Aufgabe II – Trainings- und bewegungswissenschaftliche Aspekte im Sportspiel Volleyball
Nach den olympischen Spielen 2012 in London war im Jahr 2024 zum ersten Mal wieder eine deutsche Volleyballnationalmannschaft für ein olympisches Turnier qualifiziert. Die deutschen Herren wussten dabei mit Spielwitz, Athletik und hoher Durchschlagskraft zu gefallen und schafften es bis ins Viertelfinale des Turniers. Vor allem spezifische Kraftfähigkeiten waren eine Basis ihres Erfolges.
Kraftarten bzw. Kraftfähigkeiten im Sportspiel Volleyball
Stelle die im Sportspiel Volleyball leistungsbestimmenden Kraftarten bzw. Kraftfähigkeiten anhand von ausgewählten Spielaktionen auch unter Verwendung von Material M1a-c dar.
Systematisches Krafttraining ist die Basis für das Umsetzen aller spezifischen Kraftarten bzw. Kraftfähigkeiten im Wettkampf. Um langfristig die Kraftarten bzw. Kraftfähigkeiten aufzubauen, ist es jedoch nicht ausreichend, mit nur einer Trainingsmethode zu trainieren.
Methoden des Krafttrainings
Beschreibe zwei für eine Volleyballerin bzw. einen Volleyballer geeignete Krafttrainingsmethoden und wende diese jeweils anhand einer passenden Übung an.
Sprungaufschläge sind im Sportspiel Volleyball ein wichtiges Element des Spiels von Spitzenmannschaften.
Bewegungslernen im Sportspiel Volleyball
Erläutere die Lernvoraussetzungen und einen möglichen Lehrweg für die Vermittlung des Sprungaufschlags im Sportspiel Volleyball. Das Material M2 dient hierbei der Veranschaulichung der Bewegung.
Volleyball und Beachvolleyball haben viele Gemeinsamkeiten. Viele Spielhandlungen sind in beiden Spielen ähnlich, die Bedingungen, unter denen sie ausgeführt werden, unterscheiden sich jedoch.
Analyse der Anforderungsprofile der Sportspiele Hallenvolleyball und Beachvolleyball
Analysiere anhand des koordinativen Anforderungsprofils (KAR-Modell) nach NEUMAIER die Unterschiede in den Sportspielen Volleyball und Beachvolleyball unter Berücksichtigung des Materials M3.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M1a Block und Angriff

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung Online, 04.10.2023, DPA
https://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/volleyball-olympia-qualifikationen-deutschland-besiegt-brasilien-19218617.html
(letzter Zugriff: 23.10.2024)
M1b Dynamische Abwehr

Quelle: Volleyball Freak Online, 30.01.2020, TOBIAS GOERLICH
https://www.volleyballfreak.de/volleyballfreak-tipps-fuer-teambuilding-massnahmen
(letzter Zugriff: 23.10.2024)
M1c Sprunghandlungen im Sportspiel Volleyball
Quelle: verändert nach: Leistungslust Online, September 2020, DOMINIK LUDWIG
https://leistungslust.de/artikel/volleyball/
(letzter Zugriff: 23.10.2024)
M2 Bewegungslernen im Sportspiel Volleyball


Quelle: Westdeutscher Volleyball-Verband Schulsportportal Online
https://www.volleyball.nrw/schulsportportal/upload/1363962875_Bildreihe%20Sprungaufschlag.pdf
(letzter Zugriff: 13.08.2024)
M3 Analyse der Anforderungsprofile der Sportspiele Hallenvolleyball und Beachvolleyball
|
Volleyball (Halle) |
Beachvolleyball |
|
|
Anzahl der Spielerinnen bzw. Spieler |
6 + 6 Auswechselspieler |
2 |
|
Spielerrollen/Spielerpositionen |
