Lerninhalte
Inhaltsverzeichnis

Prüfungsarbeit B

Aufgaben

Interpretiere M 1. Bearbeite dabei folgende Aufgaben:

1

Skizziere den Gründungsprozess der DDR 1948/1949.

10 BE

2

Erarbeite aus M 1 Aussagen zu Erfolgen der DDR und zur Oppositionsbewegung.

09 BE

Weise das Selbstverständnis des SED-Staates nach.

03 BE

3

Die Verfasser von M 1 behaupten, dass mit der DDR ein Staat entstanden sei, der Freiheit und demokratische Selbstbestimmung erfolgreich verwirkliche. (Z. 4 – 6)

Beurteile die Wahlen in der DDR sowie Aufgaben und Methoden des Ministeriums für Staatssicherheit unter den Aspekten Freiheit und demokratische Selbstbestimmung.

14 BE

4

Lege den Verlauf der Friedlichen Revolution und die Demokratisierung der DDR ab Frühjahr 1989 bis März 1990 dar.

12 BE

5

Die Bundesrepublik Deutschland wird in M 1 u. a. als undemokratischer Staat charakterisiert. (Z. 21 – 23)

Untersuche an einem Beispiel den Umgang der Bundesrepublik Deutschland mit Andersdenkenden (bis 1990).

12 BE

M 1

Auszug aus einem geheimen Schreiben des Sekretariats der SED-Bezirksleitung Leipzig zum 40. Jahrestag der DDR vom 29.09.1989

