Aufgabe 2
Entscheide dich für eine der Werkreproduktionen.
Setze dich mit dieser bildkünstlerisch auseinander und entwickle davon ausgehend eigene Bildwelten.
Gestalte grafisch.
Erarbeite eine oder mehrere Bildreihen und/oder Einzelblätter.
Präsentiere deine Ergebnisse.
Begründe deine bildnerischen Entscheidungen im Verhältnis zum Ausgangswerk.
Verzeichnis der Werkreproduktionen:

Romanische Bauplastik in der Kirche Saint-Pierre, Chauvigny (Frankreich), Kapitell III: Drache, einen Christen verschlingend; um 1100; Stein, rot und weiß bemalt

Joseph Wright of Derby, Das Experiment mit der Luftpumpe, 1768; Öl auf Leinwand, 183 x 244 cm

Isa Melsheimer, Metamorphosis (Jaques Couëlle) I, 2021; Keramik, Glasur, 42 x 110 x 50 cm
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Grundideen und Thematiken zur Auseinandersetzung mit den Werkreproduktionen:
1. Drache, einen Christen verschlingend
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Formale Analyse: Die Bauplastik bildet das Kapitell einer Säule und stellt eine Drachenfigur dar, die einen menschlichen Körper in ihren Fängen hält. Der Kopf des „Christen“ steckt bereits zur Hälfte im aufgerissenen Maul des Drachen und der Christ streckt die Zunge heraus. Die Drachenfigur ist reliefartig aufgebaut und nicht fein ausgearbeitet, was dem Drachen ein plumpes Aussehen verleiht. Die gesamte Plastik ist in sich wiederholenden Formen und Linien aufgebaut. Die dominierende Form ist dabei ein Dreieck mit abgerundeten Kanten. Diese Form findet sich in Perspektive, Körper, Flügeln, Maul und Zähnen des Drachens sowie bspw. in Kopfform und Zunge des Christen. Eine weitere, häufig vorkommende Form sind Schnörkel und geschwungene Linien (z. B. Ohren, Schwanz des Drachen). Insgesamt wird der Plastik ein geometrisches, unnatürliches Aussehen verliehen. Die Figur des Drachen ist symmetrisch über zwei aneinanderliegende Seitenflächen des Kapitells aufgebaut, der Kopf trifft sich an der Kante und verschmilzt zu einem Gesicht. Damit kann die Plastik von beiden Seiten und von vorne betrachtet werden. Die Figur des Christen befindet sich auf der Kante, an der sich beide Flächen treffen, und ist nicht symmetrisch aufgebaut. Durch die aufgerissenen Augen und Maul des Drachen, die beinahe menschlichen, höhnisch lächelnden Gesichtszüge sowie die herausgestreckte Zunge des Christen erhält die Figur einen ironischen Ausdruck.
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Farbe und Kontrast: Der Körper des Drachen und des Christen sind in rohen Weiß-Beige-Tönen gehalten, und entsprechen damit der natürlichen Farbe des Materials, aus dem die Säule erschaffen wurde. Konturen und Linien sind in einem natürlichen Rotbraun gehalten. Durch die reduzierte Farbpalette und die klaren Kontraste zwischen Fläche und Linie wird die einfache, rohe Gestaltung der Bauplastik verstärkt.
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Ideen für eigene bildkünstlerische Auseinandersetzungen und Bildwelten: Das Bild wird formal erschlossen, indem Blickführung, Linien, Konturen und charakteristische Flächen gekennzeichnet werden. Bildausschnitte der Bauplastik (Details, Gesamtform) werden ausgewählt und skizziert. Dabei wird nach sich wiederholenden Elementen und Mustern gesucht, die abstrahiert und fortgeführt werden. Im Anschluss werden diese Skizzen zu einem Gesamtwerk zusammengesetzt. Dieses bildet die Grundlage für einen Linolschnitt. Dabei kann mit verschiedenen Farben und Untergründen experimentiert werden.
2. Das Experiment mit der Luftpumpe
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Formale Analyse: Das auffälligste Merkmal des großformatigen Ölgemäldes ist das extreme Hell-Dunkel. Das Licht scheint von einer einzigen, zentralen Quelle auf dem Tisch zu kommen (vermutlich eine Kerze hinter einem Glas), die jedoch fast vollständig verdeckt ist. Es entsteht eine dramatische, fast bühnenhafte Beleuchtung. Die Gesichter sind scharf modelliert, während der Hintergrund in tiefer Dunkelheit versinkt. Die Hauptfiguren bilden eine pyramidale Struktur, an deren Spitze der Naturforscher steht. Er fungiert als Bindeglied zwischen dem Experiment (Wissenschaft) und dem Betrachter (Publikum). Die Personen gruppieren sich kreisförmig um den Tisch. Dies erzeugt eine geschlossene, fokussierte Atmosphäre. Die vertikale Achse der Luftpumpe bricht die horizontale Anordnung der Köpfe und schafft Stabilität. Die unterschiedlichen Blickrichtungen (fasziniert, erschrocken, traurig, nachdenklich, direkt zum Betrachter) erzeugen ein dynamisches Netz aus unsichtbaren Linien. Der Vogel, der sich im oberen Teil der Pumpe befindet, zieht dabei die Aufmerksamkeit auf sich. Er liegt regungslos am Boden einer Glasglocke, was die Frage aufwirft, was in dem Experiment mit dem Vogel passiert ist. Die traurigen und erschrockenen Gesichtsausdrücke der Kinder verheißen Unheilvolles, während der Blick des Naturforschers direkt auf den Betrachter gerichtet ist.