feste Rollen-/Positionszuordnung unter Beachtung des Rotationsprinzips |
flexiblere Rollen-/Positions- zuordnung je nach Spielsituation |
|
Punkte pro Satz |
25 – nur im 5. Satz 15 |
21 – nur im 3. Satz 15 |
|
Untergrund/Umgebung |
Hallenboden |
Sand, draußen |
|
Taktische Anforderungen |
komplex, aufgrund der höheren Spieleranzahl, der regeltechnischen Vorgaben und den dadurch möglichen Spielhandlungen |
mittel, durch die begrenzte Anzahl an Spielern |
|
Anzahl der Angriffsschläge pro Spielerin bzw. Spieler in einem Spiel |
hoch, positionsabhängig |
sehr hoch |
|
Anzahl der Aufschläge pro Spielerin bzw. Spieler in einem Spiel |
mittel |
sehr hoch |
|
Anzahl der Bagger (tiefe Abwehraktion) pro Spielerin bzw. Spieler in einem Spiel |
gering, Libero-Position hoch |
mittel |
|
Durchschnittliche Dauer eines Ballwechsels |
8-12 Sekunden |
5-10 Sekunden |
|
Spielfeldgröße |
9 x 9 Meter |
8 x 8 Meter |
|
Empfundener mentaler Druck |
mittel bis hoch, positionsabhängig |
sehr hoch |
Quelle: Zentralabiturkommission Sport 2025
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Im Sportspiel Volleyball sind verschiedene Kraftarten bzw. Kraftfähigkeiten entscheidend für die Leistungsfähigkeit der Spielerinnen bzw. Spieler. Diese beeinflussen die Ausführung nahezu aller Bewegungen im Spiel, von Sprüngen über Angriffsschläge bis hin zu Blocks und Abwehraktionen.
Die Maximalkraft ist die größtmögliche Kraft, die ein Muskel oder eine Muskelgruppe bei einer einmaligen Kontraktion ausüben kann. Sie ist als Basiskraft für alle anderen Kraftfähigkeiten zu verstehen und damit maßgebliche Voraussetzung für das Niveau z. B. der Sprungkraft und der Schlagkraft (z. B. Blockspieler und Angreifer in M1a).
Die Schnellkraft ist die Fähigkeit, bei schnellen Bewegungen Kraft zu erzeugen. Sie ist entscheidend für explosive Bewegungen, die man vor allem bei Sprüngen und Angriffsschlägen findet, aber auch bei explosiven Abwehraktionen (z. B. die Technik des Hechtbaggers in M1b), um dynamisch abzuwehren.
Reaktivkraft ist die Fähigkeit, Energie in elastischen Strukturen zu speichern und anschließend wieder nutzbar zu machen (schneller Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus). Sie ist beim Volleyball bei allen Sprüngen, schnellen Richtungswechseln und Angriffsschlägen sowie Aufschlägen relevant.
Die Kraftausdauer ist die Fähigkeit, bei einer bestimmten Wiederholungszahl von Kraftstößen innerhalb eines definierten Zeitraums die Verringerung der Kraftstöße möglichst gering zu halten. Vor allem die Kraftausdauer ist infolge der vielen Sprünge, Richtungswechsel und Angriffsschläge – in Bezug auf dynamische schnelle Bewegungen – beim Volleyball relevant (z. B. die Anzahl der Sprünge in M1c).
Z. B. nach KIBELE/KONOPKA:
Methode der wiederholten submaximalen explosiven Kontraktionen:
Kraftfähigkeit: Maximalkraft
Belastungsintensität: 60-90 %
Belastungsumfang: 10-20 Wiederholungen/Serie; 3-6 Serien pro Trainingseinheit
Belastungsdichte: 2-3 Minuten Serienpause
Kontraktionsgeschwindigkeit: langsam bis zügig
Trainingsziel: Erhöhung des Muskelquerschnitts
Eine geeignete Übung ist z. B. die Kniebeuge mit einer Langhantel.
