Abschlussprüfung 2026
Aufgabe 1
Eine bekannte Technik beim Kugelstoßen ist die Rückenstoßtechnik.

Abb. 1.: Rückenstoßtechnik im Kugelstoßen
(verändert nach: Haberkorn, C.; Plaß, R.: Spezielle Didaktik der Sportarten. Leichtathletik 2. Sprung, Wurf, Stoß. Frankfurt am Main: Verlag Moritz Diesterweg GmbH & Co., 1992. S. 184 f..)
Analysiere die Phasenstruktur der Rückenstoßtechnik beim Kugelstoßen (s. Abb. 1) und beschreibe die charakteristischen Merkmale der einzelnen Phasen!
Erläutere den Begriff „Kopplungsfähigkeit“ und begründe dessen Relevanz für die Rückenstoßtechnik!
Beschreibe ein für die Rückenstoßtechnik wesentliches biomechanisches Prinzip!
Aufgabe 2
Die sportliche Leistung beim Kugelstoßen steht in enger Wechselwirkung zu den Kraftfähigkeiten.
Beschreibe, ggf. unter Zuhilfenahme einer beschrifteten Skizze, den mikroskopischen Aufbau der Skelettmuskulatur!
Definiere eine für die Disziplin Kugelstoßen besonders wichtige Art der Kraft und begründe deine Auswahl! Nenne anschließend zwei leistungsbestimmende Faktoren!
Stelle die für einen Kugelstoßwettkampf besonders relevanten Energiebereitstellungsprozesse begründet dar!
Aufgabe 3
Aus trainingswissenschaftlicher Sicht lässt sich die Kugelstoßleistung durch verschiedene Krafttrainingsmethoden verbessern.
Erläutere eine für die Disziplin Kugelstoßen geeignete Krafttrainingsmethode! Nenne anschließend eine entsprechende praktische Übung mit ihren Belastungsparametern!
Erkläre das Modell der Superkompensation (s. Abb. 2)! Zeige anschließend die Folgen eines zu früh und eines zu spät gesetzten neuen Belastungsreizes im weiteren Trainingsverlauf auf!

Aufgabe 4
„Die Finals 2026“ sind ein Multisportevent, bei dem deutsche Meisterschaften in 25 Sportarten (u. a. 3x3 Basketball, 7er-Rugby, Beachvolleyball, BMX Flat, Gerätturnen, Judo, Segeln, Triathlon etc.) an vier Tagen in Hannover parallel ausgetragen werden.
Nenne jeweils Gründe für bzw. gegen dieses Format des Multisportevents zur Ausrichtung der deutschen Meisterschaften!
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Aufgabe 1
Analyse der Phasenstruktur der Rückenstoßtechnik beim Kugelstoßen und Beschreibung charakteristischer Merkmale der einzelnen Phasen, z. B.:
Die Rückenstoßtechnik beim Kugelstoßen ist eine azyklische Bewegung, die in drei Phasen gegliedert ist:
Vorbereitungsphase (Schaffen optimaler Voraussetzungen für die Hauptphase):
-
Ausgangsposition: Rücken zur Stoßrichtung; Kugel auf Fingerwurzeln am Hals; Körpergewicht auf gebeugtem Standbein der Stoßarmseite; Schwungbein in Stoßrichtung nach hinten versetzt;
-
Auftaktbewegung: Heranziehen des Schwungbeins an das gebeugte Standbein; Absenken des Körperschwerpunkts (Kauerstellung);
-
Angleitbewegung: energischer Stoß des Schwungbeins in Richtung Balken; gleichzeitig kräftiger, flach gerichteter Abdruck des Standbeins in Stoßrichtung;
-
Aufbau einer Körperverwringung durch eingedrehtes Aufsetzen des Standbeinfußes sowie Fortsetzung der Drehbewegung in der Hüfte mit weiterhin quer zur Stoßrichtung ausgerichteter Schulterachse und aktivem Aufsatz des Schwungbeinfußes am Balken (Stoßauslage).
Hauptphase (Realisierung des eigentlichen Bewegungsziels):
-
Auflösung der Körperverwringung durch explosive Drehstreckbewegung von Standbein und Hüfte; Gewichtsverlagerung auf das fixierte Stemmbein;
-
Möglichst geradlinige Beschleunigung der Kugel mit Block der Gegenschulter sowie abschließender explosiver Streckung des Stoßarms; Kugel verlässt die Hand möglichst am höchsten Punkt mit optimalem Abwurfwinkel.