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Farbe und Kontrast: Die Palette ist reduziert und in dunklen, natürlichen Tönen gehalten. Das Licht ist warm (gelblich/orange), was einen starken Kontrast zum kalten, bläulichen Licht des Mondes bildet.
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Ideen für eigene bildkünstlerische Auseinandersetzungen und Bildwelten: In einem Einzelbild oder in einer Bildreihe wird der Preis für wissenschaftlichen Fortschritt und die (zum Teil schaurige) Faszination, die von der Wissenschaft ausgeht, thematisiert. Ein fertiges Werk kann z. B. folgende Elemente beinhalten: Geometrische Figuren, naturwissenschaftliche Formeln, anatomische Studien, der Übergang von Nacht zu Tag (als Anspielung auf die Epoche der Aufklärung), Gegenüberstellung von gebildeten Bürgern und armen Bettlern. Dabei kann mit verschiedenen Stilrichtungen (realistisch, abstrahiert) und Malgründen (Kraftpapier/ Leinwand/ edles Briefpapier) experimentiert werden, um die unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten zu repräsentieren.
3. Metamorphosis (Jaques Couëlle) I
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Formale Analyse: Die Skulptur ist ein Hybrid aus zwei Formensprachen. Auf der linken Seite dominiert eine spiralförmige, konische Form, die an ein Schneckenhaus oder einen Kokon erinnert. Sie wirkt gewachsen und natürlich. Nach rechts hin transformiert (oder „metamorphosiert“) sich das Objekt in eine kantige, architektonische Struktur. Es sind rechteckige Durchbrüche, die wie Fenster wirken, und flächige, konstruierte Elemente (inspiriert von der organischen Architektur Jacques Couëlles) zu erkennen. Zwei „Welten“ werden dabei miteinander vereint: Auf der einen Seite der organische Kokon und auf der anderen Seite der konstruierte, verwinkelte Teil. Dennoch weckt die Skulptur auch Assoziationen an ein schlüpfendes Insekt, das im Begriff ist, sich aus seiner Hülle zu schälen. Diese Assoziation lässt viel Spielraum für Interpretation zu.
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Farbe und Kontrast: Obwohl alles aus Keramik besteht, erzeugt die Glasur unterschiedliche haptische Reize. Der organische Teil wirkt rau, fast erdig und verwittert (Moos- oder Steinstruktur). Der architektonische Teil wirkt glatter, fester und erinnert an Beton oder bearbeiteten Stein.
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Ideen für eigene bildkünstlerische Auseinandersetzungen und Bildwelten: In verschiedenen Studien wird der Frage nachgegangen, wie sich Architektur im Laufe der Zeit gewandelt hat. Dabei wird mit verschiedenen Oberflächenstrukturen, Malgründen, Schraffuren sowie organischen und geometrischen Formen experimentiert. Dabei wird besonderen Wert auf die Thematik der Metamorphose gelegt. Es sollen also Übergänge zwischen verschiedenen Formsprachen stattfinden.
Begründung anhand Werk 1 „Drache, einen Christen verschlingend“:
Linolschnitt ist ein Hochdruckverfahren, bei dem alles, was stehen bleibt, Farbe druckt. Dies spiegelt eins zu eins den Charakter der Bauplastik wider. So wie der mittelalterliche Steinmetz das Motiv aus dem Steinblock herausgearbeitet hat, wird das Motiv aus der Linolplatte herausgeschnitten. Der Zusammenhang liegt in der Haptik und Kraft: Die klaren Kontraste zwischen Linie und Fläche lassen sich im Linolschnitt wiedergeben.
Die Bauplastik basiert auf einer geometrischen Grundordnung. Indem diese Formen isoliert und abstrahiert werden, wird dieses historische Gestaltungsprinzip (die Unterordnung unter die Form) aufgenommen und neu interpretiert. Der „unnatürliche“, geometrische Ausdruck des Originals rechtfertigt den Schritt weg von der Anatomie hin zum Muster und Rhythmus.
Da der Drache im Original symmetrisch über eine Kante gebaut ist, bietet der Ansatz der „Neuzusammensetzung“ der Skizzen die Chance, diese architektonische Symmetrie grafisch zu interpretieren. Durch das Experimentieren mit Farben und Untergründen kann zudem den „ironischen Ausdruck“ und die „reduzierte Farbpalette“ des Originals entweder verstärken oder durch bewusste Brüche (z. B. grelle Farben für den „ironischen“ Drachen) neu kontextualisiert werden.