Aufgabe I
I. Übersetzung
Übersetze den anliegenden lateinischen Text in angemessenes Deutsch!
II. Interpretation
Arbeite aus dem Text (Z. 7–10) heraus, welche Anzeichen die Römer dazu bewegen, Philipp als zuverlässigen Bündnispartner anzusehen!
Nenne vier verschiedene sprachlich-stilistische Mittel, die im Text vorkommen, und erkläre deren Funktion im Textzusammenhang!
Stelle die Kardinaltugenden dar, die Cicero in seinem Werk de officiis behandelt, und zeige auf dieser Basis, dass Ti. Sempronius Gracchus, so wie er im Text dargestellt wird, tugendhaft ist!
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Übersetzungstext
Rom befindet sich im Krieg gegen den kleinasiatischen König Antiochus. Der befehlshabende Konsul L. Scipio (vgl. Z. 1 und Z. 10) möchte deshalb mit seinem Heer durch Thrakien (vgl. Z. 3) ziehen. Sein Bruder Scipio Africanus (vgl. Z. 1) zweifelt aber an der Loyalität des Makedonenkönigs Philipp V. (vgl. Z. 2), der das Gebiet kontrolliert.
(147 Wörter ohne die in Z. 4 f. übersetzte Passage)
Anlage 2
Hilfen
Z. 1 insistere, insisto– hier: beschreiten wollen
verti (vertor) in mit Abl. – von etwas abhängen
Z. 2 voluntas, voluntatis f. – das Wohlwollen
commeatus, commeatuum m. (Pl.) – Verpflegung (Sg.)
Z. 3 suppeditare, suppedito mit Akk. – etwas zur Verfügung stellen (Subjekt ist Qui, siehe Z. 2.)
destituere, destituo – untreu werden
nihil satis tutum (n.) – keine ausreichende Sicherheit
Z. 4 placet – hier: ich empfehle
Z. 4 f. si … mittetur – wenn ein Gesandter den König unvorbereitet antrifft
Z. 5 Ti. Sempronius Gracchus – Eigenname eines römischen Adligen
longe (Adv.) – mit Abstand; bei Weitem
delectus – Lesen Sie: delectus〈est〉
Z. 6 dispositus, a, um – vorbereitet (Für den Gesandten standen an verschiedenen Stützpunkten ausgeruhte Tiere zum schnellen Wechsel bereit.)
Amphissa, ae f. – Amphissa (Stadt in Mittelgriechenland)
Z. 7 Pella, aef. – Pella (Residenzstadt von Philipp V. in Makedonien)
in multum vini procedere (procedo, processi)– hier: schon viel Wein trinken
remissio, remissionis f. – Gelöstheit; Unverstelltheit
Z. 8 suspicionem demere (demo, dempsi) mit AcI – den Verdacht beseitigen, dass
novare quicquam – hier: einen Bündnisbruch planen (Philipp V. galt bei den Römern als unzuverlässiger Bündnispartner.)