Endphase (Ausklingen der Bewegung, Wiedererlangen des Gleichgewichts):
-
kontrolliertes Abfangen des Körpers; Verhindern des Übertretens.
Erläuterung des Begriffs „Kopplungsfähigkeit“ und Begründung von dessen Relevanz für die Rückenstoßtechnik, z. B.:
Unter Kopplungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, Teilkörperbewegungen der Extremitäten, des Rumpfes und des Kopfes untereinander und in Beziehung zu der auf ein bestimmtes Handlungsziel ausgerichteten Gesamtbewegung räumlich, zeitlich und dynamisch zu koordinieren.
Bei der Rückenstoßtechnik müssen die Impulse der Teilkörperbewegungen (Beine, Rumpf, Arme) optimal aufeinander übertragen werden, um einen möglichst hohen Gesamtimpuls zur maximalen Beschleunigung der Kugel zu erzeugen. Hierfür sind aufeinander aufbauende Teilkörperbewegungen erforderlich (Sukzessivkopplung).
Beschreibung eines für die Rückenstoßtechnik wesentlichen biomechanischen Prinzips, z. B.:
Prinzip des optimalen Beschleunigungswegs:
Ziel ist das Erreichen einer maximalen Endgeschwindigkeit eines zu beschleunigenden Objekts oder des eigenen Körpers. Die physikalische Voraussetzung dafür ist ein möglichst langes Einwirken der beschleunigenden Kraft. Der optimale Beschleunigungsweg kann stetig gekrümmt oder geradlinig sein.
Bei der Rückenstoßtechnik wird der Beschleunigungsweg durch die Körperverwringung optimiert: Durch die Vorwärtsrotation der Hüftachse entgegen der möglichst quer zur Stoßrichtung fixierten Schulterachse und dem damit verbundenen Rückhalten der Kugel wird der Beschleunigungsweg verlängert und damit eine längere Krafteinwirkung auf die Kugel ermöglicht. Die Kugel kann so mit einer höheren Endgeschwindigkeit gestoßen werden.
Aufgabe 2
Beschreibung des mikroskopischen Aufbaus der Skelettmuskulatur, ggf. unter Zuhilfenahme einer beschrifteten Skizze.
Definition einer für die Disziplin Kugelstoßen besonders wichtigen Art der Kraft und Begründung der Auswahl, z. B.:
Die Schnellkraft beinhaltet die Fähigkeit des Nerv-Muskel-Systems, den Körper, Teile des Körpers oder Gegenstände maximal zu beschleunigen. Damit ermöglicht sie in einer möglichst kurzen Zeit einen möglichst hohen Kraftimpuls.
Entscheidend sind neben einem schnellen Kraftanstieg (Startkraft) zu Beginn der Stoßbewegung ein möglichst hoher Kraftanstieg pro Zeiteinheit (Explosivkraft), um die Kugel bis zum Verlassen der Hand maximal zu beschleunigen.
Nennung von zwei leistungsbestimmenden Faktoren, z. B.:
-
muskulärer Querschnitt der eingesetzten FT-Fasern;
-
Signalgebung des Nervensystems (Rekrutierung, Frequenzierung, Synchronisation).
Darstellung der für einen Kugelstoßwettkampf besonders relevanten Energiebereitstellungsprozesse und Begründung der Auswahl, z. B.:
Beim Kugelstoßen handelt es sich um eine azyklische Schnellkraftdisziplin mit einer extrem kurzen Belastungsdauer (ca. 1 bis 2 Sekunden für den eigentlichen Stoßvorgang) bei maximaler Intensität. Folglich wird die Energiebereitstellung bei der eigentlichen Stoßbewegung v. a. durch anaerob-alaktazide Energiebereitstellungsprozesse sichergestellt:
-
Adenosintriphosphat (ATP)-Spaltung: ATP → ADP + P + Energie; Der ATP-Vorrat in der Muskelzelle reicht bei maximaler Kontraktion für etwa 2 Sekunden. Aufgrund der geringen Dauer der Bewegung wird der Energiebedarf der Muskulatur hauptsächlich durch die Spaltung von ATP gedeckt.
