HT 1
Beschreibe das Werk „Pfauenmaschine“ (1982) von Rebecca Horn.
Analysiere die formale Gestaltung des Werks und berücksichtige dabei insbesondere die Aspekte
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Körper-Raum-Beziehung (einschließlich der Richtungsbezüge),
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Materialität,
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Farbe und Form,
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Bewegung und Betrachterbezug (auch in Bezug auf die Veränderung des Werkes).
Untersuche zunächst mittels analysierender Skizzen die „Körper-Raum-Beziehung“ und beziehe die dadurch gewonnenen Erkenntnisse erläuternd in die Analyse mit ein.
Interpretiere das Werk auf der Grundlage der bisherigen Analyseergebnisse sowie unter Berücksichtigung der Zusatzinformationen zum vorliegenden Werk. Beziehe das Wissen über Rebecca Horns künstlerische Verfahren und Strategien der Bildentstehung mittels Transformation von Körper und Raum in die Deutung mit ein. Berücksichtige dabei die Kenntnisse über andere Werke der Künstlerin.
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Abbildung 1: Rebecca Horn: Pfauenmaschine, 1982, Metallkonstruktion (31 Metallstäbe und rundes Metallgestell), Elektronik, Aluminium, Stahl, Motor, 320 x 500 cm


Abbildungen 2 und 3 (Seitenansicht)

Abbildung 4 (Rückansicht, Detail)
Textmaterial:
Zusatzinformationen:
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zum werkspezifischen Kontext:
Ursprünglich realisierte Rebecca Horn die „Pfauenmaschine“ auf der Documenta 7 in Kassel (1982) in einem kleinen Pavillon.
2022 präsentierte die Galerie Thomas Schulte zum 40-jährigen Bestehen der Pfauenmaschine die Installation in den eigenen Ausstellungsräumen.
Die Installation besteht aus einer metallischen Konstruktion, wobei sich die einzelnen spitzen Stäbe – angetrieben durch einen Motor – in einem festgelegten Ablauf nach vorne auffächern, bis sie fast auf dem Boden liegen und sich anschließend nach hinten zurückgehend zusammenlegen.
Im Jahr 1981 entwickelte Horn eine ähnliche Konstruktion mit echten weißen Pfauenfedern für den Film „La Ferdinanda“. Ausschlaggebend hierfür war ein Ereignis, das sich während der Dreharbeiten im Garten der Medici-Villa, wo Pfauen lebten, zugetragen haben soll: Das ganze Jahr hindurch entwickeln die Pfauenmännchen ihre prächtigen Schwanzfedern, doch nur in der vierwöchigen Paarungszeit schlagen sie ihr prächtiges Rad, um sie danach zu verlieren. Im September, dem Drehmonat, hatten schließlich die Tiere alle ihre Federn verloren. Horn sei darüber so enttäuscht gewesen, dass sie ihre erste Pfauenmaschine konstruierte.
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zum Titel:
Pfauen werden wegen ihres eleganten, auffälligen Aussehens oft als Ziervögel in Parks und Gärten gehalten. Die Männchen haben eine bis zu 1,5 Meter lange Schwanzschleppe, die sie zu einem fächerförmigen Rad aufstellen können.
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Zitat von Rebecca Horn:
„Für mich sind diese Maschinen beseelt, sie agieren, sie beben, sie zittern, sie werden ohnmächtig und erwachen plötzlich wieder zu neuem Leben. Perfekte Maschinen sind es keinesfalls.“
Quelle: Rebecca Horn. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 4. März bis 1. Mai 1994 in der Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.
Zugelassene Hilfsmittel:
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Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung
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Skizzenpapier DIN A4, Transparentpapier DIN A4, Bleistifte, Buntstifte (6 Farben)
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Werkdaten und Gattung:
Bei dem Werk „Pfauenmaschine“ handelt es sich um eine kinetische Installation der Künstlerin Rebecca Horn aus dem Jahr 1982. Mit den Maßen von 320 x 500 cm besitzt die Metallkonstruktion ein raumgreifendes, fast monumentales Format, das in seiner Ausdehnung die menschliche Körpergröße deutlich übertrifft.
