Beispielaufgabe 3 – Äthiopien und das nördliche Afrika
1 Bevölkerung und Ressource Wasser
Anlage III.1 zeigt die Lage des Grand Ethiopian Renaissance Dam, bei dem der Blaue Nil in Äthiopien gestaut wird.
Bewerte dieses Projekt aus Sicht der betroffenen Länder!
Anlage III.2 gibt einen Überblick über die Bevölkerungsdichte im westlichen Nordafrika.
Arbeite mithilfe geeigneter Atlaskarten die Hauptaussagen zur Bevölkerungsdichte entlang der Linie Casablanca-Zinder-Lagos heraus und erkläre diese!
2 Globalisierung
Nach der Theorie der fragmentierenden Entwicklung von Fred Scholz wird die Erde durch die Globalisierung in drei unterschiedliche Raumkategorien gegliedert.
Ordne den in Anlage III.3 charakterisierten äthiopischen Standort der Textilproduktion begründet einer dieser Kategorien zu und erläutere im Anschluss die beiden weiteren Raumtypen nach oben genannter Theorie!
Lege ausgehend von Anlage III.3 Chancen und Risiken für Äthiopien als Produktionsstandort der Bekleidungsindustrie dar!
3 Entwicklung
Der geringe Entwicklungsstand Äthiopiens ist ein Resultat sehr vielfältiger Ursachen.
Belege diese These mithilfe geeigneter Atlaskarten, indem du jeweils drei naturräumliche und anthropogene Entwicklungshemmnisse für das Land näher erläuterst!
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Anlage III.1 Lage des Grand Ethiopian Renaissance Dam

Anlage III.2 Bevölkerungsdichtekarte des westlichen Nordafrikas
Anlage III.3 Interview mit dem Einkäufer einer Sportartikelkette (2019) (gekürzt und adaptiert)
Was kaufen Sie für Ihr Unternehmen in Äthiopien ein?
Wir beschaffen Sportkleidung überwiegend aus Synthetikmaterial. Unsere Lieferanten wiederum importieren dafür fertige Stoffe und konfektionieren sie hier zu Bekleidung.
Hat Ihr Unternehmen auch die Beschaffung aus anderen Ländern der Region erwogen?
Wir untersuchten unter anderem auch Kenia, fokussieren uns jetzt aber auf Äthiopien. Den Ausschlag gaben die Verfügbarkeit von billigem Strom, die reichlich vorhandenen Arbeitskräfte und die positive unterstützende Haltung der Regierung. Die Verfügbarkeit von Baumwolle war kein maßgeblicher Punkt.
Von welchen Lieferanten beziehen Sie Ihre Ware?
Wir haben keine eigenen Fabriken, sondern schließen enge Partnerschaften mit Firmen, die uns beliefern. In Äthiopien sind dies im Moment ein äthiopischer Hersteller und drei ausländische Investoren.
Aus welchen Gründen kaufen Sie in Äthiopien ein?
Einmal, weil unser Unternehmen weltweit mehr verkauft und damit auch mehr einkaufen muss. Wichtig ist dabei China: Lange war das ja hauptsächlich ein Land für die Produktion. Inzwischen ist die Nachfrage dort aber so groß, dass China sich vor allem selbst beliefert – und andere Märkte entsprechend weniger versorgt.
Wird Äthiopien einmal mehr beisteuern als nur die Arbeit?
Dafür müssten Unternehmen hier auch Stoffe herstellen. Und das ist ein Muss. (…) Stoffe in Exportqualität schafft Äthiopien bisher weder von der Menge noch von der Qualität her. Dabei brauchen die vielen neuen Exportbekleidungsfabriken gute Stoffe der vorgelagerten Textilindustrie. (…)
Zeigen ausländische Investoren schon jetzt Interesse an Investitionen in die Textilindustrie?
Ja, Unternehmen etwa aus Bangladesch, Indien, Sri Lanka, China oder Taiwan, die hier heute schon Bekleidung fertigen. Die haben schon Machbarkeitsstudien für Projekte in der Schublade – wenn die Bekleidungsfabriken gut laufen, werden sie die Vorhaben umsetzen.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Bewertung des Staudammprojekts, v. a.