Die Kniebeuge muss mit entsprechendem Zusatzgewicht (Langhantel, Cattle Bell, Gewichtsweste etc.), das zwischen 60 und 90 % der Maximalkraft in Bezug auf diese Übung liegt, umgesetzt werden.
Es werden 3-6 Serien mit 10-20 Wiederholungen und Serienpausen von 2-3 Minuten (in Abhängigkeit von der Höhe der Belastung) mit langsamer bis zügiger Kontraktionsgeschwindigkeit durchgeführt.
Methode der maximal explosiven Kontraktionen:
Kraftfähigkeit: Maximalkraft und Schnellkraft
Belastungsintensität: 90-100 %
Belastungsumfang: 1-3 Wiederholungen/Serie; 2-5 Serien pro Trainingseinheit
Belastungsdichte: 5-6 Minuten Serienpause
Kontraktionsgeschwindigkeit: explosiv
Trainingsziel: Verbesserung der willkürlichen Aktivierungsfähigkeit
Eine geeignete Langhantelübung ist z. B. das Kreuzheben.
Das Kreuzheben muss mit entsprechendem Zusatzgewicht (Langhantel, Cattle Bell, Gewichtsweste etc.), das zwischen 90 und 100 % der Maximalkraft in Bezug auf diese Übung liegt, umgesetzt werden. Es werden 2-5 Serien mit 1-3 Wiederholungen und Serienpausen von 5-6 Minuten (in Abhängigkeit von der Höhe der Belastung) mit explosiver Kontraktionsgeschwindigkeit durchgeführt.
Mögliche Lernvoraussetzungen: Die Spielerinnen bzw. Spieler sollten über eine gute Schlaghärte verfügen. Eine gute Hand-Augen-Koordination ist wichtig, um den Ball präzise sowie im Sprung zu treffen. Die Spielerinnen bzw. Spieler sollten bereits den Aufschlag von oben aus dem Stand sowie den Angriffsschlag beherrschen.
Erläuterung eines möglichen Lehrweges z. B. nach KIBELE/KONOPKA:
Es handelt sich um eine komplexe Bewegung mit hohem Schwierigkeitsgrad. Daher bietet sich in der Vermittlung ein deduktives Vorgehen mithilfe eines analytisch-synthetischen Verfahrens, der Zergliederungsmethode an. Durch die Bewegung im Sprung bietet sich das Prinzip der Verkürzung der Programmlänge zum Einstieg in den Lernprozess an.
In einer kognitiven Phase sollte zunächst der Sprungaufschlag und seine Bedeutung für das Volleyballspiel erläutert werden. Im Anschluss sollte bei den Lernenden eine Bewegungsvorstellung geschaffen werden, indem die Bewegung funktional korrekt präsentiert wird (Demonstration/Video/Bildreihe).
Es folgt das Erlernen des regelgerechten Anlaufs und Absprungs hinter der Grundlinie, z. B. als Trockenübung. Der Vermittlungsschwerpunkt liegt hierbei auf einer sinnvollen Schrittfolge und einem explosiven beidbeinigen Absprung mit Schwungarmeinsatz.
Im nächsten Schritt erfolgt die Kopplung mit dem Ballwurf. Die Spielerin (bzw. der Spieler) wirft nun den Ball an, läuft an und versucht den Ball am höchsten Punkt des Sprunges zu treffen. Bei dieser Übung muss noch kein Schlag über ein Netz erfolgen.
In der nächsten Stufe wird der Sprungaufschlag über ein Volleyballnetz geübt. Als weiterer Progressionsschritt könnten sich Sprungaufschläge auf Ziele jenseits des Netzes anschließen.
Das Koordinations-Anforderungs-Regler-Modell (KAR-Modell) nach NEUMAIER bietet eine detaillierte Analyse der koordinativen Anforderungen, die bei verschiedenen Sportarten auftreten. Es berücksichtigt sowohl die Informationsanforderungen, die über die Sinnesorgane wahrgenommen werden, als auch die Druckbedingungen, unter denen die Bewegungen ausgeführt werden.
