Aufgabe III – „Du sollst ruhig zweifeln!“
Hinweis: Es werden vier Aufgaben zur Auswahl gestellt, von denen eine bearbeitet werden muss.
Fasse Kernaussagen von Klaus von Stosch im Interview M 1 mit eigenen Worten zusammen!
„Liebe braucht Freiheit und setzt frei. Und damit öffnet sie [ …] auch die Tür zum Zweifel.“ (M 1, Z. 16f.)
Skizziere das biblisch-christliche Menschenbild und begründe, dass Freiheit und Liebe wesentliche Aspekte davon sind!
Stelle einen konkreten religionskritischen Ansatz dar und zeige daran Argumente gegen den Gottesglauben auf. Untersuche, welche Bedeutung hier dem „Zweifel“ zukommt!
„Es gibt [Ansätze], manche Zweifel zu überwinden oder zumindest durch sie geleitet tiefer in den Glauben zu kommen.“ (M 1, Z. 29-31)
Vergleiche ausgehend von obigem Zitat die Position von Klaus von Stosch (M 1) mit der Haltung des Vaters in M 2 bezüglich des Umgangs mit Glaubenszweifeln!
Entfalte an biblischen Beispielen einerseits Transzendenz und Unverfügbarkeit sowie andererseits Nähe und Heilswillen Gottes!
„Glaube ohne Zweifel wäre wenig menschlich und lebensfern.“ (M 1, Z. 23)
Während der jährlich stattfindenden „Wissenschaftswoche“ in der Jahrgangsstufe 11 wird ein gemeinsames Thema von allen Fächern aus ihrer jeweiligen Perspektive untersucht. Dieses Jahr lautet das Thema „Der Mensch“.
Entwirf einen Vortrag aus der Sicht des Faches Katholische Religionslehre unter der Überschrift „Glaube und Zweifel heute“, den du vor den Schülerinnen und Schülern der 11. Jahrgangsstufe hältst!
Gehe dabei auf obiges Zitat aus M 1 (M 1, Z. 2) ein und verwende zusätzlich die Materialien M 2 bis M 4.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M 1: „Damit der Glaube wirklich meiner ist, muss ich auch zweifeln können”
Wie geht eigentlich ein katholischer Theologe und Professor mit Zweifeln um? Was bedeuten Zweifel für das Glaubensleben?
Das wurde Prof. Dr. Klaus von Stosch gefragt. Er ist seit 2008 Professor für systematische Theologie an der Uni in Paderborn. Prof. von Stosch gilt als einer der wichtigsten Vertreter der komparativen Theologie in Deutschland und arbeitet seit Jahren intensiv mit islamischen Theologen zusammen.
Quelle: (zuletzt eingesehen 08.01.2026)
M 2: „Glaubenszweifel“ (Karikatur)

Quelle: © Plaßmann
M 3: Shell-Studie: „Glauben finden nur vier von zehn Jugendlichen wichtig“
Die Shell-Jugendstudien werden im vierjährigen Turnus veröffentlicht. Die 18. Shell-Jugendstudie (2019) untersucht, wie die Generation der 12–25-Jährigen heute in Deutschland aufwächst: Welche Rolle Familie und Freude, Schule und Beruf, Digitalisierung und Freizeit spielen. Die Studie stellt aber auch die Frage nach Politik, Gesellschaft und Religion.
Quelle: (zuletzt eingesehen 08.01.2026)
M 4: Der Gott des Pop – Snoop Dogg und andere Rapper entdecken die Bibel
Daniel Haas ist freier Autor und beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle die Frage nach Gott im Musikgenre Hip-Hop spielt. Wie passt es zusammen, dass „Gangsta-Rapper“ über die Bibel und den christlichen Glauben texten.
Quelle: Daniel Haas, Der Gott des Pop, in: DIE ZEIT 21/2018 (17.5.2018), S. 55.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Fasse die Grundaussagen von M 1 mit eigenen Worten zusammen. Der Operator „zusammenfassen“ entspricht dem Anforderungsbereich I.
Es sind vor allem folgende Gedanken zu nennen:
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Für Klaus von Stosch gehören Glauben und Zweifel untrennbar zusammen.
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Heute findet sich der Mensch in der Situation, dass der Glaube an die Existenz Gottes seit der Aufklärung „erschüttert“ ist.
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Stosch setzt Menschsein, Freiheit und Liebe miteinander in Beziehung – erst die Freiheit eröffnet dem Menschen die Fähigkeit zu lieben und zu zweifeln, erst der Zweifel macht den Glauben zum persönlichen Glauben.
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Zweifel macht den Menschen „menschlich“ und gibt ihm die Möglichkeit, mit Gott im Gebet in den Dialog zu treten.
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Selbst Jesus kannte den Zweifel; wie er dürfen Glaubende darauf vertrauen und erfahren: Gott ist da, auch wenn er nicht wahrgenommen wird.
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Daraus ergeben sich Folgen für den Umgang mit Zweifelnden: Auch sie gehören zur Kirche.
Es handelt sich hier um eine zweiteilige Aufgabe: Drücke zunächst das biblisch-christliche Menschenbild in seinen Grundzügen aus (= Anforderungsbereich I) und stütze anschließend durch Argumente (= Anforderungsbereich II), dass Freiheit und Liebe wesentliche Aspekte davon sind.
