Aufgabe 2
Thema
Helden, Retter und Erlöser
Aufgabenstellung
Fasse Anliegen und Inhalt des vorliegenden Textes zusammen.
Entfalte unter Bezugnahme auf den Text typische Elemente von Umsetzungen des Helden-, Retter- und Erlösermotivs in der Gegenwart.
Thomas Frings bemüht sich, Menschen der Gegenwart die Bedeutung christlicher Motivik zu verdeutlichen. Aber benötigen Menschen das Christentum noch? Oder ist diese Religion am Ende?
Nimm hierzu einen begründeten Standpunkt ein.
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Frings, Thomas: Gott funktioniert nicht. Deswegen glaube ich an ihn, Freiburg 2019, S. 113-117 (gekürzt).
Thomas Frings (* 1960) war von 1991 bis 2016 Pfarrer in Münster und hat dieses Amt 2016 niedergelegt. Heute lebt er als Autor in Köln und wird in ganz Deutschland zu Vorträgen eingeladen.
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Thomas Frings geht im vorliegenden Text der Frage nach, was unter der häufig benutzten Begrifflichkeit Vorbild Jesus zu verstehen sein könnte. Dazu nutzt er den Spielfilm Gran Torino von Clint Eastwood, der nach Ansicht von Frings eine sehr anschauliche Verheutigung dessen darstellt, was die Kirche an den österlichen Tagen feiert.
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Frings geht ausführlich auf den Lernweg der Protagonisten ein: des verbitterten Kriegsveteranen Walt Kowalski, des asiatischen Nachbarsjungen Thao sowie eines jungen lebensunerfahrenen Priesters. Aus Walts Verachtung gegenüber dem Priester und aus der Fremdenfeindlichkeit gegenüber Thaos Familie erwachsen Annäherung und Respekt, die letztlich sogar in eine Selbsthingabe des todkranken Walt für die Nachbarfamilie münden.
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Frings zufolge gelingt es dem Film, zentrale Elemente des im Neuen Testament skizzierten Erlösungsgeschehens aufzunehmen und zu einer dichten Story zu verarbeiten: Das gemeinsame Essen mit den eingewanderten Nachbarn als Gründonnerstagsmahl, der bewusste, inszenierte Gang des Protagonisten in den Tod (Karfreitag) sowie die Ermöglichung von Leben und Zukunft für die Nachbarsfamilie als Konsequenz des gewaltfreien Sterbens (Ostern).
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Frings hebt als Qualität des Filmes hervor, dass zentrale Aspekte des christlichen Glaubens (Bund, Gemeinschaft, Hingabe, ewiges Leben) lebensnah veranschaulicht und für die Gegenwart erschlossen worden seien. Insbesondere wird vom Autor der Verzicht auf (direkte) Rache als Antwort auf erlittenes Unrecht thematisiert. • Mit Blick auf die Ausgangsfrage resümiert der Autor: Das Leben Jesu könne nicht als „Kopiervorlage“ (Z. 89) verstanden werden, sondern als Modell, das immer neu adaptiert und kontextuiert werden müsse.
Aufgabe 2
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Solidarität/Vorbildhaftigkeit: Helden-, Retter- und Erlösergestalten engagieren sich für einzelne Menschen, für Gruppen oder die Menschheit als Ganzes. Das grundlegende „Robin-Hood-Motiv“ verweist darauf, dass Einzelne oder wehrlose Gruppen von Mächtigen und Gewalttätigen bedroht werden, denen Widerstand entgegengesetzt werden muss. In dem von Frings genutzten Filmauszug aus Gran Torino werden Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppe von Einwanderern visualisiert, die das entschlossene Einschreiten eines Kriegsveteranen erfordern (Vgl. Z. 24 ff.). Thomas Frings sieht in dem Wandel und solidarischen Handeln Kowalskis eine Vorbildwirkung für Christen (Vgl. Z. 84 f.), implizit aber für alle Menschen (Vgl. Z. 80 ff.).
