607 g CO2-Äquivalente je kg Milch bedeutet. (M4)
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Handlungsoptionen: Wiedervernässung und Paludikultur als Nutzung nasser Moore
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Ein höherer Wasserstand reduziert die Torfzersetzung und senkt damit die Treibhausgasemissionen, während erst eine sehr weitgehende Wiedervernässung die Torfzersetzung stoppen und langfristig wieder eine Kohlenstoffsenke ermöglichen kann. (M4)
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Als Zielgröße wird ein Wasserstand von etwa 0 bis 10 cm unter Geländeoberfläche genannt, was jedoch Nutzungseinbußen (z. B. Verlust von Futterbauflächen) und Konflikte im Wassermanagement nach sich ziehen kann. (M4)
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Paludikultur beschreibt die land- und forstwirtschaftliche Nutzung, bei der der Moorboden nass bleibt und Klimaschutz mit Nutzung verbunden werden soll. (M5)
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Als mögliche Verwertungspfade werden unter anderem Baustoffe/Dämmmaterial, Papier/Verpackung und energetische Nutzung dargestellt, zugleich wird auf fehlende etablierte Produktionsketten und Vertriebswege hingewiesen. (M5)
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Fazit
Globale CO2-Senken mindern den Klimawandel, indem sie CO2 der Atmosphäre entziehen und Kohlenstoff speichern; dadurch wird der Treibhauseffekt über die Strahlungsbilanz weniger stark verstärkt. Moore nehmen hierbei eine Schlüsselrolle ein, da sie durch Torfbildung trotz geringer Flächenanteile extrem große Kohlenstoffmengen binden. Wird der Moorwasserhaushalt jedoch durch Entwässerung für landwirtschaftliche Nutzung verändert, kehrt sich die Funktion häufig um: Torf wird unter Sauerstoffeinfluss abgebaut und es werden erhebliche Mengen an Treibhausgasen freigesetzt, was den anthropogenen Klimawandel deutlich verstärkt. Konsequenter Moor-Schutz, Wiedervernässung und Paludikultur sind daher zentrale Strategien, um Emissionen zu senken und die Senkenfunktion langfristig wiederherzustellen.
Ausgangslage und Problemkern
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Moorflächen sind in Niedersachsen räumlich ungleich verteilt und konzentrieren sich vor allem im nordwestdeutschen Tiefland, wo sie großflächig vorkommen und vielfach genutzt werden. (M1)
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Landwirtschaftliche Nutzung in Moorgebieten ist in ertragsstarker Form in der Regel nur auf entwässerten Standorten möglich, wodurch Torf unter Sauerstoffeinfluss zersetzt wird. (M3)
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Entwässerte Moorböden sind klimarelevant, weil dabei große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt werden und die Moorflächen ihre Senkenfunktion verlieren. (M3)
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Für Niedersachsen werden sehr hohe Emissionen aus entwässerten Mooren ausgewiesen, was die Bedeutung des Themas für den Klimaschutz unterstreicht. (M2)
Sachbeurteilung
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Klimapolitisches Signal (+)
Ein gesetzliches Verbot konventioneller Landwirtschaft auf Moorflächen könnte ein wirksames Signal setzen, um die Nutzung entwässerter Moorböden als dauerhafte Treibhausgasquelle als dauerhafte Treibhausgasquelle klar begrenzen und Transformationsdruck erzeugen. (M3)
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Hohe Emissionsrelevanz in Niedersachsen (+)
Die Emissionen aus entwässerten Mooren in Niedersachsen sind sehr hoch, sodass eine Reduktion dort einen relevanten Beitrag zur Klimaschutzwirkung leisten kann. (M2)
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Nachweis der Emissionswirkung trotz „relativ hohem“ Wasserstand (+)
Das Beispiel der Milcherzeugung zeigt, dass selbst bei vergleichsweise hohem Wasserstand von ca. 30–60 cm unter Gelände weiterhin erhebliche Emissionen aus Torfzersetzung auftreten können und die Produktbilanz deutlich verschlechtern. (M4)
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Ökologische Aufwertung durch Wiedervernässung (+)
Wiedervernässte Moore können zusätzliche ökologische Funktionen stärken, indem Lebensräume moortypischer Arten erhalten bzw. wiederhergestellt werden und Biodiversität gefördert wird. (M5)
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Wasserpeicher in Trockenzeiten (+)
Ein hoher Wasserstand kann in Trockenperioden als Wasserspeicher wirken und damit die Resilienz von Landschaften gegenüber zunehmender Klimaextremität erhöhen. (M4) (+)
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Keine automatische Wiedervernässung (-)
Ein Verbot allein beendet Nutzung, garantiert aber keine Wiedervernässung, weil dafür aktives Wassermanagement, technische Maßnahmen und institutionelle Koordination erforderlich sind. (M4)
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Kosten- und Zeithorizont der Transformation (-)
Wiedervernässung erfordert erhebliche finanzielle Mittel und lange Zeiträume, sodass ein sofortiges Verbot ohne Transformationspfad soziale und ökonomische Härten erzeugen kann.
