Aufgabe A – Wissenschaft vs. Religion
Thema
Krieg zwischen Wissenschaft und Religion
Aufgabenstellung
Gib den Argumentationsgang in M 1 wieder.
Stelle eine religionskritische Position dar und setze diese in Beziehung zu M 1.
„Wenn du meinst, dass es für deine Überzeugungen gute Gründe gibt, musst du dich zwischen Glauben und Vernunft entscheiden. Und da echte Fakten für unser Wohlergehen und für den Planeten immer wichtiger werden, sollten die Menschen den Glauben als das sehen, was er ist: Keine Tugend, sondern ein Fehler.“ (Z. 72-75)
Setze dich ausgehend von diesem Zitat mit der Position in M 1 auseinander.
Material
Ja, es gibt einen Krieg zwischen Wissenschaft und Religion
Jerry Coyne1
1 Jerry Allen Coyne (*1949) US-amerikanischer Professor für Biologie
2 Daniel Dennett (1942-2024) atheistischer Philosoph mit Schwerpunkt auf Philosophie der Biologie und Evolutionswissenschaft.
Aus: Jerry Allen Coyne: Ja, es gibt einen Krieg zwischen Wissenschaft und Religion. Viele Menschen sagen, dass religiöser Glaube und Wissenschaft gut vereinbar wären. Das stimmt nicht. In: Krautreporter, 8. Juli 2019. Zitiert nach: https://krautreporter.de/leben-und-lieben/2980-ja-es-gibt-einen-krieg-zwischen-wissenschaft-und-religion. Abgerufen am 15.12.2024.
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M 1 legt dar, dass Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens die vorläufige, nicht die absolute Wahrheit finden. Demgegenüber wird Religion als ein soziales System definiert, welches sich zum Glauben an ein übernatürliches Wesen bekennt, dessen Zustimmung erforderlich sei.
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M 1 konstatiert, dass sowohl Religion als auch Wissenschaft Systeme sind, die Wahrheitsaussagen über die Wirklichkeit treffen. Religion erweitert aber ihren Anspruch, indem sie auf Moral, Sinn und Bedeutung eingeht.
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M 1 kritisiert den Wahrheitsanspruch der Religionen, da sie sich auf Glauben stützen anstatt auf empirische Methodik. Sich widersprechende Wahrheiten verschiedener Religionen dienen M 1 als Beleg für die Unglaubwürdigkeit religiöser Wahrheiten.
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M 1 präferiert eindeutig das wissenschaftlich-methodische Wirklichkeitsverständnis, während der Religion unterstellt wird, keine hinlänglichen Antworten auf existenzielle Fragen des Lebens oder die Gottesfrage finden zu können.
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M 1 schlussfolgert daraus einen Krieg zwischen Wissenschaft und Religion.
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Nachdem verschiedene Modelle der Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft skizziert werden, lehnt M 1 diese grundsätzlich ab: Verschiedene Betrachtungsweisen werden als „künstliche Trennung“ deklariert, die Behinderung der Evolutionsforschung aus religiöser Sicht betont und die nicht-religiöse Begründung ethischen Handelns als sinnvoller dargestellt.
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M 1 formuliert als Schlussthese, dass Glauben und Vernunft unvereinbar sind und man sich zwischen den beiden entscheiden muss. M 1 ruft dazu auf, zu erkennen, dass Glaube ein Fehler ist, der schwerwiegende Konsequenzen für die Welt haben kann.
Teilaufgabe 2
Religionskritische Position von z.B. Karl Marx
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Marx geht von einer Klassengesellschaft aus, in der die herrschende Klasse das Proletariat unterdrückt und ausbeutet. Diese gesellschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflussen das Bewusstsein.
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Das soziale Elend führt zur Flucht in ein illusorisches Glück. Dies versteht Marx als die zentrale Funktion der Religion, als Opium des Volkes.
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Durch Revolution werden die gesellschaftlichen Zustände verändert. Dadurch wird Religion überflüssig.
Bezüge Marx – Coyne
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Für Marx ist der Kommunismus der die Religion ersetzende Neuzustand, für Coyne ersetzen Natur Wissenschaft und ihre Methode die Religion.
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Für Coyne ist es unmöglich, religiös zu sein und gleichzeitig die naturwissenschaftliche Denkweise anzuerkennen, für Marx verbietet es sich, kommunistisch zu denken und religiös zu sein.
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Beide verstehen die Religion als überkommen und von neuen Erkenntnissen abgelöst, wenngleich Marx (Pauperismus und Industrialisierung) andere Parameter bemüht als Coyne (Naturwissenschaftliche Erkenntnisse und die zunehmende Erklärbarkeit der Welt).
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Beide sprechen der Religion ab, lebensförderliche Weltdeutung, Moral und Werte zu vertreten: Coyne aus grundsätzlicher Kritik an religiöser Begründung von Wirklichkeitsverständnis oder Ethik, Marx aufgrund der gesellschaftlichen Wirkung von Religion, die soziale Veränderung verhindere.
Mögliche weitere religionskritische Ansätze könnten z.B. auch Freud, Sartre oder Dawkins sein.
Teilaufgabe 3
Thesen des Zitates, die als Ausgangspunkt der Auseinandersetzung dienen können
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Glauben und Vernunft sind unvereinbar.
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Nur „echte“ Fakten dienen dem Wohlergehen des Planeten.
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Religion/Glauben wird als Fehler deklariert, der potenziell gefährlich ist.
Mögliche Aspekte der Auseinandersetzung
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Wirklichkeitsverständnis: Das Zitat reduziert das Wirklichkeitsverständnis auf rein empirisch belegbare Fakten und spricht dem Glauben jede Erkenntnisfunktion ab. Demgegenüber steht ein komplementäres Verständnis, das die Wirklichkeit als mehrdimensional begreift, wobei die Wissenschaft das „Wie“ der Welt erklärt und die Religion nach dem tieferen „Warum“ und dem Sinn des Ganzen fragt.
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Vereinbarkeit von Naturwissenschaft und Religion: Während das Zitat einen „Krieg“ und eine notwendige Entscheidung zwischen Vernunft und Glaube postuliert, betont eine gemäßigte Position die Vereinbarkeit beider Bereiche. Glaube und Naturwissenschaft müssen keine Gegensätze sein, sondern können als unterschiedliche Perspektiven (Sprachspiele) existieren, die sich gegenseitig ergänzen, sofern sie ihre jeweiligen Grenzen respektieren.
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Bedeutung von Wissenschaft bzw. Religion für ethisches Handeln: Das Zitat behauptet, nur Fakten seien für unser Wohlergehen entscheidend, übersieht dabei jedoch, dass Wissenschaft allein keine Werte generiert. Während die Wissenschaft die Datenbasis für ethisches Handeln liefert, bietet die Religion moralische Orientierung und eine Motivationsquelle, die über reine Zweckrationalität hinausgeht.
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Schöpfungsethik und Klimawandel: Im Kontext des Klimawandels zeigt sich, dass Fakten allein oft nicht ausreichen, um ein Umdenken zu bewirken. Die Schöpfungsethik übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse in eine moralische Verantwortung, indem sie die Welt nicht als bloße Ressource, sondern als schützenswertes Geschenk betrachtet, was das im Zitat geforderte „Wohlergehen des Planeten“ religiös tief begründet.