Aufgabe 1
„Das Verneinen, das Ungleichgewicht, die Unordnung schafft neue Gestalten und Ordnungen, die ‚Polarität‘ von Anziehung und Abstoßung schafft Turbulenzen und Chaos, die aber nicht destruktiv, sondern kreativ genutzt werden, […].“
Bröckers, Mathias: Newtons Gespenst und Goethes Polaroid. Über die Natur.
Setze dich bildkünstlerisch mit dem Text auseinander.
Entwickle eine oder mehrere Bildreihen und/oder Einzelblätter.
Präsentiere deine Ergebnisse.
Reflektiere deine Auseinandersetzung mit dem Text und begründe deine Gestaltungsentscheidungen.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Erschließung der Textpassage:
Auf einer abstrakten und philosophischen Ebene findet im Text eine Auseinandersetzung mit der Natur und Wirklichkeit statt. Es wird deutlich, dass die Welt, und alle Dinge, die wir kennen, in einem ewigen Fluss sind. Ohne dieses Chaos oder den Zustand der Unruhe könnte niemals etwas Neues entstehen. Der für diese Dynamik notwendige Störfaktor ist gleichzeitig die Voraussetzung für eine Art von Balance, die sich jedoch in einem ständigen Wandel befindet.
Grundideen und Thematiken zur Auseinandersetzung mit der Textpassage:
-
Metamorphose/Wandel
-
Ewiger Fluss/Kreislauf des Lebens
-
Ordnung vs. Zufall
-
Realität vs. Wahrnehmung
-
Schmetterlingseffekt
Verschiedene Beispiele für Umsetzung dieser Grundideen in Einzelbildern oder Bildreihen:
-
Es wird, z. B. durch die Technik der Décalcomanie, zunächst eine zufällige, unkontrollierte Abbildung erzeugt. Vorgegeben sind lediglich die Menge und Wahl der Farbe. Im Anschluss wird das Werk interpretiert und durch kontrollierte Elemente ergänzt.
-
Es wird eine Tuschezeichnung angefertigt, die einen Teil eines klaren und wirklichkeitsnahen Objekts darstellt (z. B. ein Tier). Der Strich ist zunächst kontrolliert und präzise. Das unvollständige Objekt wird nun „ergänzt“, indem die Tusche an den Rändern des Objekts aufgetragen und mit einem Strohhalm in verschiedene Richtungen gepustet wird. Der Zufall bestimmt nun die Form.
-
Ein Landschaftsgemälde wird mit dickflüssiger Farbe nass in nass gemalt. Die noch nicht vollständig getrocknete Farbe wird im Anschluss leicht verwischt, sodass das ursprüngliche Bild zwar noch zu erkennen ist, aber die Farben und Formen fließend ineinander übergehen.
-
Es wird eine Collage mehrerer Einzelbilder angefertigt, wobei das Gesamtwerk erst durch das Zusammensetzen der Einzelbilder erkennbar wird. Jedes Bild für sich ist nur ein Teil des Puzzles.
-
Aus einem einfachen Blatt Papier entsteht ein Origami. Dabei ist Teil 1 der Bildreihe ein einfaches, leeres Blatt Papier. Ein weiteres Papier wird im Anschluss gefaltet und wieder aufgefaltet, sodass die Kanten der Faltung erkennbar bleiben. Diese können eventuell ergänzend mit einem Kohlestift nachgefahren werden. Der dritte Teil der Reihe ist das fertige Origami.
Beschreibung und Begründung anhand der Idee 1 – Décalcomanie
Der Zufall bzw. das Chaos ist hier nicht die Dekoration, sondern der Ursprung. Es wird lediglich die Wahl und Menge der Farbe vorgegeben, der Rest ist nur bedingt kontrollierbar. Die entstehende Abbildung ist damit dem Zufall überlassen. Sie kann auch bei gleichen Anfangsbedingungen jedes Mal unterschiedlich sein und interpretiert werden. Das wird durch mehrere Einzelbilder verdeutlicht, die unter den gleichen Grundbedingungen doch komplett verschieden aussehen. Gleichzeitig findet auf einer höheren Ebene eine Auseinandersetzung mit der Existenz der Welt an sich statt. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt, verschwindend gering und unterliegt dem Zufall.
Die Thematik des Verneinens, des Ungleichgewichts und der Unordnung wird durch das Mischen verschiedener Farben, den pastosen Farbauftrag auf einem weißen Blatt Papier und die anschließende Interpretation des Farbkleckses verdeutlicht.
Die „Polarität“ von Anziehung und Abstoßung findet Ausdruck in der Optik und Oberflächenbeschaffenheit der sich wild mischenden Farben. Die Technik der Décalcomanie basiert auf der Anziehung der Farbe am Papier und der Abstoßung beim Auseinanderziehen der Flächen. Die dabei entstehenden plastischen Strukturen sind das visuelle Äquivalent zu den erwähnten „Turbulenzen“.
Durch die anschließende Interpretation der entstehenden Form wird das Werk nicht destruktiv, sondern kreativ genutzt. Es stellt dabei auch eine Auseinandersetzung mit dem Prozess der subjektiven Wahrnehmung und der Diskrepanz zwischen der Realität und dem individuellen Eindruck dar. Die „Balance“ zwischen Ordnung und Unordnung entsteht auch dadurch, dass ein zufällig entstandenes Bild durch bewusste Entscheidungsprozesse in eine bestimmte Form gebracht werden kann.