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Agrarökonomische Folgen (-)
Eine Vernässung bzw. Aufgabe konventioneller Nutzung würde in vielen Fällen deutliche Ertragseinbußen verursachen und kann damit Versorgungssicherheits- und Einkommensfragen verschärfen. (M2)
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Verlagerungsrisiko im EU-Binnenmarkt (-)
Bei sinkender Produktion in Niedersachsen könnte die Nachfrage im EU-Binnenmarkt durch Produktion in anderen moorreichen Regionen gedeckt werden, wodurch Emissionen räumlich verlagert statt reduziert werden.
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Umsetzungsdefizit bei Alternativen (-)
Paludikultur ist zwar eine klimaverträglichere Nutzungsoption auf nassen Mooren, jedoch fehlen bislang häufig etablierte Produktionsketten und Vertriebswege für entsprechende Produkte. (M5)
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Rechtssicherheit und Konfliktpotenzial (-)
Ein verlässlicher Rechtsrahmen ist herausfordernd, weil Wiedervernässung Auswirkungen auf Nachbarflächen und Infrastruktur haben kann und Konflikte über Wasserstände und Haftungsfragen entstehen können. (M4)
Sachurteil
Ein pauschales gesetzliches Verbot der Landwirtschaft auf Moorflächen adressiert zwar ein zentrales Klimaproblem, da konventionelle, ertragsstarke Nutzung meist Entwässerung voraussetzt und damit Torfabbau sowie sehr hohe Treibhausgasemissionen verbunden sind. Die hohe Emissionsrelevanz entwässerter Moorböden in Niedersachsen spricht grundsätzlich für eine strikte politische Steuerung. Allerdings ist ein Verbot als Einzelmaßnahme fachlich nicht hinreichend, weil es die entscheidende Voraussetzung wirksamer Emissionsminderung – die Wiedervernässung – nicht automatisch herstellt, sondern zwingend ein aktives Wasser- und Flächenmanagement, Finanzierung, Zeit und Koordination erfordert. Zudem drohen erhebliche agrarökonomische Nebenwirkungen (Ertragseinbußen, Strukturbrüche) sowie Verlagerungseffekte im EU-Binnenmarkt. Sachlogisch erscheint daher weniger ein pauschales Totalverbot als zielführend, sondern ein gesetzlich geregelter Transformationspfad: schrittweiser Ausstieg aus entwässerungsbasierter Nutzung, prioritäre Wiedervernässung hoch emittierender Standorte, flankiert durch tragfähige Alternativen (Paludikultur) und belastbare Rechts- und Förderstrukturen.
Werturteil
Unter Priorisierung von Klimaschutz, Erhalt natürlicher CO₂-Senken und Biodiversität ist es normativ überzeugend, entwässerungsbasierte Moor-Landwirtschaft nicht fortzuführen, weil sie die Erwärmung über erhebliche Treibhausgasfreisetzung verstärkt und zugleich die Senkenfunktion zerstört. Gleichzeitig sind Wertmaßstäbe wie Versorgungssicherheit, Eigentumsrechte, soziale Fairness (Belastung landwirtschaftlicher Betriebe) sowie Gerechtigkeit im EU-Binnenmarkt und Rechtssicherheit zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund ist ein sofortiges, pauschales Verbot in seiner Absolutheit weniger überzeugend als eine verbindliche, gesetzlich abgesicherte Transformation mit klaren Fristen, Finanzierung und Rechtsrahmen: Entwässerungsbasierte Nutzung sollte planbar auslaufen, während Wiedervernässung, Paludikultur sowie Wertschöpfungsketten politisch, finanziell und rechtlich so abgesichert werden, dass Klimawirkung, Akzeptanz und Versorgungssicherheit zugleich berücksichtigt werden. Damit wird dem Klimaschutz als vorrangigem Ziel entsprochen, ohne berechtigte soziale, ökonomische und rechtsstaatliche Anforderungen auszublenden.