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Material und Technik:
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Das Werk ist eine technisch-industrielle Konstruktion, die primär aus kühlen, harten Werkstoffen besteht
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Metalle: Zum Einsatz kommen Aluminium und Stahl, insbesondere für das Gehäuse und das zentrale Gestell
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Elemente: Die Installation umfasst 31 spitze, lange Metallstäbe
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Antrieb: Die Bewegung wird durch einen Elektromotor und eine komplexe Elektronik gesteuert
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Sichtbarkeit: Die technischen Komponenten wie Kabel, Schienen und mechanische Gelenke sind im hinteren Teil der Maschine offenliegend und für den Betrachter einsehbar
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Elemente, Kombination und Anordnung
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Das Werk ist achsensymmetrisch aufgebaut und lässt sich in zwei Funktionsbereiche unterteilen:
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Die Basis: Ein keilförmiges Gehäuse am Boden dient als stabiles Fundament und beherbergt die Antriebstechnik.
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Der Fächer: Zentral auf dieser Basis ist ein vertikal stehendes, rundes Metallgestell montiert. An dessen Außenrand sind die 31 Metallstäbe gelenkig befestigt. Diese sind radial angeordnet, sodass sie im ausgefahrenen Zustand die Form eines riesigen, gleichmäßigen Halbkreises bilden.
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Die Verbindung der Stäbe mit dem Motor erfolgt über ein mechanisches System im Zentrum, das die Kraft des Motors in die synchrone Auf- und Abwärtsbewegung der einzelnen Glieder übersetzt.
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Bewegungsablauf:
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Die Installation folgt einem programmierten, festgelegten zeitlichen Ablauf:
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Auffächern: Aus einer Ruheposition heraus bewegen sich die spitzen Stäbe motorisiert nach vorne.
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Expansion: Dabei spreizen sie sich fächerförmig auf, bis sie eine maximale Fläche einnehmen und fast den Boden berühren.
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Kontraktion: Anschließend kehren die Stäbe in die Ausgangsposition zurück, indem sie sich nach hinten gerichtet wieder eng zusammenlegen.
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Räumlich-situativer Kontext
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Das Werk wurde ursprünglich 1982 für die Documenta 7 in einem kleinen Pavillon in Kassel realisiert. In der vorliegenden Dokumentation (2022) befindet sich die Maschine in den hellen, minimalistischen Räumen der Galerie Thomas Schulte. Sie ist dort zentral auf einem glatten, grauen Industrieboden positioniert. Besonders prägend ist die Platzierung vor einer großen Eckverglasung: Die technoiden Linien der Maschine kontrastieren mit dem Blick auf die urbane Architektur und den Straßenverkehr im Hintergrund, während das natürliche Tageslicht die metallischen Oberflächen der Stäbe betont.
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Grundideen für anaylsierende Skizzen
Skizze zur Raumausdehnung und Transformation (Richtungsbezüge und Bewegung):
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Darstellung: Zwei überlagerte Profile der Maschine. Eines zeigt die Stäbe in der aufrechten/geschlossenen Position, das andere in der nach vorne geneigten, bodennahen Position. Die 31 Stäbe werden als einfache Linien (Vektoren) gezeichnet.
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Fokus: Pfeile markieren die radiale Ausdehnung von der zentralen Achse nach außen. Eine gestrichelte Linie markiert den „Aktionsradius“, den die Stäbe im Raum beschreiben. Ein bogenförmiger Pfeil verdeutlicht dabei den Weg der Spitzen durch den Raum. Weitere Pfeile verdeutlichen die Blickführung.
Skizze zum Kontrast Masse vs. Linie (Detail):
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Darstellung: Eine schematische Zeichnung der massiven Basis (Rechteck/Keil) im Verhältnis zu den hauchdünnen Linien der Stäbe.
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Fokus: Schraffuren betonen die Schwere der Technik-Basis, während die Stäbe als filigrane, raumgreifende Strahlen erscheinen.
Skizze zum Thema Wirklichkeit vs. Maschine:
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Darstellung: Zwei sich überlagernde Skizzen, die den gleich Ausschnitt zeigen. Die untere (Bleistift/ Graphit) stellt die Maschine dar, darüber liegt die Kontur (in Farbe) eines echten Pfauen.
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Fokus: Es soll verdeutlicht werden, welche Elemente der Maschine den natürlichen Proportionen und Körperteilen eines lebendigen Pfauen entsprechen.
Analyse der formalen Gestaltung
1. Körper-Raum-Beziehung und Richtungsbezüge
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Die „Pfauenmaschine“ agiert nicht als statischer Körper, sondern als raumgreifender Prozess. Durch die Skizze zur Raumausdehnung wird deutlich, dass das Werk seinen physischen Umfang temporär vervielfacht.
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Die 31 Stäbe fungieren als Leitlinien, die den Blick des Betrachters strahlenförmig von der technischen Mitte in die Peripherie des Raumes führen.
