HT 1
Turnen – eine motorisch anspruchsvolle und psychisch herausfordernde Sportart
Stelle die Prozesse der Energiebereitstellung im Muskel bei sportlicher Belastung dar und erläutere anschließend auf der Grundlage von M 1, welche Formen der Energiebereitstellung beim Turnen einer Kür auf dem Schwebebalken relevant sind.
Analysiere den in M 2 dargestellten Bewegungsablauf des Saltos vorwärts auf Basis der funktionalen Bewegungsanalyse nach Göhner.
2021 hat Simone Biles aufgrund mentaler Probleme die Olympischen Spiele in Tokyo frühzeitig abgebrochen.
Analysiere das Verhalten von Simone Biles (M 4) vor dem Hintergrund des Stressmodells nach Lazarus (M 3). Beurteile anschließend für drei der in M 5 genannten Maßnahmen, inwiefern diese für Teilnehmende an Olympischen Spielen geeignete Coping-Strategien darstellen können.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M 1: Turnen einer Kür auf dem Schwebebalken
Infos zum Gerät
Die Turnerin balanciert auf einem schmalen Balken, der eine Länge von
hat. Die Höhe des Balkens beträgt
. Eine Übung darf maximal
Sekunden dauern, bei Überschreitung der Zeit gibt es Abzüge (
Punkte pro Element, das nach dem 90-Sekunden-Zeitlimit ausgeführt wird). Ein Signal (Gong) wird zehn (
) Sekunden vor dem maximalen Zeitlimit und erneut zum maximalen Zeitlimit (
Minuten) gesendet, um anzuzeigen, dass die Übung beendet werden soll.
Die allgemeine Wertung beginnt mit dem Absprung vom Brett oder der Matte. Die Turnerin muss acht Elemente zeigen, davon drei Akrobatikelemente (anspruchsvolle turnerische Bewegungen, z. B. Salto, Flickflack etc.), drei Tanzelemente und zwei optionale Elemente (Sprünge, Drehungen). Es zählt vor allem Eleganz, Kreativität und Präzision.
Komposition und Choreografie
Eine gut strukturierte Zusammenstellung der Übung beinhaltet eine abwechslungsreiche Auswahl an Elementen aus verschiedenen Strukturgruppen1, Levelwechsel (auf und ab), Richtungswechsel (vorwärts, rückwärts, seitwärts), Rhythmuswechsel und Tempo, kreative Bewegungen und Übergänge.
Rhythmus und Tempo
Rhythmus und Tempo (Geschwindigkeit, Tempo) müssen abwechslungsreich sein, mal lebhaft, mal langsam, aber überwiegend dynamisch und vor allem ununterbrochen. Der Übergang zwischen den Bewegungen und Elementen sollte fließend sein: ohne unnötige Pausen oder längere vorbereitende Bewegungen vor den Elementen. Die Übung sollte nicht eine Reihe von getrennten Elementen sein.
Quelle: Autorentext
1Als Strukturgruppen bezeichnet man eine Klassifizierung von Turnelementen nach ihren technischen Merkmalen, um sie systematisch zu ordnen.
M 2: Der Salto vorwärts

Quelle: http://www.sportunterricht.de/lksport/bewegab8.html (Zugriff: 04.06.2025)
M 3: Das transaktionale Stressmodell nach Lazarus

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Stressmodell_von_Lazarus (leicht geändert; Zugriff: 26.01.2026)
M 4: Simone Biles’ mutigste Tat: Sich selbst zu wählen
1Als viral wird im gesellschaftlichen Sinn eine schnelle Verbreitung eines Videos oder einer Nachricht innerhalb kürzester Zeit über Soziale Medien oder das Internet.
2Obwohl die Spiele coronabedingt erst 2021 stattfinden konnten, wurde die Bezeichnung „Tokio 2020“ beibehalten.
3Für ihre weitere Karriere war es kein Hindernis. Bei den Olympischen Spielen 2024 gewann sie beispielsweise drei weitere Goldmedaillen.
Quelle: https://olympics.com/de/news/simone-biles-mutigste-tat-sich-selbst-zu-wahlen (gekürzt; geändert; Zugriff: 26.01.2026)
M 5: Was hilft Athleten und Athletinnen dabei, psychisch stabil zu bleiben?
Quelle: https://www.rnd.de/gesundheit/olympische-spiele-was-hilft-athleten-psychisch-stabil-zu-bleiben-KPMXEDU3W5HRRKTQNCVQVCUZUA.html#:~:text=Simone%20Biles%20nutzt%20nach%20eigenen,nach%20Tokio%20geholfen%20zu%20haben (gekürzt; Zugriff: 26.01.2026)
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Energiebereitstellung und Anwendung auf die Schwebebalken-Kür
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Prozesse der Energiebereitstellung:
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Anaerob-alaktazid (ATP-KP-Speicher): Sehr schnelle Energiebereitstellung für hochintensive Maximalbelastungen von kurzer Dauer (ca. bis zu 10 Sekunden), ohne Laktatbildung.
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Anaerob-laktazid (Glykolyse): Schnelle Energiebereitstellung durch unvollständigen Kohlenhydratabbau bei intensiven Belastungen (ca. 15 bis 90 Sekunden), geht mit Laktatbildung und Ermüdung einher.
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Aerob (Kohlenhydrat- und Fettverbrennung): Langsame Energiebereitstellung bei geringerer bis mittlerer Intensität über einen langen Zeitraum, ohne Laktatbildung.