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Fähigkeiten und Tugenden: Helden-, Retter- und Erlösergestalten zeichnen sich durch Körper- oder Geisteskräfte aus, häufig auch durch Geschick, Mut und Finesse (Superheldentum). In Gran Torino wird der u. U. von den Zuschauern erwartete Waffeneinsatz durch den Kriegsveteranen (Vgl. Z. 24 f.) am Ende durch eine geschickte gewaltfreie Inszenierung (Z. 45 ff.) ersetzt.
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Selbsthingabe: Der Tod des Helden steht nicht notwendig am Ende eines Films bzw. einer Erzählung. Dadurch würden Fortsetzungen blockiert werden. Im Einzelfall kann allerdings das Motiv des Opfertodes als heroisches Element gezielt eingesetzt werden. Situationen werden dann so zugespitzt, dass nur der Tod Rettung bringen kann (z. B. im Film „Armageddon“). In Gran Torino wird das christliche Selbstopfer als Motiv genutzt, um eine scheinbar ausweglose Situation zu klären (Vgl. Z. 50 ff.).
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Unscheinbarkeit/Verborgenheit: Helden, Retter und Erlöser kommen zu ihren Aufträgen auf unterschiedlichen Wegen. Manchmal haben sie mit Blick auf ihre Aufgabe eine qualifizierende Vergangenheit hinter sich (Rambo), manchmal werden sie von anderen gesucht (Neo/Matrix, Harry Potter), zuweilen führt sie ein vermeintlicher Zufall zu ihrer Bestimmung (Spiderman). In der Regel nehmen sie ihre Aufgabe eher widerwillig an. Auch bei Walt Kowalski in Gran Torino ist diese Motivik vorzufinden und er wird eher über Umwege zum Helden
Aufgabe 3
Exemplarische Ansätze:
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Statistisch gesehen nehmen Kirchenbindung und „messbare“ Christlichkeit seit Jahrzehnten ab. Es scheint sich um eine Entwicklung vorwiegend in Europa zu handeln, dem ein Religionsboom in anderen Teilen der Welt entgegensteht.
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Aufklärung und Säkularität machen es Menschen der Gegenwart schwer, klassische Glaubensinhalte und Glaubenssätze anzunehmen. Kernelemente der biblisch-christlichen Religion (Wunder, Auferweckung, Gottessohnschaft) gelten ihnen als mythologisch und (deshalb) unwahr.
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Kirche scheint in Deutschland der authentischen Christentums-Kommunikation eher im Wege zu stehen. Das Ringen um den Synodalen Weg macht deutlich, dass insbesondere die katholische Kirche sich der Verheutigung nach wie vor verweigert. Konservative Kräfte sehen in der „Anpassung an die Moderne“ das Grundproblem des „Glaubensabfalls“.
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Thomas Frings macht darauf aufmerksam, dass christliche Anliegen weiterhin in Geltung sind, wenn auch anders „gelabelt“. In diesem Sinne sind auch Kernelemente des biblisch-christlichen Ethos gesellschaftlich akzeptiert und in Geltung (z. B. Sozialstaat, Friedenspolitik, Gerechtigkeitsverlangen). Kritisch eingewendet kann aber gesagt werden, dass wesentliche Anliegen der Gegenwart (z. B. Frieden, Klima- und Tierschutz) auch ohne christliche Begründungen auskommen können.
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Das biblisch-christliche Menschenbild wird einerseits als Grundlage moderner normativer Konzepte (Menschenwürde, Menschenrechte, Verantwortlichkeit) gewürdigt. Auf der anderen Seite legt der Begriff der Sünde nahe, dass Menschen generell unter Verdacht stehen und das Christentum sich eine Wächterfunktion über Gut und Böse anmaßt. Eine solche Vormundschaft lässt sich mit der in der Moderne beanspruchten Autonomie kaum vereinbaren.