Folgende Aspekte des biblisch-christlichen Menschenbildes können z. B. aufgeführt werden:
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Gottebenbildlichkeit und Menschenwürde
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Transzendentalität und Endlichkeit
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der Mensch als Individuum und als soziales Wesen
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Mitgestaltung der Schöpfung; Verantwortung; Freiheit; Vernunftbegabung
Darauf aufbauend soll herausgearbeitet werden („begründen“ = Anforderungsbereich II), dass sowohl Freiheit als auch Liebe zum Menschsein gehören.
Geeignete Passagen in der Bibel sind z. B.
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die Schöpfungstexte (Gen 1–2)
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die Sündenfall-Erzählung (Gen 3)
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die Offenbarung des JAHWE-Namens am Dornbusch (Ex 3)
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Ijob 29; 30
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die sogenannte „neue These“ von der Feindesliebe (Mt 5,43-48)
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das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe (Mk 12,28-34)
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Aussagen des Paulus im Galater-Brief
An diesen Texten soll zum einen nachvollziehbar aufgezeigt werden, dass Gott dem Menschen Freiheit schenkt, auch die Freiheit zu zweifeln oder zu sündigen. Gott offenbart sich dem Menschen als ein Gott, der Freiheit schenkt.
Zum anderen soll aufgezeigt werden, dass das Verhältnis Gott-Mensch und Mensch-Gott im biblisch-christlichen Menschenbild ein personales, liebevolles ist.
Lege zunächst einen konkreten religionskritischen Ansatz mit eigenen Worten dar und zeige auf, welche Argumente hier gegen den Gottesglauben vorgebracht werden (= Anforderungsbereich I). Erschließe danach die Bedeutung des Zweifels systematisch und stelle sie dar (= Anforderungsbereich II).
Beispielhaft wird hier der Ansatz Friedrich Nietzsches aufgegriffen:
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Der Glaube an einen Gott schwächt den Menschen auf seinem Weg zum „Übermenschen“.
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Der Glaube behindert das wahre Menschsein durch die Beachtung „falscher“ Tugenden und Werte wie Demut und Vergebung.
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Zweifel wird von Nietzsche eingefordert und ist wichtig, um den Glauben zu entlarven, Gott für tot zu erklären und ein wahrer Mensch zu werden.
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Bei Nietzsche bedingen sich Glaube und Zweifel also nicht, sondern schließen einander aus.
Entsprechendes kannst du auch bezüglich eines anderen religionskritischen Ansatzes aufzeigen.
Stelle beide Positionen kurz dar und vergleiche sie kritisch miteinander. Während der erste Teil der Aufgabe (evtl. kurze nochmalige Erwähnung der von Stosch’schen Gedanken; kurze Beschreibung der Karikatur) im Anforderungsbereich I verbleibt, erfordert der zweite Teil (Vergleich) den Anforderungsbereich II.
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Klaus von Stosch spricht über Glauben und Zweifel aus sehr persönlicher Sicht, er kann als gläubiger Mensch Zweifel zulassen und im Gebet vor Gott tragen. Von Stosch sieht, dass diese Zweifel sehr ernst und nicht leicht zu beheben sind. Im Zitat wird deutlich, dass die Zweifel auch zu einem innigeren Gottesverhältnis und tieferen Glauben führen können. Diese Zweifel sind wichtig und berechtigt, aber müssen nicht notwendig zu einem Kirchenaustritt führen.
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Auf der anderen Seite nimmt der Vater im Cartoon das Zweifeln des Sohnes nicht als einen Wert, sondern als Defizit wahr. Er will diese Zweifel nicht zulassen, sondern erwartet vom Pfarrer, sie leicht und einfach zu beheben (eigentlich zu „reparieren“), gibt also jede Verantwortung an einen „Fachmann“ ab. Er will sich selbst damit nicht auseinandersetzen.
Der Operator „entfalten“ verweist auf Anforderungsbereich II. Entfalte das genannte Spannungsfeld an Beispielen nachvollziehbar.
Es bieten sich z. B. folgende biblische Passagen an:
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die Offenbarung des JAHWE-Namens am Dornbusch (Ex 3)
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Gott als Bundespartner seines Volkes (Ex 20)
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neutestamentliche Heilungserzählungen, z. B. Mk 2,1-12
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die Gottesanrede „Abba“ (Mt 5,8f)
Wähle mindestens zwei geeignete biblische Passagen aus, um daran das Spannungsfeld zwischen Gottes Transzendenz und Unverfügbarkeit sowie Nähe und Heilswillen zu erläutern.
Diese Aufgabe entspricht dem Anforderungsbereich III. Stelle das Thema anhand eigener Kenntnisse und vorliegender Materialien strukturiert und umfassend dar.
Bei dieser Aufgabe sind folgende Kriterien bei der Bewertung zu berücksichtigen, der Schwerpunkt der Bewertung liegt dabei auf der inhaltlichen Gestaltung:
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formale und sprachliche Gestaltung:
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Ansprache
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strukturierte und nachvollziehbare Gedankenführung
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Adressatenbezug
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inhaltliche Aspekte und weitere Fachkenntnisse:
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klarer Bezug auf das Zitat
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Erfassen der Materialien M 2 (Karikatur), M 3 (Shell-Studie zur Situation der Jugend), M 4 (Glaube in der Rap-Musik)
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Verbinden und Gewichten der Materialien
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sachgerechte Auswertung und zum Thema passende Einbettung in den Vortrag
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Bezug zu wesentlichen Aspekten des (biblisch-christlichen) Menschenbildes
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