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Anwendung auf das Turnen am Schwebebalken (M1):
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Die Dauer einer Übung beträgt maximal 90 Sekunden.
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Während der Kür werden extrem explosive Akrobatikelemente (z. B. Salto, Flickflack) und Sprünge gefordert. Für diese kurzen, maximalkräftigen Aktionen ist primär die anaerob-alaktazide Energiebereitstellung relevant.
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Da Rhythmus und Tempo dynamisch und ununterbrochen sein sollen, also "ohne unnötige Pausen" geturnt wird, kumuliert die Belastung über die 90 Sekunden. Die Muskulatur greift zur Aufrechterhaltung der hochintensiven Leistung verstärkt auf die anaerob-laktazide Energiebereitstellung zurück.
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Die aerobe Energiebereitstellung spielt während der Kürausführung nur eine untergeordnete Rolle, ist jedoch für die schnelle Erholung (Regeneration) zwischen Trainingseinheiten und Wettkämpfen essentiell.
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Bewegungsanalyse nach Göhner (Salto vorwärts, M 2)
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Nach Göhner werden Bewegungen in Funktionsphasen (Vorbereitungs-, Haupt- und Endphase) unterteilt, die sich in Haupt- und Hilfsfunktionen gliedern.
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Vorbereitungsphase (Bild 1–5):
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Ablauf: Die Turnerin führt einen Anlauf durch, gefolgt von einem Einsprung (Hüpfer) und einem kräftigen Armschwung nach oben-vorne.
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Funktion (Hilfsfunktion): Schaffung optimaler biomechanischer Voraussetzungen. Die Anlaufgeschwindigkeit wird in Absprungkraft umgewandelt (Erhöhung des Impulses), der Körperschwerpunkt wird für den Absprung gesenkt und die Arme unterstützen den Auftrieb.
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Hauptphase (Bild 6–12):
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Ablauf: Nach dem Absprung verlässt die Turnerin den Boden, zieht Beine und Arme eng an den Körper (Kauerstellung) und dreht sich einmal um ihre Breitenachse.
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Funktion (Hauptfunktion): Bewältigung der eigentlichen Bewegungsaufgabe (Rotation). Durch das enge Anziehen der Extremitäten in der Flugphase (Bilder 8-10) wird das Trägheitsmoment verringert und die Rotationsgeschwindigkeit optimiert, um die Drehung vollständig ausführen zu können.
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Endphase (Bild 13–16):
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Ablauf: Öffnen der Kauerhaltung (Streckung des Körpers) zur Vorbereitung der Landung auf beiden Beinen; Knie geben zur Dämpfung leicht nach, die Arme werden zur Balance gehoben.
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Funktion (Hilfsfunktion): Wiederherstellung eines stabilen statischen Zustands (Gleichgewicht) und sicheres, verletzungsfreies Abfangen des Körpers (Reduzierung der wirkenden Kräfte) nach der Flugphase.
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Analyse von Simone Biles nach Lazarus und Beurteilung von Coping-Strategien
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Analyse nach dem transaktionalen Stressmodell (M3 & M4):
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Stressor (Umwelt): Der olympische Wettkampf, der Druck eines Teamfinals sowie der Verlust der räumlichen Orientierung.
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Primäre Bewertung: Biles interpretiert die Situation als gefährlich/Bedrohung. Sie erkennt die Gefahr einer körperlichen Verletzung sowie die Bedrohung, ihrem Team durch Fehler eine Medaille zu kosten.
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Sekundäre Bewertung (Ressourcen): Sie analysiert, dass ihre aktuellen Ressourcen (Körper und Geist im Ungleichgewicht) mangelhaft sind, um den Stressor erfolgreich zu bewältigen. Dies führt zur Entstehung von Stress.
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Coping (Stressbewältigung): Biles nutzt problemorientiertes Coping, indem sie die Situation selbst ändert und den Wettkampf abbricht bzw. später ihren Abgang am Schwebebalken technisch vereinfacht. Zudem nutzt sie emotionsorientiertes Coping, indem sie sich zurückzieht, um an ihrer mentalen Einstellung zu arbeiten und sich selbst in den Vordergrund zu stellen (Selbstschutz).
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Neubewertung: Der veränderte Abgang gibt ihr Selbstvertrauen zurück. Sie geht gestärkt aus der Situation hervor, passt sich an und gewinnt die Bronzemedaille.
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Beurteilung der Coping-Maßnahmen (M5):
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Maßnahme 1 - Psychologische Hotline in 70 Sprachen: Geeignet. Dies ist eine problemorientierte Hilfestellung, die durch die Vielsprachigkeit die Hürden für Athleten senkt, akute Hilfe anzufordern.
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Maßnahme 2 - Entspannungsbereich (VR, ruhige Atmosphäre): Geeignet. Dies unterstützt vorrangig emotionsorientiertes Coping. Die Athleten können sich vom physischen Ort des Stresses (Wettkampfstätte) distanzieren und durch Achtsamkeit oder virtuelle Realität ihre Erregung regulieren.
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Maßnahme 3 - Destigmatisierendes Umfeld durch Trainer (Mentale Hygiene): Besonders nachhaltig geeignet. Dies greift bereits in der präventiven Phase und bei der sekundären Bewertung an, indem es Ressourcen stärkt. Wenn Trainer psychische Probleme enttabuisieren, fällt es Athleten leichter, Stress frühzeitig und gesundheitsfördernd zu bewältigen, ohne Versagensängste (Stigmatisierung) zu entwickeln.
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