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Da die Stäbe bis fast auf den Boden heruntersinken, beansprucht die Maschine eine Bodenfläche von etwa 500 cm Breite und schafft so eine Barriere oder ein „Bühnenfeld“ im Raum.
2. Materialität
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Die Verwendung von Aluminium und Stahl erzeugt eine kühle, industrielle Anmutung. Es gibt keine weichen oder organischen Oberflächen, was im deutlichen Gegensatz zum lebendigen Vorbild (Pfauenfedern) steht.
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Die offenliegende Elektronik und Mechanik (Kabel, Motor, Schienen) betont den funktionalen, konstruierten Charakter. Das Material „verbirgt“ nichts; die Maschine zeigt sich als Apparat.
3. Farbe und Form
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Monochromie: Die Farbigkeit ist auf die silbrig-grauen Eigenfarben der Metalle reduziert. Dies lenkt die Aufmerksamkeit weg von dekorativen Aspekten hin zur reinen Form und Bewegung.
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Das Werk wird formal durch die Wiederholung der Linie dominiert. Die 31 identischen Stäbe erzeugen einen Rhythmus, der durch die kreisförmige Anordnung an der zentralen Scheibe harmonisiert wird.
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Die Basis ist keilförmig/rechteckig, das Gelenkstück kreisförmig. Diese strengen geometrischen Formen werden erst durch die Auffächerung in eine organisch wirkende Gesamtform überführt.
4. Bewegung und Betrachterbezug
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Die Bewegung ist das konstitutive Element. Das Werk verändert sich von einer eher flachen Wandform (geschlossen) zu einer tiefen Raumform (geöffnet).
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Der „festgelegte Ablauf“ zwingt den Betrachter zum Verweilen. Die Maschine diktiert den Rhythmus der Wahrnehmung.
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Trotz der harten Materialität wirkt die Bewegung laut Rebecca Horn „beseelt“. Der Betrachter erlebt ein Wechselspiel: Einerseits die Distanz zur kalten Maschine, andererseits eine Beobachtung eines „Wesens“, das „bebt“ oder „ohnmächtig“ wird. Die Größe des Werkes (320 cm Höhe) sorgt zudem für eine physische Unterlegenheit des Betrachters.
Interpretation des Werks
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Grundlage für eine Interpretation des Werks „Pfauenmaschine“:
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Spezifische Gestaltung evozierten Assoziationsräume (auch Dramatisierung)
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Mehrdeutigkeit/Ambivalenz hinsichtlich der Deutung der Stäbe als Pfauenfedern, Maschine, Waffe
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Durch den Titel suggerierte Kontrastierung von Natur und Technik
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Durch den Titel suggerierte Spannungsverhältnis Tier – Maschine – Mensch
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Rückgriff auf das ritualisierte Paarungs-/Balzverhalten (Öffnen, Zeigen, Verstecken) eines Pfauenhahnes
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Von einer Maschine transformierte tierische Paarungsverhalten als Verweis auf den Geschlechterkampf zwischen Mann und Frau
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Kinetischer Wirkungsaspekt (Wiederholung, unendlicher Prozess, Einbeziehung der Betrachterin / des Betrachters)
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Spezifische Ausdruckshaftigkeit des verwendeten Materials als Verweis auf Energie und Aggression
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Bewegung als Geste ritualisierter Verhaltens- und Kommunikationsprozesse
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Hintergrundwissen über Stil und künstlerische Verfahren/Auseinandersetzungen Horns:
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Reflexion geschlechtsspezifischer und geschlechtsstereotypischer Vorstellungen sowie die Auseinandersetzung mit der Dualität von Männlichkeit und Weiblichkeit
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Thematisierung und Inszenierung ritualisierter Verhaltensweisen/Verhaltensmuster und emotionaler Zustände
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Konstruktion und Verwendung von Maschinen (Elektronik, Motoren) zur Erzeugung von Transformationsprozessen
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Sich wiederholender Einsatz bildnerischer und motivischer Elemente
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Einbezug des Wissens über weiterer Werke:
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Zufällig, biografisch motivierte Vorgehensweise und die umfassende gesellschaftliche Relevanz der Themen sowie deren Übertragbarkeit (Ereignisse, Erlebnisse)
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Natur und Alltagssituationen als Impulsgeber für eigene kreative Prozesse und künstlerische Reflexionen gesellschaftlich relevanter Themen
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Entwicklung im Werk der Künstlerin in Bezug auf die Bedeutung von Körper, Körpererfahrung und Raum
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Inszenierung von Maschinen und kinetischen Objekten als Sinnbilder von Personen/Gruppen/Geschlechtern bei gleichzeitiger Abwesenheit des menschlichen Körpers