quidem (Adv.) – hier: tatsächlich
Z. 9 commeatus – siehe Hilfe zu Z. 2
Z. 9 f. paratos / factos / munitas – Lesen Sie: paratos / factos / munitas〈esse〉
Z. 10 vidit – Subjekt ist Ti. Sempronius Gracchus.
haec referens – um dies zu berichten
eadem celeritate – mit der gleichen Geschwindigkeit
Thaumacis – in Thaumakoi (Stadt in Thessalien)
Z. 11 Macedonia, ae f. – Makedonien
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Da sagte Africanus zu seinem Bruder: „Den Weg, den du, L. Scipio, beschreiten willst, heiße auch ich gut. Aber das Ganze hängt vom Wohlwollen Philipps ab. Wenn er treu zu unserer Herrschaft steht, wird er uns die Route und die Verpflegung und alles, was auf dem langen Weg die Heere nährt und stützt, zur Verfügung stellen. Wenn er untreu wird, wirst du in Thrakien keine ausreichende Sicherheit haben. Daher empfehle ich, vorher die Gesinnung des Königs auszukundschaften. Sie wird am besten in Erfahrung gebracht, wenn ein Gesandter den König unvorbereitet antrifft.“ (5) Dafür ausgewählt wurde Ti. Sempronius Gracchus, damals der bei Weitem tatkräftigste junge Mann; auf vorbereiteten Pferden kam er mit fast unglaublicher Schnelligkeit von Amphissa – denn von dort wurde er ausgeschickt – am dritten Tag nach Pella. Der König war bei einem Gelage und hatte schon viel Wein getrunken. Eben diese Unverstelltheit des Geistes beseitigte den Verdacht, dass er einen Bündnisbruch planen wollte. Und tatsächlich wurde der Gast da freundlich aufgenommen. Am folgenden Tag sah er, dass die Verpflegung für das Heer großzügig vorbereitet, Brücken über die Flüsse gebaut, Wege, wo der Durchmarsch schwierig war, befestigt worden waren. (10) Um dies zu berichten, eilte er mit der gleichen Geschwindigkeit, mit der er aufgebrochen war, in Thaumakoi dem Konsul entgegen. Von da gelangte das Heer, froh über die gewissere und größere Hoffnung, nach Makedonien zu all den vorbereiteten Dingen.
II. Interpretation
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Der König wird von Ti. Sempronius Gracchus unvorbereitet und vom Wein gelöst angetroffen, dadurch wirkt sein Verhalten unverstellt (vgl. Z. 7 f.).
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Der König empfängt ihn freundlich (Z. 8).
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Philipp hat umfangreiche und großzügige Vorbereitungen getroffen, um das römische Heer problemlos passieren zu lassen (vgl. Z. 9 f.).
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Das Polysyndeton „et iter et commeatus et omnia, quae in longo itinere exercitus alunt iuvantque“ (Z. 2 f.) stellt heraus, dass das Heer viele Dinge benötigt, wenn es durch das von Philipp kontrollierte Gebiet zieht.
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Das Hendiadyoin „alunt iuvantque“ (Z. 3) fasst den logistischen Aufwand, den ein Heer auf dem Marsch verursacht, prägnant zusammen.
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Die Ellipse von est in „acceptus hospes“ (Z. 8) verweist auf die umstandslose Selbstverständlichkeit, mit der der überraschend eingetroffene Römer von Philipp empfangen wird.
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Das Asyndeton „commeatus … paratos … , pontes … factos, vias … munitas“ (Z. 9 f.) reiht die vielen positiven Eindrücke aneinander, die Ti. Sempronius Gracchus rasch wahrnimmt.
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Als intellektuelle und den Menschen auszeichnende Tugend steht die Weisheit/Klugheit (sapientia/prudentia) für das Durchschauen und Verstehen der Wahrheit.
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Gerechtigkeit (iustitia), Tapferkeit (fortitudo) und Besonnenheit/Mäßigung (temperantia/moderatio) regeln unter Lenkung der Weisheit/Klugheit als praktische Tugenden das individuelle und soziale Leben.
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Die Weisheit ist auch eine Form der intellektuellen Geschicklichkeit; Tapferkeit erweist sich als unbeugsame Kraft des Geistes und die Besonnenheit als Mäßigung v. a. im sozialen Umgang; die Gerechtigkeit soll jedem Menschen das ihm Zukommende vermitteln.
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Der Gewaltritt des Ti. Sempronius Gracchus und sein einsames Agieren an einem möglicherweise feindseligen Hof belegen zunächst einmal seine Tapferkeit. Auch zeigt er Besonnenheit und Weisheit, da er in taktvoller Weise rasch zu einer validen Lageeinschätzung kommen muss. Daher verhält sich Ti. Sempronius Gracchus tugendhaft.