Prüfungsarbeit 1
Andrea Eskau wurde am 21.03.1971 in Apolda/Thüringen geboren. Schon früh konnte sie sich für fast jede Form des Sports begeistern. Nach dem Erwerb sportlicher Grundlagen im Leichtathletikverein wechselte sie zum Radsport und später zum Triathlon.
Nach einem folgenschweren Radunfall 1998 wurde eine sportliche Neuorientierung aufgrund einer Querschnittslähmung erforderlich. Es folgte eine erfolgreiche Karriere im Rennrollstuhlsport. Sie wurde eine der besten Handbikerinnen weltweit. Hierbei absolviert sie Distanzen von 15-30km im Einzelzeitfahren und 40-80km im Straßenrennen. Auf der Suche nach einem sportlichen Ausgleich im Winter traf Andrea Eskau 2009 auf den damaligen Cheftrainer der Nationalmannschaft im Para Ski nordisch. Es gelang ihm, die Sportlerin auch für den Skilanglauf und Biathlon in der sitzenden Startklasse zu begeistern. Andrea Eskau nahm bereits an acht paralympischen Spielen teil und gewann dabei acht Goldmedaillen. Damit ist sie die bislang einzige Sportlerin, die in drei verschiedenen Sportarten Paralympiasiegerin wurde. 2024 in Paris erreichte sie den 4. Platz im Straßenrennen.
Andrea Eskau ist, wie nahezu alle Parasportler, berufstätig. Sie geht täglich von 9-15 Uhr einem Bürojob nach, welcher ihre Trainingszeiten limitiert. Trotz ihrer unzähligen Erfolge kann der Parasport keine finanzielle Absicherung bieten, wenngleich die Siegprämien seit 2012 zunehmend angehoben wurden.

Abb. 1 Andrea Eskau beim Handbike

Abb. 2 Andrea Eskau beim Para Ski nordisch
Ordne die Parasportart Handbike einer Sportartengruppe zu und kennzeichne dominierende motorische Leistungsvoraussetzungen.
Diskutiere den Stellenwert des paralympischen Sports für Andrea Eskau in Bezug auf die Funktionen des Sports. Erläutere den Einfluss von möglichen Sozialisationsinstanzen.
Beschreibe dominierende Energiegewinnungsprozesse im paralympischen Einzelzeitfahren (Dauer ca. 30 Minuten auf leicht kupierter Strecke mit max.12% Anstieg) mit dem Handbike.
Entwirf eine 90-minütige Trainingseinheit zur Verbesserung einer dominanten motorischen Fähigkeit im Para Ski nordisch sitzend.
Erkläre anhand eines Modells trainingsbestimmende Varianten energetischer Wiederherstellungsprozesse im leistungssportlichen Training von Andrea Eskau im Saisonverlauf des Para Ski nordisch sitzend. Gehe dabei auf die Begriffe Belastung und Beanspruchung ein.
Erläutere die Bewegungsstruktur des Doppelstockschubs (Abb. 3) im Para Ski nordisch sitzend und wirkende biomechanische Prinzipien.

Abb. 3 Andrea Eskau beim Doppelstockschub
Mit der Ankunft am Schießstand beginnt für Andrea Eskau eine intensive Konzentrationsphase. Die Anfahrtsgeschwindigkeit wird verringert und somit die Atem- und Herzfrequenz für einen möglichst ruhigen Schießvorgang herabgesetzt. Sie nimmt bereits vor dem Erreichen der Schießmatte die Windfahnen wahr, um daraufhin etwaige Änderungen am Diopter vornehmen zu können. Während des Schießvorgangs spürt sie mögliche Windeinflüsse u.a. auf der Haut. Der Anschlag (Abb. 4) verlangt eine stabile Körperposition und eine differenzierte Anspannung der Muskulatur. Während der Schussabgabe muss sie stets fokussiert bleiben und äußere Einflüsse wie z. B. den Jubel der Zuschauer ausblenden können.
Setze dich mit den ablaufenden Prozessen der Informationsaufnahme für ein erfolgreiches Biathlonschießen auseinander. Erläutere Aufbau und Funktion eines Analysators an diesem Beispiel.