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klimaneutrale Energiegewinnung aus Wasserkraft und damit wirtschaftliche Impulse und verringerte Abhängigkeit von fossilen Energieträgern für Äthiopien;
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Sicherung der Bewässerung und Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen in Äthiopien;
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Regulierung des Wasserstandes mit Ausgleich von Hochwasserspitzen und Wassermangelphasen;
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Einbußen in der Landwirtschaft der nilabwärts liegenden Staaten aufgrund Ausbleibens von Teilen des fruchtbaren Nilschlamms und zeitweise verringerter Wassermengen;
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politische Konflikte zwischen Äthiopien und den flussabwärts gelegenen Anrainerstaaten aufgrund der Abflusskontrolle des Stauseewassers durch Äthiopien;
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veränderte Flussquerschnitte durch Eingriff in das Abflussverhalten des Nils.
Herausarbeiten und erklären der Bevölkerungsdichte, v. a.
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hohe Bevölkerungsdichte bei Casablanca aufgrund der Großstadtfunktion, Lage am Atlantik mit Hafen und Anbindung an den Welthandel sowie günstigem Klima zur Besiedelung;
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geringe bis sehr geringe Bevölkerungsdichte im weiteren Verlauf in Algerien und Niger aufgrund des Wüstenklimas sowie hoher Reliefenergie und damit ungünstigen Bedingungen hinsichtlich landwirtschaftlicher Nutzbarkeit und räumlicher Erschließung;
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geringe bis mittlere Bevölkerungsdichte bei Zinder im Bereich der Dornstrauchsavanne und dadurch lediglich Möglichkeit zur Nutzung durch Nomaden, jedoch Gefahr der Desertifikation in der Sahelzone;
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mittlere bis hohe Bevölkerungsdichte im Nordosten und in der Mitte Nigerias aufgrund guter landwirtschaftlicher Nutzbarkeit hinsichtlich der Subsistenzwirtschaft sowie für den Export bei ausreichend Niederschlägen im Bereich der Trocken- und Feuchtsavanne;
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hohe Bevölkerungsdichte im Umkreis von Lagos aufgrund der wirtschaftlichen Attraktivität und entsprechenden Ansiedlungs- und Zuzugsraten.
Zuordnung des Produktionsstandorts, v. a.
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„Globalisierter Ort“, da reiner Ausführungsstandort globaler Produktionsaufträge, im ständigen Wettbewerb mit anderen möglichen Produktionsstandorten;
Weitere Raumkategorien, v. a.
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„Globale Orte“ als Schaltstellen ökonomischer Entscheidungen mit globaler Reichweite und Wirkung;
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„Neue Peripherie“ als Lebensraum der von der Globalisierung weitgehend Ausgeschlossenen, aufgrund fehlender Nachfrage nach deren Produkten, Arbeitskraft und Konsum auf dem Weltmarkt.
2.2 Darlegung möglicher Chancen und Risiken
Chancen, v. a.
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Aufbau einer langfristigen Handelsbeziehung und damit Teilhabe an der globalen Produktionskette von Textilien;
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Erweiterung der Wertschöpfung durch Aufbau einer eigenen Fertigung von Stoffen;
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Wissenstransfer durch Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen.
Risiken, v. a.
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relativ leichter Wegzug der Produktion an noch günstigere Standorte;
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geringe Sickereffekte durch vollständigen Import der Grundstoffe ohne Berücksichtigung heimischer Produkte wie Baumwolle;
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Absatzschwierigkeiten für die heimische Textilfertigung durch günstigeres Warenangebot der ausländischen Produzenten;
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geringe Devisenzufuhr wegen des Überwiegens ausländischer Investoren gegenüber einheimischen;
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große wirtschaftliche Abhängigkeit von wenigen externen Märkten, beispielsweise China.
Erläuterung naturräumlicher und anthropogener Entwicklungshemmnisse
anthropogene, v. a.
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geringe Chancen auf Ansiedlung höherwertiger Arbeitsplätze durch hohe Analphabetenrate der Bevölkerung;
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Überlastung der Bildungs- und Arbeitsstätten sowie der Infrastruktur durch hohe Geburtenrate in Verbindung mit starkem Bevölkerungswachstum;
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geringe Produktivität der Arbeitskräfte und hohe Krankenstände in den Betrieben durch schlechte medizinische Versorgung.
naturräumliche, v. a.
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verkehrstechnisch ungünstige Anbindung an den Weltmarkt durch Binnenlage und damit erschwerte Handelsbeziehungen;
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hohe Einbußen für die Landwirtschaft durch Dürren und damit verbundene Hungerkatastrophen;
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geringe Verfügbarkeit von Energierohstoffen und Bodenschätzen und damit geringe Exportmöglichkeiten und Notwendigkeit von Importen.