Die Unterschiede zwischen den Sportspielen Volleyball und Beachvolleyball unter Berücksichtigung des KAR-Modells sind:
Informationsanforderungen:
Volleyball: Hier spielen optische und akustische Informationen eine große Rolle. Spielerinnen und Spieler müssen ständig visuelle Informationen über die Position des Balls, der Mitspielerinnen bzw. Mitspieler und der Gegnerinnen bzw. Gegner verarbeiten. Akustische Signale, wie Rufe der Mitspielerinnen bzw. Mitspieler, sind ebenfalls wichtig.
Beachvolleyball: Zusätzlich zu den optischen und akustischen Informationen sind taktile und kinästhetische Informationen von größerer Bedeutung. Der Sand als Untergrund verändert die Bewegungswahrnehmung und Bewegungsausführung erheblich.
Gleichgewicht:
Volleyball: Das Gleichgewicht wird hauptsächlich durch die festen Hallenböden unterstützt. Das Gleichgewicht und die schnellen Richtungswechsel sind dennoch entscheidend, besonders bei Sprüngen, Landungen und wechselnden Spielsituationen.
Beachvolleyball: Der weiche Sand erschwert das Halten des Gleichgewichts und erfordert eine ständige Anpassung der Bewegungen. Dies erhöht die Anforderungen an die kinästhetischen und vestibulären Sinne.
Druckbedingungen:
Präzisionsdruck: Anforderungen hinsichtlich der Bewegungsgenauigkeit (Verlaufs- und Ergebnisgenauigkeit)
Im Hallenvolleyball ist es jedoch aufgrund der höheren Spieleranzahl im Feld schwieriger, eine Lücke in der gegnerischen Verteidigung zu finden.
Zeitdruck: Anforderung hinsichtlich verfügbarer Bewegungszeit und/oder der zu erreichenden Bewegungsgeschwindigkeit
In beiden Sportarten ist der Zeitdruck hoch, da schnelle Reaktionen auf den Ball erforderlich sind. Im Beachvolleyball ist der Zeitdruck oft noch höher, da es nur zwei Spielerinnen bzw. zwei Spieler bei annähernd gleicher Spielfeldgröße pro Team gibt.
Komplexitätsdruck: Anforderungen hinsichtlich der gleichzeitig ablaufenden und/oder aufeinanderfolgenden Bewegungsanteile sowie des Umfangs der dabei einzusetzenden Muskelgruppen
Volleyball hat oft komplexere Spielzüge und Taktiken aufgrund der größeren Anzahl von Spielerinnen bzw. Spielern und der regeltechnischen Bestimmungen (z. B. Angriffslinie). Beachvolleyball erfordert hingegen eine hohe Vielseitigkeit und Flexibilität, da jede Spielerin bzw. jeder Spieler mehrere Rollen übernehmen muss.
Situationsdruck: Anforderungen hinsichtlich der Variabilität und der Komplexität der Umgebungs- und Situationsbedingungen
Der Situationsdruck ist im Hinblick auf die Komplexität der Situation im Hallenvolleyball größer, da durch mehrere Spielerinnen bzw. Spieler vielfältigere Spielhandlungen möglich sind. Die Umgebungs- und Situationsbedingungen sind jedoch beim Beachvolleyball aufgrund der externen Einflüsse wie Wind, Wetter, Sonne und dem weichen Untergrund schwieriger.
Belastungsdruck: Anforderungen hinsichtlich der physisch-konditionellen und der psychischen Belastungsbedingungen
Beachvolleyball stellt höhere physische Anforderungen, da das Spiel auf Sand mehr Kraft und Ausdauer erfordert. Die Spielerinnen bzw. Spieler müssen sich zudem an wechselnde Wetterbedingungen anpassen.