Abb. 4 Andrea Eskau im Anschlag beim Schießen im Biathlon
Vergleiche die Anforderungen hinsichtlich des Ausprägungsgrades koordinativer Fähigkeiten von Andrea Eskau in den Disziplinen Handbike und Para Biathlon.
Quelle Abb. 1: https://www.andreaeskau.de/, 07.11.2023
Quelle Abb. 2: https://www.sueddeutsche.de/sport/paralympics-andrea-eskau-gewinnt-silber-1.3910368, 07.11.2023
Quelle Abb. 3: Werner Nauber, 4.2.2014
Quelle Abb. 4: https://www.spiegel.de/sport/wintersport/paralympics-2018-andrea-eskau-holt-gold-im-biathlon-a-1197766.html, 07.11.2023
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Zuordnen zu Sportartengruppe: Ausdauersportarten, z. B.
-
umfangreiche Dauer
-
hoher Energiebedarf
-
zyklische Bewegungen
Kennzeichnen motorischer Leistungsvoraussetzungen, z. B.
-
Ausdauerfähigkeiten (LZA)
-
Kraftfähigkeiten (Kraftausdauerfähigkeit)
-
sporttechnische Fertigkeiten (Handkurbeln)
Diskutieren des Stellenwerts des paralympischen Sports für Andrea Eskau, z. B.
-
gesundheitliche Funktion (Sporttreiben für seelisches/körperliches Wohlbefinden)
-
Integrationsfunktion (soziale Kontakte durch den Sport, Vorbildwirkung für gehandicapte Menschen)
-
wirtschaftliche Funktion (keine finanzielle Absicherung, aber höhere Siegprämien)
-
politische Funktion (Repräsentantin für Deutschland)
Erläutern möglicher Sozialisationsinstanzen
-
Cheftrainer Para Ski nordisch
-
und weitere, z. B.
-
Familie/Freunde
-
Vereine/Nationalmannschaften
-
Medien (Zunahme der Berichterstattung)
Beschreiben dominierender Energiegewinnungsprozesse
-
aerob (vorwiegend Kohlenhydrate über gesamte Dauer)
-
anaerob-laktazid (Anstieg/Endspurt)
Entwerfen einer Trainingseinheit, z. B. Grundlagenausdauer
Einleitung (ca. 15 Minuten):
-
Zielorientierung/Motivation
-
allgemeine/spezielle Erwärmung (gymnastische Übungen, Einfahren)
Hauptteil: kontinuierliche Dauermethode
Art der Körperübung: Skilanglauf sitzend
Belastungsumfang: ca. 60 Minuten
Belastungsintensität: 60-75% VO2max
Belastungsdichte: keine Pause
Qualität der Bewegungsausführung: hoch
Schlussteil (ca. 15 Minuten):
-
Cool Down (Ausfahren, Dehnung)
-
Auswertung und Ausblick
Erklären trainingsbestimmender Varianten der energetischen Wiederherstellung anhand eines Modells, z. B.
-
Darstellung der Superkompensation
-
einfache Wiederherstellung (Regenerations-/Übergangsphase)
-
optimale Wiederherstellung (Wettkampfphase)
-
unvollständige Wiederherstellung (Vorbereitungsphase)
-
Berücksichtigung des optimalen Verhältnisses von Belastung und Wiederherstellung im Bezug zur Trainingszielstellung im Saisonverlauf
-
Belastung ist objektive externe Vorgabe von Belastungsparametern
-
Beanspruchung als interne subjektive Reaktion des Körpers auf die Belastung
Erläutern der Bewegungsstruktur: zyklische Bewegung
-
Hauptphase ist Antriebsphase (vom Einstechen der Stockspitzen bis zum Lösen vom Boden)
-
Zwischenphase (Ausschwingen der Arme nach hinten sowie Vorführen der Arme mit einhergehender Oberkörperstreckung)
-
Phasenverschmelzung zwischen den jeweiligen End- und Vorbereitungsphasen zu Zwischenphasen
Erläutern biomechanischer Prinzipien, z. B.
-
Prinzip des optimalen Beschleunigungswegs (optimale Ausholbewegung)
-
Prinzip der Gegenwirkung (Abdruck durch optimalen Einstichwinkel und Krafteinsatz)
Auseinandersetzen mit Prozessen der Informationsaufnahme beim Biathlonschießen mit Analysatoren/Rezeptoren, z. B.
-
optisch/Auge (Blick zur Windfahne, Anvisieren des Ziels)
-
taktil/Haut (Fühlen des Windes)
-
statico-dynamisch/Innenohr (Gleichgewicht beim Schießen, stabile Körperposition)
-
akustisch/Ohr (Zuschauereinfluss, Klappen der Scheiben beim Gegner, taktische Hinweise des Trainers davor)
Erläutern des Aufbaus/die Funktion eines Analysators, z. B. optischer Analysator
-
Rezeptor Auge (optischer Analysator zum Erfassen des Ziels)
-
Reizweiterleitung über afferente Nervenbahnen an ZNS
Vergleichen der Anforderungen an Ausprägungsgrad, z. B.
Handbike:
-
gut ausgeprägte Rhythmisierungsfähigkeit (bei kurbelnder Armbewegung)
-
Orientierungsfähigkeit notwendig (Fahren im Feld beim Straßenrennen)
-
Umstellungsfähigkeit notwendig (Fahren im Feld beim Straßenrennen)
Para Biathlon:
-
gut ausgeprägte Rhythmisierungsfähigkeit (Doppelstockschub)
-
höherer Ausprägungsgrad der Orientierungsfähigkeit (zu den Zielscheiben, Schießplatz finden, Spurwechsel)
-
gut ausgeprägte Umstellungsfähigkeit (Anpassung an Windverhältnisse beim Schießen durch Diopter)
-
höherer Ausprägungsgrad der Gleichgewichtsfähigkeit notwendig (schmale Unterstützungsflächen)
Zur Beantwortung der Aufgabe können auch Ausprägungsgrade unterschiedlicher koordinativer Fähigkeiten verglichen werden.