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Vier Jahrzehnte seit der Gründung der DDR machen vor aller Welt offensichtlich:
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Wir, ihre Erbauer, haben einen guten, zukunftsträchtigen Weg beschritten. Hier, im Herzen
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Europas, errichteten wir einen Friedensstaat, entstand eine Arbeiter-und-Bauern-Macht, die
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das Menschenwohl und Menschenrecht, unsere Freiheit und die demokratische
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Selbsbestimmung [sic!] zum Credo ihrer humanistischen Politik erklärte und erfolgreich
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verwirklicht.
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Der erste sozialistische Staat auf deutschem Boden ist Heimstatt der Werktätigen aller Klassen
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und Schichten. Er hat die historischen Bewährungsproben im Zentrum Europas bestanden
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und einen bedeutenden Beitrag geleistet, daß die Jahrzehnte der zweiten Hälfte unseres
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Jahrhunderts in Europa Friedensjahre sind.
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Im Prozess revolutionärer Umgestaltungen unseres Lebens veränderte sich das Dasein jedes
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Menschen zu seinem Nutzen. Hier sind wir Herren unserer Geschicke. Wir selbst bestimmen
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in demokratischer und freier Entscheidung über unser Leben und unsere Zukunft. Frieden und
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Völkerfreundschaft sind bei uns täglich verwirklichte Politik. Der Schwur von 1945 „Nie wieder
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Krieg vom deutschen Boden - Nie wieder Faschismus" bestimmt unser Denken und Handeln,
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er pragt die Staatspolitik.
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Die DDR begeht ihren 40. Jahrestag als ein Staat, in dem das Volk Souverän ist, der sich stabil
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und dynamisch entwickelt, mit einem funktionierenden, effektiven sozialistischen
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Gesellschaftssystem. Erfolgreich arbeiten wir daran, auf sicheren Fundamenten unsere
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nächsten Schritte für die Herausforderungen der 90er Jahre zu bestimmen.
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Was wir uns geschaffen haben, wurde stets erkämpft in erbitterter Auseinandersetzung mit
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dem historisch überlebten System der Ausbeutung und Unterdrückung. Mit der Macht der
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Millionäre, ihrer Profitwirtschaft, ihrem Chauvinismus haben wir hier ein für allemal gebrochen.
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Was wir gewonnen haben, haben sie verloren: Industriebetriebe, Kohlegruben, Werften,
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Junkerland. Damit finden sie sich nicht ab. Deshalb ihr verbitterter und unversöhnlicher Haß
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gegen die DDR seit sie existiert. Das war so 1949, 1953, 1961. Jedoch, die sozialistische DDR
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hat sich immer behauptet im Vertrauen auf ihre eigene Kraft, durch die Nutzung der eigenen
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Fähigkeiten und Potenzen, im festen Bündnis mit ihren Freunden.
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Gerade in diesen Tagen und Wochen erleben wir, wie sie unter Mißachtung von Verträgen
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und Übereinkommen hetzen und sich einmischen und dabei auf Mittel des kalten Krieges
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zurückgreifen. Sie wollen Zwietracht säen, Mißtrauen schüren und Unruhe im Innern der DDR
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schaffen.
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Zum Arsenal dieser unverschämten, dem Völkerrecht hohnsprechenden Attacken gegen den
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Sozialismus gehören auch die in jüngster Zeit verstärkten Machenschaften, in der DDR eine
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sogenannte innere Opposition zu schaffen, politische Wühltätigkeit zu inspirieren und
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auszuweiten. Das, was in Leipzigs Innenstadt inszeniert und organisiert wird, das ist nichts
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anderes als ein Versuch, Recht und Ordnung aufzuweichen, egoistischer Willkür Raum zu
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schaffen, um den Sozialismus zu destabilisieren.
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Sie bedienen sich dabei solcher von ihnen seit längerem hochgepäpelter Personengruppen
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mit eindeutig sozialismusfeindlichen Haltungen, mit gruppenegoistischen Ausflüssen und
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asozialem Verhalten. Einzelne solcher Leute in von ihnen zusammengezimmerten Gruppen
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wittern Morgenluft und kriechen wie Ratten aus ihren Löchern. Sie rotten sich zusammen, um
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die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu stören.
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Was wollen solche Leute wie Henrich, Bohley oder Arnold mit ihrem sogenannten „Neuen
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Forum"? Sie pfeifen auf Recht, Gesetzlichkeit, Ordnung und Anstand und geben heuchlerisch
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vor, Demokratie gepachtet zu haben, Vorkämpfer der Freiheit und Gralshüter der
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Menschenrechte zu sein. Sie reden von Menschenrechten und sie meinen ihre egoistischen
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Interessen. Es ist hohnsprechend, in einem demokratischen Gemeinwesen Demokratie
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einzuklagen. Wir haben Freiheit errungen, sind ei [sic!] freies Land mit freien Bürgern und
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lassen uns diese Freiheit von ihnen nicht nehmen. Und was ihre Forderung nach Reformen
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betrifft - Reformen im Sozialismus dienen ausschließlich seiner Stärkung.
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In Wahrheit steckt hinter all ihren Forderungen ihr persönlicher grenzenloser Egoismus, ihre
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Sozialismusfeindlichkeit. Immer steht die Frage: Freiheit für wen, Demokratie für wen? Sie
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meinen Kapitalherrschaft und die sie verschleiernde bürgerliche Demokratie. Und mit
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Reformen meinen sie nichts anderes als Restauration des Kapitalismus. Das ist nicht nur
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heuchlerisch. Es beweist ihr enges Zusammenspiel mit den konservativ-revanchistis
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Rechtskräften in der BRD. Dort, und nicht bei uns, ist genügend Nachholebedarf für Reformen.
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Deshalb besteht in unserem Lande für solche Vereinigungen wie das „Neue Forum" kein
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gesellschaftlicher Bedarf. Vielmehr steht das in krassem Widerspruch zu unseren historischen
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Errungenschaften, zu unseren künftigen Aufgaben, eben zu unserer Verfassung.
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Eine unheilvolle Rolle bei der Aufwiegelung und Verhetzung zu antisozialistischen Handlungen
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spielen dabei bestimmte Leute, die das Kleid der Kirche tragen.
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So sehr wir religiöse Gefühle und Andacht christlicher Bürger achten, so deutlich sagen wir
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aber auch, wenn man in Kirchentracht Aufruhr stiftet, dann hat das mit religiösem Bekenntnis
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oder christlicher Verkündung absolut nichts zu tun.
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Diesen Umtrieben treten wir mit allen Mitteln, politisch verantwortungsbewußt und aktiv
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entgegen. [...]
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Offensiv vertreten wir die Werte des Sozialismus, gemeinsam mit allen gesellschaftlichen
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Kräften.
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Wir sprechen mit jedem, wir arbeiten mit allen zusammen. Wir dulden nicht, daß irgend jemand
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diesen Leuten auf den Leim geht.
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Überzeugend entlarven wir die Machenschaften dieser Elemente, ihre Heuchelei und
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Doppelzüngigkeit und drängen ihre konterrevolutionären Machenschaften zurück.
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Durch demokratische Aktivität treten wir dafür ein, daß Ruhe und Ordnung gewahrt bleiben.
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Unser Leben, unser Lebensinhalt, soziale Sicherheit und Geborgenheit sind uns zu teuer, als
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daß sie zum Spielball antisozialistischer Kräfte werden.
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Das bestimmt auch unsere Entschlossenheit, alle jene in die Schranken zu weisen, die danach
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trachten, uns an der Weiterführung unserer guten Politik zu hindern.

Aus: Tobias Hollitzer, Sven Sachenbacher (Hg.), Die friedliche Revolution in Leipzig. Bilder, Dokumente und Objekte, Band 2, Leipzig 2012, S. 397.

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