-
ATP-Resynthese durch Kreatinphosphat (KP): ADP + KP → Kreatin + ATP; Der KP-Speicher reicht bei maximaler Intensität für ca. 7 bis 10 Sekunden und ist für die schnelle Resynthese von ATP von entscheidender Bedeutung (schnellste Art der ATP-Resynthese).
Aufgabe 3
Erläuterung einer für die Disziplin Kugelstoßen geeigneten Krafttrainingsmethode, z. B.:
positiv-dynamische Krafttrainingsmethode:
-
überwindende Muskelarbeit im Vordergrund (Abnahme der Muskellänge);
-
hoher Energiebedarf durch konzentrische Muskelkontraktion;
-
Vorteile beim Einsatz im Training im Kugelstoßen:
-
Möglichkeit des Trainings aller an der Bewegungskette beteiligten Muskeln;
-
Wirkung bzgl. Kraftzunahme und Verbesserung der inter- bzw. intramuskulären Koordination;
-
Möglichkeit des gezielten Trainings insb. der Maximalkraft und der Schnellkraft (in Abhängigkeit von Gewicht und Ausführungsgeschwindigkeit).
-
Nennung einer entsprechenden praktischen Übung mit ihren Belastungsparametern, z. B.:
IK-Training (Bankdrücken)
-
Reizintensität 90 – 100%
-
Reizdauer: 1 – 5 explosive Wiederholungen
-
Reizdichte (Serienpause): 5 – 10 Minuten
-
Reizumfang: 2 – 6 Serien
-
Reizkomplexität: gering bis mittel
-
Trainingshäufigkeit: 2 – 3x pro Woche
Erklärung des in Abb. 2 dargestellten Modells der Superkompensation, z. B.:
Das Modell der Superkompensation lässt sich in folgende Phasen unterteilen:
-
Ausgangsniveau: Homöostase
-
Belastungsphase im Training: Entleerung der Glykogenspeicher
-
Erholung/Regeneration: Wiederauffüllen der Glykogenspeicher nach Belastungsende
-
Superkompensation: „Überschießende“ Wiederherstellung mit erhöhter Leistungsfähigkeit
-
Rückkehr der Leistungsfähigkeit auf das Ursprungsniveau
Aufzeigen der Folgen eines zu früh und eines zu spät gesetzten neuen Belastungsreizes im weiteren Trainingsverlauf, z. B.:
-
zu früh gesetzter Trainingsreiz: Ein Einsetzen des neuen Trainingsreizes vor Erreichen des Superkompensationsniveaus führt zu unzureichender Wiederherstellung der Glykogenspeicher und damit ggf. zu einem Übertraining mit kontinuierlicher Abnahme der Leistungsfähigkeit im weiteren Trainingsverlauf.
-
zu spät gesetzter Trainingsreiz: Ein Einsetzen des neuen Trainingsreizes nach der Phase der Superkompensation führt dazu, dass die Leistungsfähigkeit nicht kontinuierlich gesteigert werden kann, sondern im weiteren Trainingsverlauf ggf. auf dem Ausgangsniveau stagniert.
Aufgabe 4
Nennung von Gründen für bzw. gegen das Format des Multisportevents „Die Finals 2026“, z. B.:
Gründe für das Format:
-
vielfältiges und damit attraktives Angebot für das Publikum;
-
Schaffung von Begegnungsflächen für Sportlerinnen und Sportler über die eigene Sportart hinaus;
-
erhöhte Aufmerksamkeit auch für Randsportarten oder Trendsportarten (Sponsoring, erhöhte Medienpräsenz, etc.);
-
Erschließung weiterer Vermarktungsmöglichkeiten (TV-Rechte, etc.);
-
Reduzierung des organisatorischen Aufwands durch Synergieeffekte;
-
Ankurbelung des Tourismus am Austragungsort bzw. in der entsprechenden Region.
Gründe gegen das Format:
-
Verteilung der Aufmerksamkeit des Publikums auf mehrere Sportarten;
-
terminliche Kollision von Entscheidungen an wenigen Tagen;
-
erhöhte Kosten für den Austragungsort durch Größe der Veranstaltung;
-
mit Blick auf Bedarfe Möglichkeit der Ausrichtung nahezu nur in Großstädten gegeben → ggf. Schwächung kleinerer Traditionsveranstaltungen.